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Autor Thema: Meine kleine, junge Lebensgeschichte  (Gelesen 3859 mal)

Sunny

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Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« am: 23. Januar 2021, 11:35:54 »

Hallihallo, Mein Name ist Celine, ich bin 25 Jahre alt und neu hier, ich möchte mich im Vorfeld dafür entschuldigen dass es wohl ein sehr länger Text wird.
Also, wo soll ich Anfangen...
Ich kann mir denken dass mein Alter für viele erschreckend sein wird, jedoch bitte ich euch mich nicht zu verurteilen.
Meine Mama war lange Alkoholikerin und ist jetzt erfolgreich seit vielen Jahren trocken.
Meine Schwester hat diesen Verlauf wohl besser und abschreckender mitbekommen denn sie trinkt selten bis gar nicht.
Ich hatte eine wundervolle Kindheit bis auf die verschiedenen Krankenhaus besuche meiner Mama.
(Wegen verschiedenen Dingen nicht nur bedingt des Alkohols, das entspricht zumindest meiner Erinnerung)
Mit 15 begann ich meine ersten Schlücke zu trinken und es fing mir an zu gefallen, leider !
Es begann mit Cocktails und verschiedenen (bei uns nennt man sie 'kurze') ja kurzen.
Eine damalige Freundin hat mir diese gekauft, es aber tatsächlich nie in Frage gestellt.
Dann begann meine erste Beziehung und so auch mein schleichender Prozess.
Ich habe ebenfalls mit 15 meine Ausbildung begonnen und jeden Abend nach Feierabend rief die Tankstelle und ich kaufte mir eine oder manchmal auch zwei Dosen Jacky Cola.
Und das wohlgemerkt JEDEN Tag ! Es gab selten einen Tag ohne.
Am Wochenende waren natürlich Partys angesagt und wie dass dann für eine 16-20 Jährige aussieht kann sich wohl jeder vorstellen.
Die Sonntage blieben für mich 'trocken' da es mir meistens viel zu schlecht ging um weiter zu trinken.
Mit 23 bin ich aus meinem geliebten Elternhaus ausgezogen in die Stadt.
Fluch und Segen zugleich.
Ich habe mir zusammen mit meiner damaligen Liebe eine neue Arbeit, eine gemeinsame Wohnung und somit ein neues Leben geschaffen.
Leider war es ohne 'Kontrolle' meiner Eltern viel leichter zu trinken.
Ich mache es kurz... Dem Jacky Cola blieb ich leider treu.
Mal 2 Dosen, mal 3. Jedoch muss ich anmerken, ich war und bin NIEMALS betrunken auf meiner Arbeit erschienen, ich stehe morgens um 4 auf und arbeite gerne und fleißig.
Irgendwann war mir dies leider zu teuer und so begann etwas schlimmeres.
Ich kaufte mir Flaschen ... Am liebsten Havanna.
Ich schaffte es doch tatsächlich verteilt ab zirka 3 Uhr bis abends um 8 eine HALBE Flasche zu trinken.
Nach einem Jahr ging diese Beziehung in die Brüche, jedoch haben wir heute noch Kontakt und die ist ein wichtiger Teil meines Lebens.
Dann lernte ich meinen Freund kennen, der 2. Umzug in die nächste Stadt.
Mein Konsum blieb tatsächlich gleich... Er akzeptierte es ohne Vorwürfe oder Hinterfragen.
Dann lernte ich den Wein kennen ... Der mir leider auch sehr gut schmeckte.
So beschloss ich meinen ersten Versuch aufzuhören.
Ich kaufte keine Flaschen Havanna mehr und 'reduzierte' es auf Wein.
Ich schaffe eine Flasche ohne zu lallen, was ein trauriger Rekord ist.
Leider steigerte sich das wieder und meine Tagesdosis belief sich auf 2-3 Dosen Jacky Cola UND eine Flasche Wein.
Und das leider ziemlich lange.
Mein zweiter Versuch aufzuhören gelang mir fast 2 Monate auf die ich sehr stolz war.
Als ich leider wieder anfing zu trinken blieb es bei 1-2 Dosen.
Mein dritter Versuch war ein Neujahresvorsatz.
2 Wochen hielt er jedoch kriselte es mit meinem Partner immer öfter, da wir wohl zu verschieden sind.
Und ich begann mir wieder mal hier und da eine Dose zu kaufen.
Gestern traf es mich wie ein Schlag und ich dachte JETZT musst du was tun und das auf lange sicht.
Ich informierte mich das erste mal in meinem Leben darüber was Alkohol mit dem Körper und dem Geist anrichtet und was Alkoholismus überhaupt bedeutet.
Meine Bekanntmachung hier ist für mich ein sehr wichtiger Schritt und ich hoffe das er der Anstoß in ein Abstinentes noch junges Leben bedeutet.
Noch einmal Entschuldigung für diesen Roman aber kürzer hätte ich es nicht halten können.
Ich danke schon im Vorfeld allen die sich das durchlesen und ihre Erfahrung oder Meinung mit mir teilen und wünsche eine gute Zeit.
Vielen dank.
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Orangina

