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Autor Thema: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?  (Gelesen 18798 mal)

Pyrophoric

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig?
« Antwort #15 am: 11. Dezember 2019, 18:40:56 »

ich glaube das wurde jetzt gänzlich Missverstanden. Hier hat jmd geschrieben, dass es meist für den Betroffenen wichtig ist den Grund zu kennen, warum sie das tun. Ich weiß nicht, ob es DEN Grund gibt aber der Grund ist für mich nicht relevant. Jeder findet seine eigenen „Gründe“ dafür, die es aber eigentlich nicht gibt, weil nichts das rechtfertigen kann. Daher habe ich geschrieben, was aus meiner Sicht sicherlich dazu beigetragen hat. Eine Rechtfertigung gibts für mich nicht.

Hab ich mich vertippt ?  Ich habe auch Gefühle für ihn aber ich nur weil man jmd liebt, heißt das für mich nicht, dass man deswegen automatisch zusammenbleiben muss. Vielleicht weckt es ihn auf.. aber ich weiß auch nicht, ob das richtig ist wenn er wegen uns jetzt sich Hilfe holt ? SOLLTE ER DAS NICHT FÜR MICH TUN SONDERN FÜR SICH? daher habe ich nur Gesagt ich kann nicht mehr mit ihm zusammen sein, ohne Forderung, dass er jetzt irgendwas tun soll. IST DAS SCHLAU ?

Ich hatte im vorherigen Beitrag nur versucht zu schreiben, warum ich an ihn geglaubt und die Beziehung nicht aufgeben wollte.. ich hielt ihn für ein Kämpfer und fand alles an ihm toll aber der Alkohol hat alles zerstört. Und ich weiß, dass er es vielleicht schwerer als manch andere hatte aber damit wollte ich ausdrücken, dass ich dachte er packt das. Weil er soviel gemeistert hat.. Ich kann das nicht beschreiben., für mich war er das STEHAUFMÄNNCHEN das ich sehr für seine  Stärke bewundert habe... ich denke auch, dass er deswegen denkt er kann alles alleine schaffen.. ist aber nicht so
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Pyrophoric

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #16 am: 11. Dezember 2019, 19:33:11 »

Vielleicht ein anderes Thema...

Was mir aber mit der Zeit immer mehr aufgefallen ist, dass mir das Trinkverhalten vieler Bekannten zu denken gegeben hat. ich hab mich manchmal draußen so richtig Fehl am Platz gefühlt. Alle um mich rum, waren nur am Saufen, was mich sicher zusätzlich manchmal verunsichert hat, weil keiner von ihnen so drauf war wie ich und sich beim Trinken Was mich auch sehr erschrocken hat, ist dass ich mich manchmal draußen so richtig Fehl am Platz gefühlt habe. Alle um mich rum, waren nur am Saufen, was mich sicher zusätzlich manchmal verunsichert hat, weil keiner von ihnen ihre Grenze kannten. Gefühlt dreht sich beim Weggehen oder Festen bei den meisten alles nur ums Saufen. Oder kommt mir das nur so vor?

Ich verurteile niemanden, aber mein Mann hat sehr viel Bekannte, die sich jedes Mal genau so weg ballern wie er. Einer davon fährt auch Betrunken Auto und ich hab ihm diesbezüglich meine Meinung gegeigt. Fand er angeblich richtig von mir aber macht er natürlich weiterhin..

Da kam ich mir oft, als die einzige normale vor....

Und was soll ich sagen ? FAZIT vom ganzen war, dass ich auf viele Veranstaltungen gar keine Lust mehr hatte, weil ich genau wusste, wie der Abend läuft. Das ist auch so ein Punkt, warum ich zusätzlich keine Zukunft gesehen hab. Ich hab lieber mein eigenes Ding gemacht, als ihn dorthin noch zu begleiten.

Ich finde es einfach krass, dass jede Gelegenheit genutzt wird zum Saufen, Geburtstag, Hochzeit, Weihnachtsfeier, Silvester, Weihnachtsmarkt.. das nimmt ja kein Ende.. und ich muss sagen, dass ich mich nicht nur in der Gegenwart von meinen Mann nicht mehr Wohlgefühlt habe, sondern auch bei denen, die jedes Mal wenn ich sie seh, Hacke dicht sind. Was ich auch echt unverschämt finde, ist, dass alle anderen am Trinken sind und immer wenn ich nichts trinken wollte oder heimfahren wollte.. zich mal mir sagen lassen musste,  lass das Auto doch stehen ! Hab Spaß!

Warum wollten immer alle, dass ich mitsaufe? Wahrscheinlich hab ich ihnen die Laune zerstört

Habt ihr Euch als Angehöriger dann auch von Freunden, die so drauf sind zurückgezogen? Ich nämlich schon. Ich habe das Gefühl sie konnten es kaum ertragen, dass ich nichts getrunken habe.. warum auch immer -.-  hat oder ich eben auch oft gar nix getrunken habe. Gefühlt dreht sich beim Weggehen oder Festen bei den meisten alles nur ums Saufen.

Oder kommt mir das nur so vor?

mein Mann hat sehr viel Bekannte, die sich jedes Mal genau so weg ballern wie er. Einer davon fährt auch Betrunken Auto und ich hab ihm diesbezüglich meine Meinung gegeigt. Fand er angeblich richtig von mir aber macht er natürlich weiterhin.. ich finde das so abartig   schwitz. so jemand wäre gar nicht mein Freund.

Deshalb kam ich mir oft, als die einzige normale vor....
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Susanne68

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #17 am: 12. Dezember 2019, 09:49:14 »

Habt ihr Euch als Angehöriger dann auch von Freunden, die so drauf sind zurückgezogen?

von solchen Freunden habe ich mich sogar schon zurückgezogen, so lange ich noch selbst getrunken habe. Ich hatte mal 10 Jahre, wo ich täglich in der Kneipe oder auf Festen war, aber das war bestimmt schon 12 oder 13 Jahre vor dem Ende meiner eigenen Trinkkarriere zu Ende, weil mich das Geschwätz ja schon selbst gelangweilt hat. War auch mehr zu Schul-und Studiums-Zeiten, wo das ja auch üblicher ist, gemeinsam abzuhängen.
Klar dass ich auch später noch getrunken habe, wenn ich unter Leuten war, aber ich habe mich dann viel mehr ins Privatleben zurückgezogen und ich kannte auch Leute, die viel weniger getrunken haben. Was das angeht, war es für mich auch nicht so ein Bruch mit der Vergangenheit, als ich aufgehört habe, die meisten meiner Bekannten wussten gar nicht, dass ich so viel trinke, weil ich das ja meistens erst nach Feierabend zu Hause gemacht habe. Und es hat auch tatsächlich keiner gemerkt ausser meinem Parter, war also sicher nicht so wie oft geschreiben, das es sowieso schon alle wissen und man das nur zu verbergen sucht. Ich habe gar nicht versucht das zu verbergen, ich habe nur wohl wirklich nicht so ausgesehen, wie man sich einen Alkoholiker vorstellt.

