Beiträge von Rina

    Liebe Zelda,

    Herzlichen Glückwunsch zu nun über 83Tage alkfrei, 44.!

    Du scheinst sehr selbst-reflektiert zu sein und bist anscheinend auf einem guten Weg,super!

    Ich war selbst lange mit einem trinkendem Freund zusammen, in der Endphase nahm er noch andere Drogen. Es war eine explosive Mischung...alles war explosiv bei uns, die Liebe, Leidenschaft, die Streitereien bis zur körperlichen Gewalt seinerseits. Wir zogen uns immer mehr gegenseitig runter. Selbst als die Nachbarn die Polizei riefen, ich im Krankenhaus und er im Knast landete schaffte ich den Absprung immer noch nicht. Im Nachhinein denke ich ich war irgendwie eine trinkende Co-Abhängige. Wir taten uns beide nicht gut und erst als wir uns trennten konnten wir beide aus dem Teufelskreis raus...nicht sofort, ich habe noch Jahre weiter getrunken, aber erste Genesungsschritte wurden überhaupt möglich.Ich trat meiner ersten SHG bei. Hätten wir uns nicht getrennt läge ich heute in der Gosse oder im Sarg.

    Es muss nicht immer zu solchen Extremen kommen aber was ich damit sagen will: Eine Trennung (auch vorläufige) kann auch eine Chance sein-für beide. Er kann dir in seinem Zustand nicht beistehen auf deinem Weg und du kannst ihm auch nicht helfen. Du kannst nur dich aus dem Sumpf ziehen, wenn du es nicht tust tut es keiner. Sei dir einfach bewusst, dass du für deinen Freund auch eine Bremse auf seinem persönlichen Weg sein könntest, auch wenn man das natürlich nicht will. Solche Beziehungen sind oft emotional kompliziert, viele unbewusste Schuldgefühle, Schuldzuweisungen, Ohnmachtsgefühle für die Sucht des Partners während man gleichzeitig seine eigene bekämpft...das ist manchmal viel.
    Ich will dich auch gar nicht zu einer Trennung überreden, ich kenne deine Beziehung ja nicht und es geht mich auch nichts an. Ich möchte dir nur sagen, dass beim Gang gegen den Alkohol DU an erster Stelle stehst, mit deiner Abstinenz steht und fällt der Rest Deines Lebens (Gesundheit, Job,Familie,Seelenfrieden...), da darfst du in erster Linie auf dich achten!

    Mir muss man das auch immer wieder sagen und schreiben damit ich es verinnerliche und nicht vergesse. Es gibt nichts das wichtiger wäre als deine Gesundheit.

    Einen guten Start in die Woche wünsche ich dir!

    Rina

    Guten Morgen Camina,


    Ich bin auch - gerade in letzter Zeit - mit dem Gedanken beschäftigt, was mein Trinken bei meinem Kind wohl angerichtet hat, obwohl mein Kind davon bewusst nichts mitbekommen konnte. Aber bewusst ist ja eben nur die Spitze des Eisberges.

    Darüber nachzudenken, ohne mich von Schuldgefühlen erdrücken zu lassen, ist für mich ganz wichtig, denn ich will nichts mehr (bewusst!) verdrängen.

    Aber im Jetzt zu schauen (und sich eben auch dabei Hilfe zu holen wie hier zum Beispiel), was man (du, ich) tun oder lassen kann, um es Jetzt „richtig“ zu machen, das ist wohl für mein Kind noch viel wichtiger

    Wieso konnte dein Kind nichts mitbekommen? Wegen dem Alter meinst du? Was unbewusst gespeichert wird ist bestimmt ausschlaggebender da gebe ich dir recht. Diese Erfahrungen prägen unaufhaltsam unser Wesen.

    Schuldgefühle sind ein schwieriges Thema...besonders als trinkende Mutter. Dort wo die Gesellschaft beim Alkoholismus des Vaters beide Augen zudrückt und es noch halbwegs als nicht so schlimm (je nach gewaltbereitschaft) sieht gibt es für die Mutter kein Verständnis. Ich finde es wird langsam thematisiert und es ist kein so grosses Tabu mehr aber je nach Gesellschaft immer noch schwierig. Hier in Süd-Frankreich (oder F allgemein) herrscht immer noch eine sehr patriarchale Familienvorstellung vor, gemessen Zu Skandinavischen Ländern (und wahrscheinlich auch Deutschland) fühle ich mich hier wie in den 60-ihre Jahren...Das erleichtert eine solche Diskussion natürlich nicht.

    Mit diesen Erinnerungen und Schuldgefühlen umzugehen ist bestimmt für viele Mütter und auch Väter eine Herausforderung. Was ich hier geschrieben bekommen habe bringt mich ein Stück weiter auf diesem Weg.

    Ich habe damals verlernt, meiner Wahrnehmung zu trauen

    Also bestärke Deine Kinder darin, ihrer Wahrnehmung zu trauen. Wenn sie merken, dass Du wütend oder traurig bist, dann bestätige sie in ihrer Wahrnehmung.

    Das habe ich so ähnlich auch in anderen Beiträgen von Co-Abhängigen gelesen...Ich werde darauf achten, ja.


    Wie war es denn für dich Biene, mit deinem eigenen Alkoholkonsum? Hat dich das so abgeschreckt, dass es dich gar nie reizte zu trinken? Hast du einen normalen Bezug zum Alkohol? Also weder Ablehnung noch Anziehung?


    dass ich aus einer Familie stamme, in der das Trinken viel zu normal war, ist mir erst dann aufgegangen, als ich meine eigene Sucht-und Familiengeschichte für die Einzelstunden in der Suchtberatung aufschreiben musste. Also als ich bereits selbst aufgehört hatte.

