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Autor Thema: Ist es jetzt an der Zeit?  (Gelesen 12080 mal)

Camina1969

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Re: Ist es jetzt an der Zeit?
« Antwort #90 am: 11. Dezember 2020, 22:11:48 »

Hallo AmSee,

ich hatte in letzter Zeit nicht viel Zeit, hier regelmäßig und vor allem konzentriert mitzulesen, und nun lese ich die Beiträge hier in deinem thread der letzten zwei Tage. Da fühle ich mich an mich erinnert (mal wieder) und daran, wie ich mich anfangs (in einem anderen Forum) intensiv ausgetauscht und eingebracht habe. Das war für mich ganz wichtig zur Auseinandersetzung mit mir selbst, und tat dann zunehmend auch dem Selbstwertgefühl wohl, wenn ich den Eindruck hatte (oder sogar zurückgemeldet bekam), dass sich jemand von mir verstanden fühlte oder dass jemand einen Nutzen aus dem zog, was ich so schrieb. Über die Zeit (Monate und dann Jahre) intensivierte sich der Austausch mit einigen, die ich über unser gemeinsames Thema zunächst virtuell kennengelernt hatte, einige lernte ich dann auch persönlich kennen. Und ich merkte, wie wichtig dieser Austausch für mich war, aus ganz verschiedenen Gründen. Manchmal, weil ganz neue Anstöße von jemand anders kamen. Oft einfach, weil es so unglaublich gut tut, Resonanz zu bekommen. So ein Mitschwingen zu spüren. Ich weiß nicht, ob es das ist, oder ob es etwas ähnliches ist, was du mit wertschätzenden Rückmeldungen meinst.
Mir geht es so, dass ich inzwischen nicht mehr diesen „Druck“ spüre, ganz eng und viel im Austausch zu sein. Ich fühle mich dennoch irgendwie verbunden, mit denen, die auf ähnlichen Wegen in ihren eigenen Leben unterwegs sind. Das ist alles ein Prozess. Anfangs meiner Abstinenz, nach einem knappen Jahr oder so, als ich anfing, in dem anderen Forum zu schreiben, antwortete mir eine weise Frau einmal, dass ich mit mir geduldig sein solle, mir Zeit geben dürfe. Daran erinnere ich mich noch gut und immer wieder, und versuche, den Rat immer wieder zu befolgen.

Ich wünsche dir auch, dass du Geduld mit dir hast, und dass du dich von deiner Unsicherheit nicht daran hindern lässt, neue Wege zu gehen. Ich schrieb es dir ja schon mal, ich finde es schön, dass du hier geschrieben hast, und ich freue mich, dass du deinen Start in ein trockenes Leben für dich gefunden hast.

Dir ein schönes Adventswochenende und vielleicht lesen wir uns ja mal wieder.

Viele Grüße
Camina
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gerd48

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Re: Ist es jetzt an der Zeit?
« Antwort #91 am: 12. Dezember 2020, 07:55:45 »

Ja Camina, Geduld ist das richtige Wort. Das fehlt, als Extrembeispiel, denen,
die nach einer Entgiftung sofort zum nächsten Kiosk rennen.
Ohne Geduld ist eine stabile Trockenheit nicht zu erreichen.
Geduld in allen Lebensbereichen ist absolut von Vorteil,
aber in dieser schnelllebigen Zeit kaum noch anzutreffen.
(sehe das in der jüngeren Generation sehr stark, die Kaufrauschmöglichkeiten durch Internet halt).

LG Gerd
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AmSee13

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Re: Ist es jetzt an der Zeit?
« Antwort #92 am: 21. Januar 2021, 16:29:17 »

