Alkoholforum - Für Betroffene, Angehörige und Interessierte

Treffpunkt => Allgemeines => Thema gestartet von: Susanne68 am 15. April 2021, 15:45:29

Titel: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 15. April 2021, 15:45:29
Vor einiger Zeit ging es im internen Bereich des Forums hier um den Tiefpunkt und das bedingungslose Aufhören.
Das Grundthema war erst der Tiefpunkt und der berühmte Klick, wie ich ihn erlebt habe. Und dann kamen wir zum Thema, wenn man immer auf etwas wartet, was passieren müsste, oder man sich von anderen und deren Unterstützung bzw. Wohlwollen abhängig macht, dann schafft man es vielleicht nie. Also eigentlich geht man sich, wenn man Bedingungen fürs Aufhören stellt, selbst im Weg um, schwächt seine eigene Entschlusskraft und macht sich von äusseren Umständen abhängig.

Ich bin der Meinung, Aufhören ist eine egoistische Sache, bei der ich um mich selbst kämpfe - und von der dann aber Andere, mein Partner z.B., auch etwas haben, denn nüchtern setze ich meine Interessen vielleicht besser durch, nehme aber auch meine Verantwortung für mein Leben anders wahr. Alles, was der Nüchtenheit dient, ist bei einem Alkoholiker aus meiner Sicht erst mal gut, auch wenn es scheinbar gegen Andere gerichtet ist.

Mit einer klaren Entscheidung komme ich leichter ans Ziel als mit halbherzigen Versuchen. Und Ausreden, Ausnahmen habe ich mir selbst nicht zugelassen. Aufhören, ohne Bedingungen zu stellen, es geht alles auch ohne Alkohol, es gibt praktisch nichts, was durch Trinken auf lange Sicht schöner oder einfacher wird. Wenn man Probleme im Zusammenhang mit Alkohol hat, Streit mit dem Partner, Arbeitsplatzprobleme, Depressionen etc., dann ist Alkohol das Problem, und das muss als allererstes gelöst werden.

Ich mache hier daraus ein neues Thema, weil es gewünscht wurde und weil es vielleicht jemandem beim Entschluss helfen könnte.

Vorab...der zentrale Punkt für mich war, dass es beim Aufhören nichts für mich gab, was höhere Priorität hatte, ich habe dem Aufhören alles Andere untergeordnet, weil es für mich vielleicht nur so zu schaffen war. Uns so, indem ich dann auf nichts mehr Rücksicht genommen habe, ausser darauf, ob es mir beim Trockenbleiben hilft, ging es. Damit meine ich, ich habe einige Freunde entfreundet, auf einen Karriereschritt verzichtet und mir das Denken "Trinken ist keine Option, denn das macht alles schlechter" angeeignet. Ich dürfte immer, niemand könnte es mir verbieten, aber ich will nicht, weil ich meine Erfahrungen gemacht habe.
Und das Leben ging trotzdem weiter. Besser als vorher.

Bei allen Schwierigkeiten, die beim Aufhören auftreten können..wenn man mal so weit ist, dass man drüber nachdenkt, dann macht einem das Trinken auch schon eine Menge Probleme. Das ist ja meistens auch nicht mehr lustig, also irgendwas muss man dann sowieso tun und dann besser das, was auch wirklich dauerhaft hilft.

Das Ganze entstand aus einer Frage- und Antwort-Situation, und die gebe ich einfach mal so wieder, da kommt es vielleicht am deutlichsten raus.


