Alkoholforum - Für Betroffene, Angehörige und Interessierte

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 am: 20. Mai 2019, 12:52:15 
Begonnen von Alina123 - Letzter Beitrag von Greenfox
Hallo, Alina, und ersteinmal HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum  :welcome:

Kurz zu mir: Ich bin m, 56, Alkoholiker und seit einigen Jahren trocken.

Und als ich Deine Geschichte las, kamen noch mehr Verbindungen: Nicht nur, dass meine Nichte auch Alina heisst, auch der angeheiratete Teil meiner stammt aus Russland. Ich habe sehr viele Russen und Russlanddeutsche als Freunde. Alles liebe, nette Menschen. Aber sie haben oft mindestens EIN Problem: ihr Verhältnis zum Alkohol.
Entweder trinken sie selbst gern und zu viel oder sie können nicht verstehen, dass man überhaupt nichts trinkt.

Als ich mich damals endlich aus MEINER Sucht befreien konnte - ich konnte es ihnen nicht verklickern, dass (und schon gar nicht, WARUM) ich nichts mehr trinke und auch nichts und nie wieder trinken will.  nixweiss0 In meiner 11jährigen Trockenheit haben es vielleicht 3-4 meiner Freunde verstanden, der Rest allerhöchstens akzeptiert. Und sie meinen es auch absolut nicht böse, wenn sie mir trotzdem hin und wieder doch noch mal "ein Gläschen auf die Gesundheit" anbieten.

Was Deinen Vater anbelangt: Wie Dietmar und Gerchla schon schrieben - solange er es selbst nicht will, kann nichts und niemand ihm helfen. Egal, ob er hier in Deutschland, in Russland oder sonstwo wohnt.
DU kannst nur eines tun: Das so hinnehmen und Dich um DICH und DEIN Leben kümmern!

Es mag vielleicht hart und herzlos klingen. Das ist es aber beileibe nicht. Es ist nur das Ergebnis des eigenen Erlebens und der eigenen Erfahrung in der Suchtselbsthilfearbeit. Beziehungsweise der eigenen Erfahrungen der anderen Angehörigen hier.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft - und einen guten Austausch hier, der Dir vielleicht noch mehr Kraft gibt.

Gruß
Greenfox

 2 
 am: 20. Mai 2019, 12:20:09 
Begonnen von Alina123 - Letzter Beitrag von Dietmar
Liebe Alina,

herzlich willkommen hier im Forum!

Als ich Deinen Hilferuf las, da spürte ich mal wieder den beklemmenden Schmerz, der mich auch heute noch immer dann überfällt, wenn ich das Leid der Angehörigen von Suchtkranken wahrnehme.

Du bist gerade mal 17 Jahre alt, und es schrecklich, in diesem Alter, in dem Du alle Ressourcen und Energien für Dein eigenes junges Erwachsenenwerden benötigst, die Sucht Deines geliebten Vaters miterleben musst.

Wie Dir Gerchla schon schrieb, wirst Du aller Erfahrung nach nichts an der Sucht Deines Papas ändern können, solange er das selbst nicht will.
Aber Du kannst etwas für Dich tun, damit Du in Deiner liebevollen Begleitung seines Lebens nicht leidest.
Ich nehme an, dass Du, als junge Frau in unsere Zeit, sehr für ein selbst bestimmtes Leben bist, indem jeder Mensch sein Leben so gestalten kann und darf, wie er das für sich möchte?
Auch Dein Papa hat dieses Recht.

Ich weiß, wie schwer es für uns ist, andere Lebensweisen, die für uns unvorstellbar und fürchterlich sind, zu akzeptieren, und ohne unsere Einmischung miterleben zu müssen. Du hast eine Vorstellung von einem gesunden und erfüllten Leben – und das ist für Dich auch gut und richtig!
Dein Vater hat durch die Therapien und Entzugsbehandlungen das Wissen erlangt, dass es auch eine „andere Welt“ ohne Alkohol gibt.
Aber er hat sich dafür entschieden, in seiner Welt, also in der Sucht mit Alkohol, leben zu wollen.

