Beiträge von Brit

    Hallo Sonnenkäfer,
    ich bin Britt, Mitte 50, alkoholkrank.
    Du hast deine Entscheidung dich mit deinen „Freunden“ zu betrinken schon vor längerer Zeit und ganz bewusst getroffen.
    Du freust dich schon seit Monaten auf dieses Wochenende.
    Endlich ohne Familie und Verantwortung mal so richtig im Vollrausch einen Drauf machen. Also tu es auch, wenn du mit den Konsequenzen leben willst und kannst.
    Ich denke wir können dir hier sonst was erzählen, es würde nichts bewirken.
    Du bist leider noch nicht soweit..
    Aber eins möchte ich dir noch schreiben: Du wirst nach diesen Besäufnissen "ganz klein", jämmerlich, selbstmitleidig und unsicher nach Hause kommen. Mit Wut im Bauch, Schuldgefühlen, Selbstzweifeln, Scham, das Gefühl des Versagens, schlechtem Gewissen, das Gefühl unfähig zu sein und es wieder nicht geschafft zu haben. Ja, die ganze Palette ganz mieser Gefühle werden auf dich eindreschen und der Krieg im Kopf wird schlimmer und schlimmer…und die ganz Enttäuschung über dich selbst wird mit dem nächsten Griff zu Flasche enden.

    Willst DU das?

    Lieben Gruß von Britt

    Hallo in die Runde,

    es war April 2019, als ich meine 2. ambulante Suchttherapie in der hiesigen Suchtambulanz begann. Ein Vorfall Ende 2018 und andauernder Suchtdruck waren Auslöser, dass ich mich im Januar 2019 für eine Woche in die "Käseglocke" des Psychiatriezentrums hab einweisen lassen. Dort konnte ich zusammen mit Therapeuten reflektieren, warum ich eine Achterbahn der Gefühle durchlebte und warum ein "richtiger Rückfall" früher oder später sehr wahrscheinlich gewesen wäre. Mir ist bewusst geworden, dass ich nach 5 Jahren Abstinenz in alte Gewohnheiten zurückgefallen bin. Ich habe Gelerntes aus meiner 1. Therapie 2014 schlichtweg nicht mehr in der Praxis umgesetzt. Ich habe nicht mehr an mir gearbeitet. Für mich war aber klar, dass ich mein bis dahin so frei bestimmtes Leben auf keinen Fall wieder hergeben wollte.
    Deshalb entschied ich mich für eine nochmalige Therapie.
    Gestern nun hatte ich die letzte Gruppenstunde und die ärztliche Abschlussuntersuchung. Mit ein wenig Wehmut muss ich nun Loslassen. Loslassen von wunderbaren Gruppenmitgliedern und einer tollen Therapeutin. Es war eine Gruppe, in der ich mich aufgehoben fühlte. Wir waren füreinander da. Wir haben einander zugehört und aussprechen lassen. Ich fühlte mich mit all meinen Sorgen und Ängsten ernstgenommen. "Gesprochenes blieb im Raum" und ich konnte meine Gefühle aussprechen - ohne irgendwelche Rechtfertigungen, Angriffe , Vorwürfe oder abwertenden Bemerkungen.
    Es wurde nicht darüber diskutiert, wer Recht hat oder was wirklich wahr ist.
    Die subjektive Sicht eines Jeden durfte bleiben - ein Übungsstück für Toleranz und Achtung vor dem Anderen.
    Wir trafen gemeinsam Entscheidungen. Die Gruppe lebte davon, dass wir je nach Fähigkeit und momentaner Befindlichkeit eines Jeden aktiv themenzentriert arbeiteten.
    Es waren Themen wie "gesunder Egoismus", "zufrieden Abstinenz", Kommunikation
    (4-Ohren Prinzip), Selbstfürsorge, Selbstliebe, Gefühle, ICH-Botschaften, Bewältigungsstrategien zur psychischen Stabilität , Achtsamkeit u.v.m.
    Wir sind mit unseren geteilten Erfahrungen zusammengewachsen.
    Es war eine Gruppenatmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung und genau das ist m.E. die Voraussetzung für (m)eine persönliche Weiterentwicklung.

