Alkoholforum - Für Betroffene, Angehörige und Interessierte

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 am: Heute um 20:47:06 
Begonnen von Steinbock84 - Letzter Beitrag von Steinbock84
Lieber Gerchla,

Ich muss sagen ich finde absolut bemerkenswert wie du das geschafft hast, wie offen und selbstreflektiert du jetzt darüber sprichst und ich fühle mich wenn ich deine Geschichte so lese, als wäre mein mann dein Zwillingsbruder mit nur kleinen unterschieden im verhalten. Vorallem das mit dem lügen und täuschen kommt mir unheimlich bekannt vor, dachte aber nicht das das Auswirkungen der Sucht sind, sondern brachte das mit seinem Charakter in verbindung. Ja mir ist durchaus bewusst das jede geschichte unterschiedlich verläuft und endet und ich anhand deiner geschichte nicht von meinem Mann ausgehen kann. Ich kann mir nicht vorstellen das bei ihm einfach so der Groschen fällt und er für sich beschließt jetzt muss ich was tun.

Aber ich merke das es mir hilft, erstens klarere Grenzen für mich selber zu setzen wenn ich ein bisschen verstehe wie ein Alkoholiker so denkt und handelt. Und mir geht es gut/besser damit wenn ich für mich eine klare Linie habe, mir selbst Grenzen setzten kann nicht alles was er so sagt und tut an mich heran zu lassen. Ich merke das ich mich dadurch leichter tue mich von dem Gedanken zu lösen ihm helfen zu müssen /wollen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Die Trennung allerdings ist für mich immer noch die wirklich allerletzte Konsequenz, für die ich mich momentan noch nicht bereit fühle. Ich möchte mir bevor ich das mache zu 100% sicher sein, vieles im Vorfeld schon geregelt haben, denn wenn ich diesen letzten Schritt wirklich gehe, dann gibt es kein Zurück mehr, selbst wenn er dann aufhören würde zu trinken, würde es das Leben was wir hatten in der Form nichtmehr geben. Hört sich vielleicht jetzt ein wenig dumm an aber ich weiß es im Moment nicht besser auszudrücken. Den Kontakt zu der Beratungsstelle möchte ich auf jeden Fall aufrecht erhalten denn auch beim sezario einer (evtl.) Trennung wird mir das sicher helfen.
Auf jeden Fall bin ich dir unheimlich dankbar für deine Worte, ich kann sehr viel davon mitnehmen. Vielen lieben Dank dafür.

Liebe Grüße
Steinbock 84

 2 
 am: Heute um 19:59:23 
Begonnen von Stevie84 - Letzter Beitrag von Stevie84
Auch deine tipps werde ich ausprobieren susanne🙂🤗
Danke
Lg

 3 
 am: Heute um 19:57:13 
Begonnen von Stevie84 - Letzter Beitrag von Stevie84
Danke für eure antworten☺
Das mit der frischen minze probiere ich aus. Hört sich auch sehr gut an🙂🤔
Ja das mit den säften ist auche eine gute idee 44.
Wenn jemanden noch was einfällt nur raus damit🙂🙂
Tee schmeckt ja schon sehr lecker. Habe mir eistee gekauft.
Lg

