Beiträge von Rina


    Die Einnahmen aus der Alkoholsteuer können hingegen bei weitem nicht die Folgekosten des weit verbreiteten Alkoholkonsums tragen. Jährlich müssen Milliarden Euro aufgebracht werden, um die Kosten für alkoholbedingte ambulante und stationäre Behandlungen, für Berentungen, Arbeitsunfähigkeit oder frühzeitigen Tod zu decken.

    Ich bin mir da gar nicht mal sicher. Zumindest hier wo ich wohne,in Frankreich, gehört der Wein zum täglichen Essen dazu, in 90%der Familien. Erst seit paar Jahren gibt es für Lehrer keinen Wein mehr in der Schulkantine und auch der französische Präsident steht Faustdick hinter der Alkoholindustrie,es werden immer mehr Weinverkostungskurse an Universitäten angeboten und besucht, sich im Milieu auszukennen ist bei Studenten super angesehen. Es gehört zum guten Ton.Bereits in der Primarstufe wird über die Weinherstellung gelehrt...Also was in Deutschland das Bier ist, ist hierzulande der Wein und einfach nicht wegzudenken. Frankreich ist das letzte Land Europas wo die AA Fuss fassen konnten, das ist auch gar nicht lange her. Und egal in welcher Region man lebt es gibt überall einen lokalen Alkohol der besonders gerne getrunken wird...(vom Cognac über Armagnac, Pastis, Champagner zum Bordeaux und dem Rosé im Süden etc). Die Steuereinnahmen überragen die Sozialzahlungen bei weitem, das hat man mir in meiner ersten Therapie gesagt...sonst würde sich der Aufwand nicht lohnen, so gutherzig sind Menschen eben nicht. Ich kann mir gut vorstellen dass es in Deutschland auch so ist, nicht zu vergessen sind es ja die allerwenigsten Fälle die sich überhaupt Hilfe suchen...der Grossteil der Alkoholiker zahlt nur in die Kasse ,mit Geld und Gesundheit das stimmt leider.

    Hallo Jbob,

    Wie geht es dir inzwischen ? Ich hoffe du kannst diese emotionelle Achterbahn irgendwie überstehen und dass der Suchtdruck nicht überhand gewinnt. Ich kann mir vorstellen wie das in dir aussehen muss...Solche Stresssituationen sind schwer auszuhalten. Hoffe du hast Strategien damit umzugehen. Ich weiss nicht ob du hier noch mitliest, falls ja wollte ich dir nur dies mitteilen,paar positive Gedanken da lassen und Dich dazu motivieren hier zu bleiben. Schreiben hilft, alles was du nicht alleine mit dir rumschleppen musst ist eine Erleichterung. Bei argem Trinkdruck hier lesen, Tipps holen...ich war schon so oft unter solchem Suchtdruck dass ich weiss wie fatal ein „allein-sein“ sein kann.

    Bleib dran
    Lg
    Rina

    Liebe Charlotte,

    Ich kann gut nachempfinden wie Du versuchst aus dem alten Muster auszubrechen und doch noch darin gefangen bist...Mir erging es ganz lange auch so und das war wirklich ein grosses Leiden. Ich verstehe deinen „Kampf“...mit all diesen Wiederholungen ist soviel Negatives verbunden: Kampf, Anstrengung, Verzweiflung, Einbruch, Rückfall, Schuldgefühle, Versagensgefühle etc. Es wurde bei mir mit der Zeit natürlich auch immer wie schwieriger mich nach einem erneuten Konsum wieder aufzuraffen und dem ein Ende zu setzten. Das schaffte ich dann aber immer bis zum Moment wo mich die innere Spannung fast verrückt machte und ich wieder einbrach.

