Beiträge von proky

    Menschen sind unterschiedlich...

    ...unterschiedlich im Konsum, physicher und psychischer Zustand etc...

    Ich habe normal geschlafen, hatte aber in den ersten zwei Tagen kalten Schweiß und einen angeschlagenen Kreislauf...

    ...dann machten sich zwei weitere Faktoren bemerktbar:

    a) ich bekam wieder Hunger

    b) ich stellte fest wieviel Freizeit ich auf einmal hatte...


    Wie ist das bei Dir licerin?

    Ein wirklich interessanter Ansatz.

    Wenn sich dies im Bewusstsein und Sprachgebrauch durchsetzt, schafft m. E. eine bislang noch nie dagewesene Achtsamkeit und Bewusstsein auf Alkoholmissbrauch und -sucht.

    Ich weiß nicht ob sich das durchsetzten wird - klingt aber cool. Ich werde mir das merken und in meiner Sprache verankern!

    Hallo Stevie,

    ich habe heute einen sehr faulen (Urlaubs-) Tag hinter mir :sleep: vom daher möchte ich erst zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich antworten.

    Ich jedoch bin der Meinung, dass dein Post so bald ein Feedback verdient hat:

    Eine Woche bist du nun trocken, dass sind 7 Tage oder 1/4 Monat!

    Ein chinesisches Sprichwort:

    Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt!

    Und du hast nicht nur den ersten Schritt getan, sondern gleich mehrere. 44.

    Dass soll dich ermutigen und motivieren für die nächste Woche bis zum Dienstag

    Weiter so mit deiner Leistung Stevie - bleib trocken! 44.

    Ich melde mich nochmal...


    Ach proky die frage habe ich vergessen dir zu beantworten. Meine letzten biere habe ich am montag getrunken. Was übrig war hab ich in den ausguss geschütet.
    Lg

    Nun ja lieber Stevie, dann lass uns doch mal step by step vorgehen:

    Dienstag war dein erster Tag den du komplett trocken warst.

    Als erstes Etappenziel, bleibst bis zum nächsten Dienstag trocken.
    Am nächsten Dienstag reden wir zwei dann über die vergangene Woche...

    Du schreibst ja hier viel im forum. Das ist für dich wahrscheinlich so eine art ehrenamt??

    Viel schreibe ich aus meiner Sicht nicht, da gibt es andere dienstbare Geister die weitaus mehr schreiben :)

    Ehrenamt wäre übertrieben, aber das Forum ist für mich eine Möglichkeit zur Abstinenzbewegung im Kontakt zu bleiben, meine Erfahrungen einzubringen, etwas neues hinzuzulernen, anderen Problemen gegenüber zu stehen. Z.B. Angehörige beraten - habe ich in meiner aktiven Zeit bei den Guttemplern höchstens 1-2 mal gemacht. Hier im Forum bin ich damit schon öfters konfrontiert. Das macht es interessant.


    Jetzt noch eine Frage von mir:

    Wann hast Du zuletzt getrunken?

    Ich habe überlegt hier drinnen zu schreiben dass ich getrunken habe. Dachte dass ich vielleicht unerwünscht bin oder ich mir vorwürfe geschrieben werden.

    Vorwürfe und Ausgrenzung, was bringt das uns, was bringt das Dir?

    Letztendlich ist es mein Leben für das ich Verantwortlich bin, genauso genauso wie Du für das deinige verantwortlich bist. Vorwürfe und Ausgrenzung passt so gar nicht zu Verantwortung.

    Was Du nicht willst das man Dir tu, dass füg auch keinem andren zu! Ich möchte ja auch nicht, dass man mir Vorwürfe wegen meines Lebenswandels oder wegen meiner Fehler macht oder mich deswegen ausgrenzt, warum sollte ich das dann bei anderen tun?

    Zudem hab ich auf mich zu achten, dass ich trocken bleibe. Es ist nicht meine Aufgabe darauf zu achten das andere Menschen trocken bleiben!


