Paul, nun abstinent

  • Hallo AmSee,

    ich begriff, dass ich viele Dinge nicht ändern kann, egal was ich mir wünsche, egal was ich erhoffe, nenne es meinetwegen Resillienz oder Akzeptanz, Aushalten, Demut oder lernen, es zu ertragen, sich fügen oder es aushalten.

    Ich begriff, sich ärgern, schämen oder sich aufregen bringt absolut nichts, im Gegenteil, nur mir geht es dann schlechter, wenn ich es tu'e.

    Leere kann ich nur mit etwas füllen, habe ich nichts bzw. steht mir nichts zur Verfügung, kann ich nur lernen mich daran zu gewöhnen.

    Diese "Leere", vielleicht besser Unzufriedenheit, kann doch die unterschiedlichsten Ursachen/Gründe haben, habe ich diese herausgefunden, weiß ich, bestenfalls, was ich tun kann.

  • Beim sogenannten Suchtdruck kannte ich die Ursache, es war eine Substanzgewöhnung, der Körper ist recht schnell entwöhnt, nur die Psyche benötigt "etwas" länger, diese wiederum kann ich bewusst beeinflussen.

  • Paul , du wolltest doch eigentlich wegen von dem Wort „Resilienz“. 😉


    Meine Antwort auf deine Frage:

    Nein, wer psychoaktive Substanzen zum Abschalten missbraucht, hat das, was unter „Resilenz“ bezeichnet wird, nicht.
    Wenn er resilient wäre, würde er nicht zu psychoaktiven Substanzen greifen, sondern Wege gehen, um wirklich für sich zu sorgen.

    Wie sorgt man sich denn richtig um sich?

  • Hallo Paul,

    vom Begreifen bis hin zum annehmen Können ist es ja doch noch ein ordentliches Stück Weg, da spielen ja auch die eigenen Emotionen mit hinein.
    So, wie du das schreibst, wirkt es auf mich, als wenn du das rein vom Kopf her angegangen bist.
    Wie hast du denn deine Emotionen in den Griff bekommen, auch rein vom Kopf her?

    Leere kann ich nur mit etwas füllen, habe ich nichts bzw. steht mir nichts zur Verfügung, kann ich nur lernen mich daran zu gewöhnen.

    Diese "Leere", vielleicht besser Unzufriedenheit, kann doch die unterschiedlichsten Ursachen/Gründe haben, habe ich diese herausgefunden, weiß ich, bestenfalls, was ich tun kann.

    Ich weiß nicht, wie’s um deine Leere bestellt war bzw. welche Ursachen die hatte. Ich vermute auch, dass so eine Leere verschiedene Ursachen/ Gründe haben kann.

    Meine eigene Leere ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon in meiner Kindheit und Jugend entstanden. Ich würd sie auch nicht als „Unzufriedenheit“ bezeichnen, sondern das war bei mir schon sehr viel mehr, eher sowas wie Verlorenheit, Heimatlosigkeit, Einsamkeit.

    Ich hab diese Leere zu füllen versucht, hab in gewisser Weise die Flucht nach vorne angetreten. Doch egal, was ich auch versuchte, die Leere blieb, sie war wie ein Fass ohne Boden.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Wie sorgt man sich denn richtig um sich?

    Warum fragst du mich das? Du hast für dich doch, wie du an anderer Stelle im Forum dargelegt hast, deinen Weg gefunden…

    Da du aber fragst:

    Es geht doch in diesem Zusammenhang ums Abschalten.
    Um abschalten zu können bzw. einen stressigen Alltag nach dem Feierabend hinter sich zu lassen, stehen grundsätzlich ja viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

    Der eine macht noch etwas Sport, powert sich n bisschen aus und baut damit seinen Stress ab.
    Ein anderer übt sich in Meditation, Yoga oder etwas in dieser Richtung.
    Ein dritter begibt sich zuhause in seinen Garten oder in seine Werkstatt oder seinen Hobbyraum und beschäftigt sich dort noch n bisschen was, weil‘s ihm gut tut und auf diese Weise beim Abschalten hilft.
    Ein vierter trifft sich mit Freunden, erzählt dort n bisschen und unterhält sich ansonsten über ganz andere Dinge.
    Ein fünfter schreibt sich zuhause seinen Frust von der Seele und erfindet vielleicht sogar Geschichten, in die er das Erlebte verarbeitet.
    Ein sechster nimmt ein ausgiebiges Wannenbad.
    Weitere Möglichkeiten sind grundsätzlich denkbar…



