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Autor Thema: Wie geht es weiter?  (Gelesen 13076 mal)

Tinka

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #15 am: 04. Mai 2020, 09:26:12 »

Tut mir leid, aber ich bin gerade so wütend und muss mich mal auskotzen...
Wir haben gestern den Reha-Antrag so weit fertig gemacht. Heute will er zur Krankenkasse, den Schein abstempeln lassen, morgen kriegt er den Sozialbericht und dann kann das weg... Eigentlich.
Letzte Woche hat er den Bogen für den Hausarzt dort abgegeben und die Arzthelferin sagte noch: Evtl müssen wir einen Termin machen, aber Sie waren ja diese Woche schon da und wir haben alles vorliegen.

Heute morgen dann der Anruf der Praxis. Sie müssen persönlich herkommen, ohne Termin füllt der Arzt das nicht aus. Nächster Termin 26.5.

Er sagte, es soll ein Eilantrag werden, er muss so schnell wie möglich weitermachen, sogar die Klinik nimmt auf.
Ok nächster Termin am 19.5.

Jetzt mal ernsthaft! Jeder Arzt sollte doch wissen, dass es mit einer Entgiftung alleine nicht getan ist (gerade, weil er schon seit über 2 Jahren wg Depressionen krankgeschrieben ist). Und im Moment hat er keine andere Möglichkeit, wg Corona gibt es keine Gruppen, die aufnehmen.

Warum jetzt wieder Steine in den Weg legen? Irgendwer fängt das schon ab... Ja klar, in dem Fall bin ich es.
Er fällt langsam wieder in alte Verhaltensmuster, hat jetzt 2 Tage nachmittags geschlafen. Ich hab ihn gestern in den Hintern getreten, dass wir die Anträge fertigmachen.

Ich hab Angst, dass nach dem nächsten Rückschlag alles schlimmer wird. Im Moment ist er stabil, was Alkohol angeht. Aber ich weiß nicht, wie lange noch.
Ich hatte wirklich die Hoffnung, dass es jetzt schnell geht und ich in den Monaten, wo er weg ist, Zeit hab, meine Gedanken und Gefühle zu ordnen.

Erwarte ich zu viel? Geduld ist gerade nicht meine Stärke, weil ich weiß, jeder Rückschlag macht ihn anfälliger.
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Susanne68

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #16 am: 04. Mai 2020, 09:45:07 »

Hm.

Man säuft 10 Jahre, 20 Jahre, 30 Jahre.

Zögert das aufhören raus, so lange es nur geht.

Und wenn man sich dann endlich mal entschlossen hat, sollen alle anderen auf Kommando springen, am besten schon vorgestern?
Das haut halt nicht ganz hin.

Wenn man 10 Jahre saufen konnte, muss man ein paar Wochen Wartezeit halt auch noch aushalten.
Du hast es im Übrigen ja auch so lange neben ihm ausgehalten.
Und es wird von den Kandidaten auch erwartet, dass sie ein bisschen selbst kämpfen. Die Verantwortung für seine Sauferei hat jeder Alkoholiker selbst.

Und diejenigen, die darauf warten, dass man ihnen alles vorkaut oder ihnen den roten Teppich auslegt, haben sowieso schlechte Karten. Die kippen bei der ersten Schwierigkeit sowieso wieder um und das weiss jeder, der Erfahrung hat. Da überlegt man sich dann schon, ob sich der Aufwand überhaupt rentiert.

Also nur weil sich grade mal jemand überlegt, das er aufhören will, müssen alle Anderen nicht gleich in Hektik verfallen. Das ist schon ein bisschen Anspruchsdenken. Man könnte auch dankbar sein, dass es die Hilfsmöglichkeiten überhaupt gibt. Denn schliesslich hats ihm ja keiner eingeflößt.

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Tinka

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #17 am: 04. Mai 2020, 10:01:04 »

Hallo Susanne,

grundsätzlich stimme ich dir da zu.
Ich denke, wenn ich meinen Post als Außenstehende lesen würde (ich mein damit nicht, dass du Außenstehend bist - nicht falsch verstehen), hätte ich auch gesagt: Was erwartet sie? Auf die paar Wochen kommt es auch nicht mehr an. Völlig richtig, er hat so viel wertvolle Zeit verschwendet.

Aber: Ich sehe es jetzt gerade aus meiner (ich gebe zu, im Moment egoistischen Sichtweise) und mein Gefühl ist gerade ganz klar: Er will was ändern, es würde alles klappen, wenn sich nicht einer querstellt. Es geht um einen Antrag. Nicht um mehr.
Und ja, du hast Recht, er muss da durch und auch mit schwierigen Situationen klarkommen. Wenn er was ändern will, dann muss er das durchziehen, auch wenn es Schwierigkeiten gibt.