Fragestellerin:
Zitat
Liebe Susanne,

Ich lese ja öfters deine Beiträge mit grossem Interesse... Du hast hier und in anderen Threads schon paar mal geschrieben wie du es vom süchtigen Leben in ein neues,selbstbestimmtes geschafft hast. Mich erstaunt dabei immer wieder die Leichtigkeit mit der das geschah...würdest Du von einem echten „Klick“ sprechen? Also so wie ein Aufwachen aus einer Illusion? Ich kann mir das so schwer vorstellen dass der Suchtdruck dann auch plötzlich im Nichts verschwindet...selbst bei Einsicht auf rationaler Ebene bleibt die Suchtstrucktur im Gehirn trotzdem noch bestehen? Wir sind in dieser Hinsicht einfach so unterschiedlich, es beeindruckt mich irgendwie wie das alles so plötzlich ins Rollen gebracht wurde und bei dir dann auch so offensichtlich aus der Sucht führte. Glaubst Du du bist in deiner Sucht bis zum Ende gegangen? Also mehr wäre nicht drin gelegen?

Kein Antwort-Zwang, wenn s dich nicht langweilt schreib doch mal was da genau in deinem Inneren vorging,

Antwort
Zitat
Das müsste ich erst mal selbst erklären können. Was da genau in meinem Inneren vorging, fand bei 3 bis 5 Promille statt, ich weiss ja nicht mal mehr, wie viel ich vorher getrunken hatte. Jedenfalls war ich nicht mehr ansprechbar, konnte ich nicht mehr aufstehen und keinen Meter geradeaus gehen. Eimer vor dem Bett, durchgeschwitztes Laken, und so weiter. Aber das war ja auch nichts Neues. Also das, dass es mir besonders schlecht ging, erklärt es jedenfalls nicht.

Der Gedanke, den ich da hatte, und den ich vielleicht noch nie so hatte, war der, dass es mir furchtbar schlecht geht, und - vor Allem -  dass es mir nur deswegen so furchtbar schlecht geht, weil ich das so will. Dass ich mich selbst praktisch zum Trinken zwinge, weil es meine tiefste innere Überzeugung ist, dass Trinken das Leben schöner macht. Und dass mich nichts und niemand zum trinken zwingt, nur ich selbst mit eben dieser Überzeugung.

Der nächste Gedanke war praktisch der, wenn das alles so ist, weil ich das so will, dann kann ich das auch ändern, wenn ich das will. Ich kann auch mit dem Leiden wieder aufhören, wenn ich keine Lust mehr dazu habe. Ja, dachte ich.
Dass das eine Krankheit ist, war für mich eigentlich nur zur Dekoration, damit man Anspruch auf Hilfe hätte, wenn es nötig wäre. Damals, als ich noch nicht durch hunderte Diskussionen durchgenudelt war, war das für mich eine einfache Sache. Ich bin einfach einen Weg gegangen, den ich vor mir gesehen habe.

Ich bin aufgewacht, das mach ich jetzt. Ja, ich weiss, bei vielen Anderen kippt das dann irgendwann wieder, war bei mir nicht so. Vielleicht tatsächlich, weil ich mein Pensum voll hatte, und es da für mich nichts mehr zu holen gab, auch keine neuen Erfahrungen mehr, nichts mehr, was mich interessiert hätte.

Und es war sicher mein Glück, dass ich die ersten Jahre relativ wenig mit anderen Alkis zu tun hatte, da wurde das nicht so in Zweifel gezogen, dass das möglich ist. Zum Teil war ich aber auch so ein bisschen "jetzt erst recht" drauf, wenn mir jemand gesagt hatte, dass das nicht geht. Auf diese Weise wurde ich dann aber selbst irgendwann für Einige interessant.

Aber es ist kein wirklicher Einzelfall, es gibt auch Andere, bei denen das so gelaufen ist.

Weiss jetzt nicht, ob das Deine Frage so wirklich beantwortet.


Fragestellerin:
Zitat
Danke für deine Antwort! Klar das beantwortet schon was. Ich war ja auch schon oft an dem Punkt wo ich mir dachte jetzt kannst Du nicht tiefer sinken...aber ich sank dann trotzdem noch tiefer. Als ich wirklich aufhören wollte war das dann in einem nüchternen Moment als ich 14Tage Alkfrei war da sich mein Körper so rebellierte gegen den Alk. Und das alles fand dann auf rationaler Ebene statt, also eine Anreihung von Argumenten die keinen anderen Schluss zuliess.

