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Autor Thema: Kapitulation  (Gelesen 60776 mal)

Franstef

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Kapitulation
« am: 22. Dezember 2016, 23:49:56 »

Hallo Forum,

möchte mich kurz vorstellen: mein Name ist Frank, ich bin 47 Jahre jung und Alkoholiker.

Ich trinke seit ich 20 bin, damals vermutlich noch aus Komplexen und jugendlichem Leichtsinn.

Mit der Zeit wurde es allerdings immer schlimmer und hatte mit jugendlichem Leichtsinn oder Übermut überhaupt nix
mehr zu tun. Es kam der Zeitpunkt, in dem ich es einfach nicht mehr unter Kontrolle hatte.

Mit 27 machte ich meine ersten Erfahrungen mit einer Fachstelle Sucht, damals noch in meiner Geburtsstadt.
Nach einigen Wochen bekam ich ein berufliches Angebot in einer grösseren Stadt im Schwarzwald und ich zog um,
auch weg von meinem lieben Vater, der mich bis dato schon etliche Male aus dem Schlamassel gezogen hatte.(Schulden etc.)

In der neuen Stadt ging es nicht lange, und ich fing wieder mit dem Trinken an, natürlich ohne hier eine neue Fachstelle
Sucht aufzusuchen. Ich wollte ja so richtig neu durchstarten...ich Depp!!!

Nach kurzer Zeit verlor ich meinen Job und bekam Arbeitslosengeld und macht neue (Sauf)schulden. Die Banken machten es
mir damals reichlich einfach und in meinem besoffenen Kopp griff ich zu. Ich war ja auch ein sehr guter Schauspieler und konnte mich gut verkaufen...

Ein dreiviertel Jahr später dann folgte mein erster richtiger Zusammenbruch und ich wurde mit dem Krankenwagen in einem
hiesigen Suchtkrankenhaus eingeliefert.
Nach 10 Tagen ließ ich mich auf eigene Verantwortung wieder entlassen, um dann am selben Abend wieder anzufangen zu trinken.
Das Drama nahm weitere 2 Monate seinen Lauf, bis ich meinen damaligen Hausarzt abends im Suff anrief und er mich ich Turboeilverfahren ins Suchtkrankenhaus einliefern ließ mit der dringenden Empfehlung mich diesmal nicht so einfach gehen zu lassen. Er informierte auch meinen Vater der sich am nächsten Tag sofort auf den Weg zu mir ins Krankenhaus machte.
Es war einerseits meine Einsicht in meine damalige Situation als auch das gute Zureden von meinem Papa so das ich mich entschied, diesmal wirklich etwas für mich zu tun und nicht gleich wieder abzuhauen.
Ich war erst ca. zwei Wochen in der geschlossenen Station und kann dann in die offenere Motivatonsstation.
Nach ca. 2 weiteren Wochen kam ich in ein Haus ausserhalb des Klinikgeländes, wo es um das Warum des Trinkens ging, offene Gruppen, Motivations und Entspannungstraining etc.
Hier blieb ich ca. 6 weitere Wochen und am Wochenende durften wir, wenn wir wollten in unsere Wohnung.
Ich wollte dies damals allerdings nicht, weil ich ja alleine wohnte und Angst vor mir selbst hatte.

Ich muss mal eine Pause machen, Fortsetzung folgt in ca. einer halben Stunde...

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Franstef

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Re: Kapitulation
« Antwort #1 am: 23. Dezember 2016, 01:41:44 »

Ich habe grad einen langen Beitrag als Fortsetzung weitergeschrieben und dann auf Vorschau geklickt und jetzt ist es weg.
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Franstef

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Re: Kapitulation
« Antwort #2 am: 23. Dezember 2016, 02:03:21 »

ich schreib jetzt verkürzt weiter. Ich habe jetzt nicht die Kraft mehr nochmal alles aufzuschreiben.