Diese, seinen Entscheidung kannst Du nun in Liebe akzeptieren, Dich frei machen von den Gedanken, die Dir immer wieder die Last auflegen, zu glauben, Du könntest ihm helfen, und – was ich immer wieder hier an Angehörige schreibe – „in Liebe loslassen“.
Das bedeutet nicht, dass Du ihn dann nicht mehr liebst. Im Gegenteil!
Das bedeutet, dass Du ihn so leben lässt, wie er es für sich wünscht, nicht anders kann, und tut.

Besonders ans Herz legen möchte ich Dir dazu die Caritas Suchtberatungen, die extra für Kinder von suchtkranken Eltern(teile) Gruppen und Beratung anbieten. In diesen findest Du nicht nur Jugendliche, die genauso wie Du davon betroffen sind, sondern hast Gleichgesinnte, die mit demselben Problem umgehen, und den Schmerz bewältigen lernen.

Noch ein Erfahrungswert aus meinem eigenen Leben: Auch, wenn Dich der Schmerz der Entfernung, und weil Du dadurch zur Tatenlosigkeit „verdammt“ bist, fast zerreißt: Es wäre noch viel, viel schlimmer, wenn Du in unmittelbarer Nähe Deines Papas seinen suchtbedingten Zerfall miterleben müsstest!

 3 
 am: 20. Mai 2019, 10:45:15 
Begonnen von Astrid - Letzter Beitrag von Astrid
Liebe Forenmitglieder,

vielen Dank an alle, die schon mitgemacht haben! Der Befragungszeitraum meiner Studie wurde bis Ende Juni 2019 verlängert und ich würde mich sehr über weitere Teilnehmer/innen freuen.

Hier nochmal der Link zur Studie:

https://www.soscisurvey.de/sucht2019/

Freundliche Grüße
Astrid Kothe

 4 
 am: 20. Mai 2019, 10:30:49 
Begonnen von Alina123 - Letzter Beitrag von Gerchla
Guten Morgen Alina,

ich will mal versuchen Dir meine Sicht bezüglich Deines Vaters und auch was Deine eigene Rolle betrifft zu schildern. Es fällt mir aber sehr schwer.

Vorher möchte ich Dir aber sagen, dass mich Deine Geschichte sehr bewegt hat. Es macht mich immer traurig, wenn ich lesen muss, was die Alkoholsucht besonders bei Angehörigen anrichtet. Und wenn es dabei um Kinder geht, wie in Deinem Fall, dann trifft es mich noch mehr. Ich bin selbst Alkoholiker, trinke jetzt aber schon lange nicht mehr. Ich habe eine Tochter, die ist jetzt etwa so alt wie Du, sie war noch ein kleines Mädchen als ich aufgehört habe mit dem Trinken. Und dann habe ich noch einen Sohn, der ist ein ganzes Stück älter als Du. Er war damals, als ich aufhörte, ziemlich genau in Deinem Alter. Das ist sicherlich ein Grund, warum mich Deine Geschichte so berührt.

Ich möchte Dir einfach ein paar Dinge sagen. Weißt Du, es leider so, dass Du Deinem Vater nicht helfen kannst. Das hat noch nicht mal damit was zu tun, dass er in Russland lebt und ganz weit weg von Dir ist. Auch wenn er bei Dir im Hause leben würde, könntest Du nichts tun. Ich schreibe Dir das, weil ich das ja selbst erlebt habe. Ich liebte meine Kinder wirklich wie ich noch nie jemanden geliebt habe (tue ich natürlich immer noch), aber das reichte nicht aus um mit dem Trinken aufzuhören. Obwohl ich wusste, dass ich damit ihr Leben enorm belaste und das es ganz schlimm enden kann. Es ist so, dass nur Dein Vater selbst seine Sucht besiegen könnte. Wenn er das wirklich möchte. Ich denke, es ist für so eine junge Frau wie Dich schwer zu verstehen und dazu bist Du ja auch noch seine Tochter. Du willst helfen, willst ihn weg bringen von dem Zeug, glaube mir, ich verstehe Dich sehr sehr gut.

