• Erst einmal ein herzliches Hallo an Alle,

    ich habe mich lange davor gesträubt aufgrund meiner Schüchternheit mich in so einem Forum anzumelden. Aber ich kam zu dem Entschluss es doch mal zu probieren.
    Bei mir ist es mittlerweile 5 vor 12, weil ich merke zunehmend wie der Alkohol nicht nur mich sondern auch meine Beziehung zu meiner Verlobten, Familie und Freunde schädigt. ;( Auf der einen Seite würde man gern aufhören, auf der anderen Seite kann man nicht aufhören. :( Es gab richtig schlimme Phasen wo ich Unmengen von Alkohol zu mir genommen habe. Ich bin auch kein Problemtrinker sondern auch wenn ich keine Probleme habe trinke ich leider viel zu viel davon. ;(
    Jetzt habe ich mal der Drogensuchtberatung eine Mail geschrieben um einen Termin auszumachen und warte noch auf den Rückruf einer Psychologin für einen Gesprächstermin zudem vereinbare ich noch einen Termin beim Arzt.
    Denn es muss jetzt was passieren, denn wenn ich so weiter mache verliere alles was ich habe und das muss ich verhindern!
    Vielleicht habt Ihr für mich noch ein paar Ratschläge, würde mich darüber sehr freuen.

    Euch allen noch einen schönen Sonntagabend!

  • Guten Morgen Angemon,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin männlich, Mitte 40, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken.

    Zitat

    Ich bin auch kein Problemtrinker sondern auch wenn ich keine Probleme habe trinke ich leider viel zu viel davon. ;(

    Um Alkohol zu trinken oder "zum Alkoholiker zu werden" brauchts keine Probleme! Das geht auch problemlos ;D ohne! Ich hatte auch keine Probleme wurde süchtig. Es bieten sich ja so viele andere Anlässe weswegen man jetzt mal was trinken "muss" - Feiern oder Erfolgserlebnisse oder zum Locker werden, zum Runter kommen oder weil's so toll schmeckt!

    Aber Fakt ist: Auch wenn man ohne Probleme zum Alkoholiker wurde, spätestens wenn man dann mal einer ist, dann hat man Probleme (die man vorher nicht hatte). Und die liefern dann wieder wunder bare Gründe für's weitersaufen..... So meine Erfahrungen!

    Zitat

    Jetzt habe ich mal der Drogensuchtberatung eine Mail geschrieben um einen Termin auszumachen und warte noch auf den Rückruf einer Psychologin für einen Gesprächstermin zudem vereinbare ich noch einen Termin beim Arzt.

    Das hört sich doch schon mal sehr gut an! Ich würde mit meinem heutigen Wissen versuchen jetzt Schritt für Schritt vorzugehen. Suchtberatung und Arzt, letzteren schon wegen der Gefahr des kalten Entzugs. Mit der Suchtberatung die weiteren Optionen besprechen und wenn Du einen guten Arzt Deines Vertrauens hast, dann kann der auch psychologisch viel helfen. Psychologe für die Begleitung des "Trocken-werde-Prozesses" ist auch eine gute Idee - ggf. käme auch eine ambulante oder stationäre Therapie in Frage. Darüber kannst Du mit Deinem Arzt und der Suchtberatung sprechen.

    Nicht zu verachten wäre auch der Besuch einer realen SHG. Dort triffst Du andere Abhängige persönlich und kannst Dich direkt austauschen. Das kann sehr hilfreich sein, gerade am Anfang ist es wichtig sich soviel Hilfe wie möglich zu holen. Und da können andere, die diesen Weg bereits gegangen sind, sehr unterstützen. Selbstveständlich kann so eine Gruppe auch dauerhaft dafür sorgen, dass man stabil bleibt oder eine Anlaufstelle hat, wenn's mal Schwierigkeiten gibt... Ich denke Du solltest einfach ausprobieren....

    Alles Gute und ich freue mich wieder von Dir zu lesen!