Seit diesem Zeitpunkt habe ich mehrere Trockenphasen hinter mir, die dann wieder von Alkoholexessen abgelöst wurden.

Seit knapp 9 Jahren habe ich die selbe Arbeitsstelle, da bin ich vor 2,5 Jahre leider auch schon mal wegen Alkohol aufgefallen.

Darauf hin machte ich eine Gesprächstherapie bei der Fachstelle Sucht und ich hörte wieder auf mit dem Trinken.

In dieser Zeit habe ich auch meine Frau kennengelernt, wir haben geheiratet und haben einen kleinen Sohn zusammen.

Das klappte auch ganz gut mit dem Alkohol bis vor einigen Monaten, da habe ich langsam wieder angefangen, da ich dachte,
jetzt habe ich es im Griff.

Vor einigen Wochen merkte dann auch meine Frau, das ich es absolut nicht mehr im Griff hatte. Am Wochenende kam ich spätnachts
oder erst am nächsten Morgen.

Vergangene Woche hatte meine Frau und ich einen Termin bei unserem Hausarzt. Da sagte sie, wenn ich mich nicht ändere und aufhöre zu trinken, will sie sich trennen.

Da ich Urlaub hatte habe ich dann bis Sonntag nachts weitergetrunken mit einen Tag Pause.

Als ich Sonntag nacht zwar leise aber total betrunken nach Hause kam, sagte meine Frau, das sie sich jetzt endgültig trennen will, da
ich ja weitertrinke.

Montag gegen 11 Uhr nachdem ich aufgewacht bin, habe ich dann den kompletten Alkohol der noch im Haus war, weggeschüttet.

Seit Sonntag nacht habe ich also keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Ich war Montag vormittag dann auch noch beim Arzt
der mich die komplette Woche krank geschrieben hatte, weil er gesehen hat, das ich fix und fertig bin.

Er hat mir was zur Beruhigung mitgegeben mit der Aufforderung mich sofort zu melden, wenn ich Entzugsprobleme habe.

Die letzen Tage waren nicht einfach ich war sehr nervös und habe geschwitzt wie verrückt. Gezittert habe ich aber nicht.
Die Nächte waren auch sehr unruhig.

Ich will diesmal wirklich nicht mehr anfangen zu trinken. Ich habe für mich kapituliert, ich sehe ein und gebe zu, das ich keine
chance gegen den Alkohol habe.
Ich habe aber eine Chance, wenn ich nicht mehr anfange.

Ende Dezember habe ich ein Gesprächstermin bei der Fachstelle Sucht. Anfang Januar bei der Psychologin für die Aufnahme für die
ambulante Therapie.
Heute abend gehe ich zu den anonymen Alkoholikern in SHG.

Ich hoffe ich bin auch bei euch willkommen und ihr begleitet mich auf meinem weiteren trockenen Weg.

Liebe Grüsse

Stefanut










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Mira

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Re: Kapitulation
« Antwort #3 am: 23. Dezember 2016, 08:31:47 »

Hallo Stefanut

Herzlich willkommen im Forum. Das alles geschriebene Weg war ist mir auch schon passiert, das ist  recht ärgerlich. Aber man hat auch mit Deiner Kurzfassung (2. Teil) ein umfangreiches Bild, was du schon alles erlebt hast und wo du jetzt stehst.

Du hast keine Chance gegen den Alkohol…. oder noch besser, der Alkohol hat keine Chance mehr bei dir! Ich wünsche Dir viel Glück bei bei Deinem Neustart ohne Alkohol und einen guten Austausch hier.

Lg Mira
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Betty

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Re: Kapitulation
« Antwort #4 am: 23. Dezember 2016, 09:20:53 »

Guten Morgen und herzlich willkommen. Ich hoffe, du kommst gesundheitlich einigermaßen klar. Gut, dass du deinen Arzt hast. Deine Frau ist noch da? Ich frage, weil es besser ist, wenn du nicht alleine bist. Für deinen Entschluss:  44.