    Dieses Schema konnte ich zum Glück irgendwann „endgültig“ (man weiss ja nie...) durchbrechen indem ich so ziemlich alles anders machte als davor. Darunter fiel zum Bsp Essen, egal welche Zeit des Tages, ich musste Hunger vermeiden, um jeden Preis. Immer eine Flasche Wasser dabei haben, immer. Bei Suchtdruck das Haus verlassen, ohne Geld und möglichst in der Natur spazieren gehen. Neue Rituale einführen, bei mir war das Frühsport und alle 14-Tage einen Spa Besuch mit Sauna. Abends im Bett lesen...alles was interessiert, am Anfang war das ganz viel Fachliteratur zum Thema Alkoholismus, Erfahrungen, Biografien etc. Ich habe meinen engsten Freunden von meiner Krankheit erzählt, eine intensive Traumatherapie gestartet und neue SHG besucht.

    Bei mir brauchte es ganz viele verschiedene Faktoren um aus dem Teufelskreis auszubrechen, einige winzige Veränderungen sowie grobe Grundsatzänderungen.

    Du kannst vielleicht für dich auch etwas ändern ? Möbel umstellen, Sofa verrücken, andere Einkaufsläden aufsuchen etc. Unser Gehirn reagiert stark auf Erinnerungen, es liebt Gewohnheiten weil sie Sicherheit suggerieren. Aber es werden dadurch auch immer die selben Trigger ausgelöst...versuche diese möglichst zu umgehen! Ein Therapeut ist eine gute Stütze und wenn er kompetent ist kann er dir auch helfen...ein Stück weit. Er wird das Problem Alkoholismus nicht lösen können, setzte also nicht deine ganze Hoffnung auf einen Menschen...Therapeuten sind keine Zauberer.

    Bleib dran!

    Lg
    Rina

    Da gibt es die unterschiedlichsten Strategien...Ich bin bestimmt das krasse Gegenteil von Susanne. Ich lebe zu 100% anders ohne die Sucht, ich mache so gut wie alles anders! Ich nehme mittlerweile auch Einladungen an wo Alkohol serviert und über den Nachmittag verteilt konsumiert wird (in Massen) aber nur bei Freunden die eher sehr wenig konsumieren. Also Mengen, die mir niemals Befriedigung gebracht hätten. Auf einen BBQ Nachmittag mit sicherem Saufgelage würde ich niemals hin gehen, auf kein Bierfest, Weinfest, Feria oder Bodega (bei mir in der Gegend sehr häufig), nichts wo der Alkohol einen zu hohen Stellenwert einnimmt. Ich kann das nicht,ich würde da das Martyrium leiden. Ich habe nicht mal Angst an solchen Anlässen zu trinken,das würde sicher nicht passieren,aber es würde mich wochenlang beschäftigen. Nicht im positiven Sinne. Und abgesehen davon bringt es mir auch einfach nichts, trinkfreudige Freunde gibt es kaum mehr in meinem Bekanntenkreis und die die geblieben sind sehe ich nur Nachmittags zum Kaffee (obwohl auch da schon mal Hochprozentiges „Zum Schuss“ à gogo serviert wurde). Man kann sich auch nicht total abschotten und zum Einsiedler mutieren aber es gibt da bei mir eine sehr sensible Grenze die nicht überschritten werden darf. Ich brauche da mehr Zeit, ich gebe sie mir gerne,es läuft mir ja nichts davon!

    Ich glaube für viele ist es auch eine Frage der Zeit...weniger des Wollens. Also oft lese ich Beiträge und würde gerne reagieren,nur passt es zeitlich gerade nicht und wenn ich später noch einmal drauf zurück komme wurde das wesentliche bereits geantwortet. Ich schreibe nicht des Schreibens Willen,sondern weil ich etwas beizutragen habe oder denke ich könnte eine hilfreiche Antwort geben. Wenn das schon vor mir jemand gemacht hat, hat es sich eben erledigt. Oder bei manchen Themen kenne ich mich auch einfach nicht aus, um mitreden zu können oder ich habe das Gefühl nichts sinnvolles beisteuern zu können...ich habe auch nicht zu allem eine Meinung. Bei anderen Threads sind schon etliche Seiten geschrieben worden bevor ich überhaupt das Eingangspost gelesen habe, dann denke ich oft auch dass da sowas wie eine „interne“ Diskussion am laufen ist und ich mich nicht einmischen möchte.

