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Autor Thema: Vorstellung  (Gelesen 2181 mal)

Randy-1983

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Vorstellung
« am: 03. Februar 2021, 11:18:47 »

Hallo liebe Forengemeinde.

Nachdem ich mich im Januar bereits hier angemeldet habe möchte ich hier mal aus der Deckung raus und mich auch vorstellen. Ich bin männlich, Anfang 40 und habe im Laufe der letzten 10 Jahre eine Alkoholsucht entwickelt. Getrunken habe ich eigentlich schon seit jungen Jahren. Das übliche Spiel... Kneipe mit den Kumpels, Disco und die vielen Feste und Gelegenheiten die das Jahr so bietet.
Bis 30 hatte ich das auch weitestgehend im Griff. Festes Angestelltenverhältnis, geregeltes Leben und an den Wochenende abschalten... Wenn ich ehrlich bin aber auch eher im ungesunden Bereich, Wenn auch niemals/selten unter der Woche. Mit 30 Jahren habe den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Das lief ganz gut aber mit den ganzen Freiräumen wurde mein Konsum immer mehr. Phasen des täglichen Trinkens wechselten sich mit Trinkpausen mehrere Tage oder sogar Wochen ab. Ich denke vor ungefähr sechs Jahren wurde ich mir meines missbräuchlichen Konsums bewusst und ich habe es seit dem tausende Male versucht in den Griff zu bekommen. Seit dieser Zeit kenne ich dieses Forum im öffentlichen Bereich Wohl recht gut. Ich habe bestimmt jeden Faden von oben bis unten gelesen. Vor vier Jahren habe ich mich meinem Hausarzt ( älterer Herr, mittlerweile im Ruhestand ) offenbart. "Ich trinke zuviel!" - Wieviel? Im Schnitt 5 grosse Bier. Auch harte Sachen? Nein. Reduziere es etwas... Untersucht hat er mich trotzdem. Blutwerte gut, Ultraschall unauffällig. Glück gehabt. Der Schuss vor den Bug und die Freude haben mich dann ein paar Woche enthaltsam leben lassen. Aber es hat sich natürlich wieder eingeschlichen. Vor 2 Jahren habe ich dann den Weg zu einem Psychotherapeuten gesucht. Es blieb bei zwei Sitzungen. Es hat einfach nicht gepasst. Immer wieder habe ich Wege gesucht es dauerhaft sein zu lassen. Ich habe sogar meine Selbständigkeit aufgegeben, wieder einen festen Job angenommen und dann lief es ganz gut. Bis Corona. Seit fast einem Jahr sitze ich im Homeoffice und natürlich hat sich diese alte "Gewohnheit" wieder voll eingeschlichen. Im letzten Jahr habe ich mich erneut meiner neuen Hausärztin offenbart. Wieder untersucht, alles ok. 3 Überweisungen zu einem Psychologen sind mittlerweile verfallen weil ich keinen Termin bekomme bzw. nichts stattfindet. Im Januar wollte ich es wieder sein lassen mit der Trinkerei. Aber ich krieg es nicht dauerhaft hin. Auf ein paar tolle nüchterne Tage folgt immer wieder ein Trinkabend... Und ich hasse es. Die Nächte sind nicht erholsam und der Tag darauf ist schlechtes Gewissen und Traurigkeit angesagt. Körperlich bin ich zum Glück noch nicht abhängig. Vom Kopf her wohl schon. Ich werde die Tage noch einiges an Informationen hinzufügen und versuchen darzustellen was ich mir von diesem Forum/Austausch erhoffe. Schon jetzt vielen Dank fürs "zuhören" Randy
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AmSee13

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Re: Vorstellung
« Antwort #1 am: 03. Februar 2021, 11:52:00 »

Hallo Randy,
willkommen im sichtbaren Teil des Forums.

Nach deiner Selbstvorstellung will ich nicht kommentarlos an deinem Faden vorbei gehen.
Wenn du hier schon so viel mitgelesen hast, bist du ja schon recht gut informiert. Ich bin gespannt, was du von uns erwartest. Im Moment wüsste ich nicht, was ich dir schreiben sollte, denn, wenn du hier ausführlich mitgelesen hast, weißt du gewiss, was ich dir auf deine Selbstvorstellung antworten könnte, und so belasse ich es erstmal nur bei einem Willkommen.
Oder doch: Du schreibst, dass du es seit Januar wieder lassen willst mit der Trinkerei, es aber nicht dauerhaft hinbekommst. Kannst du Gründe benennen, woran das liegt?

Viele Grüße
AmSee
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Randy-1983

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Re: Vorstellung
« Antwort #2 am: 03. Februar 2021, 12:26:28 »

Hallo Am See.

Vielen Dank für Deine Willkommensgrüsse.

