Stelle mich mal vor

  • Hallo zusammen, hoffentlich verstehe ich das hier alles richtig und habe meinen Beitrag in die richtige Spalte gepostet. Wenn nicht freue ich mich natürlich über eine kleine Einweisung. Ich nenne mich Nebelkrähe, weil ich seit einiger Zeit relativ viele Stunden meines Lebens im Nebel verbringe. Da ich dies nicht sonderlich attraktiv finde, habe ich mir den nicht sonderlich sympathischen Vogel Krähe ausgesucht. Ich habe seit meiner frühesten Jugend Kontakt mit Alkohol. Erst einmal war mein Vater einen aggressiv Alkoholiker, welcher meine Mutter und mich regelmässig verprügelt und auf die Straße geworfen hat. Eigentlich ein gutes Beispiel dafür, es ist besser nicht genauso zu machen oder? Na ja was soll ich sagen, die Vorsätze und die Realität gehen meistens sehr weit auseinander. Als Jugendlicher habe ich schon sehr viel getrunken, hatte aber in der Zwischenzeit eigentlich tatsächlich Phasen, in welchen ich dem Alkohol keine weitere Beachtung geschenkt habe. Doch Dinge ändern sich. Während ich dieses hier schreibe, es ist 13:46 Uhr, und ich muss gleich an meinen Homeoffice Arbeitsplatz, habe ich ein Glas Rotwein in der Hand, um meinen Tag zu überstehen. Ich habe tatsächlich irgendwann die Kontrolle verloren. Man glaubt zwar immer, dass man gesellschaftsfähig ist und, dass ist doch irgendwie dazu gehört. Allerdings gehöre ich eher zu den Menschen, welche sich hart selbst reflektieren und ziemlich genau wissen, wann Sie ein Problem haben. Und ich habe ein Problem. Ich trinke nur, wenn es mir schlecht geht. Wenn ich glücklich bin, habe ich nicht das Bedürfnis irgendwas zu trinken. Zurzeit macht mich meine Arbeit komplett fertig und ich ertrage diese nur, wenn ich in diesem leichten Rauschzustand bin und irgendwie vergessen kann. Ich lebe in einer wundervollen Beziehung und habe jetzt schon Angst, mein Partner mein Problem zu beichten. Ich bemerke die typischen Anzeichen, welche jede Person, die ein Alkoholproblem hat versucht zu vertuschen. Ich trinke kleine Mengen, verstecke meine angebrochenen Flaschen und versuche es so unauffällig wie möglich zu halten. Niemand muss mir sagen, dass ich ein Problem habe, das weiß ich zu genüge, wenn ich jeden Morgen aufwache. Früher habe ich nur abends getrunken, aber heute schaffe ich kaum einen Arbeitstag, ohne wenigstens zwei Gläser Wein zu trinken. Ich hoffe, dass ich hier in diesem Forum ein wenig Klarheit über meine Situation erhalte. Und vielleicht tut es auch gut, nicht alleine zu sein. Zu einer Therapie kann ich mich noch nicht durchringen, denn dieser Finale Schritt ist mir einfach noch zu groß. Dann will ich mal an die Arbeit gehen und diesen Tag irgendwie hinter mich bringen. Seid herzlich gegrüßt eure Nebelkrähe

  • Hallo Nebelkrähe,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Kurz zu mir, damit Du weißt mit wem Du es zu tun hast: männlich, Mitte 40, Alkoholiker und mittlerweile schon einige Jahre trocken.

    Erst mal würde ich Dir vorschlagen Dich hier durch die unterschiedlichen Threads zu lesen (falls nicht schon geschehen). Da wirst Du erst mal ziemlich viel Input bekommen und feststellen, dass

    Zitat

    Und vielleicht tut es auch gut, nicht alleine zu sein.


    Du natürlich nicht alleine bist. Du befindest Dich sogar in einer recht großen Gesellschaft denn in Deutschland sind ja ca 1,8 Millionen Menschen alkoholabhängig. So wie Du wahrscheinlich und ich ganz sicher. Allerdings ist nur ein äußerst kleiner Anteil dieser Abhängigen bereit oder in der Lage etwas an ihrer Situation zu ändern.

    Etwas Ändern zu wollen ist aber natürlich die absolute Grundvoraussetzung um überhaupt sinnvoll etwas gegen die Sucht unternehmen zu können. Du bist also nun an dem Punkt angekommen wo Du Dich zumindest schon mal intensiver mit Deinem Trinkverhalten außeinander setzt. Wenn ich Dich richtig verstehe bist Du aber noch nicht bereit eine Therapie zu machen.

