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Autor Thema: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?  (Gelesen 5928 mal)

Bea

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #15 am: 24. November 2020, 21:43:34 »

Hallo Gerchla und ein Hallo an Proky und alle, die sich hier im Forum begegnen.
Ich hatte Probleme beim Antworten auf meine Beiträge und Proky hat mir geholfen, hier wieder aktiv dabei zu sein.
Ja, mir geht es zur Zeit gut. Ich fühle mich wohl in meiner derzeitigen Situation.
Ich habe zu meinem Mann regelmäßigen Kontakt und es gelingt uns, auch über unsere Wünsche und Meinungen zu reden. Das ist für uns ein großer Gewinn.
Mein Mann nimmt einmal in der Woche seinen Termin bei der Suchtberaterin war und ich glaube, dass er bis jetzt noch keinen Alkohol wieder getrunken hat.
Er hat große Probleme mit dem Allein-Sein im Alltag. Das kann ich gut verstehen. Unsere Tochter (38 Jahre und wohnt ca. 150 km von uns entfernt) war in der vergangen Woche einige Tage bei ihm. Unser Sohn geht regelmäßig zu ihm und ich komme ca. 2 bis 3x in der Woche. Wir haben am vorletzten Sonntag in Familie gemeinsame zu Mittag gegessen, ich habe wie vor dem Entzug, für uns alle gekocht. Die Atmosphäre war entspannt und tat allen gut.
Mein Mann möchte regelmäßige gemeinsame Wochenenden mit mir. Da aufgrund vergangener Vorkommnisse (eine andere Frau) meinerseits kein Wunsch und Lust auf Sex vorhanden ist und sich noch nicht wecken lässt, möchte ich nicht mit ihm schlafen, und komme "nur zu Besuch". Das tut ihm weh und er fühlt sich von mir im Stich gelassen. Ich bin ihm seit seiner Therapie gefühlsmäßig wieder ein sehr großes Stück näher gekommen, jedoch brauche ich meinen eigenen Freiraum.
Gerne würde ich Eure Meinung dazu erfahren.
Vielleicht gibt es jemanden hier, der oder dem es ähnlich ergeht.
Vielen Dank für Eurer Lesen und Euere Zeit.
Ich melde mich wieder und bleibe am "Ball"
Bea



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Bea

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #16 am: 24. November 2020, 22:12:20 »

Hallo liebe Leser,
ich habe gerade noch Beiträge von "ich bin neu hier" von Orangina, Gerchla und Susanne68 gelesen.
Ihr redet sehr viel von den Erfahrungen Eurer Vergangenheit.
Mein Mann möchte die Vergangenheit ruhen lassen, nichts mehr davon wissen, dass damals schon vor 4 Jahren unsere Ehe zerbrochen ist, insbesondere die Thematik mit der "anderen Frau". Er wirft mir immer wieder vor, dass ich zu viel in der Vergangenheit wühle. Wir wollen an die Zukunft denken. Das ist auch richtig, aber die Vergangenheit hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind. Ich glaube, das hat mein Mann nicht verinnerlicht.
Mein Mann wünscht sich einen gemeinsamen Neuanfang. Da sind wir dabei, aber ich brauche Zeit, um wieder zu ihm zu finden. Er sagt mir, dass er nicht ewig warten möchte.
Ich weiß jedoch nicht, wie lange ich brauche, wieder Vertrauen aufzubauen. Für mich persönlich befinde ich mich auf einem völlig neuen Weg mit meinem Ehemann, der mir sehr langsam wieder näher kommt. Ich betrachte die Erfahrungen aus unserer Vergangenheit als Lehren für einen Neuanfang.
Bea
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Daun 2020

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #17 am: 25. November 2020, 10:26:40 »

Hallo Bea
Erst mal Willkommen

Mein Mann möchte die Vergangenheit ruhen lassen, nichts mehr davon wissen, dass damals schon vor 4 Jahren unsere Ehe zerbrochen ist, insbesondere die Thematik mit der "anderen Frau". Er wirft mir immer wieder vor, dass ich zu viel in der Vergangenheit wühle. Wir wollen an die Zukunft denken. Das ist auch richtig, aber die Vergangenheit hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind. Ich glaube, das hat mein Mann nicht verinnerlicht.


