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Autor Thema: Einfach aufgehört...  (Gelesen 1338 mal)

kölschejung

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Einfach aufgehört...
« am: 31. August 2021, 08:02:26 »

Hallo zusammen, ich habe jahrelang täglich 5 Flaschen Bier getrunken und sah nach einiger Zeit auch so aus.
Ich mag Bier einfach total gerne, mit Wein könnte ich mich nie betrinken. Ich habe zwischendurch immer mal einen Tag gehabt, an dem ich nichts getrunken habe, das aber eher selten. Da ich mittlerweile beim Schuhe zumachen kaum noch Luft bekomme, habe ich beschlossen abzunehmen.
Von Heute auf morgen trinke ich nichts mehr und es fällt mir auch überhaupt nicht schwer. Ich bin jetzt schon in der dritten Woche, habe ab und zu mal den Gedanken an ein kühles Blondes aber finde es auch cool dann ein Wasser zu trinken. Ich sehe an den Daten meiner Sportuhr das der Schlaf besser wird, mein Ruhepuls von 76 auf 57 runter ist und vieles mehr. Ich habe mir zum Ziel gesetzt bis Oktober abstinent zu sein, dann geht es (hoffentlich) in den Urlaub und ich eine Weinregion.

Jetzt nach der langen Vorrede meine Frage....

Woran liegt das, das man sich nur ein Bier vornimmt und nach dem Ersten ist einem alles scheiß egal, "ach eins noch, ist ja noch so früh" und dann ist man wieder bei 5 Bier.
Ich würde das gerne in Zukunft kontrollieren können, und im Urlaub mit meiner Frau mal ein Glas Wein trinken, ist das möglich?

Gruß und danke fürs Zuhören
der Kölsche Jung
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Britt

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Re: Einfach aufgehört...
« Antwort #1 am: 31. August 2021, 09:46:43 »

Moin,

ich bin Britt, gehe auf die 60 zu und seit mehreren Jahren alkoholabstinent.
Hast du in erster Linie "einfach aufgehört..", weil dir dein Körper nicht mehr gefällt, oder weil du ein (Alkohol)-Problem erkannt hast? Wenn es ums Letztere geht, hier meine Antwort
zu deiner Frage:
In der Suchthilfe spricht man hier von Kontrollverlust. Gemeint ist ein Stadium der Alkoholkrankheit, wenn du nach dem ersten Bier ("kühles Blondes" verniedlicht dein Problem...)
nicht aufhören kannst bzw. nicht mehr stoppen kannst.
Dein Körper verlangt nach „mehr“... und irgendwann reichen auch 5 Flaschen nicht mehr...Sei dir bewusst, dass dieses Stadium schon eine kritische Phase der Alkoholabhängigkeit ist.
Das Thema kontrolliertes Trinken wurde hier schon in vielen Bereichen angesprochen. Lies doch einfach mal quer.
Alkoholismus ist eine Krankheit und nicht heilbar. ICH bin der Meinung, dass kein Alkoholiker jemals wieder kontrolliert trinken kann. In meiner Therapie existierte dieser Begriff nicht!
Jeder Alkoholiker hat zudem ein Suchtgedächtnis. Es kann jahrelang schlafen. Aber es wartet nur darauf, reaktiviert zu werden....
Bezeichnest du dich denn als alkoholkrank?

LG Britt   
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~ bevör ik mi nu opregen deed, is dat mi lever egaal ~

ichso

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Re: Einfach aufgehört...
« Antwort #2 am: 31. August 2021, 09:48:54 »

Hallo Kölsche Jung,

erstmal herzlich willkommen hier im Forum :)

Ich war auch eine Biersäuferin (Colabier, um genau zu sein, ich fand den Geschmack von Bier eklig), habe aber im späteren Verlauf Wodka dazu gekippt. Ging damit einfach schneller mit dem Weghauen der Realität, und genau das war das (mein) Ziel. Hat lange gedauert, bis ich das begreifen wollte. In der nassen Phase hatte ich immer einen Grund "zum feiern". Blöder Tag im Büro, Ärger mit Mann u/o Kindern, der Schwiegermutter, Ostern, Weihnachten, Fasching (ja, so heißt das hier in Hessen, war ganz früher mal Gardemädchen, lächel...)  - und "alle" waren einfach besser "drauf" im Suff.

