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Autor Thema: Rückfall  (Gelesen 11738 mal)

Elly

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Re: Rückfall
« Antwort #30 am: 25. Mai 2021, 01:43:01 »



Hallo Hermann,

nicht möchten! Man WILL ohne Alkohol leben, das ist eine Entscheidung!

An einen Zwischenfall sollte man nie denken, oder es abwägen.

Im Hier und Jetzt leben, und immer davon ausgehen, dass man es schafft ohne Alkohol zu leben.

Sich keine Hintertürchen auflassen!

Beste Grüsse zurück... Elly

Hallo Hermann,

hast Du Dir schon anderweitig Hilfe geholt? Warst Du nochmal bei Deiner Hausärztin oder
gehst zu ihr?

Es wäre für Dich bestimmt gut, wenn Du nochmal von ganz vorne anfängst.

Du lässt Dir immer wieder Hintertürchen offen...

Elly

PS: Das Buch "Endlich ohne Alkohol" von Allen Carr empfehle ich Dir zu lesen!
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Das Leben ist nicht immer einfach, aber eindeutig einfacher ohne Alkohol zu bewältigen!

Britt

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Re: Rückfall
« Antwort #31 am: 25. Mai 2021, 09:50:37 »

Hallo zus.
...Der Suchtdruck hat gesiegt... ich habe am Samstag Abend Alkohol getrunken . Jetzt habe ich Schuldgefühle.... Ich weiß ich bin selber Schuld.....Tja alles doof .
Ich würde mich über Tips und Ratschläge freuen
MFG
Hermann

Moin Hermann,

du hast ja in den letzten Wochen schon des Öfteren über Suchtdruck geschrieben. Deine Belastungen waren ja nicht ganz ohne…Musstest du denn Sonntag und Montag weiter trinken?
Bei kaum einer anderen Krankheit wird ja so hartnäckig von Schuld gesprochen wie bei einer Abhängigkeitserkrankung. Die Frage der Schuld ist symptomatisch beim Alkoholismus.
Fragen wie „Hätte ich doch nur…wie konnte ich nur…ich hätte..sollen“ mit solch quälenden Gedanken hatte ich auch zu kämpfen.
Ich habe damals  meinen Vorfall als persönliches Scheitern, als selbstverschuldete Tragödie und Katastrophe wahr genommen. Aber ich wusste auch aus meiner ersten Therapie, dass diese Schuldgefühle einem das Leben zur Hölle machen.
G.s.D. konnte ich sofort intervenieren und nur deshalb ist es bei diesem einem "Vorfall" geblieben.
Schuldgefühle und Scham sind gerade bei einem Trinkrückfall schädlich und können dich zum Weitertrinken veranlassen.
Ich denke, du brauchst Halt und Unterstützung, damit du dich dauerhaft stabilisieren kannst. Ich kann dir nur raten, dir schnellstmöglich ärztliche Hilfe zu suchen oder dich an eine Suchtberatungsstelle zu wenden.
 
Nicht selbst bemitleiden und hängen lassen!

Lieben Gruß
Britt
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~ bevör ik mi nu opregen deed, is dat mi lever egaal ~

Hermann

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Re: Rückfall
« Antwort #32 am: 25. Mai 2021, 19:07:56 »

Hallo Britt
Nein bis jetzt habe ich nicht weiter getrunken. Jetzt will ich auch gar kein alkohol mehr trinken . Aber ich habe schon richtig Muffe wenn in ein oder zwei wochen das Ganze wieder von vorne losgeht
MFG
Hermann
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Camina1969

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Re: Rückfall
« Antwort #33 am: 25. Mai 2021, 23:19:39 »

Hallo Herrmann,

du fragst nach Tipps oder Ratschlägen.
Du hast ja schon einige Zuschriften hier bekommen.
Wenn dir andere von ihren Erfahrungen erzählen oder dir Vorschläge machen, dann nützt dir das nur, wenn du selber aktiv wirst.

Kannst ja mal, statt Angst vor dem nächsten Rückfall zu haben, diesmal etwas anders machen als sonst.
Hast du vielleicht selber eine Idee, was das sein könnte?

Grüße,
Camina
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Gerchla

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Re: Rückfall
« Antwort #34 am: 26. Mai 2021, 10:29:32 »

Guten Morgen Hermann,

ich will Dir einfach mal meine Gedanken da lassen. Vielleicht kannst Du damit etwas anfangen.

Ich bin Anfang 50, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr. Ich trank davor weit über 10 Jahre abhängig. Die meiste Zeit davon komplett heimlich. Ich hatte Familie (Frau und 2 Kinder) vor der ich meine Sucht ebenfalls verheimlicht habe. Im Nachhinein kann ich kaum glauben, dass mir das so lange "gelingen" konnte, aber ich war wohl ein begnadeter Lügner und Betrüger und hatte in den wenigen Situationen, in denen meine Frau mal etwas "ahnte", immer die passende Lüge parat. Zum Schluss hin war ich ein Wrack, seelisch vor allem aber auch körperlich ging es mehr und mehr Berg ab. Am Ende habe ich mich gegenüber meiner Familie geoutet. Dieser Tag war der letzte an dem ich Alkohol getrunken habe.

Was dann folgte, würde im Detail hier jetzt den Rahmen sprengen. Fakt ist aber, dass ich mein Leben grundlegend geändert habe. Ich habe Deinen Thread eben mal komplett nachgelesen und das erste was ich mir dachte war:" Er hat nicht getrunken, zumindest 2 Jahre lang. Aber was hat er sonst verändert?" Nach den 2 Jahren, so lese ich Dich jedenfalls, ging es ja langsam wieder los. Eigentlich ja in "vertretbaren" Mengen, so wie das bei den meisten Menschen der Fall ist und wo die meisten Menschen auch kein Problem mit haben. Du jedoch bist Alkoholiker und hast einen ganz anderen Bezug, oder besser eine ganz andere Beziehung zu Alkohol. Es war also fast abzusehen, so jedenfalls meine Erfahrung in vielen Gesprächen mit anderen Alkoholikern die Ähnliches erlebt haben wie Du, dass der Alkohol Dich nicht los lassen würde.

Was ich bei Dir lese ist, dass Du nicht mehr getrunken hast und nicht mehr trinken wolltest, weil Du Dir der negativen Auswirkungen bewusst warst. Du wolltest nicht mehr so weit "nach unten" rutschen, Du wolltest all das Elend nicht mehr erleben. Die ANGST war oder ist bei Dir also die treibende Kraft. Das ist durchaus eine große und starke Motivation, aus meiner Erfahrung möchte ich aber sagen, dass das bei vielen nicht aussreicht. Diese Art der Motivation hilft sehr gut in der Anfangszeit, sie kann auch ein paar Jahre "tragen", aber irgendwann kommt mal der Punkt wo man denkt: "Aber schön war's ja schon auch". Vielleicht weißt Du was ich meine.

