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Autor Thema: Sich selbst den Weg frei machen  (Gelesen 7501 mal)

Susanne68

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Sich selbst den Weg frei machen
« am: 15. April 2021, 15:45:29 »

Vor einiger Zeit ging es im internen Bereich des Forums hier um den Tiefpunkt und das bedingungslose Aufhören.
Das Grundthema war erst der Tiefpunkt und der berühmte Klick, wie ich ihn erlebt habe. Und dann kamen wir zum Thema, wenn man immer auf etwas wartet, was passieren müsste, oder man sich von anderen und deren Unterstützung bzw. Wohlwollen abhängig macht, dann schafft man es vielleicht nie. Also eigentlich geht man sich, wenn man Bedingungen fürs Aufhören stellt, selbst im Weg um, schwächt seine eigene Entschlusskraft und macht sich von äusseren Umständen abhängig.

Ich bin der Meinung, Aufhören ist eine egoistische Sache, bei der ich um mich selbst kämpfe - und von der dann aber Andere, mein Partner z.B., auch etwas haben, denn nüchtern setze ich meine Interessen vielleicht besser durch, nehme aber auch meine Verantwortung für mein Leben anders wahr. Alles, was der Nüchtenheit dient, ist bei einem Alkoholiker aus meiner Sicht erst mal gut, auch wenn es scheinbar gegen Andere gerichtet ist.

Mit einer klaren Entscheidung komme ich leichter ans Ziel als mit halbherzigen Versuchen. Und Ausreden, Ausnahmen habe ich mir selbst nicht zugelassen. Aufhören, ohne Bedingungen zu stellen, es geht alles auch ohne Alkohol, es gibt praktisch nichts, was durch Trinken auf lange Sicht schöner oder einfacher wird. Wenn man Probleme im Zusammenhang mit Alkohol hat, Streit mit dem Partner, Arbeitsplatzprobleme, Depressionen etc., dann ist Alkohol das Problem, und das muss als allererstes gelöst werden.

Ich mache hier daraus ein neues Thema, weil es gewünscht wurde und weil es vielleicht jemandem beim Entschluss helfen könnte.

Vorab...der zentrale Punkt für mich war, dass es beim Aufhören nichts für mich gab, was höhere Priorität hatte, ich habe dem Aufhören alles Andere untergeordnet, weil es für mich vielleicht nur so zu schaffen war. Uns so, indem ich dann auf nichts mehr Rücksicht genommen habe, ausser darauf, ob es mir beim Trockenbleiben hilft, ging es. Damit meine ich, ich habe einige Freunde entfreundet, auf einen Karriereschritt verzichtet und mir das Denken "Trinken ist keine Option, denn das macht alles schlechter" angeeignet. Ich dürfte immer, niemand könnte es mir verbieten, aber ich will nicht, weil ich meine Erfahrungen gemacht habe.
Und das Leben ging trotzdem weiter. Besser als vorher.

Bei allen Schwierigkeiten, die beim Aufhören auftreten können..wenn man mal so weit ist, dass man drüber nachdenkt, dann macht einem das Trinken auch schon eine Menge Probleme. Das ist ja meistens auch nicht mehr lustig, also irgendwas muss man dann sowieso tun und dann besser das, was auch wirklich dauerhaft hilft.

Das Ganze entstand aus einer Frage- und Antwort-Situation, und die gebe ich einfach mal so wieder, da kommt es vielleicht am deutlichsten raus.


Fragestellerin:
Zitat
Liebe Susanne,

Ich lese ja öfters deine Beiträge mit grossem Interesse... Du hast hier und in anderen Threads schon paar mal geschrieben wie du es vom süchtigen Leben in ein neues,selbstbestimmtes geschafft hast. Mich erstaunt dabei immer wieder die Leichtigkeit mit der das geschah...würdest Du von einem echten „Klick“ sprechen? Also so wie ein Aufwachen aus einer Illusion? Ich kann mir das so schwer vorstellen dass der Suchtdruck dann auch plötzlich im Nichts verschwindet...selbst bei Einsicht auf rationaler Ebene bleibt die Suchtstrucktur im Gehirn trotzdem noch bestehen? Wir sind in dieser Hinsicht einfach so unterschiedlich, es beeindruckt mich irgendwie wie das alles so plötzlich ins Rollen gebracht wurde und bei dir dann auch so offensichtlich aus der Sucht führte. Glaubst Du du bist in deiner Sucht bis zum Ende gegangen? Also mehr wäre nicht drin gelegen?

Kein Antwort-Zwang, wenn s dich nicht langweilt schreib doch mal was da genau in deinem Inneren vorging,

Antwort
Zitat
Das müsste ich erst mal selbst erklären können. Was da genau in meinem Inneren vorging, fand bei 3 bis 5 Promille statt, ich weiss ja nicht mal mehr, wie viel ich vorher getrunken hatte. Jedenfalls war ich nicht mehr ansprechbar, konnte ich nicht mehr aufstehen und keinen Meter geradeaus gehen. Eimer vor dem Bett, durchgeschwitztes Laken, und so weiter. Aber das war ja auch nichts Neues. Also das, dass es mir besonders schlecht ging, erklärt es jedenfalls nicht.

Der Gedanke, den ich da hatte, und den ich vielleicht noch nie so hatte, war der, dass es mir furchtbar schlecht geht, und - vor Allem -  dass es mir nur deswegen so furchtbar schlecht geht, weil ich das so will. Dass ich mich selbst praktisch zum Trinken zwinge, weil es meine tiefste innere Überzeugung ist, dass Trinken das Leben schöner macht. Und dass mich nichts und niemand zum trinken zwingt, nur ich selbst mit eben dieser Überzeugung.

Der nächste Gedanke war praktisch der, wenn das alles so ist, weil ich das so will, dann kann ich das auch ändern, wenn ich das will. Ich kann auch mit dem Leiden wieder aufhören, wenn ich keine Lust mehr dazu habe. Ja, dachte ich.
Dass das eine Krankheit ist, war für mich eigentlich nur zur Dekoration, damit man Anspruch auf Hilfe hätte, wenn es nötig wäre. Damals, als ich noch nicht durch hunderte Diskussionen durchgenudelt war, war das für mich eine einfache Sache. Ich bin einfach einen Weg gegangen, den ich vor mir gesehen habe.

Ich bin aufgewacht, das mach ich jetzt. Ja, ich weiss, bei vielen Anderen kippt das dann irgendwann wieder, war bei mir nicht so. Vielleicht tatsächlich, weil ich mein Pensum voll hatte, und es da für mich nichts mehr zu holen gab, auch keine neuen Erfahrungen mehr, nichts mehr, was mich interessiert hätte.

Und es war sicher mein Glück, dass ich die ersten Jahre relativ wenig mit anderen Alkis zu tun hatte, da wurde das nicht so in Zweifel gezogen, dass das möglich ist. Zum Teil war ich aber auch so ein bisschen "jetzt erst recht" drauf, wenn mir jemand gesagt hatte, dass das nicht geht. Auf diese Weise wurde ich dann aber selbst irgendwann für Einige interessant.

Aber es ist kein wirklicher Einzelfall, es gibt auch Andere, bei denen das so gelaufen ist.

Weiss jetzt nicht, ob das Deine Frage so wirklich beantwortet.


Fragestellerin:
Zitat
Danke für deine Antwort! Klar das beantwortet schon was. Ich war ja auch schon oft an dem Punkt wo ich mir dachte jetzt kannst Du nicht tiefer sinken...aber ich sank dann trotzdem noch tiefer. Als ich wirklich aufhören wollte war das dann in einem nüchternen Moment als ich 14Tage Alkfrei war da sich mein Körper so rebellierte gegen den Alk. Und das alles fand dann auf rationaler Ebene statt, also eine Anreihung von Argumenten die keinen anderen Schluss zuliess.

Ich hab schon von anderen von einem solchen Schlüsselerlebniss gehört und dann kam es zum Umdenken. Vielleicht nimmt es mich auch so Wunder weil ich das so gerne auch hätte. Aber auslösen lässt sich sowas ja nicht bewusst...denke ich mal. Und ich bin ja auch auf einer guten Linie nur muss ich halt immer noch so oft kämpfen...

Antwort
Zitat
   
Zitat
Ich war ja auch schon oft an dem Punkt wo ich mir dachte jetzt kannst Du nicht tiefer sinken...

Das interessiert jetzt mich.
Wie definierst Du "tiefer sinken"?

Beim Saufdruck ist es wirklich so, keiner weiss richtig, wieso der so plötzlich spurlos verschwinden kann. Aber wir nehmen es natürlich mit.
Saufdruck ist für mich jedenfalls eine Art sehr intensiver Emotion  - ich hatte ja welchen, so lange ich meine ganzen Trinkpausen gemacht habe  - und ich habe hier schon mal geschrieben, dass Alk/Drogen lange so was wie meine große Liebe waren. Dafür sterben ja auch manche. Also tatsächlich wohl nichts, was man bewusst so einfach ausknipsen kann. Es ist mir halt passiert.

Gruß Susanne

Fragestellerin
Zitat
Naja wenn ich halt mal wieder irgendwo zuhause verdreckt und mit blauen Flecken aufwachte uf nicht wusste was da passiert ist. Der Kater des Jahrhunderts und in solchen Momenten dachte ich auch, du könntest auch tot sein, weisst ja nicht mal in welcher eventueller Gefahr du dich befunden hast. Oder halt ganz peinliche Aktionen von mir liess wo ich dachte schlimmer gehts nicht...es ging aber tatsächlich noch schlimmer. Diese Erlebnisse hatten keine langfristige Reaktion oder Änderung hervorgebracht,ich soff einfach weiter als wäre nichts gewesen und schaffte es sogar mir einzureden dass es sooo schlimm ja doch nicht ist ??. Das dauerte eine gefühlte Ewigkeit so...das meinte ich damit.


