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Autor Thema: Steinbock84  (Gelesen 1110 mal)

Greenfox

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Re: Steinbock84
« Antwort #15 am: 09. Juli 2019, 16:44:51 »

Genau wie wir Betroffenen/Alkoholiker an unseren ganz persönlichen Tiefpunkt ankommen müssen, um zu akzeptieren, dass es so nicht mehr weitergeht und wir dann auch Hilfe akzeptieren - genau so müssen es wohl auch die Angehörigen. Und so lange jammern sie eben vor sich hin, wie schlimm doch alles ist - aber noch überwiegen die Punkte auf der "Bleiben"-Seite. So wie wir wussten, dass wir uns mit dem Saufen zu Grunde richten, aber die Punkte auf der "Weitersaufen"-Seite im Gegensatz zu der "Aufhören-und-Hilfesuchen"-Seite überwogen ...

Und Steinbock ist noch in der Findungs-Phase ...

Natürlich mache ich mir die Mühe und lese hier, sonst hätte ich mich wohl nicht angemeldet. Und ja es ist wahrscheinlich so das es noch nicht schlimm genug ist, denn wenn es so wäre würde ich wohl eher nicht in einem forum lesen, sondern andere hilfe in Anspruch nehmen. Ich habe mit nichten ausgeschlossen mir wenn für mich der Punkt erreicht ist eine SHG oder Anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen...
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kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
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Steinbock84

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Re: Steinbock84
« Antwort #16 am: 09. Juli 2019, 17:32:45 »

Ich kann dir auf jeden Fall soweit beipflichten das ich auf der bleiben seite noch mehr Punkte als auf der gehen seite habe, denn sonst würde ich wahrscheinlich nicht mehr überlegen. Findugsphase finde ich sehr passend ausgedrückt.
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ichbinich

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Re: Steinbock84
« Antwort #17 am: 12. Juli 2019, 18:10:19 »

Hm...

Einerseits gibt es eben Fälle, wo ein Alkoholkranker und ein Nicht-Alkoholkranker eine Partnerschaft führen und glücklich damit sind.

Andererseits wird hier geschrieben von "bist noch nicht soweit zu gehen"

Also zumindest aktuell geht es mir mit meinem Partner so, dass ich ganz klare Abgrenzungen für mich selbst aufgestellt habe und damit geht es uns beiden sehr gut. Er muss sich nicht schämen, weil er unter Alkohol irgendwas doofes zu mir gesagt hat und ich muss mir das nicht anhören - weil ich nämlich vorher auf Abstand gehe. Das ist zum Beispiel eine unserer Abgrenzungen.

Oder dass ich nicht mit ihm zusammen ziehen werde, solange er so regelmäßig trinkt.

Ich weiß nicht, ob solche klaren Grenzen auch bei Dir möglich sind, Steinbock?

Mir wurden da viele gute Ideen durch eine Beratungsstelle mitgegeben.
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Sunrise

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Re: Steinbock84
« Antwort #18 am: 15. Juli 2019, 14:31:16 »

Liebe Steinbock 84
Du schreibst du willst dich gerne mit anderen Betroffenen austauschen. Ich habe selbst viele Jahre in einer sehr ähnlichen Partnerschaft gelebt wie du. Bin jetzt seit fast einem Jahr von meinem Partner getrennt.
Mein Expartner hat auch ähnliche Mengen an Bier täglich getrunken und er war auch eine tickende Zeitbombe. Die ständige Ungewissheit was passiert heute, wie ist er heute gelaunt, ist ein normales Gespräch möglich oder nicht. Du schreibst du hast dich mittlerweile damit abgefunden. Mir ging es damals ähnlich. Das ständige Nörgeln und die Streitereien werden einem Zuviel und man sagt einfach gar nichts mehr, zieht sich zurück, lebt nebeneinander her. Irgendwann spürt man auch dass es keinen Weg mehr zum Partner hin gibt, man kommt nicht mehr ins Innere. Man kennt sich nicht mehr. Es entsteht Distanz.
Und trotz allem hat man viele Jahre nebeneinander, gemeinsam (einsam?) verbracht und möchte nicht alles hinschmeißen. Ich verstehe dich in deiner Situation wirklich sehr gut.

Was wird aus ihm wenn ICH ihn verlasse? Säuft er sich dann zu Tode? Auch dass habe ich mir öfter gedacht.
Da hab ich mich wohl etwas zu wichtig genommen. Schlussendlich hat ER mich betrogen und hat jetzt eine neue Partnerin. Er hat mich nie gebraucht, er wollte und will einfach nur möglichst ungestört seiner Sucht nachgehen. Ich weiß heute auch dass ich ihn nicht brauche um zu leben.
Er ist für sich selbst verantwortlich und ich bin für mich selbst verantwortlich. Du kannst ihn nicht retten, du kannst nur dich selbst retten.
Seine Sucht liegt nicht in deiner Verantwortung.
Ich habe anfangs mit diesem "Du musst auch Dich schauen" überhaupt nichts anfangen können. Heute ein Jahr später und durch die regelmäßigen Besuch bei einer Suchtberatungsstelle, habe ich verstanden was damit gemeint ist.

