Beiträge von Rina

    Guten Morgen!

    Ich denke man kann bei einem Süchtigen nicht von „wollen „ sprechen. Als meine Sucht irgendwann so stark wurde, dass der Alkohol leider Platz 1 auf meiner Prioritätenliste einnahm, war das mit Sicherheit keine willentliche Entscheidung. Ich habe mich genauso wenig dafür entschieden, mich in unmögliche Situationen zu bringen,mein Umfeld leiden zu lassen und zuletzt sämtliche Würde und Selbstrespekt zu verlieren. Ich konnte aber nicht anders...bis der Leidensdruck so gross wurde, dass ich bereit war es zu beenden.Und ich habe damals auch öfters meinem Mann „ehrlich „ versprochen ,nicht mehr zu trinken, mich zu kontrollieren etc und ich meinte das auch wirklich,ich wollte es aus voller Überzeugung...konnte einfach nicht weil ich noch nicht so weit war,das Ausmass dieser Krankheit zu verstehen und zu akzeptieren.

    Ein Abhängiger ist gegenüber dem Alkohol machtlos. Daher kann ich nur unterschreiben,dass sämtliche Diskussionen nach einem Glas eh nichts bringen...Das hat mein Partner auch lernen müssen,wir mussten beide viel Leid ertragen,bis wir endlich einen Weg aus der Sucht fanden...und wir sind noch unterwegs, denn es ist nicht von heute auf morgen getan.

    Was mir am meisten geholfen hat,war tatsächlich als er aufhörte meine Abhängigkeit zu decken. Als er anfing es nicht mehr zu verheimlichen...es hat irgendwo die Hebel in Bewegung gebracht,die es brauchte. Ich konnte doch gegen aussen nicht die Person sein, die ich wirklich war!Vielleicht wurde eine Schamgrenze überschritten, die ich nicht hinnehmen konnte...ich weiss es nicht genau.Oder ich merkte,dass ich nicht zu der Person stehen kann,zu der ich geworden bin. Man bekommt die Veränderung selbst ja nicht wirklich mit...denkt noch sehr lange,dass man alles verheimlichen kann! Meist ist das Umfeld aber eh im Klaren,bei mir hat es dann so plötzlich Klick gemacht.

    Lg
    Rina

    LG
    Rina

    Hallo Zlatan und Willkommen!

    Was du da schreibst, erinnert mich stark an mich...bin auch so eine exzessive, immer mit Vollgas oder eben gar nicht.
    Habe wie du schon sehr schnell festgestellt, dass ich ein Problem habe, war so um die 19, 20 Jahre und das erste mal Alk trank ich so mit 17. Ich war quasi von 0 auf 100. Wie du, hauptsächlich am Wochenende, so 15 Jahre später auch immer öfters unter der Woche...das ist der Verlauf der Sucht. Ich konnte damals noch nichts dagegen unternehmen, trotz meiner Einsicht. Es war mir unvorstellbar mich mit 20 oder auch 26 Jahren für ein alkfreies Leben zu entscheiden...es dauerte ewig, bis ich dann so weit war.

    Heute bin ich 38, w, mit Kindern und seit 1,5 Jahren auf einem guten Weg, seit 7 Monaten ohne Alk.

    Ich bin davon überzeugt, dass ich sofort psychisch süchtig war und schnell wusste ich es auch. Wenn ich nun die Zeit zurück drehen könnte würde ich es natürlich anders angehen, mit dem Wissen, das ich damals schon hatte. Aber es war mir wahrscheinlich nicht klar welcher Leidensweg da noch folgen wird, und dass sich die Sucht eben unabhängig weiter entwickelt. Es wird nie einfach so von alleine besser, es geht immer nur bergab solange man nicht aktiv etwas dagegen unternimmt. Es ist bei allen so die abhängig sind. Es hört auch nie jemand einfach so ohne es wirklich zu wollen mit dem Rauchen auf.

