Liebe Lajalu,
zunächst einmal Dir, Deinem Mann und auch Deiner Schwiegermutter, allen unbekannterweise frohe Ostern! :blumen:
Dachte wenn man süchtig ist braucht man den Alkohol fast täglich?
Nicht zwangsläufig!
Es gibt verschiedene Arten und Stufen der Abhängigkeit. Jemand der körperlich abhängig ist (der sog. Spiegeltrinker) der braucht in der Tat täglich seinen Alkohol um u.a. den körperlichen Entzugserscheinungen, wie zittern, Schweißausbrüche etc vorzubeugen.
Jemand der psychisch abhängig ist, z.b. der Erleichterungstrinker (der war ich!) oder der Genusstrinker und sogar der sog. Quartalssäufer - die brauchen nicht (nicht zwangsläufig!) den täglichen Konsum von Alkohol.
Nichtsdestotrotz sind auch diese Menschen (psychisch) alkoholabhängig!
Die körperliche Abhängigkeit ist dann nur noch eine Frage der Zeit...
Die Grenze zwischen einem unbedenklichen Alkoholkonsum und dem Alkoholmissbrauch, ist durch die WHO fest definiert und eine klare Größe. (Missbrauch = bei Frauen >12g Alkohol täglich).
Während die Grenze zwischen Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit (leider) nicht so einfach zu definieren ist und eher fließend verläuft. Dass ist das, was Dietmar als Graustufen beschrieben hat.
Das Deine Schwiegermutter Alkoholmissbrauch betreibt, darüber brauchen wir ja nicht zu diskutieren.
Ich gebe zu, dass es in der Tat anmaßend erscheinen mag sich nun hinzustellen und zu sagen, dass Deine Schwiegermutter eine Alkoholikerin sei - die Diagnose selbst kann freilich nur ein Arzt stellen - nichtsdestotrotz stehe ich aber zu meiner o.g. Aussage aufgrund Deiner Beschreibung:
Der Schnaps gehörte ja schon Zeit seines Lebens zum (alltäglichen) Leben Deiner Schwiegereltern dazu.
Zudem trinkt nach Deiner Aussage Deine Schwiegermutter:
- oft
- heimlich
- regelmäßig
Deine Schwiegermutter
- durchläuft eine offensichtliche Wesensveränderung
- lügt
- verleugnet den Konsum
- trinkt um der Trennung zur entfliehen
Zudem schreibst Du, dass die Situation im Vergleich zu früher schlimmer geworden sei.
Hier liegen nicht gerade wenige Punkte auf dem Tisch, die es aus meiner Sicht und auch aus der Sicht der Suchtforschung, mehr als offensichtlich erscheinen lassen, dass hier schon eine psychisch bedingte psychologische Abhängigkeit vorliegt.
Und ich persönlich glaube auch nicht, dass Du Dich an ein Alkoholforum wenden würdest, wenn Du selbst Zweifel an der Abhängigkeit Deiner Schwiegermutter haben würdest.
Ich jedenfalls bleibe und stehe zu meiner Aussage! Deine Schwiegermutter ist eine (psychisch abhängige) Alkoholikerin.
Die Frage jetzt ist, wie geht man, Du und Dein Mann damit um?
Für Angehörige ist es grundsätzlich immer sehr schwierig in solchen Fällen etwas zu unternehmen. Denn die Einsicht etwas tun zu müssen, kann nur vom Betroffenen selbst erfolgen!
Vorwürfe bringen, wie schon erwähnt, gar nichts positives, sie fördern eher nur die Abwehrhaltung.
Drohungen (z.B. Kontaktabbruch) sind sehr mit Vorsicht zu genießen, da man sich stets bewusst sein sollte, dass man eine Drohung auch mit allen Konsequenzen umsetzen sollte. Tut man dies nicht, erscheint man bei der betreffenden Person als unglaubwürdig.
Also von Vorwürfen und Drohungen, davon würde ich Euch weitgehensd abraten!
Stattdessen rate ich Euch zu einer klaren Stellungnahme und Abgrenzung:
- Sagt der Schwiegermutter, dass ihr Euch sorgt über ihr Verhalten
- sagt ihr, dass sie sich ärztliche Hilfe suchen soll z.B. Hausarzt, SHG, Sucht/Depressionsberatung
- Sagt auch, dass ihr sie betrunken nicht ertragen könnt und wollt!
- macht Euch zwei selbst klar wie weit ihr ihre Gesellschaft ertragen könnt und wollt und wann nicht mehr ggf. was das für Konsequenzen hat.
Bedenkt aber dabei: Die Entscheidung etwas zu unternehmen liegt an Ihr und nicht an Euch - Ihr könnt und dürft sie zu nichts zwingen!
Sprecht auch selber mit eurem Arzt und einer Suchtberatung - holt Euch Hilfe/Infos von so vielen Menschen wie möglich. für Auch jede SHG bietet Platz für Angehörige, dann seid ihr schon mal nicht so alleine Z.B. die Guttempler oder das blaue Kreuz...
In der Tat, hat die (professionelle) Trauerbewältigung bzw Depressionen Deiner Schwiegermutter einen gewissen Vorrang. Dann hat sie auch die Energie ihren Alkoholkonsum kritisch zu hinterfragen - aber wie gesagt: beides muss sie alleine wollen. Und erst dann kann man, könnt ihr, sie unterstützen.
Ich hoffe, dass ich dir ein klein wenig weiterhelfen konnte.
Schreibe ruhig wenn Du noch mehr Fragen hast oder neue Situationen auftauchen.
Alles Gute Euch Dreien!