Ich möchte nur einfach nicht, dass er in ein Loch fällt. Und das tut er gerade.
Es ist unabhängig von mir, was er draus macht, das weiß ich.
Aber ich habe halt die Hoffnung, dass wir es schaffen können, weil er sich helfen lässt. Ich bin aber nach der Zeit ziemlich fertig mit den Nerven und hoffe einfach auf schnelle Hilfe.

Mir ist klar, dass der Arzt nicht springt, weil der Herr nach 2,5 Jahren doch mal was für sich tun will.
Ich war einfach sauer und musste das mal loswerden.
Rein rational stimme ich dir 100%ig zu. Aber ich hatte eben gerade mal einen emotionalen Moment.

Ich hoffe, ich konnte das so etwas erklären
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Susanne68

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #18 am: 04. Mai 2020, 10:50:51 »

Deine Emotionen werden eines DEINER Probleme sein.
Es geht nicht drum, ob ich Deine Emotionen verstehe, ich kann auch ganz gut nachvollziehen, welche  Emotionen einen Trinker zum Trinken veranlassen, aber man muss dann schon auch mal gucken ob die Emotionen (bzw. der Umgang damit) ein Teil der Lösung oder nicht vielmehr ein Teil des Problems sind.

Da kannst Du gleich mal üben, ihm die Verantwortung für das ganze Prozedere  - und für sein Leben - zu lassen.

Ein Teil des ganzen Themas besteht nämlich auch in der Klärung der Frage, was er eigentlich tun würde, wenn Du ihn nicht unter Druck setzt oder an der langen Leine zu führen versuchst. Also wenn Du Deine Kontrollversuche über Ihn völlig bleiben lässt.

Es ist schwierig, mit der Vorstellung zu leben, dass er dann vielleicht ganz untergeht, aber genau das wird sowieso passsieren, wenn das nicht von ihm aus kommt. Du hast ihm jetzt zwar den Arschtritt gegeben, aber wenn er dann nicht merkt, wie schlecht es ihm selbst geht, dann hast Du keine Möglichkeiten, ihn zur Einsicht zu bringen. Und wenn Du dann immer wieder denkst, es müsste doch irgendwie gehen, dass er das kapiert, steckst Du emotional voll mit drin. Im Gegenteil, er merkt dann schnell, dass Du auch nicht konsequent bist und dann bist Du erst recht von seinen Entscheidungen abhängig.

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Tinka

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #19 am: 04. Mai 2020, 12:04:06 »

Ok... Ich bin immer für klare Worte und auch dafür, dass mir die Augen geöffnet werden. Deswegen hab ich mich hier angemeldet.
Es ist so, dass ER was ändern will. Sonst wäre ich bereits ausgezogen. Und das war keine leere Drohung.

Ich werde gehen, wenn er wieder anfängt zu trinken, ich dachte, das hätte ich auch deutlich so gesagt.
Und natürlich hänge ich da emotional drin, das ist nach der langen Zeit auch kein Wunder. Aber ich denke, ich habe einiges begriffen und habe angefangen, mich selbst zu schützen.
Das alles ist ein Prozess (wie Greenfox mal schrieb) und ich kann nicht von heute auf morgen plötzlich alles richtig machen.
Zu dem Prozess gehört, dass ich ihn seine Entscheidungen treffen lasse, ich kann nichts entscheiden und auch nichts ändern, wenn er das nicht selbst will.
Ich weiß, dass er es schaffen will und du sagst, du kannst beide Seiten nachvollziehen. Es ist ein Prozess auf beiden Seiten und es ist nunmal Fakt, dass eine Reha oder Therapie in welcher Form auch immer nötig ist.

Ist es da nicht einfach menschlich, dass ich mal kurz verzweifel, wenn das einfach länger dauert?
Es gibt so viele, die diese Chance kriegen, sie aber nicht nutzen (wollen oder können). Das macht mich dann sauer.

Er hat diese Einsicht und ja... Ich habe gesagt, ich habe ihn in den Hintern getreten. Das stimmt. Das ist ein guter Hinweis. Da halte ich mich mehr zurück.
Wie gesagt, auch ich bin im Lernprozess. Ich denke aber, ich habe schon vieles umgesetzt.

