Beiträge von AmSee13

    Eben, Paul. Und deswegen weist so mancher hier darauf hin, dass es keine einfachen Lösungen in komplexen Situationen gibt.

    Das, was du da beschreibst, ist mit der Lösung "einfach nicht mehr an Alkohol denken, dann ist das alles ganz easy" nicht aus der Welt.

    Gerade, weil diese Lösungsstrategie auch in Gedanken, Emotionen, Erinnerungen und automatisierten Verhaltensmustern in deinem Unterbewusstsein gespeichert ist, wird sie sich in komplexen Situationen immer mal wieder aufdrängen.

    Deshalb betone nicht nur ich immer wieder, wie wichtig es ist, sich im Laufe seiner Abstinenz neue Denk- und Verhaltensmuster zu erarbeiten und diese konsequent zu üben, damit sich diese auch im Zweifelsfall als tragfähig erweisen.

    Wenn du im Zweifelsfall - und das kann bei komplexen Situationen durchaus der Fall sein - nicht rechtzeitig gegensteuern kannst, werden in deinem vegetativen Nervensystem Prozesse in Gang gesetzt, die sich deiner rationalen Kontrolle entziehen. Und dann kann‘s echt knifflig werden mit der Abstinenz.


    Und ich betone nochmals, es geht nicht darum, Angst vor Suchtdruck zu schüren. Ich hab schon mal geschrieben, dass Angst ein eher schlechter Begleiter ist.

    Man sollte durchaus zuversichtlich an die Angelegenheit herangehen, dabei aber den Ernst der Sache nicht aus dem Blick verlieren.

    Auch mir geht das so, selbst nach über drei Jahren permanenter Nüchternheit.

    Na, das will ich ja wohl hoffen. Wenn’s nicht so wäre, wäre ja auch angeraten, die eigenen Denk- und Verhaltensmuster ein weiteres Mal zu überdenken und ggf. entsprechend anzupassen. 😉

    Vor was also Angst haben? Vor'm bösen Verführer Alkohol? Mal ehrlich, ich bin doch erwachsen! Warum kiffe, kokse ich nicht oder werfe mir schöne bunte Pillen ein?

    Es geht doch gar nicht darum, Angst zu haben, sondern darum, sich selbst gut genug zu kennen bzw. Denk- und Verhaltensmuster zu erwerben und zu pflegen, die auch im Zweifelsfalle tragfähig sind.

    Und im Prinzip ist ja eigentlich nicht der Alkohol der Verführer, auch wenn so manchem die Denkweise vom Alkohol als Teufel oder vom Suchtteufel eine Hilfe ist.

    Verführt wirst du, wenn’s denn geschieht, doch von dir selbst. Man sollte nicht unterschätzen, was außerhalb des Bewusstseins im Unterbewusstsein geschieht. Dort liegen Gedanken, Emotionen, Erinnerungen, Glaubenssätze und automatisierte Verhaltensmuster, die uns beeinflussen, aber nicht bewusst zugänglich sind.

    Bis sich auch dort eine Veränderung eingestellt hat, dauert es seine Zeit und das geschieht auch nicht von selbst und auch kaum binnen ein paar Wochen oder Monaten.


    Und dass du nicht kiffst, kokst oder dir bunte Pillen einwirfst, hat eher weniger damit zu tun, dass du erwachsen bist, sondern wohl eher damit, dass du dich nie entsprechenden Kreisen bewegt hast, in denen das aus welchen Gründen auch immer „normal“ oder „angesagt“ ist. - Insofern bist du damit glücklicherweise gar nicht erst damit in Berührung gekommen.

    Hallo Paul ,

    ah, ja, ich hab mich, da du mich zitiert hattest, tatsächlich direkt angesprochen gefühlt. Natürlich sei dir verziehen.

    Willibald42 muss oder möchte bitte, sich entscheiden, was er eigentlich will. Diese ewige Herumgeeierei mit "na ja, vielleicht, ein bisschen oder nur manchmal" bringt doch nichts, außer ein Weiterdrehen im Kreis.