    Damals hatte ich diesbezüglich null Überblick. Meine Mutter "verkaufte" es mir so, dass mein Vater sehr viel Stress und Ärger bei der Arbeit hatte, und ich ausserdem ein sehr ungezogenes Kind bin, das ihm und ihr sehr viele Schwierigkeiten macht. Und ansonsten noch die böse Welt, alles Arschlöcher, also eigentlich so die üblichen Schuldzuweisungen. Da wars ja sebstverständlich, dass er so schlechte Laune hatte.

    Das genau ist einer meiner Hauptmotivationen für meine Trockenheit. Ich will auf keinen Fall, dass meine Kinder mit dem Gedanken gross werden, dass Alkoholkonsum zur Normalität gehört. Ich glaube das ist es, was sie im späteren Leben am meistens beeinflussen wird, die Vorstellung, dass Alkohol einfach überall dazu gehört und man den als Erwachsenen trinkt.
    Da ist die Vorbildfunktion meiner Meinung nach ausschlaggebend, welcher Stellenwert hat Ahlkohol in der Familie,im Alltag, am Wochenende?

    Bei uns war es ja oft so, dass ich mich v.a. am Wochenende richtig abschoss...wie können Kinder da ein gesundes Verhältnis zum Wein erlernen wenn er dazu da ist sich in andere Sphären zu katapultieren? Und das habe ich (also wir als Eltern) ihnen so vorgelebt... :(

    In meiner Familie gibt es noch andere Alkoholiker, obwohl die auch - wie ich - in einem nicht-trinkendem Familienkreis aufwuchsen. Beiderseits meiner Grosseltern wurde nie Alkohol getrunken, bei mir zu Hause selten, aber auch so gibt es durch das Band Alkoholiker in meinem weiten Familienkreis...ich gehe für mich da von einer genetischen Prädisposition aus. Vielleicht, weil eben kein Alkohol konsumiert wurde, leben alle Alkoholiker heute trocken. Das ist eigentlich ein kleineres Wunder...Ich kann also schlecht den Gedanken verdrängen, dass meine Kinder eventuell auch genetisch "vorbelastet" sind und ich sehe es daher als umso wichtiger, mein zu Hause alkfrei zu halten.

    Vielleicht stimmt diese Theorie auch gar nicht mit der Prädisposition, ich kann es mir anders nur nicht erklären. Im Norden wird eher exzessiv getrunken, also wenn dann richtig. Das war bei mir zu Hause nicht anders, aber eben sehr selten. Es wurde nie einfach so Bier oder Wein konsumiert...Wie gesagt, bei meinen Grosseltern beider seits gar nie. Ich verbrachte da jeweils 6 Wochen Sommerferien und NIE habe ich irgendjemanden Alkohol trinken sehen. Den gabs da einfach nicht, für niemanden.

    Gleichzeitig war ich da schon alt genug, wenn es mir schlecht ging, hiess es, trink einen, dann gehts Dir besser. "auch einen Schnaps"? Die Problemlösung überhaupt.
    Jedes Verständnis für eine Jugendliche, die so betrunken ist, dass sie nicht mehr laufen kann, war mir sicher. Das war ja schliesslich "normal in dem Alter".

    Ich frage mich da, ob du überhaupt eine Chance hattest nicht alkoholkrank zu werden...? Das wurde dir ja sozusagen mit in die Wiege gelegt, wenn man als Kind / Jugendlicher mit dieser Wertvorstellung aufwächst wird man sie auch nicht hinterfragen können, das ist dann wirklich die Normalität. Wie soll man da nicht in die Spuren der Eltern treten?

    Ich denke von mir, dass ich ev. auch keine Chance hatte, einfach weil der Alkohol bei mir so sehr ins System einschlug, dass ich sofort unbedingt mehr wollte davon. Ich glaube ich war sofort süchtig, nach der Wirkung.

    Vielen Dank Biene und Susanne,

    Ich kann mit euren Antworten absolut was anfangen. Ja, Beständigkeit und Zuverlässigkeit, ich versuche es so gut wie es geht. Wenn es mir schlecht geht - wie auch nicht-Alkis - erkläre ich ihnen wieso und dass es nichts mit ihnen zu tun hat. Sie verstehen das. Ich kann halt selber sehr schlecht einschätzen wie sie diese schlimme Zeit erlebt haben und was haften blieb...Sicher mehr als ich mir einbilde. Oder vergisst man das dann wenn sich der Elternteil „normalisiert „? Ihr schreibt beide aus der Jugendzeit, wo es anscheinend wirklich auffiel und sich ein „das-ist-nicht-normal“ bei euch einstellte. Susanne du sagst so mit 7 oder 9 ist dir ein Licht auf...dachtest du da dein Vater ist krank, abhängig, ein Trinker oder einfach nur ein jähzorniger Mensch? Also brachtest du sein Verhalten mit dem Alk oder Stoff in Verbindung damals?
    Ich verstehe dass das nach so langer Zeit bestimmt schwierig ist zu beantworten...

    Ich hoffe halt dass ich nicht zu viel Schaden angerichtet habe....sie sind ja nicht irgendwie verstört oder unterentwickelt oder traumatisiert, also ganz normale Kinder halt. Aber vielleicht sind sie trotzdem irgendwie durch meine Sucht geprägt, angepasst oder so?

    Das mit der Wahrnehmung und deren Bestätigung ist ein wichtiger Punkt. Ich werde das ganz sicher mit Ihnen nochmals aufnehmen und sie in ihren Erinnerungen bestätigen, ich denke die haben sie ganz bestimmt...Der jüngere fragt heute noch jedesmal ob er aus dem und dem Glas trinken kann, das hat ihn geprägt

    Hallo

    Mir geistert seit längerer Zeit die Gedanken meiner Alkoholkrankheit und dessen Auswirkungen auf meine noch jungen Kinder im Kopf herum...Ich bin nun seit 2Jahren auf einem Weg der Besserung,seit ca 1 Jahr durchgehend abstinent. Davor war es schrecklich,für mich, meinen Mann und bestimmt auch die Kinder.