Aber weißt Du, das ist nicht Deine Aufgabe und es gäbe ja auch keine Aussicht auf Erfolg.  Erfolgreich könnte es nur sein, wenn er es selbst, von sich aus, angehen würde. Du startest jetzt gerade in Dein Leben, bei Dir geht es jetzt erst mal so richtig los. Lass Dir das nicht nehmen. Es ist schwer die richtigen Worte zu finden. Ich gehe jetzt einfach mal auf ein paar Aussagen von Dir ein:

Zitat
Grund für die Trennung war hauptsächlich sein Alkoholkonsum. Mit den Jahren wurde es immer schlimmer.
Was Du hier beschreibst ist ein ziemlich normaler Verlauf dieser Sucht. Irgendwie geht es mal los, meist mit noch ganz überschauberen Mengen an Alkohol und mit der Zeit wird es mehr und mehr und schlimmer und schlimmer. Deine Mama  hat damals Konsequenzen gezogen und sich getrennt, so nehme ich jetzt mal an. Kannst Du mit ihr darüber sprechen oder machst Du das alles mit Dir alleine aus? Ich denke mir, dass diese Trennung bestimmt auch für Deinen Vater nicht einfach war, schließlich hat er Dich damit erst mal "verloren". Bei mir war das auch so, es war ganz schlimm meine Kinder nicht mehr um mich zu haben. Aber es hat bei Deinem Papa nicht ausgereicht um ihm den Anstoss zu geben, sein Trinkverhalten zu verändern. Da siehst Du schon, wie mächtig diese Krankheit ist und wie hilflos Außenstehende sind, selbst die eigenen Kinder.

Zitat
Nüchtern ist er so ein toller Mann, so humorvoll und intelligent. Ein guter Mann.
Ja, ich weiß genau was Du meinst. So ist das oft. Hinter der alkoholisierten Fassade steckt oft ein ganz anderer Mensch. Je länger die Sucht andauert und je schlimmer sie wird, desto seltener kommt dieser Mensch zum Vorschein. Manchmal verschwindet er auch ganz, weil die Sucht das Wesen und den Charakter des Trinkers oft sehr verändert. Aber natürlich kennt man ja diesen Menschen und wünscht sich, er wäre wieder so, wie er einmal war.

Zitat
immer wenn ich ihn besuchen komme, ist es ist als würden wir immer zusammenleben und es fühlt sich so normal und gut an
Damit hast Du etwas, das viele nicht haben. Wie Du schreibst wird er auch nicht gewaltätig und ich nehme jetzt mal an, das er auch verbal nicht ausfällig wird. Das ist trotz der ganzen Tragik positiv, denn bei ganz vielen ist das anders. Aber gleichzeitig macht es das Dir natürlich schwer, weil er ja eigentlich ein lieber Mensch ist und Du nur möchtest, dass er nicht mehr trinkt. Und alles wäre gut.... Aber leider ist das eben nicht so einfach. Es gibt sicher Gründe weshab Dein Vater da hinein gerutscht ist. Warum es bei ihm so ist wie es ist. Darum müsste er sich kümmern. Er müsste erst mal nicht mehr trinken wollen und dann an sich arbeiten um dauerhaft nicht mehr trinken zu müssen. Dazu gibt es hier in Deutschland sehr viele Hilfsangebote, ich weiß nicht wie das in Russland ist. Aber auch hier müsste er es wollen und sich diese Hilfe selbst suchen. Er müsste zum Arzt gehen, er müsste in die Klinik zum Entgiften, er müsste anschließend eine Therapie beantragen usw. Das wären alles seine Aufgaben, keinesfalls Deine.

 
Zitat
Diese bedingungslose Liebe die ich gegenüber ihm empfinde, weil er mein Vater ist, quält mich weil ich keine Lösung finde wie ich ihm helfen könnte, weil er so weit weg ist.
Das verstehe ich gut, denn ein Vater ist ein Vater und noch dazu war er Dir gegenüber nie böse. Aber das ist genau der Punkt. Mit seiner Krankheit belastet er jetzt Dein Leben, Dein Wohlbefinden. Gleichzeitig kannst Du nichts tun. Du musst also lernen ihn loszulassen, ihm seins zu lassen und zu aktzeptieren das es ist wie es ist.