Gruß Susanne
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Susanne68

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #18 am: 12. Dezember 2019, 10:35:05 »

Hab ich mich vertippt ?  Ich habe auch Gefühle für ihn aber ich nur weil man jmd liebt, heißt das für mich nicht, dass man deswegen automatisch zusammenbleiben muss. Vielleicht weckt es ihn auf.. aber ich weiß auch nicht, ob das richtig ist wenn er wegen uns jetzt sich Hilfe holt ? SOLLTE ER DAS NICHT FÜR MICH TUN SONDERN FÜR SICH? daher habe ich nur Gesagt ich kann nicht mehr mit ihm zusammen sein, ohne Forderung, dass er jetzt irgendwas tun soll. IST DAS SCHLAU ?

was ihn angeht, ist es eigentlich vollkommen egal, was Du tust. Es ist noch viel egaler, als Du Dir das vorstellst. Wenn seine Sucht läuft, dann bekommt sie eine Eigendynamik, da gibt es kein richtig oder falsch mehr, vielleicht gehts ein bisschen schneller oder langsamer, aber es läuft bis ihm ein Licht auf geht. Und das kannst Du nicht anzünden, mit nichts. Entweder er schnallts oder er schnallts nicht, das kann morgen oder in 30 Jahren oder auch nie sein. Er muss selbst wissen, ob ihm das gut tut, schliesslich ist er erwachsen, gegen seine von Dir angeführten Probleme wird es kaum helfen, aber das kann Dir auch egal sein.

Ausserdem, wenn er noch ein Weilchen trinkt, dann wird er vom Trinken selbst weitere Probleme bekommen, wegen denen er dann, na was wohl, weitertrinken kann und muss, wenn es nicht sowieso schon so weit ist. Warum er mal angefangen hat, spielt dann überhaupt keine Rolle mehr, es reicht dann dass er vom Trinken schon genug  Probleme hat. Dazu gehört dann beispielsweise auch, dass Trinken die Stresstoleranz senkt (das ist messbar), also je mehr er trinkt, desto getresser ist er dann am nächsten Tag, und dann trinkt er wieder wegen Stress. Ich kenne das Spiel ja. Es gibt noch mehr so Faktoren, wegen denen er dann immer weiter trinken muss, weil ihn der Alkohol so schädigt, dass er ihn braucht, um diese Schäden (vordergründig und kurzfristig) zu kompensieren, das ist ein Teufelskreis. Dass ihm ohne Alkohol dann nichts mehr Spass macht, gehört auch dazu, dazu gibt es zwar eine genetische Disposition und Traumata in der Kindheit machen dafür auch anfälliger (lässt sich ebenfalls messen), insofern stimmt das schon, aber dass er deswegen trinkt hilft ihm gar nichts, er müsste vielmehr genau deswegen eigentlich aufhören, macht er aber nicht, so lange das mit dem Trinken für ihn und aus seiner Sicht von innen heraus noch scheinbar funktioniert.

Und es spielt auch keine Rolle, ob Du da dabei bist oder auch nicht. Das spielt nur für Dich eine Rolle. Für Dich macht es einen Unterschied, ob Du noch Jahre neben einem Trinker lebst oder nicht.
Ich hab mich auch mal von jemandem getrennt, den ich extrem geliebt habe, aber so wie der drauf war, war es einfach nur unvernünftig, mit dem zusammen zu bleiben. Da bin ich alleine noch besser klar gekommen, bei allen Schweirigkeiten die ich hatte. Und irgendwann ist das durch mit der Liebe, das geht auch wieder weg. So hart sich das anhört, ich brauchte dann zwar erst mal meine Ruhe, aber es war definitiv besser so und vom Kopf her ist das sowieso nicht zu erklären, warum ich mich in den überhaupt verliebt hatte, das passte eigentlich gar nicht.
Und bei Dir ist da ja nicht viel anders, denn Dein Mann stellt sich, was Freunde und Trinken angeht, doch ganz offensichtlich ein ganz anderes Leben vor als Du. Ist sein gutes Recht, denn es ist sein Leben, damit kann er machen, was er will, aber als Partner für dich passt er so halt nicht.

Gruß Susanne
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Pyrophoric

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #19 am: 12. Dezember 2019, 11:48:10 »

vielen Dank für deine Worte Susanne!

Ich fühl mich einfach von allen hier in der Realität unverstanden. Außer meinen Eltern denkt niemand er sei Alkoholiker. Und sogar sie sagen jetzt zu ihm, du hast es doch schon bewiesen, du hast ja schon vier Monate gar nichts getrunken. Deine Frau übertreibt.
Ich finde überhaupt nicht, dass ich übertreibe. Nur weil jemand, nicht jeden Tag trinkt - kann er sehr wohl ein ernsthaftes Alkoholproblem haben.
Aber niemand hier sieht es so wie ich. Es wird alles runtergespielt und ich übertreibe und das wäre mein Problem.
Und ja, das ist es auch, weil wie Du schreibst - ein solchen Partner möchte ich nicht.
Er sagt jetzt wieder dieses Jahr soll ich ihn machen lassen und nächstes Jahr trinkt er wieder nichts. Aber ich bin mir sicher, dann kommt der nächste Absturz. Ich habe gar nicht mehr, dass Gefühl das es irgendwo noch Sinn macht mit ihm zu reden.
Weil er sagt, ich stelle meine Bedürfnisse über seine. Ich will, dass er nichts trinkt und dass sei mein Problem. Hat er ja schon irgendwo auch Recht.
Aber ich darf doch für mich entscheiden, dass ich das so nicht akzeptieren will. Ich will nicht mit ihm Restaurant auf Feiern sitzen und ne Fresse ziehen, weil ich wieder seh wie er daher lallt und unser Wochenende am Samstag oder Sonntag den ganzen Tag auf dem Sofa pennt wie ein toter Fisch.
Welche Frau findet denn sowas gut?
Dazu muss ich sagen, dass man langsam den Respekt verliert.. wenn ich im Bad kotzen höre, habe ich null Mitleid. Ich würde ihn am liebsten fertig machen, aber halt meine Klappe. Und wenn ich sage, ich muss an mich denken, du ziehst mich vollkommen runter - muss er das eben auch verstehen.
Und zu sehen, dass mich seine Situation mitnimmt, ist es nicht. Aber er scheißt halt drauf und das zerstört alles.
Er versteht mich einfach null. Ach und er sagt, ich hab doch vier Monate gar nicht getrunken - was war dann besser?
Ich fand einiges war besser, er hatte mehr Power und wirkte auf mich viel weniger gereizt..
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Wolfsfrau