 4 
 am: Heute um 19:51:27 
Begonnen von Stevie84 - Letzter Beitrag von Stevie84
Hallo greenfox und proky ☺
Ja ich werde mir eine SHG suchen die zu mir passt und mir gefällt.  Bei den guttempler war ich noch nie. Weiss gar nicht ob es die in münchen gibt. Welche SHG'S ich kenne ist das blaue kreuz und die AA's
Ich versuche meinen Tagesablauf auch zu ändern. Gehe jetzt vor der arbeit und nach der arbeit meistens ins fitnesstudio. Habe mit yoga wieder angefangen und probiere verschiedene sportarten aus😀  auch überlege ich ob ich bei der VHS einen kurs mache.  Das du dich quasi selber therapiert hast finde ich klasse. 44. Das schafft auch nicht jeder. Respekt 44.
Manchmal habe ich lust auf ein bier, ich versuche mich dann abzulenken oder trinke wasser🙂
Hast du dann die SHG also die guttempler im Krankenhäuser vorgestellt und erklärt was eine SHG i.st. Wie die meetings ablaufen, ob es dialog oder monologgruppen sind usw?🤔
Also so wie greenfox?
Ja das virtuelle forum hilft mir schon. Auch die geschichten. Denke eine reale SHG zu besuchen nutzt mir auch bestimmt viel 🙂
Ich habe ja schon in einen meiner Beiträge geschrieben fas ich eine SHG vor Jahren besucht habe und nach dem meeting mich gut gefühlt und gestärkt fühlte.
Ja ich werde euch gerne löcher in den bauch Fragen...
Was machst du jetzt bist du ehrenamtlich aktiv??
Lg  :D ;D

 5 
 am: Heute um 19:16:38 
Begonnen von Dina - Letzter Beitrag von Dina
Dietmar wenn ich die Mitglieder anklicke kommt dass ich keine Berechtigung habe... Stimmt hab schon viel mitgelesen hier. Und man findet sich oft in den Erzählungen wieder. Auf der einen Seite traurig, aber auch ein Trost, dass man nicht alleine ist.
Alkohol war in meinem Umfeld auch präsent, schon immer. Aber die tragischen Zusammenhänge fallen mir jetzt erst auf. Mit Ende 40, ohjee.... Früher is auch nicht si offen darüber geredet worden.
Bei ihm waren früher auch noch Drogen im Spiel, das war aber in der Zeit als wir keinen Kontakt hatten... Ich bin nicht fehlerfrei und kann auch ganz schön austicken, ohne Hilfsmittel :) das hat er auch nicht verstanden und meine Erklärungen dazu wollte er nicht hören. Es ist ja keine Kunst in guten Zeiten da zu sein....Momentan stehen etliche auf seiner Seite, weil sie die dunkle Seite nicht kennen. Und wenn ich jetzt mit meinen Prophezeiungen über ihn recht behalte, auch wenn es noch Jahre dauert. Werde ich nie schadenfroh sein, im Gegenteil ich werde traurig sein. Das er so schwach ist... Ok ich bin die Starke und werde versuchen für meine Kinder wieder die fröhliche Mutter zu sein die sie verdient haben... Hoffe heute Nacht seh ich es immer noch so... Lg

 6 
 am: Heute um 18:39:52 
Begonnen von Dina - Letzter Beitrag von Dietmar
Zitat von: “Dina“
Darf ich fragen ob du Angehöriger bist?
Natürlich darfst Du! Ich ging davon aus, dass Du Dich hier schon eingelesen hast, und die primäre Rolle der aktiven Teilnehmer etwas kennst.
Primär bin ich trockener Alkoholiker.
Sekundär aber auch Angehöriger. Sowohl als Kind, Ex-Partner einer Alkoholabhängigen, und bei diversen Freund*innen.

Ich weiß bis heute nicht, was zuerst war, vermute aber, aufgrund meines seinerzeit im Übermaß trinkenden Elternhaus und der Verwandtschaft, wurde mir zumindest damals schon die Neigung zu einer gewissen Co-Abhängigkeit mitgegeben.
Später war ich dann viele Jahre selbst schwerstalkoholabhängig und polytox. (Verschiedene Drogen und Medikamente).

