Alkoholforum - Für Betroffene, Angehörige und Interessierte

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 21 
 am: 18. Januar 2022, 16:01:08 
Begonnen von Vodka Jelzin - Letzter Beitrag von Vodka Jelzin
Zitat
hier ist nun mal eine private Website und eben nicht der Staat, hier kannst Du genau so rausfliegen wie aus einer Privatwohnung.

Das ist richtig. Aber würde Dir Susanne68 das gefallen? Möchtest Du an einem Forum teilnehmen, in dem sich die Mitglieder ausschließlich in ihrer Meinung selbst bestätigen?

Ich glaube nicht. Ich meine, ich hätte in Deinen Kommentaren, zwischen den Zeilen, eine rebellische Neigung herausgelesen, die mir gefällt. Ich kann mich aber auch täuschen.

 22 
 am: 18. Januar 2022, 15:50:31 
Begonnen von Vodka Jelzin - Letzter Beitrag von Gräfin
Ich nutze die Gelegenheit, Greenfox und euch allen meinen Respekt zu zollen für euer Engagement, Hilfsbereitschaft und Geduld.
Blumenstrauß für alle  :heartBalloon:

Liebe Grüße von Mina

 23 
 am: 18. Januar 2022, 15:44:08 
Begonnen von Vodka Jelzin - Letzter Beitrag von AmSee13
Ähnliches gilt für ein Forum: Warum sollte man sich nicht zunächst mit wohlwollender Sympathie begegnen und die Unterschiede akzeptieren?

Tust du das denn, wenn du mich so wie im folgenden Zitat diffamierst?

@AmSee13

Dein Kommentar ist angriffig und unsachlich. Solche Leute wie Dich nennt man NPC.

Mensch, VJ, tritt doch mal zurück und schau dir aus etwas mehr Distanz an, was hier abgeht.

Keiner will dir was Böses, aber so, wie in den Wald hineingerufen wird, schallt‘s mitunter zurück.

 24 
 am: 18. Januar 2022, 15:24:07 
Begonnen von Vodka Jelzin - Letzter Beitrag von Vodka Jelzin
Zitat
Du verstehst es wirklich gut, von dir selbst abzulenken.

Das ist richtig. Es geht mir an diesem Punkt nicht mehr um mich, sondern um elementare Regeln des Meinungsaustausches.

Ich halte es für das natürlichste von der Welt, dass zwei Menschen mit verschiedenen Köpfen auch verschiedene Gedanken in ihnen haben. Was soll daran schlecht sein?

Das gilt selbst für Beziehungen. Aus falsch verstandenem Harmoniebedürfnis versuchen Beziehungspartner oft ihre Meinungen aneinander anzugleichen. Ich halte das für falsch. Mir würde es nicht gefallen, wenn meine Freundin mir nach dem Mund redet. Wenn man es richtig anfasst, müssen die unterschiedlichen Meinungen in einer Beziehung nicht die Harmonie und die Liebe zwischen einander beeinträchtigen, ganz im Gegenteil.

Ähnliches gilt für ein Forum: Warum sollte man sich nicht zunächst mit wohlwollender Sympathie begegnen und die Unterschiede akzeptieren?

 25 
 am: 18. Januar 2022, 13:54:45 
Begonnen von Vodka Jelzin - Letzter Beitrag von Susanne68
Ha ha, ja gesperrt. Für Dich heißt doch "nicht benehmen können" lediglich unübliche freie Gedanken zu haben, nicht angepasst zu sein, autonom und unabhängig zu denken.

hier ist nun mal eine private Website und eben nicht der Staat, hier kannst Du genau so rausfliegen wie aus einer Privatwohnung.

Was willst Du eigentlich erreichen? Hier ist weder die zentrale Beschwerdstelle für Therapien noch für Selbsthilfegruppen.
Selbst wenn hier alle Deiner Meinung wären, würde das nichts an Deinem Ärger ändern und Du könntest genau so gut mit der Wand reden.
Und mir z.B. ist das doch Latte, was Dir da passiert ist, was erwartest Du denn? Ich bin genau so frei wie Du und ich muss Dir nicht helfen, wenn ich keine Lust dazu habe.