Eine sehr gute Entscheidung. Du wirst dich sehr schnell darüber freuen. Von mir dafür alles Gute.

Tipp: schreibe in einer Textverarbeitung (word o. ä.) Und kopierte es hier hin. Dieses Verschwinden des Textes hatten wir alle schon mal.  nixweiss0

LG von Betty
« Letzte Änderung: 23. Dezember 2016, 12:02:35 von Betty »
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Auf dem Weg zu mir lerne ich mich immer besser kennen.
Ich habe Freundschaft mit mir geschlossen und freue mich, dass ich mir begegnet bin.

Ich bin lieber ein Original als eine herzlose Kopie.

Gerchla

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Re: Kapitulation
« Antwort #5 am: 23. Dezember 2016, 10:41:21 »

Hallo Stafanut,

erst mal: Natürlich bist Du herzlich Willkommen bei uns im Forum! Und natürlich sind wir auch gerne bereit Dich auf Deinem weiteren Weg zu begleiten. Das ist ja auch ein Grund, weshalb wir alle hier sind.

Wir sind so ziemlich gleich alt. Ich habe meine Familie verloren bzw. mich von meiner Frau getrennt und damit auch meine Kinder "verloren". Zumindest was den täglichen Umgang betraf. Es war das schlimmste für mich.  Ich wünsche Dir, dass Du die Kurve kriegst und es bei Dir nicht so weit kommen muss. Es hätte bei mir auch anders laufen können, dafür hätte ich viel früher mit dem Trinken aufhören müssen. Statt dessen habe ich, ähnlich wie Du, immer nur mal ein paar Trinkpausen hinbekommen. Sicher, es waren auch mal längere dabei, aber letztlich wurden die mit der Zeit immer seltener und immer kürzer. Schlimmer als mein Auftreten in betrunkener Variante (ich trank heimlich und konnte es auch gut verheimlichen) war allerdings die Veränderung meiner Persönlichkeit und meiner Denkweisen. Das führte über die Jahre dazu, dass ich mich von meiner Frau entfernt habe und letztlich auch keine Chance mehr sah mich wieder anzunähern. Auch nicht, nachdem ich aufgehört hatte. Somit habe ich mir durch meine Sauferei die Chance genommen eine Beziehung weiter zu führen, die eigentlich sehr sehr gut begonnen hatte und meiner (jetzt EX)-Frau habe ich die Chance genommen ein Leben zu führen, dass sie verdient hätte.

Das nur mal zusammen gefasst und vielleicht als kleine Motivation für Dich es anders zu machen!

Nun bin ich seit ein paar Jahren alkoholfrei und konnte in dieser Zeit sehr viel für mich erreichen. Ich habe eine neue Beziehung und werde wieder heiraten. Ich bin glücklich und zufrieden und habe mittlerweile ein gutes Verhältnis zu meiner Ex-Frau und auch zu meinen Kindern. Wir sehen uns wann wir wollen, die Zwänge der Anfangszeit gibt es nicht mehr.

Ich habe jetzt einen Zustand erreicht, den ich mir, nachdem ich aufgehört hatte zu trinken, nie erträumen hätte lassen. Ich habe ihn deshalb erreicht, weil ich nicht nur keinen Alkohol mehr trinke sondern weil ich versucht habe alles aufzuarbeiten. Nur nicht mehr trinken reicht m. E. nicht aus. Denn man muss erkennen, warum man getrunken hat. Vielleicht kommt man nicht zu einer 100%igen Antwort - Es gibt meist nicht nur den einen Grund für den Rutsch in die Sucht. Aber wenn man aufarbeitet hat man die Chance zu erkennen, wofür der Alkohol im eingenen Leben alles verantwortlich war und kann reflektieren.

