Beiträge von Camina1969

    Hallo Lali,

    auf die Schnelle, da ich gerade nicht viel Zeit habe ...
    Ich habe in solchen akuten Stresssituationen manchmal ein oder mehr große Gläser Sprudelwasser getrunken.
    Und hier im Forum lesen und schreiben ist auch hilfreich. Ich hab manchmal stundenlang Beiträge von anderen Alkoholikern gelesen, hier und anderswo.

    Ist es für dich vielleicht auch eine Option, Dir eine Selbsthilfegruppe zu suchen? Das ist für mich auch immer wieder eine gute Hilfe.

    Alles Gute,

    Camina

    Und Glückwunsch zu den bald zwei trockenen Jahren!

    Liebe Bluebird,

    Zitat

    Heute habe ich seit 22 Tagen nichts getrunken

    Das ist doch ein Anfang! Glückwunsch dazu!

    Zitat

    und mal wieder wird mir deutlich, wie sehr unsere Gesellschaft und das Miteinander doch auf den Konsum ausgelegt und oft sogar darauf angewiesen ist. Es fühlt sich an wie der Lauf über ein Minenfeld, an jeder Ecke kann die Gefahr lauern, rückfällig zu werden und jedes Mal muss man sich immer wieder aufs Neue entscheiden, Nein zu sagen.

    In welchen Situationen ist das konkret bei dir so?
    Ich empfinde das nämlich nicht so, und es wäre interessant zu sehen, ob das „nur“ an Innerem, oder vielleicht auch teilweise daran liegt, dass du dich noch in nassem Umfeld bewegst.

    Für mich war es anfangs aber auch so, dass mir die Präsenz von Alkohol in unserer Gesellschaft stark aufgefallen ist. Das veränderte sich mit der Zeit, weil meine Wahrnehmung von der verengten „Alkoholiker-Sicht“ sich ausweitete, und das Thema Alkohol aufhörte, überall quasi rote Warnlampen angehen zu lassen. Also auch hier wieder: trockene Zeit bringt ganz von alleine Veränderung zu mehr innerer Trockenheit mit sich. (Also solche Aussagen immer nur auf Basis meiner persönlichen Erfahrung.)


    Zitat

    Ich versuche jetzt einen Gang zurückzuschalten. Mich erst einmal vom Alkohol zu entwöhnen und an ein (völlig) neues Leben ohne zu gewöhnen. Situationen und Aktivitäten nüchtern zu erleben, in denen ich früher betrunken war, auch um jetzt zu merken, dass diese vielleicht gar nicht meinem Wesen entsprechen und mir überhaupt keinen Spaß machen. Unangenehme Gefühle nüchtern zu ertragen, um zu merken, dass sie mich nicht umbringen. Schlicht zu akzeptieren, dass ich, ohne das enthemmende Gift in meiner Blutbahn, manchmal einfach stiller und zurückhaltender bin als an anderen Tagen. Die Angst auszuhalten, dass andere mich dann vielleicht nicht mehr mögen könnten oder langweilig finden. Denn das bin ich. Unverfälscht.

    Und wie schön es auch für die Menschen um dich herum ist, dich wirklich kennenlernen zu können. Das bedeutet eine ganz neue Möglichkeit, tatsächliche Verbindung zwischen Dir und den Menschen um dich herum herzustellen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dadurch mein soziales „Netzwerk“ und meine Freundschaften eine ganz andere, viel zufriedenstellendere Echtheit und Tiefe bekommen haben. Und manche, die den Schritt nicht mitgehen wollten, sind dann allerdings auch nicht mehr da.

    Zitat

    So wie du es beschreibst, dass das Trockensein heute einfach dir und deinem Wesen entspricht, das ist mein Ziel. Darf ich dich fragen, ob es in deinem Leben tatsächlich keine Situationen mehr gibt, in der dieses kleine Stimmchen dir zuflüstert, dass es mit einem Glas Wein doch noch schöner, entspannter, lustiger sein könnte?