    Ich hätte das nicht so direkt formuliert, denn grundsätzlich kann Willibald tun und lassen, was er möchte. Und bislang war es nicht sein Wunsch, überhaupt keinen Alkohol mehr zu trinken. Zudem ist sein Konsum, laut seiner eigenen Aussage, wie Stilles Wasser zusammengefasst hat, „schon über längere Zeiträume moderat und die Kontrollmechanismen, dass es so bleibt, scheinen zu greifen“.

    Nun sucht Willibald hier aber offensichtlich Austausch, mir persönlich ist allerdings nicht klar, ob er zur Zeit nun doch mit sich ringt und bei uns Unterstützung sucht, um gänzlich abstinent zu werden und diese erfolgreich zu meistern, oder ob es darum geht, sich zu rechtfertigen oder festzustellen, dass er die Probleme, die z.B. du von dir geschildert hast, selbst gar nicht hat und sich von daher offen lässt, seine eigene Lösung zu finden.

    Viele Grüße

    AmSee

    Ich musste mich entscheiden, will ich so weiter machen oder nicht. Ich musste für mich entscheiden, verändere ich etwas oder lieber doch nicht. Ich für mich allein.

    Stimme dir zu, natürlich muss und darf das jeder für sich selbst entscheiden.

    Wenn du meinen Thread von vor vier Jahren mal gelesen hast, dürftest du wissen, wie schwer ICH mich getan habe mit dem Gedanken „nie wieder Alkohol“.

    Ich hab mich mit meinen Worten nun aber ganz bewusst an willibald42 gewandt, mit dem der Austausch schließlich schon vor einer kleinen Weile begonnen hat und dessen Satz, den ich zitiert habe, zumindest bei mir Fragen aufwirft.

    „Was kann ich für die wollen(sollen) weiss ich noch nicht.“

    Hallo Willibald,

    mir ist nicht so ganz klar, was du möchtest.

    Siehst du selbst denn ein Problem bei dir, an dem du etwas ändern möchtest, und suchst deswegen hier Unterstützung?

    Wenn du Alkohol trinken willst und den gelegentlichen Konsum auch kontrollieren kannst, wüsste ich nicht, wie wir, die wir uns für eine vollständige Abstinenz entschieden als auch erfolgreich gemeistert haben, weil wir uns vor ein ernsthaftes Problem gestellt sahen, dich unterstützen könnten. 🤷‍♀️

    Viele Grüße

    AmSee

    und welches man trotzdem besser nicht roh verzehrt, zB Kichererbse.

    Das hab ich dann irgendwann vor Kurzem auch mal gelesen….🤔 Ich hab das mit den Kichererbsen vor etwas über 30 Jahren bei einer Bekannten kennengelernt und von ihr übernommen, weil ich diese gekeimten Kichererbsen sehr lecker fand…..

    Danke dir für den Buchtipp, das dürfte auch für mich interessant sein. 👍

    Danke für eine Erinnerung!
    Ich hab sonst auch immer wieder Sprossen angesetzt, am liebsten Kichererbsen. Zuletzt hatte auch Radieschen dabei und Mungobohnen. Hatte mir schließlich auch so einen Biosnacky Sprossenturm zugelegt. Da kann man eine, zwei oder sogar drei Schalen übereinander stapeln.
    Dann hatte ich die Sprossen erstmal über. Könnte ich mal wieder mit beginnen. 🤔

    Kresse habe ich früher immer in einem Schälchen, die ich mit mit Taschentüchern ausgelegt hatte, angesetzt. Das hat besser funktioniert als mit dem Keimgerät.

    Hallo Styggi,

    niemand hier kann beurteilen, ob du bereits ein ernsthaftes Problem hast oder dich noch im Bereich „riskanter Konsum“ bewegst.

    Immerhin bist du bereits an dem Punkt, dass du dir selbst Gedanken machst. Wenn für dich alles im „grünen Bereich“ läge, hättest du dich nicht hier angemeldet.