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #20 am: 12. Dezember 2019, 12:48:13 »

Hallo Pyrophoric,

das hier sprach mich sehr an:

Ich fühl mich einfach von allen hier in der Realität unverstanden. Außer meinen Eltern denkt
niemand er sei Alkoholiker. Und sogar sie sagen jetzt zu ihm, du hast es doch schon bewiesen,
du hast ja schon vier Monate gar nichts getrunken. Deine Frau übertreibt.

Nein, Du übertreibst nicht. Und es steht niemandem zu, seine Wünsche (z.B. nach einer "heilen
Welt" innerhalb der Familie) über Deine zu stellen. Oder Deine Wahrnehmung zu untergraben,
indem sie relativiert und herunter gespielt wird ("übertreiben"). Das ist genau genommen ein
Übergriff in Deine Beziehung zu Dir selbst, und in Deine Selbstachtung. - An der Stelle hat außer
Dir selbst niemand Zutritt oder Ahnung genug, sie für Dich auszufüllen. (Für Dich zu urteilen.)

Ich lese hier schon länger mit, und ich finde, Du bist innerlich sehr klar und damit auf dem besten
Weg, gut für Dich zu handeln.

Möglicherweise leugnen Deine Eltern, um ihrerseits nicht an (welche auch immer) Themen heran
zu müssen. Das ist aber ihr Problem, um das sie sich kümmern müssten. Auch um "die Leute" ...  ;)
falls das der Punkt sein sollte.

Ich finde, Du machst alles richtig. (Meiner bescheidenen Meinung nach. Ich bin Tochter aus alkohol-
krankem Elternhaus und hatte mit den Themen "Leugnen" und "Verzicht auf meine Wahrnehmung"
ausgiebig zu tun, so wie eigentlich jeder hier im Forum.)

Liebe Grüße
Wolfsfrau
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Massara

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #21 am: 12. Dezember 2019, 14:18:42 »

Hallo Pyrophoric

Ich bin auch Angehörige mein Mann trinkt auch mehr als mir lieb ist.
Das Problem das einen die anderen nicht verstehen kenn ich nach außen sind wir ein gutes Paar wenn man woanders ist weiß er sich zu benehmen und trinkt im Regelfall nicht so viel.
Das ist ein ziemlich blödes Gefühl wenn das Thema so runter gespielt wird mit ach so schlimm wird es schon nicht sein, lass ihn doch, so viel ist es doch gar nicht, er ist ja nicht täglich blau,.. .

Die Meinung anderer sollte uns eigentlich am Ar... Vorbeigehen schließlich müssen die ja nicht mit ihm zusammen leben.

Deine Wahrnehmung ist schon ganz richtig lass dir da nicht reinreden. Ich weiß leichter gesagt als getan.

LG massara
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Susanne68

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #22 am: 12. Dezember 2019, 14:32:55 »

Außer meinen Eltern denkt niemand er sei Alkoholiker.

das ist aber auch wirklich ein schwieriges Thema. Von aussen kann das nämlich gar niemand so genau sagen, ob er das wirklich braucht und ob er Alkoholiker im Krankheitsinn ist. Bevor er nicht sagt, ich will aufhören, aber ich kann nicht, oder eindeutige Entzugserscheinungen hat, ist das nicht eindeutig feststellbar. Dazu müsste er aber erst mal wollen und seine Machtlosigeit aussprechen. Nur weil Du das nicht nachvollziehen kannst und etwas Anderes willst, hat das ja alleine noch nichts zu sagen. Ich kann jemandem, der den ganzen Urlaub lang am Strand liegen will, auch nicht erklären warum ich gerne in den Bergen rumrenne. Könnten ja auch einfach Geschmacksunterschiede sein, und Risiken geht man für andere Interessen auch ein (denke an diverse Sportarten z.B. oder die nicht ganz ungefährliche Fahrt mit dem Auto in den Urlaub), ist also auch kein eindeutiges Kriterium.
Die Bezeichnung "Alkoholiker" ist in vielen Kreisen immer noch eine Beleidigung, das lässt fast niemand gerne auf sich sitzen. Und auch Krankheit ist eigentlich kein Kompliment, frag mal Firmen wie scharf sie auf Kranke sind. Eigentlich kein Wunder, dass man sich dagegen wehrt.

Für Dich dürfte es doch aber eigentlich gar keinen Unterschied machen, ob er so viel trinkt, weil er muss, weil er Alkoholiker ist, oder ob er das "nur"  macht, weil er im Grunde einfach Bock darauf hat. Oder sehe ich das falsch? Ob er das jetzt macht, weil er das normal findet, und sich wegen Dir nur nicht ändern will, oder ob er das macht weil es für ihn nicht anders geht, kommt doch für Dich aufs selbe raus. Für Dich trinkt er zu viel, mehr als Du bei Deinem Partner haben willst, und das reicht doch, oder nicht? Warum er das macht ist doch dabei relativ egal. Es kommt auf das an, was hinten für Dich rauskommt, und das gefällt Dir nicht.

In die Auseinandersetzungen mit Anderen, und wenns die engste Verwandschaft ist, würde ich mich dabei gar nicht so sehr verstricken, wen geht das denn etwas an? Du bist doch auch erwachsen, das braucht Dir doch niemand zu erlauben. Deine Ehe ist ja immerhin ein Punkt, der erst mal nur Dich und Deinen Mann was angeht. Du musst Dich Da auch nicht rechtfertigen, es gibt ja keine Pflicht, verheiratet zu bleiben, wenn das nicht mehr geht. Oder ist das wegen Deinem schlechten Gewissen, das Du von Anderen praktisch die Erlaubnis dazu haben möchtest? Und wenn sie dann halt Anderer Meinung sind, dann sind sie das halt, oder hast Du Schwierigketen, da bei Deinem Standpunkt zu bleiben?

Gruß Susanne
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Greenfox

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #23 am: 12. Dezember 2019, 17:16:47 »

Außer meinen Eltern denkt niemand er sei Alkoholiker.

Als ich mich damals geoutet habe, meinten auch Einige ganz erstaunt "Wie jetzt - so viel hast Du doch gar nicht getrunken!?!" Und ich konnte/musste dann immer wieder sagen "Ja, aber Ihr habt auch nur die Spitze des Eisbergs gesehen - und nicht, wie ich zu Hause war, wie mich meine Frau jeden Tag erlebt hat!"

Und von daher gebe ich Massara völlig recht:

Die Meinung anderer sollte uns eigentlich am Ar... Vorbeigehen schließlich müssen die ja nicht mit ihm zusammen leben.

DAS ist doch das Ausschlaggebende!
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Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!

Susanne68

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #24 am: 12. Dezember 2019, 17:40:31 »

Und was glaubst Du, wie lange Du als Alkoholiker trocken bleibst, wenn Du so viel auf die Meinung anderer gibst?
Meine Eltern fanden es beide nicht gut, das ich nichts mehr getrunken habe. Meine Mutter, die sich jahrelang drüber aufgeregt hatte, wie oft ich total betrunken war, meinte dann plötzlich, das ich deswegen doch nicht gleich ganz hätte aufhören müssen und hat mir noch jahrelang was angeboten, bis sie das dann irgendwann verstanden hat. Noch heute nehme ich den Uso beim Griechen für sie an, weil wenigstens sie ihn dann trinken will, und mich juckts nicht. Und mein Vater war ja sowieso der Meinung, dass das ein trostloses Leben ist, was ich da ohne Akohol führe.
Da muss man durch und ab und an einfach hart bleiben.
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changemaker

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #25 am: 16. Dezember 2019, 16:37:56 »


Hallo Pyrophoric,

zunächst möchte ich dich hier begrüßen und hoffe sehr, dass du vom Austausch mit den „Profis“ hier im Forum profitieren kannst, bzw. dir die Dinge vielleicht klarer werden.

Ich selbst bin seit knapp über einem Jahr hier und trinke seit August 2018 Jahr keinen Alkohol mehr.

Meinen Werdegang kannst du hier im Forum nachlesen.

Kurz zusammengefasst bin ich 57 Jahre und habe über 30 Jahre mehr oder weniger heftig getrunken.

Als ich deinen Beitrag gelesen sind mir einige Dinge durch den Kopf gegangen und deshalb möchte ich dir ein paar Gedanken und auch eigene Erfahrungen schildern.

Du befindest dich in einer ähnlichen Situation wie meine Freundin sich damals befunden hat.

Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit 12 Jahren ein Paar. I
ch hatte auch immer wieder Phasen in denen ich manchmal auch monatelang nichts getrunken hatte.

So wie dein Mann habe ich geglaubt, ich hätte das im Griff. Tief in mir drin war es mir allerdings damals schon klar, dass ich ein gewaltiges Problem hatte.
Ich dachte damals, dass meine Trinkerei für meine Freundin kein Problem sei, denn ich habe mich auch nie so richtig abgeschossen und wenn ich getrunken hatte war ich kein Typ, der dann besonders auffiel.

Ich wurde nicht aggressiv oder laut und hatte auch keine offensichtlichen Ausfallerscheinungen.

Was ich aber nicht gesehen habe war, dass meine Freundin sehr wohl darunter gelitten hatte  :'(.

Sie hat mir das nie direkt gesagt aber jetzt im Nachhinein kann ich mich an viele Situationen erinnern in denen sie es mir doch in irgendeiner Form gezeigt hat.

Das ist auch so eine Sache, die ich erst jetzt so richtig realisiere.

Wenn man selbst trinkt wird man blind für solche Andeutungen und will sie auch nicht wahrhaben.

Du hast ja hier schon jede Menge Information und Einschätzungen von Betroffenen bekommen.

Weshalb ich dir schreibe ist, dass du weißt, dass es manchmal auch gut laufen kann  :-X.

Du hast ja geschrieben:

"Heute ist Tag X, an dem meine Welt zusammengebrochen ist, und ich weiß, dass ich nicht mehr mit ihm zusammensein kann, dabei liebe ich den Menschen über alles. Aber ich kann es einfach nicht."

Genau an diesem Punkt war meine Freundin damals auch und sie hat die Konsequenzen gezogen.

Sie hat ihr Zeug gepackt und mir den Schlüssel hingelegt.
Zunächst war ich perplex und konnte es gar nicht glauben.

Im ersten Moment  habe ich mir gesagt: Nun gut, dann geh doch.

Ich war sogar ein bisschen erleichtert, denn ich konnte jetzt unbeschwert trinken.

Allerdings habe ich sehr schnell erkannt, dass ich durch meine Sauferei den liebsten Menschen verloren hatte und vor allem dass ich meine Freundin in eine Situation gebracht hatte die für sie einfach nur furchtbar war  :'(.

Deshalb wollte ich etwas ändern.

Ich bin in eine Motivationsgruppe, so eine Art Selbsthilfegruppe gegangen.

Mein Ziel war es zunächst, meinen Alkoholkonsum zunächst einzustellen aber dann vielleicht doch wieder ab und zu trinken.

Durch meine vielen Auszeiten in der Vergangenheit war ich der Meinung, ich könnte das problemlos schaffen.

Wir hatten dann per Email wieder Kontakt und ich habe ihr geschrieben, dass ich mich ändern werde usw.

Sie hat dann eine Sache geschrieben die mich erstmals ernsthaft zum Nachdenken gebracht hat.

Sinngemäß schrieb sie, dass ich ihr das schon oft bewiesen hätte, dass ich für eine gewisse Zeit ohne Alkohol leben könnte.
Aber was soll das bringen wenn ich mal für eine Zeit nur alkoholfrei lebe, wenn ich dann immer wieder in meine alten Verhaltensmuster zurückfalle.

Dieser Satz hat mich richtig beschäftigt :-[.

Ich bin in mich gegangen und habe festgestellt, dass sie in jedem Punkt Recht hat

.Erst da habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, mich komplett vom Alkohol loszusagen.

Ich habe dann ganz schnell erkannt, dass es nur funktioniert wenn man sich bewusst macht, dass man es für sich selbst tut.

Ich war dann cirka drei Monate mit mir selbst beschäftigt, habe alle möglichen Dinge hinterfragt und nach Ursachen geforscht.

Es war auch nicht so, dass ich nur darauf hingearbeitet hätte meine Freundin wieder zu gewinnen.

Es ging erstmal nur noch um mich.

Ich habe es für mich selbst getan und festgestellt, wie es mir von Tag zu Tag besser ging (ich meine seelisch).

Das Weitere kam von allein.

Auch wenn niemand in meinem Umfeld (außer meiner Freundin) bei mir ein problematisches Trinkverhalten bemerkt hatte stelle ich fest, dass sich meine Wirkung auf meine Umwelt zum Positiven hin entwickelt hat.

Wenn du mit dir selbst im Reinen bist, dann strahlt das auch nach außen hin ab.

Ich hatte vorher immer geglaubt, dass ich es jetzt im Griff habe und auf normalem Niveau mal was trinken kann. Das hat bei mir oft über längere Zeiträume (teilweise jahrelang) auch funktioniert.

Ich bin auch nach solchen Intervallen nie gleich abgestürzt sondern habe mich allmählich wieder an mein Trinkverhalten rangearbeitet.

Aber im Nachhinein war dieses „kontrollierte Trinken“ auch ein großer Kampf.

Jetzt da ich beschlossen habe nichts mehr zu trinken ist dieser Kampf endlich vorbei.

Ich überlege jetzt nicht mehr ob ich vielleicht doch ein Bier trinken könnte. Ich will einfach kein Bier mehr trinken.

Das ist fast so wie bei einer Allergie. Wenn ich weiß, dass ich z.B.keine Auberginen vertrage und sie mir schaden dann esse ich sie auch nicht.

Ich wünschte mir wäre das früher klar geworden aber es ist nun mal so wie es ist.

Jedenfalls hat meine Freundin bemerkt, dass sich bei mir etwas grundlegend verändert hat.

Ich musste ihr (und auch mir) nichts mehr vormachen.

Wir sind dann auch wieder zusammen gekommen und im Nachhinein hat sie mir gesagt, dass das Schlimmste für sie war zu sehen, wie sich ein geliebter Mensch selbst kaputt macht.

Dem konnte und wollte sie nicht mehr zuschauen.

Ich habe nie bemerkt, dass es für sie immer eine Stresssituation war wenn sie mit mir etwas mit Freunden unternommen hat.

Sie hatte immer Angst, dass ich es wiedermal übertreibe und dann eben auch für die nächsten Tag e nicht zu gebrauchen war.

Jetzt kann sie diese Dinge unbeschwert genießen weil sie sich sicher sein kann, dass ich nicht mehr trinke.

Ich weiß natürlich, dass meine eigene Geschichte in dieser Form nicht oft vorkommt aber es gibt eben auch solche Entwicklungen.

Ich würde mir wünschen, dass es für dich auch ein Happy End gibt.

Aber wie du vielleicht bereits bemerkt hast, liegt es in erster Linie an dem trinkenden Partner und da muss er eben alleine durch.

Bei mir sind verschiedene Faktoren zusammengekommen.

Aber den Schlüsselreiz hat meine Freundin gesetzt indem sie konsequent gehandelt hat

Hätte sie mich einfach nur zur Rede gestellt, dann hätte ich ihr wieder das Blaue vom Himmel versprochen.

Ich habe meine eigenen Versprechen natürlich auch erstmal selbst geglaubt aber funktioniert hat das nie.

Vielleicht habe ich dir ein wenig (aber bitte keine falsche)Hoffnung machen können.

Ich kenne natürlich weder deinen Mann noch eure bisherige Beziehung aber vieles von dem was du geschrieben hast hat mich an unsere damalige Situation erinnert.

Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute für die Zukunft.

Natürlich auch schöne Weihnachten und ein gutes neues Jahr.

tschau changemaker
 
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Poetr Y. Slam

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #26 am: 04. Januar 2020, 15:47:03 »

Hallo Pyrophoric,

auch wenn ich nicht weiß, ob Du noch mit liest, und wie es Dir zwischenzeitlich ergangen ist - ich hoffe gut - möchte ich hier kurz einsteigen und etwas aus meiner Sicht ergänzen. Ich befinde mich selbst in einer zumindest grundsätzlich ähnlichen Lage, mit getauschten Geschlechterrollen, und Kindern im Schlepptau. Ich kann nachempfinden, wie es in Dir aussieht. In der Hoffnung, dass Dir das helfen möge...

Zitat
Außer meinen Eltern denkt niemand er sei Alkoholiker. Und sogar sie sagen jetzt zu ihm, du hast es doch schon bewiesen, du hast ja schon vier Monate gar nichts getrunken. Deine Frau übertreibt.
Ich finde überhaupt nicht, dass ich übertreibe.

Selbstverständlich übertreibst Du nicht - überhaupt nicht!
Es wird zwar nichts ändern, aber vielleicht hilft Dir das Verständnis für das Unverständnis der anderen etwas dabei, dass es Dich zumindest weniger belastet. Abstellen wird schwierig, schaffe ich bis heute nicht. Bei mir liegt zwar ein anderer Kontext zugrunde, das Prinzip ist aber das selbe:

Andere Menschen nehmen Deinen Partner ganz anders wahr als Du. Du kennst seine guten Seiten, genau wie seine schlechten Seiten, und das in einer Intensität, der Dritte nicht mal nahe kommen, denn er ist Dein Partner, mit dem Du zusammenlebst.
Der feucht-fröhliche Abend ist für die Kumpels genau das: feucht-fröhlich. Sie fahren anschließend wieder heim - ob nüchtern oder nicht. Sie wischen auch nicht die Kotze auf; und die ist beim nächsten feucht-fröhlichen Abend schon längst weg. Er pennt nicht auf deren Couch, sondern auf Deiner. Es ist keine Kunst, bei anderen als toller Typ zu wirken, die allein diese Seite zu sehen bekommen.

Deine Eltern kennen Dich, sie vertrauen Deiner Einschätzung viel mehr als ein Dritter. Aber (!) für Deine Eltern ist der Alkoholismus ein sehr abstraktes Ding, das sich auf die simplifizierten Bausteine [trinkt zu viel] und [muss das "nur" lassen] reduzieren. Sie haben nicht die geringste Ahnung, was eigentlich dahintersteckt, und liegen mit ihrer Vereinfachung völlig daneben, sie sitzen einem völligen Fehlschluss auf, daher fassen sie eine Zeit der Abstinenz als Beweis dafür auf, dass das Problem nun gelöst ist. Ist es aber nicht, es ist nicht lös- oder abstellbar.

Sie haben aber das Problem nicht mal ansatzweise durchdrungen, sie sehen nur oberflächlich drauf, so wie ein Außerirdischer in seinem UFO aus der Vogelperspektive, der sich zum ersten mal die Spezies Mensch ansieht, z.B. ein Haus als rotes Rechteck wahrnehmen würde. Es wäre aber sinnlos, einem Haus deshalb die Eigenschaften eines Rechtecks zuzuordnen. Wer aber jemals mit einem Haus zu tun hatte, weiß, dass es nicht durch das rote, von oben flach wirkende Dach definiert wird, durch völlig andere Dinge. Für Deine Eltern ist Dein Partner so ein rotes Rechteck, bei dem doch alles in Ordnung ist, weil das Moos eine zeit lang vom Dach geschrubbt wird. Das wesentliche können sie aber nicht wahrnehmen - sie waren noch nie drin, sie wissen gar nicht, was ein Haus ist. Sie werden sich höchstwahrscheinlich auch nicht in die Thematik einarbeiten, dazu ist das - sofern sie das überhaupt könnten - viel zu weit weg von deren eigene Realität. Und deshalb reflektieren sie Dir, die das Ding von innen kennt, es sei doch alles gut (das trifft aber nur aufs Dach zu).

Ich hoffe, ich habe das nicht zu umständlich ausgedrückt.

Zitat
Gefühlt dreht sich beim Weggehen oder Festen bei den meisten alles nur ums Saufen. Oder kommt mir das nur so vor?

Nein, da bin ich ganz bei Dir. Ich kann so etwas selbst nicht ertragen, und das nicht erst, seit meine Frau ein Problem hat.
Es wirkt auf mich so unglaublich primitiv, gerade wenn es dann auch noch irgendwelche "Trinkspiele" laufen - und irgendwie scheinen all das als etwas völlig normales zu empfinden. Sie verwechseln in meinen Augen Konsum mit Geselligkeit.

Man muss sich nur mal überlegen, wie es wohl wirken würde, wenn irgendwo eine ähnliche Veranstaltungen stattfinden würde, auf der man z.B. das Eimersaufen durch einen Kokainschnupfwettbewerb ersetzt hätte. Soll sich auch gut anfühlen - aber fast jeder würde sagen: habt ihr eigentlich noch alle Tassen im Schrank?!
Nein, da ist objektiv kein Stück Geschirr mehr heil. Es ist nur so, dass dieser Schrank voller Fetzen einer ist, der üblich ist. Man hält ihn im Allgemeinen nur für normal, weil man nicht genauer darüber nachdenkt.

Wenn Dich Schränke voller kaputter Tassen stören - dann meide sie. Es gibt manchmal einen Unterschied zwischen Normalität und Mehrheit. Selbst wenn plötzlich alle beschließen, aus dem Fenster zu springen, dann ist das die Mehrheit, normal ist es aber noch lange nicht ;-) Du bist die Normale. Bewahre Dir das, und sei Stolz darauf!

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Hubby45

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #27 am: 09. Januar 2020, 14:18:19 »

Möglich das sich Deine Situation inzwischen gewandelt hat. Aber ich möchte kurz auf den Satz oder die Frage "wie verhalte ich mich richtig" eingehen.

Ausgangspunkt ist in diesem Fall die Art Deiner Beziehung und ich nehme meine eigene als Grundlage. Ich kenne nur mich selbst ganz genau. Soll heißen ICH "weiß" was ich wirklich denke und will...meine Frau ist obwohl mir der nächste Mensch total fremd und was sie wirklich denkt kann ich nur erahnen. Ich habe bestimmte Ansprüche an meinem Partner, was für welche das sind...vollkommen egal. Aber diese sind dafür verantwortlich das ich meiner Frau den Stellenwert zuweise den sie in meinem Leben hat.

Das bin ich. Meine Frau ist ein eigener Mensch mit eigenen Gedanken, Meinungen und Bedürfnissen. Ich realisiere das ich kein "Vorrecht" auf Glück oder Zufriedenheit auf Kosten anderer habe. Ich möchte das meine Frau glücklich ist. Und wenn sie das wegen mir nicht ist dann würde ich wollen das sie mir das sagt. Mir genug vertraut das sie offen aussprechen kann was sie will oder was sie nicht will. Praktisch der Grundbaustein für eine gute Beziehung IMO. Offene Kommunikation.

Gut möglich das ich nicht mag was mein Partner mir zu sagen hat und vielleicht bricht man auch mal einen Streit vom Zaun aber zuviele Leute haben Angst vor Streit und sind lieber ruhig mit der Konsequenz das die wichtigen Dinge dann nie zur Sprache kommen = es wird sich auch nie etwas ändern. In vielen Dingen kommt man ja auch zu einem Kompromiss. Sexpraktiken etwa....oder Urlaubsziele (drastisch...ich weiß).

In diesem Fall affektiert etwas außerhalb Deines Aktionsradius Dein Leben. Das könnte zum Beispiel auch sein das Dein Partner massig Gewicht zunimmt und Du damit nicht glücklich bist. Gleicher Ausgangspunkt. Sagst Du es offen heraus? (Schatz, Du wirst fett) Oder sind vielleicht subtile Hinweise besser? Oder gar nichts sagen? Abwarten bis sie selber unzufrieden wird? Die Schwere der Auswirkung ist entscheidend. Gewicht ist vielleicht nicht sexy aber das sollte nichts am eigenen Leben ändern.

