Beiträge von AmSee13

    Emily , auch ich fühle nicht ständig die große Freiheit meines alkoholfreien Lebens. Ab und zu aber juchzt es in mir auf, wie glücklich ich mich schätze, frei von diesem Zeug und allem, was da so dranhängt, zu sein. Und dann genieße ich dieses Gefühl und fühle Dankbarkeit.

    Ich könnte mir vorstellen, dass auch du ab und zu solche Momente haben wirst. Zu tun hättest du dann nur, es zu genießen. ;)

    Klar gehe ich zu events oder Feiern, nur darf dort der Alk nicht das alleinige Bindeglied und Sinn und Zweck des Treffens sein. Der zunehmende Pegel von trinkfreudigen Personen und das damit automatische Absinken des Gesprächsniveaus geht mir gegen den Strich. Ich bin in dem Augenblick weg, in dem ich mich dort nicht mehr wohl fühle. Nein, das bedrückt mich nicht, warum auch? Ich verschwinde nicht, weil ich Angst hätte, selbst wieder zu trinken, sondern weil mir meine Zeit für versoffenes Gelaber zu schade ist.

    Ich selbst gehe auch zu Events oder Feiern, wenn ich Lust darauf habe. Auf Events oder Feiern, bei denen Alkohol das alleinige Bindeglied oder Sinn und Zweck des Treffens ist, wird man mich nicht finden. Nicht, weil ich Angst davor hätte, sondern weil das einfach nicht meins ist.

    Und wenn ich denn mal bei einer Feier sein sollte, bei denen meine Umgebung einen zunehmenden Pegel entwickelt hat und die Gespräche sich entsprechend entwickeln, bin ich entweder nüchtern lustig, wenn ich mag, oder aber gehe ich weg, weil‘s mir einfach zu dumm wird.

    Emily , ich sehe das ganz ähnlich wie Rekonvaleszent .

    Du schreibst, dass du eine Vermeidungshaltung und/ oder Risikovermeidung praktizierst. Ich frage mich, wie ich mir das bei dir vorstellen soll. Bist denn nicht auch du in Film, Fernsehen, Büchern mit Alkohol konsumierenden Menschen konfrontiert worden? Bist du nicht inzwischen schon mal wieder auf Alkohol konsumierende Menschen in deiner Familie oder im Freundes- oder Bekanntenkreis gestoßen? Oder, wenn du unterwegs bist, bist du da nie an Lokalitäten, wo Menschen Alkohol konsumieren, vorbeigekommen? Warst du inzwischen noch nicht wieder in einem Restaurant, in dem an Nachbartischen Alkohol konsumiert wird?

    Nach dem, was du so von dir geteilt hast, bist auch du nicht in die Einsiedelei gegangen, sondern hast bislang schon einen Umgang damit gefunden, dass Alkohol in unserer Gesellschaft omnipräsent ist. Du hast geschrieben, dass du dich stabil fühlst, dass dir Alkohol egal geworden ist.

    Spricht etwas dagegen, dich noch etwas mehr zu konfrontieren bspw. durch einen Restaurantbesuch?

    Ich kann die Aufregung über diese Aussage „Der Rückfall gehört dazu“, die laut Leonissa offenbar auf der Entgiftungsstation, auf der sie arbeitet, nicht ganz nachvollziehen.

    Sparkassen_Helga hat meines Erachtens treffend beschrieben, in welchem Zusammenhang eine solche Aussage gesehen werden kann:

    Ich verstehe das übrigens ganz anders. Nicht jeder muss auf dem Weg in die Abstinenz einen Rückfall erleiden. Wir haben im Forum Menschen, die komplett rückfallfrei sind. Ich sehe die Rückfallthematik eher in dem Sinne, dass das nicht aufhören können die Sucht definiert. Jemand, der das Trinken sein lassen kann, also nicht immer wieder zurückfällt in ein Trinkmuster ist nicht süchtig. Für mich ist das eher das Kennzeichen der Sucht.