    Es wichtig und richtig, dass Du Deinen Fehltritt uns offenbart hast und Dir selbst die Chance gibst weiterzumachen mit der Abstinenz!

    Ja, es ist Dein Fehltritt, es ist Deine Chance, es ist Dein Leben und nicht das meinige oder das eines anderen Forumsmitgliedes! Du kannst die Chance ergreifen, Du kannst Dein Leben ändern, Du kannst den Alkohol abschwören - Du alleine, nicht ich nicht wir. Wir können nur beratend zur Seite stehen. Von daher werde ich den Teufel tun Dir Vorwürfe zu machen!

    Zitat

    Ich weiss dass ich den schritt nur allein und mit hilfe gehen kann. Im kopf habe ich einen plan, nur im realen leben kann ich es noch nicht ganz umsetzen.

    Und genau da liegt der Hase im Pfeffer!

    Asche auf mein Haupt: Ich weiß selber wie das ist, einen Plan zu haben, den Vorsatz zur Umsetzung zu haben - nur um es dann doch nicht umzusetzen! Mein eigenes Leben ist voll mit Beispielen.

    Dennoch schließt sich hier der Kreis mit meinem obigen Absatz, die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen etwas zu bewegen!

    Wie gesagt: Wir können dir nur beratend zur Seite stehen. Handeln, aktiv werden, einen Plan umsetzen, dass kannst nur Du alleine!

    Letztendlich, schau Dir Dein Leben an:

    Möchtest Du weiter leben so wie bisher oder möchtest Du was (ver-)ändern?

    Es ist eine Frage, welche nur Du alleine Dir beantworten kannst und aktiv umsetzen kannst.

    Diese zwei Sätze übrigens habe ich auch immer den Patienten im KHS als offene Frage (ohne eine Antwort zu erwarten) gestellt...

    Du hast eigentlich alles was Du brauchst um loszulegen:

    einen Plan
    eine Überzeugung
    genug negative Erlebnisse um motiviert zu sein

    Nun liegt es an Dir, es umzusetzen...

    Hallo Proky,
    Magst du vielleicht mehr über deine neuen Ansichten berichten?

    Hallo liebe Britt,

    ehrlich geschrieben: Nein! Denn dazu lebe ich meine Ansichten mit einem knappen dreiviertel Jahr zu kurz. Wenn ich meine Ansichten hier im Forum nach dieser kurzen Zeit äußere, würde das nur zu einer sinn- und ziellosen Diskussion führen.

    Nur so viel: die klassische Abstinenzbewegung ist wichtig und richtig. Gerade für Anfänger! Und ich werde sie auch weiterhin so vertreten wie ich sie selbst in meiner aktiven Guttemplerzeit vertreten habe, auch wenn ich für mich persönlich einige Punkte daran gibt, welche ich mittlerweile anders sehe.

    Was schwebt dir für ein neues Ehrenamt vor?


    Ehrlich geschrieben: Ich weiß es noch nicht!

    10 Jahre Erfahrung in der Abstinenzbewegung, vielleicht finde ich ja in dem Bereich eine neue Tätigkeit - zumindest bin ich hier, dass ist schon mal was ;D

    Da ich aber auch Mitglied in der Gewerkschaft bin, Homosexuell (jetzt oute ich mich hier drin zum ersten Mal ;)), kann ich mir auch ein Engagement in den jeweiligen Bereichen vorstellen.

    Im Moment lass ich mich treiben und schaue wohin es mich treibt...

    Hallo Stevie,

    aus meiner Sicht welche Möglichkeiten Du hast um mit dem Saufdruck umzugehen, hab ich Dir ja im anderen Thread geschrieben.

    Zunächst einmal finde ich persönlich es gut, dass Du hier zugibst wieder zum Bier gegriffen zu haben. Lieber ein ehrliches Geständnis, als sich von uns, dem Forum abzuwenden. Besser zu gestehen als, schlimmer noch: abzutauchen, weiter zu saufen, sich/Dich aufzugeben! Von daher hast Du es richtig gemacht, Du hast aufgehört und zugegeben was Du getan hast und dir damit die Chance gewahrt den Weg der Abstinenz, ein neues glückliches Leben frei von Sucht und Drogen zu führen.