Bei mir führte das dazu, dass sich meine Denkweise von anfangs "ich darf keinen Alkohol mehr trinken" hin zu "ich will keinen Alkohol mehr trinken" geändert hat. Einmal hat jemand hier oder in einem anderen Forum die Frage gestellt: Würdest Du wieder trinken, wenn es ein Medikamt gäbe, dass die Sucht heilt? Darüber habe ich dann lange nachgedacht und ich bin zur festen Überzeugung gekommen, dass ich auch, wenn meine Sucht jetzt auf "Null" gestellt werden könnte, nicht mehr trinken würde. Weil ich heute alles habe was ich mir wünsche, alles tun kann was ich mir wünsche, so sein kann wie ich mir wünsche - und das alles ganz ohne Alkohol. Wozu sollte ich nochmal trinken wollen? Genusstrinker war ich nie....

Das sind jetzt nur ein paar Gedanken von mir. Vielleicht helfen sie Dir Deinen Entschluss künftig ohne Alkohol zu leben noch etwas zu festigen. Wobei ich das Gefühl habe, dass Du bereits selbst felsenfest entschlossen bist Deine Sucht zu besiegen! Übrigens finde ich es sehr gut, dass Du eine SHG besuchen wirst. Habe ich auch gemacht. Und auch, dass Du zur Psychologin gehst und über eine ablulante Therapie nachdenkst  44. Es zeigt, dass Du bereit bist alles für Dein neues Leben zu tun!

Hier im Forum findest Du viele Menschen die einen ähnlichen Weg wie Du gegangen sind. Auch welche, die es völlig anders geschafft haben. Von allen kannst Du nur profitieren.

Auf einen guten Austausch und viel Kraft für Deinen Weg wünsche ich Dir!

LG
gerchla
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Franstef

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Re: Kapitulation
« Antwort #6 am: 23. Dezember 2016, 13:06:52 »

Vielen lieben Dank für die netten Rückmeldungen und die herzliche Aufnahme hier!
Ich bin grad sehr berührt,offentsichtlich habe ich mir noch nicht alle Gefühle weggesoffen:-)

Gerchia, gerade deine Zeilen bringen mich sehr zum Nachdenken...

Ich will meine Frau und meinen Sohn nicht verlieren.

Ich weiss aber auch, das ich in allererster Linie für MICH trocken werden muss.

Nur wenn ich trocken bin und es mir gut geht, nur dann kann ich auch für meine Familie sorgen.

Ich habe wieder eine ziemlich unruhige Nacht hinter mir und deswegen bin 12:00 geschlafen.

Nervös bin ich immer noch, wobei ich das Gefühl habe, das es langsam besser wird....

Ich werde jetzt erst mal eine schöne, heisse Dusche nehmen und dann melde ich mich später wieder.

Nochmals danke für die nette Aufnahme hier 44.

Liebe Grüsse

Stefanut
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Gerchla

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Re: Kapitulation
« Antwort #7 am: 23. Dezember 2016, 13:52:35 »

Lieber Stefanut,

Zitat
Ich weiss aber auch, das ich in allererster Linie für MICH trocken werden muss.

Das würde ich mal als die zentrale und wichtigste Erkenntnis bezeichnen! Nicht für andere sondern für Dich. Erst wenn man mit sich selbst im Reinen ist (und das ist man als nasser Alkoholiker nie), dann kann man auch für andere da sein. Ohne sich selbst dabei aus den Augen zu verlieren.

Hört sich gut an was und wie Du schreibst. Aber Du weißt, der Suchtteufel ist fies und heimtückisch. Und er bleibt es Dein Leben lang! Deshalb ist es so wichtig, dass Du Dir die Hilfe suchst, die Du schon angekündigt hast. Und das Du für Dich aufarbeitest. Und dann wird aus dem MUSS ein WILL!