Ich hab schon von anderen von einem solchen Schlüsselerlebniss gehört und dann kam es zum Umdenken. Vielleicht nimmt es mich auch so Wunder weil ich das so gerne auch hätte. Aber auslösen lässt sich sowas ja nicht bewusst...denke ich mal. Und ich bin ja auch auf einer guten Linie nur muss ich halt immer noch so oft kämpfen...

Antwort
Zitat
   
Zitat
Ich war ja auch schon oft an dem Punkt wo ich mir dachte jetzt kannst Du nicht tiefer sinken...

Das interessiert jetzt mich.
Wie definierst Du "tiefer sinken"?

Beim Saufdruck ist es wirklich so, keiner weiss richtig, wieso der so plötzlich spurlos verschwinden kann. Aber wir nehmen es natürlich mit.
Saufdruck ist für mich jedenfalls eine Art sehr intensiver Emotion  - ich hatte ja welchen, so lange ich meine ganzen Trinkpausen gemacht habe  - und ich habe hier schon mal geschrieben, dass Alk/Drogen lange so was wie meine große Liebe waren. Dafür sterben ja auch manche. Also tatsächlich wohl nichts, was man bewusst so einfach ausknipsen kann. Es ist mir halt passiert.

Gruß Susanne

Fragestellerin
Zitat
Naja wenn ich halt mal wieder irgendwo zuhause verdreckt und mit blauen Flecken aufwachte uf nicht wusste was da passiert ist. Der Kater des Jahrhunderts und in solchen Momenten dachte ich auch, du könntest auch tot sein, weisst ja nicht mal in welcher eventueller Gefahr du dich befunden hast. Oder halt ganz peinliche Aktionen von mir liess wo ich dachte schlimmer gehts nicht...es ging aber tatsächlich noch schlimmer. Diese Erlebnisse hatten keine langfristige Reaktion oder Änderung hervorgebracht,ich soff einfach weiter als wäre nichts gewesen und schaffte es sogar mir einzureden dass es sooo schlimm ja doch nicht ist ??. Das dauerte eine gefühlte Ewigkeit so...das meinte ich damit.


Antwort
Zitat
Ich war da vielleicht ein bisschen schizophren. Ein Teil von mir hat einen anderen Teil beobachtet, andererseits war meine Suffpersönlichkeit von meiner Nüchternpersönlichkeit deutlich getrennt, wie ausgewechselt. Konnte ich gut ausblenden. Später ist mir gekommen, ich habe auch immer nur bis zu den ersten Getränken gedacht, wie bei Dir neulich. Ich hätte es zwar wissen können, aber dazu hätte ich erst mal drüber nachdenken müssen und das wollte ich eben nicht.

So wie Du das gerade schreibst, fällt mir auf, dass da möglicherweise alles, diese getrennten Teile,  zusammenkam und mir das so völlig bewusst wurde. Da wars vorbei mit der Liebe.

Fragestellerin
Zitat
Ich war ach schizophren aber vielleicht auf einer anderen Ebene. Wenn ich paar Tage ohne Alk war, war ich extrem gesundheitsbewusst,super in die Arbeit vertieft und ziemlich gut darin andere über ihre Schwächen aufzuklären...ich war sogar ein richtiger Moralapostel vor allem zum Thema Sucht. Vielleicht war das so eine Gegenreaktion weil ich so überhaupt nicht zu meinem Problem stehen konnte. Es gibt ja die Alkoholiker die lauthals rumerzählen wie oft und wie viel sie saufen. Und als ich dann aber trank kippte ich in den Modus „alles Spiesser“, „die Langweiler mit ihrem Tee...lieber früh sterben dafür gefeiert haben „...Das war schon krass wie ich da von einem Extrem ins andere rutschte.