Antwort
Zitat
Ich war da vielleicht ein bisschen schizophren. Ein Teil von mir hat einen anderen Teil beobachtet, andererseits war meine Suffpersönlichkeit von meiner Nüchternpersönlichkeit deutlich getrennt, wie ausgewechselt. Konnte ich gut ausblenden. Später ist mir gekommen, ich habe auch immer nur bis zu den ersten Getränken gedacht, wie bei Dir neulich. Ich hätte es zwar wissen können, aber dazu hätte ich erst mal drüber nachdenken müssen und das wollte ich eben nicht.

So wie Du das gerade schreibst, fällt mir auf, dass da möglicherweise alles, diese getrennten Teile,  zusammenkam und mir das so völlig bewusst wurde. Da wars vorbei mit der Liebe.

Fragestellerin
Zitat
Ich war ach schizophren aber vielleicht auf einer anderen Ebene. Wenn ich paar Tage ohne Alk war, war ich extrem gesundheitsbewusst,super in die Arbeit vertieft und ziemlich gut darin andere über ihre Schwächen aufzuklären...ich war sogar ein richtiger Moralapostel vor allem zum Thema Sucht. Vielleicht war das so eine Gegenreaktion weil ich so überhaupt nicht zu meinem Problem stehen konnte. Es gibt ja die Alkoholiker die lauthals rumerzählen wie oft und wie viel sie saufen. Und als ich dann aber trank kippte ich in den Modus „alles Spiesser“, „die Langweiler mit ihrem Tee...lieber früh sterben dafür gefeiert haben „...Das war schon krass wie ich da von einem Extrem ins andere rutschte.

Und ja der Vergleich mit der Liebe lässt sich ziehen...Sucht funktioniert irgendwo wie Liebeskummer, plötzlich sieht man nur noch die guten Seiten, sehnt sich an den Anfang der Beziehung zurück, wünscht sich in eine Zeit zurück die längst verflossen ist und nie wieder so sein wird. Ich muss mich oft dran erinnern, die guten Momente mit dem Alk sind endgültig hinüber, es wird nie wieder unbeschwerlich.

Ich weiss nicht an was es liegt dass es einige aus dem Sumpf schaffen und andere nicht...ausser der Eigenmotivation natürlich. Vielleicht an genau diesem „Aufwachen „ wie es bei dir war, vielleicht passiert das bei einigen einfach nie und sie kehren immer wieder zur Flasche zurück. In der SHG höre ich oft von dem „Klick im Kopf“, das sagt mir einfach nichts irgendwie.

Antwort
Zitat
Ich habe bei einigen beobachtet, dass sie nicht "bedingungslos" aufhören wollen, sondern das mit irgendwas verknüpfen. Entweder müsste sich vorher was Ändern, oder sie wollen relativ schnell eine Belohnung dafür haben, das sie nun so supertoll sind und sich endlich mal bemühen.

Wenn ich endlich einen Partner hätte, wenn ich endlich Kinder kriegen würde, wenn ich endlich aus meinen Depris rauskommen würde, wenn man mir richtig (oder noch mehr) helfen würde, dann würde ich das schaffen. Und wenn sich meine Probleme nicht gleich in Luft auflösen, dann fange ich eben wieder damit an.

Ich hab einen erlebt, der flog aus seiner dritten Langzeitherapie raus, weil er wiederholt rückfällig wurde. Und immer das Gejammer, dass er ja so gerne eine Familie mit Kindern hätte, er wegen seiner Einsamkeit säuft und mit keiner klappt es so richtig. Dabei hielt er sich doch für so einen tollen Hecht, die Frauen begriffen ja gar nicht, was sie  ohne ihn alles verpasst hatten.  Aber dass er das im Suff selbst immer zerschlagen hat, das begriff er nicht. Er hat es mir und Anderen ja auch immer brühwarm erzählt, wie ungerecht man ihn wieder behandelt hatte.
Da hats tatsächlich auch eine Art Klick gemacht, da hat er nämlich plötzlich kapiert, dass ihm niemand helfen kann, wenn er das nicht selbst endlich tut. Wenn er immer auf was wartet, was passieren müsste, dann wird er sterben, bevor es passiert ist, auf was er gewartet hat. Und plötzlich gings, zumindest mal mehrere Jahre, bis ich ihn aus den Augen verloren habe. Und da kam dann auch tatsächlich mal der Satz, dass er immer auf was von Aussen gewartet hatte, bis ers begriffen hat, dass es nur an ihm selbst liegt.

Und eben dieses "bedingungslose" Aufhören, das war bei mir eben nach diesem Erlebnis sehr ausgeprägt. Ich habe sogar mit weit größeren Schwierigkeiten gerechnet, als ich dann wegen dieser späteren Unzufriedenhheit (als die Anfangseuphorie weg war) hatte. War trotzdem noch einfacher, als ich erwartet hatte. Wobei ich ganz am Anfang natürlich auch noch nicht so sicher war, dass ich das auch schaffe (weswegen ich die ersten vier Wochen auch noch den Hintergedanken hatte, erst mal für ein Jahr, dann sehe ich weiter), das kam dann erst, als ich das gemerkt habe, wie das klappte.
Ich habe damals auch geglaubt - was im Übrigen sogar wissenschaftlich fundiert sein könnte - dass mein Hirn nach Alternativen gesucht hat, sich auch dementsprechend entwickelt hat, weil ich in Richtung Trinken keine Möglichkeit offen gelassen hatte. Ich hatte das für mich selbst kategorisch absolut ausgeschlossen, dass Trinken für mich eine Option ist. Und da arbeitet das Hirn dann damit, wie es auch nach einem Schlaganfall neue Möglichkeiten zur Lebensbewältigung findet.