Wenn Du einen festen Lebenspartner hast. Zeit investiert, verheiratet, eine gemeinsame Firma oder sogar Kinder hast.

MUSST Du die Dinge offen ansprechen können. Verschwende keine Zeit mit warten. Auch wenn es vollkommen unbegründet ist wird man in einer Beziehung trotzdem darüber reden können. Das ist kein wildfremder der einfach auf Dich zukommt und Dich frech frägt ob Du <insert peinliche Sache> tust. gerade bei Alkoholismus ist es wahrscheinlich sogar besser die Gefahr anszuprechen bevor es offensichtlich wird. Denn ab einem gewissen Punkt KANN der Betroffene das gar nicht mehr nicht sehen aber kann alleine nicht mehr weg. Nur dann ist es oftmals zu spät.

Ich dachte immer ich bin so aufmerksam und einfühlsam aber die Erkenntnis das meine Frau süchtig ist hat echt lange gedauert. Weil ich die Zeichen nicht richtig interpretiert habe. Es war ärgerlich, es war nervig und schlußendlich hab ich meiner Frau ja auch nichts zu sagen. Aber richtig kapiert das sie süchtig ist und wie Ernst das alles ist.....da war ich echt auf der Leitung gestanden. Das kann wohl jedem passieren denke ich, einfach blind sein für Zeichen die offensichtlicher nicht sein könnten im Rückblick.

Ich war mir auch eine zeitlang unsicher ob ich mir das alles nur einbilde oder nicht, ob es also notwendig ist ein offensichtlich schwieriges Thema anzusprechen. Aber DAS ich es anspreche....kein Zweifel darüber.

Das andere Menschen außerhalb der Beziehung den Partner anders wahrnemen ist ja gerade das teuflische das oft zu Streit führt. Du stehst ganz alleine da weil sich der Partner überall sonst normal verhält und keine Anzeichen einer Sucht erkennen läßt. Nicht die eigenen Eltern oder Geschwister, Freunde oder Kollegen. Du bist immer der erste oder einzige der das ganze Ausmaß wahrnimmt.

Party und einer der Gäste ist betrunken. Lustig für alle umstehenden aber jetzt auch kein Beinbruch oder? Die Frau steht daneben und schämt sich in Grund und Boden. Das ist ja fast schon doppelt lustig. "Mein Gott...stell Dich doch nicht so an, Dein Mann hatte etwas zuviel....ist doch halb so schlimm". Das sie ihn fast jeden Abend so sieht und das eines der ersten Male ist wo er sich auch öffentlich gehen lässt weißt Du ja nicht. Ansonsten wärst Du mehr betroffen als erheitert.

Niemand sonst sieht also den Ernst der Lage und wenn auch "petzen" vielleicht der beste Weg wäre...den Partner nicht vor peinlichen Szenen schützen sondern sogar noch draufzeigen....ich selbst würde das wie einen Verrat wahrnehmen. Also schwierig.

Das alles zu "übertreibe ich wenn ich meinen Mann darauf anspreche?".

Nein, auf gar keinen Fall. Ihr solltet Euch ALLES sagen können ohne das es zum Drama kommt. Aber selbst wenn ein Drama draus wird, erfolgreiche Beziehungen wissen wie sie damit umzugehen haben. Wenn meine eigene Ehe zerbricht dann nicht weil ich nicht offen darüber gesprochen habe oder gar nichts sagte.
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Pyrophoric

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #28 am: 22. Februar 2020, 13:18:53 »

Vielen Dank an alle, die mir geantwortet haben. Viele Antworten haben mir wirklich weitergeholfen!

Ich denke, es ist wichtig, dass ich diese Zeilen niederschreibe, um sie in schwachen Momenten zu lesen.
Ich liebe meinen Mann noch immer - dennoch halte ich es für das Beste, dass wir nicht mehr zusammen wohnen (er lebt in der Firma)

Letztendlich hat sich mein Leben noch zwei, drei Runden im Kreis drehen müssen, bis ich soweit war ihn zu bitten auszuziehen. Ich denke, das war der schwierigste Part bisher in meinem Leben. Ich liebe ihn, aber ich ertrage das alles nicht mehr. Ich bin fest davon überzeugt, dass es mich verändert und krank gemacht hat. Die ganze Situation war für mich sehr erdrückend. Manchmal dachte ich, ich bin depressiv.

Ich denke, dass auch wenn ich Liebe für ihn empfinde ich trotzdem kurz davor war ihn zu hassen.
Ich hatte in meinem Kalender eine tägliche Erinnerung, in der stand „ein Kranker, kann mich nicht kränken“ aber er hat es doch hin und wieder geschafft.

Am meisten unter Druck gesetzt hat mich seine Aussage, dass je mehr ich das Thema Alkohol thematisiere, umso genervter und trotziger wird er. Ich solle ihm doch einfach mal machen lassen (seine 3 Monate Abstinenz, hat er auch selbst gewollt) ich habe ihm oft gesagt, ob er weiß was er da von mir erwartet. Ich rede nicht über das Problem, um ihn zu ärgern, sondern weil es mein Leben zerstört.
Aber genau zu diesem Punkt kam er immer wieder... ICH WÜRDE NICHT AN IHN GLAUBEN, ICH SEHE NUR DAS SCHLECHTE IN IHM, ICH MACH IHM NUR VORWÜRFE...
Letztendlich war ich an allem schuld. Ich war die Partnerin, die nach all den Abstürzen nicht mehr glauben wollte, dass er KEIN ERNSTHAFTES PROBLEM hat. ICH WÜRDE IHM SOGAR EINREDEN ER SEI ALKOHOLIKER anstatt zu sagen, hey du schaffst das.
Ich sei die schlechteste Partnerin, die man sich vorstellen kann, weil ich ihn nur fertig machen würde.

Ich habe gesagt, wir brauchen Profis - und somit war ich wieder die Böse, die nicht an ihn glaubte.
Die ganzen Vorwürfe, dass ich so ein Pessimist sei und die ganze Beziehung schlecht reden würde.. ich sei so undankbar und würde nicht sehen, wie sehr er mich liebt und was er alles tut.

