Beiträge von Greenfox

    Gestern habe ich ein Buch angefangen zu lesen, das mir ein Gruppenfreund gegeben hatte und mich dermassen gefesselt hat, dass ich es auch gestern gleich ausgelesen habe (Okay, okay - bin "Schnellleser"). Es hat mir so gefallen - ist eigentlich das falsche Wort. Denn "gefallen" können einem die Schilderungen des Schauspielers Karl Maslo in seiner Autobiographie "Karl Maslo - Mein Pech war, dass ich so viel Glück hatte" eigentlich niemandem.
    Aber ich war so fasziniert von seinen Erlebnissen, seinem Weg in die Sucht - vielmehr: in die Süchte (Plural): Einiges von dem habe ich für mich als Spiegel empfunden (auch wenn ich nie die sogenannten "illegalen" Drogen probiert habe): dass es normal war, Alkohol zu trinken, es dazugehörte, wer am meisten vertrug war der "Held" etc. Und natürlich auch, wie er am Ende doch den Ausstieg fand ...

    Hier mal eine kurze Rezension Quelle: http://www.buecher.de/shop/regisseur…od_id/33397009/):

    Zitat

    Karl Maslo - Mein Pech war, dass ich so viel Glück hatte
    Karl Maslos Leben reicht für zwei: Als Kind zog er alle zwei Jahre um, wuchs im Artistenmilieu auf, bekam Kontakt zur Kleinkriminalität. Dennoch ging er seinen Weg. Man entdeckte sein schauspielerisches Talent und eine Zeit wilder Intensität in der Schauspiel- und Musikszene begann: Maslo experimentierte mit Kokain, Heroin und Crack, wurde süchtig. Und verlor schließlich alles, seinen Job, seine Freunde, sein Vermögen. Ein Klosteraufenthalt rettete ihn. Heute ist er seit sieben Jahren clean. "When I put a spike into my vein and I ll tell ya, things aren t quite the same. When I m rushing on my run and I feel just like Jesus son " Velvet Underground

    Jedes Individuum hat seinen eigenen Beat, beginnend mit dem Herzschlag im Mutterleib. Der von Karl Maslo war der des Rock n Roll, er hat ihn bis an den Rand des Abgrunds gebracht und beinahe darüber hinaus.
    Aufgewachsen in einer Bergbausiedlung im Essen der 50er Jahre, mit unkaputtbaren Überlebensgenen ausgestattet, trinkfest, verlässlich, immer gut drauf und hilfsbereit, lernt er schnell, dass als soziale Traumziele für ihn nur Bergmann, Schrotthändler, Alkoholiker oder Kleinkrimineller in Frage kommen. Bis auf Bergmann ist er alles geworden. Doch Maslo wollte mehr, er ging nach Berlin, wo sein schauspielerisches Talent entdeckt wurde. Eine Zeit wilder Intensität in der Schauspiel- und Musikszene begann und mit ihr eine Zeit des exzessiven Drogenkonsums, die sein Leben nach und nach in eine psychedelische Geisterbahnfahrt verwandelte

    Schaut einfach mal rein - es wird auch Euch fesseln.
    Übrigens macht Maslo heute Theater in Hamburg, wo er seine Erfahrungen auf die Bühne bringt: in dem Stück "SÜCHTIG - Relativ komischer Stoff" https://www.youtube.com/watch?v=9YDWuLyhkEQ

    Alles aus der Familie melden sich bei mir, wenn sie ein Problem haben, und erwarten von mir Zuspruch, dass ich einfach nur zuhöre oder im schlimmsten Fall, dass ich zwischen zwei streitenden Parteien vermittle.

    Doch wer ist für mich da?
    Wer hört mir denn zu, wenn ich einmal reden möchte?

    Und ich fühle mich unverstanden... und wünsche mir, dass einfach mal jemand kommt und mich nur im Arm hält.
    Dass jemand mich im Arm hält und mir sagt, dass alles wieder gut wird und ich in Sicherheit bin. Und mir einen Kako macht, sich einfach nur neben mich setzt und mir zuhört.
    Jemand, der mich einfach nur mal ausweinen lässt, der mich meine Verzweiflung und meinen Schmerz hinaus schreien lässt, ohne mir vorzuwerfen, ich würde übertreiben oder sei "nicht hart genug".

