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Und mein Mann würde mich sicher nicht im Regen stehen lassen, ganz im Gegenteil. Er ist eher ein Mensch der sich gerne um andere kümmert und versucht zu helfen (selbst wenn es gar nicht gewünscht ist). Wir hatten viele Probleme, weil ich mir im Grunde nicht gerne helfen lasse, er es aber oft nicht schafft sich zurück zu nehmen. Ich hab ein bisschen Angst, dass das nach dem Outing noch schlimmer werden könnte. Also dass dieses "ich muss auf sie aufpassen" zunimmt. Ich glaube ich habe nichts getan, was die Beziehung zerstören würde, wenn er es wüsste. Wobei ich auch sehr viel versteckt habe. Allerdings weiß ich auch, dass die Probleme zwischen uns, einer der Gründe ist warum ich getrunken habe. Ohne ihm dafür irgendwie die Schuld geben zu wollen. Wir hatten ,bis zur Geburt unseres Sohnes, eine sehr harmonische Beziehung. Danach wurde es dann holprig. Zum Teil auch, weil ich nach der Geburt eine Postpartale Depression hatte. Er war damals eine ganz große Hilfe und hat vieles alleine gestemmt. Leider wurde er das dann aber auch nicht mehr los, als es mir gut ging und ich mich eher bevormundet fühlte. Ich habe also eher die Angst dann wieder "die Schwache Partnerin, die beschützt werden muss" zu werden.
In meinen Augen ist genau das der Grund, warum Du mit ihm reden solltest - und zwar nicht nur über das Alkohol-Thema.
Wichtig ist auch, dass Du ihm sagst, dass Dir sein gluckenhaftes Verhalten (oder wie auch immer man das nennen soll) nicht gut tut - im Gegenteil. Das Du eben NICHT in Watte gepackt und gepampert werden willst.
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Er war damals eine ganz große Hilfe und hat vieles alleine gestemmt. Leider wurde er das dann aber auch nicht mehr los, als es mir gut ging und ich mich eher bevormundet fühlte.
Dies ist vermutlich der entscheidende Faktor, warum manche Beziehungen in die Brüche gehen können, wenn sich jemand aus der Sucht befreien kann:
Man verändert sich, wird selbstbewusster und selbstbestimmter, sieht die Welt wieder klarer und möchte die Dinge wieder selbst übernehmen, die in der dunklen, nassen Zeit der Partner/die Partnerin übernommen hat, weil man selbst dazu nicht mehr in der Lage/fähig war. Und der/die Andere fühlt sich plötzlich zurückgestoßen, abgewiesen.
Also muss man dem Partner sagen, dass man ihn nicht plötzlich für unfähig hält, sondern wie man selbst fühlt, warum man es selbst machen will: Weil man wieder dazu in der Lage und fähig ist!
Nur, wenn man nicht miteinander redet, kann man auch keinen Konsens finden.
Und was Deine 14 Tage anbelangt: Du kannst stolz auf Dich sein - Du hast Deinen Entschluss in die Tat umgesetzt!
Es werden noch einige Tage kommen, in denen die Sucht ziemlich laut anklopfen. Also nimm die Erfolgs- und Glücksgefühle und halte sie Dir immer wieder vor Augen: "Ich kann es nicht nur schaffen - ich habe es geschafft! Und es fühlt sich gut an (das Geschaffthaben UND das Trockensein)"
Und ganz wichtig: Such Dir jetzt schon Strategien, wie Du Dich verhalten kannst, wenn es mal brenzlig und/oder Dir alles zuviel wird!!
Überleg Dir z.Bsp. vorher, ob Du zu bestimmten Feiern überhaupt wirklich hingehen willst - und nicht schon von vornherein Unwohlsein verspürst, weil es dort Alkohol gibt.
Und wenn ja, wie Du dort jederzeit wieder wegkommst, sollte es Dir dort zuviel werden. Also möglichst nicht auf einen Fahrer angewiesen sein, der dann womöglich "noch ein bisschen" bleiben will, obwohl es Dir schon mies geht. Denn oft kommt der Saufdruck nicht während der Feier, sondern später, zu Hause, wenn der Druck, nach außen standhaft zu bleiben, abfällt und man sich "belohnen" möchte.
Auch deshalb sollte man mit seinem Partner über das Thema reden - woher soll er/sie sonst wissen, warum man eventuell plötzlich nach Hause will.
Ich habe es so gemacht, dass ich allen meinen Freunden und der Familie reinen "Wein" eingeschenkt habe und erklärt habe, warum sie sich nicht gekränkt fühlen sollen, wenn ich möglicherweise plötzlich ohne Verabschiedung verschwinde. Und bin ich auf Feiern anfangs nur 1-2 Stunden geblieben, können es heute auch schon mal Tage werden.
Weil ich gelernt habe, auf mich zu achten - wenn mir etwas zu viel wird, gehe ich aus der Situation raus.
Und so gibt es noch viele andere Strategien: Was sage/tue ich, wenn mir jemand partout ein Glas aufdrängen will? Wie und vor allem WEM sage ich, dass (und warum) ich keinen Alkohol trinke? Wie kaufe ich ein? Kann ich meine Wohnung alkoholfrei einrichten? Kann mein Partner weiterhin in meiner Gegenwart Alkohol trinken - schließlich habe ja ICH das Problem und nicht er/sie?
Und, und, und ...
Noch mehr Gründe, warum man mit seinem Partner reden sollte.
So, genug zugetextet - muss ja erstmal verdaut werden 
Gruß
Greenfox