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Autor Thema: Ich bin neu  (Gelesen 15799 mal)

Gerchla

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Re: Ich bin neu
« Antwort #30 am: 13. November 2020, 12:28:47 »

Hallo Orangina,

Zitat
Momentan fällt es mir sehr leicht, abstinent zu sein. In .einem Kopf ist wie ein Schalter umgelegt.
So war das bei mir damals auch. Irgend etwas war passiert, das es anders sein ließ als die vielen Versuche vorher. Ich Nachhinein könnte man sagen: die Zeit war reif oder ich hatte das erreicht, was man den persönlichen Tiefpunkt nennt.

Aber trotzdem fällt es vielen am Anfang sehr schwer in die Abstinenz hinein zu finden. Eben auch vielen von jenen, die es dann auch dauerhaft schaffen. Mir war das damals, daran erinnere ich mich noch, auch ein wenig suspekt. Ich hatte da mit "mehr" gerechnet. Aber, wie Du so schön schreibst, es war wie ein Schalter, der umgelegt wurde. Und ich war mir plötzlich ganz sicher, dass ich nie wieder trinken will. Auch auf ganz lange Zeit gesehen hatte ich keine Hintergedanken in Richtung "vielleicht ja irgendwann in ein paar Jahren mal wieder". Nichts in diese Richtung, ich wollte das Zeug für immer aus meinem Leben verbannen.

Und war bereit alles dafür zu tun. Es hat mich dann eher "erstaunt", dass ich nicht alles dafür tun musste. In meinem Kopft war irgendwie der Gedanke, dass es ohne einen längeren Therapieaufenthalt wohl nicht funktionieren kann. Als ich dann bemerkte, dass all meine "ambulanten", teilweise selbsterarbeiteten Hilfsangebote sehr gut funktionierten, wurde ich fast ein wenig misstrauisch. Aber wenn ich heute darüber nachdenke, dann habe ich einfach verdammt viel getan, obwohl ich dachte ich hätte es leicht. Und das musste ich mir auch erst mal klar machen oder besser, es musste mir klar werden, damit ich nicht den Fehler mache und sage: bei mir war das dann alles gar kein Problem.

Im Grunde habe ich mein komplettes Leben umgekrämpelt. Meine Familie verlassen, neu angefangen, mir psychologische Hilfe gesucht, mir anderweitige Hilfe gesucht und nicht zu vergessen auch die Zeit in der SHG. Ein ganzer Freundeskreis war plötzlich weg, ein neuer wuchs langsam wieder an. Nein, es war schon mehr als einfach einen Schalter umzulegen und alles ist wieder gut. Und es war auch gar nicht einfach und ich musste so viele wichtige Entscheidungen gehäuft treffen, wie in meinem gesamten Leben vorher nicht. Das Einzige was ich eben nicht hatte, waren ein paar Wochen oder Monate in einer Therapieklinik. Und es war wohl in meinem Kopf, dass ein Alkoholiker nur über diesen Weg zuverlässig trocken werden kann... Wie so vieles in meinem Kopf war von dem ich heute weiß, dass ich völlig falsch gedacht habe.

Zitat
Wenn ich ins Bett gehe,stelle ich fest,dass ich gar keine Gedanken an Alkohol hatte. Das ist super. Ich weiß, ich muss wachsam bleiben.
Ich finde es ganz toll, dass Du keine Gedanken an Alkohol hast und ich gönne Dir das von Herzen. Wenn ich Dir etwas aus meiner Erfahrung dazu sagen dürfte, dann wäre es das, dass Du diese gute, diese positive Zeit für Dich nutzen kannst, wenn Du willst. Nutze sie, um Dich mit Dir und Deinem Leben außeinander zu setzen. Tue mehr, als nur nicht mehr zu trinken, auch dann oder gerade weil Dir das im Moment so leicht fällt. Überlege Dir, wo Du langfristig hin möchtest, welche Ziele Du für Dein Leben hast. Was Du mit dieser neu gewonnenen Freiheit jetzt anfangen willst, was Du daraus machen möchtest. Welche Lehren Du daraus für Dein neues Leben ziehen kannst oder willst.

