Beiträge von Rina

    Guten Morgen Jana,

    Was war meine Motivation? Der Leidensdruck war erreicht, es ging einfach nicht mehr. Und bis dieser erreicht war musste viel passieren...ich baute einige Unfälle mit dem Auto (Gott sei Dank nie mehr als Blechschaden), verlor meine Arbeit und meine Familie drohte zusammen zu brechen. Mein Mann war mit seinen Kräften am Ende. Ich hätte es damals sogar verstanden wenn er gegangen wäre, es war unerträglich. Und selbst dann habe ich noch ein Jahr weiter getrunken...bis dahin nie täglich. Aber dann waren wir 2x im Urlaub und ich trank täglich, mein Körper machte das nicht mehr mit,Ich schwoll auf,hatte fast 10Liter (!!) Wassereinlagerungen. Es brauchte jeweils 2Wochen Abstinenz bis ich wieder normal war. Dann beschloss ich es kann so nicht weiter gehen und ich muss endgültig aufhören, für immer. Das war im Sommer 2018 und seit dem hatte ich im ersten Jahr 4 Rückfälle und nun seit 17Monaten unfallfrei. Es ist nicht immer einfach- bis heute nicht. Ich musste so ziemlich alles umstellen in meinem Leben, anders leben, Alkohol verbannen und Menschen die viel Alkohol trinken ebenso. Neue Freunde finden, neue Aktivitäten, eine Therapie beginnen, zwei SHG besuchen etc...Es ist nicht damit getan einfach nichts mehr zu trinken.

    Ich hoffe dein Mann kommt auch bald an den Punkt wo die negativen Folgen für ihn nicht mehr tragbar sind. Das kann lange dauern oder gar nie geschehen, das sollte dir bewusst sein. Ich bin immer noch sehr glücklich mit meinem Mann zusammen, wir haben eine sehr starke Bindung und die Krankheit hat uns zusammen geschweisst. Er musste auch seinen Weg gehen, es brauchte lange bis er den Alkoholismus begriff und verstand dass ich einfach nicht anders konnte. Er hat nun auch verstanden dass es keinen Tropfen mehr gibt, ich kann es nicht,ich bin krank. Wir sind immer noch auf dem Weg aber es kann klappen wenn beide wirklich wollen und beide zu sehr vielen Veränderungen bereit sind!

    Viel Kraft für Dich,

    Rina

    Stimmt. Mein Therapeut hat es auch gesagt: Nur weil Sie wissen weshalb sie trinken heisst das deswegen nicht, dass sie damit aufhören können.

    Vielleicht sollte ich mich trotzdem mal durch die Theorie wühlen...einfach deshalb weil ich Zeit habe, eingesperrt bin und mich das vom Trinken abhält. Hab sozusagen ja nichts dringenderes zu tun und interessant wäre es vielleicht schon. Aber ich würde dann bestimmt nicht meinen Erfolg oder mein Scheitern darauf aufbauen. Vielleicht wäre es auch vergeudete Zeit, auch da meinte der Therapeut mal, dass die allermeisten Suchtkranken nicht drauf kommen wieso sie so ticken da man davon ausgeht dass sehr Frühkindliche Prozesse (meist in Uterus) dafür mitverantwortlich sind. Keine Ahnung ob das stimmt.

    Oder ich fokussiere meine Zeit auf die Person die ich jetzt sein will und die ich in naher Zukunft sein werde.

    Hallo Max

    Willkommen im Forum!

    Ich bin Rina,Alkoholikerin,39J und nun seit 17Monaten abstinent.

    Was du da beschreibst kenne ich sehr gut. Du trinkst Alkohol weil es dir gut geht und weil es dir schlecht geht aber auch weil du gerade nichts besseres zu tun hast und selbst dann aber eben heimlich...Du trinkst selbst gegen deine rationalen Gründe entgegen, und das immer wieder. Sowas nennt sich süchtiges Verhalten. Du brauchst nicht körperlich abhängig zu sein um bereits eine psychische Suchterkrankung entwickelt zu haben. Ich habe wie du sehr schnell die Dosis und die Gelegenheiten erhöht, ich war in Null Komma nichts psychisch abhängig. Vielleicht bist du es noch nicht so schlimm und kannst rechtzeitig die Bremse ziehen, das wäre wünschenswert. Wenn du einfach so weiter machst wird’s bestimmt nicht von alleine besser.