Hallo Ihr anderen!  ;)
Seit ich mich zum letzten Mal in diesem Faden gemeldet habe, ist ein Weilchen vergangenen. In dieser Zeit hat sich nicht wenig bei mir und in mir verändert. Auf das, was zuletzt hier geschehen ist, möchte ich nur kurz eingehen. Es hat mich ziemlich aufgewühlt und an meine Grenzen gebracht und nach einer Weile und einem Telefonat mit meinem Therapeuten schließlich ein ganz ordentliches Stück weitergebracht.
Ich habe einen Zusammenhang mit mindestens einem äußerst prägenden Erlebnis in meiner Kindheit/ Jugend herstellen können, einer Erfahrung, die zu einer lebenslangen Unsicherheit geführt hat, die ich trotz aller Bemühungen niemals ablegen konnte.
Ich habe immer mal wieder andere Menschen, u.a. auch Kolleginnen und Kollegen um Hilfe gebeten, weil ich in diesem oder jenem unsicher war, ich wollte von ihnen lernen, von ihren Erfahrungen, weil ich hoffte, dass es mich sicherer machen würde.
Nicht selten wurde ich enttäuscht, von meinen Kolleginnen und Kollegen sogar mehr als nur einmal. Diese wollten ihr eigenes Ding machen und wiesen einen Austausch ab mit dem Argument, dass wir doch alle so verschieden seien. Dabei wäre es nicht nur meinetwegen in meinem Beruf sehr sinnvoll gewesen, sich besser auszutauschen.
Sehr oft musste ich Einzelkämpferin sein. Ich tat das, weil mir nichts anderes übrig blieb, denn aus der Verantwortung konnte ich mich auch nie herausziehen. - Auch typisch für EKAs. - Irgendwann konnte ich nicht mehr kämpfen, mein Körper und meine Psyche machten das nicht mehr mit.

All diese Erfahrungen haben mich natürlich geprägt und da es MEIN Problem war, über das wir hier diskutierten, war ich emotional so richtig nah dran. (Aus der Distanz sieht ja immer alles anders aus.)
- Übrigens habe ich hier im Forum in den letzten Wochen tatsächlich eine kleine Veränderung bemerkt. Vielleicht hat das, was ich mir wünschte, doch zu einer kleinen Veränderung geführt. Wer weiß.  ;) -

Als ich jedenfalls begriff, was damals in meiner Kindheit/ Jugend mit mir geschehen war (die Bilder und Gefühle von damals tauchten sowas von klar in mir auf) und wie es mich für mein Leben geprägt hatte, hörte dieses ständig vorhandene Gefühl der Unsicherheit auf. Und es ist bislang nicht wieder aufgetaucht. Ich kann kaum zum Ausdruck bringen, was für ein neues Lebensgefühl das jetzt ist.
Insofern habe ich einmal mehr von diesem Forum profitiert, auch wenn’s ziemlich heftig für mich war.

Auch körperlich geht’s mir zunehmend besser. Ich hätte nicht gedacht, dass sich Abstinenz bei meiner Erkrankung dermaßen positiv auswirken würde. Bis Anfang des Jahres konnte ich maximal nur noch 3 Kilometer weit gehen und war anschließend den Rest des Tages völlig erschöpft. Seit Beginn des Jahres bin ich dazu in der Lage, nahezu täglich mit meinen Hündinnen spazieren zu gehen und dabei zunehmend meinen Aktionsradius zu erweitern. Und gestern habe ich sogar einen neuen Rekord aufgestellt: Ich habe eine Strecke von 8 Kilometern bewältigt! Hammer!!! Anschließend war ich zwar kaputt, aber doch noch so fit, dass ich Essen kochen konnte.
Wenn das keine Bestätigung ist, dass ich auf einem guten Weg bin....  44.

Solch gute Nachricht muss ich als Ermutigung natürlich mit euch teilen.

Viele Grüße
AmSee
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Camina1969

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Re: Ist es jetzt an der Zeit?
« Antwort #93 am: 21. Januar 2021, 20:43:14 »

Liebe AmSee,

wie schön, dass es dir gut geht. Ich freue mich. Und freu mich auch, dass du hier wieder schreibst.

Dass du so schnell so eine grundlegende Veränderung an dir feststellst (bezogen auf die Verunsicherung), finde ich ja erstaunlich, aber natürlich im positiven Sinne, und ich will’s dir auf keinen Fall absprechen, wie käme ich dazu. Manchmal geht es halt plötzlich innerlich auch anders. Bei mir ist, ich gebe es zu, das mit den Veränderungen etwas zäher.

Zitat
Ich kann kaum zum Ausdruck bringen, was für ein neues Lebensgefühl das jetzt für mich ist.
Da freue ich mich einfach mal mit dir.