    LG
    gerchla

  • Ich denke den meisten geht es genau so wie mir, ich konnte teilweise Wochen bishin zu 2 oder 3 Monate trocken bleiben. Dann kam wieder der Gedanke auf "Jetzt bin ich stark genug" und probiere 1 Bier, wo es aber nicht dabei blieb.
    Zudem erschwert sich das aufhören mit Alkohol da ich auch Co-Abhängig wurde. Mein Vater trinkt im Moment sehr viel Alkohl hatte jetzt eine Zeit von ca. Weihnachten bist Mitte Februar wo bei ihm so wie es den Anschein machte alles in Ordnung. Er hatte sich mit alkoholfreiem Bier vergnügt. Vielleicht hat da jemand Erfahrung damit ob es überhaupt etwas bringt auf "alkoholfreie" Biere/Getränke zurückzugreifen um trocken zu werden bzw zu bleiben?
    Bei mir gab es die Situation das ich bei meiner alten Arbeitsstelle eine auf dem Papier 40 Std. Woche hatte, meistens waren es mehr und eben an 2 Tagen die Woche habe ich teilweise 10 Std. und mehr gearbeitet.
    Nach meiner Arbeit hätte ich gerne Unterhaltungen geführt mit meinem Vater mit dem man sich auch gut und sachlich unterhalten kann. Aber als er dann Phasen bekam wo er sehr viel getrunken hatte war das für mich sehr verletzend, weil mein Vater für mich auch eine Vorbildfunktion hat. Mit der Situation bin ich nicht klar gekommen.
    Ich versuche mir jetzt Hilfe zu holen ich hoffe das sich mein Vater auch dazu bewegen lässt, denn so wie es im Moment ist kann es definitiv nicht weitergehen.

    Ein kleiner Lichtblick ist für mich das ich heute mal bei einer neuen Arbeitsstelle Probearbeiten darf, ich nehme das für mich als Neuanfang mit.

  • Moin Angemon

    Zitat

    Ich versuche mir jetzt Hilfe zu holen ich hoffe das sich mein Vater auch dazu bewegen lässt


    In erster Linie geht es um dich, aber sprich offen mit deinem Vater, vielleicht schließt er sich an, gemeinsam seid ihr stark ;) aber letztendlich ist jeder für sich selbst verantwortlich.

    LG Gerd

  • Hallo Angemon,

    ich schließe mich Gerd an. Erst mal geht es um Dich. Nur wenn Du selbst mit Dir im Reinen bist, wenn Du selbst es geschafft hast Deine Sucht zu bekämpfen und wieder ein suchtfreies Leben zu führen, kannst Du mal an andere denken. Hört sich vielleicht hart an aber ich denke es ist so. Man kann nur geben, wenn man stark genug ist und sich selbst dabei nicht zu sehr in den Hintergrund stellt. Das ist bei Co-Abhängigkeit aber der Fall. Das eigenen Leben gerät in den Hintergrund weil man ja für den anderen da sein "muss".

    Und dann stellt sich natürlich noch die Frage, inwieweit Du Deinem Vater überhaupt helfen kannst. Er ist auch Alkoholiker, d.h. auch er kann nur selbst gegen seine Krankheit angehen. Genau wie Du. Nur wenn er etwas tun will, dann kann es funktionieren. Wie bei Dir auch.

    Natürlich könnte es sein, dass er von Dir jetzt motiviert wird ebenfalls was zu unternehmen, dass Ihr gemeinsam aus diesem Kreislauf heraus kommt. Idealfall! Aber wenn nicht, dann solltest Du auf Dich und Dein Leben achten! Und Dein Leben leben für das Du verantwortlich bist. So wie Dein Vater für seines verantwortlich ist.

    Zitat

    Ein kleiner Lichtblick ist für mich das ich heute mal bei einer neuen Arbeitsstelle Probearbeiten darf, ich nehme das für mich als Neuanfang mit.

    Viel Glück wünsche ich Dir! Und alles Gute weiterhin

    LG
    gerchla

  • Ja das muss ich ehrlich sagen, mein Leben ist wirklich in den Hintergrund geraten. Ich kann aber auch nicht sagen wann dieser Zeitpunkt da war, für mich war er auf einmal da.
    Eventuell eben auch durch meinem Beruf im Pflegebereich wo es eben um andere geht und nicht um einen selbst. Da ich eben ein Typ bin dem die 120 % Arbeitsleistung nicht genügt und die Arbeit sprichwörtlich mit ins Bett nimmt hat sich das wahrscheinlich ebenso entwickelt.
    Aber jetzt gilt es dies zu lernen, mal an MICH zu denken, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen mit jeder Hilfe die ich bekommen kann!
    Wie ihr eben sagt erst wenn ich stark bin kann ich anderen helfen.

    Nochmals vielen Dank für die schnellen Antworten und um das Aufnehmen in dieses tolle Forum!

    Ich melde mich auf jeden Fall wieder!

