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Autor Thema: Entzug/Entzugserscheinungen  (Gelesen 26351 mal)

Greenfox

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Entzug/Entzugserscheinungen
« am: 25. September 2015, 09:28:20 »

Da hier auch immer wieder Fragen zum Entzug und Entzugserscheinungen auftauchen, habe ich hier mal einen Extra-Thread eingestellt, wo einige Frage hierzu beantwortet werden sollen.

Zitat
Quelle: http://web4health.info/de/answers/add-alcohol-withdraw.htm

Alkoholentzug bei der Alkoholabhängigkeit

Die meisten Alkoholiker verlieren im Verlauf des regelmäßigen Konsum von Alkohol jede Kontrolle über die Menge bzw. auch die Häufigkeit, in der sie Alkohol trinken. Alkoholismus verläuft dementsprechend häufig zunächst schleichend bzw. lange unerkannt, da dann nach und nach eine Toleranzentwicklung hinsichtlich des Alkoholkonsum auftritt . Ein Alkoholentzug ist vor allem dann erforderlich, wenn Entzugserscheinungen auftreten bzw. die Alkoholiker zum Vermeiden von körperlichen wie psychischen Symptome des Alkoholentzug wiederum Alkohol zu sich nehmen müssen. In Deutschland stehen verschiedene ambulante und stationäre Möglichkeiten zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit zur Verfügung. Ein qualifizierter Entzug ist dabei die Grundlage für die Abstinenz bzw. spätere Entwöhnungsbehandlung. Häufig können trockene Alkoholiker weit besser und berührender eine Motivation zu einem Ausstieg aus der Sucht erreichen, als jeder Arzt oder Psychologe. Wie erreicht man ein Leben ohne Alkohol durch einen Alkoholentzug ?

Was sind typische Merkmale beim > Entzug von Alkohol ?

Wie kommt man in einem Alkoholentzug vom Alkohol weg ?

Wenn Sie aufhören Alkohol zu trinken, können Sie viele Entzugserscheinungen haben. Diese können leicht bis sehr stark sein.

Bei einem stationären Entzug bei der Alkoholabhängigkeit wird dazu über die Pflegekräfte bzw. den Arzt anhand einer Alkohol-Entzug-Skala nach den körperlichen und psychischen Symptomen bei einer Entgiftung gefahndet.

Typische Entzugszeichen bei der Alkoholkrankheit sind etwa

• Schwitzen
• Unruhegefühl
• Nervosität bzw. Anspannung
• Angstgefühle
• beschleunigter Puls
• Blutdruckschwankungen
• Schlafstörungen
• Magenschmerzen bzw. Magenkrämpfe
• Verkennungen der Realität bis hin zu Halluzinationen (das wären dann Anzeichen eines Alkohol-Delirs)

Diagnostische Kriterien für ein Alkohol-Entzugssyndrom

1. Mindestens eins der folgenden Merkmale

•Euphorie und Gefühl der gesteigerten Energie
•erhöhte Vigilanz
•Grandiosität bzw. übersteigerte Selbstüberzeugung
•Beleidigendes Verhalten und Aggressivität
•Streitlust / Reizbarkeit
•Affektlabilität = starke Stimmungsschwankungen
•stereotypes Verhalten = Wiederholen von Dingen
•Verkennung der Realität = Illusionen in Form von optischen, akustischen oder taktilen Verkennungen
•Halluzinationen (häufig optisch), Orientierung aber noch vorhanden
•Verfolgungserleben = paranoides Erleben
•Die soziale Leistungsfähigkeit ist vermindert

Daneben sind mindestens 2 der folgen Merkmale erfüllt

•Beschleunigter Puls = Tachykardie
•Unregelmäßiger Herzschlag = Arrhythmie (häufiger auch Vorhofflimmern)
•Bluthochdruck = Hypertonie
•Schweißausbrüche = starkes Schwitzen
•Übelkeit / Erbrechen
•Gewichtsverlust
•Erweiterte Pupillen
•Unruhe
•Muskelschwäche bzw. Abbau der Beinmuskulatur
•Schmerzen in der Brust
•Krampfanfälle

Im schlimmsten Fall können Sie anfangen zu zittern und einen epileptischen Anfall oder ein Delirium Tremens (Anfall) bekommen. Normaler Weise sind die Entzugserscheinungen nach 24 Stunden am schlimmsten, nach 3 Tagen ist der härteste Teil meist vorbei. Nach 7-10 Tagen sind die meisten Symptome verschwunden.

Wenn Sie aufhören möchten Alkohol zu trinken, dann ist es am besten einen Arzt zu Rate zu ziehen. Er kann Ihnen für eine kurze Zeit (z.B. 3 Tage) Beruhigungsmittel verschreiben, so dass Sie die Entzugserscheinungen nicht oder weniger spüren. Generell ist es sowieso besser, einen Arzt aufzusuchen, da es gefährlich sein kann, wenn Sie einen Anfall erleiden. Einen Alkoholentzug ambulant selber durchzuführen, kann lebensgefährlich sein!

Alkoholentzug : Außerdem sollten Sie versuchen sich zu entspannen. Überlegen Sie sich Aktivitäten, die entspannend für Sie sind; gehen Sie im Wald oder im Park spazieren. Meiden Sie Menschenmengen. Gehen Sie alles ruhig an und versuchen Sie Sachen zu machen, die Sie mögen und die Sie ablenken. Trinken Sie keinen Kaffee oder Tee, weil das zu mehr Unruhe führt. Trinken Sie stattdessen viel Wasser und Soft Drinks und essen Sie regelmäßig. Bedenken Sie, dass Schlafstörungen ein Teil der Entzugserscheinungen sind.

Ein umstrittenes Problem ist es, ob es besser ist, abrupt mit dem Drogenkonsum aufzuhören, oder Schritt für Schritt. Abhängig von der Droge und Ihrer Persönlichkeit können beide Methoden funktionieren. Im Falle von einer Diazepam(Beruhigungsmittel)-Abhängigkeit, kann ein Programm zur Verringerung des Konsums von einem Arzt erstellt werden. 

 Ob man abrupt aufhört, Drogen zu nehmen, oder stufenweise, hängt von der Droge an sich ab. Bei manchen Drogen, wie z.B. Alkohol oder Nikotin (Tabak) ist es meist am besten abrupt aufzuhören. Während es bei anderen Drogen, wie z.B. Benzodiazepinen, ist eine schrittweise Reduktion für manche Abhängige besser.
Allein kann man in aller Regel also eine Entgiftung von Alkohol oder sog. harten Drogen nicht durchführen, dies sollte IMMER unter stationärer Beobachtung in einer Klinik erfolgen!
« Letzte Änderung: 18. April 2016, 06:54:53 von Greenfox »
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