Ich bin aber auch nicht Deiner Meinung, denn es gibt immer welche, die sich was rausziehen, was sie brauchen können, und welche, denen das nichts bringt. Egal wo, das ist ja nicht nur bei Therapien so.

Und wenn Du Hilfe willst, bist halt Du als erstes gefordert. Und Du gehörst auch zu denen, bei denen man dss Geld umsonst rausgeschmissen hat. Als nasser Alki den Trockenen erklären zu wollen, wo es langgeht, zeugt höchstens von geistiger Minderbemittlung. Wenn Du wüsstest, wo es langgeht, bräuchtest Du ja niemanden. Dann wüsstest Du ja, wie Du aufhörst.

Wozu dann die Aufregung, wäre dann meine nächste Frage, wenn Du sowieso alles besser weisst. Dann hat Dir ja auch niemand geschadet.

Was ich schreibe, ist übrigens auch von der Meinungsfreiheit gedeckt.

 26 
 am: 18. Januar 2022, 12:45:43 
Begonnen von Vodka Jelzin - Letzter Beitrag von ichso
Alter Falter!

Du verstehst es wirklich gut, von dir selbst abzulenken.

Ganz frisch hier und schon den einzigen Admin übelst angreifen, der in seiner spärlichen Freizeit neben seinem bestimmt sehr anstrengenden Job, gerade wieder mal! in diesen Schwurblerzeiten - diese Seite überhaupt am laufen hält!

Danke sehr an Greenfox :) Für seine Geduld, seine Zeit, sein Wissen. Das er alles unentgeltlich hier in diese Seite einfließen lässt. :heartBalloon:

Und du, VJ, geh woanders trollen. Sauf dich gerne noch blöder, als du jetzt schon bist.

 27 
 am: 18. Januar 2022, 11:55:32 
Begonnen von Vodka Jelzin - Letzter Beitrag von Vodka Jelzin
Zitat
Oder, wenn Du Dich partout nicht benehmen kannst/willst, auch gesperrt.

Ha ha, ja gesperrt. Für Dich heißt doch "nicht benehmen können" lediglich unübliche freie Gedanken zu haben, nicht angepasst zu sein, autonom und unabhängig zu denken.

Wo habe ich hier gepöbelt? Wo habe ich mich wie der letzte Arsch benommen?

Du Greenfox bist hier der Held, der anderen den Hahn abdrehen möchte? Wie erbärmlich!

In Deutschland wurde die freie Meinungsäußerung noch nie geschätzt, sondern das Mitläufertum, was die Geschichte belegt.

 28 
 am: 18. Januar 2022, 07:07:20 
Begonnen von Kiri - Letzter Beitrag von Gräfin
Liebe Kiri,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier.

Von meinen lieben Vorschreibern hast du ja schon viele wichtige Erfahrungen und Anregungen bekommen.

Wir sind hier für dich da, um dich zu begleiten, wenn du magst.
Vor allem, um dir zu zeigen, dass es möglich ist, ohne Alkohol zu leben.
Gut und zufrieden zu leben.

Ich bin jetzt über 4,5 Jahre trocken und sehr zufrieden mit mir und meinem Leben.
Da kannst du auch hinkommen.

Alkohol ist im Moment dein „Auffangboden“.
Dieser ist aber nicht tragfähig, sondern Treibsand.
Nicht, um dich zu tragen, sondern um dich zu versenken...

Liebe Grüße

 29 
 am: 17. Januar 2022, 17:34:11 
Begonnen von Kiri - Letzter Beitrag von Susanne68
Liebe Kristin,

Natürlich gibt es auch Leute, die es alleine schaffen/geschafft haben. Aber ich kenne nicht wirklich jemanden, der es so geschafft hat (hier im Forum gibt es 1-2 Leute).

ich gehöre zu den ein bis zwei Leuten.

Aber das ergab sich eben so, weil es mir leicht fiel.

Anfangs dachte ich, das Aufhören wird sicher furchtbar, und ich war einige Male bei der Suchtberatung und hatte sogar angefangen, den Antrag für eine Langzeittherapie zu bearbeiten. Dann habe ich aber gemerkt, dass es mir ohne Alkohol so viel besser geht, dass ich nichts vermisse, sonst hätte ich nicht alleine weiter gemacht. Im Prinzip war mir das gar nicht so wichtig, ob alleine oder mit Hilfe, ich wollte es nur unbedingt schaffen und war bereit, alles dafür notwendige zu tun. Und dass es dann doch einfach war, habe ich dankbar zur Kenntnis genommen. Die ersten Monate waren es erst mal nur die offensichtlichen Dinge, es ging mir körperlich sehr viel besser, und die ganzen Selbstvorwürfe wegen dem Trinken waren auch weg.