Ich weiß genau wie du dich fühlst liebe Steinbock 84. Ich hatte auch solche Hemmungen zu einer Beratungsstelle zu gehen. Soweit fehlts dann auch wieder nicht, ein bisschen schaff ich schon noch, dachte ich mir. Heute denke ich mir, hätte ich doch schon viel früher Hilfe in Anspruch genommen, wäre mir soviel erspart geblieben. Es ist unfassbar erleichternd, einer fremden Person die spezialisiert ist auf Suchterkrankungen von deinem Leid zu erzählen und gemeinsam Lösungen zu finden.  Ich hätte mir vor Jahren im Traum nicht vorstellen können einen Psychologen aufzusuchen.  Heute weiß ich dass es schon seine Berechtigung hat die Psyche des Menschen zu studieren. Die Menschen die bei einer Suchtberatung arbeiten, wissen wie es dir geht, sie wissen was zu tun ist. Sie können dir eine Hilfestellung leisten die dir nicht einmal deine besten Freunde oder Familie geben können. Trau dich dort hin zu gehen!

Es könnte viel schlimmer sein, soviel trinkt er ja auch wieder nicht, heute hat er weniger als letzte Woche getrunken, er ist ja im Grunde kein schlechter Kerl, sich jedes mal vornehmen zu gehen und es dann doch nicht übers Herz bringen....All diese Gedanken hatte ich auch. 8 Lange Jahre.
Mein Partner hatte (und hat auch heute noch) keine Einsicht in seine Krankheit. Und unter diesen Bedingungen ist das beste dass mir passieren konnte die Trennung!
Ohne Einsicht, machst nur du dich kaputt. Es wird nicht einfach so wieder besser. Es wird nur einfach so von Jahr zu Jahr noch schlimmer, es werden immer mehr Grenzen überschritten, es dreht sich weiter und weiter und weiter.

Tu was dagegen! Steh auf! Hol dir Hilfe! Kämpfe für DEIN Leben!
Ich wünsch dir nur das Beste.
Ganz liebe Grüße Sunrise


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Steinbock84

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Re: Steinbock84
« Antwort #19 am: 17. Juli 2019, 06:59:23 »

Hallo sunrise,

Vielen Dank für deinen Beitrag, es tut gut zu hören, dass sich andere genauso gefühlt haben und auch lange gebraucht haben bis sie zu einem Entschluss bereit waren.  Inzwischen habe ich mich telefonisch mit einer Beratungsstelle in Verbindung gesetzt und schon einige Tips für mich erhalten die mir bis ich zu dem Schritt mich zu trennen bereit bin helfen können. Ich war muss ich zugeben sehr überrascht darüber wie gut die Dame am Telefon verstand, das ich den Punkt zu gehen, warum auch immer, (so manches Mal verstehe ich
 es ja selber nicht) einfach noch nicht erreicht habe.
Es ist schon erstaunlich, daß sich das Verhalten der trinken den so oft ähnelt, denn auch die Dame der Beratungsstelle hat es ähnlich wie du und auch ich schon oft miterlebt. Und ja es tut gut mit fremden darüber zu reden, und sie sehen vieles anders als Freunde und Familie. Vorallem hätte ich nicht gedacht das jemand anders im Ansatz versteht, warum man sich nicht sofort oder früher aus so einer Beziehung lösen kann. Psychologische Hilfe für mich hat die Dame auch angeraten, allerdings musste ich feststellen das es gar nicht so einfach ist zeitnah einen Termin zu bekommen.
Darf ich noch fragen, wie lange es bei dir gedauert hat bis dir klar war das dein ex Partner ein Alkohol problem hat? Bei mir ging das so schleichend das ich anfangs nicht einordnen konnte woher die probleme kamen und auch das schleichende mehr trinken meines partners habe/wollte ich erst nicht erkennen.
Nochmal danke für deine aufbauenden und verständnisvollen Worte.
Lg
Steinbock
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Steinbock84

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Re: Steinbock84
« Antwort #20 am: 17. Juli 2019, 07:11:38 »

Ich möchte auch zu dem Beitrag von ich bin ich noch etwas antworten, ja ich versuche auch mich abzugrenzen, das was er da manchmal so von sich gibt nicht an mich heran zu lassen, allerdings ist das zumindest für mich nicht wirklich einfach, aber es funktioniert mit der Zeit immer besser, ich komme zwar immer besser damit klar, aber für die Ewigkeit ist das glaub ich keine Lösung sondern nur eine "überbrückende" Lösung bis man soweit ist den nächsten Schritt zu gehen. Aber auch dir vielen Dank für deine Erfahrungen.
Lg
Steinbock
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Susanne68

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Steinbock84
« Antwort #21 am: 17. Juli 2019, 08:36:47 »

Guten Morgen Steinbock,

falls es missverständlich war, ich meinte mit dem "nicht schlimm genug" nur, dass Du Dich nicht überwinden konntest, Dir Hilfe vor Ort zu suchen. Zum Thema Trennung hatte ich gar nichts gesagt und es liegt mir auch fern, Dich da zu einer Entscheidung zu drängen.

Da ich vergleichbare Situationen auch bei Anderen schon miterlebt habe und mich auch schon einmal getrennt habe, hoffe ich, Du hast nichts dagegen, wenn ich Dir meine Sicht auf das Thema Trennung in Kurzform erzähle.

Es gibt da den alten Satz, dass der Mensch nicht gerne alleine ist und der trifft ja auch immer noch auf die Meisten zu. Es gibt ein paar überzeugte Singles, aber das ist sicher keine Mehrheit und auch da sind Einige dabei, die erst nach unerfreulichen Erfahrungen zu dem Schluss gekommen sind, dass sie lieber alleine leben. Die meisten anderen Singles haben einfach keinen passenden Partner gefunden. Das ist das Eine, und das Andere ist, dass mit so einer Beziehung, auch wenn die Verliebtheitsphase durch ist, ja doch auch meistens ziemlich viele Hoffnungen und Erwartungen verbunden sind, die das eigene Leben betreffen.

Also wenn man sich über Trennung Gedanken macht, muss man sich einerseits auf ein eventuell ungeliebtes Alleinleben einstellen, der nächste passende Dauerpartner läuft einem meistens auch nicht gleich über den Weg, wenn man gewisse Ansprüche stellt (damit meine ich weniger finanzieller, eher menschlicher Art), und außerdem muss man die Träume begraben, die mit der bestehenden Partnerschaft verbunden waren und es ist für viele auch eine persönliche Niederlage, wenn eine Beziehung scheitert. Und in vielen Fällen ist es ja auch nicht einfach, die beiden Leben dann auseinander zu fieseln.

Also die Hürden für eine Trennung sind schon da und sie sind auch oft nachvollziehbar. So lange man noch Hoffnung hat, dass sich das anderweitig ändert und auch noch Gefühle / Liebe für den Partner da sind, ist es wohl schwierig, sich zu trennen (wenn man Rechnungen offen hat und unbedingt Recht behalten möchte, übrigens auch) . Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und es kommt ja auch in einigen Fällen vor, dass ein Alkoholiker in dieser Phase tatsächlich selbst zur Einsicht kommt. Wobei man ja auch immer wieder hört, dass Alkoholiker das dann wegen ihren eigenen Trennungsängsten und dem Preis, den sie für das Trinken bezahlen würden, überhaupt erst merken, was es geschlagen hat. Das funktioniert aber wohl auch nur dann, wenn sie der Sauferei keinen höheren Stellenwert einräumen wie ihrer Partnerschaft...Alkohol ist wie eine Geliebte. Ich habe das Alles auch schon selbst in meiner näheren Umgebung so mitgekriegt.

Was Du immer machen kannst und was ich auch für empfehlenswert halte, ist, das Du Dir selbst etwas Gutes tust. Erstens kannst Du damit Deine Lebensfreude verbessern, zweitens nimmt Dir das vielleicht ein wenig die Angst davor, wie es Dir gehen könnte, wenn Du einmal den Schritt zur Trennung gehen und dann alleine sein solltest - weil Du Dich ja da auch selbst um Dein Wohlergehen kümmern müsstest  - und drittens kann es mit viel Glück sogar sein, das Dein Partner Dich damit ernster nimmt als bisher, wenn er schnallt, dass Du Dich ein wenig abnabelst. Wie fühlt sich der Gedanke, ohne Deinen Partner zu sein und selbst etwas zu unternehmen, für Dich eigentlich an?

Die zentrale Frage ist in dem Fall eigentlich immer: was willst Du und was kannst Du für Dich selbst Gutes tun? Hast oder hattest Du irgendwelche Hobbies, die Du gerne wieder aufleben lassen wolltest, gehst Du gerne mit Freund(inn)en ins Cafe, legst du Dich gerne in die Badewanne, liebst Du Deinen Garten oder was immer Du sonst gerne machst. Oder war es Dein einziger Lebenswunsch, glücklich verheiratet zu sein und eine Familie zu haben? - das gibt es ja auch.

Das ist jetzt die Kurzfassung, ich habe auch nicht so viel Zeit, aber vielleicht kannst Du ja ein paar gedankliche Anregungen daraus mitnehmen.

Gruß Susanne
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Susanne68

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Re: Steinbock84
« Antwort #22 am: 17. Juli 2019, 09:18:49 »

Noch ein Nachsatz. im Lauf der Diskussion meinte ich auch beim Thema Trennung "wenn es schlimm genug ist, geht es" und das stimmt aus meiner Sicht auch, aber ursprünglich meinte ich das in Bezug auf "Hilfe holen". Und ich möchte betonen, das ich diese "Fachliche Hilfe vor Ort holen", was Du jetzt ja auch getan hast, für eine wesentliche Voraussetzung dafür halte, dass man eventuell noch retten könnte, was zu retten wäre - sofern Dein Partner das doch noch einsehen würde. Aber wenn Du selber erst mal weißt, was Du tun kannst, damit es Dir auch ohne sein Zutun gut geht, bist Du ja auch viel freier, das, was Dein Mann tut, ohne Angst auf Dich zukommen zu lassen.
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Sunrise

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Re: Steinbock84
« Antwort #23 am: 17. Juli 2019, 13:55:58 »

Hallo Steinbock 84
Super dass du dir telefonisch schon mal Hilfe geholt hast. Bei mir war es damals so dass ich cirka 3 Wochen auf einen Termin warten musste. Ich wollte sofort Hilfe und hatte Angst das ich es mir in den 3 Wochen nochmals anders überlege. Trotzdem glaub ich war es im nachhinein gar nicht so schlecht dass dazwischen ein wenig Zeit lag. Ich konnte meine Gedanken in der Zeit für mich selbst ein wenig sortieren und bekam  hier im Forum viel Hilfe für die ich sehr dankbar bin.

Ich kann dich sehr gut verstehen in deinen Ängsten sich zu trennen. An manchen Tagen habe ich es ganz klar und genau gewusst dass ich mich trennen muss und habe dies manchmal auch ausgesprochen. An anderen Tagen dachte ich er ist im Grunde kein schlechter Kerl, wenn er nur nicht mehr trinken würde, wäre alles in Ordnung. Aber genau dieses WENN und WÜRDE ist ein sehr wichtiger Punkt. Man kann nicht ewig im "Wenn" und "Würde" leben. Eigentlich gibt's nur JETZT.