  • kleines Update:

    es ist jetzt 8 Tage her als ich das letzte mal Alkohol getrunken habe und ich muss sagen es fühlt sich wirklich gut an. Man merkt auch förmlich das der Körper regeneriert. Aber was ich für mich merkte, das ich jetzt unter richtigen Heißhunger-Attacken leide. Egal was es "isst" muss verzehrt werden, natürlich alkoholfrei! Zum Sport möchte ich mich nächste Woche mal aufraffen um für mich wieder fit zu werden.
    Was ich selbst noch merkte in den jetzt vergangenen Tagen, das es Phasen gibt wo man gar nicht an den Alkohol denkt!
    ABER es gab auch Phasen wo sich alte Muster im Kopf wieder durchsetzen wollten, aber eben nur in meinem Kopf, die ich auch nicht in die Tat umgesetzt habe. Denn so soll es auch bleiben.
    Was mich auch sehr motiviert vom Alkohol wegzukommen und zu bleiben seid IHR! 44.
    Das meine ich wirklich ernst, dadurch das ich Parallelen zu meinem Leben sehe hilft mir das ungemein zum Umdenken!

    Ich wünsche euch Allen ein schönes Wochenende! :) ;)

  • Hallo Angemon,

    ...ja, diese Suchtverlagerung in Form von essen mache ich auch gerade durch. Ich verlasse mich mal hoffnungsvoll auf gut gemeinte Stimmen die behaupten, dass es nachlässt! :) . Dir weiterhin viel Erfolg und Grüße

    lollo

  • Auch wieder schön zu wissen das es Gleichgesinnte gibt!
    Hat jemand einen Ratschlag was man gegen die Fressatacken unternehmen kann? nixweiss0

    @lollo und natürlich alle anderen auch, vielen Dank für die Unterstützung! 44. 44. 44.

  • Viel trinken, natürlich Mineralwasser.
    Der Körper ist ja noch gewohnt, viel "flüssige Nahrung" zu erhalten.
    Durch das Wasser wird das Hungergefühl etwas gebremst.
    Ich hatte dadurch sogar10 Kilo im ersten Vierteljahr abgenommen.

    LG Gerd

  • gerd48
    -Ich hatte schon mal so Phasen wo ich keinen Alkohol zu mir genommen habe und den Rat mit dem Wasser wirklich wahrgenommen, ich muss ehrlich sagen am Anfang war es OK.
    Aber ich fand das dies das Hungergefühl nicht wirklich decken konnte. Leider bin dich danach wieder in alte Muster gefallen was den Hunger anging. Aber versuchen kann man es wieder, man soll ja keine Müdigkeit vortäuschen :D

    Jetzt habe ich angekündigt das ich nächste Woche mit Sport beginnen möchte und gestern habe ich mich beim Reifen einladen verhoben :o ??? :-\
    Hoffentlich wird das wieder bis nächste Woche :-X
    Weil das wäre auch eine Variante gegen den Hunger und für die Fitness!

    schönen Sonntag euch allen :)

  • Kleines Update:

    Hallo zusammen :)

    ich bin jetzt 12 Tage schon trocken 8) und fühle mich richtig gut!
    Natürlich hat man noch Situationen im Kopf ob man nicht wieder oder wie man sich das Zeug besorgt. Aber ich versuche mit diesen Gedanken umzugehen. Bis jetzt gelingt mir dies auch gut mit dieser Drucksituation.
    Ich bekomme ja auch wirklich nützliche Tipps auf der Seite. 44.
    Heute habe ich mich nach längerem dem Sport gewidmet. Mensch war das ein K(r)ampf ;D Danach war ich aber auch fix und fertig! ::)
    Ich möchte versuchen am Sport dranzbleiben und ihn in meinem Wochenablauf zumindest 3 mal fest machen.

    Wie sieht es bei euch aus? Macht Ihr Sport und wenn ja welchen Sport und wie motiviert Ihr euch selbst dran zu bleiben?
    Oder macht Ihr eher selten bis gar nicht Sport?

    Schönen Abend noch euch Allen :)

  • Guten Morgen,

    ich komme durch den Aufenthalt in der TK an Sport gerade überhaupt nicht vorbei. Jeden Tag sind Therapien wie Nordic Walking, Ausdauer und Rhythmus und Bewegung dabei. Schwänzen ist nicht, meine liebe Fr. R. (die leitende Oberschwester der TK) hat auf mich da ein sehr wachsames Auge ;D.

    Diese Woche sind bei einem Discounter Nordic Walking Stöcke im Angebot, die werde ich mir morgen kaufen. Da bei uns die Einliegerwohnung meines Vaters frei ist und ich mich seit 1 1/2 Jahren endlich im Winter durch eine große Sperrmüllaktion von seinen "Altlasten" befreit habe, steht über die Osterfeiertage die Renovierung an und ich werde mir dort ein Zimmer einrichten für Hobbys, zum bügeln, aber auch ein Ergorad soll dort seinen Platz finden...
    Auch hätte ich gerne einen Hund, dann müsste ich raus. Aber das wäre eher eine Belastung gerade. Im Mai fangen bei uns an der VHS div. neue Kurse an, da werde ich mir zusätzlich irgendwas aussuchen.

