Hallo VIT,
deine Geschichte und die Frage, die du stellst, berührt mich sehr. Ich selbst bin trockene Alkoholikerin und erkenne mich in einigem, was du von deiner Frau schreibst, wieder.
Meine Ehe ging vor einigen Jahren auseinander, und erst danach konnte ich (bisher) dauerhaft mit dem Trinken aufhören. Die Not, die du beschreibst, hatte mein Exmann auch. Und genau wie (vermutlich) deine Frau erlebte ich damals alle Versuche meines Exmannes, mir das Trinken „wegzunehmen“, als Angriff, gegen den ich mich mit allen Mitteln wehren „musste“. So ist die Sucht.
Es kann sein, dass deine Frau jetzt (eine Weile) nicht mehr trinkt. Es kann aber auch sein, dass sie, wie du befürchtest, nur noch heimlicher weiter trinkt.
Das Vertrauen scheint bei euch zerstört. So war es auch bei uns.
Auch ich wollte mich schon mindestens ein Jahr vor der endgültigen Trennung von meinem Mann trennen, habe aber dann - ebenso wie deine Frau - einen Rückzieher gemacht. Auch bei uns hat unser gemeinsames Kind dabei natürlich eine große Rolle gespielt.
Bei mir war es so, dass mein Alkoholismus sehr lange von mir verheimlicht werden konnte, und für mein Unglücklichsein in der Ehe noch andere Faktoren eine Rolle spielten. Am Schluss, als dann meine Sucht zutage trat, und sein Misstrauen verständlicherweise sehr groß, war dann alles ein großes Chaos und eine nicht mehr aufzulösende Gemengelage.
Im Nachhinein bin ich überzeugt, dass die Trennung damals die einzige Möglichkeit war, bei aller Verletzung, die dadurch unserem gemeinsamen Kind entstanden ist. Hätten wir uns nicht getrennt, wäre die Verletzung größer. Heute lebe ich alleinerziehend mit meinem Kind, seit sechs Jahren trocken. Der Kontakt zum Vater besteht sehr regelmäßig.
Ich weiß ja nicht, warum deine Frau sich von dir trennen wollte (und sogar schon eine Wohnung gesucht hat). So wie du es beschreibst, konnte sie es dir auch nicht wirklich verständlich machen.
Wenn sie jetzt (offiziell) abstinent ist, wäre es vielleicht eine Idee, eine gemeinsame Paarberatung in Anspruch zu nehmen. Dort könntest du auch (moderiert vom Mediator) deine Ängste, dein Misstrauen, deine Befürchtungen loswerden, und ebenso hat sie diese Möglichkeit.
Aus meiner Erfahrung mit mir selbst weiß ich, dass nichts etwas hilft (half), solange ich nicht selbst mit mir schonungslos ehrlich bin (war). Ob deine Frau das zur Zeit kann, oder ob sie zu tief in der Sucht steckt, so wie ich es auch lange tat, weiß ich nicht.
Ich finde es ganz großartig, dass du dir selbst Beratung und Hilfe suchst. Das ist auch das Beste, was du für dich, für eure Kinder, und letztlich auch für deine Frau machen kannst.
Alles Gute und viel Kraft Dir!
Camina