    Und sonst sehe ich es hier wie in der SHG, man „nimmt“ und „gibt“ soviel wie es für einen persönlich gut tut...Ich brauche auch mal Abstand zum Thema und komme dann wieder zurück wenn ich es kann.

    Dass sich hier die genannten Vielschreiber so investieren und viel von sich geben ist sehr bemerkenswert und ich habe sehr von diesem Erfahrungsschatz für mich gewinnen können. Ich finde es super wichtig für so ein Forum, es sind gerade diese „alten Hasen „ von denen die allermeisten Neulinge wirklich profitieren können. Sie tun das bestimmt weil sie es können, etwas weiter geben wollen und das Thema halt irgendwie presänt ist.In Form von Hilfestellung. Davor ziehe ich auch meinen Hut es Stimmt schon : Es darf auch mal gesagt werden!

    Hallo Zilpzalp,

    Schön dass du Dich nach so langer Zeit meldest und ein Feedback gibst! Wir kennen uns noch nicht, ich bin Rina,39J und seit 1,5jahren trocken.Davor kämpfte ich mit Rückfällen.

    Super dass du es wieder in die Spur geschafft hast und weiter dran bleibst! Ein Rückfall ist kein Drama wenn man daraus die Konsequenzen zieht.

    Es stimmt, der grösste Teil der Neu-Anmeldungen verschwinden nach paar Einträgen wieder spurlos, auch das ein Indikator für die Schwierigkeit aus der Sucht zu kommen. Ich war auch mal an dem Punkt, habe mich in einem Anfall von Selbsthass in einem Forum angemeldet und geschworen ich trinke nie wieder einen Tropfen...ich glaube das kam sogar öfters vor, meistens nach ganz schlimmen und peinlichen Aktionen im Suff. Und irgendwann verlor sich diese Motivation in Gegenargumenten wie „sooo schlimm ist es auch wieder nicht“, „ich bin viel zu jung um ein Alki zu sein“,“das nächste Mal reisse ich mich mehr zusammen „ etc etc...und das ganze Drama begann von vorne. Ich brauchte viele Anläufe und etliche Jahre bis ich die Krankheit Alkoholismus akzeptieren konnte. Und damit bin ich offensichtlich nicht alleine.

    Bleib dran und schöne Festtage dir!

    Rina

    Vielleicht solltest Du dir erst einmal Gewissheit erlangen ob sie tatsächlich schwanger ist...Also wenn ich das richtig verstanden habe, dann habt ihr euch ja nicht sooo oft gesehen? Und falls ja,na dann würde ich mal nach Fetalem Alkoholsyndrom googeln (FAS). Das ist kein Spass,weder für die Eltern und noch weniger für das Kind, es wird lebenslänglich Behindert sein. Ich habe in meinem Bekanntenkreis eine Mutter mit einem solchen Kind, beide sind mit dem Leben überfordert,es gibt weder Heilung noch Besserung für das Kind,es wird nie alleine wohnen können, selbständig sein, ein autonomes Leben führen...ich frage mich wie man willentlich ein behindertes Kind in die Welt setzten kann? Und mit den entsprechenden Schulgefühlen muss man dann auch zurecht kommen, bis zum bitteren Ende. Eine Behinderung die ganz klar hätte verhindert werden können.

    Das nur meine Gedanken dazu, vielleicht ist dir dieser nicht ganz unwichtige Aspekt entgangen? Es MUSS nicht zum dramatischen kommen aber wer in der Frühschwangerschaft trinkt (exzessiv noch dazu!) spielt Russisch Rulette mit dem Gehirn des kleinen Wesens. Alkohol geht 1:1 zum Kind über, wenn die Mutter angeheitert ist, ist das Baby sturzbetrunken,und das mehrere Tage bis der Alkohol aus dem Fruchtwasser raus ist. Schädigung des Gehirns ist so gut wie sicher bei hohem Konsum.