Und wenn Du der Typ dazu bist, dann schaue vielleicht auch mal darauf, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Analysiere mal, warum Du zur Alkoholikerin wurdest, wieso Du soweit gekommen bist. Was die Gründe dafür waren. Und ob Du diese bereits beseitigt hast oder ob sie noch präsent sind, nur deaktiviert sozusagen.  Einfach nur um für die Zukunft gerüstet zu sein und eine Gegenstrategie zu haben, falls der Druck doch mal wieder steigen sollte. 

Ich weiß mittlerweile, dass diese Analyse oder das Aufarbeiten nicht für jeden der passende Weg ist. Aber denk doch einfach mal darüber nach.

Ich finde es ganz wichtig, dass Du geschrieben hast "ich muss wachsam bleiben". Du bist Dir der Heimtücke dieser Krankheit bewusst und das ist sehr gut. Aber in dem Moment wo Du beginnst Dein Leben so zu gestalten, dass Du selbst damit zufrieden bist oder es gar als glücklich bezeichnen kannst, entziehst Du dieser Sucht nach und nach ihre Daseinsberechtigung. Ein rundum zufriedenes Leben zu erreichen geht nicht per Schalter umlegen, das ist ein Prozess der normalerweise dauert. Bei manchen länger, bei anderen gehts schneller. Da spielen eben auch die individuellen Lebensumstände eine große Rolle, Umstände, die man auch wenn man will, nicht sofort ändern kann oder wo es einfach Zeit braucht sie zu ändern. Aber auch der Weg dorthin kann sehr erfüllend sein (meine Erfahrung) und dem Alkohol   bereits die Lizenz entziehen.

Das wollte ich Dir einfach mal schreiben.

LG
gerchla
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Orangina

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Re: Ich bin neu
« Antwort #31 am: 13. November 2020, 14:20:16 »

Hallo Gerchla
Vielen Dank für die guten Gedanken und deine Sicht aus deiner Erfahrung.  Mir ist sehr bewusst , dass es weit mehr ist ,als das Schalter umlegen. Ich hatte ja angedeutet,dass ich mir mein Leben ziemlich vermasselt hab in den letzten Jahren und dass ich Schwierigkeiten hatte,mein Leben in die Hand zu nehmen und es zu steuern. Alles,was nur wichtig war, konnte ich nicht vertreten,ich hab Dinge getan,die ich nicht wollte. Das beziehe ich nicht auf den Konsum von Wein,sondern ich beziehe das auf mein Gefühlsleben und auf meine privaten Beziehungen.  Ich merke ,dass ich schon lang das Gefühl habe,etwas anders zu machen,meine Bedürfnisse zu verbalisieren, für mich einzustehen und zu schauen,was ICH will...wohin ich in meinem Leben will...ich bin 48 J alt und befinde mich auch innerlich an einem Wendepunkt...unzufrieden mit meiner Arbeit,oft das Gefühl der Überforderung, alte und kranke Eltern, eine Ttennung hinter mir ,die ich verursacht hab ,obwohl ich dies nicht wollte,während ich eine neue Beziehung hab,die ich in Frage stelle. Es sind so viele Bereiche,die ich angehen MUSS und WILL. Der Rotwein am Abend färbte sehr vieles weicher und weniger dramatisch und nahm mir die Angst.  Aber das war natürlich nur von kurzer Dauer. Irgendwie scheint alles miteinander zusammen zu hängen.  Noch hab ich nicht den Mut ,die Beziehung zu dem Mann zu beenden, weil ich ihm nicht weh tun will ,aber auch weil das eine ganz besondere Geschichte ist..und ich mich in meinem Leben oft immer zwischen den Stühlen sehe,da ich keine eindeutigen Signale spüre,die mir sagen: hop oder top.
Ich kann das sehr schwer beschreiben, zudem kann ich nicht mehr ins Detail gehen,aus Angst,man kann mich hier erkennen,wer ich bin.
Verstehst du das?
Aus deinen Zeilen lese ich sehr viel heraus,was uch gut verstehe und nachvollziehen kann.
Und ich kann auch verstehen, dass du dich damals nicht nur vom Alkohol sondern auch von deiner Frau getrennt hast.
LG
Orangina
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Gerchla