    Ich sag mal so: Eins nach dem Anderen! Erst mal ist es nicht schlecht, dass Du Dich hier austauschen willst und Dich mit Deinem Trinkverhalten außeinander setzt.

    Du bemerkst vielleicht, dass ich vermeide Dich als Alkoholiker zu bezeichnen. Und zwar desahalb, weil ich das nicht 100 %ig beurteilen kann. Sicher ist aber, wie Du ja selbst schreibst, dass da ein gewaltiges Problem vorhanden ist. Und die typischen Anzeichen die Du beschreibst deuten stark auf eine Sucht hin.

    Idealerweise wäre jetzt wohl folgendes sinnvoll: Arzt des Vertrauens aufuschen und Sitation schildern / qualifizierte Entgiftung machen (ggf. auch stationär, je nach ärztlichem Rat), Beratungsstelle Suchthilfe aufsuchen und über weitere Schritte oder Möglichkeiten sprechen / ggf. ambulante oder stationäre Therapie / begleitend SHG besuchen -

    Soviel zur Theorie, zum vielleicht geradlinigsten und sinnvollsten Weg raus aus der Sucht. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass das oft nicht so stringend abläuft. Auch wenn es wohl der Weg mit der meisten und absolut notwendigen und sinnvollen Hilfe ist.

    Bei mir war das so: Jahrelanges Trinken erst mal auf niedrigem Niveau / Problemchen kamen und mein Trinkniveau stieg / nun entstanden die Probleme nicht mehr durch Außeneinwirkung sondern meine Sucht sorgte für Problemnachschub welche dann wiederum durch erhöhtem Konsum bekämpft wurden / so gingen die Jahre ins Land und ich trank immer weiter ohne Verstand / alles heimlich, meine Umwelt sollte nichts von meiner Sucht mitbekommen / Tabus wurden gebrochen, z. B. irgendwann das erste Bier schon vor vier, dann das erste Bier schon vor Mittag und irgendwann das erste Bier vormittags, sprichs morgens in der Frühe. Weitere Tabus wurden gebrochen, z. B. niemals Auto fahren mit Alkohol im Blut.

    Und so ging es dahin. Ich weiß nicht "wie weit" Du schon bist aber glaube mir, es kommt auf jeden Fall noch viel schlimmer. Natürlich versuchte ich auszusteigen - heimlich und ohne Hilfe. Nichts mehr trinken - das ging anfangs. Sogar ein paar Monate, später noch ein paar Wochen, dann immerhin noch ein paar Tage, irgendwann war ich stolz wenn ich mal an einem Tag nichts getrunken hatte und schließlich konnte ich überhaupt nicht mehr ohne sein. Ich war kurz davor nachts aufzustehen und statt Wasser Bier zu trinken.... Das wäre dann ein weiteres Tabu gewesen....

    Alle Trinkpausen blieben Pausen und ich kehrte immer wieder zurück zum Alkohol. Anfangs auch mit gutem Gewissen, hatte ich mir doch bewiesen, dass ich ohne kann. Und wer ein paar Wochen ohne sein kann, der kann ja kein Problem haben.... Tja, das ist natürlich totaler Quatsch.

    Mein Ausstieg nach vielen Jahren starken trinkens sah dann so aus, dass ich plötzlich nicht mehr konnte und wusste ich muss und will jetzt reinen Tisch machen. Ich will nie mehr trinken. Ich war ein psychisches Wrack, seelisch am Ende und körperliche Symptome waren auch schon zu sehen. Ich hörte auf und ging zu spät zum Arzt. Hätte ich unter kalten Entzug gelitten und wäre es zum Delir gekommen, hätte ich in Lebensgefahr geschwebt. Dieser Gefahr war ich mir damals nicht bewusst und so ging ich erst mehrere Tage nach meinem letzten Bier zum Arzt. Was ich aber sofort getan habe war eine SHG zu besuchen. Das war ein Schlüsselereignis für mich und half mir sehr - auch wenn ich heute keine mehr besuche.

    Dann machte ich natürlich auch einen Termin bei Psychologen denn ich war (und bin es immernoch) davon überzeugt, dass meine Alkoholsucht eine psychische Erkrankung ist. Ich habe weitere psychologische Betreuung gesucht, jenseits vom klassischen Psychologen was mir ebenfalls sehr geholfen hat bei der Aufarbeitung. Und ich habe mein Umfeld eingeweiht, mich geoutet. Es allen gesagt, die mir wichtig waren /sind. Und damit die Heimlichtuerei hinter mir gelassen und das Türchen zurück ein Stück weit verschlossen. Das war für mich eine logische und sehr wichtige Entscheidung denn all meine Versuche heimlich aufzuhören und darauf zu hoffen, dass dann niemand je etwas von meiner Sucht erfährt waren gescheitert. Und dieses Mal war ich mir auch sicher, dass ich nie mehr wieder Alkohol trinken will - ich musste einfach reinen Tisch machen, auch wenn das die wahrscheinlich schwersten Gespräche meines Lebens waren.