    Unbestreitbare Realität ist doch wohl, dass es nicht jeder, der eine Alkoholsucht entwickelt hat, beim ersten Anlauf schafft, sich daraus zu befreien. Die Gründe dafür dürften vielfältig sein.


    In dem Artikel https://trokkenpresse.de/titelthema-01-…tsel-rueckfall/ von Prof. Lindenmeyer, auf den ich in diesem Thread schon mal hingewiesen habe, werden aufschlussreiche Daten aufgeführt:

    60% aller Rückfälle haben sich in den folgenden drei Situationen ereignet:

    • unangenehme Gefühle, wenn man alleine ist (z. B. Langeweile, Einsamkeit, Angst, Depression),
    • im Anschluss an Konflikte und Konfliktsituationen (z. B. am Arbeitsplatz oder in der Familie)
    • soziale Verführung (z.B.: Kumpels fordern einem zum Mittrinken auf; ein Arzt empfiehlt ein Beruhigungsmittel).


    Die übrigen 40 Prozent aller Rückfälle haben sich in folgenden Situationen ereignet:

    • angenehme Situationen (z. B. Erfolgserlebnisse, Verliebtsein),
    • Geselligkeit (z.B. Kneipenbesuch, Parties, Familienfeier),
    • körperliche Beschwerden (z.B. Schmerzen, Schlafstörungen),
    • Versuch, kontrolliert zu trinken und
    • plötzliches Verlangen (z. B. beim Anblick eines Biergartens).


    Rückfälle sind offenbar Realität und Teil einer Suchterkrankung, insofern ist die Formulierung „Der Rückfall gehört dazu“, wenn er von Fachpersonal auf einer Entgiftungsstation, das ständig damit konfrontiert ist, geäußert wird, doch gar nicht sooooo verkehrt. 🤔


    Interessant fände ich, welche Antworten Leonissa auf der Teamsitzung, auf der sie das das Thema Kommunikation mit den Patienten bezüglich Rückfall diskutieren will, vom Fachpersonal bekommt. Wie sehen die das und wie begründen sie eine solche Aussage?


    Und mit Blick auf die Wirkung einer solchen Aussage auf Selbstbetroffene fände ich interessant, wie die, die sich tatsächlich auf einer Entgiftungsstation befanden - hier im Forum haben Paddy oder Bighara oder Laggard oder Greenfox ihre Erfahrungen geteilt - eine solche Aussage - sofern sie denn ebenfalls mit dieser Aussage konfrontiert waren - wahrgenommen haben. Hatten die den Eindruck, dass ihnen damit suggeriert wurde, dass alles nicht so schlimm sei? - Ich persönlich vermute mal, dass das nicht so angekommen ist…..


    Ich persönlich habe mit einer solchen Aussage „Der Rückfall gehört dazu“ keine Schwierigkeiten. Ich habe auch keine Schwierigkeiten damit, dass mein sogenanntes Suchtgedächtnis schäft und mal aufwachen könnte. Ich sehe da auch kein Damoklesschwert über mir.

    Letztens schlug ich meinem Mann nach einer Veranstaltung, die wir zwei besucht hatten, vor, noch in einem Lokal in der Nähe einzukehren. Vor Ort wachte mein Suchtgedächtnis tatsächlich unerwartet auf. Hat mir das Angst gemacht? - Nein! Hab ich deswegen das Weite gesucht? - Nein! Ich hab‘s lediglich zur Kenntnis genommen, mit dem, wie ich inzwischen über Alkohol denke und wie zufrieden ich damit bin, gegengesteuert, mir eine hausgemachte Limonade und paar Köstlichkeiten bestellt… Und wir zwei hatten einen echt schönen Abend.


