@LiS: Ich hoffe, ich habe Deine Intentionen für diesen Thread richtig verstanden und will hier mal meine Erfahrungen schildern.
Als es bei mir soweit war, mich für eine Therapie(-form) zu entscheiden, kamen aus heutiger Sicht bei mir wieder so ein paar Verdrängungsgedanken: Ich kann ja nicht für 3-4 Monate wegfahren, weil ... meine Frau sich dann alleine um unsere kleine Tochter kümmern muss, sich jemand um die ganzen Finanzen kümmern muss, ...
Also habe ich mich für eine ambulante Therapie entschieden.
Das bedeutete, dass ich 2x/Woche zu einem Therapeuten gefahren bin - Montags war Gruppentherapie, Donnerstags Einzelgespräch. Beides jeweils 1,5 Stunden. Das Ganze hätte normalerweise ca. 1 Jahr gedauert (bitte nicht festnageln auf diese Zeit - genau weiss ich es nicht mehr).
Im Großen und Ganzen fand ich es nicht schlecht, besonders die Gruppengespräche haben mir gefallen. Und jetzt kommt das ganz große AAAAAABER:
Ich habe trotzdem zwischen den Tagen immer mal wieder getrunken. Und bei der nächsten Sitzung dann "natürlich" NICHT davon erzählt nixweiss0
Irgendwann, so nach ungefähr einem halben Jahr, habe ich mich dann doch aufgerafft und davon erzählt. Vor allem deshalb, weil ich mich "mit mir" und meiner Frau unterhalten habe und zu dem Entschluß gekommen bin, "Nägel mit Köpfen" zu machen. Zusammen mit dem Therapeuten (der nicht sonderlich begeistert war) und der Sozialabteilung meiner Firma habe ich dann alles fertig gemacht für eine stationäre Langzeittherapie.
Und hier musste ich mich dann entscheiden: entweder am AdW (Ar...m der Welt) oder in der Nähe meines Heimatortes (Berlin). Argumente für den AdW waren, dass ich mich ungestört um mich und mein/e Problem/e kümmern soll. Wenn ich also in Heimatnähe bleibe, können (theoretisch) "alle Nase lang" Verwandte/Freunde/Kollegen etc. vorbeikommen und mich mit allen möglichen Problemen "belästigen".
Auch aus heutiger Sicht und den Erfahrungen bei der damaligen Therapie (Mitglied meiner Gruppe kam dort aus der Nähe und jeden zweiten Tag war seine Frau - ebenfalls Alkoholikerin und psychisch ... naja - in der Klinik und hat ihn mit ihren Problemen zugesch...üttet) kann ich mich diesen Argumenten nicht verschliessen und habe mich also für den AdW entschieden und ging in eine Klinik in Hennef (bei Bonn).
Dort kam man zunächst in eine "Anfänger-/Neulings-"Gruppe. Nach einer Woche wurde man dann einer festen Gruppe zugeteilt. Diese Gruppen waren gemischt, was die "Neuen" und "Alten" betrifft. Es gab also immer wieder Neuzugänge und auch Verabschiedungen.
In so einer Langzeit-Therapie gibt es eigentlich mehrere verschiedene obligate Therapien: Gruppen- und Einzel-Therapie (Gespräche), Ergo-Therapie (Beschäftigung), Sport-Therapie. Und ausserdem viele verschiedene obligat-fakultative Angebote: Autogenes Training, Entspannungstherapie nach Jacobsen, Anti-Aggression etc.
Und sehr viele Freizeitangebote.
In "meiner" Klinik gab es viele Möglichkeiten der Ergo-Therapie: Küchenarbeit, Service (also Kellnern), Gartenarbeit, Tierpflege, aber auch künstlerische Arbeiten wie Seidenmalerei, Schnitzen, Specksteinbearbeitung u.v.m..
Die Gespräche - egal ob in Gruppen oder Einzelgespräche - dienen dazu, sich selbst über sich klar zu werden: Warum habe ich in dieser oder jener Situation so reagiert, wie ich reagiert habe? Was kann ich tun, um es zu ändern? Warum habe ich getrunken? In welchen Situationen? Und, und, und ...
Ich kann Euch sagen - da geht es manchmal ganz schön zur Sache! Und tut auch manchmal ganz schön weh, wenn man mal einen Spiegel vorgehalten bekommt.
Auch ausserhalb der Therapiestunden muss man sich mit sich selbst beschäftigen. Wir z.Bsp. mussten zum einen ein Tagebuch führen, in dem wir unsere Befindlichkeiten des jeweiligen Tages "dokumentierten". Zu Anfang stand da bei mir z.Bsp.: "Geht mir gut. Essen gut, Wetter gut" Gegen Ende stand dann schon etwas mehr da, manchmal bis zu 2-3 Seiten: Wie fühle ich mich tatsächlich? Und warum fühle ich mich so? Was ist mir an dem Tag auf den Keks gegangen und warum? Was hat mir gut getan? ...
Die Ergo-Therapie soll eigentlich dazu dienen, den Menschen wieder klare Strukturen im Alltag, die sie teilweise schon eine ganze Weile nicht mehr hatten, wieder nahe zu bringen. Okay, ich stand (und stehe) noch in Lohn und Brot - trotzdem hat es mir Spass gemacht. Ich war im Service, d.h., wir haben die Tische gedeckt und abgeräumt und den Mitpatienten das Essen an den Tisch gebracht. Andere mussten die Tiere im auf dem Gelände befindlichen Mini-Zoo betreuen.
Und auch die anderen Therapien und Angebote sollen einen wieder an ein "normales" Leben heranführen. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelesen, war mit anderen Mitpatienten in der wunderschönen Umgebung wandern, habe seit ewigen Zeiten mal wieder die Zeit gefunden (und mir auch genommen) zu puzzeln, sehr viele Gespräche geführt (hier meine ich nicht: mit Therapeuten) und auch sehr viel über mich nachgedacht.
Und es ist kaum zu glauben: Ursprünglich waren für die Therapie 12 lange Wochen vorgesehen - und ich habe um Verlängerung gebeten. Und ich war so froh, weitere 4 Wochen dort bleiben zu dürfen!
Als ich nach 16 Wochen nach Hause fuhr, fühlte ich mich wesentlich sicherer und stabiler als je zuvor 
Seither habe ich mich oft und gern an diese Zeit zurückerinnert. Und wenn ich mich mit anderen Gruppenmitgliedern und Betroffenen unterhalte, höre ich eigentlich immer wieder, dass die Abläufe in den verschiedenen Kliniken einander stark ähneln.
Überall gibt es aber das gleiche Phänomen: Solange man in einer solchen Therapie-Einrichtung ist, gibt es immer wieder einige Regeln, Bestimmungen, deren Sinnman partout nicht einsehen will/kann. Erst zu Hause geht einem nach einiger Zeit dann ein Licht auf, wieso weshalb warum diese oder jene Regel bestand.
Ich für meinen Teil würde mich - wenn ich müsste - wieder für eine Langzeittherapie entscheiden.