Beiträge von Brit

    Moin,
    Ich dachte immer, dass ich zumindest im Privaten zu wenig Wertschätzung erfahre (auch ein Trinkgrund?). Aber was bedeutet dieses Wort eigentlich? Ich fühle mich gesehen? (Hohe) Anerkennung? Positives Feedback? Lob? Suchen nach Bestätigung? Ganz viele „Likes“? Erfolg? Geld?
    Ich finde, „Wertschätzung“ ist ein sehr diffuser Begriff, aber wie ich immer wieder höre auch ein Grundbedürfnis.
    Meine Gedanken: Kann ein Anderer meinen wahren Wert überhaupt ermessen? Was bin ich mit Mitte 50 noch wert? Müsste ich, wenn ich genug Selbstbewusstsein habe nicht selber wissen, wieviel „Wert“ ich (mir) bin? Ist ein „Wert“ nicht die Option auf eine geldliche Vergütung?
    Viele Fragezeichen, ich weiß…aber ich denke nicht mein „Wert“ sollte geschätzt werden, sondern meine „Würde“. Denn wenn meine Würde geschätzt wird, bin ich geschützt vor demütigen und entwürdigenden Handlungen. Mein Anspruch als Mensch in meinem Menschsein auf Achtung, auf Selbstbestimmung und Persönlichkeitsentfaltung wäre gegeben.

    Sorry, vielleicht viel Psycho-Gefasel am frühen Morgen, aber vielleicht mag ja jemand seine Gedanken dazu teilen?
    LG Britt


    Ich hab im Zuge meiner Therapien, bei Rückfälligen oder Abbrechern, oft gehört: Der hat seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht... Oder: Der muss noch Tiefer fallen, noch mehr verlieren...
    Ich denke das ist Bullshit. Sicher trifft das auf einen Teil der Süchtigen zu. Aber das geht sicherlich auch anders.

    Guten Morgen,
    wie könnte es denn deiner Meinung nach anders gehen?
    In meiner Gruppe hatte JEDER seinen ganz persönlichen Tiefpunkt.
    Als ich an meinem angekommen bin, ging es mir so schlecht, dass es nur zwei Möglichkeiten gab:
    Wollte ich so weiter leben oder wollte ich sterben?
    Ich lag in meiner ganz persönlichen Gosse und dieses Leben wollte ich nicht mehr.
    Der Weg zum Tiefpunkt ist m.E. von Kranken zu Kranken sehr unterschiedlich. Dem einen reicht der Jobverlust oder ein Schicksalsschlag.Der andere trinkt bis zur Obdachlosigkeit oder es ist einfach nur der schale Geschmack im Mund oder das Herzrasen, wenn man morgens aufwacht.
    Und warum sollte ein „Trinker“ überhaupt aufhören, wenn man mit sich im Reinen ist?
    Ich frage mich gerade, ob es was nützt, das jetzt hier abzuschicken, wenn jemand anscheinend noch nicht an seinemTiefpunkt angekommen ist,
    aber auf dem besten Weg dorthin ist.
    LG Britt

    Hallo Kasimir,

    vielen Dank für deine Rückmeldung! Schön, dass es dir so gut geht. Melde dich doch wieder mal 44.
    Ich wünsche dir weiterhin Standhaftigkeit und alles Beste!
    LG Britt

    Lieber Siegfried,

    ich gratuliere dir ganz herzlich nachträglich zum Geburtstag :heartBalloon:
    Auf in die nächsten 72 Jahre ;)

    Alles Liebe dir. Bleib oder werde gesund wünscht Britt

    Moin Susanne,
    da hat mich das Thema doch so beschäftigt, dass ich heute Nacht davon geträumt habe:
    Wir beide entwickelten ein Therapiekonzept à la Körkel. Kontrolliertes Kiffen und kontrolliertes Rauchen-
    selbstbestimmte Wege aus der Sucht...funktionierende Junkies rannten uns die Bude ein und wir machten richtig Kohle ;)

    Danke für`s Gespräch und nein, ich finde andere Meinungen nicht blöd, aber ich teile sie nicht immer...
    LG Britt

    Genau so wenig wie der Begriff "fahrlässige Sachbeschädigung" nicht im Strafrecht existiert, existieren die Begriffe "funktionierender Alkoholiker" und " kontrolliertes Trinken" nicht in den Behandlungsleitlinien
    (DG-Sucht) bei alkoholbezogenen Störungen. Hier heißt es u.a. :.... Ein Therapieziel kann nur erreicht werden, wenn es dem Suchtkranken Menschen nach der Therapiemaßnahme dauerhaft gelingt,
    abstinent zu leben... "

    Susanne, ich weiß nicht wirklich, was du mir sagen willst nixweiss0

    Ich finde man sollte durchaus unterscheiden zwischen einer schön gelegenen Kurklinik in der eine Reha max. 4 Wochen dauert und einer psychosomatischen Fachklinik für Suchterkrankungen.
    Hier sind mind. 16 Wochen Langzeittherapie angesagt! In der schönen Kurklinik wird auf die Therapieziele des Patienten eingegangen, in der Fachklinik mit Hauptindikation Sucht ist das Therapieziel die (zufriedene) dauerhafte Abstinenz. Das ist MEINE Erfahrung....funktionieren hin oder her...