Und dann gibt er dir auch noch die Schuld für Alles wie du dich jetzt Verhälst???? :P

Ja er war 12 Wochen in Terapie
Aber was hat er dort Gelernt Frage ich mich nixweiss0
Verdrängen ,Vertuschen schönreden das Kann jeder Süchtige,in der Therapie lernst du für die Zukunft.
Und Fehler die in der Vergangenheit passiert sind zu vermeiden.
Aus Meiner Therapie weis ich,das viele gerne nur die Zukunft sehen,aber die Vergangenheit verdrängen.
Die Besten waren die die sich selber eingeredet haben das sie Kein Problem haben,auf Alkohol zu verzichten,und wie Corona Losging waren viele von diesen Besserwissern auch die,die Therapie Abgebrochen haben. 44.
Mit Begründungen die man nicht Nachvollziehen Kann
Ich brauch doch Keinen Alkohol ,ich bin doch schon 4 Wochen hier,hab ich Probleme????
Ja sie Schieben die Probleme weiter vor sich her,um da Weiterzumachen,wo sie Aufgehört haben.

Eigendlich sollte die Therapie dazu da sein in sich zu Horchen,das Rüstzeug zu Lernen für ein Alkoholfreies und zufriedenes Leben in der Gesellschaft zu Führen nach der Therapie.
Vor der Therapie ist nach der Therapie 44.

Aber dein Mann Bedrängt dich,er sollte mal Lernen sein Leben auf die Reihe zu bekommen,und das würde ich ihm mal nett sagen:

Bei Passender Gelegenheit

Hast du in der Therapie nichts Dazugelernt??? :-*

Dann siehst du ja wie er Reagiert,und weißt wie du dich verhalten Kannst.

Vielleicht war das zu Dierekt aber das sit meine Meinung
LG
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Susanne68

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #18 am: 25. November 2020, 10:56:15 »

Nun ja, als ich mit dem Trinken aufgehört habe, fand ich mich ausser dem Alkoholproblem im Grunde ganz in Ordnung.
Und als das dann klappte und es "aussen" auch ziemlich gut aussah, sah ist erst mal überhaupt keinen Grund, da noch viel dran zu ändern.
Mir ging es erst mal absolut blendend. Und davon war ich geblendet....aber es war trotzdem wichtig, das mitzunehmen, zeigte es mir doch gleich auch die schönen Seiten der Trockenheit.

Ich war anfangs auch so, was wollen die denn alle mit Aufarbeitung und weiterer Beschäftigung damit, klappt doch auch so.

Nur weil ich trotz gutem Job und wieder funktionierender Beziehung immer unzufriedener wurde, kam dann irgendwann Eins zum Anderen.

Alles immer im Nachhinein betrachtet, als ich davor stand, wusste ich öfter nicht, wo es langgeht.

Gruß Susanne
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Susanne68

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #19 am: 25. November 2020, 11:25:08 »

Im Übrigen sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich meinen Partner gezwungen habe, wegen seiner Coabhängigkeit und eben wegen dem Rumreiten auf Dingen, die sich nicht mehr ändern liessen, Therapie zu machen. Sonst wäre ich nämlich auch einfach neben raus gegangen. Konnte er sich aussuchen.

Zum Scheitern einer Beziehung, obwohl man eigentlich noch will, gehören immer zwei. Meins war meines, aber seins war eben auch seines.

Und ich war ziemlich damit beschäftigt, bis er Dinge an mir, die ich selbst nicht ändern konnte, akzeptiert hat. Nur weil ich manchmal ein bisschen schlau wirke, kann ich eben auch nicht alles. Und es ist nicht immer Bösartigkeit und Unwilligkeit, wenn ich etwas nicht mache. Manchmal allerdings schon, und das muss man auch zu nehmen wissen.
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Greenfox

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #20 am: 25. November 2020, 11:40:08 »

Hallo, Bea!

Ich möchte Dir nur kurz meinen Eindruck dalassen.

Dein Mann hat m.E. die Therapie nur "für Dich" gemacht, um Dich zu beruhigen/ruhig zu stellen.
Du hast seinen Alkoholkonsum jahrelang toleriert und dann plötzlich die Notbremse gezogen. Das hat ihm natürlich nicht gefallen. Vorher konnte er Dich mit leeren Versprechungen beruhigen, aber diesmal hast Du Ernst gemacht. Also musste er auch einen Schritt weiter gehen.

Um ehrlich zu sein - ich glaube nicht, dass seine Trockenheit von sehr langer Dauer sein wird. Sollte ich mich irren, würde ich mich für ihn freuen. Nur lässt mich das von Dir geschilderte Verhalten (u.a. das Einreden von Schuldgefühlen: "Warum wühlst DU ständig in der Vergangenheit rum?!"; der Aufbau von Druck: "Ich will nicht ewig warten!") daran zweifeln. Es entspricht zu sehr "nassem" Verhalten ...

Mein Rat: Bewahre Dir bis auf Weiteres die Distanz und Deine Eigenständigkeit.
Und wenn wieder Annäherung, dann auf jeden Fall in DEINEM Tempo. Wenn es sein muss, kannst Du ihn auch am ausgestreckten Finger verdursten lassen - es ist allein DEINE Entscheidung!