Und es freut mich, dass Deine Frau/Familie offenbar noch bei Dir ist und zu Dir hält. Das macht auch Sinn, wenn Du es ernsthaft anpacken willst (und ich denke das willst Du), dann können sie Dich unterstützen. Aber wie Du schon erkannt hast: Mach es für Dich! Und alles andere wird sich nach und nach ergeben. Es wird einfach immer besser werden, so war es jedenfalls bei mir. Und klar: Probleme sind jetzt nicht einfach weg nur weil Du nichts mehr trinkst. Und die Welt wird nicht plötzlich rosarot und packt Dich in Watte, nein. Aber trocken und mit einem veränderten Bewusstsein wirst Du die Dinge ganz anders angehen können.

Es lohnt sich einfach. Ich habe ein komplett neues Leben - und durch die Erfahrungen, die ich als nasser Alkoholiker gemacht habe, fühlt sich dieses Leben nochmal so verdammt viel besser an als es sich vielleicht für jemanden anfühlt, der nie ein anderes hatte.

Also, bleib dran, auch wenn Du jetzt noch unruhige Nächte hast. Es wird und es braucht Zeit. Du kannst jahrelanges Trinken nicht in ein paar Tage oder Wochen wettmachen. In meiner AA-Gruppe sagte ganz am Anfang einer zu mir: Solange man gesoffen hat, solange braucht man bis man wieder "normal" ist. Vielleicht hörst Du das ja heute auch. Ich möchte jetzt sagen, dass das so vielleicht nicht ganz stimmt aber die Grundaussage, dass es einfach viel Zeit braucht, die ist vollkommen richtig!

LG
gerchla
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Greenfox

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Re: Kapitulation
« Antwort #8 am: 23. Dezember 2016, 14:47:38 »

Hallo, Stefanut, und auch von mir ersteinmal ein HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum  :welcome:

Im Prinzip kann ich mich meinen Vorschreibern anschließen.
Du hast zwar Deinen Lebenslauf/Werdegang beschrieben - der kommt mir aber sehr bekannt vor (obwohl ich Dich nicht kenne). Einige Elemente kenne ich aus eigener Erfahrung, andere aus den Erzählungen Anderer ...

Du schreibst

Ich will meine Frau und meinen Sohn nicht verlieren.
Ich weiss aber auch, das ich in allererster Linie für MICH trocken werden muss.
Nur wenn ich trocken bin und es mir gut geht, nur dann kann ich auch für meine Familie sorgen.

Das ist an und für sich richtig. Aber zumindest zu Beginn der "Ausstiegsrunde" kannst (nicht: musst!!) Du erst einmal jede Motivation mitnehmen, die Du greifen kannst - in diesem Fall Frau und Kind.
Und wenn Du den Anfang geschafft hast, kannst Du dann "egoistisch" werden. Natürlich ist es richtig, dass man hauptsächlich für sich selbst etwas tun und trocken werden sollte.
Hätte ich nur wegen meiner Frau und den Kindern vor mittlerweile über 8,5 Jahren mit dem Saufen aufgehört - dann könnte ich ja jetzt wieder anfangen: seit 6 Wochen bin ich geschieden (Grund hat allerdings nichts mit dem Suff zu tun).
Oder: auch große Firmen können als Arbeitgeber Pleite gehen ...
Aber für den Anfang - jede Motivationsspritze und Hilfe mitnehmen, die Du kriegen kannst.

Apropos "Hilfe": Das mit der SHG finde ich eine hervorragende Idee. Allerdings hoffe ich, dass Du Dir auch andere SHG als die AA anschaust - insbesondere, wenn sie nicht "Dein Fall" sein sollten. Es gibt so viele unterschiedliche SHG: Monolog-Gruppen wie die AA, aber auch diverse Dialog-Gruppen, konfessionell angebunden oder nicht, (von Therapeuten) angeleitete Gruppen und reine Betroffenen-Gruppen etc
Kommt natürlich auch ein wenig  ;) darauf an, ob Du auf dem Land, in einer Klein- oder Großstadt wohnst (... oder auf Helgoland), wie groß die Auswahl ist.

