Beiträge von Schotterblume

    Danke Gerchla, für deine Antwort und das Nachfragen.

    Ich bin auch sehr froh dass ich es meiner Schwester gleich gesagt habe. Und ich empfand es eben gar nicht so belastend, ich war eher erleichtert. Und weil es so spontan war hatte ich auch gar keine Zeit, mir vorher einen riesen Kopf zu machen - was ich normalerweise schon tun würde. Deshalb war ich ein wenig überrascht, wie k.o. ich dann war.

    Es geht ziemlich auf und ab. Manchmal bin ich stolz und neugierig / freue mich sogar irgendwie auf das was jetzt noch so kommt. Sehe es als Herausforderung und fühle mich stark genug die zu meistern.

    Dann wieder kommen Scham- und Schuldgefühle und grosse Angst vor einem Rückfall, davor zu Versagen.

    Ich denke mal das ist normal. Ich versuche mich den Schwankungen und Emotionen zu stellen, möglichst nicht zu bewerten, sondern einfach schauen was da ist und das Schlechte gehört auch dazu - und vergeht irgendwann wieder.

    Liebe Grüsse
    Schotterblume

    Ja das stimmt, als ich Alkohol kennenlernte war es auch etwas ganz anderes, hatte nichts mit dem wie mein Vater getrunken hat zu tun.

    Zitat

    Sie stillen eine tief vorhandene Sehnsucht, stopfen ein tiefes emotionales Loch etc.
    Alkohol gehört ja zu den Drogen, die binnen Sekunden zur Ausschüttung von Glückshormonen führen, das Belohnungszentrum wird stimuliert.

    ... und vielleicht ist es dann schon so, dass man, wenn man das trinken nicht von den Vorbildern gelernt hat, vor allem eben nicht gelernt hat, andere Bewältigungsstrategien anzuwenden gegen Sehnsüchte oder emotionale Löcher oder um von schwierigen Gefühlen nicht überschwemmt zu werden.

    Hallo zusammen,

    Danke für eure Antworten und eure Gedanken.

    Nein, natürlich habe ich keinen Alkohol mehr in der Wohnung. Von Achtsamkeit habe ich schon viel gehört, aber es ist etwas, was mir sehr schwer fällt. Aber mir ist auch bewusst wie wichtig es ist, deshalb bleibe ich dran, versuche es immer wieder.

    Ich bin dabei, mein Suchtverhalten, die Anlässe und die Trigger zu analysieren. Meine Therapeutin hilft mir sehr dabei, ich bin froh dass ich mich dem nicht allein stellen muss, denn da ist sehr viel Scham mit dabei, wenn ich da hinsehe.

    Gestern habe ich einen grossen Schritt gemacht und meine Mutter informiert. Sie hat erfreulich gut reagiert, unterstützend, nicht abwertend. Wie es der Zufall so wollte kam dann noch meine Schwester mit ihren Kindern vorbei und ich habe die Gelegenheit als wir allein waren beim Schopf gepackt und es ihr auch gesagt. Sehr viel Zeit um gross darüber zu reden hatten wir nicht, aber die Karten sind jetzt auf dem Tisch.

    Es stimmt schon Gerchla, dass ich mir auch Sorgen gemacht habe, meine Schwester damit zu belasten. Ich habe mit ihr auch schon darüber geredet und weiss, dass es ihr umgekehrt genauso geht. Dann verschweigen wir Dinge voreinander, um die andere zu schützen - dabei geht es uns aber beiden gleich: dass wir lieber die Wahrheit wissen wollen, wie es der anderen geht.

    Obwohl das alles so gut gegangen ist und ich froh war, es getan zu haben, war ich gestern und bin ich heute noch völlig erschöpft. Als hätte ich weiss-ich-nicht-was geleistet. Ich bin auch irgendwie deprimiert, aber ich halte es aus, ich weiss, ich trinke nicht. Und aufgerafft zu meinem Spaziergang habe ich mich auch, trotzdem.

    Liebe Grüsse,
    Schotterblume

    Mein Vater war auch Alkoholiker. Was ich mich aber frage: statt selber ebenfalls Alkoholikerin zu werden, hätte ich da nicht eigentlich eher davon abgeschreckt werden sollen? Ich musste ja miterleben, wie zerstörerisch diese Sucht ist, sie zerstörte so viel von ihm und er hat damit ja auch mir massiv geschadet, denn ich glaube, das was er mir angetan hat, hätte er nicht getan wenn er kein Alkoholiker gewesen wäre.