Und es war in deser Nacht damals auch tatsächlich so, dass ich vor meinem geistigen Auge gesehen habe, dass ich vielleicht ein paar Jahre Schwierigeiten habe, die ich aushalten muss, aber dass es dann, wenn ich da hinter mir habe, fast zwangsläufig besser werden muss. Also ich habe  nicht nur gesehen, was hinter mir lag und wo ich noch mitten drin steckte, sondern schon auch einen Ausblick, für den es sich lohnte.

Und das hatte ich bis zu diesem Tag ja auch nicht, diese Vorstellung, dass sich das auch irgendwann lohnt. Und dass man mich dafür auch nicht loben muss, weil ich das in allererster Linie nicht für Andere, sondern für mich selbst mache. Mit dem Saufen aufhören war für mich so egoistisch wie nur irgendwas.
Im Übrigen fand ich die AA-Vorstellung von der lebenslangen Krankheit absolut demotivierend (AA-ler und ihre Denke sind mir bald irgendwo begegnet), das war einer der Gründe warum AA noch nie zu den Gruppen gehört hat, wo ich hingegangen wäre. Am Anfang brauchte ich ganz dringend eine Perspektive, dass das irgendwann vorbei ist, und für mich ist das bis heute eine Krankheit, die nur dann relevant wäre, wenn ich wieder anfangen würde. Nüchtern fühle ich mich nicht krank.

...
ein paar Zwischenrufe, dass man das öffentlich machen müsste
...

Fragestellerin
Zitat
Kann Greenfox nur zustimmen, der ganze Beitrag würde sich gut tun im öffentlichen Bereich! Dieses Wenn...Dann- Gedankengerüst muss man wirklich ablegen wenn es was werden soll mit der Abstinenz. Ich glaube das ist der Punkt wo viele drin gefangen bleiben, diese fadenscheinigen Gründe überleben zum Teil sehr lange.

Aufhören ohne Wenn und Aber...das ist der Punkt.

Am Anfang hat es mir viel geholfen, dass ich Leute gesehen habe, die schon 20, 30 Jahre trocken waren. Ich habe zwar nicht immer alles verstanden und Vieles habe ich ganz anders gesehen, als die das erzählt haben, aber alleine die Tatsache, das Andere das konnten, überzeugte mich davon, dass ich es auch kann. Und genau das möchte ich weiter geben. Es ist möglich.

Gruß Susanne
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Daun 2020

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #1 am: 17. April 2021, 11:26:56 »

Hallo Susanne
Ich kann dir nur Recht geben mit dem was du geschrieben hast,aber und das finde ich zumindest muss jeder für sich Herausfinden,bis es Klick macht.Man kann den Weg aufzeigen,aber jeder einzelne muss ihn doch selber gehen,und diesen Weg finden.
LG Daun
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Konfuzius (551–479 v. Chr.

Susanne68

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #2 am: 17. April 2021, 20:27:25 »

Man kann den Weg aufzeigen,aber jeder einzelne muss ihn doch selber gehen,und diesen Weg finden.

Ich kann eigentlich keine Wege aufzeigen. Ich kann Dir nämlich klar sagen, wer mir hinterher läuft, der überlebt das sehr wahrscheinlich nicht. Die meisten würden nicht so viel vertragen, schon lange vorher dran verrecken, und die meisten könnten so auch nicht aufhören. Bei mir war das Aufhören ja nicht mal geplant, kam einfach so. Was soll ich dazu dann schon sagen? Sauf mehr, bis es Dir reicht (so hab ichs ja gemacht)...und wenns Dir nicht reicht, ist es nicht mein Problem, Du stirbst dran, nicht ich.
Und ich bin so stur, ich hab noch nie gemacht, was man mir gesagt hat. Ausser, ich habs eingesehen, dann schon. Und jetzt nüchtern hin und wieder auch, wenns zu mir passt.