    Du sprichst von ein Recht auf Leben...wie sieht es mit auf ein Recht auf Fürsorge aus? Die Beginnt im Mutterleib, nicht erst nach der Geburt! Man spricht auch da schon von Kindesmisshandlung falls diese Fürsorge ausfällt.

    Lg
    Rina

    Hallo Jbob,

    Unterhaltsam war’s jetzt schon das zu lesen...weiß auch gar nicht wie und ob ich darauf eingehen soll...
    Vielleicht nur, dass du ja gewissermaßen keine Beziehung mit einer nassen Alkoholikerin haben wolltest,solltest...?Das ganze Drumherum mal ausgeblendet, was ist denn aus diesem Vorsatz geworden ? Ob sie nun wirklich schwanger ist...? Als nasser Alki manipuliert man ja gerne mit allen Mitteln, vor allem wenn’s um überdimensionale Ego geht...

    Ballast abwerfen tut immer gut,damit hast du recht.

    Lg Rina

    Hallo Hope Joy

    Herzlich willkommen im Forum!

    Du hast ja bereits vieles erkannt was deine Krankheit angeht,ich meine deine Alkoholsucht. Mit Panikattacken und Depressionen kenne ich mich nicht aus, aber ich bin sicher, dass beides behandelt werden muss! Bist du da in ärztlicher Betreuung? Auch mit dem Alkoholismus sollte man sich helfen lassen, alleine schaffen es die allerwenigsten aus dem Sumpf...Mir hat da eine Traumatherapie und eine SHG sehr gut geholfen- bis heute und ich habe nicht vor damit aufzuhören. Eine Sucht-Beratungsstelle könnte dir sicher weiter helfen nach dem Entzug. Hast du da schon Ideen? Ich stelle mir das unendlich schwierig vor nach dem Entzug einfach wieder Planlos nach Hause zu gehen und dem bekannten Trott gegenüber zu stehen...

    Die von AmSee genannten Bücher habe ich auch gelesen, sehr empfehlenswert! Es kann hilfreich sein zu verstehen, wie Sucht entsteht und was da in deinem Kopf vorgeht...wieso man entgegen seines Willens doch wieder zum Stoff zurück kehrt. Mir hat auch die Erkenntnis geholfen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, du hast es dir nicht ausgesucht! Aber rückgängig lässt es sich nicht machen, du solltest versuchen dies zu akzeptieren und zu verinnerlichen. Das ist einfacher gesagt als getan...Ich wusste sehr früh in meiner Alkoholkarriere dass ich Alkoholikerin bin, ich konnte es nur nicht akzeptieren, Jahrelang nicht.

    Lass dir erst mal die Zeit dich körperlich zu erholen, zur Ruhe zu kommen...meine Worte sollten nur Denkanstösse sein, der erste Schritt ist im Moment auch der wichtigste: werde den Alkohol aus deinem Körper los. Und da bist du ja jetzt zum Glück voll dabei!

    Viel Kraft für diese ersten Schritte wünscht dir

    Rina

    Ich kenne die Doku, fand ich sehr gut und mir kam das selbe in den Sinn wie dir- Würde. Zwar unheilbar aber nicht abgeschrieben irgendwo in den eigenen vier Wänden und am dahin vegetieren.
    Finde daran nichts entgegen zu setzten, so kann ein Leben auch aussehen.
    Ich würde es da wohl kaum aushalten da diese Menschen ja über den Tag durch rationiert werden, ich bräuchte meine Tagesration auf einen Schlag sonst käme ich nirgends hin...

