Hallo Sylvia,
erstmal von mir ein Dankeschön, dass Du Dich uns öffnest.
Ich möchte mich meinen Vorrednern anschließen, in der Tat ist es ein Segen das Dein Mann Dir gegenüber nicht entgleist ist, in keinerlei Form. Nichtsdestotrotz, es sollte bzw er sollte was geschehen/etwas unternehmen.
Die Geburtstagsfeier bzw die Feuerprobe heute Abend halte ich persönlich,wie Britt, für fatal! Denn:
Möglichkeit 1:
Die Wahrscheinlichkeit ist der groß dass er zum Alk greifen wird. Er selbst hat Dir gegenüber ja schon zugegeben, dass er nicht Nein sagen kann. Was im übrigen nicht schlimm ist, es ist ein Symptom der Krankheit.
Aber entscheident ist, er hat schon davor nicht Nein gesagt/nicht Nein sagen können, warum sollte er es jetzt tun / warum soll er es jetzt können?
Letzere Frage aus Möglichkeit 1 führt mich zur
Möglichkeit 2:
Richtig, Du bist ja dabei und gewiss ist Dein Mann von dem Format, dass er sich für einen Abend zusammenreißen kann. Denn schließlich möchte er sich, Dir und seinem sozialen Umfeld beweisen, dass er kein Alki ist, dass er kein Problem mit Alk hat...
...und genau das wird dann zum Problem! Angenommen er hält den heutigen Abend Alkfrei durch - sofort setzt sich der Selbstbetrugsmechanismus in Bewegung:
"Ha, ich habe diesen Abend durchgehalten, dass ist der Beweis! Ich bin kein Alki, ich habe kein Problem mit dem Alkohol!"
Und liebe Sylvia, dreimal darfst Du raten was Dein Mann machen wird wenn er ein paar Tage später, von mir aus auch eine Woche später, wieder an der Kasse im Supermarkt stehen wird...
Und seine Selbstvorwürfe und die Scham werden von Mal zu Mal schlimmer - gut, die beiden letzteren Gefühle kann er vor Dir verheimlichen, aber sein Alkoholproblem nicht mehr.
Liebe Sylvia, bitte gib Dich wegen heute Abend keinen Illusionen hin. Eine der beiden Möglichkeiten wird eintreffen.
Eine dritte Möglichkeit, er wird an diesem Abend nicht trinken und in Zukunft auch nicht mehr oder wenigstens kontrolliert - dass ist bereits theoretisch nicht mehr möglich! Es mag sein das Ihr zwei darauf hofft, er wird sich sogar daran klammern - aber bitte glaube mir, nur eine von den o.g. Möglichkeiten wird eintreffen!
Bitte denk daran wenn ihr heute Abend dahin geht. Der Vorschlag von Britt etwas anderes zu unternehmen ist zwar lieb gemeint, aus meiner Sicht aber verschleppt dieser Vorschlag das Problem nur!
Es ist besser Du und Dein Mann sehen den Problem mit offenen Augen ins Angesicht. Dein Mann verschließt zwar noch seine Augen, auch das ist normal und gehört zur Krankheit dazu, aber Du hast Deine Augen offen!
Aber zunächst muss Dein Mann seine Augen öffnen und erkennen das er vor einer Krankheit steht und Hilfe braucht!
Aber bevor er Hilfe in Anspruch nehmen kann, muss er seine Augen öffnen und erkennen das er erstmal machtlos ist.
Du kannst ihn dabei unterstützen indem Du, so wie bislang auch, ruhig mit ihm sprichst - keine Vorwürfe, dass ist sehr wichtig!
Spreche in der Ich-Form:
Sage ihm, dass es Dich schmerzt ihn so zu sehen, weil er leidet.
Sage ihm, dass Du Dich um ihn Sorgen machst, weil Du Angst um seine körperliche, wie psychische Gesundheit machst.
Sage ihm, dass Alkoholismus eine Krankheit ist an der Millionen von Menschen erkrankt sind und dass das nichts schlimmes ist. Wegen Gripppe schämt man sich ja auch nicht...
Sage ihm, dass es Dein Wunsch ist das er Hilfe in Anspruch nimmt (Wünsche zu äußern ist nichts verbotenes, Du erwartest ja schließlich keine Erfüllung - Die Erwartung kommt erst später wenn der Zustand nicht mehr auszuhalten ist - aber das ist ein anderes Level, soweit sind wir bzw bist Du noch nicht!)
Sage ihm, dass es, wie bei jeder Krankheit, Ursachen dafür gibt, die man herausfinden und behandeln kann! I.d.R. sind es psychische Ursachen...
Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen?