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Autor Thema: Bruef an eine Alkoholikerin  (Gelesen 2814 mal)

Susanne68

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #15 am: 08. August 2021, 17:17:46 »

Hallo Baustein,

jetzt habe ich mich extra hier noch mal angemeldet, um Dir zu schreiben. Ich war längere Zeit hier und habe mich abgemeldet, aber Deines hat mich nun etwas beschäftigt. Vielleicht weil ich so eine ähnliche Situation erlebt habe.
Ich lebe schon lange ohne Alkohol.

Erst mal, so wie ich das bei Dir lese, war das ja noch keine feste Beziehung, sondern irgendwie erst im Entstehen. Da habe ich mehrere Möglichkeiten durch. Entweder ist nur einer verliebt, der andere nicht oder weniger, oder man stellt halt irgendwann fest, dass es nicht passt. Das gibt es in beiden Richtungen.

Bei mir war es mehrmals so, dass es halt nach ein paar Wochen nichts mehr war. Eine andere Beziehung ging mehrmals auseinander und wieder zusammen, es funktionierte nie so richtig, aber wenn wir uns über den Weg liefen, dann war die Anziehung eben da. Da haben wir uns auch gestritten - und dann eben wieder versöhnt, bis ich eines Tages einen Schlusstrich gezogen habe.
Bei Anderen dachte ich mir, wie konnte ich im Suff nur so blöd sein?
Ich kenne das aber auch andererseits, dass ich unglücklich verliebt war und derjenige nichts von mir wissen wollte, das tat dann auch weh, war aber nicht zu ändern.

Richtig sauer wurde ich mal, als mich jemand dazu bringen wollte, mit ihm Kinder zu haben, die ich nicht wollte. Da bin ich absolut ausgestiegen. Wenn ich das Gefühl habe, dass mich jemand in eine Richtung bugsieren will, in die ich nicht möchte, kann ich total sauer werden, mit allen Begleiterscheinungen wie Rumschreien und beleidigen.
Und da habe ich mich von demjenigen getrennt, obwohl ich meinerseits sehr verliebt in ihn war und bei mir starke Gefühle dabei waren. Ich hab mir aber ausgerechnet, dass ich in der Beziehung unglücklich werde und da dachte ich mir, da muss ich nun durch. Länger als ein halbes Jahr wäre das nicht mehr gegangen, dann wäre sowieso Schluss gewesen, weil ich mich zu sehr hätte verbiegen müssen. Ich hab mit Alkohol nachgeholfen, das machte es für mich einfacher, den Kummer weggesoffen. Ich habe aber nicht deswegen angefangen, angefangen habe ich bereits in meinem Elternhaus, da wurde immer viel getrunken, für mich war das normal.

Im Übrigen konnte ich es absolut nicht ab, wenn mich jemand wegen meiner Sucht bemitleidet hat. Ich hab das die längste Zeit sowieso nicht als Sucht gesehen, sondern dass ich das so wollte. Ich wollte weder für schwach gehalten werden noch wollte ich mir die Sauferei ausreden lassen, wer daran rütteln wollte, und sei es auch nur unterschwellig, war automatisch mein Feind. Für mich gab es beim Saufen nichts tragisches, und aus meiner Sicht ging das auch niemanden was an, ich war der Meinung, es ist mein Körper, und wie ich mit dem umgehe, ist ausschliesslich meine ganz private Angelegenheit.
..dass meine Sauferei auch andere in Mitleidenschaft gezogen hat, habe ich erst gesehen, nachdem ich aufgehört hatte. Davor war jeder, der sich daran gestört hat, ein Arxxxloch für mich.

Mit meinem jetzigen Partner streite ich mich auch. Das gehört bei uns zur Beziehung, aber wir kennen uns auch und wissen, wie wir damit umgehen. Bei uns gehört das dazu, ehrlich zueinander zu sein, da sagt man sich eben auch mal die Meinung. Das fing aber auch erst mal nur mit Sex an und geht nun über 30 Jahre. Wir haben Stürme überstanden und sind im Grund glücklich miteinander, wir sind so. Ich bin weder besonders harmoniesüchtig noch sonderlich romantisch, ich sage ímmer direkt, was ich denke. Und umgekehrt, nicht gesucht und trotzdem gefunden.

Als ich noch getrunken habe, habe ich Vieles in den falschen Hals bekommen und Alkohol hat ja auch die Wirkung, zu enthemmen. Zum Teil habe ich absoluten Blödsinn geredet, nur um meine Wut irgendwie rauszulassen und dem Anderen weh zu tun, auch meinem heutigen Partner. Mit Sicherheit teilweise total gestört und daneben. Ich hatte dann zum Teil richtiggehende Wutausbrüche.
Ich bin auch nüchtern relativ explosiv und giftig, habe aber auch schon viel daran gearbeitet. Zum Teil steckt das aber auch einfach drin und ich konnte es nicht ändern, obwohl ich mich bemüht habe, gehört wohl zu meinem Grundcharakter. Das macht es für Andere nicht immer einfach mit mir. Und für mich ist es auch nicht immer einfach.

Aber dieser Teil an mir hat natürlich auch seine Vorteile, wenn ich jemanden los werden und mir vom Leibe halten möchte. Oder wenn ich mich sonstwo durchsetzzen möchte. Deswegen habe ich mich mit dieser Eigenschaft auch ausgesöhnt.
Bereut habe ich es nur, wenn etwas kaputt ging, was ich gerne bewahrt hätte. Ansonsten hat es mich eigentlich nur interessiert, dass ich nicht so ausfällig wurde, dass man mich hätte anzeigen können. Also harte Meinung ist für mich nur ein Problem, wenn es wirklich strafrelevant ausfällig wird. Und gewalttätig bin ich nicht, also da passiert mir auch nichts.

Von daher würde ich sagen, wenn ich die Beziehung beenden wollte, dann habe ich es nicht bereut, wenn es für den Anderen hart wurde. Für mich gings dann nur darum, weg zu kommen. Ich hab das nur bereut, wenn ich selbst gerne noch was wieder geflickt hätte. Ansonsten, Schwamm drüber. Und auch bei meinem Partner bereue ich das nur, wen ich tätsächlich nicht recht habe, was natürlich vorkommt.

Gruß Susanne



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ichso

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #16 am: 09. August 2021, 02:08:44 »

Moinsen ;)

Hallo Baustein, ich lese auch schon eine Weile mit und war auch zweimal aktiv hier. Kurz zu mir: w, 57, multitoxisch. Clean seit 18 Jahren, trocken seit 14 Jahren, nikotinfrei seit 9 Jahren.

Dachte bei deinem Beitrag die ganze Zeit: Mööönsch, wenn doch Susanne noch hier wäre, die könnte das super erklären ;) Was Risu schrieb, traf es auch schon ziemlich gut in meinem Kopf, lächel...

Denn natürlich enthemmt Alk und macht wirr in der Birne, aber ich glaube auch, das Charaktergrundgerüst steht. Ich z.B. bin auch nüchtern nicht schüchtern ;) und tatsächlich auch ein alter Kaktus, der für sich sorgt. Meine Thera hat mir erklärt: Egoismus ist gesund. Und das setze ich dann auch liebevoll (mehr oder weniger, kommt auf mein Gegenüber an) durch.

Als Angehörige von Suchtkranken kann ich dir warm empfehlen: Sorge gut für dich. Die Frau wird es auch tun. Oder nicht. In Liebe loslassen, auch auf die Gefahr hin, dass sie untergeht. Wir werden alle sterben.