    Ich muss los!
    liebe Grüße von mir
    lollo

  • Hallo Angemon,

    geht mir auch so mit dem Hungergefühl und dem vielen Wasser trinken. Bei mir tritt das auf sobald ich mich bewusst wieder etwas länger mit meinem Alkoholkonsum beschäftigt habe. Bin ich abgelenkt läuft alles normal. Alles liest sich so als verlangt der Körper jetzt seine "tägliche Ration". Ein paar Minuten später ist bei mir alles verklungen. Als ich mir früher selbst einige Tage oder Wochen Abstinenz gegönnt habe war dieses Gefühl von Hunger nicht vorhanden. Zur Zeit bin ich nur am Wasser trinken. Letzten Samstag Mittag habe ich mir das letzte Glas Wein genehmigt. Seitdem nichts mehr. Davor hatte ich meinen Konsum auf 5 Flaschen Wein die Woche reduziert. Letzte Woche sogar nur 3,5 Flaschen. Immer auf die Woche verteilt.

    Direktes Verlangen hatte ich schon 2-3 Mal nach Alkohol die letzten Tage. Das Verlangen war für meine Begriffe nicht sehr stark ausgeprägt. ( oder doch ? ) Ich konnte es durch ein konsequentes Nein wieder in den Hintergrund schieben. Das Hungergefühl das bei mir selbst nach einem ausgiebigen Mittagessen auftritt habe ich zumindest im Griff. Ich weiß was mein Gehirn/Körper jetzt will. Mich verleiten wieder zu trinken. Mir wurde hier im Forum ( das ich wirklich sehr gut finde ) schon geraten 1 Jahr völlig auf Alkohol zu verzichten. Ich will es versuchen. Auch wenn diese "Messlatte" sehr hoch ist für mich im Moment. 1 Jahr hatte ich noch nie geschafft. Das höchste waren 3 Monate. Aber in einer berufl. und Familiär turbulenten Zeit. Dort sind jetzt alle "Baustellen" fertig.

    Ich versuche mein Bestes das Jahr auf die Reihe zu bekommen. Als Etappenziel. Dann sehen wir weiter.
    Dir und Lollo ( die ja auch hier geschrieben hat ) wünsche ich zu aller erst viel Erfolg beim umsetzen euerer Ziele.

    Gruß
    Blaumann

  • Hallo Angemon,

    erst mal wollte ich Dir sagen, dass ich es super finde, dass Du auf Deinem Weg bleibst 44.

    Was die "Fressattacken" betrifft: Ich hatte das in dieser Form nicht, ich würde bei mir eher sagen, dass ich plötzlich wieder Appetit hatte und zwar nicht mehr nur auf fettiges, würziges oder salziges Zeugs. Ich musste nicht mehr schon morgens in den Burgerschuppen um mir zum Frühstück zwei Cheeseburger reinzuziehen. Plötzlich mochte ich wieder süße Sachen, vor allem Milchspeisen aller Art. Das konnte ich während meiner Trinkerzeit fast gar nicht essen. Michreis, Joghurt, Quark und co. waren plötzlich wieder angesagt und sind es bis heute. Und ehrlich gesagt: Es war mir total egal, ich hab es einfach nur genossen. Gleichzeitig begann ich meine Ernährung grundsätzlich etwas umzustellen. Etwas weniger Fleisch (nur etwas), weniger fettiges (brauchte ich auch nicht mehr nachdem der Alk weg war), ab und an mal Fisch und mehr Gemüse. Aber immer natürlich reichlich, so dass ich immer gut satt wurde. Nix Diät oder so.

    Ich hatte während der Endphase meiner Trinkerzeit gut über 100 Kilo auf den Rippen. Obwohl ich alles was ich oben beschrieben habe so zu mir genommen habe, purzelten die Pfunde nur so. Zum Trinken gab es ausschließlich Wasser (ein rauhen Mengen) und Tee, morgens auch Kaffee. Sagen wir mal ich hatte vorher im Schnitt so 10 - 12 Bier pro Tag + diverser Schorlen, die ich nachts meistens brauchte. Ab und an kam auch noch Wein dazu. All diese Kalorien waren mit einem Schlag weg. Und obwohl ich wirklich gut gegessen habe und keinerlei "Verzicht" geübt hatte, ging das Gewicht Woche für Woche runter. Bis ich relativ schnell dann bei so 88 Kilo angekommen war. Ab da stagnierte mein Gewicht und es war noch deutlich zu viel, wenngleich ich mich damals natürlich gefühlt habe wie ein halbes Hemd. Nix passte mehr, alles war zu groß. Was für ein herrliches Gefühl.

    Zitat

    Wie sieht es bei euch aus? Macht Ihr Sport und wenn ja welchen Sport und wie motiviert Ihr euch selbst dran zu bleiben?