Ab welchem Zeitpunkt mir klar wurde dass mein Partner ein Alkoholproblem hat, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Was ich aber bestimmt erst nach der Trennung verstanden habe ist dass eine Alkoholsucht eine Krankheit ist.
Als wir uns kennengelernt haben, hat mein Partner auch schon täglich getrunken. In meiner Anwesenheit cirka 2-3 Bier. Da in meiner Familie so gut wie überhaupt kein Alkohol getrunken wird, ist mir das damals auch schon aufgefallen. Es gab auch damals schon hin und wieder Streit darüber. Da es in unserer Gesellschaft (vorallem am Land) aber als vollkommen normal angesehen wird nach der Arbeit seine Bier zutrinken, habe ich sehr lang meiner eigenen Intuition zu wenig Achtung geschenkt.
Die Trinkmenge hat sich dann im Laufe der Jahre stetig erhöht. Wie du schon sagst dies passiert schleichend.
Mein Partner hat meist nur eine geringe Menge in meiner Anwesenheit getrunken und den Rest heimlich. Ich habe mir Jahre lang nur gedacht ok er trinkt halt recht viel. Da mein Expartner ein Pegeltrinker ist, war er auch eher selten so richtig betrunken, was es oft schwieriger macht die Situation früher richtig zu erkennen. Auch für das gesamte andere Umfeld.
Mein Partner hat sich zusehends im Laufe der Jahre verändert, körperlich und psychisch. Zum Schluss war es nicht mehr zu übersehen. Aber so richtig verstanden habe ich dies alles erst viel später, nach der Trennung. Wie sich die Alkoholkrankheit wirklich auswirkt auf dass gemeinsame miteinander im täglichen Alltag. Wie viele Lügen dahinter stecken um diesen Suchtkreislauf aufrecht zu erhalten. Wie sich die Psyche verändert und das Verhalten. Das alles habe ich währenddessen nicht bewusst mit einer Alkoholkrankheit in Verbindung gebracht. Ich habe mich viel mehr oft gefragt was passiert da gerade? Warum ist er so schnell grundlos gereizt? Wieso distanziert er sich so von mir? Wieso kann er sich nicht mehr an Dinge erinnern über die wir gestern gesprochen haben? Dies alles habe ich nicht verstanden. Sowas lässt einen schon mal an der eigenen Wahrnehmung zweifeln.
Als ich die ersten Gespräche mit meiner Psychologin hatte ist mir vieles wie Schuppen von den Augen gefallen. Ich dachte mir warum habe ich das nicht früher bewusst wahrgenommen.
  Deshalb bin ich der Meinung es ist sehr wichtig über seine Wahrnehmungen zu sprechen, mit Menschen die sich damit auskennen.
Sich ein wenig mit Sucht auseinander zusetzen und wie es Menschen verändert, hat mir geholfen die Verletzungen und Enttäuschungen leichter zu verzeihen und irgendwann vielleicht zuheilen. Es ist mir leichter gefallen loszulassen und Handlungen und Worte nicht mehr direkt ins Herz zulassen.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiter helfen. Schreib mir sehr gern weiterhin was dich beschäftigt.
 Ganz liebe Grüße Sunrise
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Gerchla

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Re: Steinbock84
« Antwort #24 am: 17. Juli 2019, 16:15:04 »

Liebe Steinbock84,

vielleicht hast Du in anderen Threads schon von mir gelesen, falls nicht möchte ich mich kurz bei Dir vorstellen:

Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und Papa von 3 Kindern. Meine erste Frau (mit der ich zwei wunderbare Kinder habe) habe ich , nachdem ich trocken wurde, verlassen. Ich lebe jetzt schon länger ohne Alkohol, bin wieder verheiratet und habe noch eine wunderbare Tochter bekommen. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben.

So, nur damit Du Dir ein kleines Bild machen kannst wer Dir hier schreibt.

Ich möchte Dir sagen, dass ich sehr gut verstehen kann, dass Du Dich nicht "einfach so" trennst. Ich möchte auch nicht mit "dann ist der Leidensdruck noch nicht groß genug" oder "dann bist Du noch nicht am Tiefpunkt angelangt" kommen. Auch wenn das vielleicht richtig ist möchte ich Dir erst mal nur sagen, dass ich das verstehen kann, ohne die genauen Hintergründe zu kennen. Ich will und kann nicht beurteilen ob es richtig ist, das Du Dich (noch) nicht trennst, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, auch wenn ich auf der anderen Seite stand, wie schwer es ist sich zu trennen! Und wie viele Gedanken man sich macht und dass dabei oft auch ganz surreale Gedankengänge aufkommen die einem außen stehenden Menschen wahrscheinlich völlig unlogisch vorkommen. Von außen ist es immer leichter auf eine Situation zu schauen, aber Du lebst ja dieses Leben und Du steckst in diesem Leben.

Du schreibst, Du hast noch mehr Punkte auf der "Bleiben"-Seite als auf der  "Gehen"-Seite. Ich glaubte heraus lesen zu können, dass die LIEBE auf der Bleiben-Seite stand. Das ist eine ganz starke Macht, ein ganz starker Grund. Fehlende Liebe meinerseits war bei mir letztlich der entscheidende Grund weshalb ich mich von meiner Frau trotz zahlreicher Gründe die für ein Bleiben gesprochen hatten, getrennt habe. Mit meiner Lebenserfahrung weiß ich aber heute auch, dass es manchmal besser sein kann, "in Liebe los zu lassen", als in Liebe unterzugehen.