Ich weiss ja gar nicht, was Du vor hast. Andere haben ja schon einiges dazu geschrieben.

Ich selbst hatte halt immer die Vorstellung im Kopf, dass Alkohol einfach dazu gehört. Normale Erwachsene trinken täglich Alkohol, so bin ich aufgewachsen. Wenns mir gut ging, gabs was zu feiern, und wenn es schlecht ging, konnte ich mich wegbeamen. Usw usf, mit der Zeit gehört Alkohol dann überall dazu, weil es ohne nicht mehr geht. Dann trinkt man, weil die Sonne scheint, genauso so gut, wie weil es regnet. Irgendein Grund findet sich dann immer.

Lange hatte ich versucht, es zu kontrollieren, Trinkpausen gemacht, aber eines Tages sah ich klar vor mir, wenn ich anfange, dann endet das mit schöner Regelmässigkeit in einer Situation, in der es mir beschixxen geht und in der ich mich selbst dafür hasse. Ich hatte einen Trinkstil, wenn ich angefangen habe, dann habe ich getrunken, bis ich absolut voll war und nicht mehr konnte. Dabei hatte ich mich, gerade weil ich die Pausen gemacht habe, lange nicht mal als Alkoholikerin gesehen, ich hielt das "nur" für Missbrauch. Ist aber egal, Alkohol ist trotzdem ein Zell- und Nervengift.

Ich war auch immer davon überzeugt, dass ich jederzeit aufhören könnte, wenn ich das wirklich wollte, und immerhin das hat sich am Ende ja bewahrheitet. Aber erst mal hab ich mich mit Händen und Füssen jahrelang dagegen gewehrt, weil ich dachte und das sichere Gefühl hatte, ein Leben ohne Alkohol ist einfach sinnlos. Erst als es mir schlecht genug ging, fand ich, es wäre ja mal einen ernsthaften Versuch wert, wie das eigentlich so wäre.

Nachdem ich aufgehört hatte, habe ich nüchtern ziemlich viel über meine Trinkzeit nachgedacht, war ja auch fast mein ganzes Leben. Und dann fiel mir auf, dass es schon sehr lange keine Situationen  mehr gegeben hatte, in denen mir Alkohol geholfen hatte oder wo es mir vom Trinken wirklich besser gegangen wäre. Als ich mit dem Trinken angefangen hatte - eigentlich schon als Kind, weil es bei meinen Eltern immer was gab - war es vielleicht wirklich noch lustig, aber später glaubte ich das nur noch und hatte mir selbst etwas vorgemacht. Als ich das mal richtig betrachtet hatte, verging mir jede Lust, zu trinken. Ich fand das nur noch widerlich.

Ausserdem habe ich mich damit beschäftigt, was Alkohol im Hirn anrichtet und wie der Alkohol, wie praktisch jede Droge, das Belohnungszentrum und die Motivation kapert und es damit immer  schwieriger wird, ohne Alkohol noch Freude am Leben zu haben. Es gehört zur Suchtentwicklung, das Alkohol alles andere ersetzt und sogar wichtiger wird als zwischenmenschliche Beziehungen oder Sex oder sonstige Erfolge. Das wäre jetzt aber ein längerer Text und dafür gibt es Literatur.

Und klar, das hinterlässt erst mal eine Lücke. Trinken füllt leere Zeit, und zum Trinken muss man sich zu nichts aufraffen, ausser den Stoff zu bekommen und vorrätig zu haben. Das muss mann dann natürlich irgendwie anderweitig füllen. Ich hab nach einem halben Jahr Yoga und Meditation angefangen, weil da auch der Gedanke ans abschalten dabei war, ausserdem ist es gesund. Und mit der Zeit merkt man dann, dass man sich auch anderweitig ändert. Ausserdem gehe ich gerne und viel raus ins Freie, aber das habe ich früher auch schon getan, sogar beim Wandern gesoffen. Deswegen bleibt Bewegung trotzdem gesund und ist auch gut für die Stimmung. Aber natürlich gibt es auch andere Beschäftigungen.