    Ich wollte damals relativ bald mit meiner alten Leidenschaft, dem Laufen, wieder beginnen. Ich bin in meiner Jugend / frühen Erwachsenen-Zeit sehr viel Langstrecke gelaufen und es hat mich sehr entspannt und mir geholfen Streß abzubauen. Ich habe mich dann aber zunächst bewusst dagegen entschieden. Ich hatte nämlich Angst, dass ich durch das Laufen verdränge. Hört sich vielleicht etwas komisch an, aber ich wollte ERST meine Sucht Aufarbeiten. Denn ich wusste, dass mich Erfolgserlebnisse bei meinem Sport puschen würden, dass ich in eine Euphorie kommen würde (kannte ich von früher) und dass ich mich dadurch stark auf diesen Sport fokusieren würde. Ich hatte aber meine Sucht noch gar nicht richtig aufgearbeitet, es gab noch so viele offene Fragen, ich hatte noch keinen richtigen Lebensplan. Und ich wollte auch sicher sein, dass ich, falls ich z. B. verletzungsbedingt mal meinen Sport nicht mehr ausführen könnte, nicht plötzlich wieder Alkohol vor der Türe stehen habe. Vielleicht kann man es auch so sagen: Ich wusste wie viel mir dieser Sport bedeuten würde, wenn ich ihn wieder beginne. Ich wusste, dass ich an Laufverantstaltungen teilnehmen würde, dass ich enorm positive Gefühle damit verbinden würde. Und ja, dass er mich vom Alkohol ablenken würde. Und genau das wollte ich absolut NICHT. Erst klar sein mit mir und meinem Leben und meiner Vergangenheit - dann mein Sport und dann auch ohne die Gefahr, dass, wenn es mal nicht mehr gehen sollte, ich wieder Alkohol als "Alternative" in Betracht ziehe.

    Ich weiß nicht ob ich Dir damit erklären konnte was ich meine. Ich hoffe es.

    Heute mache ich genau diesen Sport. Ich laufe wieder Langstrecke, laufe einmal im Jahr einen Marathon, habe jetzt auch mit Duathlon begonnnen und es hilft mir alles ungemein meinen Alltagsstress abzubauen bzw. ihn erst gar nicht entstehen zu lassen. Meine kleine Familie trägt das alles mit und freut sich einen gut gelaunten Mann und Papa zu haben. Würde ich mich heute verletzten, kann ich ganz sicher für mich sagen, dass ich deswegen keinesfalls an Alkohol denken würde. Dieses Kapitel habe ich abgeschlossen. In den ersten Montaten, dem ersten Jahr meiner Trockenheit wäre es ganz sicher nicht abgeschlossen gewesen. Heute ist es das.

    Und nebenbei noch zum Gewicht. Das ist mit dem Sport dann natürlich nochmal gewaltig nach unten gegangen. Ich bin jetzt einiges unter 80 Kilo, was meinem Idealgewicht entspricht. Durch den Sport muss ich aktiv darauf achten genügend zu essen, denn ich möchte keines falls zu wenig auf die Waage bringen. Das ist jetzt aber eher ein Luxusproblem ;)

    Abschließend würde ich sagen: Mach Dir erst mal keinen zu großen Kopf über Dein Essverhalten. Wichtig ist, dass Du nicht mehr trinkst. Versuche Deine Krankheit aufzuarbeiten, das war für mich das allerwichtigste. Und dann kannst Du "nebenher" Dein Leben, Deine Gewohnheiten (z. B. Ernährung und Sport) langsam so umstellen, wie Du das gerne hättest. Bei mir hat das super funktioniert, vielleicht ist es auch ein Weg für Dich, das musst Du selbst entscheiden.

    Alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

  • kleines Update,

    ich habe mich seit längerer Zeit nicht mehr gemeldet, vielleicht war dies auch ein Fehler. Ich hatte gute Phasen wo ich wirklich längere Zeit nicht getrunken hatte. Muss aber auch dazu sagen das es leider auch Trinkphasen gab. Mal mehr und mal weniger mit der Kontrolle die ich mir eigentlich gewünscht hatte. Ich beziehe das dann immer auf meine Alkoholerkrankung wenn ich wirklich massiv getrunken habe ( Findet ihr das richtig? Die Erkrankung soll aber keine Ausrede sein um einen Freifahrtschein für den Alkohol zu bekommen.).