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Re: Ich bin neu
« Antwort #32 am: 13. November 2020, 15:34:31 »

Liebe Orangina,

Zitat
Verstehst du das?
Natürlich verstehe ich das. Mehr noch, ich fühle sozusagen mit Dir. Ich kenne all die Gefühle, all das was Du beschreibst. Ich könnte jetzt fast jeden Deiner Sätze hier zitieren und Dir dann sagen, dass ich ähnliches erlebt, gedacht, gemacht.... etc. habe. Und auch das was Du mit "jemanden nicht weh tun wollen" schreibst, genau das kenne ich auch von mir.

Nur ist es eben leider so: Rücksicht auf andere nehmen, andere nicht verletzen wollen, alles wichtig und ehrbare Ziele. Aber, entscheidend ist trotzdem, dass man sich dafür selbst nicht aufgibt. Entscheidend ist, dass man erst mal mit sich selbst klar kommt, mit sich selbst im Reinen ist, wie ich ja so oft schreibe auch wenn es wohl schon abgetroschen klingt. Ansonsten passiert nämlich Folgendes: Du gibst und gibst und gibst aber eines fehlt bei der ganzen Geschichte, nämlich der Punkt wo Du auch bekommst. Wo Du Deinen Akku aufladen kannst damit Du wieder in die Lage versetzt wirst erneut zu geben. Wenn das nicht passt, dann findet eine Tiefenentladung Deines Akkus statt. Was am Ende dann zu einen Zusammenbruch führt. Verstehst Du was ich sagen will?

Und weil ich schon beim Akku bin. Als Kind habe ich leere Batterien immer auf die Heizung gelegt und wenn sie dann warm waren, dann haben die immer noch mal ein paar Minuten funktioniert um dann aber wieder komplett leer zu sein. Und irgendwann funktioniert dann das aber auch nicht mehr. Der Alkohol, den Du getrunken hast, das war die Heizung. Er hat Dir ein paar Stunden das Gefühl gegeben, Du hättest genug Kraft oder kannst wieder aufladen. Auf Dauer sorgt er jedoch dafür, dass  Du immer mehr Energie verlierst und irgendwann komplett leer bist.

Du nennst ja mehrere "Baustellen" in Deinem aktuellen Leben. Da ist die Arbeit, da sind die Eltern und da ist der Partner. Und vielleicht sind dann da auch noch ein paar andere, vermeintlich kleinere Problemchen, die auch noch darauf warten gelöst zu werden.

Du hast bereits einen ganz wichtigen ersten Schritt getan: Du trinkst nicht mehr. Das ist die BASIS für alles was noch folgt. Das musst Du Dir immer vor Augen führen. Nimm Dir ruhig die Zeit die Du brauchst aber trinke auf keinen Fall mehr. Alles wird sich langsam verändern, besonders Deine Denkweise und das Wahrnehmen Deiner Umwelt. Das dauert einen Moment, ist nicht nach ein paar Wochen erledigt.