Ich bin 21 Jahre trocken, erst neulich stand ich in einem kleinen Laden, wo die Schnapsflaschen an der Kasse aufgereiht waren, und ich musste da längere Zeit warten. Genau solche Sorten, bei denen ich früher zugelangt hatte (ich hab viel Schnaps getrunken, wenn ich dabei war). Ich hab mir dann einen Spass draus gemacht, mir das vorzustellen, wie ich mir so eine Flasche aufmache und trinke. Einfach nur gruselig, wie es mir dann gehen würde. Mir wirds schon schlecht, wenn ich nur an den Geschmack im Mund denke. Und was ich mal an der Wirkung gefunden habe - ich kann mich dran erinnern - kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Es ist mir total fremd geworden. Ich guck mir das an und dann jagt es mir einen wohligen Schauer über den Rücken, dass ich das hinter mir habe. Es ist wie irgendein Gruselfilm, den man sich anguckt, den man aber nicht erleben will.

Deswegen ist mein Leben trotzdem kein Ponyhof und auch nicht immer lustig, aber ich glaube keine Sekunde, dass vom Trinken für mich irgendwas besser oder einfacher werden würde. Ich schreibe Dir das, weil das für mich kein Verzicht ist. Heute liebe ich es, nüchtern zu sein. Und bei Schwierigkeiten dachte ich mir vor allem anfangs immer, es gibt Leute mit größeren Schwierigkeiten im Leben, als ich sie habe, und die schaffen das auch nüchtern und sind oft sogar noch besser gelaunt als ich. Es trinkt ja nicht jeder. Also muss es ja auch anders gehen. Daran hab ich mir Beispiele genommen.

Es kann sich auch rentieren sich anzugucken, was man mit dem Trinken für Erwartungen verbindet, was man noch positives dabei findet. Das ist ja auch das, wa seinen oft noch am Aufhören hindert, neben der Angst, wie es ohne werden wird. Und dann einerseits mal abgleichen, ob das überhaupt noch so funktioniert, wie man das glaubt (bringts tatsächlich noch das, was man sich davon erwartet, oder macht man sich was vor), und andererseits zu überlegen, wie man das, was man damit erreichen möchte, anderweitig und gesünder bekommen kann.

Und unterm Strich habe ich nicht mit Willensraft aufgehört, die braucht man zwar auch, aber die Einsicht, wie Sucht funktioniert und das es ohne besser geht, und dass ich mir in Wirklichkeit nicht schaden will, war eindeutig mindestens genau so wichtig.

Fang an, es lohnt sich.
Gruß Susanne


 30 
 am: 17. Januar 2022, 16:47:34 
Begonnen von Kiri - Letzter Beitrag von Gerchla
Hallo Kristin,

herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön, dass Du Dich dazu entschlossen hast Dich hier anzumelden um Dich mit uns auszutauschen.

Ich bin Anfang 50 und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr. Ich habe Anfang meiner 40er Jahre damit aufgehört. Davor trank ich weit über 10 Jahre abhängig, die meiste Zeit davon trank ich komplett heimlich. Obwohl ich Familie hatte, Frau und zwei Kinder, konnte ich meine Sucht bis zum Ende geheim halten. Dass das möglich war, erscheint mir heute regelrecht krotesk, denn die letzten Jahre meiner Sucht trank ich doch erhelbliche Mengen, ich trank täglich und ich fing schon morgens damit an. 

Allerdings war meine Ehe in den letzten Jahren meiner Sucht schon weitesgehend an die Wand gefahren, ich hatte mich emotional abgekoppelt und lebte auch ein ausgeprägtes Doppelleben und das Leben mit meiner Frau war ein sehr distanziertes geworden. Wir hatten kaum noch richtige Gemeinsamkeiten, schliefen z. B. auch meist getrennt und verbrachten auch sonst nicht mehr so viel Zeit gemeinsam. Vielleicht war das einer der Gründe, dass ich es so lange verheimlichen konnte. Sie merkte natürlich, dass unsere Ehe am Scheitern war, jedoch wusste sie nicht, woran das genau lag.