Probleme sind jetzt nicht einfach weg nur weil Du nichts mehr trinkst. Und die Welt wird nicht plötzlich rosarot und packt Dich in Watte, nein. Aber trocken und mit einem veränderten Bewusstsein wirst Du die Dinge ganz anders angehen können.

Es lohnt sich einfach. Ich habe ein komplett neues Leben - und durch die Erfahrungen, die ich als nasser Alkoholiker gemacht habe, fühlt sich dieses Leben nochmal so verdammt viel besser an als es sich vielleicht für jemanden anfühlt, der nie ein anderes hatte.

Das kann ich nur unterschreiben! Wahre Worte - mir aus dem Herzen gesprochen/geschrieben!

Alles Gute! Und: Auf einen guten Austausch!

Greenfox
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kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!

Land-in-Sicht

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Re: Kapitulation
« Antwort #9 am: 23. Dezember 2016, 15:47:48 »

Hallo Stefanut,

auch von mir ein 'grüß Dich hier'  :)

Vielen Dank für Deine offenen Zeilen, und gratuliere zu Deinem Entschluss!

Gut möglich dass Du damit, irgendwann rückblickend, zu diesem Weihnachten Dir und deiner Familie, eins der schönsten Geschenke machst die es gibt. Den konsequenten Ausstieg aus der abwärts führenden Suchtspirale - und somit der Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben. Ich wünsche Dir dafür alles erdenklich Gute, vor allem in der Anfangszeit viel Durchhaltevermögen, und Gute innere Kraft immer!

Du wirst Aktiv auf mehreren Wegen. Das ist gut und wichtig so.
Denn so beginnst Du Dich mit der Problematik zu beschäftigen, und nicht mehr umgekehrt.

Mach's gut und bis bald wieder,
Land-in-Sicht
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Franstef

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Re: Kapitulation
« Antwort #10 am: 23. Dezember 2016, 18:33:10 »

Dankeschön für die Rückmeldungen. Ich fühle mich wirklich willkommen hier und das fühlt sich richtig gut an.

Deswegen ist es für mich auch wichtig, hier e h r l i c h und o f f e n zu schreiben.

Ich habe keine Lust mehr, rumlügen zu müssen. Im Enddefekt habe ich mich durch meine Schönfärberei nur selbst verarscht!!!

Ich bin jetzt den 5 Tag ohne Alkohol. Körperlich habe ich das Gefühl, es geht mir deutlich besser.

Psychisch gehts mir nicht so gut, ich bin nervös und habe auch manchmal Angst unter Menschen zu gehen.

Ich habe halt das Gefühl, jeder könnte mir ansehen, was ich grad durchmache :-[

Um 20:00 ist das Meeting der AA direkt hier bei mir in der Nähe.

Ich war logischerweise schon ewig nicht mehr da, aber mit Sicherheit kennen mich noch ein paar Leute von dort.

Ich schäme mich natürlich, da jetzt wieder hinzugehen und zugeben zu müssen, das ich es wieder nicht geschafft habe.

Aber vermutlich ist genau dies, der richtige Schritt 44.

Ich werde auf jeden Fall hingehen, da wo die Angst ist gehts lang ;)

Jetzt werde ich mir erstmal was zu essen machen. Selbst ist der Mann...Frau und Kind sind unterwegs, vermutlich noch
Weihnachtseinkäufe machen. Bin froh, das ich meine Familie noch habe; ja, das bin ich wirklich :'(

Ich spüre mich gerade sehr intensiv. Manchmal mehr als mir lieb ist. Aber es ist okay :-[

Ich melde ich nach der SHG nochmal. Bis dann!