    Ja, da scheint bei mir eben etwas aus der Zeit meines Konsums nie ganz weg zu sein, etwas, was sich wohl als Suchtgedächtnis bezeichnen lässt. Rede ich mir da etwas wiederholt ein? - Nein, so fühlt es sich absolut nicht an, ich denke da auch nicht ständig dran, sondern nehme es nur zur Kenntnis, wenn’s mal wieder passiert. Für mich ist es eher erleichternd, dass es dafür einen Namen gibt und dass ich mit diesem Phänomen nicht allein bin. Es macht es für mich irgendwie leichter damit umzugehen. Es „gehört [wohl] dazu“….. Entscheidend ist meines Erachtens nur, wie ICH dem begegne.


    Und so betrachte ich im Grunde auch eine solche Aussage wie „Der Rückfall gehört dazu“. Für mich bedeutet das keine Verharmlosung und ich betrachte es auch nicht als „Dogma“, als Glaubenssatz, der nicht hinterfragt werden darf. Rückfälle gehören statistisch gesehen offenbar zur Realität, entscheidend ist meines Erachtens, was ICH dafür tun kann, dass MIR das nicht passiert.

    Und damit MIR das nicht passiert, habe ich an mir gearbeitet und mich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Ich sorge endlich wirklich für mich, kümmere mich um meine eigentlichen Bedürfnisse. Und diesen Weg verfolge ich konsequent weiter, ohne Angst.

    Hallo Larissa,

    vielleicht ist das, worüber wir uns im Thread Muss ich den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben? ausgetauscht haben, interessant für dich?

    Möglicherweise sind auch unsere Artikel interessant für dich?


    Was den Austausch hier betrifft, haben Tom und Sparkassen_Helga dir bereits signalisiert, dass wir hier im Austausch aneinander interessiert sind. Hier geht‘s nicht um andere, sondern konkret um uns. Wir sind hier, um einander Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

    Grüße

    AmSee

    Das ist gut. Perspektiven finden. Wege, die man gehen kann. Ziele, die man erreichen kann. Mir fällt dazu gerade das Bild mir der Leiter ein. Liegen die Streben zu weit auseinander wird es schwierig weiter zu kommen. Oder das Bild mit der Treppe. Sind die Stufen zu groß, kannste sie nicht gehen. Geht das in die Richtung?

    Wenn dir dazu diese Bilder einfallen, dann könnte das deine Richtung sein. Da ist es meines Erachtens nicht wichtig, in welche Richtung ich selbst gedacht habe.

    Bei mir sind hier und auch anderswo durch Gedanken anderer eigene Bilder oder eigene Perspektiven aufgeploppt, mit denen ich, weil sie aus mir kamen, etwas anfangen konnte. Und ich habe gelernt, diesen Impulsen zu vertrauen und mich auf sie einzulassen.

    Wenn das zu dir passt, was spricht also dagegen, diese Bilder weiterzudenken?


    Meine eigenen Perspektiven und Ziele gehen nicht unbedingt aufwärts wie bei einer Leiter oder Treppe, für mich muss es nicht nach oben gehen, sondern lediglich in die eine oder andere Richtung, wie bei einer Wanderung oder Reise.

    Ich kann krankheitsbedingt nicht immer so, wie ich gerne möchte. Dann verfolge ich das, was ich eigentlich gerne machen oder erledigen wollte, erstmal nicht weiter, sondern wende mich etwas anderem zu, was ich entweder auch gerne mache und grad weiterverfolgen könnte, oder aber ich gönne meinem Körper die Erholung, die er gerade mal wieder einfordert.

    Perspektivisch ist das, was ich eigentlich wollte, nicht weg, nur auf einen anderen Zeitpunkt verschoben. Damit kann ich ganz gut leben, weil erfahrungsgemäß irgendwann wieder der Zeitpunkt kommt, an dem ich das, was ich gerne machen wollte, weiterverfolgen kann. Und in der Zwischenzeit mache ich eben etwas anderes.