So und nun möchte ich Dir etwas schreiben, was "mein" Mönch mir damals (sinngemäß) gesagt hat, als ich mit meinen Problemen bei ihm um Rat gefragt habe. Ich sagte zu ihm, dass da so viele Riesenprobleme vor mir wären und ich gar  nicht weiß, wie ich das alles schaffen kann und das ich glaube, dass ich das alles überhaupt nicht schaffen kann. Und er antwortete wie folgt (sinngemäß):

Er sagte: Stell Dir vor Du hast ein Haus. Das Haus ist total kaputt. Das Dach ist undicht und es regnet herein. Das Wasser steht deshalb im Keller und die Böden und Wände sind feucht. Die Fenster sind teilweise kaputt und undicht. Und überhaupt ist alles in einem fürchterlichen Zustand, die Tapetten lösen sich von den Wänden, die Farbe blättert ab und die Möbel sind längst alle verschlissen.

Was tust Du? Nun immer eines nach dem anderen. Erst mal kümmerst Du Dich um das Dach. Das ist dafür verantwortlich, dass alles immer noch schlimmer wird weil bei jedem Regenguss neues Wasser ins Haus strömt. Wenn Du das Dach dicht hast, dann kümmere Dich erst mal um den Keller. Die Feuchtigkeit muss raus, das Fundament muss erst mal wieder trocknen. Dann geht es an die Fenster. Neue Fenster rein oder abdichten. Nun kannst mal nach innen gucken. Tapetten wechseln, Böden austauschen am Ende auch neue Möbel besorgen. Und wenn Du das alles hast, dann achtest Du darauf, dass Du künftig immer sofort reagierst, wenn ein Schaden bei Deinem Haus auftritt. Sollte also mal wieder ein Dachziegel undicht sein oder ein Fenster nicht mehr richtig schließen, dann reparierst Du es sofort und wartest nicht, bis noch mehr dazu kommt. Damit stellst Du sicher, dass Dein Haus nie mehr in einem so erbärmlichen Zustand ist, wie Du es jetzt gerade vorfindest.

Ich glaube Du verstehst was er mir damit sagen wollte, oder? Ich habe das nie vergessen und es zeigt mir, dass ich mich um mich kümmern muss. Ich bin das Haus. Und ich hatte mega viele Probleme. Angehäuft hatte ich sie durch mein Doppelleben und meine Trinkerrei. Die Sucht sorgte einerseits dafür, dass viele dieser Probleme überhaupt erst entstanden und anderseits auch noch dafür, dass ich nicht  in der Lage war, auch nur eines davon zu lösen. Somit war klar: Erst mal muss der Alkohol weg.

Aber, dadurch wurde der Berg an Problemen ja erst mal so richtig sichtbar. Ich nahm ihn plötzlich als das wahr, was er ja auch war: Riesig und bedrohlich. Und auf Dauer nicht einfach ignorierbar.

Und so arbeitete ich eines nach dem anderen ab. Und glaube mir, teiweise taten sich Lösungen auf, die ich im Traum nicht für möglich gehalten hätte. Und so solltest Du es auch machen.BASIS: nicht mehr trinken,  ansonsten kannst Du alles in die Tonne treten. Aber wenn Du nicht mehr trinkst, dann KANNST und WIRST Du Deine Probleme auch lösen können. Ich will damit nicht sagen, dass sie sich von selbst lösen. Du wirst ENTSCHEIDUNGEN treffen müssen. Auch welche, von denen Du vielleicht nicht  weißt ob sie richtig oder falsch sind. Auch welche, die richtig weh tun können. Ich empfinde rückblickend das erste Jahr nach meinen Suchtausstieg als das Jahr, wo ich mehr (Lebens-)entscheidungen getroffen habe als alle Jahre vorher. Eine Entscheidung jagte die nächste (da waren auch viele scheinbar kleine dabei, die sich später als ganz wichtig heraus stellten) und bei einigen wusste ich echt nicht was ich tun sollte. Zum Glück hatte ich meinen Mönch der mir  oft als Berater diente. ABER: Entscheiden musste ich trotzdem selbst.