Stefanut
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Betty

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Re: Kapitulation
« Antwort #11 am: 23. Dezember 2016, 18:42:43 »

Halle Stefanut,

deine Beschreibungen sind sehr normal. Ich kenne das auch. Mir sind diese Dinge nicht unbekannt. Diese Gedanken, dass es einem jeder ansieht, hatte ich damals auch. Stimmt eher nicht, aber das egal. Hauptsache DIR geht es gut. Für heute Abend:  44. Wird schon.

LG Betty
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Brant

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Re: Kapitulation
« Antwort #12 am: 23. Dezember 2016, 19:27:13 »

Weisst du warum du es jetzt schaffen kannst. Weil du es so schaffen kannst.
Weil du es nicht mehr auf die leichte Schulter nimmst. Weil du "etwas" realisiert
hast. Bisher hast du vermutlich gedacht du schaffst das schon irgendwie…
irgendwie gibt es nicht. Du hast gar keine Alternative.
Wenn du das hier liest bist du wohl vom Meeting zurück. Du bist durch die Tür und hast
all die Leute gesehen, die dort sind. Sie sind nicht da weil heute nichts im Fernsehen dran
ist. Auch du bist da richtig. Wahrscheinlich hast du dort gesprochen.
Ich heisse ... und bist deinem Problem nicht mehr ausgewichen.


___

edit:

Zitat
20:00 ist das Meeting der AA

Gewöhnlich beginnen die AA Meetings deutschlandweit um 19.30.
Hat sich da was geändert oder sind die Räume erst ab 8 Uhr frei.
Weiss jetzt nicht.



« Letzte Änderung: 23. Dezember 2016, 19:41:08 von Brant »
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Franstef

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Re: Kapitulation
« Antwort #13 am: 23. Dezember 2016, 23:59:51 »

Hallo zusammen,

bei uns hier beginnt das AA Meeting tatsächlich um 20:00 Uhr.
Pünktlich dann wird vorgelesen wie es funktioniert ;)

Ich war da und wurde mit offenen Armen empfangen:-)

Zwei bekannte Gesichter waren noch da, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Gleich berichte ich mehr...

Liebe Grüsse

Stefanut
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Franstef

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Re: Kapitulation
« Antwort #14 am: 24. Dezember 2016, 00:20:19 »

Das Gute bei AA ist die Verlässlichkeit, das schätze ich sehr.

Ich war das erste Mal in dieser Gruppe im September 98, auch damals begann
das Meeting Freitags um 20:00 Uhr.

Vermutlich werden die Räume erst ab 20:00 frei, ich glaub vorher treffen sich da Senioren,
hab mir aber nie wirklich Gedanken darüber gemacht...

das Dienstag Meeting beginnt um 19.30 uhr auch schon jahrelang...von daher hast du sicher recht@Brant ;)

Ist allerdings in einer anderen Räumlichkeit.

Was gut für mich war, ich habe mich an dieses Meeting erinnert, auch nach all den Jahren und ich war heute da.

Nicht nur anwesend, sondern ich habe natürlich auch gesprochen. Auch hier offen und ehrlich, ohne zu beschönigen.

Die einzige Vorraussetzung für die Teilnahme ist, den aufrichtigen Wunsch zu haben mit dem Trinken aufzuhören.

Diesen Wunsch habe ich und von daher bin ich da vollkommen richtig 44.

Einige Rückmeldungen habe ich auch bekommen. Ich kann sagen, ich habe mich wohl gefühlt und bin mit keinem
schlechten Gefühl rausgegangen, ganz im Gegenteil.

Jetzt heisst es für mich am Ball zu bleiben und an meiner Trockenheit zu arbeiten.

Wir werden hier einen richtig guten Austausch haben, da bin ich mir sicher!

Schön, das ich hier sein darf und das ich mir euer Forum ausgesucht habe 44.

Euch allen eine gute Nacht(vielleicht schlaf ich heute ein bissi früher ein)

Stefanut



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