Wenn das aber heißt, dass Emotionen nicht erwünscht sind, dann werde ich das besser reduzieren.
Also wie gesagt, ich bin offen für Tipps, aber jetzt hatte ich gerade das Gefühl, ich mach alles komplett falsch.
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Susanne68

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #20 am: 04. Mai 2020, 12:08:12 »

Noch was..und dann ziehe ich mich selbst da erst mal wieder raus und lasse Dich Dein Ding machen:

Die ganze Erfahrung zeigt, dass ein Alkoholiker "so weit sein" muss, es muss irgendwie geschnackelt haben, dann gehts plötzlich oder er ist bereit, alle möglichen Schwierigkeiten auf sich zu nehmen. Bis zu diesem Punkt nimmt er Schwierigkeiten zum Anlass, zu trinken. Das muss ihm deswegen noch lange nicht so bewusst sein, ganz nebenbei.
Natürlich kann man das anfangs ein bisschen abmildern, indem man die Schwierigkeiten am Anfang etwas verringert. Aber alle Eventualitäten kannst Du sowieso nicht vorausberechen, Du bereitest Dich auf 15 Szenarien vor und dann kommt das 16te mit dem Du eben nicht gerechnet hast.

Jedenfalls, so lange er das mehr oder weniger unfreiwillig macht, weil er noch nicht "so weit ist" und das nur unter Druck von aussen macht, schauspielert er möglicherweise auch nur. Oder er steckt selbst in der Zwickmühle, weil er gerne beides haben möchte, die Beziehung bzw. Dein Kümmern um ihm UND die Sauferei. Zum Teil merkt er das aber gar nicht selber, weil er auch sich selbst gerne vormacht, dass er das ja nicht "braucht". Jeder ist gerne unabhängig und Herr seines Lebens, wer das nicht ist, gilt als Verlierer, wer will das schon.. Jedenfalls spielt ihm dann die Sucht - als Teil von ihm - irgendwann selbst einen Streich und plötzlich will er halt wieder saufen. Und dann gibts auch noch das Suchtgedächtnis...schliesslich ein bewährtes Prozedere, in bestimmten Situationen oder bei emotionaler Misslichkeit einen hinter die Binde zu kippen.

Für ihn ist das dann genau so Entschuldigung wie für es das für Dich gerade war "es kam so über mich". Und da muss er dann schon genau wissen, was er will, damit er da nicht nachgibt. Und der Druck von aussen reicht da normalerweise nicht aus, wenn das nicht aus innerer Überzeugung kommt. Druck kann man umgehen, tricksen, man darf sich halt nicht erwischen lassen. Aber da gibts viele Möglichkeiten.
Und man kann niemandem hinter die Stirne gucken, auch nicht dem eigenen Partner. Man kennt den anderen nie so gut, das man genau wüsste, was der will oder wie der in irgendeiner Situation reagieren würde. Man kann oft nur gucken, was nach aussen hin passiert.

Emotionen sind oft schlechte Ratgeber und sie ermöglichen vor allem nicht das Hellsehen. Für eine gute Intuition - die öfters passt aber auch nicht immer - hilft es sogar, seine Emotionen mit etwas innerem Abstand betrachten zu können.

Ich denke, Du bist momentan vor allem angstgsteuert, was kann jetzt alles passieren, Du hast aber auch Hoffnung und versuchst, die Situation irgendwie unter Kontrolle zu behalten. So wie es bisher war, soll es nicht weitergehen, aber wie und ob es weitergeht steht in den Sternen. Und natürlich hängst Du mit drin, wenn ers schafft, schafft Ihr es vielleicht auch, wenn er es nicht schafft, dann ist das gemeinsame wohl auch nichts mehr.

Du bist jetzt genau so gezwungen, Geduld zu üben oder zu lernen, wie er. Er braucht die Geduld und Gelassenheit dann sowieso, um trocken zu bleiben, weil im Leben fast nie alles so läuft wie man das will, ist also eh keine falsche "Investition". Und auch Du musst wissen, was Du willst und wie Du mit den jeweiligen Situationen umgehen willst, und eventuell auch von Fall zu Fall entscheiden müssen, weil man eben nicht alles vorausplanen kann.

Hat sich übrigens mit Deinem letzten Beitrag jetzt überschnitten. Wie gesagt, das "ist das nicht verständlich" könnte er auch anbringen, wenns ihm durchgeht. Und dann musst Du entscheiden, wie oft Du das mit machst und weiter drin hängst.

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Susanne68

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #21 am: 04. Mai 2020, 13:00:23 »

Noch ein allerlertzter Kommentar

Wenn das den Partner erkennbar stark belastet und er sein Glück davon abhängig macht, ob der andere jetzt trocken wird, kann das für den Alkoholiker auch wieder zu einer Belastung werden, er hat dann das Gefühl, das er für Dein Glück verantwortlich ist und Deine Last auch noch mitschleppen muss, und das kann auch zu viel werden.
Irgendwo hab ich mal gelesen, für Sterbende ist es kein Trost, wenn sie die sorgenvollen Gesichter ihrer Angehörigen sehen. Und auch wenn man in einem Loch sitzt, bringt es eher wenig, wenn man sich um das Leiden Seines Gegenübers auch noch Sorgen machen muss. Ein unglücklicher/unzufriedener/ungeduldiger Partner kann auch für einen Alkoholiker, der trocken werden will, eine Belastung sein. Und auch der braucht seinen Abstand.

Mir persönlich gehts da eigentlich besser, wenn ich weiss, der andere ist nicht davon abhängig, was ich mache. Das nimmt mir eine Last von den Schultern, auch wenn ich mich natürlich auch erst damit abfinden muss, dass der mich ja gar nicht braucht. Aber mit jemandem mit zu fühlen ist auch nicht das gleiche, wie mit zu leiden. Also das hat nicht unbedingt mit "egal sein" zu tun, sondern damit, freier in seinen Entscheidungen zu werden.
Und das Thema ist dann auch wieder Teil der Coabhängigkeit, eines Verhaltens, das die Sucht des Partners eher fördert. Streitereien gehören auch dazu, weil sie Saufgründe liefern.

Das Thema, wie man diese ganze Verstrickungen und gegenseitigen Verantwortlichkeiten auseinanderklauben kann, haben wir dann irgendwann in der Paartherapie gelernt. Das ist schon rentabel, sich damit zu beschäftigen.
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Gerchla

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #22 am: 04. Mai 2020, 16:16:03 »

Hallo Tinka,

und jetzt auch noch meine Gedanken zu Deiner aktuellen Situation.

Aus meiner Sicht eine Aussage, die Du hier formuliert hast, die ganz entscheidende. Denn Du hast geschrieben: Wenn er wieder trinkt, dann bin ich weg (oder ziehe ich aus).

Wenn Du wirklich bereit bist, dass dann auch durchzuziehen, dann hast Du hier erst mal Deinen Notfallplan. Das wird Dich, sollte es doch nichts werden, auf jeden Fall davor schützen mit ihm zusammen noch tiefer in den Suchtstrudel gerissen zu werden. Und das halte ich für ganz wichtig, denn es geht hier ja um Dich! Du hast Dich hier angemeldet und suchst Hilfe für Dich. Damit bist Du meiner Meinung nach auch schon viel weiter, als ganz viele andere Angehörige, die hier oft schreiben. Da geht es nämlich nicht selten darum, was man denn tun könnte um den trinkenden Partner zu helfen bzw. ihn vom Trinken abzuhalten.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Du sehr klar bist. Das Du nun emotional auch mal an Deine Grenzen kommst.... Das ist für mich mehr als verständlich. Was Susanne Dir geschrieben hat, also das eigentlich er das alles völlig allein und für sich lösen müsste, das stimmt sicherlich. Das ist sowas wie der optimale Fall (manche sagen aber auch die Grundvoraussetzung) um es wirklich dauerhaft schaffen zu können.

Aber ich möchte auch sagen, dass ich schon mit einigen Menschen Kontakt hatte, die nur aufgrund massiven Drucks durch den Partner oder die Familie oder sogar den Arbeitgeber etwas unternommen haben, dann in LZT gegangen sind und sich dort erst mal völlig falsch vorkamen. Um dann dort im Laufe der Therapie plötzlich zu merken, dass sie hier vollkommen richtig sind und dann darüber mehr und mehr zur Überzeugung gelangt sind, dass sie nicht mehr trinken wollen.

Das sind sicher eher die Ausnahmen. Viele die "gezwungen" in Therapien gehen, kommen raus und saufen kurze Zeit darauf wieder. Leider "passiert" das aber in gar nicht so geringer Anzahl auch jenen, die hochmotiviert dort hin gegangen sind.  Aber sie haben eben deutlich bessere Chancen. Was ich sagen will: Wenn Du ihn jetzt noch ab und an mal einen Stubser gibst, meinen Segen hast Du. Entscheidend ist immer, wie es Dir damit geht. Und ganz entscheidend ist, dass Du genau weißt, wann der Zug abgefahren ist. Und das hast Du ja für Dich klar festgelegt. Trinkt er wieder bist Du weg! Siehe meine Zeilen weiter oben.

Das ist nur meine Meinung. Man kann da auch andere haben. Ich denke mir halt manchmal, es ist vielleicht auch ein wenig typabhängig, welcher Weg jetzt genau der passende oder richtige ist. Sowohl beim ausstiegswilligen Alkoholiker als auch beim begleitenden Angehörigen.

Lass Dich nicht unterkriegen. So lange Du Deine Exit-Strategie hast und diese dann auch anwendest hast Du einen Sicherungsanker. Fatal ist es einfach, wenn Du kleben bleibst und Dich von Woche zu Woche, von Monat zu Monat und dann irgendwann von Jahr zu Jahr hangelst und nebenher das Leben an Dir vorbei zieht. Das sehe ich bei Dir aber nicht.

Alles Gute!