Und ja der Vergleich mit der Liebe lässt sich ziehen...Sucht funktioniert irgendwo wie Liebeskummer, plötzlich sieht man nur noch die guten Seiten, sehnt sich an den Anfang der Beziehung zurück, wünscht sich in eine Zeit zurück die längst verflossen ist und nie wieder so sein wird. Ich muss mich oft dran erinnern, die guten Momente mit dem Alk sind endgültig hinüber, es wird nie wieder unbeschwerlich.

Ich weiss nicht an was es liegt dass es einige aus dem Sumpf schaffen und andere nicht...ausser der Eigenmotivation natürlich. Vielleicht an genau diesem „Aufwachen „ wie es bei dir war, vielleicht passiert das bei einigen einfach nie und sie kehren immer wieder zur Flasche zurück. In der SHG höre ich oft von dem „Klick im Kopf“, das sagt mir einfach nichts irgendwie.

Antwort
Zitat
Ich habe bei einigen beobachtet, dass sie nicht "bedingungslos" aufhören wollen, sondern das mit irgendwas verknüpfen. Entweder müsste sich vorher was Ändern, oder sie wollen relativ schnell eine Belohnung dafür haben, das sie nun so supertoll sind und sich endlich mal bemühen.

Wenn ich endlich einen Partner hätte, wenn ich endlich Kinder kriegen würde, wenn ich endlich aus meinen Depris rauskommen würde, wenn man mir richtig (oder noch mehr) helfen würde, dann würde ich das schaffen. Und wenn sich meine Probleme nicht gleich in Luft auflösen, dann fange ich eben wieder damit an.

Ich hab einen erlebt, der flog aus seiner dritten Langzeitherapie raus, weil er wiederholt rückfällig wurde. Und immer das Gejammer, dass er ja so gerne eine Familie mit Kindern hätte, er wegen seiner Einsamkeit säuft und mit keiner klappt es so richtig. Dabei hielt er sich doch für so einen tollen Hecht, die Frauen begriffen ja gar nicht, was sie  ohne ihn alles verpasst hatten.  Aber dass er das im Suff selbst immer zerschlagen hat, das begriff er nicht. Er hat es mir und Anderen ja auch immer brühwarm erzählt, wie ungerecht man ihn wieder behandelt hatte.
Da hats tatsächlich auch eine Art Klick gemacht, da hat er nämlich plötzlich kapiert, dass ihm niemand helfen kann, wenn er das nicht selbst endlich tut. Wenn er immer auf was wartet, was passieren müsste, dann wird er sterben, bevor es passiert ist, auf was er gewartet hat. Und plötzlich gings, zumindest mal mehrere Jahre, bis ich ihn aus den Augen verloren habe. Und da kam dann auch tatsächlich mal der Satz, dass er immer auf was von Aussen gewartet hatte, bis ers begriffen hat, dass es nur an ihm selbst liegt.

Und eben dieses "bedingungslose" Aufhören, das war bei mir eben nach diesem Erlebnis sehr ausgeprägt. Ich habe sogar mit weit größeren Schwierigkeiten gerechnet, als ich dann wegen dieser späteren Unzufriedenhheit (als die Anfangseuphorie weg war) hatte. War trotzdem noch einfacher, als ich erwartet hatte. Wobei ich ganz am Anfang natürlich auch noch nicht so sicher war, dass ich das auch schaffe (weswegen ich die ersten vier Wochen auch noch den Hintergedanken hatte, erst mal für ein Jahr, dann sehe ich weiter), das kam dann erst, als ich das gemerkt habe, wie das klappte.
Ich habe damals auch geglaubt - was im Übrigen sogar wissenschaftlich fundiert sein könnte - dass mein Hirn nach Alternativen gesucht hat, sich auch dementsprechend entwickelt hat, weil ich in Richtung Trinken keine Möglichkeit offen gelassen hatte. Ich hatte das für mich selbst kategorisch absolut ausgeschlossen, dass Trinken für mich eine Option ist. Und da arbeitet das Hirn dann damit, wie es auch nach einem Schlaganfall neue Möglichkeiten zur Lebensbewältigung findet.