    Ich bin auch seit mehreren Monaten in Therapie eben gegen meine Alkoholerkrankung. Die Therapie hat am Anfang wirklich gut angeschlagen bei mir. Ich habe mich auch besser und freier gefühlt. Aber seit ein paar Wochen entwickelte ich einen sehr großen Suchtdruck. Leider war ich noch zu schwach um NEIN zum Alkohol zu sagen.
    Ich will mir die nächsten Tage noch einen Termin bei meinem Hausarzt geben lassen, um mich medikamentös einstellen zu lassen, um den Suchtdruck einzudämmen oder am besten ganz lindern. (Habt ihr schon Erfahrungen mit Medikamenten gemacht?)

    So das war es erst einmal von mir, ich denke das ich jetzt aktiver hier zu Werke gehen werde, denn ich habe auch gemerkt das es mir gut tut mich mit Gleichgesinnten zu Unterhalten.

    Euch Allen noch einen schönen Abend :)

  • Hallo Angemon,

    schön mal wieder von Dir zu hören.

    Du bist also noch am "arbeiten" was Deine Abstinenz betrifft. Hier mal ein paar Gedanken von mir:

    Zitat

    Ich beziehe das dann immer auf meine Alkoholerkrankung wenn ich wirklich massiv getrunken habe ( Findet ihr das richtig? Die Erkrankung soll aber keine Ausrede sein um einen Freifahrtschein für den Alkohol zu bekommen.).

    "Der Rückfall gehört zum Krankheitsbild, der Rückfall ist normal, ist eher die Regel auf dem Weg in die Trockenheit" - so hört und liest man es immer wieder. Und die Statistiken tun ihr übriges dazu. Auch hier erkennt man klar, wie hoch die Rückfallquote eigentlich ist. Mir persönlich gefällt das alles überhaupt nicht. Ich finde es nicht gut zu sagen "der Rückfall gehört zum Krankheitsbild". Ich würde eher sagen "ein Rückfall muss nicht sein". Denn dieses "gehört zum Krankheitsbild" öffnet für mich ein Hintertürchen. Vielleicht nutzt Du gerade auch genau dieses Hintertürchen indem Du der Krankheit die "Schuld" gibst, dass Du halt manchmal massiv trinken musst.

    Nun, es ist ja die Krankheit die dafür verantwortlich ist. Aber wie wir wissen ist es eine Krankheit die sich in der Psyche, im Kopf, abspielt. Und da sollten wir sie auch bekämpfen.

    Ich denke das es enorm wichtig für Dich ist, jetzt heraus zu finden warum Du immer wieder trinken willst / musst. Was veranlasst Dich wieder zu trinken wo Du doch (vermute ich mal) rational schon bemerkt hast, dass es Dir ohne besser geht.

    Zitat


    Ich bin auch seit mehreren Monaten in Therapie eben gegen meine Alkoholerkrankung. Die Therapie hat am Anfang wirklich gut angeschlagen bei mir. Ich habe mich auch besser und freier gefühlt.


    Und wie läuft das dort ab? Wie reagieren sie dort auf die Unterbrechungen Deiner Trinkpausen? Wie lange bist Du dort noch?

    Zitat

    Aber seit ein paar Wochen entwickelte ich einen sehr großen Suchtdruck.

    Hast Du eine Erklärung dafür? Private oder berufliche Probleme? Oder "einfach so"?

    Zitat

    (Habt ihr schon Erfahrungen mit Medikamenten gemacht?)

    Dazu kann ich Dir nichts sagen, glücklicherweise für mich. Das wäre für mich nur eine Option für die Anfangszeit (Entzug) gewesen, brauchte ich aber nicht. Ansonsten hatte ich selbst zu Beginn meiner Abstinenz kaum Suchtdruck. Wenn er mal kam habe ich bewusst begonnen zu denken und konnte mir schnell darüber klar werden, dass der Alkohol, wenn ich ihn jetzt trinke, mir absolut nichts bringen würde. Außer das es mir danach besch...en geht. Ich hatte da ja die Erfahrung zahlreicher Trinkpausen, die ich vorher mit viel Mühe eingelegt hatte. Ich wusste ja, wenn ich jetzt wieder zugreife, war das alles wieder nichts anderes als eine weitere,für mich sinnlose Trinkpause. Wieder alles von vorne. Das hatte ich beim meinem letzten Versuch für mich ausgeschlossen - kein Alkohol mehr, nie wieder. Und ergründen, warum ich trinken musste - und mir ganz klar machen, was der Alkohol mir gebracht hat. Dieses Ergebnis war im wahrsten Sinne des Wortes ernüchternd für mich.

    Zitat

    So das war es erst einmal von mir, ich denke das ich jetzt aktiver hier zu Werke gehen werde, denn ich habe auch gemerkt das es mir gut tut mich mit Gleichgesinnten zu Unterhalten

    Schön, dass Du das so siehst. Dafür sind wir ja hier! Ich freue mich wieder häufiger von Dir zu lesen. Vielleicht wäre auch eine reale SHG was für Dich?