    Finde auch dass Gerchla es sehr gut getroffen hat.
    Ich zähle mich meinerseits nicht zum Verein derjenigen die es geschafft haben. Erstens fühle ich mich immer noch zu labil trotz anderthalb Jahren ohne. Und dann gibt es ja diejenigen, die nach 20Jahren Abstinenz doch wieder abstürzen. Vielleicht gehöre ich zu denen, die tatsächlich zwischen trocken und nass wechseln, von dieser Sorte kenne ich auch ein paar. Man weiss eben nicht wie die Zukunft aussieht, es gibt anscheinend kein „über dem Berg sein“, „auf der sicheren Seite sein“...Also ich habe oft sogar das Gefühl ich bin Meilen entfernt von einem freien Leben. Was ich jetzt habe ist zweifellos besser als das nasse aber ich denke täglich an den Mist,habe innere Streitgespräche, Diskussionen, Argumente für und gegen...Freiheit stelle ich mir anders vor.

    Beeindruckende Geschichte mit überraschendem Weg aus der Sucht. Hab das so in der Art noch nie von jemanden gehört, schön dass es auch so kommen kann! Bei mir ist das alles nicht so geschmeidig...leider. Hätte auch gerne nen Schalter den ich umlegen kann und dann ist Schluss mit Suchtdruck!
    Ich „musste“ rational gesehen aufhören weil ich es nicht mehr aushielt diese Katastrophe meiner Familie zuzumuten und auch weil ich mich körperlich nicht mehr mochte. Schmerzgrenze war erreicht aber ein sogenannter Schalter ist da nicht gekippt. Fühlt sich alles viel mehr nach Arbeit an und eine sogenannte Anfangseuphorie hatte ich auch nie.

    Ja ich denke bei mir war es auch beides, Scham vor mir selbst aber auch vor den anderen. Vor allem musste ich mich dann wirklich zu den „Versagern“ zählen, diejenigen die es offensichtlich nicht geschafft haben...der Club der Loser. Dass es genau umgekehrt ist wurde mir dann bereits nach dem ersten Treffen klar,da sassen die Leute die es geschafft haben, die glücklichen der Gesellschaft, die Gewinner. Aber das sind halt starke Klischees, sie prägten auch lange meine Vorstellungen. Und wenn man dann halt den Schritt mal tut und zu so einer SHG geht dann hat das was einschneidendes, man hört auf sich das Debakel schön zu reden und unternimmt was. Also bei mir war es so, ich hörte da endgültig auf mir was vorzumachen. Naja, wie gesagt hat es aber dann trotzdem noch ewig gedauert bis ich aus der Suchtspirale abspringen konnte.

    Hallo Userin,

    Willkommen im Forum!

    Als ich vor einigen Jahren noch halbherzig dabei war mein Alkoholproblem zu lösen (aber doch schon so weit war eine SHG zu besuchen) sagte mir bei einem Treffen jemand: „ du bist noch nicht so weit“ Er meinte damit, dass meine persönliche Schmerzgrenze noch nicht erreicht war und ich noch tiefer sinken muss. Ich war damals sehr empört über diese Äusserung da ich tatsächlich und wirklich aufhören wollte. Im Nachhinein ist glasklar dass das nicht stimmt und Fakt ist auch dass ich noch Jahre weiter getrunken habe und noch tiefer sank. Das ist der klassische Weg der Sucht, es geht immer nur bergab solange man nicht endgültig aufhört.

    Wie sieht es bei dir aus? Fühlst du dich wirklich bereit? Meinst du, dass du wirklich bereit bist oder ist das vielleicht wieder so ein konsequentloser Scheinanlauf? Sei einfach ehrlich mit dir selbst dann findest du Antworten und Wege.

    Das erste mal in die SHG war auch für mich schwierig, Ich hatte die selben Ängste,die selbe Scham....umsonst! Wenn ich mir überlege wie oft ich mich in unmögliche Szenen wegen dem Alkohol brachte dann ja, dann schäme ich mich zum Teil immer noch. Aber doch nicht weil ich mir Hilfe hole...