    Sie waren zur schlimmsten Zeit 7,5Jahre und 5. Ab dann ging es besser. Es gibt Dinge, die konnten sie damals sicherlich nicht einordnen geschweige denn verstehen. Ich frage mich immer wieder, welche Auswirkungen mein Alkoholismus auf ihr noch so kleines Wesen hatte...wie erleben Kinder eine betrunkene Mutter? Wie gehen sie mit Stimmungsschwankungen um und was genau bekommen sie mit?

    Ich bin auf vieles nicht stolz, ich weiss ich war zum Teil unberechenbar, unzuverlässig etc. Niemals gewalttätig oder brutal, ich habe immer sehr viel unternommen mit Ihnen. Aus der nüchternen Distanz heraus und mit einer grossen Portion Ehrlichkeit mir selbst gegenüber weiss ich heute aber, dass ich so einiges verpeilt habe. Sie sahen mich betrunken, bekamen Streitereien wegen meinem Alkoholkonsum zu Hause hautnah mit etc. Ich merkte selbst irgendwann dass mein Kind mit 7Jahren bemerkte, wann etwas nicht stimmte mit Mama. Er hat meinen Mann mal gefragt ob ich manchmal „behindert „ wäre. Oder gefragt, ob Mama wieder „müde“ ist. Das sind Dinge, die sind schwierig zu verarbeiten ohne in Schuldgefühlen zu ertrinken...ich glaube es würde mir helfen, wenn ich dazu Antworten von Menschen bekäme, die eine solche Situation erlebt haben. Und inwiefern solche Erlaubnisse Spuren hinterlassen...

    Könnte ich jetzt im Nachhinein etwas tun? Ausser nüchtern bleiben...Ich habe mit Ihnen noch nicht über das Thema gesprochen, sie sind jetzt 7 und 9,5 Jahre alt. Würde es überhaupt jetzt etwas bringen? Irgendwann möchte ich sie natürlich über meine Krankheit aufklären, ich weiss nicht ob es dafür noch zu früh ist und nicht einfach nur verwirrend wäre da sie mich seit 2 Jahren stabilisiert sehen...?

    Vielleicht mag hier jemand antworten, es würde mich sehr freuen.

    Lg
    Rina

    Ich denke auch,dass es individuelle Ansätze dazu gibt, das eigene Selbstvertrauen in die Abstinenz sowie die Abstinenzzeit selbst spielen da sicher auch eine wichtige Rolle.

    Für mich war dieses Nusstorten-Debakel ein einschneidendes Erlebnis,ich spürte förmlich die chemische Reaktion in meinem Körper. Aber wie gesagt, später ass ich noch 2x versehentlich Alkohol und es führte zu keiner Krise, auch kein Suchtdruck.

    Mir hat ein Artzt in einer Therapie x gesagt, dass es eine wichtige Regel zu befolgen gibt: Verhindern sie dass Alkohol in ihren Organismus gelangt, egal ob über den Mund, die Nase oder die Haut. Ich beherzige für mich diesen Rat, es erscheint mir nur logisch das Produkt meiner Abhängigkeit so gut es geht zu vermeiden. Auch Parfüm, Cremes, Mundwasser etc. Vielleicht bin ich da ja extrem, wie halt so oft, für mich muss, will ich das sein,es gibt keine Grauzone bei mir, es wäre einfach zu gefährlich. Andere gehen da ganz bestimmt lockerer mit um, ist vielleicht auch eine Charakterfrage? Menschen wie ich die zu Extremen neigen können bei solchen Angelegenheiten ja fast nicht anders...

    Hallo

    Kann ich für mich auch ganz klar mit einem grossen „Geht gar nicht“ beantworten. Ich fühle mich einerseits in meiner Abstinenz noch zu unsicher, um Alk-ähnliche Alternativen zu testen und anderseits hat das bei mir schon x zu einem Rückfall geführt...Ich ass da in einem Restaurant eine Nusstorte, gefühlt war sie In Schnaps getränkt, vor lauter Schreck konnte ich den Bissen nicht mal runterwürgen. Es war in den m Moment, als ob eine sofortige Kettenreaktion ausgelöst wurde, ein Kurzschluss. Ich trank dann nicht an diesem Tag aber so 3 Tage später hatte ich die Situation- also mich - nicht mehr im Griff und trank dann elendig 5 Tage durch.
    Wahrscheinlich wäre es damals auch ohne Nusstorte zum Rückfall gekommen, es lag bestimmt nicht nur daran. Aber ich weiss noch genau wie sich dieses Gefühl anfühlte,so in die Falle getappt zu sein. Ich dachte da wirklich nur noch „scheisse, jetzt ist es vorbei.“ ich war da 4Monate trocken und auf wackeligen Beinen, es kam so fies und unerwartet aus dem Dunklen reingerammt.
    Später passierte mir das noch zwei x aber ich hatte die Situation im Griff, war einfach in einer stabileren Verfassung...aber eben, so kann’s gehen, ich spiele bestimmt nicht absichtlich mit dem Feuer

    Ich glaube da schwingt bei mir die Angst des eigenen Scheiterns mit, ganz klar. Vielleicht auch die Bestätigung, dass man eben nie über den Berg ist, das es so eine Art Sicherheitszone nicht gibt und es aber immer ein Zurück in den Sumpf geben kann.

    Ich habe ja mal geschrieben dass für mich der Weg in die Abstinenz lange ein rationaler Kampf war, ich lebe eigentlich erst jetzt wirklich eine glückliche Zeit wo ich mich frei fühle. Falls ich irgendwann mal wieder rückfällig werden sollte, bin ich mir echt nicht sicher ob ich es nochmals auf die Füsse schaffe. Deshalb diese Ehrfurcht vor dem Alkoholismus. Und dann halt der Gedanke dass wenn jemand nach 20 Jahren wieder trinkt, muss da ja ein ungeheuerer Antrieb sein zum Glas zu greifen...

