Hallo lieber Stevie,
ich möchte mal mit meinen eigenen Worten versuchen das wieder zu geben, was hier in diesem Thread passiert ist und ich versuche dies so wertungsfrei wie möglich zu machen.
Zur Begründung:
Vorwürfe bringen nichts, außer Abwehrhaltung und Demotivation!
Allerdings, so zu tun als sei nichts passiert und heile Welt zu machen, Schulterklopfen und ein „Weiter so“ wäre aus meiner Sicht auch das falsche Zeichen!
Vielmehr möchte ich Dir den Sachverhalt und Gefahren der Geschehnisse aufzeigen und Dich für die Zukunft hierfür sensibler machen.
Zur Sache:
Lieber Stevie,
Du hast geschrieben, dass du mit so wenigen Tagen nicht prahlen möchtest, hast es aber in diesen Thread ja getan. Ich wiederum "prahle" mit meinen Tagen ja sozusagen auch. Und ich persönlich finde das gar nicht verkehrt. Ich bin auf meine nüchternen Tage total stolz!
Ich gebe Licerin Recht. Man darf stolz sein auf jeden Tag den man trocken war bzw ist.
Daher ist es auch nicht verkehrt, dass auch Du mit Deiner Abstinenz geprahlt hast lieber Stevie.
Was Dir aber zu denken aufgeben sollte:
Das Du weiter mit Deiner Abstinenz geprahlt hast, als Du bereits wieder getrunken hast! Das war ein klassischer Selbstbetrug!
Oberflächlich betrachtet hast Du jeden einzelnen Forumsteilnehmer betrogen, weil Du nicht die Wahrheit geschrieben hast.
Tiefer betrachtet, hast Du Dich aber selbst betrogen und mit so einen Betrug zu leben ist eine große psychische und seelische Last! Diese Last mag man vielleicht bei einer einmaligen Sache nicht so sehr merken, aber wenn das zweimal, dreimal etc vorkommt umso heftiger.
Und genau diese Last meinte ich, als ich schrieb, dass Du dieses Spiel bzw diesen Selbstbetrug (bei Wiederholung versteht sich) nur max 3 Monate aushalten wirst, danach wirst Du wieder in in Dein altes Trinkverhalten wieder hineinfallen.
Und vielleicht wird Dir dadurch auch mehr deutlicher denn je:
Durch so einen Selbstbetrug, durch so eine Verheimlichung schadest nur Du Dir Selbst!
Uns, den übrigen Forumsteilnehmern hingegen, kann es ja egal sein, es ist nicht unser Leben. Wir haben es schließlich nicht zu Verantworten das Du uns nicht die Wahrheit erzählst und wir Dir dadurch nicht helfen können, in diesem Fall dann eher: nicht helfen konnten!
Die Bewertung über diesen Selbstbetrug, aber auch den oberflächlichen Betrug an uns, überlasse ich Dir...
Was ich Dir jedoch positiv bewerten möchte ist, dass Du, letztendlich dann doch noch die Wahrheit geschrieben hast! Diese Wahrheit, dieser Mut zur Wahrheit, hat Dich von einem üblen Rückfall bewahrt und uns die Möglichkeit gegen Dir erneut zu helfen!
Das andere was mir aufgefallen ist:
Vielleicht dachte ich auch, ich melde mich hier im forum an, und alles wird gut? Das war naiv gedacht.
Korrekt, dass war naiv gedacht!
Meine Vergleich ist der:
Als Alkoholiker steht man am Scheideweg. Der eine Weg führt in die Sucht, der andere Weg in die Abstinenz.
Der Weg der in die Sucht führt hat den Vorteil, dass man selbst nichts (ver-) ändern braucht in seinem Leben. Man kann alles weiter machen so wie bisher...
Der Nachteil ist, dass dieser Weg, gesundheitlich, körperlich, wie seelisch, sozial und psychisch bergab führt, hinab ins tiefste Elend, bis zum jämmerlichen krepieren!
Der andere Weg, der der Abstinenz, er hat den Vorteil, dass wenn man ihn geht, nur dabei gewinnt! Man gewinnt das Leben wieder, erlebt wieder Freude, darf das Leben genießen, findet wieder Spaß und Erfüllung! Man lebt wieder!
Der Nachteil dieses Weges ist: Dieser Erfolg kommt nicht von alleine! Man muss (an sich) arbeiten hierfür! Zu meinen, ich höre jetzt zum trinken auf und dann ist alles in Ordnung, dann wird alles Gut, dass ist naiv und weit gefehlt! Leider muss ich sagen, wird dieses Bild von SHG´s gerne nach außen vertreten. Da wird sich nämlich allzu gerne hingestellt und getönt: Ich hab zum trinken aufgehört und seitdem geht’s mir gut! In einzelnen Fällen, mag das ja stimmen. Nach meiner Erfahrung ist es aber eher so, dass Abstinenz erst einmal Arbeit bedeutet. Das heißt, arbeiten an sich Selbst! Das Trinken nämlich ist nur das Symptom und durch die Abstinenz wird nur das Symptom ausgeschaltet. Die Ursache, warum es überhaupt zum trinken kam, ist damit noch nicht mal ansatzweise aus der Welt!
Und das ist auch der Grund, warum es zu so vielen Rückfällen kommt, weil die Ursachen der Sucht nicht angegangen werden!
Hast Du wirklich geglaubt man entscheidet so ohne weiteres von heute auf morgen mit dem trinken aufzuhören OHNE hierfür was zu tun?
Wenn dem so wäre, warum hat das bei uns allen nicht vorher geklappt, bei unseren unzähligen Versuchen alleine trocken zu werden bzw unser Trinkverhalten zu kontrollieren?
Nee mein Bester, ohne Arbeit geht das nicht! Da ist Psychotherapie angesagt. Die klassische Langzeittherapie um psychisch von der Alkoholsucht weg zu kommen. Und danach weiterführende Psychotherapien um sich selbst besser kennen zu lernen, seine Stärken und erst Recht seine Schwächen, um zu verstehen warum es überhaupt so weit kommen konnte!
Das ist die Arbeit die dahinter steckt. Und es ist eine Arbeit die zwar anstrengend ist, aber sich auf alle Fälle lohnt, weil sie IMMER zum Erfolg führt!
Das jedenfalls ist meine Ansicht, weil es meine Meinung ist, welche ich mir wiederum in über 13 Jahren meiner Abstinenz selbst gesammelt, erarbeitet und gebildet habe! Auch wenn es hier vielleicht Teilnehmer gibt die meine Ansicht nicht teilen.
Ich persönlich kann Dir nur raten lieber Stevie, lass Dir beide Punkte mehrere Tage durch den Kopf gehen. Den Selbstbetrug und das Abstinenz Arbeit bedeutet.
Du bist auf dem richtigen Weg, nämlich den der Abstinenz – laufe ihn weiter. Durchhaltevermögen und Beständigkeit sind weitere Gründe stolz auf Dich zu sein!