    Es dauerte Monate, ich möchte sogar sagen Jahre bis ich langsam wieder "normal" wurde. Ich verstand plötzlich den Spruch der AA, die zu mir sagten: So lange Du gesoffen hast, so lange dauert es auch bis zu wieder normal bist - nun, vielleicht muss es nicht ganz so lange dauern... Aber es geht nicht von heute auf morgen und auch nicht innerhalb von ein paar Wochen. Ich arbeite heute noch auf, nur heute sehr viel ruhiger und enspannter, zielgerichter und auf einzelne, kleinere Problemchen bezogen.

    Soweit meine Geschichte im groben Überblick. Ich will Dich damit motivieren etwas zu unternehmen, Dein Problem richtig anzupacken. Hol Dir Dein Leben zurück - Du hast nur das eine! Und übrigens: Probleme habe ich auch jetzt ohne Alkohol nur mit dem Unterschied, dass ich diese jetzt nüchtern auch lösen kann oder ich lerne damit umzugehen, ohne mich betäuben zu müssen. Ich war noch nie so glücklich in meinem Leben wie in der Zeit seid ich nichts mehr trinke!

    Einen guten Austausch wünsche ich Dir und alle Gute für Deinen weiteren Weg.

    LG
    gerchla

  • Hallo Nebelkrähe,

    auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Bei mir kommt an, dass du den Alkohol einsetzt, um dein Arbeitsleben, das du als unerträglich empfindest, erträglicher zu machen.
    Was soll sich jetzt konkret ändern? D.h., was planst du für deine Zukunft, und wie können wir dir dabei helfen?

    Gruß
    Bassmann

  • Hallo zusammen und besonderen Dank an Gerchla und deine Geschichte. Es trifft mich mitten ins Herz und macht mir Angst und Mut zugleich. Zur Zeit habe ich ein schwammiges Gefühl des dahin Dümpelns. Ich verbringe, krank geschrieben, Tage mit nichts tun. Ich sitze auf der Terrasse und schütte mich zu. Dann schlafe ich, um wenigstens einigermaßen meinem Mann unter die Augen treten zu können. Klar- man merkt mir nichts an. Ich bin hip, dynamisch, unterhaltsam und sehe ganz gut aus. Ich bin wahnsinnig beliebt und kreativ. Wenn ich nicht trinke. Wenn ich trinke betäubt es diese Leere und mir wird alles egal bis hin zu Aktionen, welche ich natürlich nüchtern nicht machen würde. Wie zB heute, als ich einfach meiner Chefin sagte, dass ich krank bin. Ich hab es schlicht nicht geschafft, diesen Berg Arbeit zu bewältigen. Immerhin habe ich eine Bewerbung geschrieben. Denn- Bassmann- ich hasse meinen Job. Und das will ich ändern. Das hier ist mein erster Schritt raus. Ich hoffe, dass ich einen Step nach dem nächsten schaffe. Bittere Zeiten gerade und die selbst Erkenntnis ist echt mies. Aber vermutlich hilfreich.

  • Hallo Nebelkrähe,

    ich möchte mich Bassmann anschließen. Hast Du schon eine konkrete Idee wie Du Dein Leben weiter gestalten möchtest? Gibt es bereits einen Plan oder eine Idee, wie Dein Ausstieg aus der Sucht aussehen soll? Oder anders gefragt: Willst Du überhaupt aufhören mit dem Trinken? Ich meine so richtig wirklich? Kannst Du Dir vorstellen künftig ohne Alkohol zu leben?

    Bitte nicht falsch verstehen: Diese Fragen sind nicht provizierend gemeint. Es sind fragen die ich, zu einem bestimmten Zeitpunkt meiner Sucht, allesamt mit NEIN beantwortet hätte. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber noch nicht so weit wie Du jetzt - denn ich habe mich ja zu keiner Zeit geöffnet sondern immer nur mit mir alleine "diskutiert" und versucht alleine etwas zu ändern. Heimlich, so dass ich meine Scheinwelt aufrecht erhalten kann.

    Wie ist das denn bei Dir? Weiß Dein näheres Umfeld das Du trinkst? Weiß es Dein Mann?