    Nichtsdestotrotz rate ich Dir die Sache nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wie Du ja mit Sicherheit selbst festgestellt hast:

    Alkohol beendet weder Deine Einsamkeit oder Deine Langeweile. Wenn Du ehrlich zu Dir selbst bist, dann würdest Du Dir selbst eingestehen, dass die Droge Alkohol die Langeweile und die Einsamkeit nur verschlimmern, weil Du in Frustrationen fällst im Rausch. Zuerst kommt der Rauschbedingte kurze Höhenflug, dannach der tiefe psychische Sturz.

    Und ist nach dem Rausch die Einsamkeit beendet?
    Ist nach dem Rausch das Leben interessanter geworden?

    Ich sage: Nein!

    Umso wichtiger daher auch: Suche dir eine analoge SHG. Der reale Kontakt zu Menschen wird dich eher vom saufen abhalten und beugt der Langeweile vor!

    Deine Ehrlichkeit und Offenheit die Du hier an den Tag gelegt hast, behalte sie bei, sie wird dir helfen. Aber baue Dir auch ein reales Netz um Dich auf mit einer realen SHG.

    Es ist Dein Weg und Dein Leben - Du musst wissen wohin Du möchtest und ob Du losgehen möchtest...


    Ja, ich habe eine Psychotherapie gemacht, weil ich die Ursachen bekämpfen wollte die dazu geführt haben das ich gesoffen habe.

    Es ist dabei viel passiert mit mir, ich bin viel aufgearbeitet und mich weiter entwickelt, nichtsdestotrotz ist für mich die Arbeit aber immer noch nicht beendet. Das ist mein Päckchen was ich zu tragen habe.

    Ganz so weiss ich noch nicht wo ich mich bei thema alkohol befinde? nixweiss0 habe mich des öfteren gefragt ob ich den alkohol missbrauche oder schon süchtig bin. Irgendwer hat in dem forum geschrieben wenn man über sein trinkverhalten hinterfrägt hat man schon ein problem.
    Ich ärgere mich ja selber dass ich wieder angefangen habe zu trinken, weil ich erst hier rumtöne dass ich seit ner woche nichts gwtrunken habe und danb doch wieder anfing..
    Auch weil ich festgestellt habe wie gut es einem ohne alkohol geht..
    Lg

    Wer das Trinkverhalten hinterfragt hat ein Problem und wer sein Trinkverhalten kontrollieren muss/möchte, ebenfalls.

    Demzufolge, hast Du bereits den Missbrauch schon lange überschritten und bist mindestens schon psychisch abhängig!

    Denn anders ist nicht mehr zu erklären, dass Du diese Mengen an Bier trinken kannst (ein Mensch mit einem moderaten Konsum würde diese Mengen niemals schaffen!) und auch das Du Deine negativen Gefühle wie Einsamkeit und Langeweile mit der Droge Alkohol bekämpfst.

    Ich wiederhole mich wenn ich Dir schreibe:

    Suche Dir zusätztlich eine analoge SHG.

    Überlege Dir ob es sinnvoll wäre eine Langzeittherapie zu machen, vor allem wenn der Saufdruck immer wieder kommen sollte...

    Du tust es nicht für mich oder fürs Forum, Du tust es für Dich ganz alleine...

    Hey Stevie,

    ausführlich möchte ich Dir in Deinem Thread SHG antworten. Hier möchte ich mich nur aufs wesentliche beschränken:

    Dem Saufdruck begegnest Du am Besten mit Achtsamkeit und Ablenkung!

    Achtsamkeit: Das GEfühl erkennen und akzeptieren das ein Saufdruck da ist. Evtl sogar den/die Auslöser des Drucks benennen.