    Ich werde nun alleine aber weiterhin unbeirrt MEINEN Weg -und der ist nicht verhandelbar- in die Freiheit ohne Sucht gehen.
    Und dabei wünsche ich mir selbst Hartnäckigkeit, Geduld und Ausdauer.

    Bleibt oder werdet gesund :sun:

    P.S: Danke, dass ich auch hier in diesem Forum tolle Menschen kennen lernen durfte,
    die mich bis hierhin mit Ihrem Wissen um die Sucht begleitet und zusätzlich unterstützt haben.


    Hallo Britt,
    Hier bei mir im Ort findet seitens der Suchtberatung keine Kurse statt. ...Genau. Corona ist nur eine Ausrede....
    Tatsächlich kommt mir persönlich (und ganz egoistisch betrachtet) die Corona-Zeit entgegen...
    Von daher warte ich ab, bis eine Präsenz-Therapie wieder möglich ist und improvisiere in der Zwischenzeit weiter.


    Hallo Martin,
    bei uns ist die Präsenz-Therapie wieder möglich. Kurse finden also wieder statt.
    Bist du immer noch am improvisieren oder geht es voran mit deiner strukturierten Therapie?

    Lieben Gruß von Britt

    Hallo Tinka,

    wie sieht es denn bei euch aus?
    Hat dein Partner nicht heute den Termin beim Arzt? Konnte er die Zeit bis heute trocken bleiben?
    Ich wünsche euch , dass alles klappt.

    Lieben Gruß von Britt

    Moin Schnisskettchen,

    ich möchte es nur verstehen nixweiss0
    noch vor 2 Tagen hast du dich gegen eine stationäre Langzeit gesträubt, weil du arbeitslos bist.
    Wer bearbeitet denn jetzt deinen Antrag? Ist es die Beratungsstelle, in der du "rausgeflogen" bist?
    Oder warst du schon bei der Caritas? Wolltest du da nicht diese Woche hin?
    Ich meine, warum sollte die Krankenkasse/Sozialhilfeträger deinem Antrag zustimmen, wenn du wiederholt nicht bereit bist, ein Therapiekonzept anzunehmen?

    Lieben Gruß von Britt

    Hallo Schnisskettchen,
    herzlich willkommen hier in diesem Forum.
    Ich bin Britt, Mitte 50 und alkoholkrank. Zur Zeit bin ich in der 2. Ambulanten Suchttherapie. Auch bei mir hat es mit der Abstinenz nicht auf Anhieb geklappt.
    Ein Rückfall ist nicht peinlich.
    Also wenn ich ehrlich bin, hatte ich beim Lesen deiner Beiträge das Gefühl: irgendetwas stimmt da nicht....

    Zitat

    ...Jetzt bin ich letztes Jahr im August in die dritte ambulante Therapie gestartet. Die ich jetzt aufgrund zu vieler Rückfalle beenden musste.…dass ich den Stationären Aufenthalt, der bei einem dritten Rückfall blüht, noch als Urlaub ansehen würde. Patienten bei Rückfällen so hart zu sanktionieren und den Abstinenzwillen in Frage zu stellen ….


    Keiner kann dich zu etwas zwingen! Du bist frei bei jeder Entscheidung, die du triffst (wenn du mit den Konsequenzen leben kannst).
    In meiner Gruppe gab es 2 Rückfälle. Rückfälle gehören zur Krankheit. Als ich damals die Anträge unterschrieb, unterschrieb ich auch, dass ich während der Therapiezeit nicht konsumiere. Kommt es aber während der Therapiezeit zu selbst gemeldeten Rückfällen, hat es sehr wohl Auswirkungen auf das weitere therapeutische Vorgehen. Eine "disziplinarische" Entlassung gibt es aber in den wenigsten Fällen. Kenne ich jedenfalls nicht. Hauptziel eines guten Therapeuten sollte sein, den Patienten bei einer möglichst raschen Überwindung ihres Rückfalls zu helfen bzw. den Rückfall zu reflektieren:
    • ein Rückfall kann ein falsches therapeutisches Vorgehen bedeuten
    • ein Rückfall kann Ausdruck einer generellen Abstinenzunwilligkeit sein
    • ein Rückfall kann eine momentane Überforderung sein
    • ein Rückfall kann Bestandteil eines interaktionellen Konflikts zwischen Patient und Therapeut sein