Deshalb schreibe ich oft, dass es aus meiner Sicht wichtig ist, sich mit sich selbst und seiner Sucht intensivst auseinander zu setzen. Genau das habe ich getan. Ein Prozess, der bei mir erst mal etwa ein Jahr gedauert hat, da war ich dann sozusagen mit dem "Gröbsten" durch und konnte mich um Details "kümmern". Ich wollte wissen, warum ich an diesen Punkt gekommen bin. Wieso ich zum Alkoholiker wurde. Denn auf den ersten Blick gab es dazu gar keinen Grund. Und je mehr ich mich damit beschäftigte erkannte ich, dass da viel mehr dahinter steckt. Am Ende des Prozesse ging es bei darum heraus zu finden, was denn eigentlich der Sinn meines Lebens ist. Das klingt jetzt vielleicht hochtrabend und wichtigtuerisch. Aber das war und ist es gar nicht. Wer war ich als ich trank, wer bin ich jetzt und wer möchte ich eigentlich sein? Was will denn überhaupt "erreichen" in meinem Leben, was ist mir wirklich wichtig? Wer ist mir wichtig, wo will ich hin? Was will ich mal über mein Leben sagen, wenn ich irgendwann vor der Kiste stehe und zurück blicke?

Diese Fragen habe ich versucht mir zu beantworten und noch viele mehr. Das war ein sehr spannender Prozess und die Klarheit die ich dadurch gewann führte dazu, dass mein Leben mehr und mehr zufriedenen wurde. Und je zufriedender man ist (im idealfall sogar glücklich, was aber m. E. immer ein temporärer Zustand ist), desto weniger spielt der Alkohol eine Rolle. Denn wozu setzen (wir Alkoholiker) den Alkohol denn ein? Doch nur dazu um unser Bewusstsein, unsere Wahrnehmun zu verändern. Positiv, wie wir meinen, was aber wiederum nur temporär funktioniert und ein Trugschluss ist. Wenn wir aber in der Realität zufrieden oder gar glücklich sind, dann brauchen, besser wollen wir gar nichts verändern. Jedenfalls nicht durch zuhilfenahme einer Droge.

Vielleicht kannst Du Dir ja selbst mal die Frage beantworten, was Du für Dich getan hast, seit dem Zeitpunkt wo Du damals mit dem Trinken aufgehört hast. Was Du grundsätzlich an Deinem Leben verändert hast, ich meine außer dass Du keinen Alkohol mehr getrunken hast. Und ob das was Du getan hast, für Dich dauerhaft zielführend war, ob es wirklich das war, was Du wolltest und was Deine Zufriedenheit gesteigert hat.  Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es (für mich) extrem wichtig war (und ist), mit selbst und meine Bedrüfnisse in den Mittelpunkt meines Lebens stellen. D. h. bedeutet aber nicht, dass ich deshalb egoistisch und mit Ellebogenmetaliät durchs Leben gehen muss. Im Gegenteil, mein Umfeld profitiert davon, dass ich achtsam mit mir selbst umgehe und mir vor allem auch Zeit für mich selbst nehme. Denn dadurch geht es mir gut, Alkohol spielt keine Rolle mehr, und ich kann dadurch auch ganz viel geben, für andere da sein. Weil ich die Energie und die Kraft dazu habe und weil das (zumindest bei mir) auch Teil meines Lebensplans ist.

Ich möchte Dir noch eines schreiben. Ich hatte in den letzten Wochen, vielleicht auch Monaten, mal wieder eine Phase, wo ich mich und mein Leben hinterfragt habe. Das habe ich völlig unabhängig von Alkohol getan. Ich hatte keinen Suchtdruck oder sonst irgendwelche Gedanken an Alkohol. Es war einfach nur so, dass ich vor allem auch beruflich sehr stark belastet war (noch bin) und ich mir die Frage gestellt habe, ob das so alles für mich noch einen Sinn macht. Es ging mir auch darum (erneut) heraus zu finden, ob mein Leben, so wie es gerade läuft, dass ist, das ich eigentlich möchte. Ob es nicht vielleicht an der Zeit wäre, mal wieder grundsätzlich etwas zu verändern. Ob mein Verhalten, meine Art und Weise, wie ich mit meinem Umfeld umgehe und auch was das dann bei und in mir auslöst, noch das ist, was ich will.

Dieser Prozess war jetzt nicht ganz einfach und er hat mir neben meiner Arbeit und meiner Familie, die ja nach wie vor "da" waren (und vor allem auch wichtig für mich waren), schon einiges an Kraft "gekostet". Will sagen, ich habe mir die Zeit für diesen Prozess bewusst nehmen "müssen", andere gewohnte, teilweise auf lieb gewonnene Aktivitäten auf ein Minimum reduziert um Zeit für diesen Prozess zu haben. Ich habe darüber auch offen gesprochen und vor allem auch meine Frau nicht im Nebel stehen lassen. Denn letztlich war ich in dieser Zeit, sehr viel mit mir selbst beschäftigt und das kann auf Außenstehende mitunter ziemlich befremdlich wirken. Für mich jedoch war das extrem wichtig und ich bin mir sicher, ich hoffe sogar, dass ich solche Phasen immer wieder in meinem Leben haben werde. Denn die Alternative wäre ja, einfach weiter so '"vor sich hin zu leben" und die Dinge die einen beschäftigen mit einem "wird scho wieder werden" vom Tisch zu fegen. Und genau das war einer der Punkte, die mich vor langer Zeit langsam in Richtig Alkohol getrieben haben. Nicht auf mich achten, Probleme nicht genau ansehen, Unzufriedenheit nicht ernst nehmen..... Bei mir hatte das fatale Auswirkungen. Und ich hatte mir nach meiner Aufarbeitung geschworen, dass mir das nicht mehr passieren wird.

So, jetzt habe ich Dir einen kleinen Einblick in meinen Weg gegeben, der sicher nicht so einfach auf Dich zu übertragen ist. Das ist mir wohl bewusst. Aber vielleicht kannst Du irgendwas davon für Dich mitnehmen und vielleicht hilft Dir das dann dabei, Deinen eigenen Weg dauerhaft ohne Alkohol finden.

