Ich habe es mal so gehört:
Statistiker, das sind Menschen, die irgendwann mal in einem Fluss ertrinken, der durchschnittlich nur einen halben Meter tief ist.
😅
Was ich mit diesem Zitat andeuten will, ist, dass ich persönlich gar nicht viel insbesondere auf diese Statistiken gebe. Es ist z.B. sehr gut möglich, liebe Emily, dass Du in dieser Statistik gar nicht wirklich auftauchst, weil die Statistiken zumeist in therapeutischen Einrichtungen in den jeweiligen Erfassungsbögen erhoben werden. Und da auch nur die, die auch dran teilnehmen möchten. Oder auch nur die, die nach vielen Jahren immernoch dran teilnehmen. Der Rest ist ein riesen-riesen-riesengroßes Feld von Dunkelzahlen. In die eine, sowie auch in die andere Richtung.
Menschen, die niemals sucht-therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, und es dennoch dauerhaft schaffen, tauchen in solchen Statistiken zum Beispiel schon mal gar nicht auf. Und es gibt, je nach Quelle, Annahmen dazu dass das nichtmal unerheblich wenige Menschen sind. Auch hier im Forum gibt es immer wieder einige davon. Selbstremission, wäre das Suchwort hierzu.
Ich selbst habe in meinem Ausstieg damals zusätzlich therapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Einfach weil ich mir zu der Zeit sagte: ich ziehe alle Register die möglich sind. Das war auch richtig so! Ich habe es geschafft. Aber ich habe anschließend nie wieder so einen Fragebogen ausgefüllt.
In dem therapeutischen Zeitraum gab es mal eine Zeit wo ich recht unzufrieden wurde. Weil nichts voran ging. Meine tatsächlichen Baustellen, die ich immer wieder ansprach, wurden umschifft und umgangen und ich ging da immer wieder mit Fragezeichen raus. Ich hätte Schritte gebraucht (die ich anschließend, später dann auch ging) wo praktische Hilfestellung an diesem oder jenen Punkt gefragt gewesen wäre... Naja, wie gesagt, es ging da irgendwie nichts voran, und irgendwann habe ich das gegenüber dem Therapeuten auch direkt angesprochen. Daß ich in den Sitzungen das Gefühl des Stillstandes habe. Der Therapeut schaute mich an, ließ eine kurze, spürbare und bedeutungsvolle Pause, und sagte dann zu mir: "Nun ja, vielleicht ist es ja auch genau das, was sie zur Zeit brauchen..?" ..ich war perplex. Ich war "entwaffnet" - ich wusste, es gibt dazu nichts mehr zu sagen. Der Therapeut hat immer recht. Kopf - gewinne ich, Zahl - verlierst du...
Das ist aber nur eine Nebengeschichte. Worauf ich hinaus will ist, dass gerade solche Therapeuten es waren (nach meinem Erleben) welche immer wieder mit solchen Zahlen und Statistiken ankamen... mich hat sowas nie wirklich weiter gebracht....
Ich habe mir weiter, wo erforderlich, Hilfe gesucht, und habe diese meist dort wirklich erfahren, wo Menschen bereit waren an meiner Situation TATkräftig mitzuwirken. Gleichwenn ich aber durchaus auch gute therapeutische Anregungen gefunden habe auf meinem Weg!
Mir geht’s um die Sicherheit meiner Abstinenz. Wo stehe ich..
Liebe Emily, ich persönlich denke, wo man selbst steht, kann man oft selbst am besten beurteilen. Das spricht keine Tabelle oder Kreisdiagramm aus. Es geht ja darum, wie wir uns >fühlen<. Wir leben jetzt, und jetzt haben wir den Gestaltungspielraum, eine bereichernde, nachhaltige Nüchternheit und Suchtmittelfreiheit zu (er-) leben. Wenn ich, jetzt, ein zufriedenes und/oder glückliches, (selbst)achtsames Leben lebe, ist doch an sich alles gut, und es besteht absoluter Grund zur Zuversicht.
Mir persönlich hat der Weg in die Nüchternheit diesen Zugang zu mir Selbst und in meine Selbstwirksamkeit eröffnet. Dafür bin ich sehr dankbar, denn es ist eines meiner wichtigsten Instrumente.
Statistiken hingegen - eher weniger