Hallo Clara,
ich denke, ich hab eine Ahnung, womit du zu kämpfen hast und kann durchaus auch nachvollziehen, warum du Alkohol zur Selbstmedikation missbrauchst, weil ich mit ähnlichen Problemen wie du zu tun hatte und teilweise noch habe.
Du hast selbst bereits bemerkt, wohin dich dein Alkoholmissbrauch bereits geführt hat, sonst hättest du dich nicht hier angemeldet.
Ob du dich mit dem Konsum herunterarbeiten kannst, ist fraglich, denn, wie du selbst schreibst, gelingt es dir nicht immer kontrolliert zu trinken und du trinkst zu viel, wenn’s schwierig/ traurig wird. Dass du ausgerechnet in solchen Momenten zu viel trinkst, hat durchaus seine Gründe. -Weißt du darüber schon ein bisschen Bescheid? -
DAS kontrollieren zu wollen….. 🤷♀️
Als ich hier vor vier Jahren aufschlug, konnte ich mir auch nicht vorstellen, mit dem Trinken aufzuhören. Ich konnte vor mir selbst aber nicht länger verleugnen, dass mit meinem Konsum etwas nicht stimmte. - Ich trank zwar aus anderen Gründen als du, aber auch ich missbrauchte Alkohol zur Selbstmedikation und mein Konsum entglitt mir zunehmend.
Auch ich nehme seit vielen Jahren Antidepressiva. Ich wusste zwar, dass ich deswegen keinen Alkohol trinken sollte, aber ich tat‘s trotzdem, weil ich mir vom Alkohol etwas versprach, was ich mir selbst nicht mehr geben konnte. Und es funktionierte ja auch…. bis es eben nicht mehr funktionierte….
Erst durch die Auseinandersetzung mit dem Thema und den Austausch mit anderen Selbstbetroffenen hier wurde mir bewusst, wo ich bereits stand und wohin es mit mir kommen würde, wenn ich nicht die Reißleine zog.
Und mir wurde bewusst, dass es leichter für mich war, es ganz bleiben zu lassen, als es weiterhin mit kontrolliertem Trinken zu versuchen.
Im Laufe meiner Abstinenz begriff ich durch die spürbaren psychischen und körperlichen Verbesserungen, in welchem Ausmaß ich mir mit meinem Alkoholmissbrauch ein Eigentor geschossen hatte. Das, was mit Antidepressiva in der Neurochemie des Gehirns kompensiert werden soll, schießt du dir mit Alkohol nämlich kaputt.
Körperliche Anzeichen hatte ich während meiner Missbrauchszeit auch nicht bemerkt, aber inwiefern mein Körper tatsächlich Schaden genommen hatte, begriff ich, als im Laufe der Abstinenz Verbesserungen eintraten, die ich nicht erwartet hätte.
Bei dem, was du über die den vergangenen Monate erzählt hast, frage ich mich, wo da deine persönlichen Erholungszeiten gewesen sind.
Dass in dir alles nach Pause, nach Betäubung schreit und sich die bislang als wirksam bekannte Lösungsstrategie „Alkohol“ aufdrängt, ist nicht weiter verwunderlich.
Die Frage ist nur, wie lange hältst du, wie lange halten dein Körper und deine Psyche das noch durch?
Freundliche Grüße
AmSee