Ich wiederhole mich: Verharren wird Dir nicht helfen. Auch nüchternes Verharren wird Dir auf Dauer nicht helfen. Denn Dein Ziel kann ja nur sein, ein zufriedenes Leben zu führen. Aber Du bestimmst das Tempo und Du bestimmst, was für Dich das Dach ist und für Dich der Keller ist und die Fenster, etc. Eines nach dem anderen aber eben konsequent.

Alles Gute für Dich!

LG
gerchla

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Orangina

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Re: Ich bin neu
« Antwort #33 am: 13. November 2020, 15:56:43 »

Hallo gerchla
Ja,ich verstehe alles sehr gut ,was du schreibst. Ich verstehe es sehr gut.
Mehr noch :
Ich weiß, wovon du sprichst und ich danke dir ,dass du das formulierst, was ich denke und wahrnehme.
Das klingt vielleicht verrückt,aber es ist so.
Das verharren ist genau das,was ich nicht mehr will.
Ich weiß, was ich zu tun habe und ich weiß auch ,dass ich den Mut dafür aufbringen kann,wenn ich weiterhin nüchtern bleibe.
Mit Alkohol hab ich da keine Chance,außer wieder in alte Bekannte Verdrängungsmuster zu verfallen.
Das Bild mit dem kaputten Haus ist da ganz treffend.
Es gefällt mir und es ist auch sehr ausdrucksstark.
Es ist gut die Dinge schrittweise anzugehen.
Mir scheint,als würde in meinem Leben nichts mehr wirklich zusammenzupassen.
Wie oft fühlte ich mich leer...und durch das Trinken wurde ich noch ein Stückchen weit leerer und depressiver.
Das ist mir ganz klar.
Und ich weiß auch aus eigener Erfahrung nach zweimonatiger Abstinenz,dass ich die Dinge anders,klarer wahrnahm und ich erschrocken bin, welche Scherben des Lebens um mich herum liegen.
Ich vermute, ich hab nicht recht gewusst, was ich damit nun machen soll.
Vermutlich hab ich es so klar gar nicht ertragen ,was wohl auch wieder der Einstieg war zum Trinken.
Im September und Oktober hab ich wieder meine alten Rituale des Rotweins gepflegt mit dem Ergebnis,dass das nicht die Lösung sein kann und dass ich so nicht mehr mag.
Trotzdem in mir drinnen ist immer noch ein Mechanismus, der mir glauben machen will,dass das schon etwas schade ist, ihn nie wieder zu konsumieren.
Ich weiß, dass das mein Suchthirn ist,das mir sowas einreden will...
Und es gibt in der Tat wirklich nichts positives für mich ,was mit Rotwein zusammen hängt außer die Selbsttäuschung und Selbstbetrug.
Mir wurde im Oktober klar,dass wenn ich so weiter nach,dass es nicht gut weiter gehen wird mit mir.

Hattest du damals neben deinem Alkoholleben auch Betrügereien am Laufen,was Beziehungen betrifft?
Wenn ja,wie blickst du darauf zurück?
Wie lange bist du eigentlich schon nüchtern?
Weiß deine aktuelle Beziehung von deiner Vergangenheit?
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Orangina

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Re: Ich bin neu
« Antwort #34 am: 13. November 2020, 15:58:45 »

Ich hoffe,die Fragen sind nicht zu indiskret.
Ansonsten einfach ignorieren!LG
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Gerchla

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Re: Ich bin neu
« Antwort #35 am: 13. November 2020, 16:41:46 »

Liebe Orangina,

ich habe eben versucht die eine PN zu schicken. Du bist noch nicht freigeschalten dafür. Wenn Du hier aktiv bleibst wird das sicher bald passieren. Das was ich Dir schreiben möchte ist sehr umfangreich und ich will das hier öffentlich nicht tun. Ich glaube, das würde auch für mich den Rahmen sprengen. Ich warte jetzt einfach mal ab ob Du irgendwann mal frei geschalten wirst und wenn ja, dann werde ich "nachliefern".

Bleib dran und gibt Dir Zeit. Zeit ohne Alkohol!