    Ich denke darüber immer mal wieder nach. Es gab noch lange diese Gedanken bei mir. Jeder hat vermutlich so seine eigenen inneren Bilder, Bilder voll Glück oder Zufriedenheit, in denen Alkohol eine Rolle spielt. Bei mir war es der milde mediterrane Sommerabend mit leicht im plätschernden Wasser schaukelnden Fischerbooten, Stimmengemurmel an den Tischen vor dem Restaurant, noch von der Sonne des Tages warme Haut, der Geruch von Knoblauch und gegrilltem Fisch.
    Als ich etwa drei Jahre trocken war, saß ich in genau so einer vergleichbaren Situation in einem Fischerhäfchen (allerdings am Atlantik) und stellte fest, dass ich tatsächlich nicht mehr glaubte, dass ein Glas Wein diese Situation noch schöner und entspannter machen würde. Das war ganz toll.

    Und ich hatte auch nicht unbedingt damit gerechnet, denn ich kenne auch (langjährig trockene) Alkoholiker, die von sich selber sagen, dass sie das Glas Wein gerne wieder tränken, wenn sie denn nicht alkoholkrank wären.
    Daher weiß ich, dass es auch nicht schlimm wäre, wenn ich auch mal wieder eine Situation erleben sollte, in der ich den Alkohol vermisse. Derzeit ist es aber nicht so.

    Ich empfinde meine Trockenheit als getragen von verschiedenen Säulen. Eine wichtige: Ich darf so leben, dass es mir gut geht. Und eine zweite wichtige ist die Erinnerung an die entsetzliche Zeit, in der ich der Sucht ausgeliefert war. Dahin will ich nie mehr zurück.

    Ich wünsch dir heute einen schönen Pfingstsonntag!

    Camina

    Hallo Tanja,

    ich bin Alkoholikerin und in einer gemischten SHG mit Alkoholikern und Angehörigen. Manchmal haben wir gemeinsame Gruppenabende, aber regelmäßig auch getrennt.
    Das Gute am Austausch in einer Gruppe ist, dass die anderen, die ebenfalls alkoholkrank oder Angehörige eines Alkoholkranken sind, einfach so gut verstehen können, wie es mir als Betroffener geht. Sich verstanden fühlen, sich nicht allein mit dem „Problem“ fühlen, ist sehr hilfreich.

    Ich wünsch dir alles Gute und dass du eine gute Gruppe für dich findest, in der du dich verstanden und gut aufgehoben fühlst!

    Viele Grüße
    Camina

    Liebe Bluebird,

    vielen Dank für deine Vorstellung und die Beschreibung deiner Entwicklung in Bezug auf deine Sucht/ Süchte.

    Ich fühle mich von dem, was du schreibst, angesprochen, teilweise an mich erinnert, und ich wünsche dir hier einen guten Austausch.

    Ich würde dir gerne schreiben, wie es für mich vor einigen Jahren war, als ich mit Trinken aufhörte: Wie lange es „von Tag zu Tag“ ging. Aber das weiß ich nicht mehr genau.

    Entscheidend war für mich gerade am Anfang unter anderem, dass ich mir klar machte, dass dieses Sehnsuchtsgefühl, als das ich Suchtdruck tatsächlich wahrnahm, zunächst mal einfach der Krankheit in mir (Alkoholkrankheit) geschuldet war. Dass dieser Gedanke (anfangs eben auch sehr drängend, zwanghaft), Alkohol zu trinken wäre jetzt genau das, was ich brauche, ein Trugbild in meinem Hirn war.

    Erst mit einigem zeitlichen Abstand von meinem Suchtmittel Alkohol konnte ich mich überhaupt erst mit den tieferliegenden Themen wirklich beschäftigen. Selbstakzeptanz. Sehnsucht nach Selbstbestimmtheit. Verschiedene Mangelgefühle in mir. Etc.

    Insofern ist meine Erfahrung mit mir, dass es für mich (im Nachhinein betrachtet) richtig zu sein scheint, die Entwöhnung vom konkreten Suchtmittel (Alkohol) an die erste Stelle gesetzt zu haben, und nicht (wie schon in anderen Versuchen vorher) versucht zu haben, den „Klick im Großen Ganzen“, „herbeizudenken“.

    Als ich nach und nach immer mehr Abstand gewann, nahm dann mein „seelisches Trockenwerden“ immer mehr Fahrt auf. Ich konnte mich nach und nach um meine tieferen Ängste und Sehnsüchte kümmern und mein Leben teilweise innen, teilweise auch äußerlich so verändern, dass ich meinem Wesen gerechter werden konnte.