Ich möchte Dir erst mal noch sagen, dass ich die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen habe, nicht über die absolute Wahrheit verfüge, mich schon oft in meinem Leben geirrt habe und Dir nur meine Meinung und meine Sichtweise schreiben möchte. Ich bin kein Angehöriger eines trinkenden Partners, ich stand auf der anderen Seite. Alles was ich Dir schreibe ist geprägt von diesen Erfahrungen, passt also nicht 100%ig zu Deiner Situation sondern kommt eben von Seiten des Alkoholikers. Bitte habe das immer im Blick, wenn Du über meine Zeilen nachdenken solltest. Das war mir jetzt nochmal wichtig Dir vorab zu schreiben.

Also, dann mal meine Gedanken:
Wenn Du ihn noch liebst und um ihn "kämpfen" möchtest, dann solltest Du Dir aus meiner Sicht klare Grenzen setzen. Denn sonst läufst Du Gefahr einen langen und aussichtslosen und am Ende für Dich vernichtenden Kampf zu führen. Aktuell schreibst Du ja, dass er 6 - 10 Bier trinkt, heimlich wahrscheinlich noch was oben drauf (was ich als ehemaliger Heimlichtrinker als sehr wahrscheinlich finde) und sich mehr und mehr verändert hat. Negativ. Wie Du schreibst poltert er herum, tickt aus und ich hoffe nur, er wird Dir oder den Kindern gegenüber nicht gewaltätig. Denn das wäre aus meiner Sicht dann ein nicht mehr verhandelbarer Grund ihn sofort zu verlassen. Davon gehe ich jetzt aber mal nicht aus.

Sein Verhalten ist normal, ganz normal für einen Alkoholiker. Anfangs merkt man gar nichts, mit zunehmender Dauer der Sucht und steigender Menge verändert sich der Charakter ganz enorm. Am Ende lebte ich in einer Parallelwelt und war nur noch damit beschäftigt diese aufrecht zu erhalten. Ich log und betrog was das Zeug hielt und versuchte irgendwie die Fassade aufrecht zu erhalten. Jedoch war ich nie agressiv, verbal ausfällig oder ähnliches. Jedoch sagte meine Ex-Frau mal zu mir: Ich wünschte Du hättest mich geschlagen, dann hätte ich gewusst woran ich bin und hätte Dich sofort verlassen - über diese Aussage kannst Du Dir ja mal Deine eigenen Gedanken machen.....

Zurück zu Dir. Die absolute Trinkmenge ist gar nicht entscheidend. Es geht doch nur darum, wie Du Dich damit fühlst. Aktuell scheinst Du also noch mehr pro Partner als contra zu sein. Obwohl er Dir und ich nehme mal an auch Deinen Kindern stark zusetzt.  Deshalb: Setze Dir und ihm Grenzen die dann auch einzuhalten sind. Sei ganz klar darin, was Du tun wirst, wenn diese Grenzen überschritten oder missachtet werden. Kommuniziere das auch und bitte bitte halte Dich dann auch an das was Du kommuniziert hast. Nichts schlimmer, als wenn er merkt, dass Du immer wieder einknickst und er machen kann was er will.

Ich will ehrlich sein. Es hat meiner Meinung nach keinen Sinn dauerhauft mit einem uneinsichtigen Alkoholiker zusammen zu leben. Das ginge nur dann, wenn Dich sein Konsum und Verhalten nicht stören sollte und es Dir nichts aus macht das er säuft und sich so benimmt. Wenn Du Dir sozusagen "nur" Sorgen um seine köperliche Gesundheit machen würdest und ihn ansonsten aber so nehmen könntest wie er ist. Ich gehe aber davon aus, dass das bei Dir nicht der Fall ist und Du eigentlich einen richtigen Partner möchtest und nicht ein zustätzliches, uneinsichtiges aggresives Kind um das Du Dich kümmern musst.

Ich weiß nicht was Du alles schon unternommen hast. Aber ich würde mich an Deiner Stelle auch mal mit dem CRAFT-Programm beschäftigen. Bitte google das einfach mal. Das ist ein Programm das speziell für Partner uneinsichtiger Alkoholiker konzipiert ist die eben nicht einfach alles hinwerfen wollen sondern die noch um ihre Beziehung kämpfen möchten. Vielleicht ist das ja was für Dich / Euch und es hilfrt Dir weiter. Es macht aber meiner Meinung nur Sinn, wenn Du Dir ein Zusammenleben mit ihm überhaupt noch vorstellen kannst, wenn also nicht schon zu viel Porzelan zerbrochen wurde. Aber da Du ihn noch liebst.....

Ansonsten sehe ich das so, dass Du irgendwann mal eine Entscheidung treffen musst / treffen solltest. Kannst Du mit ihm darüber sprechen? Wie reagiert er denn, wenn Du ihn direkt darauf ansprichst? Sieht er sich selbst als Alkoholiker? Will er was unternehmen oder schließt er es komplett aus?

Fatal wäre aus meiner Sicht, wenn Du eine Never-Ending-Story aus Deiner Situation machen würdest. Solche Stories können Alkoholiker leider sehr gut produzieren in dem sie die Angehörigen immer wieder mit unterschiedlichsten Methoden bearbeiten. Drohen, hinhalten, versprechen, sogar mal was machen (halbherzig), tiefe Liebe schwören, um Verzeihung bitten, flehen und verkünden, dass sie ohne ihren Partner nicht leben können, dem Partner die Schuld geben das man säuft, usw. usf.