LG
gerchla
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Orangina

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Re: Ich bin neu
« Antwort #36 am: 13. November 2020, 17:39:12 »

Hallo gerchla
Ja,gerne.
Wie du magst.
Wer leitet eigentlich dieses Forum,bzw wer schaltet mich dann frei?
Ich habe auf alle Fälle vor,hier zu bleiben und weiterhin Mitglied zu sein.
LG Orangina
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Greenfox

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Re: Ich bin neu
« Antwort #37 am: 14. November 2020, 12:43:39 »


Wer leitet eigentlich dieses Forum,bzw wer schaltet mich dann frei?


Schon passiert  :)

EIGENTLICH könnten das auch die Team-Mitglieder, aber uneigentlich scheine ich ich hier in Personalunion zu fungieren  :-\ ...
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kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
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können wir nur selber tun!

Dagny

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Re: Ich bin neu
« Antwort #38 am: 15. November 2020, 13:51:30 »

Hallo Orangina,

habe Dein Thema gelesen...Und zwar wir alle so unterschiedlich sind, erkennt jeder wahrscheinlich jedes Mal ein bisschen von sich selbst in den den Geschichten der anderen..

Meine Unterstützung Dir von ganzem Herzen auf diesem nicht so einfachen Wege....
Aber es löhnt sich auf jeden Fall.

LG
Dagny
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Orangina

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Re: Ich bin neu
« Antwort #39 am: 15. November 2020, 15:49:14 »

Hallo Dagny
Danke für deine Nachricht und die guten Wünsche.
Für mich ist es momentan sehr hilfreich ,die vielen Beiträge hier zu lesen.
Sie unterstützen mich ,,mich aktiv mit mir und meinem Problem mit dem Alkohol auseinanderzusetzen.
Manchmal erschrecke ich ,wenn ich an meine Vergangenheit denke,wie viel und zu welchen Anlässen ich selbstverständlich zum Wein gegriffen hab uns wie normal ich das empfunden hab.
Dieses kontrollierte Trinken,das ich seit Jahren praktizierte war für mich auch normal.
Dabei hätte mir damals schon auffallen müssen, dass ich abhängig bin.
Und mir wird auch jetzt erst klar dass meine Psychotherapie, die ich vor Jahren hatte im Prinzip für die Katz war.
Ich hätte den Alkohol weglassen müssen, um überhaupt an den Punkt zu kommen,wo ich Hilfe annehmen kann.
Ich habe meinen Mann betrogen und das hab ich mir harmlos getrunken, ...wäre ich damals klar und nüchtern gewesen ,wäre es nie so weit gekommen wie es heute gekommen ist.
Uch bin jetzt zwei Wochen nüchtern und hab wirklich nich kein einziges mal Lust oder Drang nach Wein verspürt, erinnere mich aber ,wie heftig dieser Druck werden kann und ich wie ferngesteuert zum Laden fahre,gezielt den Bordeaux ausm Regal hole und die Flasche zu Hause öffne obwohl meine Stimmen im Kopf sagen : lass es,machs lieber nicht" , aber die Suchtstimmen dann gewinnen...
Ich hoffe ,dass ich nicht solche Momente erleben werde und wenn ja dass ich dann diese Suchtstimmen Kleinkriegen kann und ich anstatt ein Glas Wein ein nicht alkoholisches Getränk zu mir nehme.

Ich habe noch niemanden in meinem Freundes und Bekanntenkreis gesagt dass ich Alkoholikerin bin.

Ist das wichtig?
Reicht es nicht ,wenn ich das für mich alleine weiß?
Diesbezüglich hab ich manchmal noch nicht den richtigen Einblick und bin auch noch nicht ganz klar ,warum Alkoholismus eine psychische Erkrankung ist.
Rein theoretisch ist es nur klar aber so klar krieg ich diesen Bezug zu mir noch nicht auf die Kette.
Ich weiß, dass meine Depression in den letzten Jahren zugenommen hat und ich weiß, dass das an meinem Weinkonsum lag.