Ich habe mich so oft gefragt ob er recht hatte.. war ich undankbar, wenn ich sagte, der Urlaub war für mich zerstört... weil du dich an der Bar wieder betrunken musstest ?
Warum konnte ich denn nicht an den schönen Tag denken, den wir bis dato hatten ?!
Ja er war schön, aber letztendlich war er für mich durch diesen Abend dahin.
Bin ich deswegen undankbar? Weil ich die Erwartung habe Unternehmungen mal gänzlich ohne Alkohol zu haben ? Ich habe mich immer wieder gefragt, habe ich übertrieben ? Mal was zu trinken, ist ja nicht schlimm.. und dann kam die Erinnerung zurück - er hat eben nicht mal was getrunken - er hat sich bei all den Unternehmungen betrunken.

Gegen Ende der Beziehung hatten wir VIP Karten mit all you can eat und drink im Stadion.
Ratet mal wer sich nicht gefreut hat ?!
Weil ich die Angst schon in mir trug... und schwups bestellte er das erste Radler... ich habe versucht nichts zu sagen und er hat es mir angesehen.. er sagte selbst: Was ist jetzt eigentlich dein Scheiss Problem ? Das ist 1 Radler. Und ja das stimmt. Hätte mein Vater ein Radler bestellt, hätte ich keine Fresse gezogen. Bin ich also doch mit schuld ? Habe ich ihn mit dazu getrieben ? Überreagiert ? Die Fragen hören nicht auf. Und dann bestellte er weiter und weiter bis ich sagte „ich fahre nicht nach Hause“
Ich denke er hatte drei Stück getrunken.. aber ich bin mir sicher, er hätte sie auch ohne meine Fresse getrunken - was meint ihr ?

Ich habe mich oft viele Dinge gefragt und damit mein eigenes Leben komplett ruiniert.
wird er den Urlaub mal ohne Absturz hinkriegen ?
Wisst ihr wie das ist, wenn man sich auf keine Unternehmung mehr freut ? Weil man weiß, er wird es wieder nicht ohne Alkohol schaffen ?
Da wusste ich, ich bin krank. Diese Beziehung wird mein Ende. Ich konnte die schönen Dinge sehen, aber haben sie mich wirklich noch glücklich gemacht ? Ich hatte das Gefühl sie wurden von all der Scheisse aus meinem Kopf gespült. Weil ich wusste, es wartet eh die nächste Enttäuschung auf mich.. der Fall wird tief. Ich habe mich am Ende nicht mal mehr auf unser Wochenende gefreut.
Da ich die Regel hatte zu Hause gibt es keinen Alkohol, hat er einfach schon Freitag abends auf der Arbeit schon drei Bier getrunken. Er hatte schon gelallt. Und den Rest des Abends ist er alle fünf Minuten ins Arbeitszimmer verschwunden und hat eine nach der anderen geraucht. Die Zigarette wurde zum Ersatz. Nen schönen Abend auf der Couch ? Zusammen entspannen ? Das gabs nicht mehr..
ich habe ihm so oft gesagt, dass das Trinken unsere Beziehung zerstört. Dass ich mich auf nichts mehr freuen kann und er hatte immer wieder ein schlechtes Gewissen, wenn er es doch tat. Nur aufgehört hat es nie.

Ich frage mich oft wie es Partner mit alkoholkranken aushalten ? Als ich das Problem endlich erkannte wurde alles unerträglich. Nicht mal Essen gehen war schön.. es war für mich unerträglich zu sehen wie er Alkohol trinkt.

Am meisten macht mich bis heute traurig, dass er sagt er wisse, dass es falsch sei aber ich habe ihn im Stich gelassen. Dabei habe ich ihm gesagt, ich bin für dich da, wenn du bereit bist dein Leben zu ändern - nur er gab mir nichts, nichts dass ich daran glauben konnte, das er wirklich etwas verändern will.

Ich hoffe euch erging es besser ;-)



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Greenfox

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #29 am: 22. Februar 2020, 14:45:26 »

Nach dem, was Du schreibst - und auch schon vorher geschrieben hast - war es allerhöchste Zeit, dass Du die Notbremse gezogen hast.

Und NEIN, er hat nicht recht - nicht Du hast den Urlaub, die Beziehung etc zerstört, sondern er! Und warum hast Du DEIN Leben ruiniert, nur weil ER es zerstört??

Am meisten macht mich bis heute traurig, dass er sagt er wisse, dass es falsch sei aber ich habe ihn im Stich gelassen. Dabei habe ich ihm gesagt, ich bin für dich da, wenn du bereit bist dein Leben zu ändern - nur er gab mir nichts, nichts dass ich daran glauben konnte, das er wirklich etwas verändern will.

Den Satz, Du hättest ihn im Stich gelassen, kann man mittlerweile, glaube ich, schon als Standard-Vorwurfeines Alkoholikers an seine/n Angehörige/n bezeichnen, um ihnen ein schlechtes Gewissen zu verursachen und von sich selbst abzuweisen. NATÜRLICH hat nie der/die Betroffene Schuld - es sind immer die Anderen, die Angehörigen, die ihn/sie dazu bewegen, dazu "zwingen" wollen, sich zu ändern. Obwohl sie doch überhaupt kein Problem mit Alkohol haben (nur ohne)!
Auch wenn es Dir und allen anderen Angehörigen, die dies an den Kopf geworfen bekommen, vermutlich schwer fällt: Ignoriert diese Ausgeburt des Alkohols! Es ist sozusagen ein Produkt des Alkohol-Deliers, die dem/der Betroffenen vorgaukelt, dass alle Anderen sich verschworen und ihn/sie im Stich gelassen haben!
(Das ist nur meine persönliche Ansicht!!)

Leider schreibst Du nur, wie schlimm es war, bis Du ihn "gebeten" hast, auszuziehen.

Aber: Seit wann ist er ausgezogen und, noch viel wichtiger, wie geht es DIR seit dem? Kommst Du wieder etwas zur Ruhe? Hast Du Dich auch mal nach Hilfe für DICH umgeschaut (Suchtberatung, Selbsthilfegruppe für Angehörige o.ä.)??

Gruß
Greenfox
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