    Ich habe die Schnauze voll, alles nur herunter zu schlucken.
    Und es ist auch keine Option mehr, meinen Schmerz einfach herunter zu spülen.

    Oh man, dass kenne ich auch (noch) - zur Genüge ;( >:( Ich war auch immer der Mülleimer für die Sorgen und Nöte der anderen.
    Zum Glück für mich liegt das aber in der Vergangenheit.
    Mittlerweile bin ich auch in der Lage abzublocken, wenn es mir gerade nicht so prickelnd geht. Ich habe (langsam) gelernt zu sagen: "Sorry, aber momentan geht's mir auch nicht so blendend. Frag jemand anderen!"
    Und das fantastische dabei ist: die meisten sagen "Okay" und gehen tatsächlich zu jemand anderem!
    Ein Gruppenfreund sagt immer: "Geht aus den Köpfen der Anderen!" Wir erwarten immer, dass der Andere furchtbar enttäuscht oder wütend ist, wenn wir mal "Nein" sagen - aber dem ist doch nicht so. Okay, manchmal mag es so sein - aber das soll doch nicht unser Problem sein.
    Wir müssen zuerst an uns denken - damit wir überhaupt in der Lage sind, anderen helfen zu können. Es tut uns nunmal partout nicht gut, wenn wir anderen auf Teufel-komm-raus helfen (wollen) und dabei u.U. selbst kaputt gehen.

    Zitat

    Und es ist auch keine Option mehr, meinen Schmerz einfach herunter zu spülen.

    Auf den Punkt gebracht! 44.

    Da fehlt mir der Mut, ich würd mich da nicht hingetrauen. ...
    Gestern Abend hat er an seinem Bügelbier genippt und als er ins Bett ging mir gesagt, ich solls doch bitte noch in den Kühlschrank stellen bowdown . Im Moment bin ich ja immun, aber es kommt sicher eine Zeit wo ich das nicht mehr so lustig finde.

    :help: Aua :o Mein dringender Rat: SPRICH MIT IHM!

    Und zu dem Mut, eine SHG zu besuchen, habe ich hier geschrieben https://alkoholforum.de//index.php?topic=330.0

    Zitat
    […]

    Praktischerweise haben mein Verlobter und ich unsere WOhnung so eingerichtet, dass man sich in schlechten Zeiten auch gut zurückziehen kann. Das Wohnzimmer ist dann "sein" Zimmer und das Schlafzimmer "meins". So geht man sich dann nicht zu sehr auf die Nerven.

    Ja, eine Rückzugsmöglichkeit ist sehr wichtig! Übrigens nicht nur bei Leuten, die ein Alkoholproblem haben wie wir ;)

    Und: Herzlichen Glückwunsch zu den ersten 6 Tagen 44.

    Notwendigerweise sind die kleinsten Dinge die Anfänge der größten. Publilius Syrus (1. Jh. n. Chr., römischer Mimen-Autor)

    Für eine SHG fehlt mir der Mut, da ist die Hemmschwelle für mich noch zu gross. Ist das wirklich so, dass man sich dort so vorstellt "Hallo, ich bin der xy und Alkoholiker?

    Das kann ich nachvollziehen. Auch bei mir war mal eine ziemliche Hemmschwelle vorhanden - bis ich dann reingegangen bin und gemerkt habe, die beissen nicht ;) und sind ganz normale Menschen. Ausser, dass "die" alle diegleichen bzw. ähnliche Probleme haben/hatten wie ich. Und auch heute sehe ich manchmal Leute vor unserem Treffpunkt "rumschleichen" - bevor sie sich dann doch überwinden und reinkommen.
    Und das mit der Vorstellung ... ich kann nur von "meiner" Gruppe sprechen. Aber bei uns möchten wir nur den Vornamen wissen - damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben. Und dann: Wer sprechen, etwas sagen mag, kann etwas sagen, muss aber nicht. Viele hören beim ersten Mal nur zu.
    Wie ich schon hier https://alkoholforum.de//index.php?topic=229.0 schrieb:

    Zitat

    Grundvoraussetzung ist jedoch, dass man sich nicht irgendeine, sondern eine „passende“ Gruppe sucht, in der man sich wohl fühlt, wo auch „die Chemie“ stimmt. Es gibt so viele unterschiedliche Formen von Selbsthilfegruppen: Monolog, Dialog, (von Therapeuten) angeleitete Gruppen, reine Betroffenengruppen … etwas Passendes sollte zu finden sein.