Heute muss ich höllisch aufpassen, dass ich nicht in zumindest in Teilen ein schädliches co-abhängiges Verhalten zeige.
Ein Merkmal ist: Sich schuldig fühlen, wenn andere (Süchtige) Alkohol konsumieren. Gerade in der Suchtselbsthilfe, in der ich lange tätig war, schleichen sich wider besseren Wissens die Gedanken ein, ob man (ich) nicht etwas falsch gemacht habe, etwas falsches gesagt habe, oder eine Hilfestellung falsch angegangen bin, wenn die hilfesuchenden Betroffenen dann doch wieder zur Flasche greifen.
Aus eigener Erfahrung kann ich Dir schreiben: Das ist niemals so!
Wenn ein Süchtiger Gründe zum Saufen sucht, sich nach Alibis für seine Unfähigkeit umsieht, warum er jetzt gerade in dieser Situation die Flasche nicht stehen lassen kann und trinken "muss", dann kommt eine unglaubliche Findungsgabe und Fantasie zum Vorschein.

Ein Beispiel ist die fast schon berühmt, berüchtigte Feststellung: Als ich früher noch im Fußballverein spielt, soffen wir, wenn wir ein Spiel verloren hatten. Hatten wir eines gewonnen – soffen wir. Und wenn ein Spiel wegen schlechten Wetters ausfiel, dann soffen wir erst recht …

Seinen „Kurs halten“, egal ob man Suchtkranker oder Angehöriger ist, ist schon alleine sehr schwer. In einer Partnerschaft ist es aber nochmal viel schwerer.
Dann vermischen sich die Dinge, und oftmals ist nicht mehr richtig festzustellen, ob der Twist nun vom Alkoholkonsum, oder von Partnerschaftsproblemen herrührt, die grundsätzlich vorhanden sind.

Warum er ausgerechnet Dir so weh tut, fragst Du.
Nun, ich denke, das liegt auch daran, weil Du als Partnerin viel mehr über seine dunkelsten Seiten weißt, wie alle anderen um ihn herum, vor denen er noch weitgehend „heile Welt“ vorspielen kann. Und dann, wie ich Dir schon schrieb, stellst Du Dich auch noch zwischen ihn und seine Sucht. Da werden viele Alkoholiker zum Tier …
Aber letztlich ist das doch alles jetzt egal, oder nicht?
Du versuchst Dein Leben auf die Reihe zu bekommen, und was er mit seinem macht, wird sich zeigen – oder halt nicht. Du wirst darauf wenig bis gar keinen Einfluss nehmen können.

 7 
 am: Heute um 17:37:18 
Begonnen von Dina - Letzter Beitrag von Dina
Hallo Dietmar, auch dir danke ich für deine Reaktion auf meinen Beitrag. Darf ich fragen ob du Angehöriger bist? Obwohl wie du schon schreibst, glücklich is niemand wirklich, egal in welcher Position. Mein Verstand sagt mir auch, das loslassen auch ne große Chance ist. Und so entspannt war unsere Beziehung nicht mehr. Ich häng zu sehr an der Vorstellung wie es geplant war. Und was mir selbst auffällt, ich fühle mich schuldig. Ich etappe mich dabei, Sachen nicht zu tun, weil ich weiß dass er es nicht mag. .. Ich dreh langsam durch glaub ich. Meine erwachsenen Kinder und auch Freunde geben mir aber ständig das Gefühl, dass ich glücklich sein soll. Und irgendwie haben sie und auch du ja recht. Ich habe Glück, dass ich so schnell von dort weg gekommen bin.
Dein 5 Jahresplan ist gut, ich hab vor nem halben Jahr aufgeschrieben wie ich mich fühle. Ok noch nicht gut, aber immerhin anders.
Es ist wahrscheinlich wirklich so, weil ich weiß, dass ich dagegen nichts tun kann. Und er nicht so denkt wie ich es mir wünschen würde.
Er hat auch schon einige Verletzungen erlitten, durchs Trinken. Er weiß am nächsten Tag nichts. Er wurde erst in letzter Zeit laut. Entschuldigungen Fehlanzeige..  Warum kann ausgerechnet er mir so weh tun? Jedem anderen würde ich sagen, sowas brauchst du nicht.  Ich will das dieses Gefühl endlich in meinem Körper ankommt. Durch das Schreiben und Lesen kommt es langsam schon im Kopf an. Ich danke euch lg Dina