    Ein Alk-Stopp wie Gerchla ihn vorschlägt finde ich eine gute Idee. Probiere es mal aus und beobachte was es mit dir macht. Fällt es dir zu schwer liegt bereits ein grösseres Problem vor. Beschäftigung mit dem Thema Alkoholismus tut mir heute noch gut,ich lese viel darüber und es hilft zu verstehen wie diese Krankheit funktioniert und wie sie fortschreitet. Denn das ist das einzige was ganz sicher ist: Die Abhängigkeit und die Toleranzenwicklung nehmen mit der Zeit zu, bei jedem der trinkt. Ausser man hört auf. Meistens ganz.
    Du kannst ja mal nen Versuch starten und deine Gefühle mit uns teilen, das Schreiben hier ist immer eine gute Idee. Und du hast hier auch keinen „Erfolgsdruck „ oder so. Wir können dir bei der Bestandesaufnahme sozusagen Beiseite stehen wenn du das willst.

    Meinst du du könntest dich sonst einfach aufs Wochenende beschränken? Oder würdest du da Gefahren laufen noch mehr zu trinken da „aufholbedarf“ besteht?

    Lg
    Rina

    Nun ja, wenn ich mal spekulieren darf, das könnte was mit Deinem Trauma zu tun haben. Dieses Ausgeliefert sein könnte das durchaus triggern. Ich hoffe ich bin nicht zu übergriffig.

    Das ist zum Teil sicher so, aber ich denke nicht, dass ich alles auf das erlebte Trauma abwälzen kann. Ich habe das Gefühl, egal wie mein Leben verlaufen wäre, ich wäre auf jeden Fall Alkoholikerin geworden. Also unabhängig von Ereignissen. Dass dieses Erlebnis den Wunsch zu "halb-sterben" stark aufkommen liess ist sicher ausser Frage und hat mich daher auch sehr schnell auf ein höheres Suchtlevel katapultiert. Alkohol macht nun mal die Realitätsflucht möglich, damit hast du natürlich Recht. Ich bin nur irgendwie der Überzeugung, ich wäre so oder so an diesem Punkt und frage mich halt wieso. Vielleicht irre ich mich da auch.


    Ich rate dir, sehr vorsichtig, mit dieser Selbstzerfleischungskritik - „Was stimmt nicht mit mir?“ zu sein. Solche Kritik zieht dich nur weiter runter.

    Da kommt auch Wut auf dich selbst hoch und der Wunsch, dich selbst zu bestrafen.

    Das hat was...Falle immer wieder schnell in den "Selbstzerfleischungsmodus". Muss ich lernen abzustellen...danke.

    Genau so ist es. Es geht jetzt akut darum diese Phase rückfalllos zu überstehen. Ich muss und will diese Zeit als Erfolg in meinem Gehirn verbuchen können. Ich will mir dann sagen können „Du warst übel dran aber du hast es überwunden“, ich will diese mentale Stütze aufbauen, für die Zukunft, für mein Selbstvertrauen in meiner Abstinenz. Das ist ja leider nicht so gross daher erscheint es mir gerade irgendwie lebensnotwendig diese Krise unfallfrei hinter mich zu bringen.

    Das klingt jetzt gerade extrem dramatisch und fatalistisch, ich habe nur wirklich das ungute Gefühl dass ein weiterer Rückfall- jetzt gerade - ziemlich schwerwiegende Folgen hätte. Es könnte auch mein letzter sein, es gibt null Garantie dass ich es nochmals aus dem Sumpf schaffe.

    Ich frage mich echt was mich dazu treibt mich ins Jenseits schiessen zu wollen! Ich weiss nicht wieso ich das so sehr möchte...abgesehen von der Sucht die mich dazu treibt? Es war bei mir halt sofort so, ich liebte es auf Anhieb mich aus der Realität hissen zu können, ich war nie in der Illusion des Genusstrinkens. Was zum Teufel stimmt nicht mit mir? Es gibt sowas wie einen Überlebensinstinkt, gibt es etwas wie den Selbstzerstörungswunsch? Ich habe mich auch schon gefragt ob ich nicht einfach „süchtiger“ bin als andere...mit dieser Vorstellung bin ich sicher nicht alleine. Ich bin mir ziemlich sicher süchtig geboren worden zu sein, ich war von null auf 100 sofort voll dabei. Vielleicht gibt es doch so eine Art „Suchtgen“ oder volle Prädisposition...

    Hallo liebe Jana

    Willkommen im Forum,
    Ich bin Rina,w,39J und selbst Alkoholikerin,seit 17Monaten abstinent.