    Hallo Hermann

    Willkommen im Forum !

    Ich kann dir auch raten zur von Susanne genannten Literatur zu greifen um den Alkoholismus und die Vorgänge in deinem Gehirn besser zu verstehen. Ich habe beide Bücher gelesen und noch etliche mehr, Wissen und Verstehen sind für mich sehr wichtig um diese Krankheit akzeptieren zu können. Wer Alkoholiker ist der ist es eben ein Leben lange, es gibt kein Zurück - auch nach 20 Jahren Abstinenz wird bei einem Wiederkonsum der Alkohol wieder an Oberhand gewinnen. Bei einigen schneller bei anderen über Monate, selten über Jahre hinweg.Aber du wirst wieder an den Punkt kommen wo du die Kontrolle verlierst.

    Ich wurde 4x Rückfällig, das ist nicht unbedingt ein Drama, es kommt drauf an wie das der Betroffene selbst sieht. Einige ziehen aus Rückfällen Kraft, andere eine endgültige Lehre...für mich war es jedesmal ein Selbstzerstörerischer Akt an dem ich innert 3-5 Tagen mehr trank als in meiner nassen Zeit in 2 Wochen...alles auf einmal getreu nach dem Moto wenn schon denn schon. Und bei jedem Mal hat es mich mehr und mehr fertig gemacht, moralisch, psychisch und nervlich.

    Ich denke du machst dir zurecht Sorgen über deinen ansteigenden Konsum, in der Regel wird das nicht einfach so wieder nachlassen, ausser du willst es ernsthaft und tust aktiv was dagegen. Lösungsansätze gibt es für echte Alkoholiker nicht Tausende sondern nur einen: nicht trinken. Keinen Alkohol. Nie.

    Was hast du vor? Willst du versuchen das Rad zu stoppen bevor es zu spät ist oder versuchen es zu kontrollieren?

    Lg
    Rina

    Herzlich Willkommen Chriss im Forum !

    Ich bin Rina,39J,2 Kinder und verheiratet, abstinente Alkoholikerin.

    Du hast die Lage meiner Meinung nach gut analysiert. Dein Partner ist noch nicht so weit wirklich und ernsthaft etwas gegen seinen Konsum zu unternehmen. Und wenn du ihn in seinen Aktionen auch noch deckst,für ihn lügst,Dinge hinbiegst damit er nicht mal Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss verlängerst du seinen Leidensweg nur noch. Du tust ihm damit wirklich gar keinen Gefallen, im Gegenteil! Aber auch das weisst du ja bereits.

    Für dich kann vielleicht der Austausch mit anderen Angehörigen bereichernd sein, wie haben andere solche Situationen „gelöst“, wie sieht es bei anderen Angehörigen aus? Vielleicht könntest du dir auch eine SHG für Co-Abhängige vorstellen? Falls das momentan überhaupt möglich ist...Versuche dich um dich zu kümmern, um deine Bedürfnisse generell und in dieser Beziehung. Das sind Probleme die du angehen kannst, da kannst Du aktiv etwas verändern und konkret liegt es auch in deiner Hand. Für den Alkoholismus deines Partners kannst Du nichts, weder im Guten noch im Schlechten, diese Probleme liegen in seiner Hand. Er muss etwas ändern wollen, er muss aktiv werden und etwas ändern, will er das nicht trinkt er eben weiter. So war es bei mir auch, da half alles Einreden gar nichts. Bis es dann für mich nicht mehr auszuhalten war und ich mein Leben zurück wollte,nicht für meine Beziehung noch für meine Kinder, sondern für mich. Das ist ein wichtiger Punkt denn solange man für andere versucht trocken zu werden sind diese Versuche sehr sehr oft zum Scheitern verurteilt und nicht von Dauer.