    Wenn du von der Neubeurteilung aus Kanada gehört oder gelesen hast, dürftest du wissen, dass Alkohol in jeder Menge ein Zellgift ist, und das bedeutet eben mit Sicherheit auch in der Menge, die du täglich konsumierst.

    Wenn du dich täglich auf dein abendliches Bier freust, den Gedanken an Alkohol täglich in deinem Kopf hast, bist du durchaus schon eine gewisse Beziehung mit dem Alkohol eingegangen.

    Ich schlage dir mal ein Experiment vor, das man mir selbst vor vier Jahren vorgeschlagen hat:

    Nimm dir mal zeitlich begrenzt, nicht nur ein paar Tage oder wenige Wochen, sondern ein halbes Jahr vor, keinen Alkohol zu trinken.

    Wenn Du nicht süchtig bist, wird dir das nach einer gewissen Anfangssehnsucht, die auch von einer gewissen Gewohnheit kommen kann, relativ leicht fallen.

    Wenn du aber ständig an Alkohol denken musst, wenn du sogar wirklich kämpfen musst, um nicht zu trinken, dann hast du bereits ein Alkoholproblem. Und wenn du es erst gar nicht schaffst, also zur Flasche greifst, egal mit welchem Vorwand du dir das dann rechtfertigst, dann weißt du, was die Stunde geschlagen hat.

    Viele Grüße

    AmSee

    Leute…es gibt zwei Arten von Suchtkranken: Die Einen halten sich die Krankheit immer wieder vor Augen, weil es für sich selbst brauchen, weil sie nicht unachtsam werden wollen, weil sie das für sich selbst benötigen und es ihnen Sicherheit verschafft. Und dann gibt es die Anderen, die irgendwann auch mal genug von dem Thema Sucht haben und das nicht wie so ne Art Damoklesschwert über sich hängen haben wollen und auch mit dem Abstand gut fahren.

    Beide Wege und alles dazwischen hat seine Berechtigung - Hauptsache, es funktioniert und hält einen in der Abstinenz.

    Kann das aufgrund dessen, was ich so beobachtet habe, nur bestätigen.

    Auch das ständige Gerede in der SHG, über die Tücken, die Hinterhältigkeit des Suchtdrucks, dass er immer und überall zuschlagen konnte, ich immer wachsam sein müsse, verwirrten mich - klar, wenn ich immer an Alkohol denke, bekomme ich ihn nie aus dem Kopf, wenn ich immer die Gefahr sehe, mich selbst verunsichere, stresse ich mich selbst, verunsicher ich mich selbst, immer wieder.

    Mir ist eine SHG bekannt, in der ich das selbst auch so wahrgenommen habe, wie du das beschreibst und kritisierst.
    Und in meiner Auseinandersetzung damit habe ich mich mit ähnlichen Gedanken beschäftigt wie du. Ich musste irgendwann dann auch feststellen, dass ich eben nicht in jene SHG passte.

    Da ich aber nun einmal so bin, wie ich bin, habe ich allerdings auch nachzuvollziehen versucht, warum so manchem in jener SHG dieses Thema offenbar so wichtig war und wohl auch noch immer ist.

    Hier in diesem Forum wird meines Erachtens ein anderer Ansatz vertreten. Ja, das Thema Suchtdruck kommt ab und zu mal vor, aber es geht dabei nicht darum, irgendwelche Ängste zu schüren oder zu verunsichern. Es geht darum, tragfähige neue Denk- und Verhaltensmuster zu erwerben, auch für den Fall, dass es mal nicht so gut läuft.
    Der Fokus liegt in diesem Forum meines Erachtens darauf, Mut zu machen und das zu erwerben, was allgemein als „zufriedene Abstinenz“ bezeichnet wird.

