Beiträge von Brit

    Hallo Caroline,

    Zitat

    Wie äußert sich denn Dein nasses Denken? Was geht da in Dir vor?


    Alleine der Gedanke: jetzt könntest du am liebsten einen trinken....ist für mich nasses Denken.

    Guten Morgen und danke für die herzliche Aufnahme!
    Gern möchte ich was über mich erzählen:
    In den 70er bin ich mit Alkohol groß geworden, Alkohol war „normal“ in der Familie, im Sport, zu Hause, einfach überall. Mein Vater war ein Narzisst und tolerierte nur das, was in seinem Sinne war. Schon als Kind wollte ich alles richtig machen, nur um zu „gefallen“. Mein jetziger Mann wurde mir von „ihm“ empfohlen. Wir sind jetzt fast 3 Jahrzehnte verheiratet und haben ein tolles Kind, das seinen Weg ohne Alkohol/Drogen macht. Mein Mann trinkt keinen Alkohol und wenn, dann das Glas Bier zur Zigarre. Er würde nie alleine oder heimlich trinken. Das weiß ich. Warum auch? ER lebt ja SEIN Leben.
    Viel zu spät habe ich gemerkt, dass „er“ genauso ein Narzisst wie mein Vater ist. Er hat mich geformt und manipuliert mich noch heute. Meine Bedürfnisse habe ich mich nie getraut zu äußern. Es lief ja alles gut?! Diese scheiß Gefühle habe ich mir schön getrunken. Ich gebe niemanden die „Schuld“ für mein Trinken. ICH habe getrunken ! Irgendwann fragte ich mich: Warum? Ist das dein Leben? NEIN!!!
    Nachdem ich meinen Tiefpunkt erreicht hatte, ging ich mit angesoffenen fast 3 Promille in die Klinik.
    Ich machte die klassische Entgiftung und eine ambulante Suchttherapie.
    Ich „outete“ mich im engsten Familienkreis. Ich bat meinen Mann, mir in der Therapie beizustehen. (Angehörigenstunden gehörten zu Therapie) Tja, das war es dann: er gab mir deutlich zu verstehen, dass er sich für mich schämt, und niemals in solche „Einrichtung“ gehe. Meine „ICH-Botschaften“ haben/hatten leider keinen Erfolg. Das macht mich sehr traurig. Aber wie kann das einer verstehen, der nicht unter dieser Krankheit leidet? Bitte versteht mich nicht falsch, er ist ein guter Ehemann und Vater, aber es zählen nur seine eigenen Befindlichkeiten. „Nasse“ Gedanken gefährden meine Abstinenz. Das darf ich auf keinen Fall zulassen!!!
    Danke fürs Lesen

    Guten Morgen,
    mein Name ist Britt, bin in Mitte der 50er und seit mehreren Jahren abstinent. Ich habe eine ambulante Suchttherapie hinter mir, besuche aber keine SHG.
    Das Lesen hier hilft mir sehr, besonders die Beiträge von dir, lieber Gerchla, du bist ganz besonders und vor allem sehr sehr einfühlsam. Ich bewundere dich. Ich schaffe es nicht, mich nach vielen Jahrzehnten von meinem Mann zu trennen. Ich weiß aber ganz tief in mir drin, dass es sein muss?! In seiner Gegenwart denke ich "nass" und solange ich so denke, bin ich nicht zufrieden abstinent. Das macht mir Sorgen.