Ich wünsche dir auch viel Erfolg weiterhin.
Orangina
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Rekonvaleszent

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Re: Ich bin neu
« Antwort #40 am: 15. November 2020, 16:44:27 »

Ich habe noch niemanden in meinem Freundes und Bekanntenkreis gesagt dass ich Alkoholikerin bin.

Ist das wichtig?
Reicht es nicht ,wenn ich das für mich alleine weiß?

Hi!

Die Frage wird sehr unterschiedlich beantwortet. Es gibt da keine allgemein gültige "Spielregel".

Es gibt Mitstreiter, die gehen damit sehr freizügig um, andere, zu denen ich mich zähle, haben nur den allerengsten Kreis informiert. Und der ist bei mir sehr überschaubar. Es sind nur ganz wenige Leute, denen ich auch von sonstigen lebensgefährlichen Krankeiten berichten würde.

Nur wir alleine entscheiden, wen wir informieren. Das war auch die Einschätzung meines Therapeuten.

Im Vordergrund sollte stehen, was Dich am besten schützt.

Ich bin mit meinem Kurs seit mehr als 5 1/2 Jahren prima unterwegs.

Gruß
Rekonvaleszent
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Orangina

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Re: Ich bin neu
« Antwort #41 am: 15. November 2020, 17:49:25 »

Danke für deine Antwort.
Ich glaube ich bin noch nicht soweit,mich zu outen.
Momentan ist es mir wichtig, es für mich auf die Reihe zu kriegen und mich zu sortieren.
Momentan läuft es wie gesagt gut und ich hoffe,dass es so bleibt.
Mehr als 5 Jahre abstinent, das ist doch wunderbar!
LG Orangina
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Greenfox

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Re: Ich bin neu
« Antwort #42 am: 15. November 2020, 18:55:33 »


Ich habe noch niemanden in meinem Freundes und Bekanntenkreis gesagt dass ich Alkoholikerin bin.

Ist das wichtig?
Reicht es nicht ,wenn ich das für mich alleine weiß?


Ich persönlich halte es schon für wichtig und gehöre zu denen, die mit diesem Thema sehr offen, um nicht zu sagen: aggressiv umgehen.
Ich habe es nicht nur meiner Familie und meinen Freunden gesagt, sondern auch meinen Kollegen.

Aber das ist natürlich Jedem selbst überlassen und auch bei Jedem eine andere Situation (z.Bsp. bezüglich der Kollegen).
Für mich ist es aber reiner Selbstzweck, Selbstschutz: Ich brauche mir keine unterschiedlichen Lügen/Ausreden einfallen lassen, warum ich denn nun auf einmal nicht mehr trinke. Obwohl ich doch sonst immer als Erster eingeladen habe, als Letzter gegangen bin, immer mitgetrunken habe - und das nicht zu knapp. Ich brauche mir keine Ausreden einfallen lassen, warum ich zu manchen Feiern gehe und zu manchen Feiern nicht oder warum ich von Feiern ohne Verabschiedung verschwinde ...

Ich habe es diesem Kreis erklärt.
Und bei Uneingeweihten - nun, ich binde es nicht JEDEM gleich auf die Nase. Aber wenn Jemand mein NEIN zu einem Glas Alkohol mehr als 2x nicht akzeptieren will, dann sage ich ihm, dass ich trockener Alkoholiker bin - und frage ihn, ob er mich nun nochmal unbedingt zu einem Glas überreden will?! Hat bis jetzt Keiner getan ...

Achso, noch was:
Zitat
Reicht es nicht ,wenn ich das für mich alleine weiß?

Du würdest Dich wundern, wieviele Leute bei einem Outing sagen würden "Na endlich - ich/wir habe/n es schon lange gewusst!"