    Warum gehe ich dann denselben Weg? Ich finde das irgendwie unlogisch nixweiss0

    Hallo Gerchla

    danke für dein Willkommen und deine Antwort.

    Ja, das mit der Heimlichkeit ist schon eine üble Sache. Ich schäme mich deswegen auch sehr und habe ein schlechtes Gewissen. Aber das darf mich nicht davon abhalten, jetzt ehrlich zu sein. Wie du geschrieben hast, ich werde noch andere Menschen informieren. Bei der Arbeit möchte ich es nicht sagen, ich finde das ist zu persönlich und sehe nicht ein was es bringen würde mich so zu outen, ausser dass ich mich sehr "nackt" fühlen würde. Da sehe ich auch kein Hintertürchen.

    Da ich ansonsten allein lebe und mein Umfeld recht überschaubar ist, werden es auch sonst nicht allzu Viele sein die ich informieren werde. An wichtigen Freunden habe ich meinen Ex-Freund und eine Freundin, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe, aber mit der ich regelmässig stundenlang telefoniere. Diesen beiden werde ich es sagen. An Familie gibt es nur meine Mutter und meine Schwester. Meine Mutter sehe ich morgen und ich werde es ihr sagen. Ein bisschen Bammel habe ich schon, ich kann bei ihr nie wissen, wie sie auf Persönliches von mir reagiert, sie kann mir gegenüber sehr abwertend sein (früher immer, heute gibt es auch mal Verständnis). Ich bin deshalb bei Ihr sehr oberflächlich normalerweise. Ich möchte es ihr aber trotzdem sagen, mich dem stellen und sie konfrontieren. Ich bin aber gewappnet für die Abwertung und schon gar nicht erwarte ich etwas.

    Dann der wichtigste Mensch, das ist meine Schwester. Es ihr zu sagen ist mir ein wirkliches Anliegen. Aber gerade hier weiss ich noch nicht so recht, wie und wann. Sie ist momentan sehr im Stress und deshalb werde ich sie das nächste Mal an Weihnachten sehen. Und das scheint mir irgendwie nicht gerade die passende Gelegenheit zu sein. Wir schreiben einander oft auch, deshalb könnte ich es ihr vielleicht auf diesem Weg mitteilen, allerdings kommt mir das auch irgendwie falsch vor, irgendwie feige.
    Bisher denke ich dass es am Besten ist, ich werde an Weihnachten einfach sagen, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, aber nicht näher darauf eingehen und das Gespräch später zu suchen. Allerdings frage ich mich, ob es gut ist, das so auf die lange Bank zu schieben (Stichwort offene Hintertürchen...) - was denkst du, was waren deine Erfahrungen, ist es wichtig das so schnell wie möglich zu machen?

    Ja, ich habe eine Menge aufzuarbeiten, das ist richtig. Genau darauf eingehen möchte ich hier im offenen Bereich nicht. Aber Ängste spielen unter Anderem schon eine grosse Rolle. Ich bin seit 20 Jahren (seit ich 19 war) in Therapie, mit Unterbrüchen, bei verschiedenen Menschen, ambulant und stationär... Und du hast bestimmt recht, dass die Trinkerei ein wirkliches Vorankommen in der Therapie verunmöglicht. Deshalb habe ich jetzt auch ein wenig Hoffnung, dass ich es nun nach so langer Zeit endlich doch noch schaffe, etwas wirklich zu verändern und mit der Aufarbeitung weiterzukommen. Diese Hoffnung hatte ich eigentlich schon verloren. Allerdings bin ich in der Therapie auch schon nicht weitergekommen, als ich noch nicht trank. Aber jetzt gebe ich mir wenigstens wieder eine Chance. Ich denke das greift auch so ein wenig ineinander, ich kann in der Therapie nicht wirklich etwas aufarbeiten solange ich trinke und ich kann auch nicht langfristig trocken sein wenn ich mich nicht an die Aufarbeitung mache. Oder was denkst du?