 8 
 am: Heute um 14:29:02 
Begonnen von Steinbock84 - Letzter Beitrag von Gerchla
Liebe Steinbock84,

Zitat
Denn im Grunde ist es ja wie bei der Erziehung von Kindern, Konsequenzen androhe und nicht einhalten funktioniert nicht sonst ist jeglicher Respekt verloren....
Das hast Du natürlich richtig erkannt. Aber weißt Du, es geht auch beim Einhalten der angekündigten Konsequenzen eigentlich nicht um ihn sondern um Dich. Du tust Dir etwas Gutes wenn Du diese Konsequenzen dann auch ziehst, machst Du aber einen Rückzieher verletzt Du Dich selbst. Er befindet sich ohnehin in einer anderen Welt.

Anders als bei der Kindererziehung kannst Du ihn eben nicht erziehen, denn er ist nasser Alkoholiker und für ihn zählt nur der Alkohol. D. h. Du kannst darauf hoffen, dass Deine Konsequenzen, also z. B. das Du Dich trennst und ausziehst, eigenen Wege gehst, etwas bei ihm bewirken. Aber mehr als hoffen bleibt Dir nicht. Und auch dieses hoffen solltest Du idealerweise lassen (ich weiß dass das leicht daher gesagt ist), denn Du ziehst diese Konsquenzen ja für Dich, nicht für ihn.  Völlig unabhängig davon, wie er reagieren wird, regaieren könnte, idealerweise reagieren sollte. Verstehst Du was ich meine? Ist wahrscheinlich schwer zu verstehen, aber so lange Du Deine Entscheidungen mit seinen (gewünschten) Reaktionen oder seinem Wohlbefinden etc. verknüpfst, drehst Du Dich um ihn. Und genau davon solltest Du Dich aber lösen.

Was nun aber nicht bedeuten soll, dass Du, sollte er tatsächlich z. B. eine Therapie antreten und ernsthaft versuchen auszusteigen, nicht nochmal darüber nachdenken kannst, wie Du damit umgehst. Das wäre eine ganz neue Situation, die bräuchte eine neue Bewertung, ich könnte hier jetzt nur spekulieren.

Aber die Tatsachen sind ja gerade andere. Gut, dass Du mit eiiner Beratungstelle sprichst. Sehr gut. Weißt Du, dass ist ja nicht gerade ne Kleinigkeit, die Du da im Moment durch machst. Es ist wohl ein Meilenstein in Deinem Leben, etwas großes, eine große Veränderung, so oder so. Und es ist eine sehr emotionale und sehr schwere Situation. Ich kann Dich nur ermutigen Dir möglichst viel Hilfe zu holen.

Ich möchte jetzt auch erst mal nicht weiter darauf eingehen, ob eine Trennung realisierbar ist oder nicht. Ich habe mir eine Trennung von meinen Kindern auch nie vorstellen können (ich sage bewusst Kindern, weil ich bei meiner Entscheidung mich zu trennen primär immer nur an meine Kinder gedacht habe, was aber nicht bedeutet, dass mir meine Frau total egal gewesen wäre). Ich dachte, es wäre absolut UNMÖGLICH das meinen Kindern anzutun. Bis ich merkte, dass ich ihnen noch viel schlimmeres Leid  antun würde bzw. werde, wenn ich bleiben würde. Denn ich wusste, dass ich dann früher oder später wieder trinken würde. Und dann, dann hätte es kein Halten mehr gegeben und ich hätte sie mit in den Abgrund gerissen.

Vielleicht ist das Thema Trennung und warum es Dir nicht möglich erscheint ja etwas, das Du bei der Beratung mal ansprechen kannst.

Zitat
Ich hätte auch noch eine Frage an dich, wie bzw was hat dich dazu bewogen, nichtmehr zu trinken und dir Hilfe zu holen?