Ob du das schaffst, mit ekligen Wein weniger und kontrolliert zu trinken? Ich habe größte Zweifel. Denn "Süßgespritzte" können ja dann wieder lecker sein, und zack! bist du bei 5 Weinschorlen. Täglich. Auweia...

Lies dich gern hier mal durch die Berichte. Greenfox kann das super verlinken, ich hoffe, er liest deinen Thread und macht das für dich :)

Vielleicht magst du auch mal "jahrelang" genauer definieren? Und wie sonst so dein Alltag in etwa aussieht?

Netten Gruß, ichso - die sich bei 1,57m mit 94kg 2007 Diabetes II angesoffen hatte. Aktuell sind es (und seit Jahren) 74 kg. Laufen statt saufen (und eine reale Selbsthilfegruppe) haben mir den Hintern gerettet.
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57, weiblich. Einzigartig? Nee: Einzig. Nich artig.
Irgendwas is immer.

Orangina13

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Re: Einfach aufgehört...
« Antwort #3 am: 31. August 2021, 10:54:12 »

Hallo Kölsche Jung.
Ich bin Orangina, fast 50 jährig, seit 10 Monaten ohne Alkohol.
Davor : jahrelanger regelmäßiger Rotweinkonsum:
Fast täglich eine halbe Flasche Wein ,später dann eine ganze Flasche Wein täglich...hin und wieder 1-3 Tage Trinkpausen, regelmäßige Kontrollversuche und Selbbsttäuschungsversuche,indem ich versucht habe ,zu kontrollieren.
Damit wollte ich alles in Schach halten.
Damit wollte ich mir beweisen, dass ich kein richtiges Alkoholproblem habe und damit holte ich mir immer wieder die Bestätigung, dass ich weitertrinken "darf".
In meinem Kopf waren andere Leute gefährdet,ich doch aber nicht, wenn ich "nur" gemütlich meinen Feierabendwein öffnete oder zu einem guten Essen auch mal Mittags ein Glas trank...
Ich habe erfahren ,dass ich meine Kontrollierten Versuche ,die ich jahrelang praktizierte (immer mit neuen Abwandlungen) ,nie zum gewünschten Ziel bringen konnte.
Ich wusste heimlich,dass ich ein Alkoholproblem habe.
Noch heute mag ich mich nicht als Alkoholikerin bezeichnen.
Ich mag diese Klassifizierung einfach nicht.
Ich trinke seit 10 Monaten nichts mehr und ich will das auch in Zukunft so beibehalten, da ich mit hundert prozentuale Sicherheit wieder zu meinem alten Konsum zurückkehren würde, wenn ich nur 1 Glas trinken würde.

Deine Denkanstöße kann ich sehr gut nachvollziehen und ich glaube auch ,dass du die Stille Hoffnung hegst,dass du das mit der Kontrolle schaffst.
Du fühlst dich aktuell sehr gut.
Du denkst jetzt schon an Ausnahmen und an ein Bier oder gar einen Wein,der dir bisher nicht attraktiv vorkam.

Allein ,dass du dich hier angemeldet hast,deutet für mich darauf hin ,dass du dir übermäßig Gedanken um den Alkohol und den Konsum machst.

Das ist schon auffällig und Grund ,weiter in sich hineinzuhorchen.
Jemand ,der kein Problem mit Alkohol hat,der stellt sich solche Fragen nicht.

Macht es dir Angst , den Alkohol ganz wegzulassen?
Das sind Fragen ,die dir vielleicht weiterhelfen könnten,um erst mal für dich klar zu kriegen, was dir der Alkohol bedeutet und wo du stehst.

Ich vermute ,du entwickelst ein Alkoholproblem. Oder du steckst schon in den Anfängen oder aber es ist schon sehr weit fortgeschritten?

Ich konnte mir diese Fragen damals noch nicht ehrlich beantworten,da mein Wunsch noch zu stark war ,so weiterzutrinken,wie ich es gewohnt war.
Aber vor 10 Monaten war mir bewusst geworden, dass ich es nicht mehr will.
Ich wollte einfach nur endgültig Schluss machen mit dem Alkohol, der mich zusehends immer mehr im Griff hatte und die Regie meines Lebens übernommen hatte.
Mir war auch klar,dass es so nicht weitergehen kann und ich eine Sucht entwickelt hatte,die ich stoppen wollte,ohne Ausnahme!
LG Orangina
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Gerchla

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Re: Einfach aufgehört...
« Antwort #4 am: 31. August 2021, 11:08:56 »

Hallo Kölsche Jung,

herzlich Willkommen hier im Forum.