    Also: Nur Mut!

    Gruß
    Greenfox


    Macht ihr etwas gegen dieses "Verblassen" der Erinnerungen?

    Hallo, Mira!

    Ja, ich mache etwas dagegen: Ich gehe regelmäßig zu meiner SHG, engagiere mich im Verein, stelle diesen in Krankenhäusern (Entgiftungsstationen) vor, schaue des Öfteren hier rein - ich bleibe am Thema. Vielleicht hört sich das jetzt schlimmer an als es ist: Ich beschäftige mich natürlich nicht in jeder freien Minute mit dem Thema "Alkohol und ich".

    Aber alleine mit dem regelmäßigen Besuch meiner SHG (die ich mittlerweile - nach über 6 Jahren - sogar selbst leite) führe ich mir immer wieder vor Augen, dass ich ein Problem im Umgang mit Alkohol habe (sonst wäre ich ja nicht da). Aber auch, dass ich nicht alleine bin. Und da wir uns ja auch zwangsläufig immer wieder mal von "früher" unterhalten oder auch "Neue" kommen, habe ich immer wieder mal die Bilder, Gefühle und Gedanken von damals, als es mir so besch...en ging, vor Augen.

    Nun, dass finde ICH so für mich gut und gut für mich. Aber das handhabt jeder anders. Manch einem reicht es, sich ab und an hier im Forum "herumzutreiben" (Sorry!). Und es soll Leute geben, die ohne Forum und/oder SHG klarkommen - habe solche aber nch nie kennengelernt.

    LG
    Greenfox

    Guten Morgen, Mira!

    Schön zu lesen, dass es Dir gut geht.

    Um nochmal auf Deinen Mann zurückzukommen: Hast DU Dir eigentlich eine Selbsthilfegruppe (SHG) gesucht und vielleicht auch schon eine gefunden? Wenn ja, dann nimm doch Deinen Männe einfach mal mit. Lass ihn sich das Ganze einfach mal anhören und ihn mit den anderen Leuten da sprechen.
    Es ist eine Sache, einem nahen Angehörigen etwas von seinem Alkoholproblem zu erzählen. Eine ganz andere Sache ist es, wenn er es aus "anderem Munde", von anderen Leuten hört, die dieselben/ähnlichen Probleme haben.

    Mal ganz abgesehen davon, dass Du in einer SHG vielleicht auch guten Halt finden würdest - eben weil Du dann nicht alleine mit Deinen Problemen (den Alk betreffend) dastehst..

    Wünsche Dir einen schönen Tag!


    Manchmal denke ich,Schauspieler wär der richtige Job für mich.

    ;D Kenne ich doch irgendwoher?? Ging mir genauso ...

    Wünsche Dir viel Kraft für Deinen Ausstieg! Denk dran: Du bist nicht alleine (mit diesem Problem).
    Und wenn Du Rat brauchst oder einfach nur mal "quatschen" willst - Du weisst ja, wo Du uns findest.

    Gruß
    Greenfox


    Weil ich es schon ein paar mal gesagt habe und doch nicht durchgehalten habe. Ich will nicht sagen, ich hab aufgehört.

    Ja, man hat dem Partner in Sachen Vertrauen schon so einiges zugemutet :-\ Wie oft habe ich meiner Frau versprochen, weniger oder gar nicht mehr zu trinken - und es doch nicht gehalten :'(. Es hat ziemlich lange gedauert, bis sie nicht mehr misstrauisch reagiert hat, wenn ich z.Bsp. "nur mal kurz was einkaufen" ging ...
    Vertrauen zerstören geht so unheimlich schnell - es wieder aufzubauen, das dauert.

    Sag doch einfach: "Ich will aufhören - und brauche dazu auch Deine Hilfe." !?
    Aber, egal wie - Du schaffst das schon!

    Und wenn alles klar geht, hast Du heute Abend Deine Überschrift

    Zitat

    Heute ist der 3. Tag...

    schon verdoppelt! :)

    Hallo, Steffen,

    herzlich Willkommen im Forum!
    Da hast Du ja einen tollen Beruf. Hoffe nur, dass sich möglichst viele von euren Patienten auch mal einige (längere) Zeit nach den 18 Monaten bei Euch melden und ihr so eine Art Feedback erhaltet, wie viele es "geschafft" haben.
    Ich weiss nur, dass sich die Ärzte und Pfleger in "meinem" Krankenhaus immer wieder freuen, wenn ich zur Vorstellung meiner SHG komme und ihnen dann sagen kann, dass ich vor mittlerweile 7 Jahren das letzte Mal bei ihnen (zur Entgiftung :-[) war.