Ich verstehe, dass Dich das interessiert. Ich denke, Du wirst Dir Gedanken darüber machen, ob das bei Deinem Mann auch passieren könnte. Nehme ich jetzt mal an. Ich schreibe es Dir auch gerne, aber es hat keine Bedeutung für Dich. Denn es gibt kein Schema, nichts wirklich Nachvollziehbares, was sein oder passieren müsste, dass ein Alkoholiker plötzlich entscheidet seiner Sucht den Kampf anzusagen. Es können bestimmte Ereignisse sein, die das auslösen. Also z. B. der Verlust des Partner, der die Nase voll hatte. Bei manchen reicht ein abgenommener Führerschein oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Andere bekommen ein paar Takte von Arzt geblasen, sehen mit Schrecken ihre Blutwerte und kommen zur Einsicht. Ich kenne auch die Geschichte von jemanden, der bei einer Wanderung in den Bergen ins Tal blickte und plötzlich wusste: Jetzt ist es vorbei -  und es war vorbei (sehr vereinfacht gesprochen).

Oft spricht man auch vom persönlichen Tiefpunkt, den ein Alkoholiker erreichen muss bevor es schaffen kann. Nur ist es eben der PERSÖNLICHE Tiefpunkt und der ist eben individuell und bei jedem anders. Wie gesagt, vom Verlust des Führerscheins bis hin zum Aufwachen in der Entgiftungsstation inkl. Reanimation weil der Kreislauf zusammen gebrochen war ist alles dabei.

Und leider, das will ich auch sagen und das zeigt Dir auch ein Blick in die Statistik, scheint es bei der überwiegenden Mehrzahl der Alkoholkranken diesen Tiefpunkt nicht zu geben oder sie erreichen ihn nicht. Denn es sind ja die Wenigeren, die überhaupt was gegen ihre Krankheit unternehmen und leider schafft es dann von diesen auch nicht die große Masse dauerhaft abstinent zu leben. Es ist also wirklich schwer aus dieser Sucht heraus zu kommen. Genau deshalb solltest Du eben auf Dich schauen, Deine Hoffnungen fahren lassen und nur dann tiefer über Deinen Mann nachdenken, wenn sich bei ihm wirklich etwas verändert.

Kurz wie das bei mir war: Ich war ein Wrack, psychisch total am Ende, körperlich ebenfalls schon ziemlich angegriffen (stark übergewichtig, konnte nicht mehr auf dem Bauch liegen = Schmerzen und hatte Darmprobleme). All das hatte ich aber schon eine längere Zeit, mal schlimmer, mal wieder etwas besser. Und nach außen hin funktionierte ich noch, war erfolgreich im Job, konnte die Fassede gerade noch so aufrecht erhalten.

Am Ende kann ich Dir nicht sagen, warum ich gerade zu diesem Zeitpunkt ganz spontan und ganz plötzlich beschloss nie mehr trinken zu wollen. Es war eine Sekundenentscheidung, vielleicht sogar nur Bruchteile. Plötzlich schoss es in mein Hirn: OVER - jetzt machst reinen Tisch, jetzt ist es vor bei und jetzt wirst du alles dafür tun, wirklich ALLES um nie mehr trinken zu müssen.

Auslöser bei mir war am Abend, als ich von der Arbeit heim kam (bereits 4 oder 5 Bier intus wie immer), eine Konfrontation mit meiner Frau. Sie hatte eine schwere Lüge meinerseits aufgedeckt und mich frontal damit konfrontiert. Normalerweise hätte ich mich aus dieser Situation heraus gelogen. So wie ich es unzählige Male vorher auch getan hatte. Ich bin mir ganz sicher, dass mir das auch gelungen wäre, denn Alkoholier sind wahre Meister im Lügen und Manipulieren. Aber warum auch immer, ich wollte nicht mehr!