    Ich bin auch heute, am 11. Tag, noch sehr überzeugt von meiner Entscheidung. Heute morgen war ich allerdings ziemlich durcheinander und aufgewühlt, da ich in der Nacht sehr realistisch geträumt hatte, dass ich getrunken habe. Ich war richtig erschrocken als ich aufwachte und brauchte einen ziemlich langen Moment um wieder sicheren Boden unter den Füssen zu haben und zu wissen: es war nur ein Traum, nix passiert. Kennt Ihr sowas auch? Wie geht ihr damit um?

    Liebe Grüsse
    Schotterblume

    Hallo Zusammen

    Ich möchte mich gerne vorstellen: w, 39 Jahre alt und Alkoholikerin.

    Ich bin noch ganz am Anfang: heute ist erst der 10. Tag, an dem ich nicht trinke. Da war ich schon oft, aber ich glaube, diesmal ist es anders. Bisher habe ich immer versucht, heimlich aufzuhören, so wie ich auch heimlich getrunken habe. Mir ist erst jetzt bewusst geworden, dass ich mir damit immer ein Hintertürchen offen gehalten habe: wenn ich heimlich aufhöre, kann ich auch heimlich wieder anfangen. Aber diesmal habe ich endlich meiner langjährigen Therapeutin davon erzählt und damit nicht nur das Hintertürchen geschlossen sondern mir auch Hilfe geholt.

    Was auch anders ist: ich habe mir eingestanden, dass ich Alkoholikerin bin. Bisher hatte ich "nur" ein Alkoholproblem.

    Und das andere Hintertürchen habe ich mir auch verbaut: "in Gesellschaft ein Glas Wein kann ich ja trotzdem trinken, das ist ja nicht mein Problem, sondern das alleine heimlich Trinken" - was natürlich unter anderem auch mit dem ersten Hintertürchen zu tun hat, da ich vielleicht unangenehmen Fragen gegenübergestanden wäre, wenn ich plötzlich "Nein danke" gesagt hätte.

    Nein, diesmal habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich will nie mehr Alkohol trinken.

    Bis jetzt fällt es mir relativ leicht. Ich freue mich über meinen Entschluss. Ich fühle mich schon fitter und es gibt so viele Vorteile. Auch mich gegenüber meiner Therapeutin zu öffnen hat mich erleichtert - wenn es auch sooo viel Mut gekostet hat.

    Ich weiss aber auch, dass das nicht so weitergehen wird. Irgendwann kommen auch die schwierigen Momente, wo der Schmerz nicht auszuhalten ist, die Angst beruhigt werden will, ich eine Belohnung verdient habe... und einfach die Sucht ruft.

    Ich versuche deshalb, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, auch wenn es vielleicht im Moment gar nicht so nötig scheint. Aber ich will gewappnet sein und nicht blind in die nächste Falle tappen, die mir mein Gehirn spielt.

    Ich suche nach neuen Gewohnheiten: jeden Tag ein Spaziergang an der frischen Luft zum Beispiel. Oder ein leckeres Abendessen, selbst gekocht - und es darf auch mal etwas zeitaufwändig sein, ich muss ja nicht so schnell wie möglich zur Flasche zurück. Und ich habe mir zwei Listen gemacht: eine mit Dingen, die ich tun kann, wenn es kritisch wird, wenn das Verlangen kommt. Da sind Dinge drauf die einfach nur ablenken, andere um mir was Gutes zu tun, andere um irgendwo Unterstützung zu finden... Ein Eintrag ist, die zweite Liste zu lesen, die aus den Gründen / Vorteilen für die Nüchternheit besteht. Ich habe gesehen dass es hier einen Thread gibt mit demselben Inhalt, den habe ich als erstes hier im Forum gelesen und das eine oder andere in meiner Liste noch ergänzt.

    Das Lesen im Forum hat mir bis jetzt auch schon viel geholfen, mich in meiner Entscheidung bestärkt, mich mit Hoffnung erfüllt, dass es auch tatsächlich möglich ist und mit Respekt vor dem was viele hier geschafft haben und wie gross diese Aufgabe ist, die ich mir da vorgenommen habe.

    Ich möchte aber nicht nur lesen, sondern mich auch aktiv einbringen, weil ich glaube, dass es für mich wichtig ist, mich irgendwie zu zeigen.

    Danke fürs Lesen!

    Liebe Grüsse
    Schotterblume