Ich wünsche Dir alles alles Gute!

LG
gerchla
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Hermann

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Re: Rückfall
« Antwort #35 am: 26. Mai 2021, 16:35:25 »

Hallo zus .
Tja Sinn des Lebens .. was ist das ? Es ist tatsächlich so , das ich mich selbst kaum achte . Ich lebe zu 95 % für unseren Betrieb . In der Kindheit wurde ich gehänselt , das ich aus dem " Kleinbürgertum" stamme . Klingt irgend wie doof -- ist aber so . Irgend wann ging es " bergauf" . Aber das Leben wurde nicht schöner dadurch . Klar Dach übern Kopf , Dickes Auto , umfangreiche Reisen usw. Das richtige Glück scheint vom Gefühl her aber vor mir weg zu laufen . Denn diese ewigen Streitereien mit meiner Schwester, die Sorgen um den Betrieb , um die Kinder und dies und das . Mittlerweile ist der Betrieb zu einem nicht unbeachtlichem Unternehmen herangewachsen , aaaber ich kann mich dazu einfach nicht freuen . Es lief ja auch gut ohne Alkohol - bis ich damit anfing " Auszeiten" von der Abstinenz zu nehmen . Das war immer denn wenn wir im Urlaub waren . Meine Frau liebt mich über alles und " toleriert " das Geschehen . Langsam wurde es aber so , das im Urlaub jeden Tag Alkohol getrunken wurde . Zu Hause dann absolut nichts. Diese" Barriere " umschiffte ich langsam -- erst nur 2 - 3 mal im Jahr . Mittlerweile ist das leider so das das es fast alle 14 Tage passiert das ich auch zu Hause Alkohol trinke . Das geht dann so ab , das ich irgend wie ab 18.00 anfange mit 2-3 Schnaps und dann mehrere Biere . Dann esse ich und der Druck noch mehr zu trinken ist weg . Wie gesagt - klingt alles komisch - ist aber so. Wenn dann der nächste Tag kommt fühle ich mich schuldig und besch..... und habe Angst vor der " neuen Auszeit" .
Es will einfach nicht in meinem Kopf , nie wieder in meinem Leben Alkohol zu trinken , obwohl die negativen Folgen immer unerträglicher werden . Wenn ich an Urlaub denke ist es so , das nicht das Urlaubsziel im Vordergrund steht , sondern der Alkoholkonsum .
Erstmal
MFG
Hermann
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Gerchla

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Re: Rückfall
« Antwort #36 am: 27. Mai 2021, 13:20:43 »

Hallo Hermann,

ich will mal versuchen auf Deine Zeilen einzugehen und Dir meine Gedanken dazu zu schreiben.

Zitat
Tja Sinn des Lebens .. was ist das ?
Naja, nach dem haben ja schon viele gesucht. Philosophen haben sich damit beschäftigt und bei den diversen Religionen spielt er auch eine zentrale Rolle. Ich denke mir, dass es DEN einen allgemeingültigen Sinn des Lebens in Reinform nicht gibt. Ich denke mir, jeder kann (oder darf) seinen Sinn selbst definieren und finden. Ehrlich gesagt habe ich mir solche Gedanken vor meiner Trinkerzeit überhaupt nicht gemacht. Während meiner Trinkerzeit dann schon gar nicht, da hatte ich ganz andere Probleme. Und dass ich danach angefangen habe mir darüber Gedanken zu machen hat sicher auch damit zu tun, dass ich eben ganz genau wissen wollte, wieso - weshalb - warum. Also warum bin da gelandet wo ich letztlich dann gelandet bin. Ziemlich weit unten und es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre weg vom Fenster gewesen. Und natürlich ging es dann mal um die Frage, wie es denn jetzt eigentlich weiter geht mit meinem Leben. Klar, ich wollte keinen Alkohol mehr trinken aber das allein kanns ja nicht gewesen sein, oder? Nur weil ich nicht mehr trinke oder trinken will, wird ja nicht alles gut. Ich meine, erst mal trennte ich mich von meiner Frau und damit "verlor" ich auch meine über alles geliebten Kinder. Und Eingschläge und Erschütterungen, negative Phasen etc. werde ich ohne Alkohol genauso haben. Ich lebe da dann ja nicht in einer rosa Wolke der Glückseeligkeit. Wie gehe ich also mit dieser Tatsache um? Was erwarte ich von meinem Leben, meinem Restleben, welches jetzt ohne Alkohol statt finden soll?

Ich möchte Dir noch sagen, dass bei diesem Prozess oft an meine Grenzen gekommen bin. Und mir dann auch Hilfe geholt habe. Einer der Personen, die den größten Anteil an meiner "Genesung" hatte, war ein Mönch. Das ist jetzt eine längere Geschichte die ich Dir hier im Detail erspare aber dieser Mönch, den ich während meiner Trinkerzeit mal bei einer Veranstaltung erlebt hatte und der mich trotz meines damaligen sicher nicht nüchternen Zustands sehr beeindruckt hatte, hat einen großen Anteil daran, dass ich die Kurve bekommen habe. Er war auch derjenige, der mir den Anstoss gab, tiefer nachzudenken und mich und mein Leben zu hinterfragen.

Ich möchte dazu noch sagen, dass das damals nichts mit Glauben zu tun hatte. Es war also nicht so, dass ich als gläubiger Christ nach Gottes Hilfe gesucht hätte und mir dieser Mönch dann zur Seite gestanden wäre. Im Gegenteil, ich hatte mit Religion gar nichts am Hut und dieser Mann hat das wohl auch gemerkt und sich diesbezüglich komplett "zurückgehalten". Es ging nie um Glauben, Beten, Buse, etc. Es ging immer darum, wer ich sein will, was ich sein will und wo ich hin möchte. Heute kenne ich einige Alkoholiker, denen tatsächlich der Glaube geholfen hat von dem Zeug weg zu kommen und die über ihren Weg in ein Leben ohne Alkohol überhaupt erst zum Glauben gefunden haben. Aber das war bei mir damals nicht der Fall und das ist jetzt auch kein Thema, das ich hier weiter ausführen möchte.