    Manchmal habe ich das Gefühl, mich in einer Sackgasse zu befinden. Und dann kommt im Gespräch mit jemand anderem oder durch etwas, was ich zufällig sehe oder höre, plötzlich ein Perspektivwechsel zustande, und es tut sich vor mir eine Möglichkeit oder Chance auf, an die ich selbst vorher nicht gedacht hätte. Manchmal braucht es auch einfach nur Zeit, bis in mir etwas so gewachsen ist, dass ich feststelle, dass meine Sackgasse keine Sackgasse ist, sondern meine Wahrnehmung nicht weit oder tief genug war.

    Was mir dabei hilft, ist meine Offenheit für Möglichkeiten und Chancen. Für mich bewahrheitet sich immer wieder dieser Spruch, „Schließt sich eine Tür, öffnet sich irgendwo ein Fenster.“

    Ich bin ein sehr kreativer Mensch mit vielseitigen Interessen. Im Grunde musste ich nur lernen

    AmSee13 betont diesen Punkt auch oft in ihren Beiträgen. Wobei ich glaube, dass auch das Denken/ Lernen eine Form von Tun sein kann, wenn man es denn kanalisiert, zB. in Form von Sprache lernen oder auch Wissen erwerben durch die Dinge, die Du machst, wenn Du Dich mit neurobiologischen Prozessen beschäftigst. Solange das Denken nicht das Tun beschneidet, sondern eine andere Art des Tuns ist, finde ich die auch ok.

    Bin ich völlig bei dir.

    Das, woran ich in meinem Beitrag gestern gedacht habe, war nicht das kanalisierte Denken und Lernen, sondern tatsächlich das, wozu ich mich selbst immer wieder hinreißen lasse: Eine Art von Binge-Reading.

    Damit habe ich mich nicht gerade selten vom eigentlichen Tun abgelenkt.

    Und - oh Wunder - ˋne entsprechende Quittung meines Körpers und meiner Psyche bekommen….

    Da denke ich generell noch zu naiv, befürchte ich. 2003 als ich das letzte Mal für einen längeren Zeitraum nichts getrunken hatte, ging es aus der heutigen Perspektive betrachtet steiler und schneller bergauf. Aber da hatte ich auch in 6 Monaten 20 kg abgenommen und bin nach einem Jahr Marathon gelaufen. Was das für eine Aufwand war, sowohl ernährungs- als auch trainingstechnisch, muss ich nicht noch mal haben. Zumal ich zugeben muss die eine oder andere Situation weggelaufen zu haben. Das war tatsächlich zumindest Teilweise eine Art Suchtverlagerung.

    Jetzt lerne ich halt das Normale, gesunde kennen. Das, was manchmal auch absolut keinen Spaß macht. Das, was ich viele Jahre entweder weg gefeiert, weg gelaufen, weg gearbeitet habe. Irgendetwas findet sich immer.

    Ich denke, dass Dopamin, der Neurotransmitter zur Belohnungserwartung, sowie das sogenannte Belohnungssystem in diesem Zusammenhang geeignete Stichworte sind.


    Das Geheimnis wird für dich vielleicht darin liegen, wie du mit dem, was dir absolut keinen Spaß macht, umgehen könntest. Kannst du dich von diesem oder jenem befreien, weil es dir nur eine Last ist? Oder kannst du es portionieren und dir zwischendurch und anschließend Inseln der Erholung, Belohnung, des Wollens oder Mögens einbauen?

    Diese Inseln müssen gar nichts Großartiges sein, sondern dürfen im Gegenteil allerlei Kleinigkeiten sein, die sich in den Alltag einfügen. Mir sind sie erst ein- bzw. aufgefallen, nachdem ich mich für diese Möglichkeiten geöffnet hatte. Das kann ein Blick aus dem Fenster sein, ein freundlich dreinblickender Mensch, die Aussicht auf eine Pause mit einem Becher Tee in meinem Sessel, Momente des Innehaltens und sich Besinnens auf das, woran ich Freude habe.

