Ich habe und gewinne durch meine Nüchternheit viel mehr dazu, als das, was hinter mir liegt und im Prinzip nur eine verklärte Illusion ist/ war.
Was genau gewinnst du durch deine Nüchternheit?
Ich kann deinen Satz bestätigen, aber es fällt mir schwer ,meinen Mehrgewinn zu definieren.
Es ist eine Mischung aus : Freiheit, Echtheit (?), keine Verklärung mehr , Wohlbefinden, Authentizität.
Hallo Oran-Gina ,
ich habe heute lang überlegt, wie ich dir meinen Mehrgewinn veranschaulichen kann.
Du bringst die Sachen ja im Prinzip schon selber gut auf den Punkt: Es ist eine Mischung aus : Freiheit, Echtheit (?), keine Verklärung mehr , Wohlbefinden, Authentizität.
Ich würde vielleicht noch eine höhere Stressresistenz bzw. Gelassenheit und vor allem eine achtsamere, liebevollere Sicht/Wahrnehmung auf mich und meine Umwelt hinzufügen und das "Paket" vielleicht als neues, echteres? Lebensgefühl bezeichnen. Beinahe wie früher als Kind, bevor ich Alk&Co für mich entdeckt hatte. Es ist aber auch ein Lebensgefühl/ Wahrnehmung meines Lebens wonach ich schon in Suchtzeiten Sehn"sucht" hatte. Ein Leben, was von mir gelebt wird, ein Leben wo ich meine Entscheidungen nicht mehr unter die Suchtmechanerie stellen muss und ich frei von Suchtdruck, Scham- und Schuldgefühlen, frei von Ängsten und verzerrter Selbwahrnehmung bin.
Vermutlich waren bei mir auch die Schuld(gefühle) ein großer Faktor gewesen, welche mich sehr gefangen genommen haben und verhinderten, dass mein Leben in den Flow kommt bzw. mich von meinem echten Leben getrennt haben. Und diese Schuld trage ich nun nicht mehr mit mir herum. In Verbindung mit noch vielen anderen positiven "Nebeneffekten" (kein Crawing mehr, Ausgeglichenheit und gesunden Schlaf, insgesamt besseres Körpergefühl und Wohlbefinden und in der Überzeugung, das "Richtige" getan zu haben, abends nüchtern ins Bett zu gehen und morgens nüchtern aufzustehen) erlebe ich das als eine große Befreiung und einen großen Gewinn.
Mein Leben hat natürlich nach wie vor Höhen und Tiefen, aber ich habe jetzt eine andere Sichtweise auf viele Dinge. Alles was gut klappt, aber auch das, was ich versemmele oder was ich nicht in der Hand habe, schreibe ich nicht mehr der Droge oder den Nachwirkungen selbiger zu, sondern kann jetzt alles zu einem gewissen Teil gelassener und ohne latente Schuld betrachten. Das nimmt mir auch viel von diesem Getriebensein und diesem um alles kämpfen, mich immer verbiegen/ verstellen/ etwas verheimlichen zu müssen.
Ich habe hier nochmal meinem vorherigen Beitrag zitiert, um die Suche nach diesem Lebensgefühl/ dieser klaren Wahrnehmung zu verdeutlichen, welche für mich eine große Motivation war, "sehnsüchtig" das Exit anzustreben.
Vielleicht klingt das auch etwas paradox, ich habe sozusagen über die Sucht und die Sehnsucht, womit ich eigentlich vor mir weglaufen wollte, zu mir gefunden bzw. bin natürlich immer noch dabei ![]()
Der Rausch/ die Droge war ein Teil meiner inneren Suche. Einer Suche nach Freiheit und dem wahren Selbst, was wahrscheinlich unter vielen dicken Schichten dysfunktionaler Prägung und Erziehung, sozusagen unter einer ungünstigen Konditionierung von innen und von außen steckt. Ich versuche dieses erlebte Gefühl der Freiheit und des “wirklich Seins”, diese “Golden Moments” auch nebenher in meiner Geschichte abzubilden. Und ich habe diese Erfahrungen, die klaren Momente nicht nur auf Droge gehabt, sondern oft auch in kürzeren oder längeren Zeiten meiner nüchternen Episoden. Es fühlt sich an, wie ein Leben, was wirklich gelebt wird, beinahe wie ein Geschenk. Sozusagen MEIN Leben, was hinter dieser ganzen Fassade aus Sucht, falschen Kompromissen, Schönrederei, Lügen, Selbstanklagen und Ängsten steht.
Vielleicht haben ja auch viele dieses “echte” Leben schon immer und denken überhaupt nicht darüber nach, weil es für sie “normal” ist. Nur war es bei mir eben nicht so. Aber auch in Gesprächen z.b. mit meiner Frau, aber auch mit anderen tauchte immer wieder die Frage auf, warum man denn immer seinem Leben hinterher rennt, getrieben wird und entweder in einer (verklärten) Vergangenheit oder in Zukunftssorgen festhängt, sozusagen nie im “Jetzt” lebt. Oder eben dafür Drogen, den Rausch benötigt, um kurzzeitig diesen Zustand zu erreichen bzw. um sich mal kurzfristig auszuklinken.
Ich hoffe, ich konnte das irgendwie etwas erläutern. Es ist schwer, Dinge, Gefühle und Wahrnehmungen zu definieren, die man nicht richtig fassen kann, die sich aber für mich richtig anfühlen.
LG Rent