    Das Problem beim Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen sehe ich im Missbrauch, d.h. im Konsum um eine bestimmte gewünschte Wirkung bsw. Sedierung zu erreichen. Gerade mit diesem Missbrauch fängt Sucht im Prinzip schon an.
    Ein resilienter Mensch, sofern er kein Alkoholiker ist, kann ja durchaus Alkohol konsumieren, nur spielt der Alkohol keine Rolle in seinem Leben, ist nicht (nahezu) beständig in seinen Gedanken.
    Seine Resilienz, hier denke ich tatsächlich an Widerstandskraft, zeichnet sich doch dadurch aus, dass er Mittel und Wege kennt und nutzt, die ihn mit Stress umgehen lassen.
    Alkohol ist, das wissen wir hier ja leider aus eigener Erfahrung allzu gut, eine denkbar schlechte Wahl, um Stress abzubauen und abzuschalten. Der Stress geht davon nicht wirklich weg und deinem gesamten Nervensystem geht’s nach dem Alkoholkonsum noch schlechter

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • vom Begreifen bis hin zum annehmen Können ist es ja doch noch ein ordentliches Stück Weg ...

    "bis zum annehmen können ..." ...die Frage stellt sich doch gar nicht, will ich vom Alkohol weg, muss ich aufhören zu trinken!

    Da habe ich keine Wahl. Niemand behauptet, dass es einfach ist, es auch nicht ausgeschlossen ist, dass da Gefühle verrückt spielen können - entweder halte ich diese Gefühle am Anfang aus, in dem Wissen das es mit der Zeit besser wird oder ich hadere ewig.

    Da hilft kein jammern, da muss man durch, entweder will man es oder nicht.

    Da hilft sicher Bewusstsein und auch das Wissen, dass Alk. nicht lebensnotwendig ist, als Kinder brauchten wir auch keinen Alkohol, selbst als Erwachsene ging es tage-, wochen-, vielleicht auch jahrelang ohne Alkohol und jetzt soll das plötzlich nicht mehr gehen?

    Nicht wieder funktionieren?

  • "bis zum annehmen können ..." ...die Frage stellt sich doch gar nicht, will ich vom Alkohol weg, muss ich aufhören zu trinken!

    Ich hab da noch mehr im Blick. Vom Alkohol weg zu kommen war für mich das eine, er spielte am Ende in meinen Leben zweifellos auch eine Rolle, aber da gab’s eben noch mehr, was mir ernsthaft Probleme bereitet hat….


    Da habe ich keine Wahl. Niemand behauptet, dass es einfach ist, es auch nicht ausgeschlossen ist, dass da Gefühle verrückt spielen können - entweder halte ich diese Gefühle am Anfang aus, in dem Wissen das es mit der Zeit besser wird oder ich hadere ewig.

    Wenn du gar nicht gelernt hast mit Gefühlen umzugehen, stehst du dem u.U. ziemlich hilflos gegenüber. Zwar wird’s mit den Gefühlen im Laufe der Abstinenz dadurch, dass sich da im Gehirn wieder etwas verbessert und reguliert, etwas weniger turbulent, aber wirklich besser wird’s nicht unbedingt, weil du ja immer noch nicht weißt, wie du mit den Gefühlen umgehen kannst.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Da hilft sicher Bewusstsein und auch das Wissen, dass Alk. nicht lebensnotwendig ist, als Kinder brauchten wir auch keinen Alkohol, selbst als Erwachsene ging es tage-, wochen-, vielleicht auch jahrelang ohne Alkohol und jetzt soll das plötzlich nicht mehr gehen?

    Nicht wieder funktionieren?

    Dazu ist mir gerade noch etwas eingefallen…

    Gewiss missbrauchte ich als Kind keinen Alkohol, aber da lief zumindest bei mir in der Kindheit so einiges schief, dass ich zum einen nicht oder zumindest nicht genug gelernt habe, mit Gefühlen umzugehen, und zum anderen in meinem Inneren, meinem Ich, so einige Glaubenssätze erworben hab, die‘s mir im Laufe meines Lebens echt schwer gemacht haben und auch eine der Ursachen waren, weshalb ich krank geworden bin und mein Heil am Ende im Alkohol gesucht habe.

    Sowas alles ist ja dadurch, dass man keinen Alkohol mehr trinkt, nicht weg. Deshalb hat es mich zum Beispiel ernsthaft interessiert, was ich noch tun kann, um grundlegend zu genesen.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Sowas alles ist ja dadurch, dass man keinen Alkohol mehr trinkt, nicht weg. Deshalb hat es mich zum Beispiel ernsthaft interessiert, was ich noch tun kann, um grundlegend zu genesen.