  • Gast
Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #1 am: 23. Januar 2021, 11:59:55 »

Hallo liebe Sunny
Ich kann mir vorstellen, dass es dich Überwindung gekostet hat ,dich hier anzumelden und zu schreiben.
Mir ging es ganz ähnlich.
Weiter unten in meinem Thread findest du meine "Vorstellung ".
Ich bin jetzt 3 Monate nüchtern.
Auch ich habe immer wieder gehadert und meinen Alkoholkonsum in Frage gestellt und aber auch viele lange Jahre konsumiert, ohne es bedenklich zu finden.

Erst einmal möchte ich dir sagen  dass ich dich nicht verurteile und du kannst dir sicher sein ,dass Scham allen bekannt ist die Alkohol im Übermaß, also im missbräuchlichen Maße konsumieren.
Du musst dich deshalb nicht selbst verurteilen.

Es ist gut dass du nun einen Entschluss gefasst hast,dich aktiv mit deinem Konsum auseinander zu setzen.
Mir hilft es selbst sehr ,hier zu lesen und auch ab und zu zu schreiben.

Ich denke ,es ist das A und O ,sich mit der eigenen Sicht auseinander zu setzen und es wirklich zu wollen, es sein zu lassen...
Bei mir dauerte viel zu lang,weil ich mich selbst oft belogen habe.
Du hast jetzt die Chance,die Reißleine zu ziehen und es ist toll,dass du das jetzt angehen willst.

Orangina
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Orangina

  • Gast
Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #2 am: 23. Januar 2021, 12:03:02 »

P.S. Ich meinte vorhin nicht die Sicht,sondern die Sucht, mit der man sich auseinandersetzen muss.
Aber die eigene Sicht auf die Sucht :-)) ist auch von Vorteil
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Sunny

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #3 am: 23. Januar 2021, 12:11:50 »

Hallo Orangina  :)
Vielen Dank für deine sehr nette Antwort.
Wie hast du es denn geschafft ? Und womit 'lenkst' du dich ab ?
Mittlerweile schaffe ich es ja auch mal mehrere Tage nüchtern zu sein, was früher niemals möglich gewesen wäre.

Und gab es bei dir einen Auslöser das du endlich die Reißleine gezogen hast ?
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Orangina

  • Gast
Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #4 am: 23. Januar 2021, 13:15:25 »

Liebe Sunny

Ich habe immer wieder mein Trinkverhalten kontrolliert und mir vorgenommen, dass ich nichts trinke, was ich ab und zu geschafft habe, aber das hielt nie lange. Ich habe jahrelang versucht, weniger zu trinken, in der Woche nur noch am Wochenende , aber oft war ich dann auch schon wieder am Montag bei meinem üblichen Konsum. Ich trank nur Rotwein.
Vor einigen Jahren „nur“ Gin Tonic…
so verging Jahr um Jahr, mal bewusst über meinen Konsum, mal unbewusst. Ich belog mich oft selbst oder täuschte mich selbst, indem ich sagte, dass das ja nicht schlimm sei, wenn ich unter der Woche 4 -5 Flaschen Wein trank.
Aber der Alkohol war dauernd in meinem Kopf und die Gedanken kreisten sich dauernd um ihn: trinke ich heute nicht , oder trinke ich heute und mach morgen eine Pause ?
Ich schaffte maximal 3 Tage hintereinander ohne Wein. Dann war der Drang wieder sofort da und wie oft dachte ich, dass das bedenklich ist, aber den Gedanken wischte ich weg.
In meinem Phantasie war nur derjenige ein Alkoholiker, der seinen Beruf nicht mehr ausüben kann und der massenweise bis zum umfallen Alkohol trinkt und davon war ich ja meilenweit entfernt.

Ich war nie sturzbetrunken, ich hörte spätestens nach 1,5 Flaschen Wein auf, in der Regel war es eine Flasche.

Das ging jahrelang so, und ich wog mich oft in einer Scheinsicherheit und bildete mir ein, dass das ja nichts ungewöhnliches ist, wenn ich meinen Konsum so handhabe.

Aber es gab so oft Momente, immer öfter, jahrelang fast jeden Morgen, in denen ich alles verflucht habe.
Das waren meine Gedanken:
Schon wieder hab ich getrunken, obwohl ich nicht wollte.
Ich bin eine Versagerin, ich muss das in den Griff kriegen, ...und so weiter uns so fort. Zudem fühlte ich mich immer beschissen: Kopfweh, Schwindel, Übelkeit, ...irgendwann kam dann auch noch das dumpfe Gefühl dazu, eine Art Depression , die sich wie ein Gelähmtheitszustand anfühlte, ich war innerlich leer und das einzige , was mir noch helfen konnte, war der geliebte Kick, abends etwas Stimmung in meinen depressiven Zustand zu bringen: Eine Flasche aufzumachen, Musik hören, etwas gute Laune empfinden..
Die gute Laune war spätestens beim 2. Glas ein Frustgefühl, ein schlechtes Gewissen und meine Selbstachtung war wieder im Keller…. Mein Grundgefühl der Depression war ein Dauerzustand und so langsam begriff ich, dass es mit dem Alkohol zusammen hängen konnte (tolle Erkenntnis..) und dass der Alkohol nur noch zerstört: Psychisch wie physisch.
So nahm ich mir immer wieder vor, aufzuhören. Diese Versuche habe ich gefühlte tausend mal gemacht, aber immer nur mit dem Gedanken: Nur ein paar Tage Pause, dann kannst du ja mal wieder ein Glas trinken. So richtig aufhören mit dem Wein wollte ich wohl nie, obwohl ich es mir immer vornahm.

Dieser Prozess ging lang und dadurch wurde auch immer wieder meine Wut größer auf mich und die Depression, die Lustlosigkeit auf das Leben immer größer.
Ich habe viel über Alkohol gelesen, mich kundig gemacht, Podcasts gehört, ...und begriff immer mehr ,ich will das endlcih angehen und mich vom Alkohol befreien. Aber es machte mir immer noch Angst.

Im Juli /August 2020 hab ich keinen Alkohol getrunken, darauf war ich stolz. Ich schaffte es tatsächlich noch nie so lange ohne Wein.
Es ging mir gut, aber auch damals im Sommer dachte ich, ich kann ja mal wieder ein Glas trinken. Was ich dann auch im September wieder tat und ich hasste mich dafür, trotzdem kaufte ich mir wieder den Wein und zelebrierte meine Abende in üblicher Gewohnheit.

So ging das in den Oktober hinein. Mir ging es wieder richtig schlecht (Psyche , Körper rebellierte)--und meine Wut wurde größer und mein Entschluss auch.
Seitdem hab ich es anders angegangen als sonst (das meinte ich vorhin mit Entschluss) . Ich war anders überzeugt aufzuhören, als vorher.

Ich wollte wirklich aufhören und habe mir auch im Kopf kein Hintertürchen bereit gelegt. Das hat mir zwar auch wieder Angst gemacht, aber gleichzeitig auch richtig befreit, da ich wusste, ich muss nie wieder dieses Scheiß Gefühl der Abhängigkeit zelebrieren. Ich wollte mich davon frei machen. Und das steht oben an erster Stelle: Ich will mich OHNE Alkohol erleben.
Und es funktioniert bis jetzt gut.

Ich fühle mich weitaus klarer im Kopf, ich fühle mich selbstbewusster, ich fühle mich fitter und ich lerne mich so langsam kennen.
Ich will keinen Wein mehr trinken, weil ich nicht mehr dahin zurück will, was ich jahrelang gemacht habe und es ist erschreckend, dass ich auch im Alter von 20 -48 Jahren regelmäßig konsumiert habe.
Das ist heftig.