Hier nochmal meine Frage, ob Du mit dieser ganzen Geschichte alleine bist. Oder ob Du z. B. Deine Mutter an Deiner Seite hast. Oder jemand anderen? Vielleicht wäre es auch gut für Dich, wenn Du Dich z. B. einem Psychologen gegenüber öffnen würdest. Meine Tochter hatte damals psychologische Hillfe, in dem Fall war es eine Kinderpsychologin. Ich weiß nicht wie sie ohne klar gekommen wäre, obwohl sie eine starke Mama an ihrer Seite hatte. Vielleicht kannst Du darüber ja auch mal mit Deiner Mutter sprechen?

Ich kann Dir leider nicht mehr schreiben. Ich lese Deine Verzweiflung und ich möchte Dir sagen: Hol Dir Hilfe auch im "richtigen" Leben, nicht nur hier im Forum. Das was da bei Dir gerade passiert ist was großes, was richtig großes und da wäre es nur gut, wenn Du Menschen an Deiner Seite hättest, die mit Dir zusammen einen Weg für Dich finden. Damit Du lernst gut damit umzugehen und damit Du erkennen kannst, was gut für Dich ist, aber auch wo Deine Grenzen liegen.

Ich wünsche Dir alles alles Gute!

LG
gerchla

 5 
 am: 19. Mai 2019, 17:44:36 
Begonnen von Alina123 - Letzter Beitrag von Alina123
Hallo

Ich frage mich seit Jahren was ich tun kann um meinem Vater zu helfen. Ich lebe in Deutschland, mein Vater in Russland. Meine Eltern haben sich getrennt als ich 2 war. Nach Russland zurück gezogen ist mein Vater dann so 2 Jahre später. Demnach fehlte mir schon immer diese Vaterrolle in meinem Leben. Grund für die Trennung war hauptsächlich sein Alkoholkonsum. Mit den Jahren wurde es immer schlimmer. Er ging öfters durch Therapien in Russland und hörte für einige wenige Monate auf zu trinken aber bald wurde er wieder rückfällig. Ich habe das Gefühl dass es immer schlimmer wird und frage mich ob es denn überhaupt noch Hoffnung für ihn gibt. Ich weiß, dass ich ihn dazu nicht wirklich bringen kann aufzuhören, weil er es selbst wollen muss, aber muss ich denn nun wirklich tatenlos zusehen wie er sich dem Tode nähert und sein wertvolles Leben wegschmeißt? Nüchtern ist er so ein toller Mann, so humorvoll und intelligent. Ein guter Mann. Aber einfach krank. Er lebt wie gesagt nicht bei mir... ich weiß nicht ob das gut oder schlecht ist. Ich habe das Gefühlt ich könnte ihm irgendwie besser helfen wenn er in der Nähe wäre, vielleicht ist das aber auch nur ein naiver Gedanke von mir (17) aber so bin ich echt hilflos und weiß nicht was ich tun kann. Er hat mir nie was Schlimmes angetan aber so gesehen auch nicht wirklich irgendwas Gutes (woran ich mich erinnern kann) immer wenn ich ihn besuchen komme, ist es ist als würden wir immer zusammenleben und es fühlt sich so normal und gut an außer natürlich dass er durchgehend trinkt dabei, allerdings nicht gewalttätig oder so wird aber eben betrunken (bzw mit alkohol normaler ist als ohne) aber wenn ich wieder nach Hause fliege bricht der Kontakt sehr schnell wieder ab
 Wir schreiben nur sehr selten auf WhatsApp. Meistens ist er dabei auch betrunken. Diese bedingungslose Liebe die ich gegenüber ihm empfinde, weil er mein Vater ist, quält mich weil ich keine Lösung finde wie ich ihm helfen könnte, weil er so weit weg ist. Ich weiß nicht ob ich vielleicht sogar nur schade wenn ich versuche mit ihm zu reden. Hat jemand irgendwelche Vorschläge, Ideen oder selbst Erfahrungen mit Alkoholabhängigen denen man über große Distanz hinweg helfen kann oder denkt ihr das ist unmöglich? sollte ich einfach den Kontakt komplett abbrechen und ihn vergessen? sollte ich die Hoffnung aufgeben? ich weiß selber nicht was ich tun soll. ich bin für jede Meinung dankbar.