    Ich schreibe jetzt Mal ganz allgemein, der Einfachheit halber, obwohl ich nur von mir schreibe, Ähnlichkeiten mit anderen Personen wären rein zufällig, obwohl nicht ausgeschlossen ... wir Alkoholiker oder zur Trunksucht neigende Menschen, waren doch Meister im Verdrängen, oft schüchtern, unsicher, gar verklemmt, die Gründe, so viefältig sie auch sein mögen, wagen wir selten zu benennen, wir kennen sie zwar, doch anstatt ihnen offen zu begegnen, werden sie unterdrückt, nach aussen verharmlost, kleingeredet, das macht nicht nur noch unsicherer, sondern auf Dauer, erst einsam, auch unter Menschen, dann werden wir komisch ... immer zurückhaltender, auch, nennen wir es mal eigener/verletzbarer, fühlen uns schneller angegriffen.

    Das seelische Gleichgewicht gerät langsam aus den Fugen, das schwächt auch unser Imunsystem, wir werden anfälliger für Krankheiten, oft beginnt es mit Kleinigkeiten, denen wir keine Bedeutung beimessen und unterschätzen dabei völlig die Psychosomatik.

    Früher verodnete man oft Ruhe, damit der Körper/Geist sich wieder erholen kann, heute gibt es für alles eine Medinzin, einfach so und das recht schnell.

    Das erlebt jeder in div. Arztpraxen, früher war das Gespräch ein wichtiger Bestandteil einer Behandlung ... ein Gespräch zum Sorgen loswerden, ein Gespäch, was uns erleichtert, uns verstehen lässt, uns ggf. auch beruhigt, ein Gespräch, wo wir das Gefühl haben, verstanden zu werden, wo man sich Zeit lässt, Andere uns zuhören und umgekehrt.

    Warum fühlen sich so viele Menschen in der Kirche, im Verein, in einer SHG, bestenfalls in der Famlie so wohl? ... weil man ihnen zuhört, bestenfalls, man sich nicht verstellen muss.

    Viele Oma's haben so eine Gabe, Priester, Schamanen, auch Eltern oder Freunde.

    Erst wenn dir niemand mehr zuhört und die Einsamkeit beginnt, beginnt die Suche nach "Ersatzbefriedigung", Betäubung, beginnt das Ungleichgewicht.

    Alle Eltern kennen das (hoffentlich!), hört man den Kindern zu und gibt ihnen das Gefühl, dass man sie ernstnimmt, verfliegt schnell der Zorn, die Traurigkeit, bei Erwachsenen ist es nicht anders.

    Viele haben auch verlernt sich selbst zuzuhören

    ... ich kann mich irren.

  • Trunksucht neigende Menschen, waren doch Meister im Verdrängen, oft schüchtern, unsicher, gar verklemmt, die Gründe, so viefältig sie auch sein mögen, wagen wir selten zu benennen, wir kennen sie zwar, doch anstatt ihnen offen zu begegnen, werden sie unterdrückt, nach aussen verharmlost, kleingeredet, das macht nicht nur noch unsicherer, sondern auf Dauer, erst einsam, auch unter Menschen, dann werden wir komisch ... immer

    Paul, du bringst es auf den Punkt. Es ist das Desinteresse der Gesellschaft. Als ich 15 war ist mein Vater spurlos verschwunden. Als ich 18 war kam die Polizei. Es war 3 Tage vor Weihnachten.

    Sie hatten meinen Vater gefunden. Bzw. das was noch übrig war und die Tiere im Wald nicht aufgefressen habe.

    Es ging nur noch um einen Zahnabdruck, mehr war nicht mehr da. Und eine Schlinge die ganz hoch im Baum hing.

    In der ganzen Zeit zwischen verschwinden und auffinden war keiner für mich da. Alle haben gekuschelt und wenn ich sie angesprochen habe taten sie so als würden sie über das Wetter reden.

    Meine Mutter ist seit dem Tavor und Alkoholabhängig. Auch wenn sie es nach wie vor leugnet. Und ich hab vor kummer und Schmerzen das saufen angefangen. Ich hab schnell merken müssen das die Gesellschaft deine Probleme nicht interessiert.

    Probleme sind unsexy.

    Mit viel überredung und gütigkeit der damaligen Kirche durften wir dann den Kopf, zwei Unterschenkelknochen, eine halbe Schultern, sowie Fragmente, doch noch verbrennen und man hat uns ein Urnengrab gestattet.

    Das war Ende der 80ger und Selbstmörder durften nicht christlich begraben werden.


    Um auf dein Thema zurück zu kommen , außer zu verdrängen blieb mir gar nichts über.

    Und die Situation hat sich ja nicht geändert. Wir sitzen vor dem Fernseher, sehen Kriege, blind hungernde Menschen, aber wir lassen den Löffel nicht fallen

    Wir essen weiter.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!