Alkoholforum - Für Betroffene, Angehörige und Interessierte

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 am: Heute um 09:20:25 
Begonnen von Outdoor39 - Letzter Beitrag von Gerchla
Guten Morgen Outdoor,

herzlich Willkommen bei uns im Forum. Auch wenn der Anlass sich hier anzumelden meist kein schöner ist.

Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr.

Ich will Dir nur ein paar Gedanken von mir hier lassen. Ich versuche es kurz zu halten.

So wie Du die Situation mit Deiner Partnerin beschreibst scheint eine Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich zu sein. Darüber hinaus scheint sie noch ein gutes Stück davon entfernt zu sein, den Ernst ihrer eigenen Situation richtig zu erfassen. Alles was Du von ihr bisher erhalten hast sind Lippenbekenntnisse. Das ist für nasse Alkoholiker, die auf ihr Trinkverhalten angesprochen werden, eine recht typische Reaktion. Je nachdem wie man so gestrikt ist oder wie man gerade glaubt, dass es gut wäre zu reagieren, reagiert man eben. Das kann so sein, dass man emotional eingesteht, dass man schon zuviel trinkt um dann aber auch gleich ein paar Gründe zu liefern warum das so ist und dass man das dann schon wieder in den Griff bekommt. Andere werde aggressiv, streiten alles ab, verharmlosen extrem, ziehen vergleiche zu anderen, die ja noch viel mehr trinken, etc. Die Palette ist das sehr vielfältig.

Ich würde in Deinem Fall auch nicht darauf vertrauen, dass Du auch nur annähernd weißt, was Deine Partnerin tatsächlich konsumiert. Du hast da ja einige Vermutungen geäußert, wie oft und wie viel sie trinkt. Vergiss es einfach. Erstens sind Alkoholiker begnadete Lügner, sie sind Meister im Tarnen und Täuschen und zweitens ist das auch überhaupt nicht wichtig. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich trank selbst um die 10 Jahre heimlich, weder meine Frau noch meine sonstige Familie wussten, warum ich mich so verändert hatte. Wichtig für Dich ist nur, dass sie trinkt und dass Du damit absolut nicht einverstanden bist.

Und wie Du hier ja schon mitbekommen hast, kannst Du an dieser Situation nichts ändern. Deine Partnerin allein entscheidet darüber, ob sie weiter trinkt oder nicht. Du bist nur ein Statist mit einer kleinen Nebenrolle. Ob Du vielleicht doch eine wichtigere Rolle hast, wie viel Bedeutung Du für ihr Leben tatsächlich hast, das findest Du nur dann heraus, wenn Du für Dich festlegst, ab wenn für Dich das Maß voll ist.

Und das ist dann auch erst mal das Einzige was Du tun kannst. Sie ansprechen, ihr mitteilen was DU möchtest und ab wann DU Konsequenzen ziehen wirst. Die letzte Konsequenz wäre dann eine Trennung. Es passiert durchaus, dass Alkoholiker, wenn sie sehen das der Partner tatsächlich konsequent handelt, sozuagen erst mal unter Druck beginnen etwas gegen ihre Sucht unternehmen. Das ist zwar nicht der Idealfall (denn ideal wäre es, wenn der Alkoholiker von sich aus nicht mehr trinken will - da ist die Erfolgsqute am höchsten) aber es führt manchmal trotzdem zum Ziel. Ich kenne einige Geschichten, wo Alkoholiker aus Angst den Partner zu verlieren dann doch mal eine Therapie gemacht haben. Obwohl sie das eigentlich nicht wollten. Und wo sie dann im Laufe der Therapie gemerkt haben, wie weit sie eigentlich schon waren und wie schön es doch ist, von dem Zeug weg zu kommen.

Ich kann Dir also nur raten auf Dich zu achten. Dein eigenes Leben nicht der Sucht Deiner Partnerin unterzuordnen. Denn wenn Du das tust, wenn Du Dich nicht abgrenzt und nicht ganz klar sagst: bis hierhin und nicht weiter - dann hast Du gute Chancen an ihrer Sucht mit unter zu gehen. Das kann dann eine sehr lange Leidensgeschichte werden, beiderseits.