    Ich habe in meiner Jugend viel mit Suizidgedanken gespielt weil Ich den Lebensinn nicht mehr sah, ich hatte da null Perspektive. Die Lösung war dann der Alkohol, der machte einen Realitätswechsel möglich und sogar einen kleinen Suizid...ein bisschen Tod aber am nächsten Morgen wieder lebendig. Und wenn ich mir heute das Desaster meiner Alkoholkarriere ansehe dann hat diese Entscheidung damals zwar mein Leben gerettet aber das Leid in eine andere Richtung gelenkt. Und schlussendlich habe ich heute zwei Probleme statt nur eines: meine Wunden aus der Vergangenheit die halt nie geheilt wurden und dazu noch ein schwerwiegendes Alkoholproblem.
    Um gesund oder ungesund gehts ja weniger, sondern dass man durch einen Rückfall dann ja mehr Probleme hat als ohne...jedenfalls auf längere Sicht.

    Aber es ist ja nicht gesagt dass es mir auch so ergeht, aber nur live zu sehen dass es eben könnte macht mir schon Angst. Vielleicht kann ich das mit wachsender Sicherheit und genug Selbstvertrauen in einen „gesunden Respekt „ umwandeln. Dazu ist wahrscheinlich meine Abstinenz einfach noch zu frisch, ich fühle mich ja noch immer etwas instabil in gewissen Situationen.

    Lg
    Rina


    Ich leb wie ganz normale Leute. Trotzdem bin ich mir des Risikos bewusst und ich hab auch schon ein paar Leute gesehen, die dann nach 12, 15 Jahren meinten, jetzt könnten sie mal ein Gläschen probieren.

    Genau das macht mir so Angst! Ich bin jetzt schon lange nicht-Raucherin und nichts würde mich dazu bringen mir eine zu grillen...nicht mal Geld,weil es mich so anekelt und es mir überhaupt nichts bringen würde. Beim Alkohol scheint das nicht so zu sein wenn Leute nach 20 Jahren noch rückfällig werden...habe ich in der Gruppe 2x erlebt...erschreckend.

    Hallo Sonnenkäfer,

    Glückwunsch zu 14 Tagen alkfrei! Das ist doch schon mal super, irgendwo muss man ja anfangen...bei mir war das vor genau 1 Jahr und 14 Tagen,Ich habe nicht vergessen wie es mir damals ging, ich verstehe was du meinst...

    Viele berichten in der Anfangsphase von einer gewissen Euphorie, ich kann von mir nicht behaupten dass es so war. Dieses Hochgefühl kommt bei mir erst Jetzt so richtig, mit der etwas gefestigteren Abstinenz. Zu Beginn hatte ich oft solche Phasen...da muss man einfach durch und den Druck ausreiten. Was mir immer half war mir die Folgen vorzustellen wenn ich trinken würde. Es bleibt ja eh nie bei einem oder zwei Gläsern...ich wollte das Fass! Und wie hätte ich mich am nächsten Tag gefühlt? Dieser Selbsthass, das Gefühl des Versagens...unschöne Vorstellung.

    Ich möchte dir auch sagen wie wichtig der Faktor Zeit auf dem Weg der Trockenheit ist. Gerchla hat es auch schon geschrieben, jeder Tag den du auf das Abstinenzkonto verbuchen kannst wird dich stärken. Zu Beginn ist es wichtig sich das zu verinnerlichen und Erfolge zu „feiern „, sei ruhig stolz auf dich! Bei meinen früheren AbstinenzVersuchen brach ich 4x jeweils nach 3-4 Monaten ein...es endete in einem jeweiligen 5-tägigen Vollrausch und ich musste eine monströse Kraft aufbringen um wieder aufzuhören. Rückfälle gehören zum Krankheitsverlauf dazu (nicht immer) aber nach jedem Rückfall wurde es immer schwieriger. Falls ich nochmals einbrechen sollte bin ich mir nicht sicher es wieder auf die Beine zu schaffen.

    Du gehst die Dinge sehr gut an,ich lese immer noch sehr viel zum Thema. Es begleitet mich schliesslich mein Leben lang ich will möglichst viel darüber wissen. SHG kann ich nur Wärmsteins empfehlen!

    Ich klopf dir mal virtuell auf die Schulter, du hast den Stein ins rollen gebracht!

    Bleib am Ball und viel Kraft!! Als du noch getrunken hast warst du ja auch nicht immer euphorisch...

    Lg
    Rina

    Hallo Elly,

    Schön dass du da bist!

    Ich freue mich auf das Lesen deiner Erfahrungen, mir persönlichen bringt der Austausch hier sehr viel. Ich bin jetzt das erste Jahr unfallfrei abstinent und bestätige was du schreibst: Auch ich merke jetzt die ersten wirklichen Veränderungen, in meiner Denkweise, meiner Weise Alkohol zu betrachten- eben nüchtern ganz ohne Verschönerungen -. Am Anfang war es ein ziemlicher Kampf muss ich ehrlich sagen. Obwohl ich immer noch hin und wieder Suchtdruck verspüre ist es aber jetzt anders als bei den anderen Malen als ich immer so nach 3-4 Monaten rückfällig wurde. Ich würde sagen ich bin gefestigter, es ist mehr als ein euphorisches Strohfeuer, eher eine Abstinenz mit einem soliden Fundament. Aber ich sehe mich immer noch am Anfang meines Weges, wiege mich nicht allzu sehr in Sicherheit und bin doch auf der Hut.

    Wie war es bei dir? Hattest du mit Rückfällen zu kämpfen? Was hat sich grundlegend in diesen Jahren in deinem Leben geändert, ausser dass du nicht mehr trinkst?

    Gutes Einlesen wünscht dir

    Rina

    Hallo Astronimox

    Willkommen im Forum!

    Der erste Schritt etwas gegen dein Problem zu unternehmen ist getan, du bist hier und teilst deine Gedanken mit uns!