    Alles Gute und ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg schnell findest.

    LG
    gerchla

  • Zitat

    Ich denke das es enorm wichtig für Dich ist, jetzt heraus zu finden warum Du immer wieder trinken willst / musst. Was veranlasst Dich wieder zu trinken wo Du doch (vermute ich mal) rational schon bemerkt hast, dass es Dir ohne besser geht.

    Zum einen wie es bezeichne bin ich ein "Euphorietrinker" sprich mir geht es gut, beruflich wie privat mit meiner Frau läuft es gut. Eigentlich keine Anzeichen von Problemen, zumindest auf dieser Seite. Die andere Seite macht mir mehr Probleme.
    Mein Vater ist starker Alkoholiker und das geht anscheinend noch zu sehr an mich ran. Mein Vater war bevor das mit dem Alk so ausgebrochen ein sehr großes Vorbild im Leben. Er persönlich auch sehr stark. Nur mittlerweile merke ich wie er sich den "Mut" antrinkt oder eben seine langweile kurz vor der Rente mit Alkohol vertreibt. Er ist in den nächsten Tag zu einem Gespräch mit mir bereit bezüglich dieses Themas mit dem Alkohol.
    Meine Therapeutin meinte schon vor längerem das ich dies mal in Ruhe mit ihm machen sollte. Aber ich kann nicht sagen warum, ich bekam ein sehr großes Angstgefühl hinsichtlich dieser Idee und Ausführung.
    Aber ich hab mir jetzt allen Mut zusammen genommen und will mit ihm reden. Denn ich weis wen ihm geholfen ist, kann auch mir besser geholfen werden.

    Ich meine er brüstet sich halt auch mit Aussagen er meldet sich bei eine Psychologin an. Leider bleibt es aber nur bei Worten und nicht bei Taten.

    Was ich auch weis er seins und ich habe mein Problem mit dem Alk. Aber wenn man das gemeinsam lösen könnte fände ich das eigentlich noch mit am Besten.


    Zitat

    Und wie läuft das dort ab? Wie reagieren sie dort auf die Unterbrechungen Deiner Trinkpausen? Wie lange bist Du dort noch?

    Vielleicht war Therapie zu hoch gegriffen. Ich meine Suchtberatung trifft es eher. Da bin ich jetzt seit Anfang Sommer. Das hat mir auch in den ersten Wochen/ Monat gut getan. Im Moment sind wir auch am Aufarbeiten meiner Probleme die zum Trinken auslösend sein können. Da kommt seit Wochen eigentlich nur mein Vater als Thema, leider reicht die 60 Minuten die wir zu Verfügung haben bei weitem nicht aus alles richtig zu analysieren. Ich möchte mal fragen, ob wir evtl. die Frequenz von einmal pro Woche auf 2-3 mal die Woche aufstocken können. Das würde mir sehr gelegen kommen.

    Wie sie auf die Unterbrechungen reagieren: Dann wird wieder analysiert. Wege gefunden, wie hätte man es verhindern können.


    Zitat

    Vielleicht wäre auch eine reale SHG was für Dich?

    Meine Therapeutin meinte, das ich für sowas eventuell zu jung sei. Weil die SHG die sie kenne wären nur überreife Personen (bitte nicht falsch verstehen ;) )
    Ich muss auch ehrlich gestehen, das ich für sowas nicht der Mensch bin. Ich würde gerne erstmal unter 4 Augen und für mich meine Problematiken besprechen. Was aber auch nicht heißen soll, das meine Einstellung hinsichtlich SHG sich noch ändern kann.

    Zitat

    Schön, dass Du das so siehst. Dafür sind wir ja hier! Ich freue mich wieder häufiger von Dir zu lesen.

    Das ist auch sehr nett zu lesen. Vielen Dank für die nette Wiederaufnahme und ich bemühe mich mit eurer Unterstützung das Problem Alkohol in den Griff zu bekommen.

    Schönen Tag noch ;)

  • Hallo Angemon,

    danke Dir für Deine Rückmeldung. Ok, jetzt weiß schon ein bisl mehr, vor allem die Geschichte mit Deinem Vater finde ich sehr interessant. Also ich meine deshalb, weil ich auch einen Sohn habe. Der ist jetzt Anfang 20 aber ich hoffe mal, dass er mit Alkohol klar kommt. Ich denke doch, soweit ich das noch beurteilen kann.