Und es war in deser Nacht damals auch tatsächlich so, dass ich vor meinem geistigen Auge gesehen habe, dass ich vielleicht ein paar Jahre Schwierigeiten habe, die ich aushalten muss, aber dass es dann, wenn ich da hinter mir habe, fast zwangsläufig besser werden muss. Also ich habe  nicht nur gesehen, was hinter mir lag und wo ich noch mitten drin steckte, sondern schon auch einen Ausblick, für den es sich lohnte.

Und das hatte ich bis zu diesem Tag ja auch nicht, diese Vorstellung, dass sich das auch irgendwann lohnt. Und dass man mich dafür auch nicht loben muss, weil ich das in allererster Linie nicht für Andere, sondern für mich selbst mache. Mit dem Saufen aufhören war für mich so egoistisch wie nur irgendwas.
Im Übrigen fand ich die AA-Vorstellung von der lebenslangen Krankheit absolut demotivierend (AA-ler und ihre Denke sind mir bald irgendwo begegnet), das war einer der Gründe warum AA noch nie zu den Gruppen gehört hat, wo ich hingegangen wäre. Am Anfang brauchte ich ganz dringend eine Perspektive, dass das irgendwann vorbei ist, und für mich ist das bis heute eine Krankheit, die nur dann relevant wäre, wenn ich wieder anfangen würde. Nüchtern fühle ich mich nicht krank.

...
ein paar Zwischenrufe, dass man das öffentlich machen müsste
...

Fragestellerin
Zitat
Kann Greenfox nur zustimmen, der ganze Beitrag würde sich gut tun im öffentlichen Bereich! Dieses Wenn...Dann- Gedankengerüst muss man wirklich ablegen wenn es was werden soll mit der Abstinenz. Ich glaube das ist der Punkt wo viele drin gefangen bleiben, diese fadenscheinigen Gründe überleben zum Teil sehr lange.

Aufhören ohne Wenn und Aber...das ist der Punkt.

Am Anfang hat es mir viel geholfen, dass ich Leute gesehen habe, die schon 20, 30 Jahre trocken waren. Ich habe zwar nicht immer alles verstanden und Vieles habe ich ganz anders gesehen, als die das erzählt haben, aber alleine die Tatsache, das Andere das konnten, überzeugte mich davon, dass ich es auch kann. Und genau das möchte ich weiter geben. Es ist möglich.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Daun 2020 am 17. April 2021, 11:26:56
Hallo Susanne
Ich kann dir nur Recht geben mit dem was du geschrieben hast,aber und das finde ich zumindest muss jeder für sich Herausfinden,bis es Klick macht.Man kann den Weg aufzeigen,aber jeder einzelne muss ihn doch selber gehen,und diesen Weg finden.
LG Daun
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 17. April 2021, 20:27:25
Man kann den Weg aufzeigen,aber jeder einzelne muss ihn doch selber gehen,und diesen Weg finden.

Ich kann eigentlich keine Wege aufzeigen. Ich kann Dir nämlich klar sagen, wer mir hinterher läuft, der überlebt das sehr wahrscheinlich nicht. Die meisten würden nicht so viel vertragen, schon lange vorher dran verrecken, und die meisten könnten so auch nicht aufhören. Bei mir war das Aufhören ja nicht mal geplant, kam einfach so. Was soll ich dazu dann schon sagen? Sauf mehr, bis es Dir reicht (so hab ichs ja gemacht)...und wenns Dir nicht reicht, ist es nicht mein Problem, Du stirbst dran, nicht ich.
Und ich bin so stur, ich hab noch nie gemacht, was man mir gesagt hat. Ausser, ich habs eingesehen, dann schon. Und jetzt nüchtern hin und wieder auch, wenns zu mir passt.