    Wie man aus der Sucht raus kommt ist meist individuell. Manche müssen in der Vergangenheit alte Wunden heilen, anderen hilft eine oder mehrere Therapien, ein/e gute Suchtbertater/in, eine SHG...für mich zum Beispiel ist es eine Traumattherapie und eine SHG die mich seit einiger Zeit erfolgreich auf meinem abstinenten Weg begleiten. Davor habe ich etliche Jahre damit verschwendet mich irgendwie selbst aus dem Sumpf zu ziehen...wie bei den allermeisten hat es nicht geklappt. Genauso wenig wie ein kontrollierter Konsum nicht geklappt hat...aber was ich ja sowieso wollte war mich aus der Realität schiessen und nicht genüsslich ein Glas Wein trinken und angeheitert aufhören müssen.

    Ich bin jetzt 1jahr alkfrei aber schon mehrere Jahre in Behandlung und in einer SHG. Es hat lange gedauert bis ich die Fäden zusammen hatte und für mich Lösungsstrategien entwickeln konnte. Und ich habe alle Hilfsangebote angenommen, nichts ausgelassen...auch alle Medikamente die der Markt her gibt (was bei mir überhaupt nichts gebracht hat). Erst als ich radikale Veränderungen in meinem Leben vornahm und meine Krankheit akzeptieren konnte war ich auf einem Weg der Besserung. Alkoholismus als Krankheit zu verstehen hat mir sehr geholfen, wenn dich das interessiert findest Du reichlich Literaturtipps hier im Forum.

    Ich habe wie du auch Kinder,bin ungefähr im selben Alter...ich begreife erst jetzt wie viel sie von meiner Trinkerei mitbekommen haben. Das ist manchmal immer noch schwierig auszuhalten. Kinder imitieren und lernen durch das Nachahmen ihrer Altersgenossen aber auch ihrer Eltern, die sie als Vorbilder nehmen. Da hilft es gar nichts den Sprösslingen vorzutragen wie schlecht rauchen und trinken ist wenn man ihnen das Gegenteil vorlebt.

    Hast du dir denn schon Gedanken gemacht wie es weiter gehen soll? Vielleicht solltest du wirklich über einen betreuten Entzug nachfragen, sind ja schon beträchtliche Mengen die Du trinkst! Und ja du hast recht, mit zunehmendem Alter wird es nur schwieriger, die Folgen werden irgendwann sichtlich, äusserlich wie psychisch. Dass Alkohol auch Depressionen hervorruft oder verstärkt ist bekannt, wahrscheinlich verhält es sich mit Panikattacken genauso...

    Lass uns an deinem Weg teilhaben und viel Kraft für die weiteren Schritte!

    Lg
    Rina

    Hallo June,

    Herzliche willkommen hier!

    Ich bin Rina, 39J verheiratet und Mutter von 2 Kindern...
    ...und wie du habe ich nach dem Abstillen irgendwann wieder angefangen zu trinken. Es wurde schnell mehr, öfter, im Versteckten etc...das übliche Drama. Ausser vielleicht, dass ich mich nicht so gut tarnen konnte, machte mich regelmässig bei Anlässen zum Affen. Habe mir also auch so einiges geleistet im Suff, könnte ein Buch füllen.

    Heute lebe ich abstinent, denn es reichte mir irgendwann, ich konnte mich nicht mehr leiden und war der totalen Selbstzerstörung gefährlich nahe. Ich habe den Weg zu einer SHG ebenfalls als einer der wichtigsten erfahren, der Austausch mit Betroffenen ist ein Standbein meiner Abstinenz. Wir lachen da auch viel, manchmal auch gerade über so peinliche Aktionen die man sich im Vollsuff geleistet hat...das entlastet und dedramatisiert ungemein!

    Gut, dass du alles deinem Mann gesagt hast, das ist wichtig, du kannst nicht trocken werden wenn du in deinem eigenen Familienkreis schauspielern musst. Und es ist ein erster Schritt der Akzeptanz, ein sich-annehmen.
    Ich wünsche dir alles gute für dein Gespräch bei der Suchtberatung, versuch brutal ehrlich zu sein, es bringt nichts dinge zu verschönern...

    Bleib dran und mach dir keine Vorwürfe wegen dem Vorfall...falls es wirklich auffiel ist die Katze jetzt wenigstens aus dem Sack! Das habe ich zu mindest als enorme Erleichterung empfunden, ich war entlarvt und konnte entlich aufhören mit dem Versteckspiel, es wusste eh jeder Bescheid! Und nur so als Aufmunterung, ich habe nicht bloss eine kleine Schnappsflasche bei einer Familienfeier mitgehen lassen sondern wurde gekündigt...! Aber stell dir vor, das war nicht mal mein "point of no return"...ich habe dann noch ein Jahr weiter getrunken.

    Zum Glück ist das vorbei...ich liebe es abstinent zu leben, endlich wieder etwas Selbstachtung und Selbstliebe! Keine Blackouts, keine peinlichen sms Mitten in der Nacht, keine "zu ehrlichen" Telefonate von denen ich dann auch die Hälfte vergass...das brauche ich definitv nicht mehr!

    Ich freue mich auf den Austausch mit dir,

    LG
    Rina

    Hallo Hedonistin,

    Auch von mir ein herzliches Willkommen und Glückwunsch zu deinem Entschluss, ich hoffe der Austausch hier hilft dir einige Türen "nach draussen" zu finden und zu öffnen!

    Ich bin Rina, 39J, verheiratet, habe Kinder und bin seit einem Jahr alkfrei.

    Ich musste auch viele Türen öffnen bis ich meinen stabilen Weg der Trockenheit gehen konnte, musste meine Strategien korrigieren, meinen Stolz komplett über Bord werfen und meine gesamte Lebensweise ändern.