Netten Gruß, auch an die gute Truppe hier, die ich tatsächlich jeden Tag mitlas,

ichso, die wohl mal wieder eine Weile bleibt ;)
PS: Kaktuskuss für Susanne ;) Du fehlst, wenn du fehlst  8)
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Baustein

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #17 am: 09. August 2021, 14:45:11 »

Liebe Susanne,
liebe Ichso,
liebe alle anderen

Vielen Dank für eure Beiträge und ganz besonders vielen Dank an Susanne, dass du dich noch einmal angemeldet hast und mit meiner Problematik beschäftigt hast. Vielen Dank für deine ausführliche Schilderung deiner Erfahrung und über dich selbst.

Wie schon früher bemerkt, habe ich selbst kein Alkoholproblem. Meine Erfahrungen damit beschränken sich auf das tragische Erlebnis mit meinem Freund U. (wie eingangs erwähnt). Es waren bei ihm niemals Aggressionen, Streit oder auffälliges Benehmen im Spiel, sondern ausschließlich Alkoholmissbrauch und damit Kontrollverlust über seine Trinkmenge.

Was ich mit Marina erlebt habe, hat meine bisherige Vorstellungen übertroffen. Nachdem, was ich hier im Forum und im Netz gelesen habe - ich hatte auch Gespräche mit der Hotline der anonymen Alkoholiker - wurde mein Bild über ihren Suchtzustand etwas klarer und leider besorgniserregender.

Aus allen Erfahrungen und Antworten entnehme ich den Rat zur Vorsicht bzw. zur Trennung, für den ich allen sehr, sehr dankbar bin. Persönliche Erlebnisse zählen für mich mehr als allgemeine wissenschaftliche Ergebnisse und allgemeine Textpräsentationen im Netz, die ich als Grundlagenwissen selbstverständlich lese und schätze.

Susanne, es ist richtig, wir haben noch keine Beziehung und wir werden auch keine haben, Ehe, Kinder, zusammen wohnen etc. ist überhaupt kein Thema. Sie hatte mich im Straßencafé angesprochen, wir haben uns unterhalten, ein bisschen geflirtet und sie hat mich verführt.

Ich glaube, alles hat mit dem Grad ihres Alkoholspiegels zu tun, was ich zum damaligen Zeitpunkt nicht richtig einschätzen konnte. Wir hatten uns noch in den folgenden Abenden getroffen. Offensichtlich brauchte sie jemanden, mit dem sie trinken konnte. Ich selbst war nicht betrunken, aber nicht mehr ganz nüchtern. Für eine attraktive, kleine, zierliche Frau zu sorgen und an meinem starken Arm zu halten, damit ihr nichts passiert, tat ich selbstverständlich gerne.

Im laufe der Tage wurde mir bewusst, welchen Alkoholbedarf sie hat und sie offensichtlich einen gewissen Spiegel braucht, um unauffällig „normal“ zu sein. Ich selbst habe etwas mehr getrunken als sonst (d.h. trotzdem nicht viel), sie aber trank Weißwein, wie sie wollte. Ich habe mich in keiner Weise in ihr Trinkverhalten etc. eingemischt – ich wusste, dass es keinen Sinn hat. Ich bin auch nicht der Typ Besserwisser, Richter oder Moralapostel.

Zunehmend wurde sie aggressiver, sie warf mir vor „nicht ihrem modernen Zeitgeist zu entsprechen“, ich hatte keine Vorstellung, was sie damit meinte.

Am letzten Wochenende trafen wir uns am Nachmittag. Sie wirkte nüchtern auf mich, sie begann zu trinken und später trank auch ich 2 Gläser Prosecco, was ich nie tue, um diese Zeit erst recht nicht. Sie wurde zunehmend alkoholisierter, wir verließen die kleine Stadtbar (ich hatte den Eindruck, man kannte sie dort schon) und spazierten wie beschlossen in Richtung Restaurant zum Abendessen.