Ich hoffe der Text war nicht allzu durcheinander und irgendwie verständlich aber jeder Gedanke an ihn bricht mir einfach nur das Herz weil ich so viel Potenzial in ihm sehe und er so viel Gutes verdient hat aber selber einfach sein Leben weg schmeißt. Ich vermisse ihn so sehr.

LG Alina

 6 
 am: 19. Mai 2019, 11:57:43 
Begonnen von Husky1984 - Letzter Beitrag von Greenfox
... siehe Gerchlas Ausführungen.

Ansonsten bist Du schon wieder bei Dir am Schuld suchen - und das ist Quark! Das ist der Casus knacktus: ER ist alleine verantwortlich für sein Leben.

Allerdings ist mir noch etwas aufgefallen:

Ich habe heute mit meinem Freund gesprochen: es ging bei dem Gespräch nicht um den Alkohol. Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich mit seiner emotionslosen, apathischen, zurückgezogenen Art mir gegenüber, nicht zurecht komme.

Warum denn eigentlich nicht? Warum hast Du dieses große, Dich belastende Thema unter den Teppich geschoben?? Und nun ist es wieder da, dieses: "Ooch, der Arme - hat Depressionen. Da MUSS er ja trinken. Geht ja gar nicht anders. Bin ja hier im völlig falschen Forum ..."
DU suchst für IHN die Ausreden, warum es ihm schlecht geht und er zur Flasche greifen muss. Der Arme. Dass es DIR dabei schlecht geht - mein Gott, passiert halt mal ...

Ich hatte früher auch Depressionen - aber WEIL ich trank. Okay, das habe ich erst später begriffen, als ich dann trocken wurde - aber das bin ich nun schon seit einigen Jahren. Und in diesen Jahren habe ich in meiner Aktivität in der Suchtselbsthilfe viele, sehr viele Menschen kennengelernt, denen es genauso erging (suchtindizierte Depression) - und nur relativ wenige, bei denen tatsächliche Depressionen vorlagen, welche sie dann mit Alkohol versucht haben zu bekämpfen (was natürlich nach hinten losging).

Mein Rat: Zieh Deinen Cut wirklich und konsequent durch - und such nicht mehr nach irgendwelchen Gründen, warum er nicht anders kann/konnte und/oder Du schuld haben könntest! Und Du wirst sehen, dass es Dir wieder besser gehen wird.

Gruß
Greenfox

 7 
 am: 18. Mai 2019, 21:13:36 
Begonnen von Husky1984 - Letzter Beitrag von Gerchla
Hallo Husky,

Depressionen sind häufig ein Begleiter der Sucht. Im Grunde ist es egal, ob er durch die Sucht depressiv wurde oder wegen Depressionen mit dem Trinken begann. Denn eine Behandlung seiner Depressionen kann erst nach dem Stillstand seiner Sucht beginnen.

Solange er trinkt ist das sinnlos. Oft ist es auch so, dass die Depressionen mit Beendigung des Trinkens verschwinden.

Es ist also wie es vorher schon war. Er hat es in der Hand und Du kannst nichts tun außer auf Dich selbst zu schauen. Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben. Er kann einfach zum Arzt gehen und sich Hilfe holen. Das wäre ein normales Verhalten.