Am Ende war ich ein Wrack, psychisch sowieso aber zunehmend dann auch körperlich.

Warum schreibe ich das Dir? Nun, einmal natürlich damit Du eine kleine und kurze Vorstellung bekommst, wer Dir hier überhaupt schreibt. Aber auch deshalb um Dich zu  motivieren, es nicht soweit kommen zu lassen wie ich. Weißt Du, eine relativ lange Zeit meiner Suchtkarriere war eigentlich ganz ok, wenn ich das jetzt mal so provizierend schreiben darf. Die Anfangsjahre trank ich auf niedrigem Niveau aber eben relgelmäßig, sprich fast täglich. Ich war damals bereits abhängig wie ich heute weiß, jedoch ging es mir körperlich gut und auch die Psyche war noch nicht angegriffen. Was vorhanden war, war ein permanent leicht schlechtes Gewissen, weil ich insgeheim wusste, dass es nicht richtig ist, jeden Abend ein oder zwei Feierabendbierchen zu trinken. Ich konnte aber bereits nicht mehr anders, ich war schon abhängig.

Eine lange Zeit trank ich dann auf einen Niveau, das ich heute als "mein" mittleres Niveau bezeichnen würde. Das waren täglich so 3 - 5, max 6  Bier pro Tag. Ne ganze Menge und natürlich deutlich zu viel und natürlich steckte ich bereits ganz tief in der Sucht. Denn die trank ich bereits heimlich. Aber, da ging's mir auch noch ganz gut. Das war die Zeit, wo ich die am häufigsten versucht habe Trinkpausen einzulegen, auch kontrolliert zu trinken oder auch aufzuhören. Das ging über ein paar Jahre. Und zu dieser Zeit gelang es mir auch noch, immer wieder mal zu pausieren. Ein paar Wochen, später wurde es dann kürzer und es waren nur noch ein paar Tage drin. Aber, genau das brauchte ich, um mir vorzugauckeln, dass ich ja noch alle im Griff habe.

Denn ich konnte ja aufhören, jederzeit. Das bildete ich mir jedenfalls ein und das war natürlich nichts anderes als Selbstbetrug. Aber gut, in dieser Phase war ich psychisch zwar schon etwas belastet, vor allem mein Gewissen war alles andere als rein, aber ich hatte doch irgendwie noch alles im Griff, körperlich wars auch noch ok und so konnte ich mir in dieser Zeit meist (natürlich mit Hilfe des Alkohols) vormachen, dass es mir eigentlich gut geht und alles wieder gut werden wird. Wenn ich morgens die leeren Flaschen aus meinen Verstecken holte um sie heimlich zu entsorgen (das musste ich ja jeden Tag machen) war's nicht so toll, aber das verging ganz schnell wieder, spätestens mit dem ersten Bier am Nachmittag.

Tja, unweigerlich kam dann aber die Zeit, wo auch diese Menge nicht mehr ausreichte. Es wurden 8, 9, 10 und noch mehr Biere. Oft reichten die auch nicht und ich musste noch etwas Wein zur Abrundung in mich hinein schütten. Das war ein fließender Übergang und ich kann heute nicht mehr sagen, ab wann der Moment erreicht war, wo ich merkte, dass ich eigentlich schon total kaputt bin. Dass meine ganzen Lügen mir selbst gegenüber nicht mehr fruchteten und ich einfach realisierte, dass ich total fertig bin. Meine letzten 2 - 3 Jahre, so erinnere ich mich heute jedenfalls zurück, waren Jahre wo ich nur irgendwie funktioniert habe, wo ich eigentlich täglich nichts anderes gemacht habe, als irgendwie mein Kartenhaus vor dem Einstürzen zu bewahren. Dazu war mir jedes Mittel recht, ich war ein begnadeter Lügner und Betrüger. Ich war in der Lage, die abgefahrendste und unglaubwürdigste Geschichte als wahr zu verkaufen und ich hab das auch oft getan um nicht entlarvt zu werden und um weiter trinken zu können. Kein Gedanke mehr an aufhören, kein Gedanke mehr an eine Trinkpause.