    Gleichzeitig aber auch: Sich darüber im Klaren sein, dass ein Nachgeben des Drucks nur persönliche Nachteile mit sich bringt. (Welche das sind, weißt Du ja selbst) und das Standhaft bleiben ein persönlicher Gewinn bedeutet!

    Ablenkung:

    Telefonieren und/oder mit jemanden darüber sprechen der das Problem versteht. Idealerweise ist das jemand der ein trockener Alkoholiker ist.
    Aus diesem Grund ist eine analoge SHG sehr wichtig, weil es dort diese Menschen gibt.

    Alternativ geht natürlich auch:

    Spazieren gehen
    Fahrrad fahren
    alle Arten von Sport
    lesen
    schreiben

    etc...

    Hauptsache weg von Alkohol!

    Ebenso wichtig: Nicht verdrängen, das was passiert ist thematisieren bei Menschen die Dich verstehen und unterstützen - auch hier ist das idealerweise eine SHG.

    Und wenn es doch passiert ist, so wie in Deinem Fall:

    Aufhören, aufstehen, Krone richten und den eingeschlagenen Weg der Abstinenz weiter gehen...

    Du, mein lieber Stevie, bist aber auch schon auf einem richtigen Weg! Du hast die Erkenntnis, machst Sport, lenkst Dich ab, erkennst die negativen Auswirkungen der Droge Alkohol - Weiter so! 44.

    Wie gesagt:

    Analoge SHG ist grundsätzlich nie verkehrt...

    und aus eigener Erfahrung:

    eine Psychotherapie um sich besser kennenzulernen und warum es überhaupt zur Sucht kam, ist auch nicht verkehrt...


    Hast du eine langzeittherapie gemacht?

    Nein, ich habe keine Langzeittherapie gemacht, ich habe das etwas anders gemacht:

    Durch einen glücklichen Zufall bekam ich ca 2 Monate bevor ich mit dem trinken aufhörte von jemanden das Buch "die Suchtfibel" geschenkt. Das durcharbeiten dieses Buches in Kombination mit meinen regelmäßigen Besuchen der Guttempler war meine Therapie. Ich habe mich quasi mit Unterstützung der Guttempler selbst therapiert.

    [quote='Stevie84','https://alkoholforum.de/forum/index.ph…32283#post32283']
    Ja SHG'S sind schon sehr nützlich und gut, gerade in der anfangszeit

    Ich bin ja nun seit fast 14 Jahren trocken. 13 Jahre davon war ich in der SHG, bei den Guttemplern, davon 11 Jahre als Vollmitglied.

    Grundsätzlich möchte ich die Aussage treffen:

    Die SHG, die Guttempler, haben mir gut getan. Sie haben mich dabei unterstützt mein Leben ohne Sucht zu gehen, haben mir Halt und Sicherheit gegeben!


    Sicher spielt auch Glück dazu. Passe ich zu den Menschen in der Gruppe, passen die Menschen in der Gruppe zu mir?

    Rekonvaleszent hat ja mit seinem Beitrag schön beschrieben, das eben nicht immer nur alles eitler Sonnenschein ist.
    Zum Glück gibt es im Zeitalter des Internets Alternativen!


    Definitiv waren die ersten fünf Jahre wichtig für mich in die SHG zu gehen, dass hat Stabilität mir eingebracht.

    Schon bald übernahm ich dann auch bei uns die Infoabende zu unserer Gruppe im Krankenhaus. Welches ich dann zehn Jahre gemacht habe und eine Zeit die ich nicht missen möchte.


    Nach 11 Jahren kehrte ich den Guttemplern zum Jahresende 2018 den Rücken. Die Gründe sind vielschichtig:

    Nach Elf Jahren gibt mir die Gruppe nichts mehr, ich kann an der Gruppe persönlich nicht mehr wachsen...

    Die Gruppe selbst entwickelt sich nicht - in jeglicher Form ist Stillstand!

    Die Arbeit im Krankenhaus motiviert nicht mehr.

