Beiträge von Rekonvaleszent

    Ich kann Deine Aussführungen zum "Dorf" nachvollziehen. Wir leben mitten in einer Großstadt in einer ruhigen Nebenstraße, da sieht es anders aus. Höchstens mal ein Nachbarschaftsfest, aber dort bin ich halt der Nichttrinker. Nach über 10 Jahren wundert es keinen. Ich halte mich dort an die Wenig- und Nichttrinker, ja die gibt's auch. Früher sind die mir nur nie aufgefallen, weil es mich zum Alk zog und ich die saufende Entourage bevorzugte. Ja, gleich und gleich gesellt sich gern.

    Das wahre Bindeglied des Treffens war wohl der gemeinsame Suff und nichts anderes. Wer nicht mittrinkt, verletzt diese konkludente Absprache und rutscht daher schnell in die Rolle eines Außenseiters.


    Ich gehe nicht so solchen Treffen, bei denen allein der Suff im Vordergrund steht. Da gehöre ich einfach nicht (mehr) hin.


    Früher habe ich mich in Anwesenheit von Nichttrinkern auch unwohl und mich automatisch zu Trinkern hingezogen gefühlt. Jetzt ist es genau umgekehrt.

    Nötig ist nur, weiterhin keinen Alkohol zu trinken

    Es ist mehr nötig, als bloß die Zufuhr von Alk zu unterlassen. Das Suchtgedächtnis ist leider eine sehr diffizile Angelegenheit. Die Sucht schleicht sich gerne mal auf leisen Pfoten heran. Wichtig ist es, auf sich selbst und auf Veränderungen zu achten und sich ein sofortiges Notfallprogramm zurecht zu legen.


    Ich bin mal im dritten oder vierten Jahr mit meiner Frau durch eine historische Altstadt spaziert, als ich plötzlich vor einem Bistro/Restaurant plötzlich ein frisch gezapftes Bier fixierte. Es kam wie aus dem Nichts ein akutes Trinkverlangen nach Bier auf. Mein antrainiertes Gegenprogramm: Sofort raus aus der Gefahrenzone, weg von den Restaurants, zügig die eigentliche Altstadt verlassen und dann in einen Klamottenladen rein, um dort erst mal zu stöbern. Schon nach wenigen Minuten war der Suchtdruck wie weggeflogen.

    Wenn ich mal auf einer Feier bin und merke, dass bei den Gästen der Pegel steigt, zu erkennen am immer flacher werdenden Gesprächsniveau, Gekicher und höherer Lautstärke, dann bin ich ebenfalls rasch weg. So was halte ich im Kopf nicht mehr aus.


    Mein Gegenprogramm besteht aus den Elementen Flucht und Ablenkung. Zum Glück musste ich diese Kombi schon längere Zeit nicht mehr anwenden, ich schätze mal mindestens 4-5 Jahre lang.

    Ganz wichtig ist es, bei unserem Thema am Ball zu bleiben. Der erste Schritt in Richtung Rückfall wird gemacht, wenn sich nicht mehr regelmäßig mit unserem Problem befasst wird. Es rückt dann mehr und mehr in den Hintergrund und das Suchtgedächtnis hat dann leichtes Spiel uns vorzumachen, wir seinen jetzt geheilt und könnte wie ein Normaler mal etwas trinken.


    Wie das Befassen aussieht, bleibt jedem selbst überlassen, da gibt's vielfältige Möglichkeiten.


    Allein durch das Aufrufen dieser HP spiegelt sich der User das Problem und hält es sich ganz konkret vor Augen, sozusagen von der Hand (Maus) in den Verstand.

    Du bist bestimmt nach so vielen Jahren staubtrocken 😂

    Ich bin stabil unterwegs, das beschreibt es genau und reicht mir schon.

    Ich für meinen Teil vermeide, so gut es geht, sämtliches Vokabular aus der ‚Szene‘.

    Ich verwende solche Begriffe auch nicht. Kleines Beispiel: "Nass". Nass bin ich unter der Dusche, in der Wanne und beim Schwimmen im Meer oder einem See/Fluss.


    Ich bin ich, was andere daraus machen, ist mir wurscht.

    Waaas? Du trinkst nichts? Ja, warum das denn nicht?

    Ich wurde schon ewig nicht mehr gefragt, wenn dann ganz vorsichtig und nicht auf die zitiert "blöde" Tour. Meine Antwort: "Nein, ich trinke nicht."

    Wenn ich gut drauf bin noch: "Weil es mir "ohne" besser geht, (solltest Du auch mal probieren)."

    Wer einen gepflegt raushauen will: "Ich halte es nicht für ein erstrebenswertes Ziel, die Kontrolle über meinen Verstand zu verlieren."