Ich bin Anfang 50 und trank lange Zeit abhängig. Die meiste Zeit davon (es waren weit über 10 Jahre) komplett heimlich und ich trank auch meistens Bier. Die Zeit, in der ich mit 5 Bier pro Tag gut hin kam war in meiner ganzen Suchtzeit wohl die, die am längsten angedauert hat. Wenn ich mich recht erinnere, dann hatte ich viele Jahre, wo ich so mit 4  bis maximal 6 Bier sehr gut zurecht kam. Das war auch eine Zeit, wo ich noch alles "ganz gut" im Griff hatte. Aber wie es bei so einer Sucht halt so ist, und bei mir war es eine Sucht, blieb es dabei nicht. Obwohl mir dieses Niveau einige Jahre lang gut "getaugt" hatte, nahm es irgendwann dann doch zu. Am Ende war ich dann irgendwo zwischen 10 - 12 Bier pro Tag plus oft noch ne' Flache Wein obendrauf. Und auch hier wäre noch lange nicht das Ende gewesen. Der Umstieg auf harte Sachen war nur noch eine Frage der Zeit. Glücklicherweise konnte ich vorher abspringen und so lebe ich jetzt schon viele Jahre ohne Alkohol.

Das nur mal so, damit Du grob weißt, wer Dir hier schreibt.

Was Dich betrifft, so freut es mich, dass es Dir offenbar so leicht fällt auf das gewohnte Bier zu verzichten. Ich konnte das übrigens auch, jedenfalls noch zu der Zeit, als ich auf "Deinem" Niveau trank. Da trieben mich natürlich ähnliche Gedanken wie Dich jetzt auch um und ich wollte deshalb nicht mehr trinken. Oder wenigstens erst mal nichts mehr trinken. Einen richtigen Plan hatte ich da im Grunde nie, ich merkte einfach, dass es zu viel ist, dass es mir nicht gut tut und ich hatte natürlich auch Angst, ein Alkoholiker zu werden.... Tja, da war ich nur leider schon längst einer, das jedoch kapierte ich erst viel viel später. Im Grunde verstand ich das erst, als ich aufgehört hatte und meine Sucht aufarbeitete.

Was ich sagen will, ich hatte auch immer wieder Wochen ohne Alkohol und es fiel mir Anfangs oft gar nicht schwer. Meine längste Pause (da war mein Trinkniveau aber noch deutlich unter 5 Bier) dauerte fast ein Jahr, es folgten noch mehrere die über mehrere Wochen gingen. Wie gesagt, kein Problem und für mich dann auch immer die Bestätigung, dass es nicht so schlimm sein kann. Denn ich konnte ja verzichten und ich könnte das ja jederzeit wieder tun, so dachte ich zumindest.....

Am Ende waren es dann oft auch immer irgendwelche Anlässe, die mich meine Trinkpausen (welche i. d. R. kein geplantes Enddatum hatten) beenden ließen. Ein Urlaub wie bei Dir z. B. oder eine Einladung zu einem Geburtstag, oder ein anderes Fest, welches vor der Tür stand.

Später dann, das möchte ich auch noch sagen, wurden meine Pausen immer seltener und immer kürzer und es fiel mir zunehmend schwerer sie überhaupt durchzuhalten. Die letzten Paar Jahre konnte ich gar keine mehr machen, ich wollte auch gar nicht mehr. Ich trank sogar wenn ich krank war, sogar bei Fieber, etc. Weniger zwar, aber ich trank.