Ich kann keinen moderaten Umgang mit Alkohol haben-das ist mir bewusst geworden und das war auch hilfreich für mich, den endgültigen Schlussstrich ziehen zu können.
Ein Leben ohne Alkohol ist für mich besser und es ist auch eines, das mir mehr gibt.
Der Alkohol hat meine Psyche in Mitleidenschaft gezogen und mein Wohlbefinden drastisch ruiniert. Das ist mir bewusst und das halte ich mir immer wieder vor Augen.

Ich denke, dass jeder seinen eigenen Punkt finden muss, um aufzuhören.
Das ist bei jedem individuell und unterschiedlich.
Mein Selbstachtung wächst von Tag zu Tag, auch wenn ich immer noch oft das Gefühl habe, mir fehlt ein wenig der Sinn des Lebens. Aber den werde ich betrunken sicher nicht finden. Ich habe nur eine Chance, meinen Weg gut weiter gehen zu können, wenn ich nüchtern bleibe.

Wie gesagt, ich lese hier viel im Forum und es ist hilfreich für mich, die Beiträge zu lesen und das stärkt mich.
Meine Abstinenz fällt mir sehr leicht, seltsamerweise.
Meine Abende ohne Wein sind schon normal geworden. Hin und wieder denke ich „heute trinke ich „ ,aber das ist mein altes Suchtgehirn, das kurz aufflammt und ich mir dann sage“ne, das war jetzt nicht wirklich mein Wunsch!“
Und schon ist der Gedanke wieder weg.
Ich muss mich demnach nicht ablenken.
Aber ich habe mir ein Notfallprogramm zurecht gelegt, falls der Suchtdruck aufkommen sollte… Ich schreibe auch Tagebuch und dokumentiere meine neuen Gedanken ,meine alten Gedanken rund um den Alkohol…

Ich merke , dass ich mich mehr bewege und dass ich plötzlich wieder Lust auf Sachen habe, die neu sind und die mir gefallen.
Zum Beispiel habe ich neue Rituale, die ich entwickle, die mir gut tun.

Ich hoffe, ich konnte deine Fragen etwas beantworten.

Es würde mich interessieren, wie offen du in deiner Familie, die ja auch alkoholbelastet ist, sprechen kannst.
Wie geht es dir aktuell ohne Alkohol ? Was beschäftigt dich momentan am meisten ?
LG Orangina


 
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Orangina

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #5 am: 23. Januar 2021, 13:22:29 »

LIebe Sunny
aus deiner Erzählung geht hervor, dass du auch einige Anläufe gestartet hast, aufzuhören. Ich glaube, dass das bei jedem so ist.
Auch wenn es sich frustrierend bei mir anfühlte, weil ich mir oft vornahm, aufzuhören und es nicht schaffte (und das gab mir das Gefühl, es eh nie zu schaffen!!-das war schon wieder ein Grund mehr, weiterzutrinken...)glaube ich, dass genau dieser Weg auch wichtig ist, um tatsächlich zu dem endgültigen Entschluss zu kommen, mit dem Alkohol aufzuhören.
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Sara

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #6 am: 23. Januar 2021, 13:54:21 »

Hallo Sunny!

Ich finde es super, dass du dir in deinem Alter schon deines Problems bewusst bist, und nicht argumentiert dass in jungen Jahren Alkohol dazugehört.

Es wird bestimmt nicht einfach, aber es ist schaffbar. Mir hat ein Tipp eines Therapeuten geholfen. Man soll sich bevor man trinkt fragen, welche Wirkung man erzielen will. Will ich entspannen, mich belohnen, Unangenehmes verdrängen, oder einfach den Suchtdruck loswerden ...
Danach kann man überlegen, wie man das Ergebnis noch erreichen kann. Den Suchtdruck loswerden war für mich das Schwierigste. Das gelang mir am Anfang nur mit Medikamenten. Dafür müsstest du mit einem Arzt reden.

Ich wünsche dir alles Gute!