Mich hat das am Anfang sehr gewundert, wenn ich die Rückmeldung bekam, dass das jemandem hilft, was ich so bringe. Eigentlich hat mich das auch gar nicht interessiert, das war ein Nebeneffekt, wenn ich mich mit mir selbst beschäftigt habe. Aber man gewöhnt sich dran. Und vielleicht habe ich mich, weil ich ohne Therapie und Gruppe aufgehört habe, selbst mehr damit beschäftigt als viele andere, und dadurch kenne ich mich selbst gut.
Trotzdem, mein Vater hat sich totgesoffen, und ich weiss ganz genau, dass ich niemanden trocken legen kann. Und die Zeit, als mich das belastet hat, ist lange vorbei. Mir gehts da mehr drum, mich selbst zu verstehen und Schlüsse für mein eigenes Weiterleben zu ziehen.
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Rina

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #3 am: 17. April 2021, 21:34:19 »

@Daun
Es geht ja gar nicht darum irgendwem einen Weg aufzeigen zu wollen. Und ich für mich habe auch nie irgendwelche Leute nachgeahmt oder wollte es genau so machen wie sie. Es geht um Orientierung und Inspiration. Am Anfang wusste ich weder vorne noch hinten wie ich dieses Projekt Abstinenz angehen sollte. Also suchte ich nach Menschen die das, was ich wollte hatten und ich wollte auch wissen, wie sie das erreichten. Und umso mehr Wege ich sah, umso mehr ich zuhörte, desto besser konnte ich meinen eigenen Weg planen. Das mache ich heute immer noch so, es gibt halt auch viele Gemeinsamkeiten, gewisse Dinge klappen, gewisse Verhaltensweisen schlagen fehl. Ich kann mir Fehler auch sparen, vom Erfahrungsschatz anderer profitieren.

Hier sind die unterschiedlichsten Menschen unterwegs, ich habe von den allermeisten etwas wertvolles mitbekommen. Es sind Tipps, Aufmunterung, Anregungen, Perspektivenwechsel etc. Ich stelle fest, dass ich im Austausch mit anderen wachse, alleine stecke ich fest. Ohne Suchtmittel zu leben hat für mich die Herausforderung, mit mir im reinen zu sein, mich und die Welt so auszuhalten wie sie ist. In der Realität sein, immer, egal was kommt. Und ich schliesse mich Susannes Worten an, denn wenn ich sehe dass andere ein trockenes und zufriedenes Leben führen dann sollte das für mich auch möglich sein. Und ich komme dem immer näher obwohl ich sehr sehr lange daran gezweifelt habe.

Schönes Wochenende allen
Rina
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Susanne68

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #4 am: 21. April 2021, 18:21:26 »

Neid

Ich war in meinem Leben schon öfter neidisch. Lange Zeit am Meisten auf Leute, die Sinn in ihrer Arbeit gesehen haben, ich war überzeugt, die tun sich leichter, jeden Tag in ihren Job zu rennen, als ich.
Direkt danach kamen in meiner Neidskala die, die das gar nicht erst nötig hatten. Selbst bei Frührentnern dachte ich schon, die habens gut.

Dann war ich sogar schon neidisch auf Leute, die nach mehreren Jahren immer noch behaupten konnten, dass sie ihre Trockeneit glücklich macht.

Bei mir war die Trockenheit keine Glücksquelle mehr, als es normal wurde, nichts zu trinken. Kein morgens aufwachen, ein Glück, ich bin nüchtern, war dann irgendwan einfach ganz normal. Ich hab mich an die Nüchternheit mit der gleichen Selbstverständlichkeit gewöhnt, wie vorher ans saufen.

Es gibt Untersuchungen mit Lottogewinnern, sehr viele sind ein Jahr nach dem Gewinn wieder in der gleichen Stimmung wie vorher, das verblasst einfach und dann kommt die Grundstimmung wieder durch. Und so ähnlich war das bei mir wohl auch. Die Unzufriedenheit mit dem Leben, die ich vorher hatte, hatte ich dann auch wieder.

Es gab da einfach keinen Kick mehr. Die ersten Wochen, ohh super, das hast Du nüchtern überstanden, die und das und jenes, das nüchterne Leben war neu und aufregend, aber dann wurde es irgendwie leer.

Das war sogar in meinen Trinkpausen spannender. Drei Tage saufen, auf dem Zahnfleisch daherkommen, dann aufhören, und dann wurde es zwei Tage lang immer besser. Es ist ja so schön, wenn der Schmerz wieder nachlässt. Jedesmal ein Belohnungserlebnis, geht ja immer noch. Und stolz, noch einen Tag durchhalten. Ich schaffe es. Dass ich danach wieder trinke, war eh klar, ich hatte nie etwas anders vor.
Auch bei den längeren Trinkpausen hat mich was Ähnliches durchgetragen.

Ich war auch so eine Art Sensation Seeker, brauchte immer was Neues, neue Besen kehren ja auch gut, und diese Saufpausen mit den Abstürzen waren da so eine Art Perpetuum mobile. Das passt auch dazu, dass mich jeder Job nach kürzester Zeit gelangweilt hat. Und dass ich jede Droge ausprobieren musste. Immer was Neues , und alles wurde langweilig. Nach drei Tagen Saufen keine Lust mehr zum Saufen, nach drei Tagen Nüchternheit keine Lust mehr zum Nüchtern bleiben.
Es war ein permanenter Neuanfang, und jedem Anfang liegt ja auch ein Zauber inne.