Frag mal die Anderen hier ...
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Rekonvaleszent

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Re: Ich bin neu
« Antwort #43 am: 15. November 2020, 19:59:19 »


Für mich ist es aber reiner Selbstzweck, Selbstschutz: Ich brauche mir keine unterschiedlichen Lügen/Ausreden einfallen lassen, warum ich denn nun auf einmal nicht mehr trinke.

Und bei Uneingeweihten - nun, ich binde es nicht JEDEM gleich auf die Nase. Aber wenn Jemand mein NEIN zu einem Glas Alkohol mehr als 2x nicht akzeptieren will, dann sage ich ihm, dass ich trockener Alkoholiker bin - und frage ihn, ob er mich nun nochmal unbedingt zu einem Glas überreden will?!

Du würdest Dich wundern, wieviele Leute bei einem Outing sagen würden "Na endlich - ich/wir habe/n es schon lange gewusst!"


Wieso Lügen?

Meine Standartantwort: "Ich trinke keinen Alkohol mehr, weil er mir nicht mehr bekommt und ich ihn nicht mehr vertrage." Das entspricht der Wahrheit und ist keine Lüge. Die Antwort hat bislang jeder Fragende, es waren nicht viele, akzeptiert. Da gab es keine weiteren Nachfragen mehr. Wahrscheinlich war meine mit der Antwort verknüpfte soziale Interaktion entsprechend eindeutig.

Arbeitskollegen: Da ich mit denen nie getrunken habe und bei Feiern nur Wasser trank und trinke, stellte sich für mich diese Frage nie.

Und was das Umfeld betrifft, hat es denn ganz konkret den Bogen zur Krankheit Alkoholismus gespannt oder nur mitbekommen, dass man zuviel im Sinne eines riskanten und übermäßigen  Konsums getrunken hat? Das sind schon 2 verschiedene Paar Schuhe für mich.

Aber wohlgemerkt, ein jeder sollte die Strategie finden, die zur jeweiligen Persönlichkeit passt und einen clean hält. Insoweit haben greenfox und ich viel richtig gemacht, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. ;)

Gruß
Rekonvaleszent
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Susanne68

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Re: Ich bin neu
« Antwort #44 am: 15. November 2020, 20:37:12 »

Das stimmt, es schreibt ja nicht nur Gerchla, wie gut er das verbergen konnte, mir hat das ja auch kaum einer aus dem Kollegenkreis geglaubt. Nach mehreren Umzügen wusste doch sowieso keiner, was ich früher schon mal alles getrieben hatte.

In einem Bundesland, in dem Bier als Grundnahrungsmittel gilt, habe ich ja nicht mal in der gemeinsamen Mittagspause mitgetrunken. Da standen überall die Biere rum, ich hatte da in dem Moment nicht mal Appetit drauf. Ich wusste genau - habs ja probiert -  dass ich nach einem Bier sowieso nur mit der Gier zu kämpfen hätte und wenn das vorbei war, hatte ich schlicht keine Lust zum Arbeiten mehr, hätte mich am liebsten irgendwo verdrückt. Ich hab ja eher über die, die bei der Arbeit schon angetrunken waren, mit abgelästert.

Und mir half auch morgens kein Schluck gegen den Kater, so wie Rina das neulich beschrieben hat, sondern da war der Tag auch ganz einfach gelaufen. Ich hab das ja auch probiert. Und ich hatte auch schon Jobs, wo einem die Kollegen den Prosecco zum Frühstück aufgedrängt haben und früher habe ich auch schon vormittags zugelangt. War aber nie so der Bringer für mich. Deswegen habe ich später am liebsten nur dann getrunken, wenn es wirklich auf gar nichts mehr ankam. Sprich auf dem Heimweg und zu Hause, wo ich einfach umfallen konnte.  Die Gelegenheiten habe ich mir natürlich geschaffen. Aber das hat ausser meinem Partner eben auch kaum jemand mitgekriegt.

Gruß Susanne
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