    Es ist leider so dass du als Angehörige deinen Mann nicht trocken legen kannst. Er will trinken und so lange das so ist kannst Du nichts tun das ihn vom Gegenteil überzeugen könnte. Ich spreche aus meiner eigenen Erfahrung und der Erfahrungen aus meiner SHG, aus Foren wie diesen und aus familiären Erfahrungen. Dein Mann muss erst für sich soweit mit den negativen Folgen seiner Erkrankung konfrontiert sein um auf ein Umdenken zu kommen. Dieser Werdegang ist individuell lange, meistens zieht es sich aber Jahre hin bis der Betroffene reagieren kann. Bei mir war das zum Ende eine regelrechte Katastrophe und selbst am Abgrund meines Lebens, als alles zum Zusammenbruch verdammt war musste ich noch weiter leiden...bis zu körperlichen Schmerzen,dann kam der Punkt an dem es nicht mehr so weiter gehen konnte. Mit mir haben unsere Kinder gelitten, für meinen Mann war es die Hölle, für meine Eltern ein Albtraum. Ich bin froh zu denen zu gehören,die sich Hilfe holen können, für die meisten Alkoholiker endet die Sucht auf dem Friedhof oder im Knast,manchmal auch im Irrenhaus. Das klingt alles andere als positiv ich weiss, deshalb kann ich dir auch nur sehr ans Herz legen dir Hilfe zu suchen, für dich,nicht für deinen Mann. Es gibt Beratungsstellen für Familien, bitte nutze diese um dich zu informieren und die richtigen Entscheidungen für dich und v.a. deine Kinder zu treffen. Du musst auch gar nichts überstürzen, lass dich einfach mal beraten, eine SHG für Angehörige könnte dir sicher viel bringen. Einfach damit du erfährst wie es bei anderen aussieht, was andere so erleben und da bekommst du bestimmt auch wertvolle Tipps. Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, es leiden alle darunter aber am meisten wohl die Kinder.

    So lange dein Mann keine Krankheitseinsicht hat bringt die beste Therapie nichts. Im besten Fall würde er da hingehen, es dir zu liebe durchziehen und einen Tag nach Entlassung das Versäumnte schnellstmöglich nachtrinken...

    Ich kann dir nur raten deine Kräfte auf dich und eure Kinder zu konzentrieren, dein Mann ist erwachsen,verantwortlich für sein Handeln und Tun. So lange man mir „Verständnis „ und „Entlastung „ für meine Taten entgegen brachte so lange hatte ich so gar keinen Grund irgendetwas zu ändern...es lief ja und andere übernahmen die Verantwortung. Erst als ich für sämtliche Konsequenzen hinstehen musste konnte ich das ganze üble Ausmass begreifen. Das war der erste Schritt Richtung Genesung.

    Lg
    Rina

    Vielen Dank dafür! Habe ich jetzt schon 3x gemacht,nicht so einfach beim Körperscan nicht abzuschweifen. Die Atemübung bringt tatsächlich etwas, eine innere Ruhe irgendwie. Es tut gut.

    Hab immer noch üblen Suchtdruck, versuche aber mir den oben genannten Tipps gegen zu steuern. Manchmal hilfts und manchmal bin ich zu sehr von den Emotionen überrannt da bin ich zu nichts mehr fähig. Mein Therapeut musste leider alle unsere Termine vorerst absagen wegen dem Lockdown, das ist keine gute Sache. Aber es zwingt mich auch andere Wege zu suchen, weiter nach Strategien zu suchen. Ich will einfach nicht nochmals in diese Trinkspirale fallen,getrieben von Gier und Craving wo jegliches rationale Denken ausgeschaltet wird...ich will nicht mehr so sein wie ich zu meiner nassen Zeit war, wir haben alle zu sehr gelitten damals.

    Ja da ist ganz sicher was dran. Das Virus selbst drückt auf meine Stimmung, es ist ein auf und ab mit dieser Krankheit. An manchen Tagen denke ich es ist nun vorbei und dann kommen die Schmerzen plötzlich in einem Wall Zurück. Und die pessimistischen Zukunftsprognosen, der zweite Lockdown bei uns, Weihnachten unter Verschluss...Ich muss mehr noch als sonst Acht geben, mir sofort Hilfe holen wenn’s gefährlich wird. Ich habe gemerkt wie ich in manchen Situationen aus der Spur komme, ein Auffangnetz ist unerlässlich. Das hätte ich vor ein paar Jahren noch nicht so gesehen, hätte das Prinzip „ich will es alleine schaffen „ um jeden Preis durchgeboxt...heute steht meine Abstinenz an oberster Stelle, keine Hilfe ist überflüssig. Denn genau so ist es „wir sind soziale Wesen „, wir sind aufeinander angewiesen.