    Ja, es findet sich immer etwas, was absolut keinen Spaß macht, was man nicht tun, nicht sehen, nicht hören will. - Für mich ist es wichtig geworden, dem nicht mehr Aufmerksamkeit zu widmen als unbedingt nötig und stattdessen meine Aufmerksamkeit auf das, was gelingt, was mir persönlich gefällt, was ich mag, zu richten. Auch so sorge ich für mich.

    Die Vergangenheit ist bei mir auch lange ein (großes) Thema gewesen. Da muss ich auch nicht lange suchen. Aber inzwischen denke ich, dass ich mich letztlich nur immer wieder retraumatisiere, wenn ich immer wieder zurück gehe. Zugegeben, es ist nicht einfach. Aber am Ende hilft eh nur nach Vorne gucken.


    Die Vergangenheit war für mich eine Last und ich weiß leider auch gut, was Retraumatisierung bedeutet. Wenn du sie hinter dir lassen kannst und endlich möglichst nur nach vorne blicken kannst, ist das gut.

    Nur Zurückgehen und dabei lediglich das Vergangene nochmals aufzukochen, hilft meiner eigenen Erfahrung nach nicht weiter.

    Ich selbst habe mich mit meiner Vergangenheit ein weiteres und endlich letztes Mal beschäftigt, weil die alten Wunden mich in der Gegenwart belasteten und behinderten. Ich hab mir dazu geeignete professionelle Hilfe geholt. Inzwischen kann ich auf das Alte blicken, ohne dass mir da noch etwas wehtut. Das, was war, ist auch gefühlt endlich vorbei.


    Geduld war auch meine Sache nicht und „Füße still halten“ schon gar nicht. Geduld hatte für mich früher etwas von „Aushalten-Müssen“. Das musste ich in meiner Kindheit und Jugend zu oft und hab so sehe darunter gelitten, dass ich solche Situationen und Zustände als Erwachsene als unerträglich empfinde. Was ICH stets brauche, sind Lösungen oder Perspektiven.

    Geduld habe ich dadurch gefunden, dass ich Perspektiven gefunden habe, Wege, die ich gehen kann, Ziele, die ich erreichen kann. Und mitunter erfreue ich mich auch an dem, was mir auf dem Weg in die gewünschte Richtung begegnet, und begegne ihm mit Dankbarkeit. So ist gegebenenfalls der Weg schon das Ziel.

    Und so habe ich gelernt, wie Geduld sich für mich auszahlen kann. So wurde es dann nicht mehr so schwer, erneut Geduld aufzubringen.

    Und Ich weiß tatsächlich nicht ob meine aktuellen Probleme mit innerer Unruhe, Schlafproblemen und dem blöden Herzgestolpere daran liegen, dass ich vor einem Jahr aufgehört habe Alkohol zu trinken. Gefühlt war ich schon (viel) weiter. Vielleicht ist es der Winter, der Job, die Familie ... oder alles zusammen. Womöglich sitze ich generell und vor allem abends zu lange vor einem Display, was die Neurotransmitter ebenfalls beeinträchtigen kann.

    Was ich im Laufe der vergangenen Jahre begriffen habe, ist, wie vieles miteinander zusammenhängen kann. Ich hab mich auch näher mit der Neurobiologie des Gehirns beschäftigt und bin hoch beeindruckt, wie fein und hoch differenziert die verschiedensten Neurotransmitter da abgestimmt sein müssen, damit alles so läuft, wie es laufen sollte.

    Ein Winzigstel zu viel von diesem, ein Winzelgstel zu wenig von jenem und schon geht‘s uns nicht so, wie wir‘s gerne hätten.

    Schön wär‘s und so bequem, wenn ein, zwei Pillen reichen könnten, damit das, was grad nicht so funktioniert, wieder reibungslos funktioniert. Doch so funktioniert es leider nicht.

