Beiträge von Bighara

    Solche Ereignisse haben nur die Bedeutung, die du ihnen verleihst. Ich find da die juristischen Definition aus dem StGB ganz hilfreich: Vorsatz bedingt Wissen und Wollen des Konsums, was hieße, du weißt, dass du trinkst und willst das auch. Bedingter Vorsatz hieße, dass du Konsum für möglich hälst und dies auch billigend in Kauf nimmst. Bei der bewussten Fahrlässigkeit würdest du Konsum für möglich halten, aber darauf vertrauen, dass dieser nicht eintritt. Bei versehentlichem Konsum fehlt das Wissen und Wollen. Natürlich könnte man sich fragen, ob du auch alles in deiner Macht stehende getan hast, um potentiell möglichen Konsum auszuschließen, aber man kann nicht alle Lebensrisiken abdecken, denn irgendwann wird das unverhältnismäßig. Und ich schnüffel im Restaurant nicht an meiner Limo, um sicherzustellen, dass es auch wirklich Limo ist. Irgendwo ist da auch ne Grenze.

    Nein, versehentlich Alkohol getrunken ist mir nicht passiert, aber ich hab mal ein Panna Cotta Dessert bestellt, von dem es hieß, da ist kein Alkohol drin, aber die Mandarinen auf der Speise waren in Alkohol eingelegt. Das hab ich dann erst gemerkt, als ich sie schon im Mund hatte. Hab mir dann schnell ne Serviette gegriffen und sie ohne viel Aufhebens entsorgt, bin auf Klo, hab mir den Mund ausgespült und meine Nachspeise dann dem Tischnachbarn angedreht. Mir fehlte der Vorsatz in Bezug auf den ‚Konsum’ und auch grobe Fahrlässigkeit hab ich für mich nicht gesehen. Von daher…Schwamm drüber und weiter im Text. Hoffe, mein Ansatz hilft dir weiter.

    Egal, wie ich es drehe und wende, komme ich immer wieder bei folgender Schlussfolgerung raus: Der Sinn des Lebens ist der, den ich ihm gebe. Und auf dem Weg, wie man ein glückliches und zufriedenes Leben führt, habe ich mich nun der praktischen Philosophie zugewandt. Was Sokrates, Platon, Epikur oder Epiktet sich gedacht haben, ist auch heute noch aktuell und kann Anwendung finden. Mir hilft‘s auf jeden Fall. Und ich verbringe definitiv nicht jeden Tag sinnvoll oder lebe diesen bewusst, dafür hab ich viel zu viele Pflichten zur Zeit auf dem Tacho. 😅 Aber trotzdem geht‘s mir psychisch gut zur Zeit. 👌🏻

    Hallo Erna,

    der Alkohol mag dir Frohsinn und Entspannung verschaffen, aber all dies ist künstlich erzeugt. Entspannung und Frohsinn in Flaschenform, auf Knopfdruck. Du weißt genau, was du kriegst, wenn du die Flasche öffnest. Aber weder verschaffst du dir durch den Alkohol wirklich Entspannung (das wäre ein Buch lesen, in die Sauna gehen oder whatever) noch empfindest du aus dir heraus wirklich Frohsinn. Und deswegen saugt dich der Suff auch gleichzeitig aus. Der Alkohol gibt dir vor das zu verschaffen, was du dir erhoffst, aber es ist nicht nachhaltig. Eben weil es künstlich erzeugt ist. Für Frohsinn und Entspannung muss man etwas tun, das stellt sich nicht einfach so von sich ein und ist auch schwerer auf natürlichem Wege zu erzeugen. Von daher ist der Weg über den Alkohol bequem, weil‘s einfach schneller geht.

    Liebe Erna,

    vielen Dank für deine Vorstellung und herzlich Willkommen im Forum. Wie lange begleitet der Alkohol dich denn schon im Leben?

    Ich denke, du bist auf der richtigen Spur. Mit dem Trinken allein aufhören, reicht in der Regel nicht für eine zufriedene, dauerhafte Abstinenz. Du solltest für dich entschlüsseln, welche Funktionen der Alkohol bei dir erfüllt. Warum hast du mit dem Trinken angefangen und ab wann wurde es zu einem Problem?

    Bewusstseinsaufbau greift zu kurz…die Nachsorge ist sowas wie eine Gruppentherapie, nur nicht mehr in dieser Intensität wie zu Klinikzeiten. Gruppentherapie hast du in der Klinik jeden Tag, Nachsorge ein Mal pro Woche. Wie so ne Krücke für den Anfang im abstinenten Alltag. Du kannst dort alles loswerden, was dich bedrückt und welche Gedanken dich umtreiben. Natürlich wird auch nochmal das Bewusstsein geschärft, aber die Leute in der Nachsorge haben alle eine ReHa durchlaufen und sind entsprechend auf Zack. Die wissen viel über ihre Erkrankung.

