Hallo Emily,
ich denke, ich kann nachvollziehen, warum du niemandem davon erzählt hast, was in deinem Inneren abgegangen ist. Du bist damit ganz bestimmt nicht allein.
Bevor ich mich vor vier Jahren an dieses Forum wandte, wollte ich mir gewiss nicht eingestehen, ein Alkoholproblem zu haben. Das hätte für mich Versagen bedeutet.
Für mich war das mein ganzes Leben ein Makel gewesen, aus einer Alkoholikerfamilie zu stammen, und ich hatte mich mein ganzes Leben lang darum bemüht, von diesem Makel wegzukommen.
Und nun sollte ich selbst sozusagen in die Fußstapfen meines Vaters getreten sein? Ich doch nicht, ich war doch so ganz anders als er.
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Edit: Nicht, dass ich selbst meinen Vater für einen „Versager“ gehalten hätte, das hab ich tatsächlich nicht, sondern nur selbst und mit ihm darunter gelitten, was sein Alkoholismus für furchtbare Auswirkungen für ihn selbst und unsere Familie hatte. Die Vorstellung von „Makel“ und „Versagen“ hatte ich wegen der allgemeinen Vorstellung in unserer Gesellschaft, was ein Alkoholiker sei, und der damit verbundenen Stigmatisierung. Mein Vater und meine Familie hat nie das Bild abgegeben, was man sich allgemein von einem Alkoholiker bzw. einer Alkoholikerfamilie vorstellt.
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Doch weil ich erkannte, dass da etwas bei mir nicht stimmte, meldete ich mich hier an und stellte mich vor, weil ich glaubte, hier Menschen zu finden, dich sich mit sowas auskennen und mir Antworten und Hilfe geben könnten.
Wer meine Anfänge hier gelesen hat, weiß, was für Antworten ich bekommen habe, wie ich gerungen habe. Und bin den Menschen, die sich hier mit mir eingelassen haben, dankbar, dass sie sich mit mir eingelassen haben. Sie waren mir eine unschätzbare Hilfe und sehr gute, offene und authentische Gesprächspartner.
Eingeweiht habe ich meinen Mann erst nach ein paar Tagen und zwar ab dem Zeitpunkt, als ich mir meines Problems tatsächlich bewusst war. Vorher hätte ich das nicht gekonnt, denn ich hätte mir kein Eigentor schießen wollen, insbesondere da er mich schon mehrfach besorgt über meinen Konsum darauf angesprochen hatte, ich aber der Überzeugung war, er täte das nur, weil er wusste, dass mein Vater Alkoholiker war, und ich glaubte, dass er mir Unrecht tat und keine Ahnung hätte.
Nun muss ich aber dazu sagen, dass mein Mann und ich ansonsten immer über alles geredet haben und das auch konnten. Ich weiß, dass das leider nicht in jeder Beziehung so ist. Im Laufe der Zeit habe ich meinem Mann dann vieles erzählt, was ich durch die Beschäftigung mit diesem Thema dazugelernt hatte. Er hat stets gut und interessiert zugehört.
Andere, aber auch nur bestimmte Menschen, habe ich erst sehr viel später eingeweiht, dabei aber nicht unbedingt den Begriff „Alkoholiker“ fallen lassen, sondern lediglich erklärt, dass ich nicht mehr trinke, weil ich die Kontrolle über meinen Konsum verloren hätte.