    Meine Ex-Frau hat es nicht gewusst, niemand hat es gewusst außer meine kleine Tochter, von der ich es am wenigsten erwartet hätte. Wobei sie damals noch nicht ganz umrissen haben dürfte was tatsächlich genau los ist. Aber sie hat das Problem erkannt, das hat sie mir später mal erzählt. Hat mich mal heimlich trinken sehen (obwohl ich gerade bei ihr immer besonders aufgepasst habe) und dann waren ihre Antennen immer auf "hab Acht". Eine Schande, dass ich meinem Kind das zugemutet habe - aber nicht mal die Liebe zu ihr, und die war und ist natürlich verdammt groß, hat mich vom Alkohol weg gebracht. Stell Dir das mal vor, ich denke es gibt keine tiefere Zuneigung / Liebe als die, die ein Vater oder eine Mutter seinem /ihrem Kind entgegen bringt. Und ich wusste wohin meine Sauferei führen würde, ab einem bestimmten Zeitpunkt wusste ich das genau, so wie Du das jetzt auch weißt. Trotzdem konnte ich nicht aufhören.....

    Noch ein paar Anmerkungen zu dem was Du geschrieben hast:

    Zitat

    Ich verbringe, krank geschrieben, Tage mit nichts tun.


    Kenne ich gut. Hatte ich auch, nur dass ich als heimlicher Trinker meist nicht krank zuhause war. Da war ich offiziell in der Arbeit und in der Arbeit war ich offiziell krank. Getrunken habe ich dann z. B. im Wald, da hatte ich mir ein kleines Alkohollager angelegt. Es gab auch einen Kellerraum wo nur ich Zugang hatte. Dort war auch ein Alkohollager von mir und ich habe dort Tage verbracht. Abends kam ich dann ganz normal von der Arbeit heim.... Ich muss aber sagen - da war ich mit meiner Sucht schon sehr weit fortgeschritten...

    Zitat

    Klar- man merkt mir nichts an


    Bist halt schon ein Profi. Das sind fast alle Alkoholiker - ich war auch super. Wie gesagt, meiner Ex-Frau musste ich bei meinem Outing alle meine heimlichen Verstecke zeigen sonst hätte sie mir nicht geglaubt dass ich ein Alkoholproblem habe. Ich konnte z. B. ganz gut sprechen beim Einatmen. Sehr hilfreich z. B. speziell in einem Aufzug. Atemluft links und rechts aus den Mundwinkeln "entsorgen" usw. Trotzdem ist es mir ein Rätsel, dass es scheinbar wirklich von mir geheim gehalten werden konnte. Immerhin lag mein Level in der Endphase bei 10 - 12 Bier und ab und an auch noch ner Flasche Wein, täglich. Da muss man doch stinken. Aber gut, 5, 6 Bier den Tag über verteilt und abends dann dafür sorgen dass man möglichst irgendwie alleine ist, die anderen bereits zu Bett gegangen sind oder was auch immer. Und dann den Rest reinschütten und nur noch ins Bett fallen. Da ich stark geschnarcht habe (warum denn nur :o ) habe ich auch meist getrennt geschlafen. Und so ging es doch jahrelang - auch bei so einer Menge. Soziale Kontakte und co. wurden natürlich immer weniger, abends weg gehen oder so war natürlich nicht erwünscht und ich war vielmehr erfreut wenn meine Frau alleine weg gegangen ist. Die Sucht zerstört einfach alles, besonders Beziehungen oder überhaupt die Fähigkeit eine Beziehung führen zu können.

    Zitat

    Ich bin hip, dynamisch, unterhaltsam und sehe ganz gut aus. Ich bin wahnsinnig beliebt und kreativ

    Bis auf das "kreativ" hätte das auch ganz gut zu mir gepasst - aber nur eine gewisse Zeit lang. Zugegeben die längste Zeit meiner Suchterkrankung war ich scheinbar "ganz normal" mit allen meinen üblichen Eigenschaften. Beliebt und auch erfolgreich im Job (Du siehst: es braucht keinen Sch...ß-Job um zum Säufer zu werden), auch privat ein gutes und funktionierendes Umfeld. Viele Jahre meiner Sucht war ich ein sehr gut funktionierender Alkoholiker von dem man niemals geglaubt hätte, das er eine Suchterkrankung hätte haben können. Auch optisch war das nicht zu vermuten. Rank und schlank war ich, hatte einen super Stoffwechsel und konnte scheinbar mühelos die zusätzlichen Kalorien, die mir meine damals vielleicht 5, 6 Biere am Tag bescherten kompensieren. Bis dahin war eigentlich "alles gut" - nun, in Wirklichkeit war ich mit Vollgas auf dem Weg in den Abgrund unterwegs - ich ahnte es aber ich wollte es noch nicht wahrhaben. Außenstehende haben gar nix bemerkt.