    Und so ist es auch bei mir seit geraumer Zeit kein Kampf mehr, sondern trocken zu leben ist das, was mir heute entspricht.

    Ich wünsche dir ganz viel hilfreichen Austausch, denn die Beschäftigung mit dem Thema hat mir von Anfang an sehr geholfen, gerade auch im Austausch mit anderen Alkoholikern.

    Alles Gute,
    Camina

    Liebe Phoenix,

    auch von mir herzlich willkommen, und herzlichen Glückwunsch du deinem Entschluss!

    So wie Gerchla fühlte ich mich durch deine Schilderung auch an mich selbst erinnert. Ich habe auch heimlich getrunken und dabei sehr lange ziemlich gut funktioniert, bis es halt nicht mehr funktioniert hat. Die Scham und die Angst und das zerstörte Selbstwertgefühl kenne ich sehr gut.

    Aber es wird besser, wenn du dich jetzt auf den Weg machst. Toll, dass du so zügig deine Reha beginnen kannst. Hast du bis dahin weitere Termine in der Suchtberatung zu Gesprächen?

    Ich freu mich, weiter hier von dir zu lesen, und wünsche dir einen guten Austausch hier und insgesamt alles Gute!

    Camina, w, 50, trocken seit Ende 2013

    Liebe Paperplane,

    gut, wenn du dranbleiben willst! (Willst du dranbleiben?)
    Und gut, dass du deinen Mann jetzt eingeweiht hast. (Ich kann mich an ganz ähnliche, schambesetzte Situationen erinnern.)

    Hattest du bei deiner Freundin denn Suchtdruck, oder wie kam es dazu, dass du das erste Glas getrunken hast?

    Zitat

    Ich muss mich einfach zusammen reißen.

    Hüstel. Hat das denn in der Vergangenheit gereicht? Ich hab mich auch immer „zusammenreißen“ wollen. Hab ich jahrelang versucht.

    Vielleicht wäre ja auch eine stationäre Therapie etwas für dich. Ist die Psychologin denn Suchttherapeutin?

    Herzliche Grüße,
    Camina

    Hallo Paperplane,

    Wenn du dich unsicher fühlst, würde ich einfach zuhause bleiben. Du bist ja gerade erst wieder ein paar Tage trocken. Es gibt noch genug Gelegenheiten, an Feiern teilzunehmen.

    Aber ich schreib dir nur, wie ich es machen würde (gemacht habe).

    Wenn du hingehst, denk dran, dass du auch jederzeit wieder gehen kannst.

    Gruß, Camina

    Liebe Charlotte,
    nur kurz, weil ich gerade unterwegs bin ... meinst du mit deinem letzten Eintrag, dass du es alleine nicht schaffst, trocken zu werden?

    Falls es so sein sollte, ist das dich auch eine wichtige Erkenntnis für dich, auf der du aufbauen und den nächsten Schritt planen kannst.

    Zum Beispiel eine Entgiftung.

    Bleib dran. Nur eben anders als gedacht. Du kannst das schaffen und brauchst es nicht alleine anzugehen, sondern kannst dir (mehr) Hilfe holen.

    Schreib doch nochmal mehr, vielleicht missverstehe ich dich ja auch.

    Alles Gute,
    Camina

    Hallo Mikal,

    herzlich willkommen hier. Ich bin seit ein paar Monaten hier im Forum und seit ein paar Jahren trocken.

    Du schreibst, dass es dir „alles in allem viel besser“ geht als vorher. Magst du dazu noch ein bisschen was schreiben? Was genau ist besser als vorher? Hilft es, darüber nachzudenken, was alles besser ist, wenn Gedanken an Alkohol auftauchen, so wie heute?

    Ich hab auch noch eine Frage (wenn du magst): du schreibst, du besuchst regelmäßig eine SHG und das hilft dir. (Geht mir übrigens auch so.)
    Wenn du aber öfter mal mit Traurigkeit und sogar Depressivität zu tun hast, vielleicht wäre es auch eine Idee, eine Therapie zu machen?

    Wie gestaltest du denn dein Leben, seit du trocken bist?

    Ich wünsche dir eine gute Nacht und gratuliere auch noch zu den 21 Monaten (bald zwei Jahren) Abstinenz!

