Liebe MiaPi,
deine Erzählung berührt mich sehr, und der Grund, warum ich zögerte, etwas zu schreiben ist, dass ich dir vermutlich nur schreiben kann, was du eigentlich schon weißt.
Du kannst deinen Vater nicht vor sich selber, vor der Sucht oder der Depression retten.
Auch in meiner Herkunftsfamilie gab es Alkoholprobleme und vor allem Co-Abhängigkeiten, daher weiß ich, wie schwer es ist, die Perspektive zu wechseln, die Verantwortlichkeiten für sich zu klären, mit der Angst und den Schuldgefühlen umzugehen, die entstehen, wenn ich mich vom kranken Elternteil abzugrenzen versuche.
Hast du schon einmal daran gedacht, eine Psychotherapie zu machen?
Damit du Hilfe dabei hast, die Abgrenzung zu schaffen und deine Verantwortung dir selbst gegenüber wahrnehmen zu lernen?
Zitat
Manchmal denke ich über Kontaktabbruch nach, weil es mich psychisch sehr stark alles mitgenommen hat, aber habe Angst, dass er suizidal wird bzw. es vollendet (ein Suizidversuch gab es Anfang 2018).
Wie steht dein Bruder dazu? Könnt ihr euch gegenseitig stärken und vielleicht in einem gemeinsamen Gespräch deinem Vater deutlich machen, dass ihr an eure Grenzen gekommen seid und so nicht mehr weiter machen könnt und werdet? Euer Vater hat sich ja, wie ich dich verstehe, schon einmal eigenverantwortlich in eine Alkoholentwöhnungstherapie begeben. Vielleicht könntet ihr das als Ultmatum setzen, dass ihr nur weiter mit ihm Kontakt haben könnt, wenn er für sich selber sorgt und sich (erneut) Hilfe sucht.
Hast du dir selber schon einmal Hilfe in einer Suchtberatungsstelle geholt? Auch der Kontakt zu anderen Angehörigen in einer Selbsthilfegruppe kann bestimmt hilfreich sein.
Es tut mir leid, dass ich mehr Fragen als Antworten habe, wie ich gerade merke. Ich vermute, du bekommst noch mehr, und hilfreichere, Rückmeldungen. Ich wünsche dir sehr, dass du es hinkriegst, in erster Linie gut für dich selber zu sorgen.
Herzlich,
Camina