    Ich schulde niemand eine Antwort, nur rückhaltlose Offenheit mir selbst gegenüber.

    Ich suche mir die Leute selbst aus, denen ich so was erzähle. Das ist wie mit anderen Krankheiten auch. Die sind auch nicht für jedermann bestimmt und geeignet.

    Ich weiß, dass andere einen deutlich offensiveren Kurs fahren und sich recht flott outen, ein Alkoholiker zu sein. Das dürfen sie gerne so handhaben, wenn es sie vom Trinken fern hält, machen sie für sich alles richtig.

    Ich bin mit meinem defensiven Stil seit Jahren dabei, bin damit zufrieden und sehe keinen Anlass etwas zu ändern.

    Die Weihnachtszeit ist halt ein Zeit des Hochkonsums in Deutschland. Das triggerte mich anfangs auch, da ich just in der Zeit auch am meisten gesoffen hatte.

    Und zurück zu der Person, die ich früher war.

    Ob es Dir gelingen wird, bleibt abzuwarten.


    Ich habe meinen "alten Zustand jedenfalls nicht erreicht. Meine Saufzeit war sehr lang, es ist einfach viel zu viel passiert und ich bin älter, reifer und erfahrener geworden. Das trifft auch auf meine Mitmenschen zu. So wie früher wird es nie mehr sein.

    Ich habe mir überlegt, woran ich Freude hatte, bevor ich meine Kontrolle ans Trinken verlor.

    Daran könnte jederzeit angeknüpft werden.

    Bei mir war es eine Fülle kleiner Maßnahmen: Mehr lesen, spazieren gehen, regelmäßig ins Fitnesstudio, mehr Strecken mit dem Rad zurücklegen, bei schönem Wetter auch mal Arbeit liegen lassen und nach draußen gehen, regelmäßig eine Sauna aufsuchen, spontan mal ins Kino, Theater, Restaurant gehen, Kurztrips ins benachbarte Ausland machen, um nur ein paar aufzuzählen. Dazu Trockenarbeit/Abstinenztraining durch Austausch via Internet.

    Diese Formulierung „ich will den Alkohol nicht mehr“ ist schon seit geraumer Zeit das, was ich tatsächlich empfinde.

    Ich habe in meinem ersten Jahr mehrfach von 3 Stadien der Abstinenz gelesen:

    1. Ich kann nicht mehr trinken (als Verbot).

    2. Ich will nicht mehr trinken.

    3. Ich brauche nicht mehr trinken.

    Das kann ich so für mich bestätigen. Ich bin längst in Stufe 3 angekommen, so vielleicht im dritten oder vierten Jahr, es könnte auch etwas früher gewesen sein.

    Ich bin jetzt im zweiten nüchternen Jahr und Alkohol hat die Macht über mich verloren.

    Das liest sich gut. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich das blöde Suchtgedächtnis auch noch mal in den Folgejahren melden und einen kräftig durchschütteln kann. Dies nur als dezenter Hinweis, falls es mal zu ruckeln anfangen sollte.


    Ich habe inzwischen meinen Frieden damit gemacht, es zeigt mir, dass da noch was ist, auch wenn es mich in meinem Alltag nicht mehr berührt. Es wird auch für immer da sein, dennoch lebe ich mit dieser Erkenntnis ausgesprochen komfortabel und gut. Wenn sich mein Suchtgedächtnis noch mal piesacken sollte, dann weiß ich, was zu tun ist.

    In den letzten Jahrfen hatte ich keinen Druck mehr, nur gelegentlich kamen sporadisch mal Trinkgedanken auf, ohne mich jedoch zu bedrängen.

    Vielleicht kannst Du mit meinen Ausführungen etwas anfangen. Ich kann Dir nur mit dem dienen, was ich selbst erlebt habe. Denn nur damit kenne ich mich (hoffentlich) aus.

    Alles Gute.

    Meine Sicherheit liegt nicht im ständigen Aufpassen, sondern in meiner Lebensphilosophie.

    Danke, das haben wir gemeinsam. Ich lebe nicht mehr nach dem Prinzip der ständigen Risikominimierung. Das war in meiner Anfangszeit wichtig, um wieder Grund unter die Füße zu bekommen.


    Jetzt hat sich mein alkoholfreier Weg eingeschliffen und ich lebe nicht mit Rückfallängsten oder -gedanken. Ich bin jetzt mehr als 10 Jahre clean und habe mich mit meiner Umgebung arrangiert. Meine Frau trinkt ab- und an mal ein Glas Wein oder Sekt und das sogar daheim in meiner Gegenwart. Es triggert mich nicht und hat es auch noch nie. Kommen Gäste, dürfen sie selbstverständlich auch was trinken. Allerdings kommen keine Säufer wie ich mal einer war, sondern Wenigtrinker.