    Natürlich habe auch ich es eine ganze Weile im Alleingang versucht, wie fast alle. Und wie bei fast allen hat es auch bei mir nicht geklappt...obwohl zwar jeder einzelne seinen persönlichen Weg aus der Sucht finden muss, gibt es doch ein grobes Erfolgsmuster das mehr verspricht als andere Wege... Erst als ich sämtliche Hilfsangebote annehmen konnte, meine Krankheit jemandem anvertrauen konnte, war ich auch einem stabilen Weg. Das ich heute meinen Alkoholismus gegenüber meinen engsten Vertrauten und Fachpersonal klar benennen kann hat mich erst genesen lassen. Der Tabubruch und somit meine eigene Akzeptanz der Krankheit gegenüber Drittpersonen hatten viele weitere positive Schritte als Folge. Solange ich nur in virtuellen Foren und im geheimen Kämmerlein mein Ding durch ziehen wollte klappte es nie über mehr als 5 Monate. Für mich ist das Ding zu schwer, zu gross, ich kann es nicht alleine aufarbeiten, das musste ich schmerzhaft lernen.
    Heute begleitet mich also ein Traumatologe und eine SHG, das ist meine Lösung (im Moment). Ich war davor in der Suchtberatung, bei vielen guten Psychologen, bei vielen schlechten Psychologen, habe sämtliche Medikamente gegen Suchtdruck probiert...an vielen Ansätzen scheiterte ich. Ich musste auch erkennen, dass die Ursache des Alkoholismus eine Rolle spielt und dass ich von den Erfahrungen anderer Betroffener profitieren kann...ich muss nicht jeden Fehler selbst machen. Die SHG ist für mich heute ein unglaublich wichtiges Standbein.

    Egal wie du es für dich angehst, ich wünsche dir dass du Hilfe annehmen kannst, wenn nicht sofort dann vielleicht später. Der erste Schritt ist ja schon mal getan, du bist hier! Was mit sehr sehr grosser wahrscheinlichkeit nicht funktioniert ist einfach wie bisher weiterleben aber ohne Alkohol. Man muss schon etwas mehr ändern und an seiner Denkweise arbeiten. Bei dieser Arbeit können dir andere sehr gut helfen, sie werfen eine andere Perspektive auf deine Sichtweisen, dedramatisieren eventuell deine Schuldgefühle, hinterfragen deine (eingefahrenen) Denkmuster etc...Alleine geht das nicht. Mich persönlich lässt ein zwischenmenschlicher Austausch sehr wachsen und ich habe sehr viel gelernt über mich, ob mit dem Therapeuten oder in der SHG.

    Das Ziel ist ja auch eine glückliche Abstinenz, vielleicht hilft dir in der Anfangszeit auch viel über Alkoholismus zu lesen (du findest eine Liste in der Literaturecke dieses Forums). Mir bringt das viel.

    Ich hoffe du verbringst ein schönes trockenes Wochenende! Hast du eigentlich irgendwelche Entzugserscheinungen?

    LG
    Rina

    Hallo Betty2

    Das ist natürlich schade dass du jetzt wieder im Sumpf bist...Möchtest du vielleicht x erzählen wie es dir mit deiner Abstinenz ging? Warst du zufrieden und glücklich oder war es eher ein-sich-durchkämpfen ? Und was waren die Gründe nicht in eine SHG zu gehen?

    Aber es ist ja zum Glück nie zu spät die Dinge nochmals und dieses Mal anders anzugehen! Der Alleingang klappt bei den meisten nicht, das hast du jetzt auch erfahren müssen. Vielleicht kannst du dir jetzt vorstellen eine Suchtberatung aufzusuchen? Ein Gespräch mit dem Artzt oder einem Psychologen oder der reale Austausch mit Betroffenen? Du bist bei weitem nicht die einzige bei der es nicht auf Anhieb funktioniert, überleg dir an was es gelegen hat und was du an dieser Strategie ändern solltest. Stress, viel Arbeit etc haben so gut wie alle Menschen, es trinken aber nicht alle deswegen...Vielleicht solltest du den wahren Trinkgründen auf die Spur gehen und etwas tiefer graben?

    Ich kenne mich mit bipolaren Störungen überhaupt nicht aus aber ich nehme an du wirst von einem Artzt betreut? Weiss der von deinem Alkoholproblem?

    Dies nur einige Denkanstösse für dich und vielleicht magst du deine Gedanken dazu mit uns teilen, würde mich auf jeden Fall interessieren.

    Versuche so schnell wie möglich wieder aufzustehen und dich wieder zu fangen, lass die Sucht nicht an Überhand gewinnen!Ich wünsche dir sehr die Kraft dazu...

    Alles Liebe
    Rina

    Hallo Sonnenkäfer,

    Ich möchte dir auch kurz meine Gedanken zu deinem Freundinnen-WE und anderen Alltagssorgen ohne Alkohol da lassen:

    Ich kann sehr gut verstehen was du meinst und was da in dir vorgeht. Ich war ja auch mal an diesem Punkt wo ich befürchtete mein Leben wird ab jetzt trostlos langweilig.
    Ich war aber auch an dem Punkt wo ich wirklich aufhören wollte, ich konnte mir nur ein Leben ohne Alkohol nicht recht vorstellen aber mit Alkohol wollte ich auch nicht mehr leben. Mein Wille und die Entschlossenheit zur Abstinenz haben mich so über Monate getragen, manchmal hatte ich auch wirklich ein Gefühl des Versäumnisses, mir entgehe der Spass...Die Dinge haben sich aber mit den Monaten geändert, ich sehe solche Besäufnisse als das was sie sind,traurige und sinnlose Trinkgelage wo jegliche Ehrlichkeit und innere Freude fehlen. Solche Anlässe brauche ich nicht mehr, sie Schrecken mich ab. Ich will da nie wieder hin, das steht für mich fest.

    Manche haben mich da auch nicht immer so verstanden, es war für mich eine Entwicklung die mit der Zeit der Abstinenz gestärkt wurde. Am Anfang war es rational gesehen nicht mehr möglich noch tiefer in den Alkoholsumpf zu fallen also wollte ich komme was komme trocken werden. Und solche Situationen kommen oft...immer wieder...Heute verspüre ich meine Abstinenz als klaren Gewinn, eine Alternative steht ausser Frage.