LG
gerchla
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Susanne68

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #23 am: 04. Mai 2020, 17:17:38 »

Aber ich möchte auch sagen, dass ich schon mit einigen Menschen Kontakt hatte, die nur aufgrund massiven Drucks durch den Partner oder die Familie oder sogar den Arbeitgeber etwas unternommen haben, dann in LZT gegangen sind und sich dort erst mal völlig falsch vorkamen. Um dann dort im Laufe der Therapie plötzlich zu merken, dass sie hier vollkommen richtig sind und dann darüber mehr und mehr zur Überzeugung gelangt sind, dass sie nicht mehr trinken wollen.

dem stimme ich zu. Ich bin selbst ein Mensch, der diesen Druck aufbauen konnte und es gibt ein paar Leute, die sagen, ich habe ihnen so oft einen Tritt gegeben, bis sie es kapiert haben. Als ich noch mehr Lust hatte, mich zu engagieren, habe ich mir da heiße Diskussionen mit manchen geliefert. Und wenn ich hier ab und an schreibe, ich kenne Leute mit 100 Entgiftungen und drei Langzeittherapien, dann habe ich das bei mehreren in voller Länge selbst mitgekriegt. Also nicht nur hinterher oder vom Hörensagen. Und einige gehören heute zu meinen besten Freunden. Von daher weiss ich natürlich auch zusätzlich, was Aufhören bewirken kann, nicht nur bei mir :D

Allerdings hatte ich auch selbst was davon, denn es gehört zu der Auseinandersetzung mit meiner eigenen Sucht und meiner Familiengeschichte. Für mich war das eine Art, meine eigene Wut und Hilflosigkeit intellektuell und emotional zu bewältigen. Da war die Wut zu was gut und eben nicht so selbstzerstörerisch wie ich das lange gelebt hatte. Und meine Exit-Strategie stand immer, denn mich hat das in meinem Leben nie so besonders beeinträchtigt, wenn einer weiter gesoffen hat. Ich konnte die Leute auch verrecken sehen, wenn sie das partout nicht einsehen wollten, hart gesagt. Das war für mich Informationsinput, wie man es nicht machen sollte, und Bestätigung der Einsicht, mit was wir es bei Alkoholismus zu tun haben. Und wenns dann jemand nach langen Ringen geschafft hat, war das halt auch immer ein Erfolgserlebnis.

Jedenfalls ist es natürlich schon klar, dass man die Welt nüchtern anders sieht oder wenigstens sehen könnte, auch wenn die Nüchternheit erzwungen ist. Einsicht kommt da sicher mit größerer Wahrscheinlichkeit als wenn der Kopf immer im Nebel steckt.

Mir gehts jetzt auch wirklich mehr um die Angehörigenseite, wo dann manche eben über sehr lange Zeit sich selbst nicht davon lösen können und immer wieder Hoffnung schöpfen und auf Versprechungen reinfallen und denen ihr Leben dadurch wirklich versaut wird bzw. sie sich zum Teil  auch selbst versauen, weil sie es nicht lassen können und selber emotional abhängig von der Situation sind.

Und ich kenne nach einer Handvoll Beiträgen hier niemanden so gut, dass ich sicher sein kann, ob der/diejenige das dann auch wahr macht, sich zu trennen, denn leere Drohungen habe ich auch schon oft genug gehört. Wenn es dann zum Rückfall kommt, hat man doch wieder Verständnis oder stellt fest, dass man zu sehr am Anderen hängt. Man kann nun mal viel auch vor sich selbst behaupten, so lange man keine Taten folgen lassen muss.
Ich erwähne es, weil es für mich dazugehört und damit ich es erwähnt habe. Ob es notwendig ist, weiss ich meistens nicht und was mein Gegenüber daraus macht, habe auch ich nicht in der Hand.

Im Prinzip gehts mich gar nichts an, was jemand macht, so gut kennen wir uns hier gar nicht. Jedenfalls bin ich bei niemandem erziehungsberechtigt. Also wenn sich jemand auf die Füsse getreten fühlt, den Fuß einfach wegnehmen. Dürfte ja kein Problem sein.
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Tinka

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #24 am: 04. Mai 2020, 22:38:03 »

Hallo Gerchla,

danke, ich denke du hast es richtig eingeschätzt. Ich bin ziemlich klar indem was ich will.
Natürlich bin ich nicht glücklich im Moment mit der Situation. Klar möchte ich, dass es mit der Reha so schnell wie möglich geht, aber wir brauchen Geduld. Und vielleicht ist das ein erster Test, ob er das wirklich will.

@Susanne: Dein letzter Beitrag klingt doch schon ganz anders. Ich glaube, wir haben irgendwie aneinander vorbei geredet.