    Es gibt bei uns kein Bier oder Schnaps. Das übrige Zeug war nicht meins und ich stufe es nicht als für gefährlich für mich ein.

    Den Respekt vor dem Alkohol habe ich mir bewahrt. Damit ich es nicht vergesse und meine Erinnerungen nicht verblassen, bin ich hier.

    Ich komme mit meinem Weg prima klar. Sollte ich merken, dass dies nicht mehr der Fall sein sollte, werde ich nachschärfen.


    Ich behaupte nicht, dass dieser moderate Umgang für jedermann hier zielführend ist. Bei anderen kann er womöglich zu Rückfällen führen.

    Es gibt ja noch ein anderes Forum, in dem ich ebenfalls registriert bin. Dort schlägt mir für meinen o.a. Kurs glatte Ablehnung und Entsetzen entgegen. Dort steht der Faktor Angst vor dem Rückfall viel stärker im Fokus. Aber ich bin ich. Ich weiß, was ich vor mir und vor anderen verantworten kann. Ich habe keine Angst und lasse mir auch keine einjagen.

    Die beste Vorbereitung für einen Neuling im ersten Jahr ist es, brav daheim und jedweder Silversterfeier fern zu bleiben. Daheim was Leckeres kochen, den einen oder anderen Tee angießen, und/oder ein nicht alkoholisches Getränk, sich entspannen und sich Dingen widmen, die tatsächlich Freude bereiten. Gegen Mitternacht nicht auf die Straße rennen, um dort womöglich Nachbarn ein "Frohes Neues" zu wünschen. Denn dann ist es bis zum Glas Sekt nicht weit. Einfach konsequent aus der Gefahrenzone nehmen.


    Auch wichtig: Sich im Vorfeld auf möglichen Suchtdruck einstellen und eine Strategie entwickeln. Dann ist der Neuling nicht gänzlich unvorbereitet und entscheidet sich womöglich spontan für das Falsche.


    Sollte das Suchtgedächtnis sich dennoch melden, nicht zur Tanke rennen, sondern aktiv Hilfe anfordern und über das Problem reden, BEVOR das Unglück seinen Lauf nimmt.


    ich wünsche gutes Gelingen

    Ich trank vor einiger Zeit absichtlich Alkohol und zwar Bier, so dass ich auf ca. +/- 0,9 Promille kam (rechnerisch), zu Haus, allein, ohne jegliche Ablenkung und beobachtete mich:

    Nach meinen früheren Saufpausen hat mir mein erstes Weißbier auch nicht geschmeckt. Nach dem zweiten bildete ich mir dann ein, es würde schmecken. Ich schiebe das auf mein Suchtgedächtnis.

    Ansonsten halte ich Dein Manöver für höchst riskant. Für den Wiederholungsfall: Wenn Du nach den ersten beiden Gläsern plötzlich "auf den Geschmack" gekommen bist, geht's wieder richtig los. Ich kann Dir von weiteren Versuchen nur abraten, aber das wird Dich nicht weiter stören, denn Du scheinst ja ganz gerne mal zu testen, ob beim Lauf gegen die Wand Dein Schädel oder die Wand härter ist.;)

    Ersteres habe ich sogar in den Kocher gefüllt und auf Betriebstemperatur gebracht. Getrunken habe ich aber nichts.

    Ja, ich weiß. Warum setze ich mich dem aus? Vielleicht wollte ich es auch einfach testen wie stark ich bereits bin. Keine Ahnung. Spätestens als ich die Gruppe nach deren 3. Glühwein gesehen habe, war ich froh, glücklich (!) und stolz der Versuchung widerstanden zu haben. Hat gerade tatsächlich etwas von Freiheit und Unabhängigkeit.

    Du hast vollkommen recht. Manchmal geht es nur darum etwas auszuhalten.

    Das war eine hochriskante Nummer. So was kann mächtig in die Hose gehen. Wieg Dich jetzt bitte nicht in falscher Sicherheit. Die harten Prüfungen (Provokationen) Weihnachten/Silvester kommen noch. Werde da nicht leichtsinnig und geh besser auf deutlich mehr Distanz.

    Ich zitiere mal mich selbst, um es nicht 2x zu tippen:

    Nein, ich trinke keine sog. alkoholfreien Ersatzstoffe zum Original, weil sie optisch, geschmacklich und geruchlich zu nah am Original sind. Mit alk-freiem Bier habe ich früher meine Saufpausen überbrückt, bis der Druck auf ein richtiges Bier zu groß wurde. Dann blieb es selbstverständlich nicht bei dem einen.