    Wie gesagt ich musste da erst reinwachsen, Zeit war dabei Ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wie gefestigt dein Entschluss nun ist weisst nur du...was ist die Priorität? Was ist das allerwichtigste? Du MUSST nicht trocken leben, du MUSST gar nichts das sehe ich genauso wie meine Vorschreiber. Es ist aber hilfreich zu wissen wo man hin WILL um sich dann nach dem WIE zu orientieren.

    Du hast immer die Wahl zu trinken oder nicht, nicht nur an dem besagten Wochenende, auch am nächsten Geburtstag, Weihnachten, Silvester, Polterabend, Aperitif...Telefonat...die Liste ist endlos.

    Lg
    Rina

    Hallo Sonnenkäfer,

    Als erstes möchte ich mich Gerchlas Worten anschliessen: Du brauchst dich hier überhaupt nicht zu schämen wenn du einknickst und wieder trinkst. Im Gegenteil, bleibe und berichte, das Teilen erleichtert bereits einbisschen die Situation und die wenigstens wurden auf Anhieb trocken. Ich übrings auch nicht, ich bin nun wie gesagt ein Jahr alkfrei aber davor gab es auch ein Jahr indem ich 4x rückfällig wurde. Ich hoffe natürlich das passiert nicht mehr, 100%ige Sicherheit gibt es aber nie.

    Das mit den Schuldgefülen und des Versagens kenne ich zu gut...das ist schwierig auszuhalten. Bringt einen ja aber auch nicht weiter...Es zeigt dir vielleicht einfach, wie schwierig es ist aus diesem Teufelskreis auszubrechen, ohne Hilfe schaffen es die wenigsten, das ist Fakt. Ich habe alles über Alkoholismus gelesen was ich finden konnte, ich musste erst verstehen, um zu akzeptieren. Es gibt (bei mir jedenfalls) keine "Reset"-Möglichkeit, der point of no return wurde überschritten und dann hat man nur noch die Wahl weiter zu trinken, immer mehr und immer öfter (Toleranz nimmt zu) oder man hört irgendwann mal auf. Mich begleitet eine SHG und eine Traumatherapie auf diesem Weg, ich habe meine Lösungsstrategien gefunden. Aber auch das nicht auf Anhieb.

    Wie du hatte ich anfangs als die Kinder noch sehr klein waren nur ab und zu wieder angefangen zu trinken und hatte ehrlich das Gefühl, dass ich mich sehr gut um meine Familie kümmere. Das das so im Vergleich zu heute nicht stimmt merke ich vor allem jetzt, mit der nötigen Distanz und Klarheit. Alkohol greift ungemein in die Seele ein und verändert die Persönlichkeit. Ganz unbemerkt nahm der Alkohol immer mehr Platz ein, in meinen Gedanken, in der Wochenend-Planung und gleichzeitig schlich er sich wieder sehr schnell zu gewohnten Mengen ein, das heisst wenn ich trank dann bis zur Trunkenheit. Meine Geduld, meine Nerven, mein Elan etc waren bei weitem nicht da wo heute. Heute bin ich ausgeglichen, friedlich, sehr geduldig mit den Kindern, voller Energie zu jeder Zeit und nicht nur unter der Woche und v.a. bin ich sehr aktiv mit ihnen, unternehme immer draussen was.

    Natürlich hat sich der Konsum dann gesteigert, so nach gut 2-3 Jahren war ich am Höhepunkt meiner traurigen Karriere angelangt. Das ging bei mir sehr schnell denn ich habe immer schon sehr exzessiv und ohne Limit getrunken, null Kontrolle. Meine Kinder sahen mich betrunken, es gab oft Streit mit meinem Mann, sogar mit Freunden, mit Gästen weil ich mich so abschoss...die Feier war längst keine mehr, ich musste trinken, konnte nicht aufhören. Dazu hatte ich auch noch einen Job im Weinhandel...fatal! Ich brach irgendwann das nächste Tabu und trank während der Arbeit, wurde gefeuert...zu recht. Irgendwann war ich wieder wie vorher jeden 3. oder sogar 2.Tag betrunken...ich war wieder am Punkt wie vor den Schwangerschaften. Mein Mann musste ständig irgendwelchen Mist von mir wieder gerade biegen, die Kinder mitten am Nachmittag von der Schule holen weil ich das nicht mehr konnte etc etc. Kurz, Alkoholismus ist eine fortschreitende Krankheit, es wird immer nur schlimmer wenn man sie nicht stoppt.

    Obwohl ich schon Anfang 20 wusste dass ich ein gewaltiges Alkoholproblem habe musste ich noch Jahre weiter trinken und sehr sehr tief fallen. Ich hatte meinen Job verloren und beinahe meine Familie. Von Selbstachtung und Selbstliebe war keine Spur mehr. Ich wünsche dir, dass du diesen Weg nicht gehen musst.

    Es stimmt was du sagst, wenn du dich deinem Mann öffnest dann macht es dein Alkoholproblem definitiv, Du hast es benannt und dich jemandem anvertraut, es gibt kein zurück und keine Hintertüre. Das ist ein grosser Schritt...mich hat dieser Schritt gerettet, es war der Beginn meiner Genesung. Ab dann konnte ich anfangen, die Dinge ernsthaft (und mit Unterstützung!) angehen, es brachte die Kugel ins rollen.

    LG
    Rina

    Hallo

    Willkommen im Forum.

    Dein Text hätte mein Text sein können als ich 34 war. Ausser ich hatte schon 2 Kinder und trank Wein.

    Genau wie du hatte ich in der SS das trinken und rauchen eingestellt (das rauchen nie wieder angefangen zum Glück) und erlebte es als persönliche Bestrafung. Und irgendwann habe auch ich abgestillt und langsam aber sicher verlängerten sich die Wochenenden und verkürtzten sich die Wochen...Erst trank ich nur Samstags, dann auch mal Freitags und Samstags, dann bis Sonntag etc...Das nahm so seinen Lauf. Das mit dem Telefonieren war auch so...Drink and Dial nennen es die Amis.