    Du scheinst dir wirklich schon sehr im Klaren über deine Situation zu sein und völlig bewusst, dass du so eigentlich schon weiter machen kannst, es aber früher oder später total ausser Kontrolle gerät. Ich finde das sehr bewundernswert, du scheinst selbstreflektiert und objektiv deinem Konsum gegenüber, das sind gute Voraussetzungen, um Änderungen vorzunehmen!

    Ich kann dir sagen, was mir geholfen hat: SHG, Austausch mit Betroffenen und viel Lesen, um so gut wie möglich zu verstehen, was da im Gehirn abläuft. Denn du kannst nichts dafür, du kannst einfach nicht aufhören wenn du mal in Fahrt bist, es liegt aber nicht an deinem Willen. Das ist was die Alkoholkrankheit ausmacht, man kann es nicht entscheiden, das erlebst du ja des öfteren...ab einem gewissen Mass ist es einfach hin. So oft wäre ich Meilen gegangen, um weiter trinken zu können, auch wenn alle meine Freunde längst am Boden lagen. Es war wie ein vitales Bedürfnis, wie ein Tier das nach Nahrung sucht, um zu überleben...ganz schön schrecklich.

    Ich freue mich von dir zu lesen, schreibe deine Gedanken nieder, das hilft immer! Und durch den Austausch hier kannst du von den Erfahrungen anderer lernen.

    Alles Liebe und viel Kraft die für dich richtigen Entscheidungen zu treffen und deinen Weg zu gehen,

    Rina

    Hallo Femme,

    Möchte dir auch ein paar aufmunternde Worte da lassen...ist ja kein Weltuntergang, dass es das Wochenende nicht alkfrei geklappt hat. Zeigt dir vielleicht, wo du eben stehst und welche Massnahmen zu treffen sind.

    Bei mir sind jegliche Medikamente gegen Suchtdruck immer fehlgeschlagen, eigentlich war es mehr verheerend als hilfreich, hab die nie vertragen. Aber das kann bei dir ja anders sein, hast du über eine eventuelle medikamentöse Stütze schon mal nachgedacht oder beraten lassen? Sie könnte dir über die Anfangszeit vielleicht hinweg helfen, um mal den Kopf frei zu bekommen. Eben, ich persönlich bin dadurch nicht trocken geworden, aber kenne Leute, bei denen das zu Beginn sehr geholfen hatte.

    Und sonst erzähl mal wie es bei der Suchtberatung war, wenn du dann einen Termin hast. Und SHG ist auf jeden Fall immer gut...ich schätze den Austausch mit selbst Betroffenen viel mehr als mit Experten und Ärzten...sie sind bestimmt super Theoretiker, aber die Erfahrung des Gelebten können sie dir nicht vermitteln!

    Kopf hoch und bleib dran, es kommt gut wenn du dich um Hilfe bemühst und dich auf den Weg machst! Und danach schaut es bei dir ja aus 44.

    LG Rina

    Es freut mich sehr Ilka, dass du so gut gestartet bist und es dir leicht fällt den Alk weg zu lassen! Ich wünsche dir, dass die Leichtigkeit noch lange anhalten wird!
    Ich kann unterschreiben, was Greenfox da geschrieben hat...die wirklich schwierige Zeit in der Trockenheit kam bei mir regelmässig nach so 3Monaten. Ich hab ja mal geschrieben dass ich letztes Jahr 4 Rückfälle hatte. Irgendwann war die Anfangseuphorie halt vorbei, und man hat nicht mehr so den direkten "benefit" vom trocken sein. Ich hab nicht vergessen, dass ich Alkoholikerin war, aber es kamen immer so Situationen, die einfach schwierig waren...auch so das erste BBQ beim Pool mit Freunden, Sonne, Cocktails etc war so eine Situation. Ich war aber unheimlich dankbar in einer SHG zu sein, weil mich die Leute dort sehr schnell wieder "aufgefangen" haben, ich hattte Unterstützung, konnte reden, meine Selbstvorwürfe beiseite legen und wieder aufstehen und es nochmals von Neuem angehen. Ohne SHG wäre ich länger liegen geblieben, vielleicht nicht mehr aufgestanden.