LG
Gerchla

 8 
 am: 18. Mai 2019, 20:38:09 
Begonnen von Husky1984 - Letzter Beitrag von Husky1984
Ich schon wieder,....
Erst mal möchte ich mich wieder bei euch bedanken für Eure Beiträge/Sichtweisen und Tipps. Ich finde dieses Forum sehr wertvoll hier und bin froh hier aktiv geworden zu sein. Leider bin ich schon wieder verwirrt und irritiert,...
Ich habe heute mit meinem Freund gesprochen: es ging bei dem Gespräch nicht um den Alkohol. Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich mit seiner emotionslosen, apathischen, zurückgezogenen Art mir gegenüber, nicht zurecht komme. Er war ziemlich überrascht, dass ich darunter so leide - das war ihm nicht bewusst. Ich habe ihn gefragt, woran es liegt, dass er sich so verhält. Er hat gemeint, dass ihm derzeit Nichts im Leben Freude bereitet. Ich denke, man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass es sich dabei um eine Depression handelt. Er glaubt, dass die Arbeit ihn so deprimiert - er sieht allerdings derzeit keine Möglichkeit daran etwas zu ändern (er würde in keinem anderen Job so gut verdienen wie jetzt) und es tut ihm leid, dass er mir nicht zeigen kann, wie sehr er mich mag. Ich hab ihn gefragt, ob ich ihn irgendwie glücklich(er) machen kann. Darauf hatte er keine Antwort. Das Gespräch hat ziemlich lang gedauert: wir haben uns im Kreis gedreht: eigentlich wollen wir beide eine glückliche Beziehung miteinander: er ist aber unglücklich und emotionslos und ich bin unglücklich, weil ich einen unglücklich, trinkenden Mann an meiner Seite hab, der mich runter zieht, sobald ich ihn sehe. Ich hab ihm den Vorschlag gemacht, dass er erstmal glücklich werden soll und er sich melden soll, wenn er wieder beziehungsfähig ist. Ich hab ihm auch gesagt, dass das für mich ein Cut ist. Er hat den Vorschlag angenommen, aber gemeint, dass es für ihn kein Schlussstrich ist. Ich fühl mich ziemlich mies, weil ich (m)einen depressiven Freund im Stich lasse. Bin ich überhaupt noch im richtigen Forum? Was war zuerst da? Die Depression oder der Alkohol? Ich musste das heute durchziehen, weil ich selbst bald depressiv werde, aber es ist verdammt hart, einen Menschen den man liebt im Stich zu lassen, weil man selbst zu schwach ist, das Verhalten des Partners auszuhalten,...:(

 9 
 am: 17. Mai 2019, 20:09:33 
Begonnen von Husky1984 - Letzter Beitrag von Greenfox
Am liebsten hätte ich Dir ... dasselbe geschrieben wie Gerchla es schon "eben" getan hat. Also schließe ich mich dem nur an ...

Es ist doch immer wieder erstaunlich/traurig, wie sehr manche Menschen ihrem Elend verhaftet sind:
Ich als Betroffener habe EWIG gebraucht, um mich vom Alk zu trennen, obwohl ich schon längere Zeit wusste, was er mir antut. Aber die Sucht hat mich nicht losgelassen.
Viele Angehörige kommen von ihrem trinkenden Partner nicht weg, obwohl sie sehen/merken/fühlen und immer wieder aufgezeigt bekommen, dass er/sie in den Abgrund zieht und kaputt macht. Aber die Co-Abhängigkeit hält sie fest in den Krallen.
Und auch bei Gewalt in der Ehe/Partnerschaft sehe ich das beruflich leider immer wieder (mit schlimmsten Ergebnissen) - und auch hier ist oft (aber nicht immer!!) Alkohol im Spiel ...

 nixweiss0 :'(

 10 
 am: 17. Mai 2019, 10:21:51 
Begonnen von Husky1984 - Letzter Beitrag von Gerchla
Guten Morgen Husky,

ich möchte ein wenig auf das eingehen, was Du geschrieben hast:

Zitat
In meiner ersten Nachricht war ich noch nicht mal sicher, ob das (Trink)Verhalten meines Freundes bedenklich ist oder ob ICH überreagiere
Du hattest ja geschrieben, dass er nahezu täglich irgendwas zwischen 3 und 10 Bier trinkt. Und Du nicht sicher bist, ob es nicht noch mehr ist. Also ehrlich, wenn das nicht bedenklich ist, dann weiß ich auch nicht... ABER, eigentlich ist das gar nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass es DICH stört. Egal welche Menge, egal ob es unbedenklich ist oder nicht. Also, musst Du dafür sorgen, DEINE Wünsche durchzusetzen. Selbstverständlich funktioniert eine Partnerschaft nur, wenn man auch bereit ist mal Kompromisse einzugehen, jedoch sollten diese beiderseitig sein. Dein Partner ist bezüglich seines Alkoholkonsums absolut kompromisslos. Somit musst Du Deine Konsequenzen ziehen.

Zitat
Aber ich werde mich tatsächlich nach einer SHG umsehen
Das würde ich für sehr wichtig erachten!