Was ich damit sagen will ist, dass es manchmal vielleicht einfach Hilfe oder Unterstützung von außen braucht, um mit sich und seinen Gedanken weiter zu kommen. Natürlich bin damals erst mal den klassischen Weg zum Psychologen gegangen. Der hat mir aber gar nicht geholfen, war nicht auf meiner Wellenlänge oder besser, ich war nicht auf seiner. So erinnerte ich mich an diesen Mönch, der für damals, als ich ihn zum ersten mal im Rahmen einer Krippenführung erlebt habe, so viel Zuversicht und Zufriedenheit ausgestrahlt hatte und wo ich noch zu Trinkerzeiten dachte: So möchte ich auch gerne sein, so eine innere Ruhe möchte ich auch haben. Warum also nicht versuchen diesen Menschen, von dem ich nicht mal den Namen wusste, ausfindig  machen einfach  mal nachzufragen, ob er bereit wäre, mich ein Stück zu begleiten? Das tat ich, es gelang mir nach einigen Rückschlägen und so war's dann und wir hatten viele Stunden in denen ich mich intensiv mit ihm austauschen konnte. Für ihn war das Seelsorge, mir rettete es wahrscheinlich das Leben.

Zitat
Es ist tatsächlich so , das ich mich selbst kaum achte
Selbstachtung und Selbstliebe halte ich für elementar wichtig. Man liest oder spricht ja auch oft vom "gesunden Egoismus". Ich musste das erst lernen, nachdem ich aufgehört habe mit dem Trinken. Während ich trank, hat schon alleine mein schlechtes Gewissen dafür gesorgt, dass ich immer dann wenn es ging, über mein Limit gegangen bin. Sozusagen um meine "Ausfälle" zu kompensieren. Am Ende verliert man mehr und mehr an Energie und versucht gleichzeitig das ganze durch mehr und mehr Alkohol wieder "auszugleichen". Sich sozusagen die Auszeiten via Alkohol zu holen. Ein fataler Kreislauf der am Ende einen kaputten Menschen hinterlässt. Es ist entscheidend, dass man sich Zeit für sich "reserviert" und sich eben nicht flüchtet. Egal ob man sich nun in den Alkohol flüchtet um vermeintlich zu entspannen oder in Arbeit, weil man davon ja soviel hat und die ja getan werden muss. Am Ende flüchtet man immer vor sich selbst. Das kann man schon mal eine Zeit lang machen, man kann auch z. B. mal eine Zeit lang arbeitsmäßig über sein eigentliches Limit gehen, auf Dauer jedoch kommts zu fatalen Nebenwirkungen. Und es fehlt die Zeit, die man braucht um zu erkennen, was man eigentlich will im Leben.

Zitat
Das richtige Glück scheint vom Gefühl her aber vor mir weg zu laufen
Glück ist ja so ne Sache. Ich denke, wenn man sich wirklich glücklich fühlt ist das ein maximal positiver Zustand. Und ich denke, diesen hat man nicht dauerhaft sondern idealerweise immer wieder mal temporär. Entscheidend ist, so denke ich jedenfalls, dass man mit sich und seinem Leben zufrieden ist. Zufrieden hört sich nach so wenig an, ist aber in Wirklichkeit ganz viel.  Also richtig zufrieden, das ist dann gar nicht so weit vom Glück entfernt. Vielleicht ist auch das Wort "Dankbar" das Richtige. Also Dankbarkeit gegenüber dem, was man hat, wie man Leben, wie man selbst ist.

Da stellt sich mir natürlich die Frage, ob Du selbst wirklich weißt, was Du bräuchtest um glücklich zu sein. Was wäre denn aus Deiner Sicht notwendig, dass Du sagen könntest: So wie es ist, ist es gut! Ich sehe jetzt keinen Grund mehr meine Realität durch Alkohol zu verändern.

Ich glaube, letztlich geht es immer nur um diesen Punkt. Sicher gibt es viele Menschen, die sich solche (fast philosophischen Gedanken) nicht stellen können, weil deren Lebenswirkilchkeit das einfach nicht zu lässt. Und diese Menschen brauchen dann andere, vielleicht einfachere Mechanismen, die ihnen dabei helfen, die Alkoholsucht zu überwinden. Und sicher muss nicht jeder sich mit dem Sinn seines Lebens in aller Tiefe beschäftigen um diese Sucht zu überwinden. Im Kern, so denke ich mir und so habe ich es bei mir erfahren, läuft es aber doch immer wieder in diese Richtung. Oft auch ohne das sich Betroffene dessen überhaupt bewusst sind oder es so benennen könnten.

Zitat
Es lief ja auch gut ohne Alkohol - bis ich damit anfing " Auszeiten" von der Abstinenz zu nehmen .
Das wäre dann wieder die Frage, warum Dir diese Auszeiten so wichtig waren. Oder warum Du sie nehmen "musstest", obwohl Du sie, wie mir scheint, eigentlich gar nicht nehmen wolltest und ja auch jetzt nicht nehmen möchtest. Ich denke Du nimmst sie, weil Dir etwas fehlt von dem Du glaubst, dass Du es durch den Alkohol bekommst. Auch wenn Du Dir dessen vielleicht gar nicht richtig bewusst bist. Finde heraus was es ist und sorge dafür, dass Du das was Dir der Alkohol "gibt" auch ohne Alkohol bekommst. Das funktioniert, auch wenn man sich das vielleicht erst mal nicht vorstellen kann.

Ich meine, ich habe nicht nur negative Gedanken, wenn ich an meine Urlaube z. B. in Frankreich zurück denke. Und an den Rotwein, mit dem ich den Sonnenuntergang begleitet habe. Ich habe nicht nur negative Gedanken wenn ich an diverse Feiern denke, wo ich mit guten Freunden getrunken habe und wir uns dann nach dem entsprechendnen Pegel gegeseitig unserer wunderbaren Freundschaft versichert haben. Wie soll man seinen Freunden denn schließlich sagen dass man sie liebt, wenn man dabei nicht betrunken sein kann? (Ironie off). Nun, ich kann das tatsächlich heute alles genießen und auch sagen, komplett ohne Alkohol. Ich meine sogar, dass es heute noch viel besser ist als damals mit Alkohol. Denn jetzt ist es tatsächlich die Realität, es ist tatsächlich echt und nicht etwas, was entweder nur durch Alkohol möglich war oder durch den Alkohol entsprechend weichgespült wurde.

Mein heutiges Haupturlaubsziel ist eine Insel im Mittelmeer, dort leben meine Schwiegereltern. Ein Ort, der geradezu dazu geschaffen ist, dass man dort regelmäßig und reichlich Alkohol trinkt. Ein gigantischer Sonnenuntergang jagt sozusagen den nächsten, ein schickes Lokal nach dem anderen, Strandbars für jedes Niveau und natürlich reichlich alkoholische Getränke, die man landestypisch unbedingt mal getrunken haben muss. Inkl. des heimatlichen Likörs, den jedes gutes Lokal aufs Haus nach dem Essen serviert.