    Es ist wirklich eine etwas mühsame Zeit...

    Liebe Susanne,AmSee,Camina und Elly,

    vielen Dank für eure schnellen Reaktionen und Denkanstösse gestern, akut hat mich das gerettet! Ja es musste wirklich raus...Es ist immer besser in solchen Situationen nicht alleine mit dem Druck zu bleiben, das habe ich mittlerweilen gelernt. Das niederschreiben des Konsumverlaufs tat wirklich gut, einfach brainstormartig raus mit den Wörtern und sich die Konsequenzen verinnerlichen...über das erste Glas hinaus weiter denken.

    Es ist nun ganz ganz lange nicht mehr vorgekommen, dass ich so sehr unter Saufdruck leide. Ich bringe das mit der depressiven Grundstimmung seit meiner Coronainfektion in Verbindung, Müdigkeit, Eingesperrtsein...Ich bin nur so sehr über die Gewalt dieser Gefühle erschrocken! Ich fühle mich nicht mehr Herrin der Lage, habe wirklich Angst dass es wieder über mich kommt und ich dieses Mal zugreife. Seit vielen Monaten war ich nicht mehr so nahe an einem Rückfall wie gestern, wäre Alk im Haushalt gewesen hätte ich ihn getrunken, ganz sicher. Falls sich die Emotionen wieder hochtürmen werde ich wieder hier schreiben, das hilft ein bisschen.

    Ich kann vielleicht heute versuchen diesen Gefühlssturm zu analysieren wie ihr sagt...welche Botschaft steckt hinter dem Bedürfnis sich wegballern zu wollen? Und was für eine Erleichterung erhoffe ich mir davon? Im Moment fühle ich mich wie ein Dampfkochtopf, der Druck steigt über Stunden immer mehr an, ich finde kein Ventil um ihn auszugleichen.

    Mein Traumatherapeut gibt auch eine Therapieart die "Pesso Boyden Psycho Motor"-Therapie, wo man sozusagen "neue Erinnerungen schafft". Ich weiss noch nicht ob die Stunden auch während dem Lockdown statt finden, aber wenn würde ich das gerne machen. Kennt sich jemand damit aus? Erfahrungen dazu?

    Auf jeden Fall habe ich jetzt ganz stark das Bedürfnis etwas unternehmen zu müssen, ich kann so nicht weitermachen und einfach nichts tun. Bin ein Haar von einem Rückfall entfernt, der heutige Tag wird eine Herausforderung. Ich habe Angst es nicht zu meistern. Ich habe mich noch nie wirklich stabil gefühlt in meiner Abstinenz aber jetzt kommt so ein "Ich-bin-ein-Hoffnungsloser-Fall"-Gedanke auf. Diese scheiss Sucht...elende Krankheit... >:(

    Vielen Dank für eure Unterstützung, in der Quarantäne ist dieses Forum noch mehr als Gold wert!

    Rina

    Ich versuche es:

    Ich würde mir ganz sicher zwei Flachen Rosé kaufen, vielleicht auch Champagner (wenn schon denn schon). Dann würde ich den warmen Wein in einem grossen Wasserglas trinken, das erste Glas bestimmt sehr schnell, dann langsamer. Und ich würde mich sehr sehr schuldig fühlen, bestimmt sofort. Deshalb würde ich sicher irgendwelche Leute aus der SHG anschreiben, später wenn genung "getankt" wurde auch anrufen...und rumheulen. Ich würde mich im Anfangsstadium vielleicht erleichtert fühlen, vielleicht "schwebend", "erlöst". Ich denke die 2. Flasche würde auch schnell geleert werden, ich müsste dann also in ziemlich betrunkenen Zustand nochmal los um irgendwo was aufzutreiben...nicht so einfach im Lockdown. Wahrscheinlich würde ich panisch nach Möglichkeiten suchen um an Alkohol zu kommen ohen mich in Gefahr zu bringen und auch andere - das heisst ohne Auto und von wegen ich könnte Leute mit Corona anstecken wäre mich das dann bestimmt vollkommen egal. Dann würde ich merken, ich muss das Auto nehmen da alle Betriebe - ausser grosse Supermärkte zu sind. Also bin ich wahrscheinlich von der Gier so getrieben, dass auch das mir dann egal ist und ich betrunken Auto fahre...vielleicht einen Unfall baue. Im Supermarkt kaufe ich wieder 2 Flaschen Rose und kleine Kochweinfläschchen, von denen stürze ich das erste noch im Supermarkt im Klo oder im Auto. Zuhause dann wieder erleichtert werde ich mir den Rest reinpfeifen. Und total betrunken sein wenn ich zur Schule muss um die Kinder abzuholen. Und da ich wieder mit dem Autoproblem konfrontiert bin, gehe ich zu Fuss, nehme bestimmt "Profiant" für auf den Weg mit. Wahrscheinlich komme ich schwankend in der Schule an...falls ich es soweit überhaupt schaffe und nicht meinem Mann gesagt habe er soll sie holen. Und dann würde ich vor Scham bestimmt rumheulen, irgendwie erklären wieso es dazu kam und panisch nach noch mehr Stoff suchen. Mann Mann wäre bestimmt unendlich enttäuscht, sauer und würde mich ins Zimmer schicken damit unseren Kinder die Szene erspart bleibt. Ich würde irgendwie nochmal los müssen wahrscheinlich um wieder Alk zu bekommen, Kilometerweit zu Fuss gehen und irgendwie hoffen einen offenen Laden zu finden. Dann würde ich mich sicher die halbe Nacht weiter betrinken, bis zum bitteren Ende und bis ich auf allen vieren ins Bett gehe...wenn ich das denn schaffen sollte. Und am nächsten Morgen hätte ich sicher den Kater meines Lebens, aber ich weiss dass es mit einem Schluck Alk besser wird, also würde ich wieder los...bestimmt mit viel Restalkohol. Der morgige Tag würde den ersten noch an Peinlichkeiten toppen, da ich schon mitten am Tag total betrunken bin. Ich würde Leute anrufen, die vielleicht vollheulen, Leute anrufen mit denen ich über 5 Jahre kein Wort gewechselt habe...meine Mutter anrufen, die sofort erkennen würde was los ist und sich super Sorgen machen müsste. Und am 3. Tag müsste ich entweder unter enormen Monsteranstrengungen allen Alk aus der Wohnung räumen damit das ein Ende nimmt oder ich wäre wieder am Anfang...mittlerweile sehr aufgedunsen, roter Kopf, aufgeschwollener Bauch und dicke Augen...Ich würde mich selbst dafür hassen, mir sagen, dass ich es niemals zu einer stabilen Trockenheit bringen werde, ich hätte bestimmt sehr schwarze Gedanken, null Selbsliebe, keinen "Wert". Ich würde mir im schlimmsten Fall sagen, dass alles keinen Wert hat, ich es einfach nicht schaffe, niemals also bleibe ich halt beim Alk, egal wie es enden wird. Vielleicht würde ich aber auch meinen Therapeuten anrufen, die Suchtberatung und da total weinend, niedergeschlagen und hoffnungslos auftauchen. Ich würde denen sagen, dass ich bitter abgestürzt bin und es nicht mehr aus dem Loch schaffe, dass sie mir helfen sollen weil ich sonst eine zu grosse Gefahr für mich und andere bin. Und ich würde ganz viel weinen und sehr emotional sein, kontrollverlust garantiert.
    Mein Mann würde vor allem die Kinder schützen wollen - vor ihrer betrunkenen Mutter - er würde sie abschirmen vor mir, sagen, dass Mama Ruhe braucht, sie nicht verfügbar ist. Ich hätte Schuldgefühle ohne Ende, ich würde wahrscheinlich nochmals alle möglichen Suchtberater, Therapeuten und Leute anrufen, die mir helfen könnten...

    Es wäre ein Desaster.

    Muss ich mir jetzt selber mal durchlesen, habe das spontan und sehr schnell abgetippt und einfach meine Gedanken sprudeln lassen. Das half schon mal.

    Hallo liebes Forum,

    Ich komme leider nicht drum rum hier einen Thread zum leidigen Corona-Thema zu eröffnen...ich weiss, dass in Deutschland die Fallzahlen nicht so hoch sind wie in Frankreich aber vielleicht gibt es doch den einen oder anderen der Bescheid weiss - aus eigener Erfahrung oder SHG oder wie ich auch immer.

    Ich bin seit einer Woche vom Virus infiziert, ich leide nicht schlimmer drunter, habe Schmerzen im Körper, Migräne und Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, es ist also aushaltbar. Kein Fieber, keinen Husten, keine Atemschwierigkeiten...nichts von all den typischen Merkmalen und so ging es eigentlich auch fast allen Befallenen, die ich persönlich kenne.