    Manchmal frage ich mich inzwischen, ob das nicht auch besser so ist, weil wir unserem Körper dann nicht die Pause oder Erholung oder eine Veränderung unseres Lebensstils einräumen würden, die er offenbar braucht.

    Du, Loner hattest von einer anstrengenden Zeit im Dezember mit deiner Familie erzählt. Könnte es sein, dass da noch etwas nachwirkt? - Bei mir wirkt so etwas immer nach. Das war schon so, bevor ich chronisch krank geworden bin, da war mir das nur noch nicht so bewusst wie heute, da ich krankheitsbedingt über ein recht begrenztes Energiereservoir verfüge. Damals wie heute braucht seine Zeit, bis mein Reservoir wieder aufgefüllt ist.

    Im Winter bilden unsere Körper, weil sie weniger Tageslicht erhalten, weniger Serotonin und kein Vitamin D, was sich auch auf unser Wohlbefinden auswirkt.


    Des Weiteren habe ich in Bezug auf meine eigene Abstinenz die Erfahrung gemacht, dass es da nicht linear aufwärts gegangen ist, sondern dass es sowas wie Wellen gab. Das mag etwas mit der komplexen Neurobiologie zu tun haben, aber ich vermute stark, dass das auch etwas mit dem Leben, mit Gefühlen, Erinnerungen und dem ganz normalen Alltagswahnsinn zu tun hat.

    Ich hab auch immer tiefer gegraben. Nicht mit KI, sondern mit allem anderen, was mir vor Augen und Ohren kam. Bei mir spielte von Anfang an meine Vergangenheit mit meiner Familie eine Rolle.


    Ich kann dir nur empfehlen, Geduld mit dir zu haben - Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht - und dich weiterhin auf Entdeckungsreise zu begeben, was du eigentlich brauchst. Das wird wahrscheinlich weniger im Lesen, als vielmehr im eigentlichen Tun bestehen.

    Mein Geist ist auch stets hungrig, wissbegierig, aber wenn ich persönlich mich zu viel in dem Bereich betätige und zu wenig im eigentlichen Tun, wirkt sich das schlecht auf meine Stimmung, mein körperliches Befinden und auch meinen Schlaf aus. Das Geheimnis liegt offenbar in der Balance. Die halte ich zugegebermaßen nicht immer, kann sie nicht halten oder will sie nicht halten. Ich selbst neige nun einmal zum Intensiven. 🤷‍♀️

    Hi Tom,

    freue mich mit dir, dass du nun (wieder) ein Jahr voll gemacht hast.

    Andererseits ist es auch nur eine Zahl, ein Zeitraum, weswegen ich nicht in Jubelschreie ausgebrochen bin.

    Kann ich gut nachvollziehen. Es ist im Grunde ja nicht dein erstes alkoholfreies Jahr, sondern du befindest dich schon länger auf dem Weg, frei von Alkohol zu leben.

    Du weißt aus eigener Erfahrung sehr genau, wie das ist, wenn du einen Rückfall erleidest.

    So schlimm das für dich war, so bist du möglicherweise auch dadurch einen Schritt weiter gekommen, weil du aus diesen Erfahrungen dazu gelernt hast, wo deine persönlichen Fallstricke liegen und wie du entsprechend für dich sorgen kannst.


    Winterblues…. Jo, mir auch nicht unbekannt….Und danach erstmal Frühjahrsmüdigkeit….

    Geht vorüber! 😅


    Beste Grüße

    AmSee

    Wobei….. Du Kücken könntest doch noch schwanger werden…. :*

    Bitte als Scherz verstehen, Sparkassen_Helga .


    Vor geraumer Zeit ging durch die Nachrichten, dass in Deutschland eine über 60-Jährige erneut Mutter geworden ist…..

    Wir zwei sind ja sogar noch jünger….