Ich bin dort das erste mal hingekommen, nachdem ich meine jetzige Frau kennengelernt hatte. Seit wir zusammen sind trinke ich nicht mehr, ich bin also sozusagen als nicht mehr trinkender Alkoholiker auf diese Insel gekommen und bin dort wirklich regelmäßig. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass ich dort wieder zum Trinken beginnen könnte, dass mich diese Umgebung, diese Atmosphäre zum Trinken animieren könnte. Denn der Alkohol hat bei mir generell seinen Sinn verloren, egal ob nun hier oder im Urlaub bei entsprechender Stimmung. Weil ich verstanden habe, dass er mir bei Erreichen meiner (Lebens-)Ziele nicht hilft, sondern genau das Gegenteil bewirkt und weil ich mit meinen Leben jetzt rundum zufrieden bin. Ich kann also auch dort alles so "machen", wie andere auch. Wir sitzen mit Freunden zusammen, wir gehen Essen, wir sitzen sinnierend beim Sonnenuntergang, etc. Und ich genieße das von vorne bis hinten. Alkohol brauche ich dazu nicht.

Zitat
Dann esse ich und der Druck noch mehr zu trinken ist weg .
Ich will Dir meine ehrliche Meinung schreiben. Ich denke, so ist es zwar gerade im Moment bei Dir. Und im Moment hast Du diese 14 - tägigen Intervalle. Aber alles was Du schreibst deutet darauf hin, dass Du schlichtweg auf den Weg zurück in die "gewohnte" Sucht bist. Für mich deutet alles darauf hin, denn wie Du ja selbst schreibst, drehen sich Deine Gedanken nur oder zumindest sehr häufig um das Zeug. Auch beim Urlaub, so schreibst Du ja, geht es Dir mittlerweile nur darum, dass Du dort wieder ungehemmt Alkohol trinken kannst. Du würdest wahrscheinlich gerne jeden Tag trinken, Dich jeden Tag wegbeamen anstatt nur alle 14 Tage mal. Noch hält der Damm, noch kann Dein Verstand gegensteuern, noch gewinnst Du die meisten Kämpfe und verlierst nur ab und an mal eine Schlacht. Aber das Fatale ist, dass Dein Gegner statt schwächer im stärker wird und Du mit jedem verlorenen Kampf immer schwächer wirst. Die Lösung kann nur sein, nicht mehr kämpfen zu müssen! Aber eben nicht in der Art und Weise Du aufgibst und Dich dem Alkohol unterwirfst sondern genau anders heraum. Du verlässt das Schlachtfeld und lässt den Alkohol alleine dort stehen.

Ich schreibe das nicht um Dich zu provozieren, das liegt mir absolut fern und steht mir auch absolut nicht zu. Ich will Dir nur schreiben, wie ich Deine Zeilen wahr nehme.

Dein Kopf, Dein Verstand, der sagt Dir ja zwar ganz klar: ICH WILL DAS EIGENTLICH NICHT (darum bist Du ja auch hier im Forum) - Du tust es aber trotzdem und es wir immer mehr, ein Einschläge immer häufiger.

Nun denkst Du Dir vielleicht "der macht es sich einfach, schreibt mir hier einfach eine Zusammenfassung dessen was ich geschrieben habe und das hilft mir gar nix". Das könnte ich auch gut verstehen, wenn Du Dir das denken würdest.

Deshalb will ich Dir sagen, was ich glaube was vielleicht ein Weg sein könnte. Nämlich diesen Kosum SOFORT zu beenden. Dir sofort Hilfe suchst, keine Ausreden etc. vorschiebst warum und weshalb Du jetzt gerade nicht kannst, denn am Ende bist Du es, der alles verliert (und die, die Dich lieben). Welche Hilfe die passende für Dich ist, das kann ich Dir absolut nicht sagen, das musst Du selbst heraus finden. Aber vielleicht hilft es schon mal mit dem Arzt oder der Ärztin Deines Vertrauens darüber zu sprechen. Vielleicht wäre eine reale SHG (könnte jetzt langsam wieder funktionieren) eine Option, vielleicht wäre ein Psychologe der richtige Ansprechpartner, vielleicht wäre eine klassische Therapie der richtige Weg. Oder irgendwas abgefahrenes, wie das bei mir mit meinem Mönch der Fall war. Ich weiß es nicht. Ich bin aber relativ sicher, dass Du auf Dauer nicht weiter kommen wirst, wenn Du nicht grundsätzlich etwas veränderst in Deinem Leben. Das ja scheinbar ein gutes und erfolgreiches ist, inkl. einer Partnerin die Dich aufrichtig liebt. Das wäre für jemand anderen vielleicht genau das , was er sich wünschen würde und beri ihm zu größter Zufriedenheit oder gar Glück führen würde. . Bei Dir scheint aber genau das nicht das zu sein, was Dich, wie Du ja selbst geschrieben hast, letztlich glücklich und wohl auch nicht zufrieden macht.

Jeder muss seinen eigenen Weg finden, davon bin ich mittlerweile überzeugt. Ich habe aber auch gelernt, dass es gar nicht so einfach ist diesen Weg zu finden und dass man dafür manchmal entweder mehrere Anläufe braucht oder einfach auch mal sehr "kreativ" sein muss. Leider finden die meisten ihren Weg auch gar nicht und die Sucht lässt sie bis zu ihrem Lebensende nicht los. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Deinen Weg finden kannst und ich hoffe, dass Dir meine teilweise pathetischen Ausführungen nicht auf die Nerven gingen. Falls doch, einfach ignorieren.

Alles Gute für Dich!

LG
gerchla
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Hermann

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Re: Rückfall
« Antwort #37 am: 27. Mai 2021, 18:38:32 »

Hallo Gerchla
Donnerwetter !! Das ist super interessant was Du geschrieben hast. Ich habe jetzt nach langer Zeit wieder Kontakt zu den Guttemplern aufgenommen.
Ich werde von meinem weiteren Werdegang berichten.
Besten Dank
Gerchla
MFG
Hermann
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Gerchla

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Re: Rückfall
« Antwort #38 am: 28. Mai 2021, 11:14:05 »

Hallo Hermann,

freut mich, dass es Dir nicht zu pathetisch rüber kam. Solche Gedanken sind auch nicht ganz einfach "zu Papier" zu bringen. Man kommt schnell überheblich oder besserwisserisch rüber. Und das Gefühl will ich wirklich nicht vermitteln. Ich bin mir auch darüber im Klaren, dass der Weg heraus bei jedem anders funktioniert und es eben keinen Masterplan gibt, den man einfach mal schnell kopieren kann und schon klappt's mit dem Leben ohne Alkohol.