    ABER: Unaufhaltsam steigerte sich die Trinkmenge und scheinbar ganz plötzlich nahm ich zu (am Ende war ich richtig fettleibig, nur meine Größe konnte das etwas kaschieren), körperliche Probleme traten auf, meine Haut veränderte sich langsam, ich quoll auf, sah krank und sehr fahl aus. Mein Bauch tat mir weh wenn ich darauf lag, Magen und Darmprobleme setzten ein. Meine Psyche veränderte sich zusehends, bei meinem Charakter konnte man nicht mehr von einem Charakter sprechen und ich versank in einer Scheinwelt aus Lügen und Betrügereien, die mir alle immer nur dabei halfen weiter heimlich trinken zu können.

    Das ist ein ziemlich normaler Verlauf dieser Sucht. Besonders heimliche Trinker lügen sehr viel eben um zu verheimlichen und sie haben einen sehr hohen Aufwand um z. B. leere Flaschen zu entsorgen und heimlich auch Nachschub zu organisieren. Irgendwann ging ein Großteil meiner frei verfügbaren Zeit nur dafür drauf. Kaum Vorstellbar aber wahr.

    Zitat

    Wenn ich trinke betäubt es diese Leere und mir wird alles egal bis hin zu Aktionen, welche ich natürlich nüchtern nicht machen würde.


    Auch ganz normal und kenne ich natürlich auch. Da könnte ich Dir Geschichten erzählen.... Aber ich lass das jetzt mal lieber, würde den Rahmen sprengen.

    Zitat

    Das hier ist mein erster Schritt raus.


    Schön das Du hier bist und etwas tun willst.

    Zitat

    Bittere Zeiten gerade und die selbst Erkenntnis ist echt mies. Aber vermutlich hilfreich.

    Hilfreich nur dann, wenn Du ganz offen und ehrlich zu Dir selbst bist. Und wenn Du bereit bist durch diese bitteren Zeiten hindurch zu gehen. Meine Erkenntnis ist, dass es beileibe nicht ausreicht einfach nichts mehr zu trinken. Solltes Du mit diesem Gedanken spielen kann ich sagen, dass Dir das auf Dauer wohl nicht helfen wird. Dauerhaft kann man m. E. nur vom Alkohol weg kommen, wenn man sich seiner Sucht richtig stellt, und damit dann auch richtig aufarbeitet. Es gibt Gründe weshalb Du trinkst. Diese liegen in der Regel sehr tief. Ich hatte in meiner Trinkerkarriere z. B. mehrere Situationen wo ich mir sagte: Wenn dieser Sche...ß vorbei ist, dann höre ich auf. Dann habe ich keinen Grund mehr zu trinken - nun, natürlich war das nicht so. Nie habe ich aufgehört nachdem irgendwas vorbei war von dem ich glaubte es wäre der Grund für meine Trinkerei. Es lag tiefer, sehr viel tiefer und ich dachte sogar Monate nach meinem Ausstieg noch, dass ich doch gar keinen Grund gehabt hatte überhaupt anzufangen mit dem Saufen. Denn ich hatte es immer sehr gut: Kindheit, Jugendzeit (da trank ich z. B. gar nix), junger Erwachsener (da trank ich z. B. so gut wie nichts), super Job, Karriere und Erfolg, tolle Familie, wohlgeratene Kinder, keine Schicksalsschläge, keine Krankheiten.... usw. usf. Trotzdem wurde ich süchtig. Warum? Wie gesagt, das lag tiefer und es war für mich eine der wichtigsten Aufgaben das aufzuarbeiten. Ich bin noch dabei....

    Ich freue mich wieder von Dir zu lesen. Beantworte meine Fragen nur wenn Du wirklich willst. Ich wünsche Dir, dass Du einen Weg findest.

    LG
    gerchla

  • Hallo und HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum auch von mir :welcome:

    Kurz zu mir, damit Du weißt mit wem Du es zu tun hast: männlich, Mitte 40, Alkoholiker und mittlerweile schon einige Jahre trocken.

    Dem kann ich mich nur anschließen - außer, dass ich Mitte 50 bin ;)

    Aber auch sonst kann ich mich gerchla und Bassmann nur anschließen (konkrete Pläne, Arzt, SHG etc.).

    Also möchte ich Dich nicht noch mehr zu testen. Ließ Sich in Ruhe hier ein und schau ansonsten auch Mal in unsere Linksammlung :)

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

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