    Die 2 Rückfallpatienten in meiner Gruppe hatten übrigens behördliche Auflagen zum Antreten einer Therapie. Sie mussten also von Rechts wegen,
    von eigenem Willen keine Spur. Ich empfand diese Patienten als sehr unangenehm.
    Das Ziel einer guten Suchtberatung sollte m.E. sein, dass der Therapeut zusammen mit dem Patienten die „richtige“ Behandlungsmöglichkeit findet. Ich frage mich, warum dir der Kostenträger (in deinem Fall wohl die Krankenkasse oder die RV) innerhalb von 9 Jahren 3 ambulante Therapien genehmigt hat ? Muss man nicht 4 Jahre warten? Ist dir (und deiner Therapeutin) noch nie in den Sinn gekommen, dass eine ambulante Therapie für dich offensichtlich keine Erfolgschancen hat?
    Warum hast du die Therapeutin nicht gewechselt, wenn du mit ihr nicht klar kommst?
    Das wird in jeder guten Suchtberatung respektiert.
    Bist du für andere Behandlungsmöglichkeiten offen? Hast du denn alle Informationen über Möglichkeiten einer Behandlung bekommen?
    Ich denke, ein individuelles Therapiekonzept sollte im Laufe einer Behandlung regelmäßig überprüft und Ziele gegebenenfalls neu bewertet und angepasst werden.
    Aber es liegt auch an dir, „mitzuarbeiten“. Du tust nicht, was du willst...

    Gib nicht auf - finde Wege!
    Bleib oder werde gesund!


    Hallo Britt,
    ich musste das erstmal sacken lassen. Als ich deine Antwort das erste Mal gelesen habe, war ich sauer. Aber ich wollte das mit dem Gefühl nicht kommentieren.
    Bei mir kam das mal wieder sehr vorwurfsvoll an. "Du sendest zu viele Du-Botschaften, versuch es doch mal mit Ich-Botschaften".


    Hallo Tinka,
    danke, dass du trotzdem geantwortet hast.
    Kennst du dieses Modell? (Fr. Schulz von Thun)

    Dazu kopiere ich einfach mal einen Beitrag aus meinem Thread aus 11/19 hierein:

    Sorry, wenn ich dich verletzt haben sollte.
    Alles Liebe Britt

    Hallo in die Runde!
    Ich habe in der Krise gelernt, dass ich nie sicher bin. Weder nach vielen Jahrzehnten Frieden,
    Wohlstand und nicht sicher trotz unseres großartigem Gesundheitssystems.
    Ja, ich werde auch nicht sicher sein, ob ich mich durch auftretende Suchtgedanken in einen Rückfall treiben lasse…
    Ich wünsche allen einen nicht zu steinigen Weg in die „neue Normalität“ im Rahmen der vorgegebenen Denkmuster.

    Bleibt oder werdet gesund!
    Britt :sun:

    Hallo Otto,

    Ich finde deine Posts ganz wichtig. Manche hier Lesende wissen nämlich gar nicht, dass sie nach der neurologischen und psychiatrischen Beurteilung auch an einer zusätzlichen Störung erkrankt sind.
    Mir macht es wieder mal klar, was Rauschmittel mit einem machen.
    Wie langjähriger und exzessiver (polytoxer) Konsum von Drogen Hirnschäden davon tragen.
    Ich habe mal gelesen, dass statistisch gesehen jeder dritte Alkohoholiker auch Psychosen hat.
    Deine Beiträge sind in meinen Augen durch Halluzinationen, Wahn, Realitätsverlust und Ich-Störungen gekennzeichnet. Bei deinem akuten Psychosezustand, dem auch der Verlust der Krankheits- und Behandlungseinsicht einhergeht, ist m. Mng. nach eine Akutbehandlung in einem geschütztem Rahmen (geschlossene Station) unumgänglich.

    Alles Liebe dir
    Bleib oder werdet gesund!