    Aber nun habe ich seit 10 Tagen auch eine unglaublich depressive Stimmung, schaffe es gerade gar nicht mich hoch zu raffen, kein einziger positiver Gedanke kann sich durch ringen. Das würde ja auch noch gehen, ich würde das unter anderen Umständen als Begleiterscheinung abtun und einfach warten bis es vorbei geht...wäre da nicht dieser unglaubliche Suchtdruck. Es ist kaum auszuhalten, seit Tagen geht das in crescendo hoch, ich kann nicht mehr! Stopfe mich mit Süssigkeiten voll, trinke Unmengen Wasser, raus darf ich ja nicht leider...nichts hilft ich denke ständig nur daran mich wegzuschiessen! Jetzt war ich sogar so weit und bin in den Keller schauen gegangen ob irgendwas da ist an Wein oder irgendwas (ist natürlich zum Glück nichts da) und dann habe ich sogar noch den Medikamentenschrank durchwühlt um zu schauen ob der was her gibt...Ich bin ganz fertig gerade. Ich sehe meinen Therapeuten am Freitag, versuche ihn aber morgen telefonisch zu erreichen, ich bin gerade sehr in Panik es nicht zu schaffen morgen. Sorry für das Gejammer, es ist gerade ein Hilferuf und ich weiss ja dass ihr da auch nicht viel machen könnt, ich muss da alleine gegensteuern, aber ich halte es nicht mehr aus damit alleine zu sein.

    Gibt es da einen Zusammenhang...Corona und Depressive Stimmung? Corona und Suchtdruck hat wohl noch niemand untersucht...Ich weiss nicht wie ich das hin bekommen soll, fühle mich dem so ausgeliefert, bin nervlich sehr angeschlagen gerade...

    Lg
    Rina

    44. Proky

    Mich hat der Verfasser dieses Beitrages (und weitere solche uneinsichtigen) auch stark an mich vor etwa 10 Jahren erinnert. Wie ich merkte es geht nicht weiter in diesem Trinkrythmus und versuchte halbherzig irgendwelche Aktionen zu starten. Gleichzeitig wollte ich aber nicht so richt aufhören,eine schizophrene Seele hatte ich damals wirklich...Und auch diese Posts zeigen mal wieder wie elend lange der Weg aus der Sucht ist, falls er überhaupt gegangen wird. Ich kenne nicht viele die noch in ihren 30-igern aufhören konnten, in den 20-ihren niemanden. In der SHG sind wirklich viele ü50-iger und älter dabei. Man muss wohl tatsächlich unendlich leiden bis man davon los kommen kann...ich musste auf jeden Fall so einiges verlieren und selbst dann packte ich es nicht. Erst als der Alk mich zweimal im Urlaub körperlich übel zurichtete konnte ich nicht mehr weiter trinken.

    Es tut manchmal gut an diese Zeit zurück erinnert werden, gerade das Alkoholikergehirn vergisst gerne und schnell...

    Hallo!

    Glückwunsch zu deinem Entschluss und zu den ersten Wochen alkfrei! Ich freue mich für dich, gut dass du den Schritt zur SB gegangen bist.
    Wie geht es dir denn inzwischen ? Wie erlebst Du die erste Zeit der Trockenheit ?

    Hoffe bald mal wieder von dir zu hören,

    Rina

    Hallo Szegfue,

    Ich bin Rina,w 39J und mittlerweilen lebe ich abstinent.

    Ich kann gut verstehen, dass ´man in so einer Situation zu Alkohol greift um sie lockerer zu machen und nicht so angespannt zu sein. Das machen ganz viele Leute. Dieser Mann scheint sich aber dennoch öfters alleine einen zu genehmigen, ich glaube nicht dass er wirklich zu dir passt und dir gut tut.

    Ein einfaches « es hat für mich nicht wirklich gestimmt « sollte verständlich machen, dass du nicht weiter interessiert bist. Mach dir keinen Kopf, das passiert nun mal ständig nixweiss0

    Ich hoffe du findest bald jemanden, der mehr auf deiner Lebenslinie steht!