    Mir liegt fern dich zu einer SHG zu überreden, ich will dir nur sagen, dass deine Leichtigkeit zu grosser Wahrscheinlichkeit mit der Zeit verschwindet, wie bei vielen, und dann ist es gut sich nicht auf sich alleine verlassen zu müssen. Sich real austauschen zu können. Und ja, in meiner Gruppe gibt es Menschen, die sind seit 20, 30 und einer seit 41 Jahren trocken, sie kommen aber immer noch wöchentlich zum Treffen...nicht weil sie sich immernoch akut gefährdet fühlen, sondern auch sie die Erfahrung gemacht haben, dass wenn sie es nicht tun, Gefahr laufen gewisse Dinge zu verharmlosen, zu vergessen. So eine Gruppe ist reich an Erfahrungen, ich höre denen zu, die seit Jahren abstinent sind, denn offensichtlich machen sie so einiges richtig.

    Es gibt aber viele Wege aus der Sucht, wir machen hier ja auch nur Erfahrungsaustausch, nimm was dir zusagt und lass den Rest ;)

    Bin auf jeden Fall froh zu lesen dass du noch auf gutem Weg bist! Das Buch Alk! ist heute bei mir eingetroffen, kann mich also bald auf die Lektüre stürzen!

    LG
    Rina

    Guten Morgen,

    Genau Susanne, das mit den 2 Seelen in der Brust beschreiben es gut. Bin manchmal wie schizophren...Rational gibt es keine Gründe zu trinken, nicht einen einzigen vernünftigen, aber emotional lechze ich nach Erleichterung, Loslassen, aus-mir-selbst-aussteigen...
    Ich habe bis jetzt noch kein Mittel gefunden, oder keinen Weg, der mir dieses Loslassen erlaubt, ausser Alk. Du hast mal von Meditation gesprochen...es wäre wirklich einen Versuch wert. Wenn man ständig unter diesem Selbst-Optimierungsdruck steht dreht man zwangsläufig mal durch...

    Ich komme mir manchmal auch hier im Forum total verkrampft vor! Da hören Leute einfach so auf zu trinken und hop startet ein neues Leben...bei mir sind da irgendwie so viele Massnahmen nötig, ich muss so viele Hebel in Bewegung setzen und noch immer habe ich unglaubliche Angst es nicht zu packen. Bin super vorsichtig, meide gewisse Situationen etc...Mache ich es mir unnötig schwierig? Grüble ich zu viel nach? Stehe ich mir mit meiner Kopf-art einfach selbst im Weg? Oder ich bin einfach "süchtiger" als andere Poster, kann ja auch sein!

    Heute scheint wieder so ein Morgen zu sein wo ich von Selbstzweifeln überflutet werde...Mein Mann sagt oft zu mir "alle lieben dich wie du bist, nur du nicht". Er hat so recht.

    LG
    Rina

    Hallo Minza und Stevie,

    zu diesem Thema kann ich leider auch meine Erfahrungen beitragen.

    Ich wurde wegen meinem übermässigem Alkkonsum entlassen...Dass ich getrunken habe war normal, es gehörte zu meinem Job damals, hatte ständig Weinverkostungen, Geschäftsessen etc mit Kunden und wurde sozusagen fürs Trinken bezahlt solange ich den Wein an die Leute brachte. Aber nach Jahren der totalen Selbstbeherrschung ging es irgendwann nicht mehr, es gab vermehrt Ausrutscher...es viel meinen Kollegen auf. Ich kann mir bis heute nichts schlimmeres vorstellen...die Erniedrigung ist immer noch da, es sind bald 3 Jahre seit meiner Entlassung vergangen und ich habe mich immer noch nicht erholt! Träume davon, denke an die "verpasste" Chance, mache mir Vorwürfe etc...und ich komme zum Teil immer noch nicht mit der Scham zurecht... :-[