Ich versuche nicht, ihn vom Trinken abzuhalten. Die Entscheidung kommt ganz allein von ihm. Und ich hab ihm schon klar gesagt, wenn er wieder anfängt, bin ich weg.
Früher hätte er mich nicht ernst genommen, aber er hat gesehen, dass ich mich verändert hab und mein eigenes Leben hab.
Ich denke, ich hab den Vorteil, dass Alkohol zwar schon länger Bestandteil seines Lebens ist, aber es kein wirkliches Problem für mich war.
Richtig schlimm war es erst die letzten Wochen. Und da gings ihm so schlecht, dass er selbst gemerkt hat, es geht so nicht weiter. Klar verursacht durch einen Schubs von mir.

Ich hab ihm gesagt, wie ich das sehe und was die Konsequenz ist. Was er draus macht, ist seine Sache.
Momentan kriegt er n Arschtritt, wenn er in alte Verhaltensmuster fällt (tagsüber schlafen und nachts wach sein) und seine Sachen nicht regelt.
Um Alkohol geht es aktuell nicht.
Er hat gesagt, er will das schaffen und das glaub ich. Ich kontrolliere ihn nicht. Ich hab schließlich auch noch n Leben.

Trotzdem habe ich gesagt, wenn er es durchzieht, kriegt er jede Unterstützung von mir. Er kann mit mir reden (wobei er momentan über diese Dinge lieber mit jemandem aus der Klinik redet, den er da kennengelernt hat, und das ist völlig ok.)
Dass es hier keinen Alkohol mehr gibt, ist selbstverständlich, auch wenn ich gern mal n Wein zum essen getrunken habe, aber da verzichte ich gerne.
Ich unterstütz ihn bei den Anträgen, nicht weil ich ihm die Reha aufquatsche, sondern weil der Papierkram ein rotes Tuch für ihn ist.

Ich habe auch ganz viel von anderen Angehörigen gelesen und ich bin sehr erschüttert, was denen angetan wird und sie bleiben trotzdem. Da ist mein Leidensweg vergleichsweise sehr harmlos.
Ich glaube an ihn und ich denke, wir haben ne Chance.

Womit ihr aber beide Recht habt ist, es liegt an ihm, was er draus macht. Ob er seine Chance nutzt oder nicht.
Und es liegt an mir, wie mein Leben weitergeht.
Ich bin mir sicher, dass mein Leben weitergeht, wenn auch ohne ihn.
Es gibt keine Entschuldigungen und Versprechungen für mich, weil ich weiß, dass ich dann mit untergehe.

Und trotzdem wünsch ich mir, dass er schnell die Chance bekommt, seine Probleme aufzuarbeiten.
Ich war etwas emotional heute morgen und habe bei einem Spaziergang mit meinem Hund darüber nachgedacht. Bin dann entspannt wieder nach hause gekommen und wir hatten einen schönen Tag. Hilft mir also nicht, wenn ich mich stressen lasse.

Danke für eure Antworten, Ratschläge und Zeit, die ihr euch nehmt.
Wie gesagt, ich habe bisher wirklich viel mitgenommen aus diesem Forum.

LG Tinka
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Susanne68

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #25 am: 05. Mai 2020, 08:42:44 »

Hallo Tinka,

Ja, ich hab das Gefühl, Du nützt das Forum auch in der Weise wie wir es öfter vorschlagen. Du ziehst Dir die Infos aktiv und wertest die Erfahrungen anderer auch für Dich aus. Selbsthilfe im Sinne des Wortes.

Auf jeden Fall schaffst Du (und er) anscheinend die Voraussetzungen, unter denen das auch klappen kann. Wie gesagt, bei mir und meinem Partner hats ja auch geklappt, und auch wenn es viele andere abschreckende Beispiele gibt, bin ich ja trotzdem grundsätzlich optimistisch sonst würde ich mich ja selbst Lügen strafen (und jeder Aufwand hier wäre sinnlose Zeitverschwendung, aber so ist es eben nicht)

Ich wünsche Dir (und Deinem Partner auch) auf jeden Fall alles Gute.

Gruß Susanne
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britt

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #26 am: 05. Mai 2020, 08:52:47 »