Gruß
Greenfox

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #21 am: 25. November 2020, 12:21:30 »

Hallo Bea,

ich will Dir meine Gedanken zum Verhalten Deines Mannes schreiben.

Spontan hatte ich ähnliche Gedanken wie Daun. Was hat er in der Therapie überhaupt gelernt? Und, ist er sich eigentlich darüber im Klaren, dass er der Täter ist und nicht das Opfer? Und als ich über diese Täter/Opfer-Sache nachdachte, da überfiel mich geradezu eine Erinnerung. Nämlich an meine ersten Wochen ohne Alkohol und an eine Diskussion mit meiner Frau damals.

Und da war ich wohl sehr in meiner Selbstmittleidsnummer gefangen und erzählte meiner damaligen  Frau (ich war bereits ausgezogen), wie schlecht es mir doch gerade geht und wie sehr ich unter der Situation leide und wie sehr ich unsere Kinder vermisse. Und da sagte sie zu mir: Du bist Täter, nicht Opfer! Das hatte gesessen, so sehr, dass ich mich heute noch daran erinnere. Ich erinnere mich aber auch noch daran, dass das Aufhören mit dem Trinken nicht automatisch und auch nicht gleichzeitig bedeutete, dass auch meine Gedanken "trocken" wurden. Auch nicht meine Gefühle. Erst war es mal "nur" mein Körper. Es dauerte Wochen und Monate, bis nach und nach auch der Rest langsam "austrocknete".

Damit will ich sagen, es dauerte bis sich auch meine Gedanken und Gefühle umstellten. Das begann bei mir erst mal damit, dass ich bewusst versucht habe die Dinge so zu denken, wie sie meiner Meinung nach "gehörten". D. h. ich merkte langsam, dass meine erste Reaktion, meine ersten Gedanken falsch waren, also so, wie sie halt durch meinen jahrelangen Alkoholmissbrauch geprägt waren. Aber sie kamen halt einfach, wie immer. Ich sagte Dinge  wie immer, gab Antworten wie immer. Und ganz langsam begann ich das dann bewusst zu übersteuern. Da dachte ich dann Anfangs "ich sage oder tue jetzt Dinge, die ich eigentlich so gar nicht tun oder sagen würde. Wo ich zwar wusste, dass das jetzt definitiv besser ist, aber es kam noch lange nicht aus eigener Intuition oder Überzeugung heraus. Das dauerte sehr lange bei mir, bis sich meine Gedanken und Gefühle wirklich umgestellt hatten. Da reicht ein Jahr nicht aus, auch wenn es mit zunehmender Dauer immer besser wurde.

Was ich sagen will: Therapie hin, Therapie her - Dein Mann braucht auf jeden Fall Zeit. Zeit ohne Alkohol natürlich. Wenn er wieder zur Flasche greift ist sowieso alles verloren aber ich denke dessen bist Du Dir bewusst. Ich kenne Deinen Mann ja nicht. Es kann  auch sein, dass er sich gar nicht wesentlich verändert oder das er sich nicht so verändert, wie das notwendig wäre für Dich um diese Beziehung weiter zu führen.

Im Grunde ist die Tatsache das er nicht mehr trinkt jetzt erst mal nicht mehr als die Basis dafür, überhaupt wieder an eine Beziehung denken zu können. Also so würde ich das sehen, Du kannst das natürlich ganz anders sehen. Ich schreibe Dir hier nur meine Meinung. Was es aus meiner Sicht also braucht ist Zeit. Eventuell sogar richtig viel Zeit. Wenn ich das alles richtig interpretiere, dann ist in Eurer Beziehung ziemlich viel kaputt gegangen. Allen voran wahrscheinlich das Vertrauen, was für eine funktionierende Beziehung aber m.E. mit das wichtigste ist.

Vertrauen zurück zu gewinnen ist jetzt aber sein Job. D. h. er ist am Zuge, auch wenn ihm das im Moment nicht so recht klar zu sein scheint. Aktuell denkt er scheinbar, er hätte ja bereits so viel getan und Du könntest doch jetzt endlich mal wieder "nett" zu ihm sein. Wo er doch extra zum Trinken aufgehört hat. Er umreißt also (noch) nicht, worum es eigentlich geht. Und was er eigentlich getan hat während seiner Trinkerzeit. Die Tatsache, dass er diese Zeit einfach vergessen möchte macht die ganze Sache nicht einfacher.