    Aber das brauchte es vielleicht, dass ich endlich reagieren konnte...aber selbst nach der Kündigung musste ich noch 1 Jahr trinken (um alles zu vergessen!) bis es endlich bergauf ging. Erst mit einigen Monaten alkfrei ist mir dann das Ausmass der Katastrophe bewusst geworden und dann kamen auch die Gefühle des Schams und der Schuld so richtig hoch. Damit muss ich lernen umzugehen. Heute weiss ich, dass es als Alkoholiker in so einem Beruf einfach nicht gut gehen kann, es war zum Scheitern verurteilt! Versuche mir nicht zu sehr Selbstvorwürfe zu machen, bringt mich ja nicht weiter, aber einfach ist es bis heute nicht! Fühle mich immer noch oft als Versager.

    Naja Minza, es ist ganz schimm wenn man als Trinker entlarvt wird und man sich dem irgendwie stellen muss...aber es ist auch eine Chance zur Genesung.Das muss man sich im Kopf behalten.

    Wie geht es dir denn jetzt nach den ersten Tagen ohne Alk?

    Lg
    Rina

    Guten Morgen Femme,

    Ich hoffe deine Stimmung ist heute Morgen etwas besser? Hast du den gestrigen Abend Bierfrei durchziehen können?
    Ich verstehe dein Dilemma zu gut...und kann dir auch nichts Verfnünftiges dazu raten. Hast du dich über ambulante Therapiemöglichkeiten informiert? Oder vielleicht all-abendliche Treffen in Form von SHG, Suchtberatung etc um dich in der ersten Zeit intensiv begleiten zu lassen...Kannst du das Thema mit einem Suchtberater diskutieren?

    Wenn man natürlich einen neuen Job beginnt und gleichzeitig abstinent werden will, kann das einerseits eine tolle Motivation sein, anderseits aber eine grosse Herausforderung. Vielleicht eine zu grosse nixweiss0

    Ich kann dir nur von mir erzählten, ich habe meine Energie zu lange in die falsche Angelegenheit (Arbeit) gesteckt statt in meine Abstinenz. Aber die Situation war sicherlich nicht vergleichbar...Ich hatte eine sehr gute Stelle in einem renommierten Weinbetrieb, hatte also täglich mit dem Alk zu tun und trank den auch sehr oft mit Kunden bei Geschäftsessen, also nicht ideal wenn man Alkoholikerin ist. Der Job zog mich unendlich runter und ich sank immer mehr in die Sucht, ich hielt aber krampfhaft daran fest, weil es eben eine super Stelle war, um die mich viele beneideten. Bis es dann nicht mehr machbar war und ich entlassen wurde...wäre ich von selbst gegangen hätte ich die letzten Jahre nicht so tief sinken müssen, hätte einiges an Würde behalten.
    Aber vielleicht brauchte es das, damit ich erkennen konnte, dass ich meine Abstinenz an oberste Stelle zu setzen habe, sonst geht alles irgendwann flöten...

    Ich habe erst kürzlich in meiner neuen Wohngegend wieder ein Angebot von einem Weinbaubetrieb erhalten, dank meiner Erfahrung in diesem Geschäft. Und trotz momentaner Situation, wo ich wirklich immer noch keinen Job gefunden habe, lehne ich dieses Angebot ab, es ist einfach undenkbar das Szenario nochmal durchzuspielen! Dann eben lieber arbeitslos...

    Ich wünsche dir, dass du für dich eine Lösung findest, du sagst, es wird ohne Klinikaufenthalt nicht gehen. Dann solltest du diesen Schritt ernsthaft gehen, falls dein Leidensdruck gross genug ist, wird dir die Entscheidung offensichtlich erscheinen. Falls nicht, dann sehe ich es so wie du, dann bist du noch nicht so weit...leider.