    Persönlich haben sich bei mir auch einige Ansichten zu Alkohol verändert, ich sehe heute gewisse Dinge zum Thema Alkohol nicht mehr so verbissen wie früher oder die Guttemplergemeinschaft.

    Zum Schluss hatten wir auch ein, ich bezeichne es mal diplomatisch "übermotoviertes" Mitglied, dass hat die Sache leider nicht vereinfacht.

    Kurzum: ich erkannte, dass es Zeit ist zu gehen...

    Nun bin ich hier, worüber ich sehr froh und dankbar bin

    Auch Dir Stevie, weil Du die Fragen stellst die mir die Möglichkeit geben ein wenig von mir zu erzählen, denn bis dato halte ich mich zu persönlichen Dingen im Hintergrund...

    Dankbar aber auch, weil ich hier Erfahrungen weiter geben kann, Erfahrungen aus 14 Jahren Abstinenz, 11 Jahren Guttempler und 10 Jahren Krankenhaus.

    Und das Leben ohne SHG, ohne den Guttemplern bietet für mich neue Herausforderungen. Aber das ist eine andere Geschichte...


    Zusammenfassend möchte ich schreiben:

    SHG´s sind gerade für Anfänger sehr wichtig um dauerhaft trocken zu bleiben. Auch ich kann nur jedem dazu raten sich einer anzuschließen. Und nach einer zu Suchen wo es einem gefällt! Dort sind die Chancen auf Dauer ein glückliches und erfülltes Leben ohne Alkohol zu finden, am höchsten.
    Alternativ bietet natülich auch das Internet eine Chance, wie es Rekonvaleszent schon geschrieben hat.

    Entscheidend ist der Wille ein neues Leben ohne Alkohol führen zu wollen!

    In diesem Sinne...

    Wann hat es Klick gemacht?

    Alternativ könnte man auch schreiben:

    - Aha-Effekt
    - Schalter umgelegt
    - Fass zum überlaufen
    - es zu raffen
    -...

    oder wie ich es in meinem Fall immer sage:

    - das Pünktchen auf dem i

    Ich kenne auch Geschichten von trockenen Alkoholikern bei denen es erst mal überhaupt nicht klick gemacht hat. Sondern die quasi "zwangsweise" in eine Therapie gingen, weil es sein "musste", sie wurden unter Druck gesetzt und gaben diesen dann nach. Im Laufe der Therapie sind sie dann langsam, ohne klick, zur Erkenntnis gekommen, dass sich so ein Leben ohne Alkohol durchaus lohnt bzw. für sie alternativlos ist.

    Dem möchte ich entschieden widersprechen. Auch ich kenne Fälle von "zur Therapie gezwungen". Und ich kenne Fälle wo es geklappt hat und die Fälle wo es nicht geklappt hat.

    Und die Fälle wo es geklappt hat, natürlich hat es bei diesen Menschen auch "klick" gemacht, denn sonst hätten sie sich nicht verändert und wären trocken geworden. So wie es bei jedem Menschen "klick" macht, der begreift das er in seinem Leben etwas verändern möchte, will oder gar muss.

    Nun ist dieses Klick-Erlebnis, der Aha-Effekt, dass Pünktchen auf dem i, bei jedem anders, der eine hat es schnell der andere braucht länger. Individuell eben. Genauso individuell wie die Geschichten dazu.

    Und ich glaube Stevie, dass ist das was Du hören möchtest, die individuellen Geschichten dazu, hab ich Recht? ;)

    Du wirst feststellen wie interessant und unspektakulär diese individuellen Geschichten sind. Und Du sollst diese Geschichten haben zum Aha-Erlebnis.

    Hier ist mein Erlebnis:

    Es war das Jahr 2005. Ich war 27 Jahre alt. Da nahm mich ein Freund auf die Seite und setzte mir die "Pistole auf die Brust":

    "Entscheide Dich! Saufen oder unsere Freundschaft. Nur eines von beiden geht. Triff Deine Wahl!"

    Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, es ist kein Spaß mehr, ich muss etwas unternehmen.

    Das war mein Klick-Erlebnis.

    Ich persönlich bezeichne es aber lieber, als "das Pünktchen auf dem i". Warum? Denn seit über einem halben bis dreiviertel Jahr zuvor, kamen mir selbst Zweifel an meiner Lebensweise auf, kritische Stimmen wurden laut. Stimmen die mahnten, aufforderten und auch drohten. Das war das, was ich im Nachhinein als den i-Strich bezeichnete. Das Pünktchen seht oben.


    Ca zwei Wochen nach dem Pünktchen hatte ich im Vollrausch einen Nervenzusammenbruch, der mir nur noch wie eine Bestätigung meiner ganzen Situation und meines Entschlusses vorkam.

    Der Oktober 2005. Ein ganzer Monat zwischen Erkenntnis, Entschluss und der Tat. Am 30. Oktober, ein Sonntag, war mein letzter Rausch vom saufen. Der 31. Oktober markierte mit dem Gang zur SHG (m-)einen Neustart...


    Ironie der Geschichte:

    Der Freund der mir damals drohte die Freundschaft zu kündigen wenn ich nicht zum saufen aufhöre, ist heute nicht mehr mein Freund! Vor ein paar Jahren war ich es der ihm die Freundschaft kündigte, als ich aufgrund von Psychotherapien erkannt habe, diese Therapien waren quasi die Fortsetzung meiner Alkoholtherapie, dass jener Freund zu den Menschen gehört, die mir psychisch nicht gut tun!

    Hallo Stevie,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier bei uns im Forum :welcome:

    Habe ja schon ein paar Beiträge von Dir gelesen und ich bin schon ganz kribbelig darauf zu antworten :mail1:

    Kurz ein paar States zu mir:

    Bin 41 Jahre alt, trocken seit nun knapp 14 Jahren. Hier im Forum bin ich seit einem guten halben Jahr.

    Viel Spaß und Erfolg Dir!

    Grüß Dich lieber "Betroffen",

    auch von mir ein willkommen im Forum. :welcome:


    Kurz und bündig geschrieben:

    Du stehst am Scheideweg, der da heißt,

    - weitersaufen (mit Kater, Übelsein, Verlust der Lebensfreude, Gesundheitlicher Ruin, sozialer Abstieg etc...

    oder

    - Alkoholabstinenz (das Leben bewusst genießen, z.B. baden im Meer, interessante Menschen treffen, ins Kino oder Essen gehen etc...)


    Fürs erstere brauchst Du nichts machen, denn Du tust es ja schon...

    Fürs zweite, wende Dich an einen Arzt, suche Dir eine Selbsthilfegruppe, vor allem aber: entscheide Dich bewusst für das Leben und gegen den Alkohol!

    Nur eines von beiden geht! (und kontrolliertes Trinken gibt es für uns/Dich nicht mehr, diese Chance ist vertan - für immer!!!)

    Die Entscheidung liegt bei Dir alleine!

    Für was entscheidest Du Dich?

    Grüß Dich lieber Mika,

    und erstmal vielen Dank für Deine ausführliche und offene Geschichte. Bestimmt war es für Dich nicht einfach diese zu schreiben.

    Deine Erlebnisse mit Deinem Vater und selbstverständlich auch die Erlebnisse Deiner Mutter und Deiner Schwester sind gerade für uns ehemalige aktive Trinker ein Paradebeispiel dessen, wie sehr Angehörige an einer Alkoholsucht eines Familienmitgliedes leiden und wie dadurch eine Familie daran zerbrechen kann.
    Scham und Schuldgefühle durch falsch vermittelte oder schon längst überholte Glaubenssätze haben da natürlich auch noch mit reingespielt, den Leidensweg verlängert und dadurch sogar verschlimmert!

    Süchtige Menschen haben kein Auge und Gespür dafür, wie sehr das soziale Umfeld, insbesondere die Familie unter einer Abhängigkeit leiden kann.