Aber auch hier könnte die Zeit eine Rolle spielen. Ich war mir, so glaube ich zumindest, schon relativ früh darüber im Klaren was ich da angerichtet hatte. Und je mehr Zeit ohne Alkohol verging desto klarer wurden mit die eigentlichen Dimensionen meiner Taten. Die Bereitschaft mich aber wirklich intensiv und detailliert mit meiner Vergangenheit zu beschäftigen wuchs erst nach und nach. Denn da waren so viele Dinge dabei, die ich am liebsten ganz tief unten vergraben hätte. Weil sie eben so schlimm waren. Es ist nicht schön, wenn man den Spiegel vorgehalten bekommt oder auch wenn man sich den Spiegel selbst vorhält. Auch hier brauchte es Zeit und irgendwann wurde mir klar, dass es für mich absolut notwendig ist meine Vergangenheit aufzuarbeiten. Irgendwann wollte ich das von mir aus aktiv tun. Aber das dauerte auch einige Zeit.

Alles was ich jetzt so geschrieben habe könntest Du ja jetzt so interepretieren, dass Du bezüglich Deines Mannes Milde walten lassen solltest und erst mal abwartest. Ganz so meine ich das aber auch nicht. Was ich sagen will ist, dass Du jetzt wahrscheinlich noch nicht genau sehen kannst, wohin Eure Reise gehen wird. Und das Du ihm noch Zeit geben darfst, wenn Du das möchtest. Gleichzeitig halte ich es aber für sehr wichtig, dass Du immer DEINEN Standpunkt vertrittst. Ich glaube das ist ganz wichtig, ja sogar entscheidend. Du solltest immer darauf achten, dass es DIR gut geht mit der ganzen Geschichte. Also so gut wie das eben in so einer Situation möglich ist. Sicher kannst und darfst Du ein Stück auf ihn zugehen, weil auch Du das ein oder andere sicher neu lernen musst. Aber Du solltest keinesfalls ihm zu liebe Dinge tun, die Du gar nicht möchtest. Nur weil er denkt, es wäre jetzt gut für ihn. Er muss schon lernen, dass er für das was er getan hat auch die Verantwortung hat und das man die Vergangenheit nicht einfach wegwischen kann. Und natürlich solltest Du ihm das auch mitteilen. Also reden reden reden.... Aber ich denke, das machst Du ja bereits alles schon.

Eines wollte ich Dir noch schreiben: Sicherlich sind Menschen, wenn sie trinken, in ihrer Persönlichkeit und in ihrem Charakter verändert. I. d. R. auch nicht zum Positiven sondern zum Negativen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jemand nach Überwindung der Sucht plötzlich ein guter oder positiver Mensch wird. Denn jeder hat einen Grundcharakter, hat Grundeigenschaften. Nicht mehr trinken bedeutet also nicht automatisch, dass danach eine charakterlich tolle Persönlichkeit entsteht. Mir hat mal jemand gesagt (ich schreibe das jetzt mal so salopp und ungeschützt): Ein Depp bleibt ein Depp, egal ob er nun trocken ist oder säuft.

Das beziehe ich jetzt nicht auf Deinen Mann, denn den kenne ich ja nicht, sondern ich meine das grundsätzlich. Und das bedeutet aus meiner Sicht nichts anderes, als das man einfach sehen muss, was für ein Mensch da jetzt genau nach der Therapie oder nach dem trocken werden "entsteht" und ob dieser Mensch dann einer ist, mit dem man sich ein gemeinsames Leben vorstellen kann. Es ist nicht so selten, dass Beziehung auseinander gehen, nachdem der trinkende Teil trocken wurde. Aber es gibt natürlich auch viele andere, positive Beispiele.

Es geht also, wie schon ein paar mal erwähnt, um Zeit. Und darum, dass er jetzt erst mal sein Leben ohne Alkohol für sich selbst auf die Reihe bekommt. Tut er das nicht, dann ist sowieso alles hinfällig. Du tust also auch sehr gut daran, Dein eigenes, selbstständiges Leben erst mal weiter zu führen. Es ist wichtig, dass Du Dir Deine hart erarbeitete Unabhängigkeit erst mal bewahrst, weil Du überhaupt nicht weißt, wie es mit ihm weiter geht. Ob er wirklich dauerhaft trocken bleiben will und wenn er es will, ob er es tatsächlich auch schafft. Und zu was für einen Menschen er sich dann entwickelt. Das was Du von ihm aktuell schreibst hört sich erst mal nicht so an, als ob die Dimension seiner  Krankheit schon so richtig bei ihm angekommen wäre. Aber wie gesagt, es kann  sein, dass er dazu noch etwas Zeit braucht. Aber das alles ist primär seine Aufgabe, nicht Deine. Das muss ihm klar sein und das darfst Du ihm auch deutlich machen. So wie meine Frau mir das damals auch deutlich gemacht hat. Da gab es einige Ansprachen, die mir den Kopf zurecht gerückt haben. Nie verletztend oder anklagend aber immer bestimmt und deutlich.