Manipulieren gehört zum Handwerkszeug eines Alkoholikers und er beherrst es wie kein Zweiter. Deshalb musst Du Dir ganz klar werden, was DU möchtest. Es geht nur um DICH! Lass ihm sein Leben, wenn er dann tatsächlich weiter trinken möchte, dann lass ihn trinken. Er ist erwachsen, er entscheidet das selbst. Nur DU solltest Dich dann auch für DICH entscheiden.

Das waren mal meine Gedanken.

Und ich glaube tatsächlich, dass Du für Dich ein wenig das Tempo heraus nehmen solltest (nur ein Gefühl von mir), dass Du Dich in Ruhe strukturieren solltest um dann aber ganz konsequent zu handeln. Und ich glaube da hilft es Dir nicht, wenn ich Dir schreibe "nimm die Beine in die Hand und laufe so weit Du kannst", weil ich denke dass das eben auch nicht Dein Weg ist. Noch nicht....

Liebe Steinbock84, bitte achte auf Dich! Du musst der wichtigste Mensch in Deinem Leben sein. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Und, was ich auch als ganz wichtig empfinde: Du hast die Verantwortung für Deine Kinder (sie werden noch nicht volljährig sein, oder?). Achte auf sie! Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass die Kinder am meisten leiden. Und viel viel viel mehr mitbekommen, als Du auch nur ansatzweise vermuten würdest. Meine Tochte musste nach meinem Ausstieg erst mal in psychologische Behandlung und das war das beste was wir machen konnten. Mein Gott, ich hatte überhaupt nicht geschnallt wie tief sie (damals ein kleines Mädel im Grundchulalter) mit vertrickt war. Und das, wo ich doch nur heimich trank, nie gewaltätig war, nie austickte, nie herum schrie....

Ich schrieb, dass Du auf Dich schauen musst. Aber natürlich auch auf Deine Kinder, denn sie haben niemand anderen.  Dein Partner wird es nicht können, für ihn ist nur noch seine Sucht wichtig, für ihn steht nur der Alkohol im Mittelpunkt. So war es bei mir auch.

Liebe Steinbock, nimm aus meinen Zeilen was Dir hilft, den Rest verigss einfach. Ich wünsche Dir von Herzen das Du einen, das Du DEINEN Weg in ein freies und selbstbestimmtes Leben finden wirst!

LG
gerchla
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Steinbock84

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Re: Steinbock84
« Antwort #25 am: 18. Juli 2019, 08:05:10 »

Guten Morgen sunrise, guten morgen gerchla,
Vielen Dank für eure Beiträge, denn eure Worte sind sowas von wahr, und ich sehe mich im Beitrag von sunrise in vielen Dingen die du beschreibst wieder. Es ist eben wirklich dieses... Er ist ja kein schlechter Kerl, oft ist er zu den Kindern ein toller Vater, hilft ihnen, macht Hausaufgaben mit ihnen, repariert und baut mit ihnen usw. Er kann wenn er "will" ein toller Ehemann sein, er hilft zu Hause, man kann mit ihm reden, etc, doch dann kommt eben wieder sein erschreckendes ich zum Vorschein, teilweise ohne Vorwarnung und dann scheint der weg zu gehen ganz klar, wenn er dann aber am nächsten tag wieder "normal" ist, sich wieder um die Kinder gut kümmert wenn ich arbeiten bin, stellt man alles wieder auf den kopf und das spiel beginnt von neuem. Das das nicht richtig sein kann und nicht gut sein kann ist mir im Kopf ja eigentlich klar, doch das Herz spielt da (noch) nicht mit. Und ja genau das können viele nicht betroffene nicht verstehen. Und ich denke mir dann manchmal, wie sollen nicht Betroffene das auch verstehen können, wenn ich mich manchmal selbst nicht verstehe.
Und es hilft sehr, mit Menschen zu reden, die es zumindest ansatzweise verstehen warum man so handelt und auch wie hier oder mit der Dame per Telefon, die Tipps geben wie man sich selbst die Situation erleichtern kann im zusammenleben solange man eben noch nicht "bereit" ist diese Beziehung aufzugeben.
Ich ärgere mich auch manchmal über mich selbst, das ich dieses schleichende mehr trinken nicht früher erkannt habe. Ja es wird bagatellisiert in der Gesellschaft und im allgemeinen glaube ich viel zu leichtfertig hingenommen das jemand eben mehr trinkt als manch anderer. Wir wohnen auf dem Land und da ist es ja "normal" das nach Feierabend getrunken wird, gerade jetzt im Sommer, da kommt mal der, dann der zum Grillen, quatschen etc und dann wird eben getrunken, und wenn es dann erstmal zu spät ist, lassen die sogenannten Freunde, die sonst auf ein Bier abends vorbei kamen den der dann ein Alkoholproblem hat einfach fallen.
So wie gerchla es beschreibt, ist es eins zu eins bei meinem Mann, körperliche Veränderungen und vor allem das Verhalten und wie sunrise habe auch ich das lange nicht als Folgen des Alkoholikers gesehen, sondern mich immer wieder gefragt woher und was diese Veränderung auslöst, da vieles nicht unbedingt gleich auf das Alkoholproblem zurückzuführen ist. Gewalttätig ist er bisher nie geworden, weder zu den Kindern, noch zu mir. Und gerade unser kleiner Sohn hängt trotz allem sehr an seinem Vater. Unser großer, hängt unheimlich an unserem "Standort" er hat hier eine befreundete Familie mit großen Bauernhof, die mittlerweile sein 2. Zu Hause geworden sind und er somit immer einen Rückzugsort hat. Wie schon erwähnt wohnen wir sehr ländlich und wenn ich jetzt im Moment eine Trennung in Erwägung ziehen würde, müsste ich ihm das in gewisser Weise nehmen da es in der näheren Umgebung (nur kleine Dörfer ringsum) keine Chance auf eine Wohnung für mich und die Kinder gibt. Zudem besuchen beide Schulen in unterschiedlichen Richtungen, was mindestens für einen, einen schulwechsel bedeuten würde, dies ist auch nur einer der Gründe der mich zögern lässt eine Trennung in Erwägung zu ziehen. Und natürlich, wenn er wieder zumindest ansatzweise ein guter Ehemann und Vater ist, merke ich das ich ihn noch liebe und ihn einfach nicht im Stich lassen kann/will....
Die Dame der Beratungsstelle meinte es gäbe kein richtig oder falsch, sondern nur ein "das beste aus der momentanen Situation" für mich und die Kinder zu machen und ich glaube (hoffe) das ich mit den Ratschlägen der Beratungsstelle und den Ratschlägen von euch hier erstmal eine gute Basis habe um viel für mich zu lernen Bis ich dann wenn mein Mann wirklich nicht zur Vernunft kommt den Punkt erreicht habe dann doch eine Trennung zu unternehmen.
Lg Steinbock
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Steinbock84