    Und auch für uns trockene Alkoholiker ist es oftmals ein langer Weg zur Sichtweise und Erkenntnis um diese Auswirkungen auf das soziale Umfeld.
    Deswegen ist Deine Geschichte, stellvertretend für viele.



    Dein Wunsch ist mehr als nachvollziehbar. Es geht um das Aufarbeiten des Leides, des Schmerzes, der Scham und der (ungerechtfertigten) Schuld die auf Dir und Deiner Schwester und Mutter lastet.


    Mein persönlicher Rat für Dich:

    als trockener bzw ehemaliger aktiver Alkoholiker, werde ich Dir nur bedingt weiter helfen können. Und die allermeisten hier bei uns im Forum teilen das gleiche Schicksal wie ich, als trockener Alkoholiker. Von daher sind wir vielleicht nicht gerade die perfekte Zielgruppe die Dich dabei unterstützen kann, weil Du in diesem Fall mehr das Gespräch mit Gleichgesinnten bzw Betroffenen brauchst.

    Was natürlich jetzt nicht heißen soll, dass wir nicht gewillt sind Dir zu helfen. Was im Rahmen unserer Möglichkeiten und freilich eines jeden einzelnen ist helfen wir sehr gerne.
    Ich wollte damit lediglich nur gesagt haben, dass die Masse hier ehemalige Alkoholiker sind und keine Angehörige.

    Angehörige gibt es hier natürlich auch und vielleicht schreiben hier noch welche auf Deinen Beitrag, dass wäre natürlich der Idealfall.

    Effektiver für Dich wäre es, meiner Meinung nach, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen speziell nur für Angehörige von Alkoholsüchtigen Menschen.
    Dort ließe sich auch Dein Vorhaben für ein fotografisches Projekt auch besser umsetzten, als hier in einem Internetforum.
    Was jetzt aber auch nicht heißen soll, dass Du es nicht versuchen sollst. Wenn Du Dein Projekt, deine Idee erklärst, vielleicht findet sich ja der ein oder andere Teilnehmer.

    Und selbstverständlich darfst Du uns Löcher in den Bauch fragen wenn Du Fragen hast, dafür sind wir da!

    Liebe Lajalu,

    zunächst einmal Dir, Deinem Mann und auch Deiner Schwiegermutter, allen unbekannterweise frohe Ostern! :blumen:


    Dachte wenn man süchtig ist braucht man den Alkohol fast täglich?

    Nicht zwangsläufig!
    Es gibt verschiedene Arten und Stufen der Abhängigkeit. Jemand der körperlich abhängig ist (der sog. Spiegeltrinker) der braucht in der Tat täglich seinen Alkohol um u.a. den körperlichen Entzugserscheinungen, wie zittern, Schweißausbrüche etc vorzubeugen.

    Jemand der psychisch abhängig ist, z.b. der Erleichterungstrinker (der war ich!) oder der Genusstrinker und sogar der sog. Quartalssäufer - die brauchen nicht (nicht zwangsläufig!) den täglichen Konsum von Alkohol.
    Nichtsdestotrotz sind auch diese Menschen (psychisch) alkoholabhängig!
    Die körperliche Abhängigkeit ist dann nur noch eine Frage der Zeit...


    Die Grenze zwischen einem unbedenklichen Alkoholkonsum und dem Alkoholmissbrauch, ist durch die WHO fest definiert und eine klare Größe. (Missbrauch = bei Frauen >12g Alkohol täglich).
    Während die Grenze zwischen Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit (leider) nicht so einfach zu definieren ist und eher fließend verläuft. Dass ist das, was Dietmar als Graustufen beschrieben hat.

    Das Deine Schwiegermutter Alkoholmissbrauch betreibt, darüber brauchen wir ja nicht zu diskutieren.