Nun, Kristin, ich kann Dich nur dazu ermutigen, Dir das zu erspraren. Deine Vorstellungszeilen lese ich so, dass Du bereits ein ordentliches Problem hast, dass Du möglicherweise auch schon abhängig bist aber das Du noch nicht total abgestürzt bist. Lass es es soweit nicht kommen, verschwende Deine 30er Jahre (und auch die folgenden) nicht an Alkohol. Ich hab meine 30er Jahre komplett an den Alkohol verloren, mein 40. Geburtstag war ein Desaster und ich war ein zutiefst unglücklicher Mensch. Lass nicht zu, dass der Alkohol das mit Dir auch macht.

Genau jetzt ist die Zeit etwas dagegen zu unternehmen. Verschwende jetzt keine Gedanken daran, wie es Dir gelingen könnte, den Alkohol trotzdem irgendwie in Deinem Leben zu behalten. Denke jetzt erst mal darüber nach, wie es Dir gelingen kann, erst mal gar keinen Alkohol mehr zu trinken. Erst mal weg von dem Zeug und erst mal weg bleiben. Abstand gewinnen, wieder klar werden, wieder die Kontrolle über Dich und Dein Leben erlangen. Und vor allem auch wieder die Kontrolle über Deine Gedanken gewinnen, weg von dem permaneten Gedankenkarussell rund um den Alkohol.

Was später irgendwann mal ist, steht auf einem anderen Blatt. Wenn Du bereits abhängig bist, dann wird es nicht mehr möglich sein kontrolliert zu trinken. Wenn Du "nur" Missbrauch betrieben hast, kann Dir das vielleicht wieder gelingen, vielleicht merkst Du aber auch ganz schnell, dass Du Alkohol gar nicht mehr brauchst und gar nicht mehr willst. Abstinent leben ist keine Einschränkung, es ist kein Verlust. Ein Leben ohne Alkohol bedeutet die totale Freiheit, kein Suchtmittel mehr, dass dazu dient die Realität zu verändern, sie zu verschönern oder erträglich zu machen. Denn das braucht man dann nicht mehr weil man gelernt hat, die Realität als das zu sehen und zu nehmen was sie ist: nämlich die schlicht und einach die Realität so wie sie tatsächlich ist. Und natürlich bedeutet ein Leben ohne Alkohol kein Leben ohne Probleme. Die sind genauso da wie mit Alkohol. Nur gibt es da zwei Unterschiede. Einmal ist man ohne Alkohol in der Lage die Probleme anzugehen und sie zu lösen (muss man als Trinker oft erst wieder lernen) und zum Anderen, kommen nicht all die Probleme noch hinzu, die man nur hat, weil man trinkt. Mit Alkohol löst man keine Probleme und schafft sich gleichzeitig noch neue an. Irgendwann sie dann die eigentlich Probleme im Vergleich zu denen die man durch den Alkohol hat, eigentlich lächerlich. Aber dann ist es bereits zu spät.

Ich bin heute ein wirklich glücklicher Mensch und ich hätte damals nie gedacht, dass das jemals möglich sein wird. Es war möglich, Grundstein dafür war ein Leben ohne Alkohol.

Ich möchte jetzt gar nicht noch weiter in die Tiefe gehen, ich glaube es war ohnehin schon zu viel und ich hoffe, ich überfordere Dich nicht.

Ich will Dich einfach nur motivieren es jetzt anzupacken.

Schreib und doch hier, wie es Dir geht, was Dich beschäftigt, wovor Du Angst hast, welche Gedanken Dich beschäftigen. Jeder von uns hier hat das schon mal durchgemacht, jeder auf seine Weise, jeder mit seiner eigenen Geschichte im Gepäck. Manche haben's auch schon mehrmals durchgemacht. Aber alle haben es geschafft. Davon kannst Du profitieren, es kann Dir helfen Deinen Weg zu finden. Und genau darum geht es, den eigenen Weg zu finden.

Also, bitte melde Dich hier einfach, wenn Du Fragen hast, wenn Du wissen willst, was wir da so gemacht haben, was uns geholfen hat, was bei uns schief gegangen ist (bei uns allen übrigens der Versuch kontrolliert zu trinken, ich glaube das haben wir hier alle verucht, ich mehrmals).

Ich freue mich auf einen Austausch mit Dir und hoffe, dass Du dabei bleibst und Dich der Mut nicht verlässt. Alle Gute und

LG
Gerchla

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