Das alles bedeutet übrigens nicht, dass Du sie nicht unterstützen kannst. Aber eben nur dann, wenn sie aktiv wird. Das sähe dann aus Sicht so aus: Sie geht zum Arzt und bespricht mit ihm/ihr den Entzug, sie geht zur Suchtberatung, sie legt mit Arzt / Suchtberatung / ihr weiteres Vorgehen fest. Sie macht z. B. eine ambulante oder Sationäre Therapie und sie besucht ggf. auch eine SHG. Es gibt viele Wege, sehr viele. Und sehr unterschiedliche. Sie beginnen alle mit dem ersten Schritt und sie können nur zu einem guten Ende führen, wenn nach dem ersten Schritt die weiteren Schritte konsequent gegagen werden. Alles andere, also Lippenbekenntnisse wie "ich bekomm das in den Griff", "nächste Woche mache ich dieses oder jenes", "wenn das und das vorbei ist dann höre ich auf" etc. kannst Du getrost vergessen. Dieser Weg aus der Sucht ist so oder so schwer genug, selbst wenn der Betroffene hochmotiviert ist. Wenn er aber gar nicht will und statt dessen nur nach Ausreden sucht, dann kann man ihn auch einfach weiter trinken lassen.

Alles Gute für Dich und natürlich auch für Deine Partnerin.

LG
gerchla


 2 
 am: Heute um 07:14:43 
Begonnen von Outdoor39 - Letzter Beitrag von gerd48
Moin outdoor
Zitat
Sie sagte dann das es ihr bewusst ist, dass es schädlich ist, bzw. wie gefährlich eine Abhängigkeit ist.
Das ist die einfachste Methode, den Gesprächspartner ruhig zu stellen.
Nach dem Motto, Du hast ja sowas von recht und ich meine Ruhe.

LG Gerd

 3 
 am: Heute um 06:53:50 
Begonnen von Outdoor39 - Letzter Beitrag von Outdoor39
Ich habe sie schon darauf angesprochen, dass ich mir Sorgen mache und sie mit mir über alles reden kann und ich ihr beistehe.
Sie sagte dann das es ihr bewusst ist, dass es schädlich ist, bzw. wie gefährlich eine Abhängigkeit ist.
Am Trinkverhalten hat sich aber nichts geändert.


 4 
 am: 16. Februar 2020, 22:03:12 
Begonnen von Trotzpeter - Letzter Beitrag von Rina
Hallo Matthias,

Super dass du so elanvoll wieder dabei bist!! Für mich liest du dich auch positif,ich erkenne mich in deinen Gedankengängen wieder...

Meine Rückfälle haben sich auch angebahnt...es überkam mich nie wie aus heiterem Himmel. Man sagt ja es gehört zum Krankheitsverlauf dazu,nicht bei allen aber bei mir schon. Mir ging es danach ganz übel immer,Scham und Schuldgefühle dominierten...Ich habe aber für mich auch gelernt dass Scham und Schuld mich nicht weiter bringen,es hilft nicht nach einem Rückfall tagelang rumzuheulen und das alles ganz schlimm finden...Es muss ja weiter gehen. Also besser die Situation analysieren und Schlussfolgerungen ziehen, dann eben noch mal von neuem. Auf die allzu leichte Schulter darf man s sicher nicht nehmen,aber in meinem Umfeld kenne ich solche auch nicht. Ich denke die bleiben nicht lange beim Abstinenzwunsch..

Mit der Geduld habe ich es auch nicht so...möchte immer alles sofort,und es soll sofort reibungslos klappen dazu...Ich arbeite  daran!

Ich wünsche dir eine weitere alkfreie Woche!

Rina

 5 
 am: 16. Februar 2020, 20:10:13 
Begonnen von Trotzpeter - Letzter Beitrag von Rekonvaleszent


Ich wache nach einem Umtrunk am nächsten Morgen immer mit einem schlechten Gewissen auf. Mir sind schon Leute begegnet, die mir sagten, dass sie kein schlechtes Gewissen haben bei oder nach einem Rückfall, denn die Sucht ist nun mal eine Krankheit und dem Krebspatienten kann man ja auch keinen Vorwurf machen, wenn die Krankheit wieder zurückkommt. So entspannt kann ich das nicht sehen. Ich muss einfach lernen, die Phasen zu überstehen, wenn der Suchtdruck wieder scheinbar ins Unendliche zu gehen scheint. Allerdings ist es bei mir auch so, dass die Rückfälle nicht spontan aus heiterem Himmel passieren, sondern tagelang im Vorfeld "geplant" werden.


Hallo!

Ja, man kann sich so ziemlich alles schön reden. So auch den oder die Rückfälle. Ist halt die böse Krankheit dran schuld. So einfach liegen die Dinge jedoch nicht.

Was hat der/die Rückfällige denn getan, um den Rückfall zu begünstigen? Hat man brav Distanz zum Alk eingehalten?

Spukte evt. im Hirnstübchen doch noch der Gedanke herum, irgendwann geht noch mal was mit dem Stoff?