    Ab- und an trinke ich mal eine Cola 0 oder eine Schorle mit Apfel-, Trauben- oder Johannisbeersaft. Aber davon reicht mir jeweils ein Glas.

    Meistens trinke ich jedoch Wasser, morgens und tagsüber auch Tee und Kaffee. Morgens meistens noch etwas gepresste Zitrone und Orange.


    Prima beimengen lassen sich bei Wasser und Säften/Schorlen noch Zitro- und Ingwerscheiben sowie frische Minzblätter.

    Im Winter abends auch gerne mal Tee.

    Ich habe nur die Familie und mir enge Leute informiert.

    So und nicht mehr. Der Kreis ist bewusst klein gezogen. Da ich auf der Arbeit nie als Trinker aufgefallen bin, war das auch nicht erforderlich.


    Nein, ich trinke keine sog. alkoholfreien Ersatzstoffe zum Original, weil sie optisch, geschmacklich und geruchlich zu nah am Original sind. Mit alk-freiem Bier habe ich früher meine Saufpausen überbrückt, bis der Druck auf ein richtiges Bier zu groß wurde. Dann blieb es selbstverständlich nicht bei dem einen.


    Den Besuch auf dem Weihnachtsmarkt habe ich in diesem Jahr schon hinter mir, meiner Frau konnte ich den Glühwein ausreden. Ansonsten hätte ich was alkfreies genommen.

    Lieber Wasser, Tee oder Kaffee.

    Eine gute Alternative. Ab- und an trinke ich mal eine Cola 0 oder eine Schorle mit Apfel-, Trauben- oder Johannisbeersaft. Aber davon reicht mir jeweils ein Glas.


    Meine Frau trinkt ab- und an mal ein Glas Wein oder Sekt, bei ihr bleibt es dann zumeist bei dem einen. Das stört mich nicht, auch wenn ihr Glas im restaurant in meiner Nähe, jedoch nicht unmittelbar vor mir steht. Ich war nie der große Werintrinker, daher bekümmert es mich nicht. Stünde stattdessen ein Glas Weißbier vor meiner Nase, sähe es womöglich anders aus. Ein Glas auf dem Nebentisch nehme ich nur noch wahr, wenn mein Blick darauf fällt, jedoch scanne ich die Tische nicht wie früher ab.

    Zu Veranstaltungen, bei denen der heftige Konsum von Alk im Vordergrund steht, gehe ich nicht. Nicht, weil ich mich als gefährdet einstufe, sondern weil ich das ganze Drumherum um die Sauferei nicht mehr ertrage und es nicht mehr in meinem Kopf aushalte. Da gehöre ich nicht mehr hin. Bin ich mal bei Nachbarn, die etwas feiern, bin ich dann weg, wenn die Veranstaltung zu "alkig" wird. Den Kippunkt nehme ich recht schnell wahr und dann gilt das zuvor Gesagte entsprechend. Für angetrunkenes oder besoffenes Gelaber sind mir meine Zeit und mein Leben zu schade.


    Und so komme ich prima durchs Leben. Wichtig ist, mir den Respekt vor dem Alkohol zu bewahren, denn ich kenne die Tücken des Suchtgedächtnisses.

    Du bist aber auch nach 10 Jahren weiterhin immer achtsam. Sind die 10 Jahre in Bezug auf deine Abstinenz immer ziemlich glatt gelaufen oder gab es auch mal kritische Phasen?

    Ich habe es mal hierher gezogen, um den thread nicht zu sprengen. Bei mir hat sich die Abstinenz eingeschliffen, da muss ich nicht mehr extra aufpassen. Falls es doch noch mal kritisch werden sollte, das Suchtgedächtnis ist ein Teil von mir und funktioniert, auch wenn es vor sich hin dämmert. Aber es kann jederzeit wieder aktiviert werden.

    Kritisch wurde es halt ein paar mal, als ich von Suchtdruck heftig durchgeschüttelt wurde, das letzte Mal ist schon ein paar Jahre her. Suchtdruck kam halt immer seltener auf.


    Wenn ich heute mal ans Trinken denke, sehe ich es als Gruß vom Suchtgedächtnis, aber ich weiß es einzuordnen. Ich habe meinen Frieden damit gemacht und sehe gelegentliche "Grüße" für mich als förderlich an, weiterhin den Respekt vor dem Alkohol zu bewahren und nicht auf die Idee zu kommen, ich sei geheilt. Denn dann wäre es bis zum nächsten Glas nicht mehr weit.