Und bei der Trockenheit gabs dann halt nach gewisser Zeit keine laufenden Neuanfänge mehr. Und damit rettete die Trockenheit mich nicht mehr vor mir selbst. Ich habe bis heute Schwierigkeiten, Disziplin aufzubringen, wenn ich keinen Leidensdruck habe und nicht mit dem Rücken zur Wand stehe. Da wurde ich nämlich früher erst richtig gut.
Leute, die dauernd zu kämpfen haben, haben eben auch laufend Erfolgerlebnisse...oder Niederlagen, jedenfalls ist immer was los.

An sich ist es eine gute Nachricht, dass ich nicht mehr mit dem Rücken zur Wand stehe. Aber da gibt es eben auch das Sprichwort, wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis. Wenn das Wort Wertschätzung fällt, ich habe meine eigene Trockenheit  lange nicht mehr wertgeschätzt, war ein Stück zu normal. Kostete mich zu wenig, war zu billig.
Mir wurde, wohl zum Glück, bewusst, dass darin auch eine Rückfallgefahr liegen könnte, denn danach wäre das ja plötzlich wieder wertvoll. Und Saufen aus Langeweile, gibts ja auch.

Die letzten Jahre gelingt es mir besser, mir bewusst zu machen, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, so lange trocken zu sein, und dafür auch dankbar zu sein.
Und jetzt geht es mir zur Abwechslung tatsächlich so, dass ich kaum mehr neidisch bin.



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Britt

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #5 am: 23. April 2021, 09:47:55 »

Moinsen,

spielt Neid ein Rolle bei der Motivation zur Abstinenz?

Ich unterscheide zwischen Neid und Missgunst.
Ich hatte eine Zeit, da war ich neidisch auf Menschen, die Alkohol genießen konnten bzw. ohne Alkohol keinen Gedanken an Alkohol verschwendeten, die damit ganz unkompliziert umgehen konnten, ohne süchtig zu werden.
Warum hatte ich immer das miese Gefühl, dass hinter beleuchteten Fenstern die Glückseligkeit wohnt?
Ich war neidisch auf Menschen, die ihr Leben (scheinbar) im Griff hatten. Warum haben andere nur so viel Glück in Ihrem Leben und ich nicht?
Ich denke, dass dieser Neid eine ungute Form des Selbstmitleids war. Heute definiere ich Neid ganz anders. Neid ist an und für sich nichts Schlechtes und kann Motivation erzeugen, neue Ziele in Angriff zu nehmen.
Der Neid sagt:“ Boah toll, das will ich auch!“ 
Die Missgunst (Impfneid) hingegen sagt:“ Menno, DIR gönne ich das nicht, weil ICH es nicht haben kann. Das ist destruktiv.
Neid hat nur etwas mit einem selbst zu tun. Ich allein bin für die Zufriedenheit in meinem Leben verantwortlich, wie ich mir meinen Weg frei mache und wie mein Leben verläuft; ich allein kann mein Leben umkrempeln,
um nicht mehr auf andere Menschen neidisch zu sein. Dieses Wissen war und ist nach wie vor eine große Motivation, um (ohne Neid) auf meinem abstinenten Weg zu bleiben.

Zitat
Ich bin schon mal aus einer Alkoholiker-Selbsthilfe-Gruppe rauskomplimentiert worden, weil ich keine Rückfälle hatte und damit keiner von denen war.
Zum Teil wirst Du aber mehr dafür respektiert, wenn Du es erst im 20sten oder 50sten Anlauf schaffst, und ich glaube, viele Rückfälle geschehen auch nur, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

ganz ehrlich Susanne, diese Behauptungen wage ich zu bezweifeln und sicher werden die Meinungen hier im Forum dazu weit auseinander gehen.

Bleibt oder werdet gesund :)
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Susanne68

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #6 am: 26. April 2021, 06:46:11 »

Neid auf Leute, die trinken konnten, hatte ich nicht. Schnauze vom Saufen voll heisst Schnauze voll.

Neid hatte ich tatsächlich auf Leute, die leichter glücklich wurden als ich. Denn die waren da, wo ich hin wollte. Und da hatte ich keinen Plan, ich dachte, das kommt wesentich leichter, wenn ich aufhöre. Aber ich habe sie nicht dafür verantwortlich gemacht. Und umgekehrt denke ich natürlich auch, warum soll es Anderen besser gehen als mir? Ich hab ja schliesslich auch was dafür getan, dass es heute anders ist.

Impfneid habe ich auch nicht. Aber ich werde jetzt Ende Juli, in drei Monaten, endlich geimpft sein. Und natürlich ist Terminchaos, Telefonansage "Bitte versuchen Sie es später mal Tag noch mal", dann online, da war es aber auch gut versteckt. Und da haben am selben Tag wie ich Andere, mit denen ich gesprochen habe, auch keine Termine bekommen. Also Glück gehört auch dazu, oder man hat Zeit, den ganzen Tag am Telefon zu hängen. Dass das manche Leute irgendwann nervt, ist für mich nachvollziehbar.