Auf dem Weg wurde sie immer friedlicher, vertrauter und anschmiegsamer, sie kuschelte sich an mich und hielt mich am Arm fest. Im Restaurant begann alles von vorn: Sie suchte Streit und Polemik in Kleinigkeiten. Jedes meiner Worte beinhaltete die Chance für aggressive Reaktionen. Ich hatte mir vorgenommen, auf keinerlei Streit einzugehen, zuzuhören und mit ruhiger Stimme ein Gespräch zu führen. Es war schwierig und anstrengend für mich. Mit zunehmendem Alkoholspiegel wurde sie ausgeglichener, unternahm Annäherungen und ließ mir ihre Hand halten, selbst flüchtige Küsse genoss sie und bot sie mir an. Unser Gespräch gewann Tiefe und zum ersten Mal erzählte sie mir von ihrer 20-jährigen Ehe mit einem reichen Unternehmer, die vor 6 Jahren geschieden wurde. Zu ersten Mal hat sie mir zugehört, was ich erzählte…..und wir konnten uns austauschen. In ihrem Leben spielt Malerei und Litteratur eine große Rolle, die sie – wie sie mir mitteilte – mit Freunden in einem niveauvollen Künstlerkreis auslebt – ich (als Ingenieur) dagegen sei jedoch ungebildet und niveaulos.

Ich glaube, ihr fehlt der Bezug zur Realität – zu ihrer Sucht und zu ihrer Gegenwart. Ich konfrontiere sie mit der Realität durch meine bloße Anwesenheit.
Wir haben über meinen Abschiedsbrief gesprochen, den sie nach Erhalt gleich zerrissen hat. Ich gestand ihr, dass ich bereue den Brief geschrieben zu haben und ich sie weiterhin sehen möchte.

Gegen 22:00 Uhr war sie betrunken und ich auch nicht mehr nüchtern, wir gingen nach Hause zu ihr.
Ich werde mich von ihr endgültig trennen und warten, ob sie mich einmal anruft – oder nicht. Ich weiß nicht, wie ich reagieren werde, wenn sie anfragt, ob ich nicht kommen könnte (sie wohnt nur 10 min Fußweg von mir entfernt).

Ich bin verrückt nach ihrer Leidenschaft, ihrer Fraulichkeit...

Ich glaube sie benutzt mich nur. Da ich kein geeigneter Trinkpartner für sie bin, bin ich keine Partie für sie. Ich gefährde ihr Trink- und Suchtverhalten.
Ich nehme mir die harte Analyse zu Herzen, was Risu (Antwort #13) geschrieben hat. Ich werde mich kontrollieren und keinen Kontakt mehr suchen.

Wie früher geschrieben: Trotzdem leide ich. Mein Verstand beherrscht nicht mein Herz. Ich fühle mich verantwortlich, obwohl ich es nicht bin.

Ich (normalerweise überhaupt kein Weichei) verstehe mich selbst nicht mehr, ich leide seelisch und körperlich unter der Situation. Das muss ich ändern – danke ichso!


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Gerchla

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #18 am: 09. August 2021, 15:35:10 »

Hallo Baustein,

ich habe mir jetzt lange überlegt, ob ich Dir nochmal schreiben soll oder ob ich es einfach lasse. Du hast ja signalisiert, dass Du eher an Rückmeldungen von Frauen interessiert bist und ehrlich gesagt, habe ich mir auch grundsätzlich die Sinnfrage gestellt.

Sinnfrage deshalb, weil mir alles was ich aus Deinen Zeilen heraus lese regelrecht zuschreit: Er ist genauso abhängig wie sie und solange er das nicht erkennt und sich ernsthaft Hilfe sucht, wird sich für ihn nichts ändern. Natürlich bist Du jetzt hier im Forum und wahrscheinlich auch deshalb weil Du Dir Hilfe erhoffst. Aber es dreht sich doch alles um sie, um ihre Sucht und was sie getan hat, wie sie reagiert hat, wie sie ..... usw. Es geht nicht um Dich sondern darum Erklärungen zu finden, weshalb SIE so reagiert. Du analysierst sie, Du kontrollierst ihr Trinkverhalten, analysierst ihre damit verbundene grundsätzliche Verhaltenveränderung und glaubst dann noch Erkenntnisse daraus ziehen zu können. Welche Dir dann genau was eigentlich bringen?