Ob er das dann genauso aufnimmt wie ich damals und darüber nachdenkt oder ob er abblockt,  dicht macht, zurück schießt, das weiß ich nicht. Aber darum geht es auch erst mal nicht. Es geht darum, dass Du für Dich konsequent bleibst und Deinen Weg gehst. Und wenn er seinen Weg mit Dir zusammen gehen möchte, dann muss er sich überlegen, in wieweit er sich Dir hier annähern möchte oder eben auch nicht. Viel miteinander Reden (reden, nicht jammern oder fordern) kann hier sicher hilfreich sein.

Alles alles Gute für Dich/Euch!

LG
gerchla
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Bea

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #22 am: 25. November 2020, 23:24:44 »

Hallo an alle, die mir in dieser Zeit des Lernens und "neue Wege finden" beistehen.
Ich bin beeindruckt von Eurem Einsatz, von Eurer Zeit, die Ihr für Hilfesuchende bereitstellt.
Danke Euch Allen!!!
Ja, es ist genau so, wie ihr alle schreibt. Wie ihr erkannt habt, habe ich mich schon sehr intensiv für unsere gemeinsame Zukunft mit viel Energie eingesetzt. 30 Ehejahr lässt man nicht einfach so ziehen. Das tut schon ganz schön weh. Ich kämpfe für uns mit aller Kraft und hoffe, dass ich die Kraft dafür habe.
Ihr gebt mir genau das, was ich suche. Erfahrung von Betroffenen und wirklich Profis auf diesem Gebiet. Das würde ich mir so sehr von meinem Mann wünschen.
Ihr alle schätzt ihn entsprechend meiner subjektiven Beschreibungen vollkommen richtig ein. Ich sehe mich mit Eueren Antworten vollkommen bestätigt und das gibt mir Kraft, so weiter zu machen.
Ich denke so wie noch nie, bezüglich unserer Partnerschaft sehr egoistisch, in meinen Augen.
Mein Egoismus tut mir aber auch richtig gut. Es ist ein vollkommen neues Gefühl für mich, auch wenn sich immer wieder mein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Mann einschaltet. Ich habe mich entschieden, ihm zur Seite zu stehen, aber nicht auf meine Kosten. Ich versuche, auf mich Acht zu geben. Das versteht er leider nicht - vielleicht noch nicht.
Ich weiß wirklich noch nicht, wo unser Weg hingeht. Wir haben beide gemeinsam nichts zu verlieren.
Allein verliert sicher mein Mann mehr als ich.  Das hat er noch nicht begriffen.
Mir hilft es sehr, hier auch meine Gedanken von der Seele zu schreiben. In der Anonymität gebe ich  unglaublich viel von mir preis. Ich hätte nie von mir gedacht, so offen sein zu können. Hier geht das. Ich fühle mich in Eurer "Obhut" ziemlich sicher. Auch sehr direkte Antworten, ganz konsequent, weiß ich sehr zu schätzen. Ich wünsche mir, das auch andere aus meinen Erfahrungen etwas Positives für sich mitnehmen können.
Auch das ist ein Grund, warum ich mich hier an Profis, wie Euch, wende.
Demnächst haben wir einen Termin zu einer Paarberatung.
Ich habe leider nicht  immer Zeit, hier intensiver mitzuwirken.
Ich halte Euch auf dem Laufenden und profitiere sehr von Euren Beiträgen auch zu anderen Themen.
Danke
Bea
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Susanne68

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #23 am: 26. November 2020, 08:45:15 »

Guten Morgen Bea,

Ich denke so wie noch nie, bezüglich unserer Partnerschaft sehr egoistisch, in meinen Augen.
Mein Egoismus tut mir aber auch richtig gut.

ich finde, gegen einen gesunden Egoismus ist überhaupt nichts einzuwenden, denn es hat nicht nur jeder - also auch Du - nur ein Leben, in dem er nach seiner Fassung glücklich werden darf (so weit möglich), der Egoismus ist auch wichtig, um die Verstrickungen, die sich zwischen einem Trinker und seinen Angehörigen entwickelt haben, zu lösen und jedem dié Eigenverantwortung für sein Leben zurückzugeben.
Und da ich diverse Schwierigkeiten selbst kenne und wir auch nicht aufgeben haben, werde ich sicher nicht behaupten, dass das nicht funktionieren kann.