    Und tja, mein Sohn war gerade in der Pupertät als ich mich geoutet habe, als Alkoholiker. Ich glaube ich war auch ein ziemliches Vorbild für ihn. Zumindest hat mir das meine Ex-Frau so erzählt. Tja, und dann war er plötzlich derjenige, der seinem Papa Infos mit Anlaufstellen für Alkoholiker gebracht hat. Das muss ihn ziemlich aus der Bahn geworfen haben. Du hast nun quasi die Rolle, die mein Sohn damals hatte nur mit dem feinen aber echt miesen Unterschied, dass Du auch ein Problem mit Alk hast.

    Aber hey, hat ja keiner gesagt dass es einfach wird. Ich denke, Du solltest zuerst an Dich selbst denken. Wäre mein Sohn in Deiner Situation und ich in der Deines Vaters würde ich sicher wollen, dass er sich gefälligst um sich kümmert und nicht um mich. Das ist jetzt etwas schwer zu sagen, denn ich hätte dann ja ein nasses Alkihirn und vielleicht würde ich mir auch denken, wir machen das zusammen.

    Nüchtern betrachtet ::) sage ich aber, dass man sich erst mal um sich selbst kümmern muss. Erst wenn man mit sich selbst im Reinen ist, hat man auch die Kraft sich um andere zu kümmern. Klingt logisch, oder? Was jetzt nicht bedeutet, dass Du nicht mal mit Deinem Vater reden kannst. Mach das ruhig mal und schau mal was passiert. Aber konzentriere Dich dann wieder auf Deine Sucht und Dein Problem. Letztlich ist er für sein Leben verantwortlich so wie Du für Deines verantwortlich bist. Du kannst ihn nicht trocken legen, er Dich nicht. Ihr könnt Euch nur jeweils selbst helfen.

    Zitat

    Weil die SHG die sie kenne wären nur überreife Personen (bitte nicht falsch verstehen ;) )


    44. Ich werf mich weg. "Überreife Personen" das habe ich auch noch nie gehört. Ok, könnte schon sein, dass in SHG in Mehrzahl etwas ältere Menschen sitzen. In der ich damals war, war alles dabei. Von der jungen Frau, vielleicht Mitte 20 bis zu älteren Damen und Herren, jenseits der 70. Und viele um die 40, 50 Jahre. So eine Gruppe muss halt passen, auch menschlich meine ich. Vielleicht probierst es ja trotzdem einfach mal aus. Ein, zwei Leute in der Nähe Deines Alters und schon hast Du eine Basis. Austausch kann dann auch jenseits der offiziellen Sitzungen statt finden. Oder vielleicht triffst Du ja auch auf ganz coole überreife ;D

    Du hast es in der Hand. Wenn es Dir nicht taugt gehst halt nimmer hin.

    Nochmal was die Beziehung zu Deinem Vater betrifft: Könnte sein, dass da mehr dahinter steckt als gedacht. Das wäre vielleicht auch mal ein Thema für einen Psychologen, falls Du dafür offen bist. Ich habe einen solchen ebenfalls besucht, damals. Das kann sehr helfen und bestimmt keine Schande oder Schwäche. Denn ich hatte natürlich "nicht nur" das Problem das ich gesoffen habe sondern es gab ja Gründe dafür. Und die musste ich erst mal finden und mir bewusst machen. Das war sehr wichtig für mich - denn dann konnte ich verstehen und ich konnte lernen ohne Alk damit umzugehen - lag bei mir übrigens wohl auch in meiner Kindheit und der Beziehung auch zu meinem Vater.... Ach und ich hatte eigentlich eine gute Kindheit, also nix in die Richtung Gewalt oder so. Trotzdem.....

    Also bleib dran! Hol Dir Dein Leben zurück.

    LG
    gerchla

  • kleines Update:

    Leider habe ich mich länger nicht mehr gemeldet. Da ich sagen muss das es wirklich gut war im letzten Monat. Konnte mit Freunden auf Party in den Club gehen und habe nichts getrunken.
    Ich merkte, das der Druck Alkohol zu mir zu nehmen dadurch immer größer gewachsen ist. Leider hatte ich gestern einen großen Rückfall gehabt. Daraufhin habe ich heute morgen direkt meinen Hausarzt kontaktiert um mich in einen ambulanten Entzug zu begeben. Zudem möchte ich noch eine SHG aufsuchen.

    Dazu habe ich an diejenigen die damit schon Erfahrungen gesammelt haben ein paar Fragen.
    - Sollte man sich vorher telefonisch anmelden oder einfach hingehen?
    -Wie läuft es für einen Frischling in so einer Gruppe ab?

    Nächste Woche habe ich zusätzlich noch einen Termin bei der Suchtberatungsstelle. Wo ich davon ausgehe, das die mir meine Beraterin Adressen mitgeben wird wo ich die SHG finde.

    Ich möchte jetzt alles in die Wege leiten, um von meiner Alkoholerkrankung wegzukommen.

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