So lange Du also keine Hilfe für DICH suchst, so lange wird sich auch nichts ändern.

Und damit ist dann für mich auch klar, das alles was ich schreiben kann keine Hilfe sein wird. Es wird oder kann Dich nicht erreichen.

Aus meiner Sicht steckst Du ganz tief in einer Abhängigkeit, die Du auch dann nicht überwinden wirst, wenn Dir hier nochmal 20 Frauen schreiben wie sie während ihrer trinkenden Zeit gedacht, gefühlt, getickt haben. Und Du noch so oft glaubst, dadurch von einer Erkenntnis zur nächsten zu kommen. Am Ende ist da diese Frau und Du, da sind Deine Gefühle für diese Frau, Deine Hoffnungen doch etwas erreichen zu können,  da ist ihre Sucht und Deine Abhängigkeit.

Ich durfte wieder einmal erleben, dass es keinen großen Unterschied zwischen coabhängigen Frauen und coabhängigen Männern gibt. Beide leiden fürchterlich,  viele einfach so lange es eben geht und wie bei vielen Alkoholikern auch, scheint erst einmal der persönliche Tiefpunkt erreicht werden zu müssen, bevor sie etwas für sich verändern können. Wie das eben bei allen Suchterkrankungen sehr typisch ist.

Damit verabschiede ich mich jetzt aus Deinem Thread. Ich habe Dir alles gesagt bzw. geschrieben, was ich Dir schreiben wollte.  Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und dass Du einen Weg finden kannst entweder mit Deiner Situation einigermaßen gut zu leben oder sie eben zum für Dich Positivem zu verändern.

LG
Gerchla

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Susanne68

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #19 am: 09. August 2021, 16:12:35 »

Hallo Baustein,

ich versteh Dich teilweise schon, denn in diesen Typen mit dem Kind war ich auch total verliebt, obwohl ich mich da rational selbst nie verstanden habe, was mich da getrieben hatte. Das passte nie zusammen, trotzdem habe ich gelitten. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, irgendwas war es halt, was mich da angezogen hatte. Aber ich hatte auch das Gefühl, ich musste davon weg.

Zu mir noch, ich war natürlich selbst ein beschädigter Mensch. Mein Vater war ebenfalls ein aggressiver Trinker, der mich oft genug zusammengefaltet hat und mich seine Verachtung spüren liess. Meine Mutter in ihrer Not liess es auch oft an mir aus.
Ich wollte mich als Kind schon gelegentlich umbringen.

Dabei galt ich überall, in der Schule etc. als einer der intelligentesten Menschen, bei dem sich niemand vorstellen konnte, dass ich Probleme hatte. Wenn ich darüber reden wollte, wurde das überhaupt nicht ernst genommen, konnte sich bei der mir zugeschriebenen Schlauheit einfach keiner vorstellen. Dabei hatte ich sämtliche Gefühle unterdrückt und war der reine Kopfmensch. Ich war innerlich völig vereinsamt und wusste nicht, an wen ich mich wenden konnte. Daher habe ich auch ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Anderen.

Aber wenn wir zusammen getrunken haben, hing der Hdann aussegen gerade und da wurde ich plötzlich ernst genommen. Und unter Alkoholeinfluss traute ich mich dann auch, aufzumucken. Unter Alkoholeinfluss war es mir auch möglich, etwas zu fühlen, nüchtern ging das anfangs gar nicht. Aber ich war auch sehr unbeholfen und praktisch ein sozialer Krüppel.

Dementsprechend wichtig war der Alkohol für mich. Ich hatte lange das Gefühl, wenn ich aufhöre, kann ich mich gleich umbringen. Da ist nichts mehr von mir übrig. Erst als ich dann so vel gesoffen hatte, dass mich das auch beinahe umbrachte, setzte langsam ein Umdenken ein, ob das die einzige Möglichkeit zu leben war.