Und dabei wusste ich ganz klar und ganz genau, was das bedeuten würde. Alles würde zusammen brechen, alles kaputt gehen. Mein ganzes Leben und das Leben meiner Familie würde unmittelbar nach meiner Entscheidung aus den Angeln gehoben werden. Du weißt ja vielleicht, dass ich gut 10 Jahre heimlich getrunken habe, meine Frau wusste nichts (zumindest hat sie mir das ernsthaft versichert in einem späteren Gespräch). D. h. mein Satz: Ja es ist so wie Du sagst und ich möchte Dir noch sagen, dass ich Alkoholiker bin (sinngemäß, meinen genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr), hat alles verändert. Erst mal musste ich noch beweisen, dass ich wirklich Alkoholiker bin, was schnell passiert war. Ich zeigte ihr einfach all meine Verstecke die voll waren mit diversen Flaschen. Danach begann ich sofort weitere schwerste Lügen meinerseits zu beichten. Und glaube mir, Du willst nicht wissen was ich alles zu beichten hatte.

Und dann war mein und ihr bisheriges Leben vorbei. Einer ihrer letzten Sätze war, das werde ich wohl nie vergessen: bis eben war ich glücklich....

Ok, das ist ja jetzt nicht das Thema. Wieso, weshalb und warum ich das genau zu diesem Zeitpunkt tat? Keine Ahnung, vielleicht war das mein persönlicher Tiefpunkt. Ich kann Dir nur sagen, dass ich unglaublich dankbar bin, dass ich diesen Moment hatte. So schwer die Monate danach waren, so froh bin ich, dass ich durch wen oder was auch immer dieses Geschenk bekommen habe und mein Leben zurück gewinnen konnte.

Aber wie gesagt, so war es halt bei mir. Bei anderen ganz anders, bei vielen niemals.

LG
gerchla

 9 
 am: Heute um 14:22:08 
Begonnen von Dina - Letzter Beitrag von Dietmar
Hallo und willkommen im Forum, liebe Dina,

viele Gutes und Richtiges aus dem Erleben und der Sicht eines betroffenen Alkoholikers, der so ziemlich alle Tricksereien eines nassen, süchtigen Alkoholikers kennt, hast Du von Gerchla erhalten.
Da gibt es nichts hinzufügen, und ich denke auch, dass Du genau weißt, wo Dein Freund und Ex-Lebensgefährte bzgl. seiner Alkoholproblematik steht.
Weißt Du, was ich als erstes dachte, als ich Deine Geschichte las: Schon wieder eine, die in die Falle getappt ist, die gut getarnt, mit schönen Worten und dem „tollen“ Gehabe von manchen Alkoholikern ausgelegt wird!

Nun bist Du hier bei uns im Forum gelandet, und es würde für mich wenig Sinn machen, hier über Deinen Ex-Lebensgefährten viel zu schreiben. So wie er für sich seinen Weg finden muss, musst Du für Dich Deinen Weg finden.

Ich will Dich von Herzen dazu beglückwünschen, dass Du den ersten, sehr wichtigen und wahrscheinlich entscheidendsten Schritt getan hast, der nötig ist, um Dich aus der Verstrickung in seine Sucht lösen zu können! Du bist gegangen, hast Dein Leben wieder in die eigenen Hände genommen, und hast so gut für Dich gesorgt. Gratulation dazu!

Wenn Du Dich im Forum im Angehörigenbereich eingelesen hast, dann wirst Du viele ähnliche Geschichten finden, bei denen dieser Schritt oft sehr, sehr lange gedauert hat.
Ich möchte Dir aber auch ein Kompliment zu Deinem Sohn machen: Der ist ein richtiger „Checker“ und hat offensichtlich ein Gespür dafür, wenn – in Bezug auf süchtiges Verhalten – etwas „faul“ ist.

