Hallo, Licht (toller Nick!),
und HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum :welcome:
Kurz zu mir: Ich bin m, Ü50, Alkoholiker, seit einigen Jahren trocken und außerdem in der Selbsthilfe aktiv.
Das Du gerade einen kalten Entzug durchziehst schwitz. Dazu würde Dir vermutlich niemand hier geraten haben, denn das ist ziemlich gefährlich. Ich weiß nicht, ob Du Dich über das Thema "kalter Entzug" und seine Risiken schon mal informiert hast - auf jeden Fall solltest Du einen Arzt konsultieren.
Denn ich habe keine Zeit grade zum Arzt zu gehen, dafür ist mein Arbeitstag zu dicht?
Wenn es schief geht, brauchst Du keinen Arzt mehr - und um die Arbeit brauchst Du Dir dann auch keinen Kopp mehr zu machen.
Vielleicht ist ja auch die viele Arbeit ... nun, vielleicht nicht DER, aber EIN Grund für Deine Suchtproblematik(en)?!?
Auch das verniedlichen, verharmlosen (Bierchen, nur Bier, gelegentlich Wein) ist nicht sehr hilfreich - HIER kannst Du mal für Dich Deinen reinen Alkoholkonsum ausrechnen.
Nun kurz zu Deinen Fragen:
Die ganzen Entzugserscheinungen, die sowohl hier als auch anderswo im Netz aufgezählt sind, sind nicht abschließend und auch nicht zwingend "erforderlich". Das heisst, manche haben nur einige dieser Erscheinungen - selten alle und manchmal auch andere. Ich persönlich kenne aus eigenem Erleben auch "nur" Schwitzen, Unruhe, extremen Tremor, Unkonzentriertheit, Erbrechen, Trockenkotzen, Gleichgewichtsstörungen ... mehr fällt mir momentan nicht ein. Aber ich bin auch saufroh, nicht noch andere "Nettigkeiten" wie Krampfanfälle o.ä. erlebt zu haben.
Ähnlich ist es mit den Suchttypen: das sind keine starren Dogmen, sondern nur grobe theoretische Einteilungen, deren Grenzen in der Realität fließend sind, die ineinander greifen, nicht so eindeutig wie auf dem Papier sind. Und wenn Deine Leberwerte und der Blutdruck (noch) okay sind - sei froh! Auch das sind nur Anhaltspunkte.
Im Übrigen sind meine Leberwerte momentan Scheiße - und ich trinke nun schon seit Jahren definitiv nichts mehr. Hat also nicht viel zu sagen.
Ich finde diese Krankheitskategorien/Bezeichnungen manchmal schlimm und so entgültig. Da regt sich der Widerstand.
Ja, es KLINGT endgültig und schlimm - ist aber nicht in Stein gemeisselt. Wenn es bei Dir nicht so schlimm und/oder anders ist, dann sei froh - es könnte auch viiiieeel schlimmer sein.
Und natürlich kannst Du den Entzug auch ohne Arzt schaffen - ist nur echt nicht empfehlenswert. Hauptsache Du sorgst dafür, immer reichlich Wasser und Tee zu trinken zu haben.
Ob Du süchtig bist oder (noch) nicht - ist das für Dich wichtig??
Du hast für Dich gemerkt, dass Dir selbst Dein Trinkverhalten nicht gefällt, dass es Dich stört, dass Du Schwierigkeiten hast, sie abzustellen/zu ändern, dass es Dir nicht gut geht damit. Was interessiert Dich dann, ob andere sagen, Du seist süchtig/nicht süchtig?
Bleib bei Dir und tu DIR was Gutes. Und wenn es Dir gut und richtig erscheint, mit dem Trinken aufzuhören - dann tu es! Und da es verdammt schwer werden wird/werden könnte, nimm jede Hilfe in Anspruch, die Du kriegen kannst!
Und wenn Dir die Suchtberatung nicht das Gelbe vom Ei war - dann such Dir anderswo Hilfe. Eine reale SHG zum Beispiel.
... auch, wenn ihr keine Antworten wisst, finde ich es toll, etwas von mir geschrieben zu haben, was sonst keiner in der Form von mir weiß. Vielen Dank fürs "Zuhören".
Auch dort wird Dir zugehört, von Menschen, die genau wissen, wovon Du sprichst, weil sie es selbst erlebt haben. Und Du kriegst sofort Antworten, Antwortmöglichkeiten, Lösungsansätze ...
Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Kraft und Erfolg bei Deinem Suchtausstieg - und uns allen einen guten Austausch!
Gruß
Greenfox