Komisch - auch bei mir hat sich beim Lesen von LiS Beitrag bei dem Stichwort "Qualifizierter Entzug" soetwas wie Widerspruch geregt:
Natürlich fängt alles oft mit dem Besuch beim Hausarzt an.
Aber ich kenne eigentlich nur 3 Arten: den "kalten" Entzug, die medizinisch begleitete (ambulante oder stationäre) Entgiftung und eben den "qualifizierten Entzug".
Den Kalten habe ich nie ausprobiert, die "normale" Entgiftung habe ich mehrfach gemacht
.
Und der letzte Entzug war eben ein "qualifizierter Entzug": vom 2. Tag an mit voller therapeutischer Begleitung. Und (bei mir) hat das geholfen, bis heute.
Natürlich MUSS man nicht mit allem einverstanden sein, was in den "Sendungen" des Suchthilfe-TV angesprochen wird. Genauso wenig, wie man mit allem einverstanden sein muss, was hier im Forum geschrieben wird. Jeder hat seine eigenen Sichtweisen, Meinungen - und Erfahrungen.
Aber man kann es als Hilfestellung und/oder Denkanstoß nutzen.
Ich kann z.Bsp. mit etlichen Aussagen von Bassmann nichts anfangen (ausser zu versuchen, darüber nachzudenken). Na und - auch wenn ich manchmal nicht verstehe, was er überhaupt meint, aber: ihm hat es geholfen, er hat seine Sucht überwunden. Andererseits gibt es bestimmt etliche Aussagen von mir, mit denen er nix anfangen kann.
Ich möchte aus meinem Leben und aus meiner eigenen persönlichen Erfahrung allerdings schon mal anmerken, dass in den vielen Jahren meiner Sucht solche "Erkenntnisse" dass Sucht anscheinend per se unheilbar sei, und dass sie einen auch nach dem Ausstieg dann noch ein Leben lang beschäftigt, und so weiter… MICH eher immer wieder abgeschreckt haben. Und in mir ein stark ablehnendes, sehr blockierendes Bild erzeugt haben, von etwas anscheinend übermächtigen und wohl unüberwindbarem.
Nun, MICH hat es nicht abgeschreckt. ICH habe es vielmehr als so gegeben akzeptiert und mich dementsprechend versucht, abstinent einzurichten. Und als übermächtig und unüberwindbar erschien mir die Sucht nicht - denn ich habe ja viele trockene Alkoholiker getroffen, die es jahre-/jahrzehntelang geschafft haben. Aber ich habe die Sucht als mächtig und schwer überwindbar kennengelernt - aus eigenem Erleben (Rückfall, der 4 Jahre dauerte) und auch aus den Erzählungen anderer, die teilweise nach über 10 Jahren Trockenheit einen Rückfall hatten, dessen Verlauf genauso rasant wie meiner und sogar noch schneller ablief. Und für mich hat das die Aussage, dass die Sucht nicht heilbar, aber zu stoppen ist, bestätigt.
Und selbst wenn die Aussage falsch sein könnte - ich sehe keine Veranlassung, das auszuprobieren und unter Umständen wieder auf der Schnauze/in der Gosse zu landen. Ich bin froh und zufrieden, dass ich nicht mehr trinken muss und vermisse auch NICHTS mehr.
Ich finde, in den Sendungen werden einige Sachen angesprochen, die aus meiner Sicht wichtig sind und einem helfen können, sich ein Bild von dem Weg zu machen. Aber auch Angehörige, Freunde und Interessierte, die (noch) nicht selbst den Weg in eine SHG wagen wollen, können hier wertvolle Informationen bekommen. Und darum empfehle ich sie.
Und was die "neuesten" Erkenntnisse anbelangt ... Nicht nur der Dr. Redecker in den Beiträgen, auch andere Suchtmediziner wie z.Bsp. Dr. Loos sagen ja nicht, dass dieser Weg der alleinige Weg, der "Heilige Gral" ist.
Viele neue Erkenntnisse stellen sich oft als Eintagsfliegen heraus oder kommen alle Jahre wieder - in gleicher Form, nur mit einem anderen Namen.
Das ist doch das Schöne hier im Forum - jeder kann von seinem Weg, von seinen Erfahrungen berichten. Und die, die noch in der Findungsphase sind, können das Lesen, sich für einen Weg entscheiden - und dann selber feststellen, ob es der für ihn/sie richtige war.
Gruß
Greenfox