Teil Deines Egoismus' ist aber auch, Deine Ehe zu retten. Seine Ehe musst Du nicht retten (auch nicht dann, wenn Du mit ihm verheiratet bist, denn dann gibt es trotzdem seine Seite und Du könntest die Ehe, die Du führen möchtest, ja theoretisch auch mit einem anderen Partner versuchen), wenn Du Deine nicht retten wolltest, könnte es Dir absolut egal sein, was er macht. Das würde Dich ja dann gar nicht mehr betreffen, wenn Du Dich von ihm gelöst hättest, und evtl. wärt Ihr dann auch Gegner (kommt drauf an wieviel Dreckwäsche ihr waschen wolltet, meine Eltern haben sich nach 31 Jahren scheiden lassen und nie wieder ein Wort miteinander gewechselt, mir aber dann schon gelegentlich erzählt, was sie vom jeweils anderen hielten. Da gibts immer zwei Seiten der Geschichte, und ich habe die Verantwortung für die letztlich gescheiterte Ehe (wir streiten uns nur wegen Dir) auch nicht übernommen, auch wenn sie es versucht hatten. Ich hab einfach keine Partei ergiffen und das bei ihnen gelassen - als ich es dann mal geblickt habe.). Und wenn Du Deine Ehe mit ihm führen möchtest, musst Du ihn nehmen wie er ist, denn er hat auch niemand Anderen in sich, den er Dir präsentieren könnte. Natürlich musst Du nicht jeden Mist akzeptieren, aber schon klar sehen was möglich ist.

Bei uns ist das so, klar ist man in der Beziehung, weil man damit glücklich werden will und auch wird. Trotzdem ist mein Partner genau so wenig dafür verantwortlich, ob ich glücklich werde, wie ich dafür verantwortlich bin, ob mein Partner glücklich ist. Wenn dem irgendwelche Lebenseinstellungen oder Ansprüche seiner Seite oder Meiner entgegenstehen, die der andere nicht zu verantworten hat, dann ist es auch Sache desjenigen, das zu lösen, der das Problem eben hat. Und wenn mein Partner unter irgendeiner Sache mit mir leidet, dann muss er auch bei sich selbst nachgucken, was er dran ändern könnte. Kann auch mal gegen mich sein, logisch. Nur sollte er mich natürlich auch am Leben lassen, im übertragenen Sinn, sonst hat er selbst auch nichts davon. Und ich habe nüchtern an mir einige Punkte tief drinnen entdeckt, wo ich relativ empfindlich und wie ein rohes Ei sein kann, äusserer Eindruck hin oder her. Ich meine, ich sags dann schon und vertrete meinen Standpunkt auch hart, aber da sorge ich dann auch dafür, dass ich mich vor seinem Zorn und Frust schütze. Und ich wette, Du hast auch nicht nur eingesteckt, sondern auch ausgeteilt. So ein vorgelebtes Unglücklichsein kann übrigens auch ganz schön hart sein. Das ist eine Waffe für emotionale Erpressung. Und es klingt auch an, dass Du Dich ihm irgendwo überlegen fühlst...das kann ins Auge gehen.

Natürlich braucht man auch ein gewisses zwischenmenschliches Verständnis und sollte irgendwo zusamenpassen, aber der Partner muss einem nicht alles passend richten. Du ihm ja auch nicht, aber das gilt umgekehrt auch. Nur weil er Alkoholiker ist, darf er trotzdem auch Egoist sein. Und wenn Du ihn zu sehr unter Druck setzt, muss er nur wieder mit dem Trinken anfangen, um dem Druck aus dem Weg zu gehen. Dann hat er ein anderes Problem, aber Du hättest trotzdem verloren.

Und die Eigenverantwortung fängt schon da an, dass Du aus freien Stücken mit ihm zusammenbleiben willst. Er könnte Dich ja nicht dazu zwingen. Du kannst nicht von ihm erwarten, dass er Dir das mundgerecht zubereitet, sondern da müsst Ihr Euch irgendwie einigen. D.h . Du kannst das natürlich schon erwarten, aber Erwartungen können auch entäuscht werden. Ein Alkoholiker sollte auch schon aus anderen Gründen "Nein" sagen können.

Ich hoffe, es kommt ansatzweise rüber, was ich sagen will.

Gruß Susanne
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Greenfox

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #24 am: 26. November 2020, 10:50:29 »

30 Ehejahr lässt man nicht einfach so ziehen. Das tut schon ganz schön weh. Ich kämpfe für uns mit aller Kraft und hoffe, dass ich die Kraft dafür habe.

Das ist richtig. Nur kannst Du Dir bestimmt schon denken, was jetzt kommt: ein "Aber ..."