    Susanne,
    Therapieziel ist IMMER die dauerhafte Abstinenz! und nicht das Funktionieren im Beruf.
    Bei Erwerbstätigen bezahlt i.d.R die Rentenversicherung, bei Rentnern bezahlt die Krankenkasse. Im Übrigen kann auch eine nicht berufstätige alleinerziehende Hausfrau und Mutter eine "funktionierende" Alkoholikerin sein. Auch ihr steht eine Therapie zu. Der Kostenträger ist je nach Fall ein anderer. Auch der Sozialhilfeträger kommt dafür auf. Ach ja, und dann gibt es auch die "Privaten" ;)

    Die Motivationsgruppe im Lukas-Werk kannst du OHNE Anmeldung besuchen. Einfach hingehen und dein Problem schildern.
    Oder du besuchst eine (oder mehrere) Selbsthilfegruppe? Auch dort hat man sicher ein offenes Ohr.
    LG

    Immer wieder lese (z.Bsp. bei Daniel Schreiber) oder höre ich den Begriff des „funktionierenden Alkoholikers“. Ich habe auch jahrelang geglaubt, dass ich funktioniere. Ich hielt mich für belastbar und war fest davon überzeugt, ich sei die beste Tochter, Schwester, Ehefrau, Mutter und Arbeitnehmerin. Aber wehe mir fehlte das Gefühl von Sicherheit, dann trank ich; wenn ich nicht schlafen konnte, trank ich; wenn ich Angst hatte, trank ich und wenn ich Erfolg hatte, dann trank ich eben auch…tagsüber funktionieren und abends heimlich saufen… Mein Umfeld merkte es nicht (oder doch ?).
    Ich finde, ein „funktionierender Alkoholiker“ funktioniert letztlich nur aus seiner eigenen Sicht. ICH glaubte nur zu funktionieren und war blind für meine eigene Sucht. Und die Tatsache, dass ich in Job und Alltag immer gut funktionierte, machte die Einsicht nur noch schwerer. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass viele den Kampf gegen den Alkohol niemals antreten? Es geht doch bei dieser Krankheit immer um den alkoholabhängigen Menschen. Spielt es dabei eine Rolle, ob er in einer „gehobenen Position“ funktioniert oder sich regelmäßig unter der Penner-Brücke besäuft? Ich finde nicht.
    Der Begriff "funktionierender Alkoholiker" ist m. Mng. nach genauso blöd wie der Begriff "kontrolliertes Trinken"

    Guten Morgen Charlotte,
    so, ich möchte dir jetzt schreiben, wie es bei mir war:
    2014 hatte ich meinen "Point of no return". Ich denke bei dir war der Klickmoment nun dein Ohnmachtsanfall.
    Ich bin damals ohne Anmeldung in die Klinik auch für 5 Tage in die "Geschlossene" zur Entgiftung gegangen. Du kannst mir glauben, dass war wirklich gruselig. Ich lag mit kotzenden, stinkenden und mit Menschen in einem Zimmer, die schlimme Krampfanfälle hatten.
    Da habe ich zum ersten Mal gesehen, was die Sucht mit einem Menschen macht. Wirklich schlimm. Spätestens da wusste ich aber, dass ich genauso enden würde, wenn ich nichts unternehme. Mit etwas unternehmen meine ich aber nicht nur die Entgiftung, das ist nur der erste Schritt.
    Ich kenn keinen, der nur mit einer 5-tägigen Entgiftung dauerhaft abstinent geworden ist.
    In dem Psychiatriezentrum konnte ich nach den 5 Tagen dann nahtlos in die qualifizierte Entzugsbehandlung (Käseglocke) gehen. Jetzt ging die Arbeit erst richtig los. Neben der medikamentösen Entgiftung zur Minderung körperlicher Entzugserscheinungen habe ich dort mit Hilfe von Ärzten, Sozial-und Sucht Therapeuten und Psychologen die ersten Bausteine für ein stabiles trockenes Fundament erhalten. In diesen 4 Wochen "musste" ich mich auch in einer "Motivationsgruppe" vorstellen. In der Regel stellen sich viele Gruppen in der Klinik vor. Ich habe mich wie du für das Lukas-Werk entschieden. Nach der Motivationsgruppe beantragte ich dann auch eine "richtige" über mehrere Monate dauernde (ambulante) Suchttherapie. In den 5 Wochen in der Klinik war ich übrigens "ganz normal" krankgeschrieben. Der AG muss davon also nichts erfahren. In der ambulanten Reha konnte ich wie wie gewohnt zum Dienst gehen.
    Ich wünsche dir für deinen 1. Schritt in die Klinik am Donnerstag ganz viel Kraft und Durchhaltewillen!
    Alles Liebe Britt

    Also bei mir gibt es keine Standartantworten.
    Ich muss mich niemandem erklären und bin auch keinem Rechenschaft schuldig.
    NEIN ist ein ganzer Satz (oder so ähnlich)...dass gilt für mich im Übrigen auch in anderen Bereichen.

    LG Britt

    Hallo liebe Sonnenkäfer,

    weißt du eigentlich, dass du eine sehr starke Frau bist?
    Ich habe dich vor 3 Wochen hier völlig verkehrt eingeschätzt.
    Ich finde, du machst bis jetzt alles richtig 44.
    Bleib dabei, bleib bei DIR, es lohnt sich!

    Lieben Gruß von Britt