Liebe Grüße
Sara
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Sunny

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #7 am: 23. Januar 2021, 15:07:45 »

Liebe Orangina :)

Vielen dank noch einmal für deine wirklich sehr ehrliche und ausführliche Beschreibung.
Ich erkenne sehr viel von dir beschriebenes Verhalten bei mir wieder, was mich im ersten Moment tatsächlich etwas 'gefreut' hat da man sich dann nicht so alleine fühlt.
Deine Gedanken die du beschrieben hast und deine eigentliche Kontrolle über dein ehemaliges Trinkverhalten Teile ich ebenso.

Mit meiner Mama traue ich mich nicht darüber zu reden, da ich Angst habe sie denke sie wäre schuld daran oder sie würde sich Vorwürfe machen. Sie hat mir im Leben schon so oft geholfen und ich möchte nicht dass sie sich schlecht fühlt.
Mit meiner Schwester habe ich mal darüber geredet allerdings war ich da schon etwas angeheitert, denn nur dann habe ich mich getraut.
Auch mit meinem Schwager habe ich es schon mal besprochen jedoch, finde ich persönlich das er sich leider auch eingestehen muss, das er sein Verhalten dem Alkohol gegenüber Bedenken sollte.
Nun zu deinen Fragen.
Ohne Alkohol geht es mir körperlich besser, auch mein Schlaf ist super.
Jedoch (vielleicht auch Coronabedingt) ist mir oft ziemlich langweilig und aus Langeweile denke ich mir kann ich auch etwas trinken und obwohl ich weiß das es falsch ist, gebe ich meinem blöden inneren Schweinehund manchmal nach.
Was mir am schwersten fällt und was auch bei jedem Versuch aufzuhören das Problem war: Ganz klar der Suchtdruck.
War ich noch so überzeugt, habe ich es noch so lange ausgehalten, irgendwann kam Tag X und ich dachte, ja heute kannst du.
Und so vergingen Tage um Tage und man wundert sich wie schnell dann wieder ein Monat vorbei ist in dem man sich selbst dafür verflucht nicht da Standhaft geblieben zu sein.
Wie überwindest du den Suchtdruck ? Und würdest du mir zustimmen das im Kampf gegen den Alkohol jeder Tag ein einzelner Kampf ist ?

Ganz Liebe Grüße :)
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Sunny

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #8 am: 23. Januar 2021, 15:11:10 »

Und Hallo Liebe Sara,

Ich danke auch dir für deine lieben Worte.
Das ist ein sehr guter Tipp finde ich.
Hat er dir auch geholfen, ich werde ihn mit in meine Zukunft nehmen.
Und vielleicht hilft er mit öfter mal mein verlangen zu überdenken.

Ich danke dir vielmals
Und auch dir alles erdenklich gute ! :)
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ichso

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #9 am: 23. Januar 2021, 15:44:09 »

Hallo Sunny, auch von mir ein Lob :)

Schön, dass du anfängst aufzuhören.

Ich bin mit 56 Jahren und lang entzogenen Süchten eine "alte Häsin" und es ist manchmal schwierig für mich, das alles noch so nachzufühlen...

Was mir immer noch hilft, sind meine "Werkzeuge". Und Sara hat schon ein sehr gutes genannt: Die Frage kurz vorher. WAS will ich bewirken? Um dann das annähernd gleiche Ergebnis mit ETWAS ANDEREM zu bekommen statt mit Alkohol.

Hilfreich ist eine Liste, was du gern machst: Laufen, tanzen, schreien, singen, Kissen verkloppen, japanische Orchideen züchten - alles ist möglich ;) Und nötig... Hier lesen kann dir ganz weit die Augen öffnen. Und dich stark machen. Das wünsche ich dir.

Noch zwei persönliche Sachen: Ich konnte die Sucht auch nicht in der Familie / mit meiner Mutter klären. War aber im Nachhinein sehr wichtig für meine Stabilisierung. So klärte ich das über die Jahre in einer Selbsthilfegruppe und mit Therpeuten w/m/d

Das zweite: Der härteste Entzug für mich war nicht THC oder Alkohol, sondern Nikotin. Und letztendlich geklappt hat es mit vier Dingen: Ich wusste, es würde sauschwer werden - aber ICH WOLLTE STÄRKER SEIN als dieses Suchtmonster in mir drin! Und ich fand im Internet zwei Hilfen: Bei akutem Verlangen 1 großen Schluck Wasser trinken und/oder bis 10 zählen. Damit gings ;)

Netten Gruß, ichso - die dir wünscht, dass du genau die Strategien findest, die dir helfen. Wir können dich hier auf's Pferd setzen, reiten schaffst du dann allein <3
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Rina

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #10 am: 23. Januar 2021, 16:05:48 »

Liebe Celine

Herzlich willkommen im Forum!