..Momentan kriegt er n Arschtritt, wenn er in alte Verhaltensmuster fällt (tagsüber schlafen und nachts wach sein) und seine Sachen nicht regelt. Ich unterstütz ihn bei den Anträgen, nicht weil ich ihm die Reha aufquatsche, sondern weil der Papierkram ein rotes Tuch für ihn ist.
LG Tinka
Hallo Tinka,
wenn ich das richtig verstehe heißt das, DU machst den Papierkram und er schläft ?
Alkoholiker gebrauchen (Not)Lügen und tausend Ausflüchte, wenn es darum geht, etwas nicht zu tun, wozu sie keine Lust haben. Indem du den Papierkram für ihn erledigst, übernimmst du seine Verantwortung.
Er weist jegliche Verantwortung von sich. Er zeigt damit, dass er nicht die nötige Größe besitzt, um zu seinen eigenen Entscheidungen und Handlungen zu stehen.
Willst du ihm Sicherheit vermitteln, wo keine ist? Du solltest ihm seine Verantwortung nicht abnehmen, aber du könnest ihn bei dem Papierkram unterstützend helfen. Warum bietest du ihm nicht deine Hilfe an? Ihr könntet den Antrag doch zusammen fertig machen? Wenn er die Reha wirklich will, ist es wichtig, dass er eigene Unzulänglichkeiten einsieht, zugibt und nach Lösungen sucht. Zudem gibst du ihm das Gefühl, dass du ihm etwas zutraust, er gut genug ist, etwas alleine in den Griff zu bekommen. Glaub mir, und da spreche ich aus eigener Erfahrung: Die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, macht ungemein frei.
Ich wünsche euch alles Gute und richtige Entscheidungen :sun:
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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #27 am: 05. Mai 2020, 10:15:10 »

Hallo Britt!

Oh nein, das hast du ganz falsch verstanden.
Er kriegt von mir den Arschtritt, wenn er wieder anfängt den Tag zu verschlafen. Das geht in meinen Augen nicht. Ich habe einen geregelten Tagesablauf und das erwarte ich auch von ihm. Dazu gehört, dass er tagsüber was macht und nachts schläft.
Das war ein Problem in der Zeit vor der Klinik. Da hatte er gar keinen Rythmus und das akzeptier ich nicht mehr.

Ich unterstütz ihn bei den Anträgen. Mehr nicht. Im Traum würde mir nicht einfallen, seine Sachen zu erledigen, während er schläft.
Ich habe ihm die Hilfe angeboten bei dem Schriftkram. Aber die Initiative muss von ihm kommen.
Sonst wäre ich ja wieder beim Thema Kontrolle und Vorschriften.

LG Tinka
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Gerchla

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #28 am: 05. Mai 2020, 10:43:37 »

Guten Morgen Tinka,

ich möchte noch kurz auf einen Satz von Dir eingehen:

Zitat
Er kann mit mir reden (wobei er momentan über diese Dinge lieber mit jemandem aus der Klinik redet, den er da kennengelernt hat, und das ist völlig ok.)

Es ist wichtig, dass Ihr über dieses Thema redet. Ich glaube daran gibt es keinen Zweifel, denn ansonsten wäre es ja eine Art von ignorieren und das wäre sicher nicht zielführend.

Dazu möchte ich Dir sagen, dass ich unterschiedliche Phasen des Redens bei mir selbst erlebt habe. In der Anfangsphase konnte ich so gut wie gar nicht tiefer mit engen Angehörigen oder Freunden über meine Sucht sprechen. Ich habe zwar von Anfang an allen mir wichtigen Personen erst mal reinen Wein  ;D eingeschenkt, denn dieses Outing war für mich von zentraler Bedeutung. Da habe ich aber "nur" erzählt, wo ich gerade stehe und dass ich mein Leben alkoholbedingt schon lange nicht mehr im Griff hatte. Und natürlich, dass ich jetzt mein Leben ändern möchte.

Das reichte in der Regel um meine Gesprächspartner erst mal auszuknocken. Denn das kam bei mir ja sozusagen aus heiterem Himmel und so blieb ich erst mal von tiefgreifenderen Gesprächen "verschont". Allerdings führte ich diese dann bei meinen AA-Freunden. Also ähnlich wie das Dein Mann ja auch zu tun scheint.

Je länger meine abstinente Zeit andauerte, desto offener wurde ich dann für Gespräche. Nach einigen Wochen ohne Alkohol hatte sich dann auch wieder sowas wie ein Miniselbstbewusstsein aufgebaut. Ein Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein, ein Gefühl es schaffen zu können. Dann suchte ich aktiv die Gespräche, z. B. mit meinem besten Freund. Und die gingen dann auch richtig tief. Meiner Frau gegenüber konnte ich mich aber nicht öffnen. Denn da war bei mir einfach nur eines in mein Hirn eingebrannt: Meine SCHULD.

Ich hatte ja alles kaputt gemacht durch meine Trinkerei. Ich konnte mit ihr nicht darüber sprechen, warum ich das getan habe, wieso ich nicht schon früher etwas unternommen habe oder was auch immer. Ich konnte sie nur um Vergebung bitten. Wobei es bei mir dann auch ein wenig ein Sonderfall war, weil ich mich ja dann von ihr getrennt habe.