    Ich hoffe es werden dir noch einige Angehörige antworten,ich denke du kannst hier im Austausch mit anderen Betroffenen viel Gutes für dich gewinnen. Ich wünsche es dir jedenfalls.

    Lg
    Rina

    Sehe ich absolut genauso wie Greenfox...ab dem Moment, wo ich mich nicht mehr als Alkoholikerin bezeichne komme ich (für mich) Vom Weg ab. Alkoholismus ist eine Krankheit, ich habe sie, wenn ich trinke und wenn ich nicht trinke auch,es ist nun mal so. Wenn ich anfange diesen so wichtigen Aspekt meiner Person nicht mehr für wahr zu nehmen, zu vernachlässigen und vielleicht auch nur kurz zu vergessen, dann bin ich ganz klar auf dem absteigenden Ast. Es ist wie wenn ich auf einem Boot leben würde und eines Tages nicht mehr dazu stehen kann ein Nicht-Schwimmer zu sein...naja dann wird es gefährlich. Ich MUSS mir das auch nicht täglich sagen, aber ich mache es,weil es immense wichtig ist es mir zu verinnerlichen.Solange bis 100%-Ige Akzeptanz und 100-Ige Sicherheit eintreten kann. Denn wie von Greenfox beschrieben sind auch in meiner Gruppe Leute die nach x-Jahren plötzlich wieder anfingen zu trinken. Es gibt auch Gründe weshalb ganz viele Langzeitabstinente in der Suchthilfe tätig sind, immer noch wöchentlich oder mehr zu Meetings gehen...einerseits um zu helfen und andererseits um nicht zu vergessen.

    Hallo Jana,

    Ich bin mir nicht sicher ob das klappen könnte, also bei jemanden den Leidensdruck so erhöhen dass er dann aufhört zu trinken. Es geht dabei ja auch um die individuelle Schmergrenze und du kannst ja nicht wissen wo die bei deinem Mann liegt. Das weiss nicht mal er, viele müssen aber in ihrer Sucht schon sehr sehr weit gehen bis es zum Tiefpunkt kommt...der Tiefpunkt kann bei jemanden schon erreicht sein, weil er sich einmal zu viel blamiert hat, bei einem anderen reicht das Obdachlosen-Leben noch nicht als Tiefpunkt. Wenn ich an meine persönliche Geschichte denke, bin ich heute entsetzt wie tief ich in den Sumpf sinken musste um endlich reagieren zu können. Und ich hatte zu meiner gröbsten Zeit einen guten Job, war sportlich sehr aktiv,trank auch nicht täglich...keiner hätte mir diese Krankheit angesehen. Aber in den eigenen vier Wänden war es schrecklich, ich hatte keine Fassade mehr und die Krankheit nahm immer mehr Platz ein,bis beinahe kein Platz mehr war für meine Familie. Alkoholismus ist eine fortschreitende Krankheit, wenn man sie nicht zum Stillstand durch Abstinenz bringt wird es immer nur schlimmer. Und man weiss halt nicht wie schlimm...

    Was du aber auf alle Fälle machen kannst, ist mit deinem Mann über Dich und Deine Gefühle sprechen. Wie fühlst Du dich in seiner Gegenwart wenn er trinkt? Wie geht es euren Kindern dabei? Was macht dir Angst und was möchtest du nicht mehr? Er soll erfahren dass du dir Sorgen und Gedanken machst und das nicht mehr ohne Diskussion hinnimmst. Falls du Ultimaten stellen wolltest musst Du natürlich bereit sein die Konsequenz durchzuziehen. Teile ihn ruhig mit dass dich die Trinkerei stört. Ein neutrales Gespräch ohne Vorwürfe ist immer hilfreich denke ich...solange du in der Ich-Form sprichst wird er sich nicht angegriffen fühlen- hoffentlich.

    Jeder Suchtkranke muss leider seinen eigenen Leidensweg gehen, es gibt keine Abkürzung...