Ich komme einfach nicht dahinter warum ich immer wieder damit anfange. Es ist als switcht ein Schalter um! Die nüchternen Tage sind toll, ich bin stolz auf mich und eigentlich zufrieden. Hm Gründe gibt es nicht konkret... Wenn ich trinken will trinke ich... Ob es mir gut oder schlecht geht. Dann möchte ich berauscht sein.

Viele Grüsse
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Susanne68

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Re: Vorstellung
« Antwort #3 am: 03. Februar 2021, 12:38:35 »

Es gibt da so nen Punkt, manche Dinge muss man nicht verstehen, die muss man aber akzeptieren.

Das ist im zwischenmenschlichen Bereich so, man muss sich niemandem erklären, es muss einen niemanden verstehen, wenn man was will, müssen andere das akzeptieren. Solange es einen selbst betrifft auf jeden Fall.

Und genauso ist es eigentlich beim Saufen. Ich kannte Leute, die haben sich beim Bemühen, ihre Saufgründe zu verstehen, tot gesoffen.
Dabei muss man nur akzeptieren, dass es scheisse läuft, wenn man anfängt, und gleich das erste Glas stehen lassen. Und der Alkohol läuft niemandem nach. Wenn Du Deine Finger nicht unter Kontrolle hast, tja dann.

Und wenn Du dann ma ne Weile aufgehört hast, kannst Du auch drüber nachdenken, wie es dazu kam. Das hat, so lange du trinkst, meist keinen großen Zweck.
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AmSee13

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Re: Vorstellung
« Antwort #4 am: 03. Februar 2021, 13:09:07 »

@Susanne
Natürlich MUSS man sich niemandem erklären, wenn man was will, aber u.U. macht man es sich leichter,  wenn man versucht, seine Handlungen und Motive nachvollziehbar zu machen.
Hier gilt, wie sonst auch, niemand MUSS, und das, was für mich gilt und bei mir funktioniert, muss nicht unbedingt auch für jemand anderen gelten oder bei jemand anderem funktionieren.

Es mag sein, dass sich manche andere tot gesoffen haben, während sie sich bemühten, zu verstehen, warum sie saufen. Ich frage mich nur gerade, was ich mit dieser Information anfangen soll.
An sich liegt es auf der Hand und ist offensichtlich, dass man die Finger vom Alkohol lassen soll, wenn man bemerkt, dass Alkohol trinken einem nicht gut tut und man die Kontrolle verliert, aber, wenn es so einfach wäre, erklärt das nicht, warum es so viele nicht hinkriegen.

Für mich und deshalb habe ich danach gefragt, ist ein erster Anhaltspunkt, nach Gründen, Anlässen, Gedanken zu fragen, warum man sein Abstinenzvorhaben nicht einhalten kann.
Wenn sich da erstmal nichts finden lässt, ok, dann ist das eben so. Dann geht man eben einen anderen Weg.
Es geht hier auch gar nicht darum, sich anderen zu erklären.

Viele Grüße
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Susanne68

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Re: Vorstellung
« Antwort #5 am: 03. Februar 2021, 13:12:25 »

Da sag ich nur, das Verstehen eines Problems ist meistens nicht das Gleiche wie die Lösung.
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AmSee13

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Re: Vorstellung
« Antwort #6 am: 03. Februar 2021, 13:16:29 »

Was soll ich dazu sagen?  - Sehr hilfreich?
Mir ist diese Weisheit zu pauschal.
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Susanne68

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Re: Vorstellung
« Antwort #7 am: 03. Februar 2021, 13:19:12 »

Mir nicht.

Ich hab mich auch lange mit dem "warum" befasst".
Geändert hat das nichts.
Geändert hat nur "machen".
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Susanne68

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Re: Vorstellung
« Antwort #8 am: 03. Februar 2021, 13:22:53 »

Im Übrigen..in der Suchtberatung wurde mir die Frage nach dem "warum" kein einziges Mal gestellt. Ich denke, das hatte seine Gründe.
Ich dachte natürlich auch, darum gings. War aber nicht so.
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AmSee13

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Re: Vorstellung
« Antwort #9 am: 03. Februar 2021, 13:56:50 »

Nun, ich war nicht bei der Suchtberatung und ich nehme für mich auch nicht in Anspruch Suchtberaterin sein zu können.
Wenn ich hier antworte, dann beruht das immer nur auf meinen Erfahrungen und Gedanken und dem, was ich mir an Wissen erarbeitet habe.
Mir hat es sowohl beim erfolgreichen Aufhören mit dem Rauchen, beim Ausstieg aus dem Trinken und bei der Bewältigung meiner Erkrankung sehr geholfen, mich genau zu beobachten und in mich hineinzuhorchen. Das habe ich in meinem eigenen Faden auch so erzählt:

Ich bin von der Raucherei schließlich dadurch weggekommen, dass ich mich immer wieder genau beobachtet habe und in mich hineingehorcht habe. Manches war mir zwar vom Verstand her klar, aber ich hatte meine Gefühle und mein Belohnungszentrum unterschätzt. Bei den ersten Aufhörversuchen hörte ich mehr oder minder aus Vernunftgründen auf, glaubte aber, etwas zu verlieren. Ich scheiterte dann in gewissen Situationen, weil da der innere Druck, die Situation zu bewältigen und dabei funktionieren zu müssen, unerträglich war. Heute brauche ich keine Zigarette mehr, will nicht mehr rauchen und kann fast nicht mehr nachvollziehen, wie ich mir das antun konnte.

Was ich hier im Forum immer wieder spannend finde, ist, wie viele Ansätze es gibt und wie mal der eine mal der andere besser oder überhaupt funktioniert.
Ich nehme nicht für mich in Anspruch das Allheilmittel gefunden zu haben, ich biete nur mein Wissen und meine Erfahrungen an. Wenn jemand etwas damit anfangen kann, gut, wenn nicht, auch gut.
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Susanne68

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Re: Vorstellung
« Antwort #10 am: 03. Februar 2021, 14:08:57 »

Für mich ist das auch OK. Ich widerspreche dem Thema, nach den Gründen zu suchen, bist ja nicht nur Du, normalerweise nie. Und ich kann das auch ganz gut.

Aber ab und an denke ich, es ist ganz gut, mal an die Basics zu gehen, und wenn einer schon vergeblich nach den Gründen sucht, sollte er vielleicht was Anderes probieren.
Denn an sich ist ja "nichts trinken" auch nur eine Art von "nichts tun" - etwas nicht mehr zu tun, was man bisher getan hat. Und manchmal bringt einen das weiter. So wie beim essen, nicht alles nur analysieren, sondern auch einfach mal gut schmecken lassen. Das ist eigentlich gar nicht so kompliziert.

Ich kenne Leute, die können mit dem Begriff "Psyche" überhaupt gar nichts anfangen, und die haben ihr Leben besser im Griff als Du und ich zusammen. Ich weiss ja, wie die leben, das beobachte ich ja.

Mir gefällt auch der Satz ganz gut, das Leben wird nach hinten verstanden und nach vorne gelebt.
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Susanne68

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Re: Vorstellung
« Antwort #11 am: 03. Februar 2021, 14:49:09 »

Beim Rauchen übriegns..da wars im Kopf ja noch deutlicher, was das für ein unnützer Scheiss ist.

Alles Wissen hat mir nicht dagegen geholfen, dass der unmittelbare Entzug bei mir absolut fürchterlich war. Und reines Beobachten ist nun mal reines Beobachten. Dadurch hast auch Du nicht aufgehört, sondern da musstest Du beim Beobachten schon auch noch die Zigarette weglassen.
Oder bist Du rauchend Nichtraucherin geworden?
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AmSee13

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Re: Vorstellung
« Antwort #12 am: 03. Februar 2021, 15:01:43 »

Mir gefällt auch der Satz ganz gut, das Leben wird nach hinten verstanden und nach vorne gelebt.

Der gefällt mir auch. Ich denke, ich lebe sogar danach.  ;)
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AmSee13

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Re: Vorstell
« Antwort #13 am: 03. Februar 2021, 15:04:24 »

Oder bist Du rauchend Nichtraucherin geworden?

Lach! In gewisser Weise schon.  ;D

@Randy, hilft dir diese Diskussion weiter? Ich hoffe es, denn da steckt wirklich viel Erfahrung hinter.
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Rekonvaleszent

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Re: Vorstellung
« Antwort #14 am: 03. Februar 2021, 15:23:02 »

Im Übrigen..in der Suchtberatung wurde mir die Frage nach dem "warum" kein einziges Mal gestellt. Ich denke, das hatte seine Gründe.

Mir schon. Nur so richtig fündig wurde der Therapeut nicht. Mein Fazit: Ein multikausales Geschehen, dass in seiner Zusammenschau zu dem Ergebnis führte.

@Randy: Hast Du schon Kontakt zur Suchtberatung aufgenommen?

In meiner Anfangszeit hat mir einschlägige Fachliteratur sehr weiter geholfen. http://alkoholforum.de//index.php?topic=1715.0

Ich bin mein Problem seinerzeit vielschichtig angegangen und habe eine ambulante Therapie durchlaufen und viel Fachliterartur aus Patienten- und Therapeutensicht gelesen. Hinzu trat die Internetrecherche. Hierdurch habe ich meinen Weg gefunden.

Gruß
Rekonvaleszent

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