Weiß du liebe Tinka, mir geht deine Geschichte nicht aus dem Kopf und ich möchte dir nochmal einige Gedanken dazu da lassen.
Vielleicht hast du meinen Thread ja schon gelesen. Ich schreibe dir also aus der Sicht eines Alkoholikers mit Therapieerfahrung. Du schreibst ja selber, dass du nicht nachvollziehen kannst, wie ein suchtkranker Mensch so tickt. Suchttherapeuten und "Profis" in SHG können dies. Dein Partner ist nicht nur Alkoholiker, sondern leidet auch an Depressionen.
Was war zuerst da „Henne oder „Ei“ ?
Wie dem auch sei, eine ungute Kombination, die förmlich nach Hilfe schreit.
Was mir in deinen Posts auffällt ist, dass du viele (versteckte) „DU“ Botschaften verwendest.
„DU“-Botschaften verletzen. Mein Mann spricht auch so mit mir.
Ich habe immer das Gefühl, er wertet mich damit ab. DU-Botschaften sind moralische Vorwürfe, ich fühle mich angegriffen und reagier(t)e dementsprechend. Entweder mit Gegenangriff oder ich fraß meine Gefühle in mich rein und/oder trank. Also weiter in die nächste Eskalationsrunde. In der Therapie hörte ich dann das erste Mal von empathieauslösenden „gewaltfreien“ ICH-Botschaften. Ich habe gelernt, meine Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle zu spüren und in Worte zu fassen. Will sagen: heute bin ich in der Lage, ein Verhalten, dass mich stört, möglichst neutral, konkret und ohne irgendeine Bewertung, Erwartung oder Drohung an mein Gegenüber zu kommunizieren.
Hier mal ein Beispiel: Du schreibst u.a.:
Zitat
Entweder du lässt dich einweisen oder ich zieh aus. Und das meinte ich absolut ernst… Ich hab ihn gestern in den Hintern getreten, dass wir die Anträge fertigmachen….Da er nachts nicht geschlafen hat (verbunden mit jeder Menge Lärm) hab ich auch nicht geschlafen. Und das ist auf Dauer die Hölle. Von daher sag ich ihm ganz klar, dass ich das auf diese Weise nicht akzeptiere.
Diese ICH-Formulierungen nehmen Konfliktpotenzial heraus:
...Schatz, ICH mache mir Sorgen um dich…ICH habe Angst…ICH kann nicht schlafen, wenn es so laut ist….ICH ärgere mich über…., das nimmt viel von meiner Energie….ICH wünsche mir...MIR ist aufgefallen.., ICH bin enttäuscht…
Du schreibst außerdem:
Zitat
Er war auch soweit, dass er in eine stationäre Weiterbehandlung wollte. Für mich wäre das die beste Option, dann hab ich noch einige Wochen für mich. In den letzten 3 Wochen habe ich gemerkt, dass ich sehr gut allein sein kann und das tat mir wirklich gut….Ich möchte einfach wieder leben, ohne mir Gedanken zu machen, wie es ihm geht und wie viel er getrunken hat…Er sagte dann nur: Ja, du hast Recht und außerdem habe ich verstanden, dass du diese Zeit für dich brauchst. Sehr gut, da ist wohl doch was angekommen bei ihm. Ich brauch Zeit,um mir klarzuwerden, was da eigentlich noch an Gefühlen ist. Und welche es sind. Ich hatte wirklich die Hoffnung, dass es jetzt schnell geht und ich in den Monaten, wo er weg ist, Zeit hab, meine Gedanken und Gefühle zu ordnen. Ich möchte nicht mehr für ihn denken, für ihn entscheiden oder ihm vorschreiben, was er zu machen hat.
Ganz wunderbare ICH-Botschaften! Hast du dies genauso so ehrlich auch deinem Partner gesagt?
und (ist nur mein Gedanke): möchtest du denn nicht am liebsten ohne ihn leben?
Noch etwas zu den Therapie-Themen Selbstfürsorge und gesunder Egoismus. Mein Mantra:
ICH tue alles für mein suchtfreies Leben – für mich ! – nicht gegen jemanden !
Meine Abstinenz ist das Wichtigste in meinem Leben !
Der goldene Mittelweg wäre optimal, aber es gibt Dinge, die sind für mich nicht verhandelbar.
So, jetzt gehe ich aber „aus den Köpfen anderer“ (Zitat von Greenfox). wikende091
Bleibt oder werdet gesund!
Britt