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Autor Thema: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?  (Gelesen 5905 mal)

Bea

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #30 am: 04. Dezember 2020, 18:24:54 »

Hallo Susanne, hallo Greenfox und ein Hallo an alle Mitleser,
heute finde ich mal wieder Zeit für unseren interessanten Gedankenaustausch.
Es ist nicht immer einfach auf einem Weg, den man gemeinsam gehen möchte, aber man noch nicht weiß, wo man ankommt. Für mich ist unser gemeinsamer Weg vorerst mein Ziel.
Susanne hat es gut beschrieben, wer A sagt muss auch B sagen. Diese Chance finde ich fair.  Ja, ich sehe mich irgendwie in der Pflicht, ich möchte, dass wir unseren Weg finden. Zur Zeit gehen wir ein ganzes Stück nebeneinander her. Haben auch gemeinsam was unternommen, waren bei einer Paarberatung. Dort hat er mir gestanden, dass er wieder Kontakt zu seiner "Freundin zum Reden" aufgenommen hat. Diese Kontakte fanden "heimlich" statt, weil er weiß, dass er mich damit verletzt und ich nicht freundlich reagiere. Mir geht es nicht darum, dass er sich mit einer anderen Frau austauscht, sondern dass er das heimlich tut.
Ich habe ihm mitgeteilt, dass auch eine Paarberatung uns mit seinen "Heimlichkeiten" nicht weiter helfen wird, und ich aus diesem Grund den nächsten Termin nicht wahrnehmen möchte.
Damit habe ich meinen Mann wieder mal zu tiefst verletzt. Er möchte vorerst keinen Kontakt mit mir und Abstand. Damit bin ich einverstanden und es fällt mir auch nicht schwer.
Mir persönlich geht es trotzdem gut.
Da Ergebnis der ersten Paarberatung insgesamt, war sehr aufschlussreich für mich und ich habe  viele gute Denkanstöße mitnehmen können, Einschätzungen erhalten, wo unsere Schwächen und Stärken sind, an denen ich auch Ansätze zum "Arbeiten" an mir sehen würde.
Ich finde es jedoch schade, dass unsere Bemühungen und die gemeinsam verbrachte Zeit bisher noch keine Früchte bringen, weil ich nicht "verzeihen" kann.
Ja - ich habe wieder Schuld, aus der Sicht meines Mannes.
Ich kann aber auch mit dieser "Schuld" leben. Ich möchte immer noch nicht unsere Partnerschaft aufgeben. Vielleicht hat auch das was mit Co-Abhängigkeit zu tun, dass ich ihn noch nicht endgültig "loslassen" möchte. Es ist ein Widerspruch in mir, den ich nicht so richtig einordnen kann.
Mir würde es tatsächlich gut gehen, wenn ich wüsste, dass mein Mann auch ohne mich glücklich und zufrieden sein könnte.
Ich wünsche allen Lesern mit ihren Problemen und Sorgen hier im Forum eine lehrreiche Zeit und Energie, sich nicht unterkriegen zu lassen und vielleicht seinem Leben eine positive Entwicklung zu geben.
Bis zum nächsten Beitrag
Bea
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Daun 2020

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #31 am: 05. Dezember 2020, 07:50:01 »

Hallo Bea
 Ein Gesunder Egoismus ist hier angebracht,auch wenn er erst mal weh tut.
Aber eins glaube mir,das was du mit deinem Mann erlebt hast,vergist du nicht mehr,da kann kommen was will.
Und das er sich mit der anderen Frau austausscht bringt es noch einmal ein Stückchen weiter.
Freundschaft ist eine Sache,Partnerschaft eine andere. nixweiss0
Oder wie sagt ein altes Sprichwort:
Reisende soll man nicht aufhalten.
Was man hier verliert findet man wo anders neu.
Es wäre zwar nur ein schwacher Trost,aber es ist ein Licht am Tunnel.
Lieber ein Schrecken mit Ende,als ein Caos für die ZUkunft.
Ich drück dir jedendfalls die Daumen.
LG
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Tinka

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #32 am: 05. Dezember 2020, 17:57:46 »

Hallo Bea,
ich schreibe dir als Angehörige. Habe immer wieder deine Geschichte gelesen, es ist vieles so gleich.
Nur der Unterschied: Du bist ausgezogen.
Ich denke, das war ein guter Entschluss, so kannst du dich zurückziehen. Das kann ich leider nicht.
Ich habe mich entschieden, hier zu bleiben, während des Entzugs und der Reha. Eigentlich wegen unserem Hund, und auch, weil ich die Beziehung nicht wegwerfen wollte.

Er ist jetzt seit 5 Wochen wieder zu Hause und es ist alles andere als einfach. Es gibt schöne Zeiten und es gibt Zeiten, da wünsche ich mir, ich hätte eine eigene Wohnung. Einfach weg, wenn es mir zu viel wird.

Ich finde die Paartherapie sehr gut, leider ist mein Freund nicht bereit dafür. Er sieht kein Problem.
Ich würde dir gerne eine Lösung geben, aber ich bin selbst teilweise völlig verzweifelt.