Was will ich Dir damit sagen? Nun, ich will Dir ganz sicher Deine Euphorie nicht vermießen, nein, das liegt mir fern. Ich will Dir einfach nur meine Meinung sagen, und die lautet wie folgt: Solltest Du mit Deinen 5 Bieren noch zu jeden gehören, die "nur" Missbrauch betreiben, jedoch noch nicht abhängig sind, dann hast Du die Chance das ganze noch irgendwie zu "korrigieren". Dann kann es Dir möglich sein, auf ein "normales" Trinkniveau zurück zu kommen. Falls Du das überhaupt willst. Weißt Du eigentlich , was risikorames (risikoloses Trinken gibt es nicht) bedeutet? Das bedeutet, dass Du als Mann pro Tag etwa 24 gr. reinen Alkohol zu Dir nehmen darfst. Das entspricht in etwas einem großen Bier (0,5 bis max. 0,75 l, je nach Alkoholgehalt des Stoffs) oder alternativ etwa ein Glas Wein (o,25 l). Das jedoch auch nicht täglich sondern mit mindestens 2 komplett konsum freien Tagen die Woche. Das wäre dann ein risikoarmes Trinken. Das kannst Du auf jeden Fall hinbekommen, solltest Du zu jeden gehören, die nur Missbrauch betreiben. Natürlich könntest Du dann auch mal mehr trinken, jedoch solltest Du Dir immer darüber im Klaren sein, dass gelernt eben gelernt ist. D. h. Du bzw. Dein Körper und Deine Psyche wissen sehr genau um die Wirkung des Alkohols. Du wirst also immer sehr genau darauf achten müssen, wie sich Dein Trinkverhalten in Zukunft entwickelt. Um nicht Gefahr zu laufen, doch wieder in altes Fahrwasser zu gelangen.

Solltest Du jedoch mit Deinen 5 Bier pro Tag bereits süchtig sein (da hast Du gute Chance das dass der Fall ist, ich war schon mit ein bis zwei Feierabendbieren ein abhängiger Trinker), dann wird es nichts werden mit kontrolliertem Trinken. Also es sei denn, Du wärst Du berühmte Ausnahme von der oft gesprochen wird, die aber irgendwie niemand so richtig persönlich zu kennen scheint. Deshalb denke ich mir: probiers doch einfach mal aus. Halte Dich jetzt erst mal fern von dem Zeug, zieh das so durch mit dem gar nichts trinken. Und schau dann im Urlaub, es scheint Dir ja so wichtig  zu sein, was passiert wenn Du wieder beginnst zu trinken. Dann wirst Du sehen, ob Du nach dem ersten Glas weiter trinken musst oder ob es bei einem Glas bleiben kann. Leider spricht dieses "nicht aufhören können nach einem Glas" bereits für eine Sucht. Zumindest ist das ja eine Art von Kontrollverlust und das ist eines der Merkmale für eine Sucht.

Alternativ kannst Du natürlich auch mal darüber nachdenken, ob Du Dir den "Flow" den Du gerade hast nicht zu nutze machen willst und einfach erst mal bis auf weiteres nicht mehr trinkst. Also auch im Urlaub nicht. Vielleicht merkst Du dann irgendwann mal, wie überflüssig dieses Zeug eigentlich ist. Wenn Du nämlich selbst zu der Erkenntnis kommen solltest, dass Du das Zeug weder willst noch brauchst, weil Du sehr gut mit der Realität klar kommst, ja die Realität sogar lieber hast als die vom Alkohol vorgegauckelte Scheinwelt, dann ist es vollkommen unwichtig ob Du schon süchtig bist oder nur Missbrauch betrieben hast. Denn dann hast Du einfach selbst entschieden, dass Du keinen Alkohol mehr trinken willst (werden übrigens immer mehr Menschen, und gar nicht wenige davon hatten nie ein Alkoholproblem).

Wie auch immer, ich wünsche Dir, dass Du die richtigen Entscheidungen für Dich und Dein Leben treffen kannst und treffen wirst. Alles Gute für Dich!

LG
Gerchla
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kölschejung

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Re: Einfach aufgehört...
« Antwort #5 am: 02. September 2021, 09:32:43 »

Vielen lieben Dank für Eure Antworten,

es fällt mir zurzeit so leicht nichts zu trinken und ich fühle mich viel besser. Die Werte meiner Uhr zeigen einen viel ruhigeren Schlaf, der Blutdruck ist spitze und der Ruhepuls bei 51.
Ich denke halt nur, wenn es jetzt so einfach war, warum kann ich nicht im Urlaub mit meiner Frau einen leckeren Rotwein in Südfrankreich genießen und mir für die Zeit danach vornehmen nur einen Tag die Woche z.B. den Samstag mein geliebtest Bierchen zu trinken?
Die Phase der Abstinenz, die ich gerade erlebe, ist doch auch nur entstanden weil ich vom Kopf her darauf eingestellt war und ab Tag X vorgenommen habe nichts mehr zu trinken. Ich habe dann nicht gedacht "Oh nee wie schrecklich, kein Bier mehr" sondern "Juhuu, endlich mal eine Zeitlang keinen Alkohol mehr, sport treiben und abnehmen".
Wenn man mit dieser Einstellung in den Urlaub und in die Zeit danach startet, dürfte das doch genauso einfach funktionieren.