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Re: Steinbock84
« Antwort #26 am: 18. Juli 2019, 08:54:09 »

Auch zum Beitrag von Susanne möchte ich mich kurz noch äußern,
Ja es gab Zeiten da habe ich Freundschaften und Hobbys außer Acht gelassen und vernachlässigt, bin mittlerweile aber aus diesem Punkt raus, gehe wieder hin und wieder alleine mit meinen Mädels weg und mache wieder Sport, denn es macht die Situation nicht besser wenn ich nur zu Hause sitze und keinen Ausgleich habe.
Und zu dem Punkt, das man nicht allein sein möchte, ja am Anfang war die Vorstellung befremdlich und hat mich abgeschreckt, aber dann habe ich versucht in den Zeiten wo mein Mann mal wieder" seine Tage" hatte mich nur auf mich zu konzentrieren, was kann ich alleine schaffen, wozu bin ich alleine im stande etc. Somit habe ich für mich die Erkenntnis gewonnen, das ich auf keinen mann an meiner seite angewiesen bin um mein leben zu regeln, natürlich, wenn man dann nur noch alleine ist und niemand hat der abends mit einem redet, einen film schaut o. Ä. Ist das nochmal ganz was anderes aber, niemand zu haben wäre in dem fall nicht viel schlimmer als jemand zu haben, der dann oft aus der Rolle fällt oder abends um neun im bett liegt weil man mal wieder zuviel erwischt hat. Wie ich oben in meinem beitrag schon erwähnt habe, der kopf hat vieles schon begriffen, doch solange das herz noch nicht mitspielen will.....
Ich hänge einfach noch zu sehr an dem menschen der mein mann mal war, und teilweise auch noch sein kann.

LG Steinbock
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Sunrise

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Re: Steinbock84
« Antwort #27 am: 18. Juli 2019, 16:01:50 »

Hallo Steinbock 84.
Ich finde du solltest dich auf keinen Fall ärgern dass du die Trinkmenge nicht früher bemerkt hast. Es ist schon super dass du jetzt überhaupt auf dem Weg bist für dich und deine Familie etwas an der Situation zu ändern und Hilfe suchst. Es hätte nichts geändert wenn DU früher gesehen hättest wieviel dein Mann trinkt. ER muss es sehen.

Über körperliche Gewalt habe ich vor kurzem in einem anderen Thread erst geschrieben. Mein Partner war lange Jahre ein friedliebender Mensch der keiner Fliege was zu leide tun würde. Am Ende unserer Beziehung war dies leider nicht mehr der Fall. Ich hätte niemals damit gerechnet, meinen einst lieben, verständnisvollen Partner einmal so zu erleben.
Doch psychische Gewalt ist nicht besser als körperliche. Geht manchmal vielleicht noch viel tiefer. Man hört und liest oft: "aber geschlagen hat er mich nie denn dann würde ich ihn sofort verlassen" Ich glaube dass dieser Satz auch als eigenes Schutzschild verwendet wird um dir selbst einzureden dass es eigentlich doch gar nicht sooo schlimm ist. Weil man es selbst nicht wahr haben will.

Du schreibst du hängst an dem Mann der er einmal war und manchmal auch noch ist. Ich habe es auch immer so beschrieben. Ich glaube aber dass dein Mann wenn er nichts ändert immer mehr zu dem Mann wird den du nicht kennst. Mein Expartner hat sich jedenfalls zu jemandem verwandelt den ich nicht kenne.
Meine Therapeutin hat mir dazu folgendes erklärt, vielleicht hilft es dir auch weiter:
Es gibt den weißen Stein : Dein Mann den du kennengelernt hast, der Verantwortung übernehmen kann, der gut von böse und richtig von falsch unterscheiden kann
Und es gibt den schwarzen Stein: der Suchtstein, der vom trinken bestimmt wird, nicht mehr viel Verantwortung übernehmen kann und nicht mehr rational von richtig und falsch unterscheiden kann
Immer wieder wechseln sich diese zwei "Persönlichkeiten"/Steine ab, aber je weiter die Sucht voranschreitet desto öfter ist er der schwarze Stein bis es den weißen Stein irgendwann gar nicht mehr gibt.

Was ich auch gerne wissen würde ist was dein Mann sagt wenn du ihn auf seinen Konsum ansprichst? Wie reagiert er? Wenn du möchtest beschreib doch einmal seine Reaktionen. Ich glaube es gibt viele hier im Forum die dir einiges hilfreiches dazu erklären können.