Das nur noch zu dem, was da alles dranhängen kann. Und dass die Gefühle einen natürlich auch in die Irre leiten können.

Ich wünsche Dir alles Gute
Susanne
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ichso

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #20 am: 09. August 2021, 17:03:53 »

Hallo Baustein,

tatsächlich habe ich deine Beiträge ähnlich gelesen wie Gerchla.

Ich  bin ja sowohl Betroffene als auch Angehörige. Bei mir waren  es meine Eltern, zwei Ehemänner und mein jüngster Sohn, zeitweise auch meine Tochter.

Und doch habe ich sie losgelassen. Also alle. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich begreifen konnte und wollte, daß Nichthilfe das Beste ist. Vor allem auch für mich. Aber lange wollte ich gar nicht loslassen, denn ich fand mich ja auch supertoll in der Rolle der Helfenden, Liebenden, und damit auch Kontrolle Ausübenden.

Liest sich bei dir schon so ein wenig wie ich armes kleines weißes Schäfchen werde  beschimpft und benutzt. Schon mal drüber nachgedacht, dass es dafür einen sexuellen Zuordnungsbegriff gibt? Und bitte nicht wertend lesen, ich beschreibe hier auch meinen Werdegang.

Alles Gute für dich,

ichso - der es gottseidank wieder eingefallen ist, wie die Smilies auszuschalten gehen ;) Und die, seit sie wieder Kontakt zu ihrer ganz frisch erwachsenen Enkelin (alles MENSCHEN, Omi!) hat, die Worte von Männern nicht mehr per se ablehnt.
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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #21 am: 09. August 2021, 17:33:35 »

Vielen Dank für eure Beiträge, so schnell habe ich die gar nicht erwartet!
Ich bin morgen auf Reisen und kann nicht antworten - bitte um etwas Geduld!
Gruß Baustein
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ichso

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #22 am: 11. August 2021, 01:03:33 »

Hallo Baustein,

mir ist noch was eingefallen. Es gibt ein Buch, dass heißt: "Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest" oder so ähnlich. Habe es nie gelesen, obwohl ich sehr viel lese (hat meine Dummheit extrem gefährdet im Laufe der Zeit, lächel...). Finde den Titel nur so passend.

Denn wenn man/frau abhängig und/oder co-abhängig ist, und Ursachen und Verhaltensmustern (also den eigenen!) nicht auf die Schliche kommt, ist der/die FolgepartnerIn im Prinzip der/die Gleiche. Das tarnt sich dann evtl. mit einer anderen Form der Abhängigkeit (Spielsucht, Kaufsucht, gestörtes Essverhalten, whatever...) - aber das Muster ist gleich.

Sehr schmerzhaft sich damit auseinanderzusetzen, und es ist am Anfang ganz leicht, Gründe zu finden, nicht bei sich selbst zu schauen. Naja, laberrhabarber...

Drücke dir feste die Daumen für dich selbst :)

Netten Gruß, ichso
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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #23 am: 12. August 2021, 15:27:04 »

Hallo,
ich freue mich über die Anteilnahme und die Antworten, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Ihr habt mir alle sehr geholfen!

Meine Situation unterscheidet sich vielleicht etwas von vielen anderen Schicksalen, die hier im Forum geschildert werdem, und vor allem auch von denen, die ihr eigenes Suchtverhalten überwunden haben:

Ich habe keine Suchterfahrung, aber bin vor kurzem in eine Co-Abhängigkeit einer Alkoholikerin geraten. Hinter mir steht keine langjährige Beziehung auf dem Spiel, sondern ich befinde mich in der Anfangs- oder Kennenlernphase in eine Affäre eines älteren Paares (beide Ü60), das offensichtlich nicht unterschiedlicher sein kann in ihrem Verhältnis zum Alkoholgenuss.