Ich finde das echt gut, dass Du jetzt Kontakt zu Deiner alten SHG aufgenommen hast. Ich denke mir einfach, es ist ganz wichtig für Dich, aktiv zu werden. Etwas zu tun um vielleicht auch wirklich den Grund dafür zu finden, weshalb Du doch immer wieder zum Alkohol greifst. Und da helfen Gespräche oft weiter, die Erfahrung habe ich jedenfalls gemacht. Ob das dann für Dich "reicht" oder ob Du noch anderes "brauchst", das kannst dann nur Du selbst einschätzen.

Ich möchte Dir noch einen Gedanken da lassen, der mir heute früh beim Laufen gekommen ist. Mir scheint, es beschäftigt Dich doch irgendwie, dass Du aus dem "Kleinbürgertum" stammst und mir scheint, es ist Dir wichtig, dass Du es "geschafft" hast. Dass Du es allen gezeigt hast und jetzt sogar auf ein stattliches Unternehmen blicken kannst, welches Du aufgebaut hast. Vielleicht schaust Du da mal ein bisschen genau hin. Vielleicht liegt da irgendwas bei Dir vergraben, das Dich auch dazu bringt über Deine Grenzen hinaus zu gehen oder Deine Grenzen zu ignorieren. Um das dann durch Alkohol zu kompensieren. Es ist nicht ganz leicht hier zu formulieren, was ich Dir sagen möchte. Man könnte provozierend sagen: lieber ein zufriedener (oder glücklicher) Kleinbürger als ein unglücklicher (dem Alkohol verfallener) erfolgreicher Unternehmer. Letztere kenne ich einige, das kann ich ohne Übertreibung sagen. Auf der Insel, von welcher ich bei meinem vorherigen Post sprach, sind einige in der Nachbarschaft meiner Schwiegereltern zu finden. Da sind so richtig Reiche Unternehmer dabei, welche wir auch kennen, soweit sich eben auf einer gutnachbarschaftlichen Ebene kennt. Bei nicht wenigen, so jedenfalls mein Eindruck, spielt der Alkohol eine große Rolle und nicht wenige machen bei aller glänzenden Fassade den Eindruck auf mich, dass sie nicht glücklich mit ihrem Leben sind.

Spätestens dort habe ich gelernt, dass Geld und Erfolg (allein) nicht glücklich macht und das es viel schwieriger ist als reicher und erfolgreicher Mensch glücklich zu werden, als jemand, der ein "normales" oder bescheidenes Leben führt. Und ja, gar kein Geld zu haben oder wirklich richtig in Armut zu leben ist natürlich auch sch...e. Ich will nicht so tun, als wäre Geld oder Erfolg nur ein überflüssiges Teufelszeug. Aber es kommt wohl schon darauf an, welchen Stellenwert das im eigenen Leben einnimmt.

Ich will einfach nur sagen, dass es nicht darauf ankommt, aus welchen "Verhältnissen" man kommt oder ob man im Leben irgendwas herausragendes (im Sinne von Erfolg) geleistet hat. Das ist m.E. nicht das, was dann automatisch zu einem zufriedenen Leben führt. Viel wichtiger ist, dass man weiß wer man sein möchte und wie man sein möchte. Und sich selbst so wie man ist liebt, egal ob man ein erfolgreicher Unternehmer ist (Erfolg schließt nicht aus das man mit sich und seinem Leben zufrieden ist, das will ich damit sagen) oder ob man ein Leben in einfachen Verhältnissen führt. Es geht meiner Meinung nach immer darum, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Was nicht bedeutet, dass man keine Ziele haben darf.

In dem Moment aber, wo man sich minderwertig fühlt, weil man glaubt man ist nicht gut so wie man ist, kann es schwierig werden.

Naja, ich will jetzt keine langen Reden schwingen. Ich dachte mir heute früh nur, vielleicht ist bei Dir da irgendwas in der Kindheit/Erziehung passiert was Dir noch heute großen Druck, den Du vielleicht gar nicht als solchen wahr nimmst, bereitet. Und dadurch letztlich mit verantwortlich für Deine aktuelle Situation ist.

Ich schreibe Dir das, weil ich bei meiner aufarbeitung genau auf solche Dinge gestossen. Mir fiel es irgendwann wie Schuppen von den Augen und ich erkannte, dass einige Muster, die ich durch meine Erziehung und Kindheit sozusagen implementiert bekommen habe, einen nicht unerhebnlichen Anteil daran hatten, dass ich so tief in die Sucht gerutscht bin. Das war keine offensichtlichen Dinge und das war auch nicht auf eine schlechte Kindheit oder Jugend zurück zu führen. Einfach nur z. B. die Tatsache, dass es in meinem Elternhaus nie Probleme gab. Und wenn doch, dann waren sie troztdem nicht da. Ich habe nie gelernt, Probleme als solche zu akzeptieren und sie aktiv anzugehen. Ich lernte sie zu ignorieren und auszusitzen.

Nur so ein Beispiel.

Also bleib' dran und ich freue mich, wenn Du uns ab und an Deinem Weg teilhaben lässt.

LG
Gerchla
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Hermann

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Re: Rückfall
« Antwort #39 am: 28. Mai 2021, 15:25:45 »