Bis heute kann ich mit meiner Ex-Frau nicht ganz offen über meine Sucht und die damalige Zeit sprechen. Das ist eine Baustelle, eine Aufgabe, die ich noch bearbeiten muss und auch bereits bearbeite. Ich weiß hier nicht, was richtig oder falsch ist. Ich habe heute eine sehr gute Beziehung zu ihr und ich habe Angst, dass ich Dinge aufwühlen könnte, die einfach nur verletzen aber niemanden weiter helfen. Ich denke mal, da werde ich mir mal noch Hilfe suchen müssen. Vielleicht werde ich meinen Mönch diesbezüglich mal wieder um ein Gespräch bitten.

Oh, das war jetzt etwas vom Thema abgekommen. Heute bin ich wieder verheiratet. Meine Frau kennt meine Geschichte natürlich. Wir sprechen über Alkohol, über Alkoholsucht und auch manchmal über mein Engagement im Bezug auf andere Betroffene. Es ist wunderbar eine Partnerin zu haben, mit der ich offen über dieses Thema reden kann. Ich halte Vertrauen und Offenheit für extrem wichtig in einer Beziehung.

Aber trotzdem bin ich der Meinung, dass meine Frau nicht meine Therapeutin sein kann und darf. Sollte ich also wegen irgend eines Themas psychologische Hilfe benötigen oder der Meinung sein, dass ich diese brauche, dann werde ich sie mir suchen. Bei einen Psychologen oder einem anderen Therapeuten. Meine Frau wird über alles im Bilde sein, sie wird aber nicht diejenige sein, auf die ich meine Probleme 1:1 übertrage um dann von ihr zu erwarten, dass sie mir hilft. Sie kann mich gerne begleiten und das würde sie auch immer tun. Aber regeln muss ich das dann schon selbst.

Das ging mir durch den Kopf als ich Deine Zeilen gelesen habe. Ach so, und noch wegen dem Papierkram, den Du für ihn erledigst. Auch hier denke ich mir: klar, er müsste es eigentlich alleine machen. Jetzt schreibst Du ja, dass er nicht gerade der Held war (ist),was Papierkram betrifft. Und deshalb hast Du ihm da jetzt halt geholfen. Ist vielleicht nicht ideal aber viel wichtiger ist (aus meiner Sicht wohlgemerkt), ob er gelangweilt daneben sitzt und quasi unbeteiligt ist oder ob er Dir dankbar sozusagen "zuarbeitet". Auf die Länge gesehen gebe ich Britt hier uneingeschränkt recht: Er muss lernen die komplette Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Das ist ganz wichtig. Aber ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass das eben ein Lernprozess war. Und ich war damals auch dankbar, dass mir der ein oder andere mal einen kleinen Schubser in die richtige Richtung gegeben hat oder dass mir meine Ex-Frau (ja, die, die ich so unglaublich verletzt habe und von der ich mich dann auch noch trennte) auch den ein oder anderen Tipp / Hinweis gab, was sie an meiner Stelle in unterschiedlichen Situationen jetzt tun würde.

Sie hätte damals auch sagen können: "Dein Problem, du hast gesoffen und dich von mir getrennt". Ich hätte auch verstanden und akzeptiert. Nein, sie mir mindestens zwei mal sehr geholfen als ich in einer sehr verzweifelten Situation war. Also, es ist nicht alles schwarz /weiß. Du musst Deinen Weg finden, er den seinen. Und für Dich ist es einfach wichtig (Achtung ich wiederhole mich),dass Du Dich damit wohl fühlst. Und dass Du weißt, wann Du notfalls die Reißleine ziehen musst.

LG
gerchla
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britt

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #29 am: 05. Mai 2020, 11:02:15 »

Hallo Britt!
Er kriegt von mir den Arschtritt, wenn er wieder anfängt den Tag zu verschlafen. Das geht in meinen Augen nicht. Ich habe einen geregelten Tagesablauf und das erwarte ich auch von ihm. Dazu gehört, dass er tagsüber was macht und nachts schläft.
Das war ein Problem in der Zeit vor der Klinik. Da hatte er gar keinen Rythmus und das akzeptier ich nicht mehr.
Sonst wäre ich ja wieder beim Thema Kontrolle und Vorschriften.

LG Tinka

Ok, dann habe ich etwas falsch verstanden und trotzdem:
Warum ERWARTEST du von ihm, dass er den gleichen geregelten Tagesablauf wie du hast? Gerade in der Anfangszeit der Nüchternheit ist jeder Alkoholiker stark mit sich selbst beschäftigt. Selbstfürsorge und gesunder Egoismus stehen da ganz oben.
Was soll er denn tagsüber machen, was DU akzeptierst und damit DU zufrieden bist? Deine Erwartungen beinhalten automatisch Kontrolle und Vorschriften. Ständig Erwartungen erfüllen müssen haben mein eigenes Ich behindert..u.a. ein Grund, warum ich trank.
LG Britt
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