Und natürlich wird man da gefragt, wie man es geschafft hat, einen Termin zu bekommen.
Wenn ich da jemanden frage, wie er früher einen Termin gekriegt hat, dann hätte ich gerne eine freundliche Antwort. Sonst wächst nur zwangsläufig mit jedem Tag meines Lebens die Zahl derer, die mir den Buckel runter rutschen können.

Und wenn Du bezweifelst, was ich in Selbsthilfegruppen erlebt habe, dann bezweifelst Du das halt. Du warst nicht dabei. Vielleicht spielte bei dem Rauskomplimentieren auch eine Rolle, dass ich bei einem Profilneurotiker nicht unterwürfig genug war. Der dachte nämlich, jetzt ist er Gruppenleiter, da kann er endlich anderen vorschreiben, was sie tun sollen. Weil er bis jetzt im Leben noch nie was zu sagen hatte, jetzt endlich darf er auch mal.

Hat Dir übrigens schon mal jemand erzählt, dass es deswegen so viele Gruppierungen gibt, weil da so viele Leute nicht miteinander können und deswegen neue Gruppierungen gründen? Damit man sich aus dem Weg gehen kann. Kenne ich mehrere Beispiele, Einzelgruppen und ganze Vereinsgründungen, Hauptsache, nichts mehr miteinander zu tun haben, weil es sonst nur kracht. Und da kannst Du anderer Meinung sein wie Du Lust hast. Ich hab dann auch eine Meinung über Dich.

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Greenfox

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #7 am: 26. April 2021, 08:04:15 »


Zitat
Ich bin schon mal aus einer Alkoholiker-Selbsthilfe-Gruppe rauskomplimentiert worden, weil ich keine Rückfälle hatte und damit keiner von denen war.
Zum Teil wirst Du aber mehr dafür respektiert, wenn Du es erst im 20sten oder 50sten Anlauf schaffst, und ich glaube, viele Rückfälle geschehen auch nur, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

ganz ehrlich Susanne, diese Behauptungen wage ich zu bezweifeln und sicher werden die Meinungen hier im Forum dazu weit auseinander gehen.


Ich hatte in meiner Gruppe leider auch 2 Menschen, die meinten, Jemandem "vorwerfen zu müssen", noch keine Rückfälle gehabt zu haben. Bevor allerdings ich den Mund aufmachen und sie fragen konnte, ob sie etwas Falsches geraucht hätten, taten es schon die anderen Gruppenfreunde ...
Leider gibt es immer wieder solche Knallköppe (der Begriff "Querdenker" ist ja nun schon anderweitig besetzt), die nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die den Ausstieg auf Anhieb schaffen und trotzdem in eine Gruppe gehen. Und andere brauchen mehrere Anläufe und gehen deshalb in eine Gruppe.
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Britt

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #8 am: 26. April 2021, 09:18:38 »

Ich hab dann auch eine Meinung über Dich.
Und ?  Die wäre ?  Ich habe mehr Respekt vor Leuten, die mir ehrlich ihre Meinung sagen.
Ich habe heute leider keine Meinung für dich....

Gruß Britt
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Susanne68

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #9 am: 26. April 2021, 09:40:46 »

Meine Meinung über Dich ist die, das ich Dich demnächst auf meine Ignorier-Liste setze. Die Forensoftware und damit die Regeln hier geben das her.

Für Deine Verständnisprobleme bin ich wie gesagt nicht zuständig. Ob Du das verstehst, kann mir egal sein. Und was hätte ich konkret von Deinem Respekt?
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Britt

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #10 am: 26. April 2021, 11:13:41 »

Meine Meinung über Dich ist die, das ich Dich demnächst auf meine Ignorier-Liste setze. Die Forensoftware und damit die Regeln hier geben das her.
Für Deine Verständnisprobleme bin ich wie gesagt nicht zuständig. Ob Du das verstehst, kann mir egal sein. Und was hätte ich konkret von Deinem Respekt?
Die Frage kannst du dir nur selber beantworten.
Respekt ist das Gegenteil von Ignoranz und Arroganz.
Ich brauche ihn: Respektiert zu werden und auch anderen Respekt zu zollen, ist aus meiner Sicht ein menschliches Grundbedürfnis in der gesellschaftlichen Interaktion.

Schade Susanne, ich habe immer gern mit dir „disputiert".

LG Britt
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Susanne68

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #11 am: 26. April 2021, 11:26:17 »

Übrigens....

Danke, Greenfox, dass Du meine Erfahrungen bestätigst.

Eins meiner Probleme als Kind war, dass meine Mutter nichts glauben konnte, was sie nicht selbst erlebt hatte. Alles was ich erzählt habe, wurde in Zweifel gezogen oder oft auch als blanke Lüge bezeichnet. Bis es dann sowieso egal war, was ich erzählt habe, sie hat ja eh nichts geglaubt. Was sie nicht kannte oder was nicht sein durfte, konnte einfach nicht sein. Meine Wahrnehmung musste schon da von anderen bestätigt werden, sonst hätte sie mich für verrückt erklärt. Für mich gabs kaum was Schlimmeres.