Mich hat das am Anfang sehr gewundert, wenn ich die Rückmeldung bekam, dass das jemandem hilft, was ich so bringe. Eigentlich hat mich das auch gar nicht interessiert, das war ein Nebeneffekt, wenn ich mich mit mir selbst beschäftigt habe. Aber man gewöhnt sich dran. Und vielleicht habe ich mich, weil ich ohne Therapie und Gruppe aufgehört habe, selbst mehr damit beschäftigt als viele andere, und dadurch kenne ich mich selbst gut.
Trotzdem, mein Vater hat sich totgesoffen, und ich weiss ganz genau, dass ich niemanden trocken legen kann. Und die Zeit, als mich das belastet hat, ist lange vorbei. Mir gehts da mehr drum, mich selbst zu verstehen und Schlüsse für mein eigenes Weiterleben zu ziehen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Rina am 17. April 2021, 21:34:19
@Daun
Es geht ja gar nicht darum irgendwem einen Weg aufzeigen zu wollen. Und ich für mich habe auch nie irgendwelche Leute nachgeahmt oder wollte es genau so machen wie sie. Es geht um Orientierung und Inspiration. Am Anfang wusste ich weder vorne noch hinten wie ich dieses Projekt Abstinenz angehen sollte. Also suchte ich nach Menschen die das, was ich wollte hatten und ich wollte auch wissen, wie sie das erreichten. Und umso mehr Wege ich sah, umso mehr ich zuhörte, desto besser konnte ich meinen eigenen Weg planen. Das mache ich heute immer noch so, es gibt halt auch viele Gemeinsamkeiten, gewisse Dinge klappen, gewisse Verhaltensweisen schlagen fehl. Ich kann mir Fehler auch sparen, vom Erfahrungsschatz anderer profitieren.

Hier sind die unterschiedlichsten Menschen unterwegs, ich habe von den allermeisten etwas wertvolles mitbekommen. Es sind Tipps, Aufmunterung, Anregungen, Perspektivenwechsel etc. Ich stelle fest, dass ich im Austausch mit anderen wachse, alleine stecke ich fest. Ohne Suchtmittel zu leben hat für mich die Herausforderung, mit mir im reinen zu sein, mich und die Welt so auszuhalten wie sie ist. In der Realität sein, immer, egal was kommt. Und ich schliesse mich Susannes Worten an, denn wenn ich sehe dass andere ein trockenes und zufriedenes Leben führen dann sollte das für mich auch möglich sein. Und ich komme dem immer näher obwohl ich sehr sehr lange daran gezweifelt habe.

Schönes Wochenende allen
Rina
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 21. April 2021, 18:21:26
Neid

Ich war in meinem Leben schon öfter neidisch. Lange Zeit am Meisten auf Leute, die Sinn in ihrer Arbeit gesehen haben, ich war überzeugt, die tun sich leichter, jeden Tag in ihren Job zu rennen, als ich.
Direkt danach kamen in meiner Neidskala die, die das gar nicht erst nötig hatten. Selbst bei Frührentnern dachte ich schon, die habens gut.

Dann war ich sogar schon neidisch auf Leute, die nach mehreren Jahren immer noch behaupten konnten, dass sie ihre Trockeneit glücklich macht.

Bei mir war die Trockenheit keine Glücksquelle mehr, als es normal wurde, nichts zu trinken. Kein morgens aufwachen, ein Glück, ich bin nüchtern, war dann irgendwan einfach ganz normal. Ich hab mich an die Nüchternheit mit der gleichen Selbstverständlichkeit gewöhnt, wie vorher ans saufen.

Es gibt Untersuchungen mit Lottogewinnern, sehr viele sind ein Jahr nach dem Gewinn wieder in der gleichen Stimmung wie vorher, das verblasst einfach und dann kommt die Grundstimmung wieder durch. Und so ähnlich war das bei mir wohl auch. Die Unzufriedenheit mit dem Leben, die ich vorher hatte, hatte ich dann auch wieder.

Es gab da einfach keinen Kick mehr. Die ersten Wochen, ohh super, das hast Du nüchtern überstanden, die und das und jenes, das nüchterne Leben war neu und aufregend, aber dann wurde es irgendwie leer.