Sorry das ich erts so spät antworte, ich habe trotz Häkchen keine Benachrichtigung bekommen :-(
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Gerchla

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Re: Einfach aufgehört...
« Antwort #6 am: 02. September 2021, 15:06:46 »

Hallo kölschejung,

Zitat
Wenn man mit dieser Einstellung in den Urlaub und in die Zeit danach startet, dürfte das doch genauso einfach funktionieren.

Ich kann mich nur wiederholen. Probiere es doch einfach aus. Du wirst es erleben. Klappt es oder klappt es nicht? Oder, was auch gut sein kann: es klappt ganz gut für eine Zeit lang und dann schleichen sich nach und nach die "Ausnahmen" ein. Ich will Dir hier nicht erzählen, dass es für Dich nur den Weg der absoluten Abstinenz gibt. Denn das weiß ich einfach nicht. Ich weiß nicht wo Du stehtst, ob Du süchtig bist oder nicht.

Ich weiß nur, dass Dein Plan schief gehen wird, wenn Du süchtig bist. Ist eigentlich ganz einfach. Und das kann auch ganz subtil von statten gehen. Es kann auch sein, dass es im Urlaub super klappt und Du fröhlich begeistert von Dir selbst und Deinem Plan sein wirst. Um dann irgendwann doch festzustellen, im Alltag, wenns mal nicht so gut läuft, dass da irgendwie doch wieder was schief läuft.

Ich schreibe Dir das nicht um Dir das jetzt irgendwie madig zu machen, ich würde mich sehr für Dich freuen, wenn alles so funktioniert wie Du es gerne möchtest. Ich schreibe Dir das einfach nur deshalb um Dich dafür zu sensibilisieren, dass Du es hier (falls Du süchtig sein solltest) mit einer sehr heimtückischen Krankheit zu tun hast. Eine Krankheit die verdammt viele Tricks auf Lager hat und die ALLES dafür tut, dass man ihr nicht entkommt. So ist das halt bei Sucht.

Vielleicht kannst Du das jetzt nicht verstehen, weil bei Dir ist ja gerade alles gut. Vielleicht musst Du das auch gar nicht verstehen können, weil bei Dir ja wirklich alles gut ist und Du noch im Missbrauchsstadium bist. Aber egal wie, aufpassen musst Du so oder so, denn der Alkohol spielt in Deinem Leben definitiv ein viel zu große Rolle. Andernfalls würdest Du nicht hier sein und Dich nicht so intensiv damit beschäftigen und ich sag nur "geliebtes Bierchen", da springt mich die Vorfreude darauf ja geradezu an. Das ist eigentlich nicht schlimm, wenn es bei einem geliebten Bierchen bleibt, in der Woche, z. B.. Wenn Du aber das zweite, dritte, vierte..... Glas nicht stehen lassen kannst, wenn Du wieder fast täglich trinkst, wenn Dir Dein Hirn dann Rechtfertigungen zurecht legt, warum das ja gar nicht so schlimm ist,  dann weißt Du was die Stunde geschlagen hat (hoffe ich zumindest für Dich). Finde es einfach heraus! Und sollte es so sein (was ich Dir nicht wünsche), dann hab den Mut das auch anzuerkennen und Plan B in Angriff zu nehmen.

Denn wenn Du es dann einfach laufen lässt, steht Dir mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine langjährige Karriere als trinkender Alkoholiker bevor. Das macht keinen Spaß, sag ich jetzt mal aus eigener leidvoller Erfahrung. Und so eine Alkoholikerkarriere hat allerbestes Potenzial um sein Leben an die Wand zu fahren.

Alles Gute für Dich! Wenn Du Lust hast, berichte uns doch mal wie es Dir ergangen ist, so nach ein paar Monaten.  Würde mich sehr freuen, wenn wir hier irgendwann mal eine positive Nachricht von Dir lesen dürften. Aber auch bei einer negativen sind wir selbstverständlich da. Melde Dich einfach, wenn Du das Gefühl hast, Du könntest uns brauchen.

Viel Glück und eine gute Zeit!
Gerchla
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