    Da kann ich reingrätschen, weil ich auch die Nachsorge gemacht habe…zumindest ein paar Termine: Es geht um die Nachbetreuung nach einer Reha-Maßnahme zur weiteren Festigung der Abstinenz. Wenn man aus der ReHa kommt, ist man X Wochen abstinent, hat diese X Wochen aber in der Regel unter der geschützten Käseglocke im Kliniksetting verbracht. Nach der Entlassung aus der Klinik kommt der Alltag und in diesem ist die Abstinenz noch nicht erprobt bzw. gefestigt. Hierbei unterstützt und begleitetet einen die Nachsorge. Man kann Themen ansprechen, die einem schwer fallen. Situationen, die einen triggern. Was sich halt so für Frage- und Problemstellungen ergeben.

    Mein Sohn hatte sich Schottland als Reiseziel gewünscht und wir haben uns einer Gruppenreise angeschlossen. Ich hatte keine Lust das alles alleine auf die Beine zu stellen und dann nicht abschalten zu können. War sehr nett mal die Verantwortung abgeben zu können. Darüber hinaus findet im August in Edinburgh das weltweit größte Kulturfestival statt und entsprechend waren auch die Preise. Hätten wir das nicht über einen Veranstalter gemacht, wäre Edinburgh nicht drin gewesen. 🤷‍♀️ Von daher war die Besichtigung der Whiskeydistellerie auch ein gesetzter Programmpunkt. War aber kein Thema und in der Gruppe war das Trinkverhalten an sich auch moderat. Klar, es gab den einen oder anderen Herren, der sich beim Abendessen ordentlich einen reingestellt hat, aber ich hab damit kein Problem. Ist ja nicht mein Kater am Tag danach. 😅

    Also, der Besuch einer Whiskeydistellerie war tatsächlich ein Programmpunkt, von daher: Ja, ich habe eine Distillerie von Innen gesehen. War auch interessant. Aber da die Besichtigung um 10:30 Uhr stattgefunden hat, fand auch die anschließende Verkostung nicht so wahnsinnig viel Anklang. Und für die Schotten ist das völlig ok, wenn man ablehnt. Wurde nicht nachgefragt oder so. Mein Sohn hatte sich tatsächlich was Sorgen gemacht, dass mich das antriggern könnte, aber ich hab Whiskey nie getrunken, fand den immer ‚Bah‘, daher hat mich das auch nicht interessiert. Ich fand seine Sorge berechtigt, aber ich konnte sie ihm nehmen.

    Da bringe ich mich doch auch mal ein: Ich bin gerade aus Schottland zurückgekommen. War mit meinem Sohn dort und es war wirklich wirklich toll. Mein Sohn macht nächstes Jahr Abitur und möchte danach verständlicherweise lieber mit seinen Freunden als mit der alten Mutter zusammen verreisen. Dieser Urlaub war quasi das Ende einer Ära. Ich bin nicht mehr auf die Sommerferien angewiesen und kann nun voll und ganz meinen Präferenzen folgen. 😃

    Wir haben von Schottland echt viel gesehen. Ich kann das Schottland nur empfehlen und habe mich auch ein wenig in das Land verliebt.

    Zur Zeit sind Ferien und die Leute im Urlaub. Deswegen ist es hier was ruhiger, denke ich. Sommerloch.

    Ansonsten hab ich gesehen, dass das Forum von der Mitgliederanzahl gewachsen ist, die Mehrheit liest hier still mit. Viele Wege führen nach Rom und wie man die Abstinenz nachher hält, ob nun mit oder ohne aktive Beteiligung im Forum bleibt jedem selbst überlassen.

    Also, Psychopharmaka haben dank Lobbyarbeit und auch ihrer Wirkung einen guten Ruf, denn sie heilen. Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass es solche Mittel gibt, weil Menschen mit einer klinischen Depression z.B. wirklich geholfen werden kann. Auch den Alkoholentzug können Psychopharmaka unterstützend begleiten und somit den Entzug leichter machen. Warum nicht die Möglichkeiten nutzen, die es gibt? Ich mache mir das Leben auch gern leicht, wenn möglich. Aber es besteht einen Unterschied zwischen sich das Leben leicht machen oder eine Abkürzung nehmen zu wollen. Auch mit Happy Pills bleibt ist die Depression da, sie killen nur die Symptome und befreien die Person nicht davon Persönlichkeitsarbeit zu leisten. Und ich denke, dass die Abkürzungskarte heutzutage zu schnell und bereitwillig gezogen wird.
    Meine Zimmergenossin im Entzug war wegen Medikamenten dort. Die hat Tavor geschmissen wie Smarties. Ehrlich gesagt war ich froh ‚nur‘ Alkoholikerin zu sein, denn es ging ihr sehr sehr schlecht. Und ich hab den dortigen Arzt ein wenig ausgefragt…es dauert ca. ein halbes Jahr bis sich das Medikament ausgeschlichen hat. Stellt euch einfach mal einen Entzug von nem halben Jahr vor. Horror. Einfach nur Horror. Von daher…das Thema Medikamentenabhängigkeit wird auf jeden Fall noch sehr stiefmütterlich behandelt, denn die Dunkelziffer wird hier sehr sehr hoch sein. Aber ich denke schon, dass da ein Gedanke vorwiegt: Wie soll ich abhängig von etwas sein, was da ist mir zu helfen? Zumindest kann ich mir das nur so erklärbar machen.