    Viel Glück
    Rina

    @ Stymo : wieso beantwortest du meine Fragen nicht? Ich möchte wirklich wissen, welche Art von Hilfe du dir erhofft hast? Dich mit Gleichgesinnten austauschen hast du erwähnt...ich gehöre nicht zu den bereits langzeit-Abstinenten aber es kommt auch da nichts von dir zurück. Ich glaube du wirst hier wahrscheinlich nicht fündig oder die hier im Forum sind einfach alle zu dumm, zu inkompetent um auf deinem Niveau zu schreiben?
    Schade für dich, du bist ja der der im Alk-Sumpf schwimmt und sein Leben hasst, mir ist das soweit ziemlich egal, es ändert nichts an meiner Zufriedenheit. Ansonsten ja, ich habe es versucht, viel Erfolg auf deinem Weg...

    Hallo Nyssa,

    Willkommen im Forum auch von mir! Ich bin Rina,39j, 2 Kinder und mit meinem Mann glücklich zusammen.

    Ich wollte nur kurz auf dein „Versagensgefühl“ und deinen „Neid“ reagieren, beides kenne ich sehr gut. Auch das „durchkämpfen „, alles Dinge, die ich auf meinem Weg zur Abstinenz durchstehen musste. Ich war die ersten 6-9 Monate nie auf einer rosa Wolke, von Anfangseuphorie war auch nicht viel da...ich fragte mich oft wie lange diese Situation aushaltbar ist. Ich wurde im 1. Jahr meines Abstinenzanlaufs auch 4x rückfällig, das ist kein Drama...jetzt sind es bald 16monate unfallfrei und ich kämpfe nicht mehr.

    Ich musste so einige Dinge umstellen, damit es klappt, alkfreies Zuhause, alkfreie Aktivitäten, alkfreien Partner. Wie Gerchla schon schrieb, ich musste das alles so „rein“ wie möglich halten, dort wo es möglich war. Besonders wichtig war da mein Mann, er hat nach Jahren verstanden, dass ich mich nicht absichtlich ins Koma trinke, null Kontrolle habe sondern dass ich krank bin, unsere Systeme reagieren nicht gleich auf Alkohol das ist nun mal Fakt. Bei mir selbst hat es auch Jahre gedauert bis ich das verstand...und bis ich dieses Schuld-und Versagensgefühl endlich ablegen konnte. Damit verschwand dann auch immer mehr der Neid, aus dem ich darf nicht wurde ein „ich will nicht „. Ich habe heute nicht mehr das Gefühl irgendwas zu verpassen...Manchmal schon, um ehrlich zu sein, aber dann denke ich den Gedanken zu Ende: was passiert in mir nach einem Glas,was nach 3 Gläsern...reicht mir das dann? Bin ich dann zufrieden oder muss das Fass her? Und dann? Wen habe ich angepöbelt, wie „offen „ war ich im Gespräch, wer wurde von mir um 3uhr nachts angerufen, wieviele blaue Flecken sind dazu gekommen...?

    Das alles braucht Zeit...sei geduldig mit dir und setzte Prioritäten. Eine Sache nach der anderen...eine SHG hilft ungemein sich dieser Krankheit bewusst zu werden und sie zu verstehen. Das war für mich vor allem am Anfang unglaublich wichtig, eine Tonne Fachliteratur hat auch geholfen.

    Bleib dran, auch du musst nicht ewig kämpfen, aber gewisse Dinge zu ändern ist meiner Meinung nach unerlässlich wenn’s auf Dauer klappen soll.

    Lg
    Rina


    Also mich befremdet das eigentlich, wie hier einige mit Samthandschuhen angefasst werden wollen. Alkoholismus ist eine potthässliche Krankheit, das kann nicht immer harmonisch sein, bei dem ganzen Mist, der da passiert und den wir uns ja durchaus selbst antun. Läuft einem ja nicht nach, die Brühe. Und irgendwie denke ich, das sollte man sich doch selbst wert sein, das auch gegen Widerstände weiter zu verfolgen, es geht doch ums eigene Leben, wenn einem das nichts wert ist, was dann?

    Ich glaube ich kann es schon nachvollziehen, ich war in meiner nassen Zeit auch so. Genauso eigentlich, nahm alles extrem persönlich, fühlte mich sofort angegriffen und verstehen konnte mich eh niemand...ich hatte ja "trifftige" Gründe um zu trinken, mich traf das Leben schwerer als andere etc etc...War ich doch sehr auf mich und meine Probleme fixiert, da war gar kein Platz für Lösungsorientiertes Denken!