Bei mir waren es "nur" 21 Jahre - und es hat wehgetan. Aber nachdem ich dann aufgehört habe zu kämpfen und losgelassen habe - konnte ich auf einmal viel freier atmen. Ich konnte wieder LEBEN.
Da habe ich erst einmal gemerkt, dass es meine Lebenskraft war, die ich da in den Kampf gegen die Windmühlen investiert habe.

Okay, ich habe auch erst dann aus der Distanz gesehen, dass es Windmühlen waren - aber das nur so nebenbei. Und mein Kampf/unsere Trennung hatte nichts mit dem Alkohol zu tun. Ich wollte dies nur als Gleichnis dalassen, um Dir zu sagen: Nicht nur kämpfen ist okay - auch loslassen.

Übrigens: auch ein GESUNDER EGOISMUS ist vonVorteil - nicht nur für Betroffene, auch für Angehörige. Eigentlich für Jederman!

Gruß
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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #25 am: 26. November 2020, 10:58:15 »

Vielen Dank, liebe Susanne.

Auch Du hast in sehr vielen Dingen recht und Deine Worte sind passend und helfen mir sehr.
Eine Ehe beruht auf geben und nehmen und aus Kompromissen. Leider habe ich erst vor 4 Jahren gelernt, auszuteilen und meine Interessen deutlich zu machen und klar zu sagen, was geht und was nicht. Das war mein Mann von mir nicht gewöhnt. Somit haben sich viele Sachen "hochgeschaukelt" und wir sind in eine Spirale geraten, aus der es mir im Mai diesen Jahres dann gelungen ist, auszubrechen.
Ich habe fast immer Auseinandersetzungen gescheut, ich wollte ein friedliches Zusammenleben und habe dafür zurückgesteckt.
Die Auseinandersetzungen gefallen mir auch heute noch nicht. Aber ich merke für mich, dass es mir besser geht, wenn ich mit gewisser Konsequenz auch meinen eigenen Interessen gerecht werde.
Inzwischen lernen wir, uns vernünftig zu sagen, was einem wichtig ist, ohne den Tonfall zu verhärten. Das war früher nicht möglich. Es gab immer gleich heftigen Streit, den ich ja vermeiden wollte oder aus dem Weg gegangen bin.
Nun bis später.
Danke - Bea

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #26 am: 26. November 2020, 11:19:14 »

Hallo Greenfox, ich freue mich auch über Deine Antwort.
Ja, das mit dem Loslassen ist mir leichter gefallen, als gedacht.
Mein Mann hatte mich im Mai um eine "Auszeit" gebeten. Diese habe ich nicht auf Zuruf wahrgenommen, sondern wollte versuchen, es wieder zu "Richten". Er informierte die Familie über seine Trennung von mir.
Als er sich zur Entgiftung gegen die Entzugstherapie entschied, war für mich die Sache klar, ich muss weg. Das halte ich nicht mehr aus. Und ich zog aus.
Als mein Mann meine Konsequenz spürte, sagte er zu mir, dass er nicht ohne mich leben kann, er möchte unbedingt, dass ich zu ihm zurück komme, er würde mich immer noch lieben.
Mit dieser Aussage habe ich nicht gerechnet, damit konnte ich nicht umgehen. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Nun habe ich den "Ball wieder gefangen".
Ich habe ihm/uns eine neue Chance gegeben, wenn er zur Entzugstherapie geht und lernt, auf Alkohol zu verzichten.
Nun sind wir beide wieder im Boot und versuchen, unser Leben vollkommen neu zu gestalten.
Auch jetzt fühlt sich mein Mann sehr einsam ohne mich, seine Alltagspflichten kriegt er jedoch auch gut ohne mich hin. Wäsche waschen, Saubermachen, Einkaufen, sich vernünftig kleiden.
Ich persönlich habe gelernt, meine Freiheiten zu genießen, nicht in der Verantwortung zu sein, die ich mir selbst auferlegt habe.
Bis zum nächsten Beitrag - Bea





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Susanne68

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #27 am: 26. November 2020, 11:39:45 »

Zitat
Es gab immer gleich heftigen Streit, den ich ja vermeiden wollte oder aus dem Weg gegangen bin.

ich erzähle Dir einen Schwank aus meinem Leben.

Mein Partner stammt aus einem harmoniesüchtigen Elternhaus, in dem kein Konflikt offen gelöst wurde, und dass ich genau das Gegenteil davon war, war einer meiner Anziehungspunkte für ihn.
Er sagte mir schon, dass er im Berufsleben erst richtig bestehen konnte, nachdem er das bei mir gelernt hatte. Als ich mit dem Trinken aufgehört hatte und ein bisschen davon runterkommen wollte, erzählte er mir ab und an, dass er das gar nicht so schlimm findet, wir kriegen ja auch immer die Kurve irgendwann. War aber auch in meiner nüchternen Zeit schon grenzwertig, aber musste wohl sein. Wenn man das Ergebnis betrachtet, kann es so falsch nicht gewesen sein. Wir haben natürlich auch noch ein paar andere Eigenschaften als nur rumzustreiten.