Ich lese bei dir interessiert mit und hoffe auf mein eigenes Aha-Erlebnis.
Vielleicht gibt es eine andere Lösung als die Trennung.
Du machst mir Mut, weil du kämpfst.
Aber lass dich nicht runterziehen.

Du hast so viele Meinungen bekommen, die auch mir sehr helfen. Aber im Endeffekt trifft jeder seine eigenen Entscheidungen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es bei dir weitergeht.
LG Tinka
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Bea

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #33 am: 05. Dezember 2020, 21:26:33 »

Hallo Tinka,
danke für deinen Beitrag und Deine Antwort. Ich wollte auch auf Deinen Beitrag antworten, nun schreibe ich dir hier.
Das Leben hat immer wieder mit neue Herausforderungen. Es ist schön, hier so viel mentale Unterstützung zu finden.
Meinen Auszug habe ich mir nicht leicht gemacht. Wir mussten leider ähnliche Erfahrungen machen. Keine körperliche Gewalt, aber psychische Gewalt. Im Mai, war der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr so weiterleben wollte. Hast Du sicher gelesen, ich möchte mich nicht wiederholen.
Ich habe auch gerade so einen Punkt, wo auch ich noch nicht weiß, wie es weiter gehen wird.
Inzwischen bin ich offen für fast alles.
Seit dem Auszug aus unserer gemeinsamen Wohnung geht es mir erheblich besser.
Hier muss ich jedoch sagen, dass ein sehr trauriges Ereignis mir meine Entscheidung leicht gemacht hat.
Ich bin zu meinem Vater in mein Elternhaus gezogen. Meine Mutter ist im vergangenen Jahr gestorben und in dem Haus habe ich eine Wohnung für mich und viel Platz.
Sehr lange wollte ich keine Trennung.
Vor 4 Jahren hatte mein Mann schon mal einen Klinikaufenthalt wegen Selbstmordgedanken, mit Entgiftungstherapie. Damals hat mir diese Situation den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich musste auch in psychische Behandlung in eine Tagesklinik. Ich wollte dort erfahren, wie ich für meinen Mann stark sein kann und lernen, ihn besser zu verstehen.
Die Therapeuten machten mir klar, dass ich meinem Mann nicht helfen kann, wenn er nicht selber will. Ich muss lernen, für mich zu leben, mir mein Leben lebenswert zu gestalten. Damals ging das wirklich noch nicht in meinen Kopf, ich konnte es nicht verinnerlichen und hatte fürchterliche Angst vor dem Alleinsein.
In den letzten 4 Jahren ist so viel passiert, dass ich tatsächlich lernte, egoistisch zu denken. Seit dem geht es mir besser.
Ich wünsche Dir, das Du auch lernst, an dich zu denken.
Wie sind denn die Gegebenheiten in deinem Umfeld, wenn ich fragen darf. Hast Du jemanden, zu dem du "flüchten" kannst, oder müsstest du dir eine kleine Wohnung organisieren.
Ich habe noch nicht alle Deine Beiträge gelesen. Vielleicht hast Du das auch schon erwähnt.
Sicher habt ihr gemeinsam ein Grundstück, an dem viel Arbeit und dein Herz hängt. Das ist dann noch schwerer, loszulassen.
Ich freue mich auch auf einen interessanten Erfahrungsaustausch.
Frag ungeniert, alles was Du wissen möchtest.
Bis bald
Bea

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Tinka

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #34 am: 06. Dezember 2020, 09:40:02 »

Hallo Bea,
ich hab zum Glück den Hund, mit dem ich erstmal gehen kann, wenn es mir zu viel wird.
Ansonsten hab ich meinen Bruder, zu dem ich flüchten kann. Aber wenn es ein endgültiger Schritt wird, muss ich mir eine Wohnung suchen.

Ich habe nicht damit gerechnet, dass alles wird wie vorher, das geht nicht und das habe ich auch hier gelernt, aber dass es schlimmer wird, damit habe ich nicht gerechnet.
Er hat auch noch Depressionen. Und kriegt seinen Alltag nicht geregelt.
Und wenn irgendwas nicht klappt, diese Ausraster. Ich zieh mich dann immer mehr zurück und rede kaum noch.
Im Moment freu ich mich immer drauf, wenn ich wieder arbeiten kann. Das ist ja auch nicht Sinn der Sache.

Ich glaube dir, dass es für dich gut ist mit dem Abstand.
Ich denke, wenn man sich nicht ständig sieht, ist eine Annäherung viel eher möglich.
Mein Freund war oft an den Wochenenden zu Hause (während der Reha) das war gut. Ich hab mich drauf gefreut. Aber es ist halt nicht der Alltag.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es bei dir weitergeht. Ich denke, da kann ich einiges von mitnehmen.
Aus der Phase: Ich muss ihn retten, bin ich ja schon lange raus.
Wir hatten ne wirkliche Chance, aber momentan ist es sehr einseitig. Und ich werde nicht dauerhaft unglücklich sein.
Andererseits denke ich wie du: Man wirft so eine lange Zeit nicht einfach weg.
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