Ich habe nicht so viel Zeit gerade aber ich will dir trotzdem paar Worte da lassen!

Ich bin Rina, 39J und seit gut 1,5 Jahren alkfrei.

Ich habe ab jungen Jahren sehr exzessiv angefangen zu trinken, wenn dann immer bis ins Koma. Es brauchte auch bei mir mehrere Anläufe, mehrere Wege, mehrere Therapeuten und Ärzte bis ich es zu 20 Monaten Abstinenz geschafft habe. Was überhaupt gar nicht funktioniert hatte war der Alleingang...und das geht für die allerwenigsten erfolgreich, zumindest auf Dauer. Ich war so alt wie du als ich das erste Mal wirklich dachte ich muss was tun. Ich wusste damals schon dass ich Alkoholikerin bin, es war mir aber unmöglich dies zu akzeptieren. Ich trank extrem durch meine ganze Studienzeit, es wurde immer schlimmer. Das schlimmste fand ich dabei immer den Selbsthass und diese miesen Versagensgefühle...ich fühlte mich durch und durch wertlos.

Alkoholismus ist, wie du bestimmt schon lange weisst, eine sehr komplexe Krankheit. Sie kann geheilt werden wenn man sich in professionelle Hilfe begibt. Aufarbeitung ist zumindest für mich unheimlich wichtig. Hilfe kann in Form einer SHG oder Suchtberatung stattfinden, es gibt erfahrene Addiktologen, Ärzte, Psychologen etc...hast du dir mal Gedanken darüber gemacht eine dieser Hilfestellungen anzusteuern? Es ist nun mal erwiesen dass es die wenigsten aus dem Sumpf schaffen und unter den erfolgreichen haben es die allermeisten nur mit Hilfe anderer geschafft. Bei mir war es nicht anders.

Zu Beginn und auch jetzt noch lese und informiere ich mich zu dieser Krankheit, das hilft und nimmt eventuelle Schuldgefühle etwas weg.

Der erste Schritt ist aber der wichtigste und den hast du gemacht: du willst es angehen! Lies dich hier mal ein bisschen durch, die Geschichten ähneln sich...Du brauchst keine Angst zu haben dass dich hier jemand verurteilt, im Gegenteil!!!

Lg
Rina
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Sunny

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #11 am: 23. Januar 2021, 16:12:21 »

Hallo Sunny, auch von mir ein Lob :)

Schön, dass du anfängst aufzuhören.

Ich bin mit 56 Jahren und lang entzogenen Süchten eine "alte Häsin" und es ist manchmal schwierig für mich, das alles noch so nachzufühlen...

Hallo Liebe Ichso :)

Also ich bin wirklich überwältigt von der Nettigkeit und auch der Erfahrung die ihr mir und anderen Hilfesuchenden entgegenbringt.
Vielen, vielen Dank im Vorfeld.

Ich bin bereit alles auszuprobieren.
Nur eine SHG habe ich noch nicht besucht und das kann ich leider nicht auf Corona schieben, denn dafür war ich schlich und ergreifend zu feige.
Einen Anlauf auf Hilfe bei Psychologen habe ich mehrfach unternommen jedoch tatsächlich nie einen Platz bekommen (der Großteil der Absagen waren Umstellungen von Kassenpatienten auf Privat)
Dieses Forum mit seinen Themen ist wirklich toll.
Ich lese seit Stunden die verschiedensten Sachen und bin wahnsinnig überrascht wie viele Menschen nach Jahrzehnten Langem Konsum den Schritt in die Abstinenz tatsächlich bis heute geschafft haben.
Das ist mehr als beeindruckend.

Danke das du deine Erfahrungen mit mir teilst und ich würde mich sehr über einen weiteren Austausch freuen.
Zum Beispiel würde mich auch gerne bei dir interessieren wie du den Schritt geschafft hast ? Wann hat es bei dir Klick gemacht ? Du hattest ja tatsächlich mehrere Entzüge.
Wie bist du so stark geworden ?