Ich bin das erste Mal in meinem Leben mit dieser Form des Alkoholismus in einem persönlichen Verhältnis als Mann zu einer Frau konfrontiert. Gefühle und Erlebnisse haben mich als gestandener Mann an die Grenze gebracht. Mein Verstand hat keinen Einfluss auf mein Herz.

Ich danke euch für die Schilderungen aus eurem sehr privaten Leben und den Entwicklungen, die sich daraus ergeben. Wie einige Male betont war ich daran interessiert, in dieser Situation die Meinungen von Frauen zu hören.

Ich hätte auch gerne von Männern gelesen, die in meiner, ähnlichen Situation sind oder waren: co-abhängig, aber nicht alkoholabhängig (oder trocken).
Natürlich ist in einem Blog / Forum jeder zu schreiben eingeladen, aber es ist nicht jeder automatisch hierzu aufgefordert.

Nein, ich bin nicht abhängig wie Marina. Nein, ich analysiere oder kontrolliere nicht ihr Trinkverhalten. Ich habe nicht diese Klischees eines Partners bedient, wie man meinen Texten leicht entnehmen kann. Ich habe sie mit Neugier und Zurückhaltung beobachtet, um herauszufinden, was ich falsch mache. Ich versuchte sie zu verstehen. Ich habe sie gewähren lassen und sie von nichts abgehalten – ich habe ein bisschen mitgetrunken, aber nie die Kontrolle über mich oder meine Worte verloren. Ich habe auch keine Diskussion über Gesundheit und Alkoholmissbrauch geführt.

Ja, ich stecke in einer Abhängigkeit – keiner Alkoholabhängigkeit, aber in der Abhängigkeit zu einer alkoholabhängigen Frau. Das Netz ist voll von Geschichten aggressiver Männer, die ihre Frauen quälen und/oder die Überwindung ihrer Sucht. Das war hier nicht mein Thema.

Dank eurer Hilfe bin ich auf einem guten Weg:

1.   Problem erkannt: Beginn einer toxischen Beziehung
2.   Mein Verstand hat eine Lösung gefunden: Marina und ich haben keine Zukunft, ihre Sucht ist stärker als ihr Leben, ich bin in Gefahr.
3.   Mein Herz ist dabei, meinem Verstand zu folgen.

Ob ich mir im Forum Hilfe erhoffte? Ja, ich erhoffte mir Informationen und Gedanken, die ich selbst nicht habe. Ich habe die Hilfe bekommen und bin euch allen dankbar.

Ich bin tief erschüttert, wie besorgniserregend ihre Alkoholsucht ist – und, dass ich nichts gegen ihr Elend tun kann, das sie offensichtlich noch vor sich hat.

Gruß Baustein
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Orangina13

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #24 am: 12. August 2021, 19:57:32 »

Hallo Baustein
deine Geschichte habe ich verfolgt und sie hat mich angesprochen.
Ich bin 49 J alt, habe lang und viel getrunken in meinen letzten Jahren. Angemerkt hat man mir das nie, wie deiner Exfreundin, vermute ich mal. Ich hörte regelmäßig und rechtzeitig auf und das war nach einer Flasche Wein.
Trotzdem habe ich fast täglich abends eine Flasche getrunken.Meist im stillen Kämmerlein. Außen, wenn ich mal in Gesellschaft getrunken habe, hatte ich in den letzten Jahren einen normalen Konsum,so, dass man es nicht bemerkte, …
Früher als Studentin habe ich viel mehr getrunken, auch in Gesellschaft aber damals war das ja „normal“.
Trotzdem,ich hatte nie einen Filmriss oder so.
Jetzt bin ich seit fast 10 Monaten alkoholfrei unterwegs. Meine Geschichte findest du im Vorstellungsbereich bei „Orangina“.
Ich habe dich übrigens nie als Coabhängig gesehen oder dich so eingeschätzt. Du warst, wie du es im letzten Post geschrieben hast, selbst vollkommen überrannt worden mit dem Verliebtsein in eine Alkoholikerin und dich hat es eben mal kurz gebeutelt, was ich total nachvollziehen kann.