    Weiß du liebe Tinka, mir geht deine Geschichte nicht aus dem Kopf und ich möchte dir nochmal einige Gedanken dazu da lassen.
    Vielleicht hast du meinen Thread ja schon gelesen. Ich schreibe dir also aus der Sicht eines Alkoholikers mit Therapieerfahrung. Du schreibst ja selber, dass du nicht nachvollziehen kannst, wie ein suchtkranker Mensch so tickt. Suchttherapeuten und "Profis" in SHG können dies. Dein Partner ist nicht nur Alkoholiker, sondern leidet auch an Depressionen.
    Was war zuerst da „Henne oder „Ei“ ?
    Wie dem auch sei, eine ungute Kombination, die förmlich nach Hilfe schreit.
    Was mir in deinen Posts auffällt ist, dass du viele (versteckte) „DU“ Botschaften verwendest.
    „DU“-Botschaften verletzen. Mein Mann spricht auch so mit mir.
    Ich habe immer das Gefühl, er wertet mich damit ab. DU-Botschaften sind moralische Vorwürfe, ich fühle mich angegriffen und reagier(t)e dementsprechend. Entweder mit Gegenangriff oder ich fraß meine Gefühle in mich rein und/oder trank. Also weiter in die nächste Eskalationsrunde. In der Therapie hörte ich dann das erste Mal von empathieauslösenden „gewaltfreien“ ICH-Botschaften. Ich habe gelernt, meine Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle zu spüren und in Worte zu fassen. Will sagen: heute bin ich in der Lage, ein Verhalten, dass mich stört, möglichst neutral, konkret und ohne irgendeine Bewertung, Erwartung oder Drohung an mein Gegenüber zu kommunizieren.
    Hier mal ein Beispiel: Du schreibst u.a.:

    Zitat

    Entweder du lässt dich einweisen oder ich zieh aus. Und das meinte ich absolut ernst… Ich hab ihn gestern in den Hintern getreten, dass wir die Anträge fertigmachen….Da er nachts nicht geschlafen hat (verbunden mit jeder Menge Lärm) hab ich auch nicht geschlafen. Und das ist auf Dauer die Hölle. Von daher sag ich ihm ganz klar, dass ich das auf diese Weise nicht akzeptiere.


    Diese ICH-Formulierungen nehmen Konfliktpotenzial heraus:
    ...Schatz, ICH mache mir Sorgen um dich…ICH habe Angst…ICH kann nicht schlafen, wenn es so laut ist….ICH ärgere mich über…., das nimmt viel von meiner Energie….ICH wünsche mir...MIR ist aufgefallen.., ICH bin enttäuscht…

    Du schreibst außerdem:

    Zitat

    Er war auch soweit, dass er in eine stationäre Weiterbehandlung wollte. Für mich wäre das die beste Option, dann hab ich noch einige Wochen für mich. In den letzten 3 Wochen habe ich gemerkt, dass ich sehr gut allein sein kann und das tat mir wirklich gut….Ich möchte einfach wieder leben, ohne mir Gedanken zu machen, wie es ihm geht und wie viel er getrunken hat…Er sagte dann nur: Ja, du hast Recht und außerdem habe ich verstanden, dass du diese Zeit für dich brauchst. Sehr gut, da ist wohl doch was angekommen bei ihm. Ich brauch Zeit,um mir klarzuwerden, was da eigentlich noch an Gefühlen ist. Und welche es sind. Ich hatte wirklich die Hoffnung, dass es jetzt schnell geht und ich in den Monaten, wo er weg ist, Zeit hab, meine Gedanken und Gefühle zu ordnen. Ich möchte nicht mehr für ihn denken, für ihn entscheiden oder ihm vorschreiben, was er zu machen hat.


    Ganz wunderbare ICH-Botschaften! Hast du dies genauso so ehrlich auch deinem Partner gesagt?
    und (ist nur mein Gedanke): möchtest du denn nicht am liebsten ohne ihn leben?
    Noch etwas zu den Therapie-Themen Selbstfürsorge und gesunder Egoismus. Mein Mantra:

    ICH tue alles für mein suchtfreies Leben – für mich ! – nicht gegen jemanden !
    Meine Abstinenz ist das Wichtigste in meinem Leben !