    Viele Grüße
    Camina

    Hallo Charlotte,

    willkommen! Ich bin weiblich, fast fünfzig und auch Mutter. Und Alkoholikerin, trocken seit Ende 2013.

    Du schreibst, dein Hausarzt weiß Bescheid. Habt ihr mal über eine Entgiftung und anschließende Entwöhnungstherapie gesprochen?

    Ich freu mich, mehr von dir zu erfahren, und wünsche dir hier ein hilfreiches Lesen und Schreiben.

    Viele Grüße,
    Camina

    Hallo Paperplane/Kunstblume,

    ich freue mich richtig, dass du dich wieder angemeldet hast. Und dass du dich auf den Weg gemacht hast, trocken zu werden.

    Zu deiner Wehmut kann ich schreiben, dass ich das verstehe. Anfangs dachte ich (auch?), dass die schönen Zeiten ohne Alkohol weniger schön und die schlimmen Zeiten noch schlimmer sein würden. Zum Glück ist das Gegenteil der Fall. Aber es dauerte einige Zeit, bis ich das erkennen konnte.

    Hast du außer dem Besuch bei der SHG noch irgend welche anderen Schritte unternommen?
    Bei einer Suchtberatung könntest du dich über Therapiemöglichkeiten informieren und dir dadurch noch mehr Hilfe an deine Seite holen.

    Wie sieht deine Wohnsituation aus? Ist dein Zuhause alkoholfrei? Das war für mich am Anfang sehr wichtig, und ist es tatsächlich bis heute.

    Alles Gute und Gratulation zu den ersten sieben Tagen!

    Gruß,
    Camina

    Liebe Kunstblume,

    nun hast du dich schon wieder abgemeldet. Ich möchte dir trotzdem noch schreiben, dass du nicht verzweifeln musst, denn du musst den Weg zwar selber gehen, aber du kannst dir helfen lassen. Geh zum Arzt und leg die Karten auf den Tisch. Mach einen qualifizierten Entzug. Und lass dich in einer Suchtberatungsstelle über Therapiemöglichkeiten beraten.

    Du kannst es schaffen, glaub mir.

    Alles Gute,
    Camina

    Liebe Kunstblume,

    ich war vor vier Jahren noch nicht hier im Forum, aber ich habe mir deine Beiträge mal durchgelesen.

    Es ist gut, dass du es erneut angehen willst, trocken zu werden. Viele (auch ich) haben es nicht im ersten Anlauf (dauerhaft) geschafft.

    Aber wie Greenfox schon schreibt, „es“ geht nicht von selbst, du musst den Weg schon selber gehen.

    Wie sehen deine nächsten Schritte aus?
    Morgen früh zum Arzt?

    Ich wünsch dir alles Gute!

    Camina
    trockene Allkoholikerin und Mutter

    Danke, Greenfox, für den link. Habe mir den anderen Thread auch nochmal durchgelesen.

    Zitat von „Gerchla“

    Das es nicht viel braucht um zufrieden und glücklich zu sein, das habe ich auch erleben dürfen. Als ich aufhörte empfand ich jeden Tag wie ein Geschenk, zu spüren, wie es mir erst körperlich, später auch seelisch immer besser ging, empfand ich als Glück pur.

    Das empfinde ich auch oft so.

    Und die Trockenheit ermöglicht mir ja auch erst, Glück über anderes zu empfinden, weil ich es nur trocken überhaupt - wirklich - wahrnehmen kann. Großes und Kleines - meine Liebe zu meinem Kind oder ein Rotkehlchen auf der Terrasse.

    Glückliches Wochenende! :)

    Camina

    Guten Morgen,

    ich bin glücklich (zufrieden) trocken und glücklich (zufrieden) mit mir, weil ich mein Leben und meine Eigenverantwortung darin annehme.

    Nicht zufrieden oder glücklich bin ich auch über viele äußere Umstände, die ich teilweise beeinflussen kann, großenteils aber auch nicht. Diese Konflikte (Unzufriedenheit) haben aber nichts mit meinem grundsätzlichen, auf mich selbst bezogenen Lebensglück zu tun.

    Einen hellen Frühlingsfreitag wünsche ich!

    Camina