Das ist auch ein Punkt, jemanden nicht ernst zu nehmen, einfach nichts glauben. Oder sich nicht die Mühe machen, auch mal sich selbst zu hinterfragen, ob man was falsch verstanden haben könnte.

Nachträglich alles Gute zum Geburtstag.

Und ich glaube, ich habe heute vor 20 Jahren mein letztes Bier getrunken, und den letzten Schnaps. Aber das Datum und die Anfänge weiss ich schon gar nicht  mehr so genau. Ich weiss auch nicht mehr, wie ich die ersten Tage verbracht habe.

@britt

ignorant und arrogant habe ich es empfunden, wie Du die Frage nach der Impfung einfach auf Impfneid herunterreduziert hattest. Und da war bei Dir Ende der Fahnenstange, Du hattest Deine Meinung und damit kam an Dich nichts mehr ran.

Wie geschrieben, so wie es in Deinem Post da stand. Ich weiss nicht, wie es mit Deiner Gesprächspartnerin war, was da für Untertöne waren. Da war nämlich ich nicht dabei. Aber das hatte ich auch so erwähnt.
Ich lese bei Dir aber schon öfter heraus, dass Du aus dem, was Du zu hören glaubst, Vorwürfe konstruierst, für die sich Deine Gesprächspartner vor Dir rechtfertigen müssen. Und Du verlangst das dann ziemlich penetrant. Da ist Respekt bei Dir eine ziemlich theoretische Angelegenheit, und wie Du beim Neid selbst erwähnt hast, fällt das wohl oft Leuten auf, die selbst keinen haben.

Ich habe ich noch mich nie mit meinem Respekt vor anderen gebrüstet, ich muss diesen Anspruch nicht erfüllen. Ich darf blöd sein. Ich muss nur Regeln einhalten.

Und ich werds Dir nicht weiter erklären. Ich war jetzt ein paar Tage nicht hier, das hat mir gut getan, und ich rede schon lange genug davon, dass ich auch noch was Anderes vorhabe.
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Susanne68

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #12 am: 26. April 2021, 12:18:07 »

Respekt

Wortbedeutung "Rückschau"

Jemanden berücksichtigen. Im positiven wie im negativen Sinn.

Aber auch..aufpassen, dass man nicht hinterücks überfallen wird. Deswegen guckt man nach hinten. Man berücksichtigt die Folgen. Etwas, was einem selbst oder einem Ereignis nachfolgt, das kommt ja auch von hinten, oder danach. Nach mir, nach jetzt.

Respekt hiess bei uns zu Hause in erster Linie, Angst vor Strafe zu haben. Respekt hatte man vor Leuten, die einem weh tun konnten.
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Britt

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #13 am: 26. April 2021, 16:48:32 »

Ja, du hast Recht. Der Begriff Respekt leitet sich vom lateinischen respectio ab und bedeutet so viel wie „Rückschau“. Aber, stellt sich Respekt tatsächlich dann ein, wenn ich zurückschaue? Wenn ich darauf achte, was mein eigenes Leben bisher an Höhen und Tiefen durchgemacht hat? Wenn ich beachte, was andere Menschen in ihrem Leben zu dem gemacht hat, was sie sind? Alle tragen ihre Geschichten mit sich, und die meisten davon sind schwer zu tragen. Sich das vor Augen zu halten bewirkt Respekt.
Als Jugendliche mochte ich den Begriff „Respekt“ auch nicht besonders. Er war mir irgendwie verdächtig, weil ich dabei an die sogenannten Respektspersonen dachte. Das waren Menschen, die es zu etwas gebracht hatten, und denen man deshalb Achtung schuldete wie z.Bsp.mein Vater, Opa oder Lehrer. Von meinem Vater hörte ich immer  - wie zur Erklärung - "Respekt muss man sich erst verdienen". Was ja nichts anderes bedeutete, als dass ich als junger Mensch nichts davon abbekommen sollte, weil ich ja noch nichts verdient hatte. Auf diese Weise verlor bei mir der Ausdruck Respekt seine Glaubwürdigkeit. Ich weiß gar nicht mehr wann das Diktum, dass ich mir Respekt erst verdienen müsse, bei mir Risse bekam.  Respekt ist keine Forderung von Autoritäten, sondern vielmehr eine grundlegende Haltung, mit der ich als Mensch anderen Menschen gegenüberstehe.
Manchmal hilft es , sich zu fragen, wann und wo ich gern selbst für das respektiert würde, was ich bin. Und das kann sogar gelingen – wenn nicht nur eine Seite glaubt, den Respekt für sich beanspruchen zu dürfen.
Respekt bedeutet für mich: Rücksicht zu nehmen. Ein Gefühl dafür zu haben, dass ich nicht allein auf der Welt bin.


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Susanne68

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Re: Sich selbst den Weg frei machen
« Antwort #14 am: 26. April 2021, 17:51:58 »

Manchmal hilft es , sich zu fragen, wann und wo ich gern selbst für das respektiert würde, was ich bin.

das läuft für mich unter "was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu".
Das ist aber auch etwas, was oft zu Frust führt, wenn ma nden Anspruch h
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