    Viel Kraft und Mut, hier kannst du deine Gedanken auf jeden Fall loswerden! Nimm was dir hilft und lass den Rest, mir tut es gut meine Sorgen zu teilen, das kann dir auf deinem Weg eine gute Hilfe sein.

    Ich drücke dich und wünsche dir ein alkfreies Wochenende!!

    Rina

    Hallo Kasimir,
    Super,herzlichen Glückwunsch zu all den Monaten Abstinenz!
    Finde deine Geschichte total spannend! 30 Jahre heimlich getrunken und dann mit unsagbarer Leichtigkeit beinahe ungewollt und genauso heimlich aufgehört...Sucht hat bekanntlich viele Gesichter, der Weg daraus offensichtlich auch.

    Bei mir geht das alles nicht so einfach locker flockig...leider. War über die Festtage echt am Hadern und auch sonst scheinst du das alles super zu packen,ohne weitere Massnahmen ausser den Alk einfach nicht zu trinken! Beim Lesen deiner Geschichte frage ich mich schon,ob ich mir selbst vielleicht im Weg stehe...mir zu viele Gedanken mache und so.

    Ich wünsche dir noch ganz ganz viele weitere trockene Monate und Jahre,du scheinst für dich einen guten Weg gefunden zu haben 44!

    Freue mich wieder von dir zu lesen,

    Lg Rina, seit Juni alkfrei

    Danke für deine ehrliche Antwort...ich glaube dein Rückfall zum schlussendlich täglichem Konsum hat nichts mit Dummheit zu tun. Es zeigt, wie du sagst, die Macht der Sucht sehr deutlich...eine gute Warnung diese nicht zu unterschätzen!
    In meiner SHG war mal jemand, der nach 9 Jahren Abstinenz rückfällig wurde, er hat sich bis heute nicht wieder erholt, also seit Jahren trinkt er wieder. Das ist so beängstigend!
    Und ja, ich kann bestätigen, dass bei mir nach jedem Rückfall der Wiedereinstieg immer schwieriger gefallen ist...wie wenn die Sucht an Kraft zugelegt hätte und ich gleichzeitig geschwächt wurde. Ob das nur subjektiv so ist oder wirklich stimmt würde mich echt interessieren!

    Hallo Hubby,

    Deine Geschichte macht betroffen…Ich bin Alkoholikerin und seit 1,5 Jahren nun auf einem guten Weg zur Geneseung, musste aber letztes Jahr noch mit paar Rückfällen kämpfen. Aber deine Geschichte führt das Leiden der Partner/Familien deutlich vor Augen, mein Mann hat auch sehr unter meiner Sucht gelitten.

    Als ich aber noch aktiv trank, habe ich das so überhaupt nicht wahr genommen. Wie auch ? Ich war zu sehr mit meinem Konsum, Nicht-Konsum, Vorbereitung des Konsums, Erholung nach Konsum etc beschäftigt, der Alkohol dominierte einen grossen Teil meiner Gedanken !

    Was Susanne schreibt, habe ich auch so erlebt…kann das zu 100% unterschreiben. Ich habe meinem Mann zuliebe irgendwie meine Sucht mehr oder weniger geregelt, zum Teil weniger getrunken, oder weniger oft etc habe aber alles doppelt, dreifach nachgeholt wenn ich dann « durfte ». Das Ganze hat meinen und seinen Leidensweg nur verlängert…ganz ehrlich, eine Besserung hat es nur anscheinend und oberflächlich gebracht. Vor allem als mein Mann dann weg war, auf Geschäftsreisen, ist es dann total ausgeartet, dann hielt mich gar nichts mehr…
    Und auf Ewig ist so ein kontrolliertes Verhalten bei einem alkoholkranken Menschen zum Scheitern verurteilt…es funktioniert nicht. Man hat über einige Wochen, Monate das Gefühl derjenige bessert sich, aber ich kann von mir sagen, in mir wucherte die Sucht ! Und irgendwann brachen alle Dämme.