Leider ist es tatsächlich so, dass die Sucht, egal ob Alkoholismus oder eine andere, sehr, sehr viel im Leben der betroffenen Süchtigen, aber auch im Leben ihrer Angehörigen und Lieben zerstört.
Bei Dir ist nach den zahlreichen Erfahrungen mit Partnern, die Du schon machen musstest, nun auch Dein „ultimativer Lebenstraum“ zerstört worden.
Zuerst, so denke ich, ist man versucht Dir zu schreiben: Mist! Auch das noch! Das muss doch nicht sein!

Aber dann, wenn ich gründlicher darüber nachdenke, und wenn ich die Mehrzahl der Suchtverläufe und betroffenen Partnerschaften in Erwägung ziehe, möchte ich Dich „fast“ schon dazu beglückwünschen, dass es, so wie sich Deine Schilderung liest, so rasch und so schnell „über die Bühne“ gegangen ist. Man sagt oft lapidar: Besser ein Ende mit Schrecken, als einen Schrecken ohne Ende!

Trotzdem ist natürlich die tiefe Trauer über den Verlust, darüber „durch die Sucht im Stich gelassen worden sein“, und darüber, dass sich Dein Lebenstraum – mit ihm alt zu werden – in Luft aufgelöst hat, vorhanden. Dazu kommt Deine Liebe. Liebe ist ja eigentlich ein wunderbares Geschenk und füllt die Liebenden „ganz aus“. Wird sie, so wie bei Dir jetzt, durch etwas „Anderes“ ab- und zurückgewiesen, dann schmerzt das unerträglich.

Du hattest es mit einem mächtigen Gegner zu tun, gegen den Du keine Chance hattest: Die Sucht.
Würde Dein Ex-Lebensgefährte sein Ausgeliefertsein an die Sucht erkennen können, dann hätte er eventuell eine Chance, sich daraus zu befreien.
Aber Du, als Freundin und Angehörige, hast nicht den Hauch einer Chance, gegen diese mächtige Sucht anzugehen. Im Gegenteil – und das hast Du jetzt selbst erleben müssen: Sobald Du Dich zwischen den Süchtigen und seine absolute große Liebe No. 1 stellen möchtest, bist Du eine Feindin, gegen die mit allen Mitteln vorgegangen werden muss.

Nun, Gerchla schrieb Dir, dass Dein jetziges „Leiden“ nicht kleiner wird, wenn Du tagtäglich mit diesem Mann zusammenarbeiten musst. Ich denke, das weißt Du.
Deine Argumente – guter Job, gutes Geld – sind absolut nachvollziehbar!
In unserem Leben gibt es Situationen und Entscheidungen, deren Prioritäten nur wir selbst feststellen und treffen können. Da helfen keine Ratschläge von außen.
Was Dir wichtig ist, und womit Du Dich so fühlst, dass Du einigermaßen sicher weißt, Du verschwendest keine wertvolle Lebenszeit für etwas, das über kurz oder lang ohnehin nicht tragbar ist, kannst nur Du für Dich alleine herausfinden.

Mir hat in solchen Situationen oft geholfen, wenn ich „5 Jahre weiter dachte“. Ich versuchte dann, eine andere Perspektive einzunehmen, mir vorstellen, „was wäre wenn …“, und wie ich dann wohl „in 5 Jahren über die Situation denken und fühlen würde“.
Du hast aufgrund Deiner Lebensgeschichte auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht, über die Du heute völlig anders denkst, wie damals, als sie topaktuell waren, und Dich niederzudrücken drohten, oder?

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du für Dich die richtigen, zukunftsweisenden Entscheidungen treffen kannst, sodass Du nicht … nach Jahren des Leidens und der Trauer … feststellen musst: Ach hätt‘ ich doch bloß …

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 am: Heute um 13:43:30 
Begonnen von Dina - Letzter Beitrag von Dina
Sorry für die Schreibfehler übers Handy sind solche Texte kein Spaß  😎

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