    Das kam dann erst später, als ich mich eine zeitlang trocken gekämpft hatte und zwar unglücklich abstinent war aber immerhin den Kopf frei genug hatte um nach positiven Veränderugen zu suchen. Da konnte ich auch erst an eine Therapie ran die Sinn machte und da erst konnte ich für mich auch mein Leben neu gestalten... Ich dachte immer, dass ein glückliches Leben ohne Alkohol auch für mich möglich sein muss, und ich bin heute auf bestem Weg dahin...Dank Forum, Therapie und SHG! Aber am Anfang sah es schon sehr trüb aus in mir, viele Monate sogar. In ganz grauen Momenten dachte ich sogar, dass wenn es nach 3 Jahren Abstinez immer noch so ein Kampf ist dann lass ich es eben und sterbe irgendwann an dem Dreck. Stimmt schon, Alkoholismus ist eine scheiss Krankheit, es braucht so einiges um sich da raus zu ziehen, soviele Parameter die eine Rolle spielen. Und 100% Eigeninitiative.

    Dieses nasse Denken ist heute zum Glück weg aus meinem Kopf, wie sehr mich der Alkohol da geprägt hat war mir auch gar nicht bewusst. Die Welt war irgendwie gegen mich damals...Heute bin ich dankbar für das Leben das ich habe. Ich habe in der SHG soviel Horror gehört, Lebensgeschichten die will man nicht glauben, da sind meine Sorgen kleine Peanuts dagegen. Alles ist relativ im Leben, ich glaube der Perspektivenwechsel ist im alkoholgeträkten Kopf nicht möglich. Man ist zu benebelt...oder ich war jedenfalls viel zu egozentrisch.

    Kleiner Nachtrag: 99% der trockenen Alkoholiker die hier schreiben haben sich irgendwann mal auch in deiner Lage und deiner « Denke » befunden...hielten sich wahrscheinlich als hoffnungsloser Fall, bei dem es eben schwieriger war als bei den anderen. Tatsache ist auch, dass man nicht vergisst wie es war und auch nicht, was einem geholfen hatte da raus zu kommen. Rum heulende Leute die das alles ganz schrecklich finden und dich bemitleiden wirst du daher hier nicht finden. Es bringt einfach nichts sich I’m Selbstmitleid zu suhlen und von dritten darin bestärkt zu werden, dass es eh nichts mehr bringt..

    Ich war auch mal so wie du, wollte nicht mehr so leben wie ich lebte und ändern konnte ich es auch nicht. Also jammerte ich...solange bis meine persönliche Schmerzgrenze erreicht war, dann konnte ich aktiv werden. Zuhören und Hilfe holen.

    Ich hoffe du kannst das auch bald denn wie du selbst schreibst ist das was du gerade durchmachst kein Leben...mach’s anders es lohnt sich. Ich wünsche es dir!

    Lieber Stymo

    Herzlich willkommen im Forum!

    Wie geht es dir denn heute? Wie sind die Schmerzen? Hört sich alles nicht gut an was du da schreibst, körperlich scheint dich der Alkohol arg mitzunnehmen und psychisch offensichtlich auch.

    Du schreibst du willst aufhören aber du willst keine Tipps von den "alten Hasen" sondern dich mit Menschen austauschen die noch genauso im Sumpf sitzen wie du. Weil du nicht mehr alleine sein willst. Dafür gibt es in der Tat Bahnhofsplätze oder unter Brücken findet man solche Gesprächspartner auch oft. Aber ich verstehe nicht was das bringen soll...damit du dann nicht mehr alleine über dein Leben weinen musst sondern vielleicht mit jemandem dem es noch schlechter geht? Ich möchte es nur verstehen.

    Alle die dir hier geantwortet haben, haben ihre eigene Leidensgeschichte, sie sassen alle mal genauso im Elend wie du heute. Als ich in dieses Forum kam erhoffte ich mir Atworten von genau diesen Meschen, denn ich wollte wissen,wie sie es geschafft haben. Welchen Weg sind sie gegangen, welche Hilfe nahmen sie in Anspruch, was waren die Schwierigkeiten? Und dann wollte ich das was sie schon hatten : Eine zufriedene Abstinenz.

    Es ist ja nicht nur mit dem Alkohol so, sondern lässt sich aufs Leben allgemein übertragen : Ich orientiere mich nach Menschen, die Erfolg haben, die ich als Vorbilder nehmen kann, von denen ich was lernen kann und bei denen es offensichtlich geklappt hat. Ich orientiere mich nicht nach Menschen bei denen es nicht klappt, die mit ihrer Strategie kein Erfolg haben...logisch oder?

    Vielleicht kannst du mit meinem Post was afangen, vielleicht auch nicht...

    LG
    Rina