Zitat
Ich denke, es liegt ein elendslanger, mühsamer Weg von mir, der von Rückschlägen und neuerlicher Hoffnung geprägt sein wird,
Das ist möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich. Aber Du machst Dich wenigsten auf den Weg und wenn Du ihn konsequent zu Ende gehst und Dich trotz möglicher Rückschläge nicht beirren lässt, dann wirst Du dafür reichlich belohnt werden. So wie ich das auch wurde, nachdem ich geschafft hatte meine Sucht zu überwinden. Dieser Weg lohnt sich, glaube mir. Mit der  Alternative die Du hättest, nämlich zu verharren und weiter vor Dich hin zu hoffen und zu leiden, würdest Du einfach nur weitere wertvolle Lebenszeit verschwenden. Nichts würde sich ändern, es ginge einfach immer so weiter. Dann lieber einen langen Weg einschlagen der am Ende aber eine mehr als positive Veränderung bedeutet.

Zitat
Liebend gerne würde ich das mit ihm gemeinsam durchstehen, aber ich bin realistisch genug, dass das eher unwahrscheinlich ist
Schon wieder ER - lass ihm sein Leben! Wenn er aufhören will mit dem Trinken, dann soll ER sich darum kümmern und aufhören. Hilfe dazu gibt es genug, er muss es wollen und die Hilfe annehmen. Und wenn er trinken will, dann soll er trinken.

Du bist NUR für Dich verantwortlich. Kümmere Dich um Dich, damit hast Du mehr als genug zu tun.

Zitat
Mein Freund hat mich letztens gebeten ihm Bier vom Einkaufen mitzunehmen
Das Du für ihn Alkohol besorgst ist ein Co-Abhängiges Verhaltensmuster. Genau wie z. B. für ihn zu lügen usw. Du übernimmst damit seine Aufgaben, in dem Du Dich um seinen Alkoholnachschub kümmerst. Solltest Du auch für ihn lügen, dann würdest damit quasi seine Probleme zu lösen versuchen, z. B. das Problem dass er aufgrund seiner Sauferei nicht in die Arbeit kann oder nicht mit zu einer Verabredung etc. Das alles sind Merkmale einer Co-Abhängigkeit. Richtig wäre es, wenn er seinen Stoff selbst besorgt, denn er will ihn ja, nicht Du.

Zitat
Im Supermarkt ists zumindest billiger.
Naja, ich denke das dient Dir jetzt eher als Rechtfertigung Dir selbst gegenüber. Weil Du wohl irgendwie schon weißt, dass es nicht richtig ist, wenn Du für ihn auch noch den Alkohol besorgst.

Zitat
Ich war nur irritiert von der fehlenden Selbstkritik und fehlenden Reflexion.
Ich nehme mal an Du meinst hier die fehlende Reflexion seinerseits, oder? Also bitte, für ihn ist doch alles wunderbar. Du hast mal wieder so funktioniert wie er es sich wünscht, was will man(n) mehr? Das, was ihm am wichtigsten ist hat er doch bekommen, seinen Alkohol. Alles gut aus seiner Sicht.

Zitat
Am selben Tag hat er mir außerdem einen Zeitungsartikel geschickt, wo behauptet wurde, dass Bier ein besseres Schmerzmittel als Paracetamol sei. Will er mich damit ärgern oder sucht er nur nach Vorteilen des Trinkens?
Warum beschäftigst Du Dich damit? Warum denkst Du darüber nach was er Dir damit sagen wollte? Wenn er überhaupt irgendwas wollte dann Dich manipulieren. Ich meine, Du musst doch eine eigene Meinung haben. Und so eine Aussage wirst Du doch für Dich einordnen können. Alleine schon wenn Du seinen "Gesamtzustand" ansiehst. Er ist Alkoholiker, nass, will nicht aufhören, hat keinerlei Ambitionen irgendwas an seinem Leben zu verändern was auch sein gutes Recht ist. Und DU? Du denkst über so schwachsinnige Nachrichten von ihm nach?

Ich kann's nur wiederholen. Kümmere Dich um Dich un Dein Leben und lass ihm seins. Wenn er lieber säuft weil Bier bei Schmerzen angeblich besser wirkt als Paracetamol, ja dann darf er das doch. Ist doch seine Sache. Darum geht es doch gar nicht. Es geht doch um Dich, völlig egal was er denkt, glaubt, erreichen will etc.

LG
gerchla

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