Das war sogar in meinen Trinkpausen spannender. Drei Tage saufen, auf dem Zahnfleisch daherkommen, dann aufhören, und dann wurde es zwei Tage lang immer besser. Es ist ja so schön, wenn der Schmerz wieder nachlässt. Jedesmal ein Belohnungserlebnis, geht ja immer noch. Und stolz, noch einen Tag durchhalten. Ich schaffe es. Dass ich danach wieder trinke, war eh klar, ich hatte nie etwas anders vor.
Auch bei den längeren Trinkpausen hat mich was Ähnliches durchgetragen.

Ich war auch so eine Art Sensation Seeker, brauchte immer was Neues, neue Besen kehren ja auch gut, und diese Saufpausen mit den Abstürzen waren da so eine Art Perpetuum mobile. Das passt auch dazu, dass mich jeder Job nach kürzester Zeit gelangweilt hat. Und dass ich jede Droge ausprobieren musste. Immer was Neues , und alles wurde langweilig. Nach drei Tagen Saufen keine Lust mehr zum Saufen, nach drei Tagen Nüchternheit keine Lust mehr zum Nüchtern bleiben.
Es war ein permanenter Neuanfang, und jedem Anfang liegt ja auch ein Zauber inne.

Und bei der Trockenheit gabs dann halt nach gewisser Zeit keine laufenden Neuanfänge mehr. Und damit rettete die Trockenheit mich nicht mehr vor mir selbst. Ich habe bis heute Schwierigkeiten, Disziplin aufzubringen, wenn ich keinen Leidensdruck habe und nicht mit dem Rücken zur Wand stehe. Da wurde ich nämlich früher erst richtig gut.
Leute, die dauernd zu kämpfen haben, haben eben auch laufend Erfolgerlebnisse...oder Niederlagen, jedenfalls ist immer was los.

An sich ist es eine gute Nachricht, dass ich nicht mehr mit dem Rücken zur Wand stehe. Aber da gibt es eben auch das Sprichwort, wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis. Wenn das Wort Wertschätzung fällt, ich habe meine eigene Trockenheit  lange nicht mehr wertgeschätzt, war ein Stück zu normal. Kostete mich zu wenig, war zu billig.
Mir wurde, wohl zum Glück, bewusst, dass darin auch eine Rückfallgefahr liegen könnte, denn danach wäre das ja plötzlich wieder wertvoll. Und Saufen aus Langeweile, gibts ja auch.

Die letzten Jahre gelingt es mir besser, mir bewusst zu machen, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, so lange trocken zu sein, und dafür auch dankbar zu sein.
Und jetzt geht es mir zur Abwechslung tatsächlich so, dass ich kaum mehr neidisch bin.



Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Britt am 23. April 2021, 09:47:55
Moinsen,

spielt Neid ein Rolle bei der Motivation zur Abstinenz?

Ich unterscheide zwischen Neid und Missgunst.
Ich hatte eine Zeit, da war ich neidisch auf Menschen, die Alkohol genießen konnten bzw. ohne Alkohol keinen Gedanken an Alkohol verschwendeten, die damit ganz unkompliziert umgehen konnten, ohne süchtig zu werden.
Warum hatte ich immer das miese Gefühl, dass hinter beleuchteten Fenstern die Glückseligkeit wohnt?
Ich war neidisch auf Menschen, die ihr Leben (scheinbar) im Griff hatten. Warum haben andere nur so viel Glück in Ihrem Leben und ich nicht?
Ich denke, dass dieser Neid eine ungute Form des Selbstmitleids war. Heute definiere ich Neid ganz anders. Neid ist an und für sich nichts Schlechtes und kann Motivation erzeugen, neue Ziele in Angriff zu nehmen.
Der Neid sagt:“ Boah toll, das will ich auch!“ 
Die Missgunst (Impfneid) hingegen sagt:“ Menno, DIR gönne ich das nicht, weil ICH es nicht haben kann. Das ist destruktiv.
Neid hat nur etwas mit einem selbst zu tun. Ich allein bin für die Zufriedenheit in meinem Leben verantwortlich, wie ich mir meinen Weg frei mache und wie mein Leben verläuft; ich allein kann mein Leben umkrempeln,
um nicht mehr auf andere Menschen neidisch zu sein. Dieses Wissen war und ist nach wie vor eine große Motivation, um (ohne Neid) auf meinem abstinenten Weg zu bleiben.