Hallo Gerchla
Ich will hier auch nicht zu sehr "aufs Mehl" hauen . Unser Betrieb ist mittelständig mit 10 festen Mittarbeitern und diversen Aushilfen auf 450 Euro.
Eigentlich habe ich in meiner Kindheit alles gehabt was man braucht. aber es herrschte auch ein eisernes Regiment von meinen Eltern. Diese haben mich zwar nicht zu meinem Werdegang gezwungen , aber manchmal habe ich das Gefühl , das ich es meinem Umfeld und meinen Eltern zeigen wollte wo der " Hammer" hängt. Dann ist da noch meine ewig nörgelde Spießerschwester , welche mir über 30 Jahre das Leben oft schwer gemacht hat . Dann ist mein Betrieb doch sehr in einem " unsicheren Umfeld" angesiedelt . Es ist ein ständiges "Auf und Ab" . Es hat sehr schwierige Jahre gegeben. Mittlerweile steht die Firma aber einigermaßen solide da . Der große Fremdkapitalanteil sorgt natürlich auch für Zukunftsangst . Naja die ersten Jahre ohne Alkohol waren auch ganz gut mit Höhen und Tiefen .
doch irgendwann meldete sich dieser Schweinehund Alkohol und schlich sich langsam aber sicher wieder in mein Leben zurück. Das doofe ist dann  , das ich mich tagelang nach einem Trinkgelage total besch... fühle. Das dauert dann meist eine Woche bis ich einigermaßen wieder auf " Vordermann" bin und dann meldet sich Teufelchen wieder im Kopf "" Maaaaaaan Junge trink was und Du wist wieder gut drauf"" Ich weiß  , ich sollte nur die Arschbacken zusammen kneifen und nie wieder Alkohol anfassen aber da ist dieser Reitz es wieder zu tun. Kurz vor so etwas geht das im Kopf zu wie auf einem Jahrmarkt . Merkwürdig ist auch , das ich nie tagsüber Alkohol getrunken habe ( will mich nicht belobigen) sondern immer gegen Abend . Wenn ich denn länger gearbeitet habe war es kein Problem darauf zu verzichten.
Aber in der Freizeit und Urlaub gibt es dann kaum ein Halten mehr.
Tja alles schon schwierig --komisch-- und dabei wäre es am Besten für mich keinen Alkohol mehr anzufassen aber aber aber.......................

Liebe Grüsse
Hermann
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Gerchla

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Re: Rückfall
« Antwort #40 am: 28. Mai 2021, 16:14:34 »

Hallo Hermann,

bin gerade bisl in Zeitdruck, will aber dazu kurz was schreiben:

Zitat
Eigentlich habe ich in meiner Kindheit alles gehabt was man braucht
Da steht dieses "eigentlich". Vielleicht hast Du es, wie ich es auch oft mache, ohne weitere Hintergedanken an den Anfang Deiner Aussage gesetzt, vielleicht aber ist dieses "Eigentlich" mehr als es scheint. Du hast alles gehabt, sprichst aber von einem eiseren Regiment Deiner Eltern..... Da denke ich: was meint er mit alles gehabt? Ein Dach übern Kopf und materiell gut versorgt oder meint er, dass er sich immer angenommen und geliebt gefühlt hat von seinen Eltern? Oder beides? Diese Frage kannst nur Du selbst Dir beantworten.

Es könnte sein, dass darin ein Schlüssel für Dich verborgen liegt. Aber natürlich kann ich komplett falsch liegen, ich schreib' Dir nur was ich denke. Vielleicht ist auch einfach nicht angemessen Dir sowas hier offen in diesem Forum zu schreiben. Sag mir bitte offen, wenn Dich das stört oder ggf. kannst Du auch via PN mit mir in Kontakt treten.

Was Du dann sozusagen im letzten Absatz so beschreibst ist für mich nichts anderes als die "ganz normale" Sucht. Ich kenne das alles von mir. Es ist schlicht die Sucht, die Dir all diese Gedanken einflüstert und je länger Du nichts getrunken hast (sofern Du nicht dauerhaft abstinent lebst), desto lauter wird die Stimme: jetzt hast Du soooooo lange nix getrunken, siehst du, da kannst du doch gar kein Problem haben. Oder: du hast doch bewiesen das du aufhören kannst, da kannst du doch jetzt was trinken und dann kannst ja auch wieder aufhören. ETC.

Ich hatte ja auch Phasen wo ich Trinkpausen eingelegt habe, welche ich dann irgendwann mal gebrochen habe. Mein längste Trinkpause dauerte fast ein Jahr. Ich kenne dieses Gefühl, wenn man dann doch wieder zur Flasche gegriffen hat sehr gut. All die Gedanken und das "hin und her" der selbigen, die Du in Deinem Text formuliert hast, die kenne ich auch. Auch den Versuch irgendwelche Mechanismen zu erkennen, wann man zur Flasche greift und wann nicht und es sich dann nicht erklären können, warum das so ist. Bei mir gabs lange z. B. auch einen Punkt (zeitlich gesehen), wenn ich den überschritten hatte, dann "brauchte" ich an diesem Tag nicht mehr zu trinken. Das waren Situationen, wo es halt aus irgendwelchen Gründen nicht ging und wenn es dann z. B. abends 22 Uhr war und ich hätte jetzt trinken können, dann war kein Bedürfnis mehr da und ich ging einfach schlafen. Ein Tag ohne Alkohol. Meist holte ich das dann am nächsten Tag nach, und dann sogar mit gutem Gewissen (schließlich hatte ich ja "bewiesen", dass ich verzichten kann).

Ich möchte aber betonen, dass das mit zunehmender Dauer der Sucht alles hinfällig wurde. Irgendwann musste ich trinken, komme was wolle. Selbst bei Krankheit (z. B. fieber) trank ich, weniger zwar aber ich trank. Also ich kenne das alles und ich möchte Dir einfach sagen, dass es aus meiner Sicht wenig Sinn macht, sich damit "aufzuhalten". Das bringt Dich nicht weiter, jedenfalls nicht wenn Du dauerhaft komplett weg von dem Zeug willst. Du solltest handeln, nur Du allein hast es in der Hand. Und bin davon überzeugt, dass es nur funktioniert, wenn Du etwas veränderst. Ich kenne einige Alkoholiker persönlich, habe mittlerweile aber auch von vielen die ich nur temporär traf/las (hier im Forum z. B.) deren Geschichte gehört/gelesen und mir ist niemand in Erinnerung, der den Absprung dauerhaft geschafft hätte ohne sein Leben (wenigstens in einigen Bereichen) elementar zu verändern. Darum auch der Spruch: Nur nicht mehr trinken reicht auf Dauer nicht aus. Und davon bin ich auch wirklich überzeugt. Ich will damit aber nicht sagen, dass man automatisch immer gleich alles über Bord werfen muss und automatisch immer neu anfangen muss. Also alles komplett neu und komplett anders "machen" muss. Es ist höchst individuell, wie diese ganze Sucht eben eine sehr individuelle Angelegenheit ist. Auch wenn sie von außen betrachtet immer ähnlich zu sein scheint. Aber das ist sie nicht, die Wege hinein sind höchst individuell und die Wege heraus ganz genau so.