Viele Grüße
Camina
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Susanne68

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Re: Ist es jetzt an der Zeit?
« Antwort #94 am: 21. Januar 2021, 20:53:34 »

Das kann auch sein, dass da mit dem Input, Deinem ganzen Vorab-Wissen, Deiner Therapie - und Lebenserfahrung und mit Deiner Selbstreflektion jetzt irgendwas zusammenpasst wie Schlüssel und Schloss. Die Möglichkeit gibt es.

Ich denke, das solltest Du zulassen und spüren. Wenns irgendwann vorbeigeht, weisst Du immerhin schon mal, wie es ich anfühlt. Du kannst ja trotzdem aufpassen, wenn Du merkst, dass Du solltest. Das ist ja nur manchmal.
Meine Meinung.
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AmSee13

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Re: Ist es jetzt an der Zeit?
« Antwort #95 am: 22. Januar 2021, 12:35:25 »

Liebe Camina, liebe Susanne,
habt lieben Dank für Eure Rückmeldungen. Ich bin in der Tat selbst überrascht von dieser unerwarteten
Veränderung in mir, aber sehr, sehr dankbar und natürlich lasse ich es gern zu. Susanne bringt es sehr gut auf den Punkt. Ich beschäftige mich ja nun nicht erst seit Kurzem mit meiner Vergangenheit und diesmal scheint tatsächlich irgendetwas zusammengepasst zu haben wie eben Schlüssel und Schloss.
Was ich hier im Forum gelesen habe, hat viele Erinnerungen aufgewühlt und mit ihnen auch Gefühle von damals. Es war nun offenbar auch die richtige Zeit dafür, sich dem stellen und es verarbeiten zu können.
Ich bin meinen Eltern nicht (mehr) böse für das, was mit mir geschehen ist, sie konnten nicht anders, waren in ihre eigene Geschichte verstrickt. Sie tun mir beide sogar leid, denn sie hätten beide Besseres verdient gehabt. Und wenn ich das, was ich erlebt habe, mit dem vergleiche, was andere hier so erlebt haben, begreife ich, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können und was sie trotz ihrer eigenen Geschichte und ihre eigenen Probleme doch noch auch für mich zuwege gebracht haben.

Das derzeitige neue Lebensgefühl betrachte und genieße ich nun von allen Seiten. Keine Ahnung, ob es von Dauer ist, schön wär’s, aber durch die Depression habe ich Hinnehmen gelernt. Nichts bleibt, alles ist vergänglich. Jetzt ist es gerade schön, also genieße ich es. Was morgen ist, wer weiß? Morgen ist morgen.

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britt

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Re: Ist es jetzt an der Zeit?
« Antwort #96 am: 02. März 2021, 11:10:10 »

Moin AmSee,

ich finde es sehr schade, dass du nun „Gast“ bist.
Sicher hast du deine Gründe. Dennoch interessiert es mich, wer oder was dich hier getriggert hat. Es auszusprechen und in Dialog zu treten macht manche Dinge leichter.

Lieben Gruß
Britt
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Camina1969

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Re: Ist es jetzt an der Zeit?
« Antwort #97 am: 02. März 2021, 19:17:21 »

Liebe AmSee,

wie schade!
 
Ich hoffe, du meldest dich mal wieder.
Aber vor allem hoffe ich, dass es dir gut geht.

Herzliche Grüße
Camina

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Susanne68

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Re: Ist es jetzt an der Zeit?
« Antwort #98 am: 02. März 2021, 19:53:43 »

Ja, ich finds auch schade.

Auch wenn ich hier niemanden an der Hand nehme oder besonders nähebedürftig bin, finde ich es absolut schade, wenn hier jemand geht, der lesenswert schreiben kann.

Was mich hier am meisten ärgert, sind zwei Punkte:
Erstens, dass Leute, die es ein bis zwei Beiträge lang äusserst dringend haben, einfach wieder verschwinden, und damit meine ich eben nicht Dich.
Und zweitens, dass ich 8 bis 10 Stunden täglich wegen meiner Arbeit vor dem Bildschirm sitze(n muss) und es nicht lassen kann, hier reinzugucken, obwohl es mich jedesmal ärgert, wie langweilig es hier ist und wie wenig intelligenten Input es hier gibt, aus dem ich auch mal was ziehen könnte.
Und diesen ganzen Politschrott könnte ich von morgens bis abends auf Facebook haben, das ist für mich keine geistige Nahrung.

Mir fehlt hier echt Input, der auch mir was bringt. Und es gehen die Falschen.
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