    Ich habe immer sehr exzessiv getrunken, ich wollte die Wirkung, nicht den Geschmack und das seit meinem ersten Konsum an. Ich war sofort auf 120% und wollte mehr davon...wie du meistens jeden 2. oder 3. Tag betrunken.

    Ich bin heute 38j, und seit einem Jahr (+1 Tag :)) abstinent. Ich musste mein Leben umgestalten, mir Hilfe suchen in Form von Therapie und SHG, ich habe neue Freunde und neue Aktivitäten in mein Leben gebracht und meine Prioritätenliste sieht anders aus als noch vor 4 Jahren. Ich musste die letzten Jahre meiner Trinkerkarriere sehr leiden, mit mir meine ganze Familie, mein Mann, die Kinder, meine Eltern...es ging rapide abwärts, Kontrollverluste wurden immer heftiger. Ich bin echt froh jetzt auf einem stabilen Weg zu sein und es wird immer besser. Ich habe Anfangs oft meine Trockenheit in Frage gestellt, auch noch andere um ihr "Glück" beneidet, die trinken und feiern dürfen...dieses Gefühl verschwindet immer mehr. Ich hasse die Person zu der der Alkohol mich gemacht hat, ich will sie nie wieder sein. Und ich empfinde nun endlich echtes Glück, echte Freude und eine Innere Ruhe stellt sich ein. Ich kann mich wieder im Spiegel ansehen und ein wenig Stolz und Selbstachtung empfinden...das war in meiner Trinkerzeit nicht mehr der Fall.

    Ich habe sehr lange Zeit damit verschwendet, mich irgendwie selbst aus dieser psychischen Abhängigkeit zu ringen. Ich tat nichts ausser den Alk weg zu lassen...das Resultat war immer ein Flopp, ich trank nach jedem gescheiterten Versuch noch mehr als zuvor. Ich habe es erst schaffen können, als ich mir Hilfe suchte, es ist für die meisten einfach zu Gross, man braucht sich nicht alleine trocken zu kämpfen.

    Wie siehst du es denn mit Hilfsangeboten? Vielleicht eine Form von Gesprächstherapie oder SHG oder Beratung mit einem Artzt oder was auch immer...? Wie steht denn dein Mann dazu? Kannst du mit ihm darüber sprechen? Trinkt er eher viel oder wenig? Ein viel trinkender Freundeskreis ist sicher nicht hilfreich, andere zusätzliche Kontakte sehe ich als super wichtig an falls es dir mit dem Ausstieg ernst ist...

    Ich freue mich auf den Ausstausch mit dir ,

    und ja ps: Ich kann mittlerweilen auch ohne Wein telefonieren!! Hätte ich vor noch 6 Monaten für nicht möglich gehalten ;D

    Alles Liebe,
    Rina

    hallo Jenni,

    Ich bin Rina, 38J, verheiratet und wir haben 2 Kinder, seit einem Jahr alkfrei.

    Du hast ja schon viele hilfreiche Antworten erhalten, ich kann nichts dazu hinfügen, möchte aber unterstreichen, dass der Weg aus der Sucht ein wirklich sehr zeitraubender und schwieriger ist...wenn er denn überhaupt vom Betroffenen jemals gewählt wird und wenn dann dieser Betroffene den Weg auch noch erfolgreich gehen kann. Das soll nicht pessimistisch klingen, es ist nur Tatsache, dass die wenigsten der Alkoholiker auf Dauer abstinent bleiben können. Dazu braucht es meistens - sehr sehr oft - Hilfe von aussen, Therapie, Gruppengespräche, manchmal erstmal eine Entgiftung, Kur etc.

    Dein Mann ist, so wie ich das verstehe, noch sehr weit weg von jeglicher Einsicht überhaupt irgendetwas an seinem Konsum zu ändern. über die Monate, Jahre wird sein Konsum steigen, das ist bei allen Suchtkranken so, es entwickelt sich eine Toleranz, der Kranke braucht immer mehr Alkohol um auf die erwünschte Wirkung zu kommen.Mit der Zeit muss er dann vielleicht auch heimlich trinken, damit das Ausmass seines Konsums nicht so auffällt, das ist dann wieder mit Lügen und Verstecken verbunden etc etc...Ich schreibe dir das, weil das der klassische Weg ist, ich selbst bin ihn gegangen.

    Von aussen etwas bewirken wollen ist eben schon allermeist aussichtslos, der Alkoholiker muss selber wollen. Wenn das nicht der Fall ist, wird er Strategien entwickeln um seine Dosis zu bekommen, und Stress zu Hause zu vermeiden.

    Evtl. führen wir ab nächstem Jahr eine Wochenendehe, ich habe Angst das er dann nochmehr trinkt, ich bin ja nicht da um zu meckern. Oder in 9 Jahren geht er ja schon in Pension, ist er dann schon blau wenn ich von der Arbeit komme.

    Das ist ein realistisches Szenario ja.

    Ich würde dir empfehlen eine Beratungsstelle für Angehörige aufzusuchen, du kannst nur dir selbst in dieser Situation helfen, das Problem deines Mannes kannst du nicht lösen. Nicht mit Buchhaltung, Streitereien...du kannst versuchen ihm - wie schon gesagt wurde - die Pistole auf die Brust setzen und mit Trennung drohen, dann müsstest du dazu aber auch bereit sein, was ja nicht so eine einfache Entscheidung ist. Und die Erfolgschancen bei so einem Drohversuch sind auch nicht top...

    Sorge zu dir, informiere dich zu Co-Abhängigkeit und Alkoholismus, damit du weisst wie die Zukunft für ihn und dich ausschaut falls er tatenlos weiterhin vor sich her plätschert.

    Viel Kraft,
    Rina