    Hello. Erstmal: Schön von dir zu lesen. 😊

    Ich hab tatsächlich als Erstes an sowas wie eine Intervention gedacht. Das älteste Kind und du schnappt ihn euch und redet ein ernstes Wörtchen mit ihm, dass ihr dem Treiben nicht weiter zuschauen werdet. Natürlich ist ein intrinisisches Motiv das Stärkste, um mit dem Trinken aufzuhören, aber häufig setzt das Umfeld einem die Pistole auf die Brust, dass es nicht so wie bisher weitergeht. So fängt es dann an und über die Dauer sieht der Betroffene die Vorteile der Abstinenz und das anfangs extrinsische Motiv wird intrinsisch. So wie du das schilderst, wird dein Partner um die Arbeit der Selbstrelextion nicht herumkommen, welche Rolle der Alkohol in seinem Leben spielt und warum. Kann natürlich auch sein, dass er völlig blockt und uneinsichtig ist wie bisher, aber dann habt ihr es wenigstens versucht. Ich denke, dass Suchtberatungsstellen da zusätzlich auch ein niederschwelliges Angebot darstellen könnten und vielleicht noch andere Handlungsalternativen auf dem Schirm haben könnten als wir hier. 🤔

    Also, das Abnehmen war ein Prozess von einem Jahr, nicht die Abstinenz. 😅 Ich find, man sollte einen Schritt nach dem anderen gehen. Wenn man zu viel auf einmal will, dann geht das in der Regel nach hinten los. Kümmere dich darum, dass du stabil wirst und der Rest kommt von ganz allein. Ums Gewicht kannste dich dann immer noch kümmern. Du hast doch jetzt auch mit Bewegung angefangen…schau doch erstmal, was das in nächsten Wochen mit dir und deinem Körper macht, wenn du da am Ball bleibst. Ich bin auch echt kein geduldiger Mensch, aber tatsächlich soll Geduld ja auch ne Tugend sein. 😉

    mia Gib dir was Zeit. Ich hab 10 kg abgenommen, nachdem ich‘s Saufen aufgehört habe. Ich hab bald mein 3. Jahr ohne Alk voll. Das war aber ein Prozess und hat ein Jahr gedauert. Bin Anfang 40 und da ist der Stoffwechsel auch nicht mehr so fix. Dann hab ich vor 1 1/2 das Rauchen aufgehört und dann ging das Gewicht auch wieder um die 10kg hoch. Es ist halt so. Wenn dir das Naschen zur Zeit hilft, dann mach‘s. Es geht um die Balance und dass du dir selbst in den Spiegel schauen kannst. Abstinenz ist kein Wettbewerb.

    Schließe mich AmSee13 und Mojo an. Musste kurz schmunzeln, weil 10-12 Bier absolut keine Einsteigermenge sind. 😂 Das sind bei Halben 5-6 Liter. Das ist schon ordentlich.
    Und ich denke, du hast ein völlig falsches Bild vom Alkoholiker. Es gibt die so genannten funktionalen Alkoholiker: Die sind abhängig und kriegen ihren Alltag trotzdem auf die Kette. Ich hab auch nur abends getrunken. Es gibt unterschiedliche Stadien der Sucht, in denen man sich befindet.

    Vielleicht machst du dir auch mal Gedanken darüber, welche Funktion der Alkohol bei dir erfüllt. ‚Schmeckt mir halt‘ ist was zu einfach. In der Regel geht es um Betäubung. Betäubung von Gefühlen, Entspannung, Verdrängung, Einschlaffunktion…sowas halt. Lies dich da mal ein, was auf dich zutreffen könnte.

    Für die Diagnose Alkoholabhängigkeit gibt es bestimmte Kriterien. Als abhängig gilt, bei wem während eines Jahres drei der sechs Kriterien gleichzeitigvorliegen:

    • starker Wunsch oder Zwang Alkohol zu trinken
    • verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf Beginn, Ende und Menge des Konsums ✅
    • körperliches Entzugssyndrom, etwa Schwitzen oder Zittern
    • Entwicklung einer Toleranz (Dosiserhöhung) ✅
    • fortschreitende Interessenvernachlässigung zugunsten des Alkoholkonsums ✅
    • anhaltender Alkoholkonsum trotz nachweisbarer schädlicher Folgen, wie etwa Leberschädigung

    tadlos Ich hab die Haken jetzt mal dort gesetzt, wo ich sie aufgrund deiner Schilderungen sehen würde. Vielleicht überlegst du mal selbst und sei dabei ehrlich zu dir, welche der o.g. Suchtkriterien du erfüllst. Ich weiß, das ist nicht angenehm sich damit auseinanderzusetzen. Aber denk dran: Familie und Arbeit werden dir eine ehrliche Auseinandersetzung danken.