Bei mir war z. B. so, dass ich mich von meiner Frau getrennt habe (kurze Zeit nachdem ich aufgehört hatte), nicht weil sie mich nicht mehr wollte (im Gegenteil) sondern weil mir bewusst wurde, dass ich es nicht schaffen werde ohne Alkohol zu leben, wenn ich bei ihr bleiben würde (und sie war/ist wirklich kein Monster oder so, sie war Opfer, ich der Täter). Hört sich für Dich jetzt wahrscheinlich reichlich bescheuert an und will das jetzt hier auch nicht in die Tiefe ausführen aber es war so. Mit dieser Trennung veränderte sich mein ganzes Leben radikal. Mein Job z. B., der blieb mir und war mir sogar eine Stütze. Bei anderen ist genau der Job "das Problem", bei wieder anderen ist es einfach das gesamte Umfeld, verstehst Du was ich sagen will. Und bei nochmal anderen ist es gar nix von diesen Dingen sondern "einfach" nur die Tatsache, dass da psychische Belastungen aufgrund von Erlebnissen in der Kindheit nie aufgearbeitet wurden. Oder, oder, oder.... Aber da muss man eben ran und das ist schon eine große, herausfordernde Aufgabe. Das ist das was ich meine mit: nur nichts mehr trinken reicht auf Dauer nicht aus, jedenfalls nicht wenn man bereits süchtig ist.

Ok, jetzt muss ich aber los.

Alles Gute und

LG
gerchla
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Hermann

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Re: Rückfall
« Antwort #41 am: 22. Oktober 2021, 19:30:51 »

Hallo zus.
Tja so schnell vergeht die Zeit. Habe aber auch sehr viel um die Ohren. Jetzt bin ich beruflich mal wieder sehr angespannt. es läuft einfach nicht " rund " in meiner Firma . Vieles geht schief . Nach einem besonders herben beruflichen " Schlag " habe ich gr0ßen Suchtdruck . Vom Saufen hält mich nur ab , das ich bis abends ca 11 Uhr Fahrtüchtig sein muss wenn etwas bei den Mitarbeitern im Außenbereich kaputt geht damit ich helfen kann.
Gibt es irgend etwas gegen diesen verdammten Suchtdruck nach dem Alkoholrausch ? Selter trinken und an was anderes denken usw habe ich alles durch.
Ist blöd ......

MFG
Hermann
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Susanne68

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Re: Rückfall
« Antwort #42 am: 23. Oktober 2021, 19:16:56 »

Hast Du eigentlich schon eins von den Büchern gelesen? Du wolltest doch mehr über Sucht wissen. Ich vermute, Du hast sie noch nicht mal angeguckt.

Ich persönlich glaube, so lange Du mit der Firma verheiratet bleibst und hoffst, das sich Dein Alkoholproblem im Vorübergehen löst, wirst Du eben weiter mit Saufdruck leben. Die Überwindung von Sucht ist normalerweise kein Spaziergang.

Die Firma ist vielleicht wichtig, aber in Bezug auf Sucht hast Du da eben falsche Prioritäten, das denke ich, wenn ich Deine Beiträge bis hier lese.
Da gibts auch keine Patentrezepte, was Du da einschmeissen kannst.

Und ich kann Dir nicht helfen, denn Du hast Dir Dein Leben ja so eingerichtet und ich glaube, daran wirst Du auch nicht so schnell was ändern.
Du schreibst irgendwo, 95 Prozent Deiner Energie für die Firma, dann bleiben noch drei Prozent für Deine Frau und Familie und zwei Prozent für Essen und Schlafen, dann reichts eben nicht mehr zum Aufhören. Alle paar Monate jammern und dazwischen weitermachen wie bisher ist ein bisschen zu wenig, um damit fertig zu werden.

Irgendwas an Deinem Leben wirst Du wohl ändern müssen oder Du trinkst bei Saufdruck einfach weiter. So sieht das für mich aus, so wie Du das hier darstellst.
Ausserdem, was in Deinem Leben ja völlig fehlt, ist ein Ansatz, wofür Du überhaupt aufhören willst. Denn ausser Arbeit ist bei Dir ja nichts vorhanden, und Du hast Dich selbst in eine Situation gebracht, die sich für mich von aussen nicht viel besser wie Knast anhört. Und die Arbeit scheint ja auch nicht das Gelbe vom Ei zu sein, denn Du schreibst jedesmal über Schwierigkeiten. Wie wirst Du später mal auf Dein Leben zurückgucken, ausser Spesen und Saufen nix gewesen?

Und wenn man muss, geht vieles. Ich kenn Leute, die dachten bis zum zweiten Herzinfarkt, ohne sie gehts nicht. Und dann verrecken sie eben oder sie merken doch, dass es auch anders geht. Keiner ist unersetzlich. Und die, die dann was ändern, merken auch, dass es doch noch was Anderes im Leben gibt.

Gruß Susanne


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Orangina13

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Re: Rückfall
« Antwort #43 am: 24. Oktober 2021, 08:30:42 »

Hallo Hermann

Ich habe deine ganzen Beiträge noch mal gelesen.
Es ist für mich die Frage aufgekommen, wie du es damals schafftest, so lange (10 Jahre?) alkoholfrei zu leben.
Hattest du etwas bestimmtes getan ,dass du es so lange ohne schafftest?
Schleichend und nach und nach bist du wieder dem Alkohol verfallen.
Mir stellt sich eine weitere Frage :
Willst du wieder zurück zu diesen komplett alkoholfreien Jahren ?
Wenn ja ,was bist du bereit zu tun ?
Ich erkenne in deinen Zeilen noch nicht das eindeutige Ja,sondern eher eine Verzweiflung und die Hoffnung, dass es irgendwann besser werden wird und von alleine irgendwie wird...
Aber ich denke du wirst einiges selbst tun müssen ,damit es wieder dauerhaft klappt.
Orangina
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Sara

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Re: Rückfall
« Antwort #44 am: 26. Oktober 2021, 22:20:44 »

Hallo Hermann!

Ich hatte früher auch Probleme mit Suchtdruck. Ich habe gute Erfahrungen mit einem Anti-Craving Medikament gemacht. In Österreich ist es mit dem Handelsnamen Dependex erhältlich. Der Wirkstoff ist Naltrexon.

Ich nahm das Medikament längere Zeit. Die erste Woche hatte ich mit Übelkeit als Nebenwirkung zu kämpfen, doch danach hatte ich keine Nebenwirkung. Das Medikament bewirkte nach ein paar Wochen Einnahmezeit, dass ich nicht mehr so trinken konnte, wie ich wollte. Ich hatte schnell genug und mir wurde relativ schnell übel. Außerdem wirkte der Alkohol nicht so wie gewohnt. Das Trinken wurde unattraktiv (was meistens dazu führte, dass ich die Tabletten absetzte - denn eigentlich wollte ich trinken).

Vielleicht wäre das ja einen Versuch wert bei dir.

Liebe Grüße
Sara
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