Ich selbst war in den Jahren um die 20 selbst sehr harmoniesüchtig, hatte Verlustängste usw. Bloss dem damaligen Partner nicht zu sehr auf die Füsse steigen, er könnte mich ja verlassen. Aber auch selbstmitleidig etc. Und Streitereien hatte ich zu Hause genug. Ich hab mich sehr zurückgenommen, wurde aber auch schwer depressiv. Das war nicht nur er, sondern da lief einfach gar nichts richtig. Meine Eltern in der Scheidung, das konntest Du auch glatt vergessen. Die wollten ja selbst in mir eine Stütze, beide, aber ich hatte ja selbst nichts. Am Ende nur noch gegenseitige Vorwürfe. Und die Drogen, die ich dazu genommen habe, taten ihr Übriges.

Dann habe ich mich mit 24 Jahren von einem Partner getrennt, den ich eigentlich sehr geliebt habe (wobei ich das heute nicht mehr nachvollziehen könnte), aber der hatte in einem wesentlichen Punkt, Kinder, andere Vorstellungen als ich und da kam dieser gesunde Egoismus erstmals richtig durch. Wenn ich mich da drauf eingelassen hätte, das wäre eine Katastrophe geworden. 

Es war potthässlich, aber dann gings mir besser. Danach hab ichs offen krachen lassen, und plötzlich hatte ich mehr Freunde als vorher. Und seitdem sage ich auch in Beziehungen offen, was ich will, und wenn der Andere nicht will, habe ich halt Pech gehabt, aber ich weiss, dass ich das überlebe.

Nur mal so am Rande, von wegen dem alles immer ruhig zu halten.

Gruß Susanne
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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #28 am: 26. November 2020, 16:25:34 »


Nun sind wir beide wieder im Boot und versuchen, unser Leben vollkommen neu zu gestalten.
Auch jetzt fühlt sich mein Mann sehr einsam ohne mich, seine Alltagspflichten kriegt er jedoch auch gut ohne mich hin. Wäsche waschen, Saubermachen, Einkaufen, sich vernünftig kleiden.
Ich persönlich habe gelernt, meine Freiheiten zu genießen, nicht in der Verantwortung zu sein, die ich mir selbst auferlegt habe.


Pass nur auf, dass Du Dir nicht wieder SEINE Jacke anziehst/anziehen lässt - und für Dinge die Verantwortung übernimmst bzw. Dir den Stempel der angeblichen Verantwortung aufdrücken lässt, für die ER alleine verantwortlich ist!
Ich sage nur als Stichwort: "Du bist Schuld, weil ich ..." (Wird gerne genommen)
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Susanne68

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Re: Mein Mann kommt vom Entzug nach Hause - was nun?
« Antwort #29 am: 26. November 2020, 16:47:03 »

seine Alltagspflichten kriegt er jedoch auch gut ohne mich hin. Wäsche waschen, Saubermachen, Einkaufen, sich vernünftig kleiden.

ist das ein Mann, den Du direkt von seiner Mami übernommen hast? Das sind doch eigentlich Selbstverständlichkeiten. Das kann jeder, der schon mal alleine gelebt hat.

Zitat
Ich habe ihm/uns eine neue Chance gegeben, wenn er zur Entzugstherapie geht und lernt, auf Alkohol zu verzichten.

Das liest sich für mich bereits wieder wie so eine Selbstverpflichtung. Wer A sagt, muss auch B sagen. Hast Du auch an eine Ausstiegsklausel gedacht, wenn er nüchtern dann auch nicht so wird wie Du willst?

Bei uns war das, glaube ich, wesentlich offener. Mein Partner hat mir diese Bedingung nie gestellt. Und ich habe auch nicht deswegen aufgehört. Die Aussage, ich kann ohne Dich nicht leben, hat mir meine Mutter an den Kopf geknallt, um mich zu zwingen, wieder nach Hause zu kommen. Ich bin natürlich nicht gekommen. Ich fands idiotisch. Natürlich hat sie das überstanden.
Und ich habe solche Sprüche ganz früher - nicht bei meinem heutigen Partner - auch schon gebracht. Aber so schnell stirbt man dann doch nicht. Dem letzten, der mir gesagt hat, das er sich umbringt, hab ich die Polizei und den Notarzt nach Hause geschickt, da hat er sichs gleich anders überlegt. Und ich war auf jeden Fall aus der Verantwortung raus.
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