    Der goldene Mittelweg wäre optimal, aber es gibt Dinge, die sind für mich nicht verhandelbar.
    So, jetzt gehe ich aber „aus den Köpfen anderer“ (Zitat von Greenfox). wikende091

    Bleibt oder werdet gesund!
    Britt


    Hallo Britt!
    Er kriegt von mir den Arschtritt, wenn er wieder anfängt den Tag zu verschlafen. Das geht in meinen Augen nicht. Ich habe einen geregelten Tagesablauf und das erwarte ich auch von ihm. Dazu gehört, dass er tagsüber was macht und nachts schläft.
    Das war ein Problem in der Zeit vor der Klinik. Da hatte er gar keinen Rythmus und das akzeptier ich nicht mehr.
    Sonst wäre ich ja wieder beim Thema Kontrolle und Vorschriften.

    LG Tinka

    Ok, dann habe ich etwas falsch verstanden und trotzdem:
    Warum ERWARTEST du von ihm, dass er den gleichen geregelten Tagesablauf wie du hast? Gerade in der Anfangszeit der Nüchternheit ist jeder Alkoholiker stark mit sich selbst beschäftigt. Selbstfürsorge und gesunder Egoismus stehen da ganz oben.
    Was soll er denn tagsüber machen, was DU akzeptierst und damit DU zufrieden bist? Deine Erwartungen beinhalten automatisch Kontrolle und Vorschriften. Ständig Erwartungen erfüllen müssen haben mein eigenes Ich behindert..u.a. ein Grund, warum ich trank.
    LG Britt


    ..Momentan kriegt er n Arschtritt, wenn er in alte Verhaltensmuster fällt (tagsüber schlafen und nachts wach sein) und seine Sachen nicht regelt. Ich unterstütz ihn bei den Anträgen, nicht weil ich ihm die Reha aufquatsche, sondern weil der Papierkram ein rotes Tuch für ihn ist.
    LG Tinka


    Hallo Tinka,
    wenn ich das richtig verstehe heißt das, DU machst den Papierkram und er schläft ?
    Alkoholiker gebrauchen (Not)Lügen und tausend Ausflüchte, wenn es darum geht, etwas nicht zu tun, wozu sie keine Lust haben. Indem du den Papierkram für ihn erledigst, übernimmst du seine Verantwortung.
    Er weist jegliche Verantwortung von sich. Er zeigt damit, dass er nicht die nötige Größe besitzt, um zu seinen eigenen Entscheidungen und Handlungen zu stehen.
    Willst du ihm Sicherheit vermitteln, wo keine ist? Du solltest ihm seine Verantwortung nicht abnehmen, aber du könnest ihn bei dem Papierkram unterstützend helfen. Warum bietest du ihm nicht deine Hilfe an? Ihr könntet den Antrag doch zusammen fertig machen? Wenn er die Reha wirklich will, ist es wichtig, dass er eigene Unzulänglichkeiten einsieht, zugibt und nach Lösungen sucht. Zudem gibst du ihm das Gefühl, dass du ihm etwas zutraust, er gut genug ist, etwas alleine in den Griff zu bekommen. Glaub mir, und da spreche ich aus eigener Erfahrung: Die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, macht ungemein frei.
    Ich wünsche euch alles Gute und richtige Entscheidungen :sun:

    Hallo Nordri,
    Ich bin Britt, Mitte 50 und alkoholkrank.
    Erst einmal möchte ich dir sagen, dass ich grundsätzlich jeden ernst nehme, der in diesem Forum Hilfe sucht.
    Jeder hat seine ganz eigene Geschichte in die Sucht hinein und hinaus.
    Du hast dein Thread-Thema „alkoholnaher Lebensstil“ benannt. Diese Formulierung wird ja nach Jellinek (hierzu gibt es auch ein Thema im Forum ) dem Beta-Trinkertyp zugeschrieben. Ein Beta-Typ oder auch Gelegenheitstrinker trinkt bei sozialen Anlässen große Mengen, bleibt aber sozial und psychisch unauffällig. Durch häufigen Alkoholkonsum entstehen gesundheitliche Folgen. Betatrinker haben einen „alkoholnahen Lebensstil“.
    Sie sind weder körperlich noch psychisch abhängig, aber gefährdet.
    In deinem Vorstellungbeitrag finde ich dich da aber nicht wieder.
    Dein Wunsch komplett mit dem Trinken aufzuhören, den haben fast alle Alkoholiker. Aber der Wunsch reicht leider nicht. Der feste Wille sollte schon da sein. Solange du die Schuld an deinem Trinkverhalten verschiedenen Systemen zuschreibst, wird es nicht klappen. Du ganz allein kannst/willst das erste Glas nicht stehen lassen. Kontrollverlust ist die Folge.
    Trinken ist eine eigene bewusste Entscheidung. Keiner zwingt dich, Alkohol zu trinken. Somit musst du auch mit den Konsequenzen leben.
    Da du, wie du selber schreibst, keine Strategien hast und alle „Systeme“ vergeblich versucht hast, wie du aus dem Teufelskreis herauskommst, kann ich dir leider keine weiteren Tipps geben.
    Vielleicht bist du noch nicht soweit, hast deinen Tiefpunkt (Point of no Return) noch nicht erreicht...
    Nur soviel: wenn schwermütige hypnotische Musik und Neuheidentum dich triggern, würde ich da ansetzen.
    Es wird sich nichts ändern, wenn du immer das Gleiche tust, dich dann aber wunderst, wenn sich nichts ändert.
    Ich wünsche dir einen guten Austausch hier.
    Bleib oder werde gesund!

    Hallo Tinka,

    ich bin Britt, Mitte 50 und alkoholkrank.
    Schön, dass du hierher gefunden hast.
    Als "die Trinkende" in meiner Beziehung kann ich nur sagen, dass ein paar Tage in der Entzugsklinik nicht wirklich etwas bringen.
    Dein Mann hat entgiftet. Er ist jetzt lediglich einige Zeit nüchtern, nicht mehr und nicht weniger. Nach einer Entgiftung fängt die eigentliche Bewältigung der Sucht erst an.
    Ich denke, es ist wichtig in einer Therapie (teil-vollstationär oder ambulant) einen dauerhaften Rückfall in problematisches Konsumverhalten zu verhindern. Abstinz heißt Veränderung der langfristigen Verhaltensmuster. Wenn alles so bleibt wie es ist, wird es zwangläufig zu einem Rückfall kommen. Es gibt Gründe für die Sucht.
    Daher mein Tipp für die nächsten Schritte:
    Entwöhnung-Nachsorge-und Selbsthilfe. Wenn dein Mann diese Schritte aus eigenem Willen und fester Überzeugung geht,
    hat er -und im besten Fall Ihr beide-eine gute Chance wieder zusammenzufinden.
    Aus Angehörigensicht wirst du sicher noch einige Antworten bekommen.
    Ich wünsche dir hier einen hilfreichen Austausch.
    Bleib oder werde gesund!
    Britt

    Hallo Martin,
    ich wollte keinesfalls despektierlich sein. Es tut mir Leid, wenn es bei dir so ankam.

    Zitat

    Einen Termin für die Erstberatung bekam ich erst im Februar. Da hatte deren mehrwöchige Therapie-Gruppe bereits begonnen, die nächste Ende März. Für die war ich angemeldet, dann kam Corona, also alles abgesagt. Zu meiner Betreuerin stimmt zum Glück die Chemie und sie bietet auch telefonische Beratung an für Fragen. Aber eine strukturierte Therapie findet jetzt nicht statt.


    Ich mache ja zur Zeit meine 2. Ambulante Suchttherapie und kenne mich daher ganz gut aus. Deine Aussage hat mich irritiert , weil der Zeitraum vom Erstgespräch bis hin zur Therapiegruppe mehrere Wochen dauern kann.
    Zugangsvoraussetzung für eine „Gruppe“ ist eine mehrwöchige Alkoholabstinenz. In dieser Übergangszeit habe ich die offene Motivationsgruppe
    (vielleicht meinst du ja diese ?) besucht .
    Zudem ist vorab viel Papierkram zu erledigen (u.a. ein Sozialbericht, Blutwerte des Arztes u.v.m.).
    Bis eine Kostenübernahme durch einen Leistungsträger erfolgt, kann es ebenso mehrere Wochen dauern.
    Warst du denn mit der Betreuerin in telefonischem Kontakt? Meine Gruppe kann übrigens mit den notwendigen Sicherheitsvorschriften
    in der Therapieeinrichtung am 5. Mai wieder beginnen.