    Ich würde gern die Internetadresse geben , allerdings möchte ich dieses Forum nicht nutzen um Werbung in eigener Form zu machen.

    Wenn jemand die haben möchte, kannst Du sie ihm ja per PN geben.

    Also: Auf guten Austausch!


    Ich habe wirklich keine Lust, meinen Verlobten zu verlieren. Aber er hat mir schon mit Trennung gedroht und gesagt, beim nächsten eskalierenden Rückfall ruft er sofort einen Arzt... und überlegt sich, ob ich zurück in unsere gemeinsame Wohnung kommen darf.

    Ich hoffe nur, dass Du es ihm nicht übel nimmst. Denn auch er will - und muss - sich schützen. Und macht es eigentlich richtig. Guckst Du hier (besonders Punkt 2!): http://www.a-connect.de/hilfea.php

    Also, mach weiter so - Du bist auf einem guten Weg!

    Ich hoffe dieses Gefühl bleibt noch lange bestehen.

    Da drück ich doch mal ganz fest meine Daumen. 44.
    Nur - warum sagst Du es nicht deinem Mann, dass du einen neuen Anlauf nimmst? Gesunder Egoismus bedeutet, jede Hilfe anzunehmen, die man kriegen kann!
    Und genau das ist es, was man für den Ausstieg bracht - "gesunden Egoismus": Tu, was Dir gut tut. Block alles ab, was Dir nicht gut tut.

    "Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche." Franz von Assisi

    Gruß
    Greenfox

    Hi, Darky!

    Ich freue mich, dass es Dir in der Gruppe gefallen hat und hoffe, dass es auch so bleibt.

    Wollte Dir daraufhin

    In der einen Gruppe, wo wir von der Klinik aus immer hin mussten, wurde leider viel mehr über die Belastungen und Probleme gesprochen - und "Trinkerkarrieren" erzählt anstatt dass man Lösungen gesucht hat. Das fand ich sehr schade, weil ich ein Mensch bin, der eher zielorientiert denkt und nur zu Zwecken der Verarbeitung zurück schaut.
    Heute Abend schaue ich mir zum ersten Mal eine andere Gruppe an, wo auch Angehörige willkommen sind.

    schon vorschlagen, zu uns nach Berlin zu kommen ;D

    Denn in "meiner" Gruppe (hätte mir vor 6 Jahren auch nicht träumen lassen, dass ICH mal eine Gruppe leite ???) besprechen wir eigentlich (fast) immer anlassbezogene Lösungsvorschläge. D.h., jemand packt sein Problem auf den Tisch und die anderen erzählen dann, wie sie mit so einem (ähnlichen) Problem umgegangen sind oder sich vorstellen, wie sie damit umgehen würden. Und da es oft auch praktische Probleme gibt, ist es praktisch, fast alle Berufsgruppen bei uns in der Gruppe zu haben (vom Diplomaten über Polizisten und Gärtner zum arbeitslosen Hilfsarbeiter ist in der Gruppe etliches vertreten).
    Und auch bei uns sind Angehörige und/oder Freunde willkommen. Wir begrüßen es, wenn sich Angehörige mal direkt vor Ort informieren möchten.
    Nur - auf die Dauer schlagen wir ihnen vor, eigene Gruppen zu suchen. Denn wie will man eventuell ein Problem ansprechen, das direkt oder indirekt mit dem Partner, der daneben sitzt, zu tun hat??

    Hoffe sehr für Dich, dass Du Dich in der Gruppe auch weiter wohlfühlst!

    Gruß
    Greenfox


    Erst jetzt, wo ich einige Jobs und nun auch mein Ehrenamt verloren habe ist der Kampfgeist da.

    Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass jeder Abhängige erst seinen persönlichen Tiefpunkt erlangen, seinen persönlichen "Tritt in den Ar..." erhalten muss, um endlich aufzuwachen. Und dann steht er vor der Entscheidung, zu resignieren und sich weiter in den Abgrund ziehen zu lassen oder die Reissleine zu ziehen.

    Ich freue mich, dass Du Dich für die 2. Alternative entschieden hast 44.