Vielen lieben Dank und Liebe Grüße :) :)
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Sunny

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #12 am: 23. Januar 2021, 16:15:30 »

Tut mir leid dass das Zitat jetzt mit meiner Antwort vermischt ist, hab das ganze hier noch nicht ganz raus  nixweiss0.

Liebe Rina,
Auch dir vielen Dank !!
Eure Geschichten beweisen mir dass es nie zu spät ist aufzuhören und es sich immer lohnt.
Ihr seit so starke Menschen und das will ich auch werden !!!
Mir fehlen nur noch ein paar kleine Dinge, aber der Schritt mit meiner Geschichte hierherzukommen war mit Sicherheit sein wichtiger UND richtiger !!
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Sara

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #13 am: 23. Januar 2021, 16:43:48 »

Hallo Sunny!

Es ist auch wichtig, dass man sich der Dringlichkeit des Problems bewusst wird. Bei mir war es so, dass solange alles noch irgendwie lief, ich eine Entgiftung im Job verheimlichen konnte (hatte offiziell Magen-Darm-Grippe), oder den Arbeitsalltag mit Hilfe von Medikamenten durchhielt, ich das Ausmaß des Problems nicht erkannte.

Damals dachte ich öfter, was das erste wäre, würde ich eine größere Summe im Lotto gewinnen. Ich wollte meinen Job kündigen und einen Entzug machen. Ich sah mir im Internet private Suchtkliniken an, doch dachte ich stets, das geht nicht, ich muss ja arbeiten und alles verheimlichen. Bis zu dem Tag an dem wirklich nichts mehr ging, und ich nicht mehr fähig war zu arbeiten. Aufgrund einer Depression und Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. Dann wurde es zwar keine private Suchtklinik, sondern ein 14wöchiger Aufenthalt. Zuerst 6 Wochen in einem psychiatrischen Krankenhaus und dann 8 Wochen in einer rein auf Sucht spezialisierten Einrichtung. Mir war damals meine Gesundheit wichtiger als mein Job, und ich glaube, nur wenn man die Trockenheit wirklich an erste Stelle setzt, kann es klappen.

 Also zuerst alles was nötig ist zu tun, um eine Zeitlang ohne Alkohol zu leben. Vielleicht muss man Freunde zurücklassen, die Partnerschaft überdenken, den Job kündigen. Klingt jetzt erst Mal drastisch, aber wenn man in der Suchtspirale drinnen ist, verliert man diese ganzen Dinge meistens sowieso. Nicht sofort, aber nach und nach.

Ich hatte auch nach meinem letzten Klinikaufenthalt Rückfälle, konnte sie zum Glück aber stoppen. Richtig trocken bin ich inzwischen kurz über ein Jahr. Ich habe damals für mich ganz persönlich, aus tiefstem Herzen entschieden, nicht mehr zu trinken und auf keine anderen Drogen umzusteigen. Für mich war das eine Lebensentscheidung, ich weiß natürlich, dass es keine Garantie gibt, aber ohne diese Entscheidung wäre es nicht gegangen.

Das war beim Rauchen auch so. Erst als von tiefstem Herzen beschloss, das ist kompromisslos die letzte Zigarette, klappte es.

Keine Ahnung ob dir das weiterhilft, aber so hat es bei mir geklappt.

Liebe Grüße
Sara
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Orangina

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Re: Meine kleine, junge Lebensgeschichte
« Antwort #14 am: 23. Januar 2021, 16:47:56 »

Liebe Sunny,

auch ich danke dir für deine Antwort-auch ich nehme viel von dem mit, was du geschrieben hast und es gibt mir auch etwas , wenn ich dir von mir erzählen kann, denn ich setze mich dadurch auch wieder automatisch mit mir auseinander.

Zuerst einmal hat es mich auch erstaunt, als ich sehr viel in den Beiträgen zu Beginn hier gelesen habe, wie sehr sich manche Geschichten ähneln, auch wenn sie unterschiedlich sind.

Du hast mich gefragt, wie ich den Suchtdruck überwinde und ob ich dir zustimme, dass jeder Tag ein einzelner Kampf gegen den Alkohol ist.