Ganz liebe Grüße sunrise

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Steinbock84

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Re: Steinbock84
« Antwort #28 am: 18. Juli 2019, 17:51:32 »

Tja, wie reagiert er wenn er auf sein trinkverhalten und seinen Konsum angesprochen wird, das kommt immer darauf an... Mal reagiert er "ganz normal" (ja da und da hatte ich etwas viel, aber ist ja nicht jeden tag und er könne jederzeit aufhören, auch wenn ich und vielleicht er auch weiß das das nicht wahr ist), mal wird er gereizt und mal übergeht er das ganze thema und lässt sich gar nicht darauf ein. Ich bin mir nicht sicher ob er selbst schon soweit ist und erkannt hat das er Alkoholiker ist oder er es wirklich nicht sieht oder sehen will.

Der Vergleich mit den steinen ist ziemlich gut, für mich fühlt es sich ebenso an, der weiße Stein,der Mann der er war, auf der anderen der schwarze, und mitten drin ein anfangs weißer Stein der immer mehr grau wird, bis er irgendwann schwarz ist und bei dem schwarzen liegen bleibt und ich wahrscheinlich, so hoffe ich und so male ich mir das langsam aus, wenn der Stein schwarz geworden ist, ist für mich der punkt erreicht an dem ich den mann den ich liebte nie mehr kennen werde und einen Schlussstrich ziehen kann....

Ich hätte da auch eine Frage an dich, wann, durch was, bzw gab es etwas was für dich den endgültigen Schlussstrich bedeutet hat? Natürlich ist jede Geschichte in vielen gleich und trotzdem anders und jeder hat so seine eigene "Grenze" wie lange man bleibt aber dennoch ist es interessant Gründe zu hören was anderen "geholfen" hat sich zu lösen. Und wie lange hat deine Beziehung insgesamt gedauert. Musst mir natürlich nur darauf antworten wenn du möchtest, vielleicht hast du es auch schon mal erwähnt und ich habe es überlesen.
Lg Steinbock
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Gerchla

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Re: Steinbock84
« Antwort #29 am: Heute um 10:41:53 »

Guten Morgen Steinbock84,

Zitat
Mal reagiert er "ganz normal" (ja da und da hatte ich etwas viel, aber ist ja nicht jeden tag und er könne jederzeit aufhören, auch wenn ich und vielleicht er auch weiß das das nicht wahr ist), mal wird er gereizt und mal übergeht er das ganze thema und lässt sich gar nicht darauf ein. Ich bin mir nicht sicher ob er selbst schon soweit ist und erkannt hat das er Alkoholiker ist oder er es wirklich nicht sieht oder sehen will.

Was Du da schreibst sind recht typische Reaktionen eines nassen und (noch) nicht so recht einsichtigen Alkoholikers. Es kann durchaus sein, dass er selbst schon weiß oder merkt, dass bei ihm was nicht stimmt. Ich vermute sogar, dass es so ist. Denn wenn ich an mich selbst zurück denke, dann war der Zeitpunkt an dem ich mir darüber klar wurde, dass ich wohl ein gewaltiges Alkoholproblem habe weit vor dem Zeitpunkt meines Ausstiegs. Allerdings hat einen die Sucht derart im Griff, dass man sich selbst in die Tasche lügt und dann nur das glaubt, was man glauben will. In lichten Momenten jedoch war ich mir sehr bewusst, dass ich da in was hinein geraten bin, aus dem ich wohl so einfach nicht mehr heraus kommen werde.

Aber es geht ja hier gar nicht um Deinen Mann sondern um  Dich. Mich würde jetzt noch eines interessieren:

Wie deutlich wirst Du denn, wenn Du mit ihm über dieses Thema sprichst? Ich meine damit ob Du "nur" so Dinge sagst wie "meinst du nicht du trinkst etwas zu viel?" oder ob Du ihm ganz deutlich machst das Du das nicht mehr möchtest. Das es Dich und Deine Kinder enorm belastet und Euch die Lebenfreude nimmt. Und ihm auch erklärst, was Du von ihm erwartest, wie Du Dir eine Beziehung oder Partnerschaft mit ihm vorstellst. Letzltich, so jedenfalls meine Meinung, wirst Du irgendwann mal ganz deutlich sagen müssen was Du tun wirst, wenn er sein Trinkverhalten nicht ändert. Und daran solltest Du Dich dann auch halten.

Denn, ich schrieb es bereits, Du solltest auf Dich und Deine Wünsche und Bedürfnisse achten. Anderfalls wird er Dich mit in den alkoholischen Abgrund reißen. Wenn er sieht welche Konsequenzen Du aus seiner Trinkerei für Dich ziehst und wenn er wahr nimmt, was das für ihn bedeutet, dann wird auch er sich entscheiden müssen: Ob er diese (also Deine) Konsequenzen irgnoriert und weiter trinkt oder ob er sein Leben verändern möchte um z. B. Dich und seine Familie nicht zu verlieren. Nun sagt man ja immer, ein Alkoholiker sollte von sich aus trocken werden wollen. Stimmt m. E. grundsätzlich auch und ist sozusagen die Idealvoraussetzung. Aber manchmal braucht es auch einen "Wachrüttler" um zu realisieren wie ernst die Lage eigentlich ist.

Wobei ich leider auch sagen muss, dass sich trotz "Wachrüttler" viele Alkoholiker einfach für den Alkohol entscheiden....

LG
gerchla
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