Ja, ein Rückfall baut sich, nach dem was ich gehört habe, ich bin noch unfallfrei unterwegs, doch etwas langsamer auf und trifft einen nicht wie der berühmte Blitz.

Da gilt es im Vorfeld auf sich zu achten, ob und ggf. was evt. nicht stimmt, um gegenzusteuern.

Und die nötige Geduld müssen wir aufbringen. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Du liest dich für mich schon mal positiv.

Gruß
Rekonvaleszent

 6 
 am: 16. Februar 2020, 19:44:50 
Begonnen von Trotzpeter - Letzter Beitrag von Trotzpeter
Hallo Ihr Lieben,

bevor ich es morgen wieder verschwitze, setze ich mich heute gleich an den Rechner. Ich bin immer noch abstinent und hatte eine gute Woche, in der ich wieder einiges an Zeit zum Nachdenken hatte.

Ich werde es akzeptieren müssen, dass manche Dinge Zeit brauchen, um zu reifen und zu funktionieren. Dafür werde ich Geduld brauchen, aber ich denke auch, dass sich das lohnen wird.

Ich wache nach einem Umtrunk am nächsten Morgen immer mit einem schlechten Gewissen auf. Mir sind schon Leute begegnet, die mir sagten, dass sie kein schlechtes Gewissen haben bei oder nach einem Rückfall, denn die Sucht ist nun mal eine Krankheit und dem Krebspatienten kann man ja auch keinen Vorwurf machen, wenn die Krankheit wieder zurückkommt. So entspannt kann ich das nicht sehen. Ich muss einfach lernen, die Phasen zu überstehen, wenn der Suchtdruck wieder scheinbar ins Unendliche zu gehen scheint. Allerdings ist es bei mir auch so, dass die Rückfälle nicht spontan aus heiterem Himmel passieren, sondern tagelang im Vorfeld "geplant" werden.

Ist bei mir einmal der Gedankenblitz gekommen, dass sich wieder mal eine Gelegenheit bietet, geht der nicht mehr weg und wird immer größer. Und ja, es ist einfach der Wunsch, wieder mal einen im Tee zu haben. Was mich zu der Überlegung bringt, was in meinem Leben denn fehlt, damit dieser Wunsch keine Rolle mehr spielt. Ich glaube an der Stelle muss ich auch nochmal ansetzen. Mir ist vergangene Woche mal wieder aufgefallen, dass ich mich manchmal mit Situationen einfach abfinde, wenn ich feststelle, dass ich sie nicht gut finde. Ich nehme dann die für mich unschöne Situation hin und bemitleide mich selbst. Durch dieses Selbstmitleid wächst dann in mir der Druck und der braucht irgendwann ein geeignetes Ventil. Alkohol und Nikotin waren dafür immer gut. Ich könnte statt "MiMiMi" ja aber auch mal versuchen, die Situation zu ändern, so dass es für mich besser wird. Dann hätte ich Beschäftigung, kann meine Energie sinnvoll einsetzen und habe am Ende vielleicht sogar noch Zufriedenheit, weil ich was verändert habe. Zur Belohnung sollte ich dann natürlich auch nicht zum Alkohol greifen.

So ist das auch mit dem Beispiel des Marathons, was ich geschrieben hatte. Ich setze mich hin und sage, kann ich nicht und Ende. Aber Rina hat recht, mit ausreichend Training könnte ich es schaffen. Dazu müsste ich es aber wollen oder zumindest gewillt sein, nach einem Weg zu suchen, um das Ziel zu erreichen. An der Stelle hapert es noch bei mir.

So wie es bisher bei mir gelaufen ist, ist es nicht schön. Nur ein wenig zu trinken, macht auch mir tatsächlich keinen Spaß, weswegen es auch nie bei 1-2 Bier bleibt. Lohnen tut es sich am Ende nie. Das schlechte Gewissen, Kater, flauer Magen am nächsten Tag...es ist eigentlich nur bescheuert. Gewinn ist da keiner zu holen, es ist immer nur mit Verlust verbunden.

Deutlich besser sind da Tage wie heute. Vormittags gechillt und am Nachmittag Gartenarbeit bei dem tollen Frühlingswetter gemacht. Ich hab was geschafft und werde nachher schön müde in Bett fallen. Morgen startet eine neue Woche und ich bin schon gespannt, was die bringen wird.

Ich wünsche Euch einen guten Start in die Woche und alles Liebe. Vielen Dank wieder für Eure Zeilen und die Denkanstöße, die Ihr mit mitgegeben habt.