    Wir haben übrigens die Kurve gekriegt, aber wir mussten beide an der Krankheit wachsen, wir mussten sie beide verstehen lernen und es hat Jahre gedauert. Mein Mann musste auch einen Weg gehen, er musste verstehen lernen, dass ich, nach einem Glas einfach nicht aufhören konnte, es liegt nicht in meiner Macht, nicht an meinem Willen sondern daran, dass ich krank bin und er nicht.

    Du schreibst du verstehst die Sucht nach Alkohol nicht, was nachvollziehbar ist. Ich war sofort süchtig, sehr schnell psychisch abhängig von der Wirkung, der Geschmack war mir immer egal. Ich kann bis heute Leute nicht verstehen, die einfach nur 1Glas Wein trinken…wozu ? Wieso sollte ich Zellgift in mich schütten, wenn ich mir von der Menge nicht mal einen Rausch erhoffen kann ? Dann lass ich es lieber und nehme Tomatensaft.

    Eigentlich wollte ich dir nur einige Zeilen schreiben und dir Mut machen…Deine Beziehung ist nicht zum Scheitern verurteilt, es kann auch gut heraus kommen. Für meine Ehe kam es aber erst gut, als ich schon sehr tief in der Sucht steckte, ich musste erst wirklich tief sinken, bis ich reagieren konnte. Es hat nicht einfach so klick gemacht, es waren die Anhäufung von negativen Erlebnissen,. Von aussen war es schwierig an mich heran zu treten, der Wille zur Änderung muss vom Alkoholiker selbst kommen, dem ist leider so. Hätte mich mein Mann zu einem Zeitpunkt der noch Uneinsichtigkeit verlassen, dann hätte ich bestimmt alles daran gesetzt irgendwie aufzuhören. Aber ich weiss es wäre nicht von Dauer gewesen und ich wäre tod-unglücklich gewesen dazu und zu 100% hätte es schnell wieder beim alten Konsum geendet.

    Der Alkoholiker muss bereit sein, es selbst wollen, alles andere bringt nichts. Nichts ehrliches und nichts dauerhaftes.

    Trotzdem gibt es Paare, die diese Hürde überwinden und danach stärker sind als zuvor. Denn es ist wirklich eine Leistung sowas gemeinsam durchzustehen…Ich an der Stelle meines Mannes hätte mich längst verlassen, ganz ehrlich.Er hat unglaubliche Ausdauer und Mut bewiesen, er ist ein Pfeiler in meinem Leben. Aber auch er hätte das nicht endlos mitgemacht, er war am Boden, am Ende. Das muss sich niemand antun. Andersrum stimmt es auch : wo kein Wille ist ist auch kein Weg.

    Rina

    Hi Femme,

    also ich war eher der exzessive Trinkertyp, wenn dann viel, aber eher unregelmässig, d.h. hauptsächlich am Wochenende. Ich kenne mich da echt nicht aus mit so einem Entzug, ich hätte mich vielleicht auch drum kümmern müssen damals, aber es kam mir gar nie der Gedanke da ich körperlich nie irgendwas spürte...machte auch trotz Exzessen noch regelmässig Sport und so, mein Körper hat den ganzen Raubbau ziemlich gut weggesteckt. Bis auf 2 Urlaube, wo ich wirklich täglich trank, da war es wirklich unschön wie ich aufquoll...Daher weiss ich nicht wie gefährlich so ein Entzug dann ist und ob der von der getrunkenen Menge oder nicht abhängig ist...nicht jeder verstoffwechselt den Alkohol ja gleich.

    Du hast geschrieben, dass du 16 Monate alkfrei gelebt hast, darf ich fragen, welche Umstände dich zum Wieder-Trinken bewegt haben? Wolltest du einfach kontrolliert Trinken und hast es auf einen Versuch ankommen lassen? Du musst natürlich nicht antworten, es nimmt mich einfach Wunder da ich noch nicht so lange abstinent bin und mich noch auf wackeligen Beinen fühle...