    ————

    Im Ernst: Wie unwahrscheinlich das tatsächlich mit über 40 bereits ist und mit welchen Risiken verbunden, weiß ich selbst nur zu gut….

    Das ist eine sehr gute Idee. Ich mag solche Art Antworten. Hab aus der Laune heraus mal eine KI nach kreativen Antworten gefragt. Ganz schön viel ^^

    Ich finde die Liste recht inspirierend.

    Mein Kopf hat daraufhin über alle möglichen Sprüche sinniert, bspw. über


    „Tausende Fliegen können nicht irren [….]. Ich bin aber keine Fliege.“


    „Willst du die Antwort wirklich wissen? ….. Ich bin auf streng geheime Dokumente gestoßen, wonach es beim Alkoholkonsum keine gesundheitlich unbedenkliche Menge gibt.“


    „Mir geht‘s ohne Alkohol einfach besser.“


    „Ich brauche keinen Alkohol, um lustig und gesellig zu sein.“


    „Was für eine Frage! - Ich frage mich umgekehrt, warum DU eigentlich trinkst.“


    Ich bin aber tatsächlich schon lange nicht mehr gefragt worden, warum ich keinen Alkohol trinke.

    Und tatsächlich habe ich, falls die Frage denn mal kommen würde, wenig Lust, meine genauen Hintergründe zu offenbaren.

    Nach meinem persönlichen Eindruck wollen die, die solche Fragen stellen, nicht hören, was ich über Alkoholkonsum denke.

    Wer, der gerne Alkohol konsumiert, will schon hören, dass der Konsum seine Problematiken hat?

    Wann immer das Thema in meiner Familie oder im Freundes- oder im Bekanntenkreis anklingt, kommen die üblichen beschwichtigenden Argumente oder Sprüche. Ich nehm‘s hin, denke mir meinen Teil und äußere mich nicht weiter dazu.


    Die Antwort „Ich bin schwanger“ hat irgendwie was. Stelle mir grad vor, die käme auch von einem Mann oder von jemand im offensichtlichen Greisenalter. ^^ Ergänzung: „Eine andere Ursache kann ich mir nicht vorstellen, denn ich kann Alkohol nicht mehr riechen. Ja, mir wird sogar ganz schlecht davon.“


    Ich hab sonst gelegentlich die Antwort „Ich nehme Medikamente.“ genutzt. Passt(e) bei mir, wenn‘s auch nicht die ganze Wahrheit war. Das forderte dann zum einen nicht dazu heraus, den Alkoholkonsum meines Gegenübers infrage zu stellen, und zum anderen nicht dazu, meine persönlichen Gründe näher zu offenbaren.

    Bezüglich Letzterem hätte ich keine Angst, aber erstens ist das kein Thema für jeden, zweitens geht das nicht jeden was an und drittens ist das kein Thema für den üblichen Smalltalk.

    Ja. Es ist tatsächlich ein Hochgenuss mit der Mopete Tagestouren zu fahren. Du kannst einfach für Dich sein, wenn Du machst. Du kannst mit Anderen fahren, wenn Du magst. Du kannst zu Biker-Treffs fahren und quatschen. Du kannst Dir einen einsamen Ort suchen und Deine Ruhe haben. Ich freu mich schon auf die nächste Tour in die Alpen. Da Kurven genießen, wo die Murmeltiere leben <3.

    Das Fahren an sich, mit allem Drum und Dran. <3

    Sehr gerne. Ich finde du bescheibst es stimmiger: Sich auf eine Reise begeben sich selbst überhaupt erst finden. Und du bringst mich zum nachdenken. Im Positiven Sinne. Wenn ich der werde, der ich früher war, würde ich letztlich wieder das machen, was mich dem Alkohol in die Arme getrieben hat: Als Introvertierter in einer Extravertierten Familie "funktionieren". Vielen Dank für deine Erfahrungswerte diesbezüglich!

    Das freut mich, wenn du mit meinen Gedanken auch etwas anfangen kannst.