    Zitat

    Und ich denke, ich werde hier jetzt erstmal etwas kürzer treten mit der Aktivität. In letzter Zeit habe ich mich vielleicht etwas zu viel mit dem Trinken beschäftigt.

    nixweiss0
    Beschäftigst du dich mit dem Trinken (hast du Suchtdruck?) oder beschäftigst du dich mit der Alkohol-ABSTINENZ ?
    In der Gruppe beschäftigst du dich auch viel „mit dem Trinken“….willst du da auch nach ein paar Tagen kürzer treten ?

    Bleib oder werde gesund!

    Hallo Martin,
    schön, dass du hierher gefunden hast. Ich bin Britt, Mitte 50 und alkoholkrank.
    Planlos herumdümpeln ist in der Tat keine gute Lösung.
    Du hast dich also schweren Herzens bei der Suchtberatung angemeldet !? Mit dem Erstgespräch kommst du sofort in eine strukturierte (geschlossene) Gruppentherapie? hmm...Nimmst du die telefonische Beratung der Suchtambulanz auch an?

    Zitat

    Normalerweise kaufe ich gerne Bücher, nehme mir aber dann keine Zeit mich tatsächlich hinzusetzen und zu lesen, so dass die sich hier sinnlos stapeln. Daher habe ich mir gestern ein Herz gefasst und mich bei Audible angemeldet und "Nüchtern" als Hörbuch erstanden. Das kann ich jetzt während meiner Spziergänge hören, was mir Spaß macht und zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt.
    An Sportmöglichkeiten hätte ich hier immerhin noch einen Heimtrainer, also so ein Fahrrad. Der ist zwar nicht gerade mein bester Kumpel, aber bei schlechtem Wetter gut zu haben. Wenn möglich bleibe ich aber bei meinen Spaziergängen, das passt schon.
    Auf meiner Todo-Liste steht noch: eine Meditations-/Hypnose-App (HypnoBox?) zu kaufen und vielleicht einen Youtube-Kurs in Tai Chi oder Yoga anzufangen.
    Das wären bisher die Bausteine meiner selbstgebastelten Therapie. Und hier und im Internet zu lesen natürlich.
    Über weitere Ideen und Erfahrungen, was Ihr am Anfang hilfreich fandet, würde ich mich auch freuen.


    Also, wenn ich ehrlich bin, halte ich von einer „selbstgebastelten“ Therapie überhaupt nichts. Die Arbeit am eigenen Ich braucht einen kompetenten Suchttherapeuten oder anderen Begleiter.
    Weißt du denn, wie du Gewohnheiten, Einstellungen und Erlebensweisen verändern kannst? Wie du den Teufelskreis zwischen psychischer Erkrankung und Substanzmissbrauch unterbrechen kannst?
    Meinst du wirklich, Bücher, Fitnessgeräte (die sowieso nur rumstehen) und Youtube-Kurse helfen dir raus aus der Alkoholsucht? Bezeichnest du dich denn selbst als Alkoholiker?
    Bist du ehrlich zu dir selbst oder willst du dir ein „Hintertürchen“ offen lassen?
    Ich kann nur von mir sprechen: Eine Therapie kann nicht selbstgebastelt sein. Meine elementaren Bausteine für ein suchtfreies Leben sind ENTGIFTUNG-MOTIVATIONSBEHANDLUNG und (Sucht)THERAPIE von begleitenden seelischen Störungen. Mit diesen Bausteinen konnte ich eine dauerhafte Abstinenzperspektive erarbeiten.
    SHG helfen mir heute dabei, mein stabiles Fundament zu halten.
    "Corona" ist nicht Schuld daran, irgendetwas nicht zu tun. Es gibt immer einen Weg, du musst nur wollen.
    Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem.

    Bleib oder werde gesund!

    P.S.

    Zitat

    So gehe ich nachts spazieren und bewerfe streunende Katzen mit Futter. Daher auch mein Benutzername, streunendeKatzenMitFutterBewerfer.


    nixweiss0 nixweiss0 nixweiss0