    Ich kann gut nachvollziehen, dass du in der jetzigen Situation dich nicht krank schreiben lassen willst und vielleicht deine Jobaussichten gefährden möchtest. Aber ich glaube der Ansatz müsste anders herum sein...nur wenn du einen klaren Kopf hast kannst du dem Job auch gerecht werden. Ich hatte zu lange Jahre an einem Job gehangen, der mich immer tiefer in die Sucht geritten hat (hatte mit Wein zu tun), ich habe nicht erkannt, dass die Priorität meine Abstinenz sein muss weil sonst alles andere früher oder später fällt. Das war dann auch so, hab den Job verloren. Das muss bei dir natürlich nicht so sein, ich wünsche es dir nicht!!

    Ich wünsche dir viel Kraft die nötigen Schritte zu gehen und vielleicht, hoffentlich bleibt ja bereits heute Abend die Bierflasche geschlossen...

    LG
    Rina

    @ Greenfox und Risu: Wollte ja auch nur wissen, ob es sich lohnt in die Torte zu investieren... :)) was dank Risu nun geklärt ist 44.

    Hallo liebe Femme,

    :welcome: im Forum!

    Ist doch schon einmal ein guter erster Schritt, dass du hierher zurück gefunden hast und aktiv etwas gegen deine Sucht unternimmst!

    Ich bin w, 38Jahre alt und seit etwas über einem halben Jahr alkrei.

    Zu dem körperlichen Entzug kann ich dir nicht viel sagen, hatte so einen nie wirklich, aber ich denke mal, wenn du dir dazu Sorgen machst dann ist das ernst zu nehmen! Verstehe die Reaktion der Ärztin nicht ganz...bin selber aber keine, denke nur, dass wir ja nicht alle gleich auf eine gewisse Menge Alk reagieren und auf dessen plötzliches Weglassen auch nicht! Vielleicht kannst du dir eine 2. Meinung dazu einholen, einen anderen Arzt fragen?

    Hast du sonst noch Pläne, wie es weiter gehen soll? Ich meine, hast du auch für danach Unterstützung, nachdem der körperliche Entzug hinter dir liegt? Du wirst ja weiterhin um 18Uhr Abends nach Hause kommen, wie willst du es angehen, um nicht in alte Muster zu verfallen?

    Ich habe es soweit mit einer (sogar 2) SHG, einem Traumatologen, durch viel Lesen und Schreiben und den Austausch mit anderen Betroffenen geschafft. Auf meinem Weg habe ich gemerkt, dass es für mich alleine nicht machbar ist, die Last ist einfach zu gross.

    Viel Kraft und Mut für deine ersten wichtigen Schritte, sie kosten viel Energie aber es lohnt sich!

    LG Rina

    Hallo Stiklein,

    Willkommen im Forum und Glückwunsch zu deinem Vorhaben !

    Soweit machst du ja alles super : liest dich hier durch, schaust wie es andere machen und informierst dich zur Alkoholsucht…du bist anscheinend zum Schluss gekommen, dass du wahrscheinliche eine psychische Abhängigkeit entwickelt hast.

    Ich bin w,38Jahre alt und seit Juni alkfrei.

    Das mit der psychischen Abhängigkeit ist so ein Ding…ich wusste schon sehr früh, dass ich ein Alkproblem hatte, das hat sich bei mir innerst kürzester Zeit so eingestellt. Ich kannte nie einen moderaten Konsum, der sich mit der Zeit hochgeschaukelt hätte, ich war sofort von 0 auf 100 und wie gesagt, sofort abhängig. Ich trank aber auch nicht jeden Tag (ausser Urlaub), genau wie du hatte ich immer Tage ohne Alk. Ich habe mich dann mit so ungefähr 24 Jahren das erste mal ernsthaft damit beschäftigt, denn wie du wusste ich, dass mein Verhalten einfach nicht normal war. In Foren etc bin ich dann auf die verkrampfte Suche nach der eindeutigen Definition zu « Alkoholkrankheit und –sucht » und bin dabei natürlich immer wieder auf die körperlichen Symptome gestossen. Das hat mich leider darin bestärkt, dass ich also noch im Rahmen war, keine Alkoholikerin in diesem Sinne war sondern einfach zu viel kippte. Wenn ich ganz ehrlich bin, wusste ich dennoch, dass ich krank war, denn ich konnte es nicht lassen…meine Seele schrie nach dem Zeug, nicht immer aber regelmässig. Von da an hat es dann noch etliche Jahre gedauert, bis ich wirklich was unternahm…ich konnte die Krankheit als solche einfach nicht akzeptieren. Ich wusste es war so, wollte es aber nicht und habe dagegen angekämpft…erfolglos natürlich.