LG
Matthias

 

 7 
 am: 16. Februar 2020, 19:19:32 
Begonnen von Outdoor39 - Letzter Beitrag von Rina
Es ist ein absoluter Irrglaube zu meinen,ein Alkohiker müsste täglich trinken...das war bei mir nie so. Ich war aber sehr Exzessiv in meinem Konsum,wenn dann richtig...alles oder nichts.
Das Verheimlichen ist wie du erkannt hast kein gutes Zeichen...die konsumierte Menge herunter spielen,sich Rechtfertigen etc...
Hast du mal versucht sie direkt auf deine Beobachtungen und Sorgen anzusprechen? Mit Vorwürfen kommst du nicht weit aber ein neutrales Gespräch könnte dir helfen...

 8 
 am: 16. Februar 2020, 18:14:02 
Begonnen von Outdoor39 - Letzter Beitrag von Outdoor39
Vielen Dank für die Antworten, dass hilft mir schon etwas.
Problematisch finde ich es eben, dass sie heimlich trinkt.
Ich denke nicht das sie jeden Tag Alkohol braucht, aber eine Woche ohne schafft sie nicht und das ist wahrscheinlich erst der Einstieg.
Irgendwann braucht sie ja immer mehr. 😕

 9 
 am: 16. Februar 2020, 17:47:18 
Begonnen von Outdoor39 - Letzter Beitrag von Rina
Hallo Outdoor,

Willkommen im Forum!

Für mich liest es sich leider auch so,als ob sie auf gutem Weg in eine Abhängigkeit ist, falls dies nicht schon Fakt ist.

Ich war auch mal in dem Stadium,wo ich zwar selber wusste dass ich zuviel trinke,es aber auf keinen Fall anderen gegenüber zugegeben hätte. Aus dem einfachen Grund weil ich nichts daran ändern wollte.

Sie wird dir sämtliche Argumente gegen ein Alkoholproblem und v.a. Abhängigkeit aufzählen,die auch bei mir so passten:
Trinke nicht täglich, habe geregeltes Leben,super Job, mache viel Sport,lebe gesund...lasse mich halt gerne ab und zu gehen um dem Stress zu entfliehen...etc.

Obwohl dem auch bei mir so war wusste ich für mich selber,dass ich Alkoholabhängig war,aber wenn ich das so geäussert hätte,hätte das konkrete Aktionen verlangt. Ich war aber lange nicht bereit dafür...bis zum Schritt zur Selbshilfe und Akzeptanz musste ich noch lange leiden und halt mit der Zeit auch immer mehr trinken...

Wenn sie ihren Konsum nicht ändern will kannst du sie nicht dazu überzeugen. Vielleicht wird sie eine Zeit lang etwas aufpassen und zurück stecken,auf Dauer wird’s aber nichts wenn sie es für sich selber nicht so will. Du kannst in der Tat wirklich nur für dich schauen,dir vielleicht Beratung holen,Abstand nehmen oder es akzeptieren.

Ich würde dir raten mit dem Thema nicht alleine zu bleiben...die Alkoholkrankheit ist eine komplexe Krankheit,schwierig für die Betroffenen selbst und ebenso für die Angehörigen. Informieren hilft immer und teile dich hier mit wenn’s dir Zuviel wird.
Schwierig zu sagen in welchem Stadium sich deine Freundin befindet aber jeder hat mal klein angefangen...von alleine wird’s eigentlich nie einfach so besser,wie beim Rauchen muss man aktiv werden wenn sich was ändern soll.

Lg Rina

 10 
 am: 16. Februar 2020, 13:15:16 
Begonnen von Outdoor39 - Letzter Beitrag von Greenfox
Hallo und HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum  :welcome:

Kurz zu mir: Ich bin m, 56, Alkoholiker und nun schon einige Jahre trocken.

Und nach dem, was Du da beschreibst, u.a.

Zitat
Sie trinkt auch wirklich bei jedem Anlass und wenn ich dann was dazu sage ist die Antwort: "Ich habe doch nicht viel getrunken" (1/2; 3/4 Flasche Weinbrand bezeichnet sie als nicht viel).

denke ich schon, dass sie ein ziemliches Alkoholproblem hat.
Und sie wird Dir, wenn Du sie darauf ansprichst, zurecht sagen, dass sie kein Problem mit Alkohol hat. Denn sie hat eines OHNE Alkohol ...

Auch ich kann Dir/Euch nur raten, mal zur Suchtberatung zu gehen - vorzugsweise gemeinsam.

Wenn sie sich allerdings weigert/sträubt, kannst Du absolut nichts dagegen tun!
Eine Veränderung kann nur funktionieren, wenn sie aus dem Willen der/des Betroffenen heraus erfolgt.

Und wenn sie nicht will, bleibt Dir nur, auf Dein eigenes Wohl zu achten. Sorry.

Gruß
Greenfox

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