Also ich möchte dir sagen, dass ich seit drei Monaten keinen einzigen Tag hatte, in dem ich einen Suchtdruck hatte. Ich habe Angst, dass er kommen könnte.
Bisher ist er zum Glück ausgeblieben und ich erkläre mir das so, dass ich wahrscheinlich wirklich innerlich bereit bin, die Finger vom Alkohol zu lassen. Trotzdem bin ich gewappnet.
Ich habe mir notiert, was ich tun will, wenn ein Suchtdruck aufkommt. Das erste, was ich tun will, ist laufen gehen.
Oder eine Tätigkeit anfangen, um mich abzulenken.
Ich kenne Suchtdruck aber sehr gut---von meiner Zeit vor diesen 3 Monaten meiner Abstinenz.
Und ich muss zugeben, dass ich damit nie richtig gut umgehen konnte. Ich habe dem Druck sehr schnell nachgegeben, da ich (vermute ich ) nie richtig überzeugt war mit dem Aufhören.
Ich war dann wie ferngesteuert und obwohl ich nicht wollte, bin ich zum Wein kaufen gefahren, voller Gier und hab mit schlechtem Gefühl und Selbstvorwürfen den Wein gekauft...mit dem Gedanken: „Aber morgen hör ich auf..“
Und natürlich war das MORGEN auch noch weitere Jahre später immer wieder ein „Aber morgen hör ich auf!“

Das war in der Tat ein Kampf mit dem Alkohol, ein Ringen...aber aktuell , seit 3 Monaten ist es bisher kein Kampf gewesen, aber ich habe Respekt davor, dass es einer werden könnte.
Mich nervte es, dass diese Sucht Überhand über mich gewonnen hat und ich will diese Sucht überwinden und das geht nur, indem ich keinen Alk mehr trinke . Ich will die Kontrolle über mein Leben zurück gewinnen.

Ich finde es sehr sehr gut, dass du dich damit auseinander setzen willst und du aufhören möchtest.
Sicher macht dir das auch ziemlich Angst und vielleicht ist es auch schwer für dich, dich als Alkoholkrank zu bezeichnen und hast einen großen Respekt vor dem was kommt.
Ich habe es nicht vor, zur Selbsthilfe zu gehen. Ich will es alleine schaffen.
Es gibt verschiedene Wege und du musst für dich rausfinden, was dir hilfreich sein könnte.
Es ist auch sehr wichtig dich zu fragen, warum du trinkst.
Aus Langeweile trinkt glaube ich keiner-ich vermute es steckt da was anderes dahinter.
Aber was ?
Ich habe getrunken, um mir eine Auszeit zu gönnen, meine Ängste zu schmälern, meine diffusen Sorgen zu ertränken, mich locker zu machen, mich mutiger zu trinken, ...Blöd ist halt nur, dass der Alkohol KEINE Probleme löst, sondern über die Jahre alles nur noch schlimmer macht.

Ich habe das Gefühl, jetzt nackt da zu stehen, das heißt auch, dass ich meine Ängste aushalten lerne und andere Strategien für mich überlegen muss, aber ich fühle mich tausend mal besser so, als noch mit Alkohol!!!

Dass du wenig über deinen Konsum sprichst (in deiner Familie), verstehe ich .Im Prinzip ist das Thema Alkohol ein größeres Problem in deiner Familie.
Auch bei mir ist das so...Alkohol hat schon immer eine sehr große Rolle gespielt.
Das ist natürlich auch „angelernt“ , denn du warst früh damit konfrontiert.
So wie ich es rauslese, hast du auch versucht Konflikte wegzutrinken.
Damit du dich leichter fühlst.

Geh mal auf Google und gib mal „Nathalie Stüben“ ein.
Darauf bin ich als erstes gestoßen, als ich vor über einem Jahr ernsthaft mein Alkoholproblem angehen wollte. Ich habe viel von ihr gelesen und es hat mich sehr angesprochen und auch sehr beruhigt, weil ich mich dort aufgehoben fühlte. Sie hat einen blog geschrieben über ihren Weg aus dem Alkohol… ich hab das (und ich tue es auch noch heute)intensiv verfolgt, was sie geschrieben hat und sie schreibt regelmäßig und hat auch einige Podcasts.

Ganz liebe Grüße, bleib dran!!!!
Orangina
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