    Die wirkliche Sucht ist die psychische, die körperlichen Enzugssymptome sind schnell weg, was aber bleibt ist das anfängliche craving, die eingespielten Muster (abendliches Trinken, war bei mir auch so), die Umwelt und Gesellschaft, Gefühle aushalten etc…Mit all dem zu leben lernen und dabei glücklich zu sein dauert länger als 10 Tage Entzug. Ich bin immernoch dabei zu lernen…

    Ich wünsche dir von Herzen, dass du für dich herausfindest, wo du mit deinem Konsum stehst und dabei ehrlich zu dir bist. Wie andere dein Trinkverhalten definieren ist nicht wichtig, du musst für dich wissen, ob du es so verantworten kannst oder nicht. Und falls du psychisch schon in die Abbhängigkeit gerutscht bist, gibt es meist kein zurück zu einem normalen Konsum, so ist es jedenfalls bei mir. Aber auch das hat ewig gedauert bis ich es akzeptieren konnte !

    Heute kämpfe ich nicht mehr gegen das Leben an und gegen das, was es für mich bereit hält…es bringt einfach nichts. Ich investiere die Kraft in das Lernen, damit umzugehen…dazu gehört eine traumatische Vergangenheit, die Alkoholsucht und einiges mehr.

    Viel Glück und Mut für deinen Weg, das Tagebuch ist eine gute Idée, die ersten Tage können hinterlistig sein…Freue mich von dir zu lesen !

    LG
    Rina

    @ Ilka
    "Ich geb mir mal eine 1 + dafür :-)"

    Verdiente 1 44.! Ich hab lange Jahre im Weingeschäft gearbeitet und in einem Weingebiet gelebt, man kommt da fast nicht ums Trinken rum wenn man sich in so Kreisen dreht...war natürlich mehr als fatal für eine Alkoholikerin!
    Bleib dran und körperlich aktiv zu sein tut so gut, du wirst dich sehr schnell wieder top fit fühlen!

    Susanne
    "ich war nur sehr im Zweifel, ob mir ein nüchternes Leben jemals wirklich Spaß machen würde, und "kampftrocken" vor mich hinvegetieren wollte ich nicht für den Rest meines Lebens, dann lieber noch mal volle Kanne.."

    Sehe ich genauso. Ich würde das Wort Spass für mich noch nicht verwenden, denn der fehlt mich ehrlich, oder diese Extase, das Extreme halt. Ich glaube aber mit etwas Zeit kann man das auch anders lernen, ohne Suchtmittel...muss nur noch herausfinden wie! Aber es stellt sich so eine innere Zufriedenheit und Ruhe ein. Ich kann wieder hinter meinen Worten und Taten stehen und fast ein bisschen stolz auf die Person sein die ich heute bin. War zu Trinkzeiten nicht der Fall...war dauernd damit bbeschäftigt mich für irgendwelche peinlichen Aktionen zu schämen oder Dinge zu bereuen, meistens beides gleichzeitig. Was für ein be$$$nes Leben...

    "Nach 4 Wochen war ich überzeugt, dass ich nie wieder anfange."
    Beneidenswert. Ich hoffe nie wieder anzufangen, mit einer solchen Sicherheit kann ich das aber nicht sagen. Du hast so zusagen die Hölle erwartet und alles wurde gut, das ist super!