Du hast einen klaren Blick auf deine Geschichte und die Entwicklung deiner Exfreundin.
So schwer es auch ist, ich mute dir zu, dass du dich deinem Leben zuwenden kannst, deswegen machte ich mir beim Lesen deiner Zeilen keine Sorgen um dich.
Du warst kurzfristig in einer schwierigen Situation, die du versucht hast selbst zu lösen, sie zu verstehen und du wirst das sicher gut trennen können. (Was gehört zumAlkoholismus, was gehört zur Liebe und was gehört zu Coabhängigkeit und was gehört zur Hilfsbereitschaft und wo sind die Grenzen).
Das behaupte ich jetzt einfach so, weil ich es aus deinen Zeilen herausgelesen habe.
Warum ich dir schreibe: ich kann nachvollziehen, dass du dich mit Frauen austauschen wolltest, um zu verstehen, um alles besser einschätzen zu können.

Ich wünsche dir alles Gute !!!

Alkoholisiert habe ich übrigens auch immer wieder „komische „Geschichten an Land gezogen .
Nüchtern betrachtet war ich dann oft entsetzt, wie das zustande kam.
Ich machte aber trotzdem weiter und konnte es nihct beenden- vermutlich war das auch so , weil ich mir sonst eingestanden hätte, ein Alkoholproblem zu haben und das hatte ich definitiv schon Mitte 20.
Ein anderer Grund war: Ich war mir selbst nicht sehr viel Wert.
Es ist ja auch schwierig, wenn der Alkohol zum einzigen Freund wird.
Wie kann man da nach außen „offen „sein , wenn man es schon mit sich selbst nicht kann.
Damit will ich aber nicht sagen, dass dich deine Freundin benutzt hat.
Sie ist, wie mir scheint-sehr gefangen in ihrer Sucht und das mittlerweile sehr stark, so dass sie gar nicht anders kann als so, wie du sie erlebt hast.
Das wichtigste ist , dass du nach dir schaust.
Du wirst sie nicht vom Alkohol wegbringen.
Und wie mir scheint, wird sie es auch nicht tun in nächster Zeit.

Das einzige, wie du ihr helfen kannst, ist , sie loszulassen.
Das ist hart, aber das einzige, was meiner Meinung nach die einzige Lösung ist. Für dich !
(und auch in gewisser Weise auch für sie, damit sie vielleicht erkennt, dass sie ein Problem hat).

Orangina13


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Baustein

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #25 am: 17. August 2021, 16:55:45 »

Ich habe mich ein paar Tage zurückgezogen und mich auf mich konzentriert.
Alle eure Einlassungen und insbesondere eure persönlichen Erzählungen haben mir sehr geholfen, meinen Weg zu mir zu finden und mein Leben wieder in Angriff zu nehmen. Ich glaube, es wird mir gut gelingen.
Liebe Orangina13, auch für deine Geschichte und deine Anteilnahme haben mir sehr geholfen . vielen Dank!
Ich freue mich, dass ich hier in meiner elelnden Situation verständnisvolle Menschen getroffen haben.
Und natürlich bin ich nicht der einzige, dem ihr wie mir Mut gezeigt und Verständnis entgegengebracht habt - Vielen Dank den Aktivisten hier im Forum.

Liebe Grüsse Baustein
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Orangina13

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Re: Bruef an eine Alkoholikerin
« Antwort #26 am: 19. August 2021, 10:07:45 »

Hallo Baustein
Auch du bist ein Aktivist, auch deine Geschichte trägt positiv dazu bei ,den einen oder anderen weiter zu bringen.
Es würde mich freuen ,hin und wieder von dir zu lesen, wie es dir geht und wie es dir gelingt ,wieder in dein Leben zurück zu finden.
Orangina13
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