    Ich, selbst ebenfalls introvertiert, habe früher auch geglaubt, ich müsse irgendwie „funktionieren“, ich hab auch keine Möglichkeit gesehen, anders zu handeln.


    Und dann kam es mit mir irgendwann dahin, dass ich gar nicht mehr funktionierte. Auch eine kurze Krankschreibung half nicht, ich war völlig ausgebrannt.

    Ich hab da wieder herausgefunden, nicht ohne Hilfe, aber dafür war es notwendig, meine eigenen Interessen (wieder-) zu entdecken, sowie mein eigenes Tempo kennenzulernen und möglichst meine Grenzen nicht zu überschreiten.

    Übrigens war mein erstes Projekt, als ich aus der Klinik herauskam, den Motorradführerschein zu machen. Den Wunsch hatte ich Anfang 20 mangels Geld nicht realisieren können und glaubte mich in der Zwischenzeit zu alt dafür. Was soll ich sagen? Ich war dafür nicht zu alt… Da du selbst auch Motorrad fährst, wirst du nachvollziehen können, was mir das Motorradfahren dann gegeben hat: Echte Lebensfreude. 😄


    Und heute will ich nicht mehr irgendwie auf eigene Kosten funktionieren. Für mich haben meine eigenen Bedürfnisse inzwischen mindestens ebenso viel Berechtigung wie die Bedürfnisse anderer.

    Dazu gehört für mich zum Beispiel, dass ich meine Auszeiten brauche. Feiern in meiner Familie oder Situationen in größeren Gruppen sind für mich immer anstrengend. Wenn‘s nötig ist, ziehe ich mich ne Weile raus oder ich gehe früher oder ich sage ab.

    Und „Nein“ ist bei mir Nein. Das musste ich auch erst lernen. Ich begründe das nur, wenn ich das für notwendig oder angemessen halte. - In Bezug auf Alkohol halte ich persönlich das nicht für notwendig.

    Von mir ein Danke für das Teilen deiner Gedanken und Erfahrungen, Loner .

    Ich vergleiche das ja ab und zu mit einer Abenteuerreise, weil ich selbst das im Rückblick so empfinde.

    Und mir ging das ja auch so, dass bei mir im Laufe der Zeit das Bedürfnis aufkam, mich mit dem, was sich in meinem „Keller“ befindet, zu beschäftigen.

    Das war nicht immer leicht, aber im Ergebnis bin ich Schritt für Schritt sehr viel weitergekommen, als ich das vorher jemals erwartet hätte.

    Ich selbst bin dadurch nicht zu der Person zurückgekommen, die ich mal war, das hätte ich aber auch nicht gewollt, weil diese Person unter dem litt, was gewesen war. Ich bin stattdessen endlich genesen. Für mich fühlt es sich so an, als hätte ich mich überhaupt erst gefunden.

    Modellbau 1:87. Das modellieren von Landschaften, Berge, Täler und dren Bepflanzungen. Häuser, Fabriken, Mühlen, Bauernhöfe, usw .. , sonstige Gebäude (alle beleuchtet). Halt mit viel Elektronik, das habe ich mal gelernt. Gerade die Fantasie und deren Ausführung bringt mich auf andere Gedanken und gibt mir viel Ruhe.

    Das kann ich sogar richtig gut nachvollziehen, weil ich daran auch meine Freude hätte. :) Mein Mann und ich hatten uns das letzten Winter schon mal vorgenommen, sind aber bislang noch nicht dazu gekommen. 🤷‍♀️

    Das kenne ich, das nicht machen zu können und nur die Fahrerin zu sein. Hab mich damit arrangiert, hoffe aber, dass das auch bei mir nochmals wieder etwas besser wird. Habe vor, in diesem Jahr eine Reha zu beantragen.

    Dir jedenfalls viel Erfolg und Glück, dass du das wieder machen kannst. 🍀