    Suchtdruck ist bei mir ein Gefühl im Bauch, wie ein schwerer depressiver Gedanke, der starkes Unwohlsein herbeiführt - alles schnürt sich zu. Das passiert nicht so nebenbei, sondern fühlt sich fast an wie eine starke innere Trauer, die ich umgehend betäuben muss - oder ein Schmerz für den ich sofort ein Schmerzmittel brauche.

    Das trifft es ziemlich genau, wie es sich bei mir angefühlt hat…

    Das hatte nichts von „freudiger Erwartung“ und ich hätte in dem Moment auch nicht nach Wein oder Bier greifen wollen, sondern völlig entgegen meinem sonstigen Konsum und Konsumverhalten nach etwas, was den Schmerz sofort betäubt. Geschmack, was mir sonst so wichtig war, hätte überhaupt keine Rolle gespielt. Mir war völlig bewusst, dass ich mir schaden würde, aber das war mir in diesem Moment vollkommen egal.
    In meiner Not habe ich Freunde kontaktiert, aber die waren keine Hilfe. Hilfe fand ich in dem Moment in einer Online-SHG und ich habe nicht nachgegeben.

    Suchtdruck ist das nicht die freudige Erwartung auf Belohnung, welche man sich selbst verwährt?

    Empfehle dazu diesen Thread, in dem das Thema schon mal andiskutiert wurde:

    Greenfox
    31. Mai 2014 um 20:53

    Ich kam mir vor wie der MacGyver der Klopapierrollen. Das war schön und ich weiss nicht ob sich das betäubt auch so schön angefühlt hätte.

    Das freut mich richtig für dich, dass du das so empfinden konntest. 👍

    Ein kostbarer Moment, würde ich sagen. 😊👍

    Guten Morgen,

    lass dich von dem, was da gerade bei dir abgeht bzw. zur Zeit nicht so wie gewohnt abgeht, nicht täuschen…

    Wie du geschrieben hattest, hast du mit Alkohol etwas verdrängt, betäubt.
    Das mag zwar für eine Weile in gewisser Weise notwendig gewesen zu sein, aber zu deiner Genesung hat das bestimmt nicht beigetragen.

    Vergiss nicht, dass da bei dir gerade ein Verarbeitungsprozess aufgebrochen und in Gang gesetzt worden ist. Da passiert gerade unheimlich viel in deinem Kopf, auch emotional.

    Das erklärt, warum du zur Zeit eher weniger produktiv bist, weniger gut zuhören kannst usw.

    Ich hatte das auch in den Zeiten, in denen ich in solchen Verarbeitungsprozessen drinsteckte. Das gibt sich wieder und wird u.U. sogar besser, wenn du durch diesen Prozess durch bist.

    Also, ich bin inzwischen sehr viel besser als früher…. Kein Vergleich zu der Zeit, als ich mir genau das vom Alkohol versprochen habe…

    Viele Grüße

    AmSee

    Das ist gut, dass der Freund dir da eine Unterstützung ist.

    Was die Läuse betrifft: Das Mittel für die Haare gibt’s zum Beispiel in der Apotheke, das hilft auch schnell. Ansonsten alle Wäsche in große Mülltüten packen und nach und nach in der Waschmaschine waschen.
    Freitag solltest du, wenn ihr heute gleich loslegt, keine Gefährdung mehr für deine Therapeutin darstellen….

    Hey du,

    kann mich Bighara s Worten nur anschließen.
    Da war und ist das, was du bislang mit Alkohol betäuben wolltest.
    Dass der Alkohol es bei dir nicht besser gemacht hat, die Erfahrung hast du.
    Wenn’s nicht so wäre, wärest du gar nicht erst hier aufgeschlagen und hättest dich letztens nicht so vor dir selbst erschrocken.

    Nun stellt sich die Frage, welche Ressourcen dir zur Zeit zur Verfügung stehen. Wie lange musst du noch auf den nächsten Therapietermin warten? Wie kommst du bis dahin über die Runden? Was steht dir zur Verfügung, um dich zumindest halbwegs zu stabilisieren?

    Liebe Grüße

    AmSee