    Ich gebe zu, dass es in der Tat anmaßend erscheinen mag sich nun hinzustellen und zu sagen, dass Deine Schwiegermutter eine Alkoholikerin sei - die Diagnose selbst kann freilich nur ein Arzt stellen - nichtsdestotrotz stehe ich aber zu meiner o.g. Aussage aufgrund Deiner Beschreibung:

    Der Schnaps gehörte ja schon Zeit seines Lebens zum (alltäglichen) Leben Deiner Schwiegereltern dazu.

    Zudem trinkt nach Deiner Aussage Deine Schwiegermutter:

    - oft

    - heimlich

    - regelmäßig

    Deine Schwiegermutter

    - durchläuft eine offensichtliche Wesensveränderung

    - lügt

    - verleugnet den Konsum

    - trinkt um der Trennung zur entfliehen

    Zudem schreibst Du, dass die Situation im Vergleich zu früher schlimmer geworden sei.


    Hier liegen nicht gerade wenige Punkte auf dem Tisch, die es aus meiner Sicht und auch aus der Sicht der Suchtforschung, mehr als offensichtlich erscheinen lassen, dass hier schon eine psychisch bedingte psychologische Abhängigkeit vorliegt.
    Und ich persönlich glaube auch nicht, dass Du Dich an ein Alkoholforum wenden würdest, wenn Du selbst Zweifel an der Abhängigkeit Deiner Schwiegermutter haben würdest.

    Ich jedenfalls bleibe und stehe zu meiner Aussage! Deine Schwiegermutter ist eine (psychisch abhängige) Alkoholikerin.


    Die Frage jetzt ist, wie geht man, Du und Dein Mann damit um?

    Für Angehörige ist es grundsätzlich immer sehr schwierig in solchen Fällen etwas zu unternehmen. Denn die Einsicht etwas tun zu müssen, kann nur vom Betroffenen selbst erfolgen!

    Vorwürfe bringen, wie schon erwähnt, gar nichts positives, sie fördern eher nur die Abwehrhaltung.

    Drohungen (z.B. Kontaktabbruch) sind sehr mit Vorsicht zu genießen, da man sich stets bewusst sein sollte, dass man eine Drohung auch mit allen Konsequenzen umsetzen sollte. Tut man dies nicht, erscheint man bei der betreffenden Person als unglaubwürdig.

    Also von Vorwürfen und Drohungen, davon würde ich Euch weitgehensd abraten!


    Stattdessen rate ich Euch zu einer klaren Stellungnahme und Abgrenzung:

    - Sagt der Schwiegermutter, dass ihr Euch sorgt über ihr Verhalten

    - sagt ihr, dass sie sich ärztliche Hilfe suchen soll z.B. Hausarzt, SHG, Sucht/Depressionsberatung

    - Sagt auch, dass ihr sie betrunken nicht ertragen könnt und wollt!

    - macht Euch zwei selbst klar wie weit ihr ihre Gesellschaft ertragen könnt und wollt und wann nicht mehr ggf. was das für Konsequenzen hat.

    Bedenkt aber dabei: Die Entscheidung etwas zu unternehmen liegt an Ihr und nicht an Euch - Ihr könnt und dürft sie zu nichts zwingen!

    Sprecht auch selber mit eurem Arzt und einer Suchtberatung - holt Euch Hilfe/Infos von so vielen Menschen wie möglich. für Auch jede SHG bietet Platz für Angehörige, dann seid ihr schon mal nicht so alleine Z.B. die Guttempler oder das blaue Kreuz...


    In der Tat, hat die (professionelle) Trauerbewältigung bzw Depressionen Deiner Schwiegermutter einen gewissen Vorrang. Dann hat sie auch die Energie ihren Alkoholkonsum kritisch zu hinterfragen - aber wie gesagt: beides muss sie alleine wollen. Und erst dann kann man, könnt ihr, sie unterstützen.


    Ich hoffe, dass ich dir ein klein wenig weiterhelfen konnte.

    Schreibe ruhig wenn Du noch mehr Fragen hast oder neue Situationen auftauchen.

    Alles Gute Euch Dreien!