Zitat
Ich bin schon mal aus einer Alkoholiker-Selbsthilfe-Gruppe rauskomplimentiert worden, weil ich keine Rückfälle hatte und damit keiner von denen war.
Zum Teil wirst Du aber mehr dafür respektiert, wenn Du es erst im 20sten oder 50sten Anlauf schaffst, und ich glaube, viele Rückfälle geschehen auch nur, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

ganz ehrlich Susanne, diese Behauptungen wage ich zu bezweifeln und sicher werden die Meinungen hier im Forum dazu weit auseinander gehen.

Bleibt oder werdet gesund :)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 26. April 2021, 06:46:11
Neid auf Leute, die trinken konnten, hatte ich nicht. Schnauze vom Saufen voll heisst Schnauze voll.

Neid hatte ich tatsächlich auf Leute, die leichter glücklich wurden als ich. Denn die waren da, wo ich hin wollte. Und da hatte ich keinen Plan, ich dachte, das kommt wesentich leichter, wenn ich aufhöre. Aber ich habe sie nicht dafür verantwortlich gemacht. Und umgekehrt denke ich natürlich auch, warum soll es Anderen besser gehen als mir? Ich hab ja schliesslich auch was dafür getan, dass es heute anders ist.

Impfneid habe ich auch nicht. Aber ich werde jetzt Ende Juli, in drei Monaten, endlich geimpft sein. Und natürlich ist Terminchaos, Telefonansage "Bitte versuchen Sie es später mal Tag noch mal", dann online, da war es aber auch gut versteckt. Und da haben am selben Tag wie ich Andere, mit denen ich gesprochen habe, auch keine Termine bekommen. Also Glück gehört auch dazu, oder man hat Zeit, den ganzen Tag am Telefon zu hängen. Dass das manche Leute irgendwann nervt, ist für mich nachvollziehbar.

Und natürlich wird man da gefragt, wie man es geschafft hat, einen Termin zu bekommen.
Wenn ich da jemanden frage, wie er früher einen Termin gekriegt hat, dann hätte ich gerne eine freundliche Antwort. Sonst wächst nur zwangsläufig mit jedem Tag meines Lebens die Zahl derer, die mir den Buckel runter rutschen können.

Und wenn Du bezweifelst, was ich in Selbsthilfegruppen erlebt habe, dann bezweifelst Du das halt. Du warst nicht dabei. Vielleicht spielte bei dem Rauskomplimentieren auch eine Rolle, dass ich bei einem Profilneurotiker nicht unterwürfig genug war. Der dachte nämlich, jetzt ist er Gruppenleiter, da kann er endlich anderen vorschreiben, was sie tun sollen. Weil er bis jetzt im Leben noch nie was zu sagen hatte, jetzt endlich darf er auch mal.

Hat Dir übrigens schon mal jemand erzählt, dass es deswegen so viele Gruppierungen gibt, weil da so viele Leute nicht miteinander können und deswegen neue Gruppierungen gründen? Damit man sich aus dem Weg gehen kann. Kenne ich mehrere Beispiele, Einzelgruppen und ganze Vereinsgründungen, Hauptsache, nichts mehr miteinander zu tun haben, weil es sonst nur kracht. Und da kannst Du anderer Meinung sein wie Du Lust hast. Ich hab dann auch eine Meinung über Dich.

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Greenfox am 26. April 2021, 08:04:15

Zitat
Ich bin schon mal aus einer Alkoholiker-Selbsthilfe-Gruppe rauskomplimentiert worden, weil ich keine Rückfälle hatte und damit keiner von denen war.
Zum Teil wirst Du aber mehr dafür respektiert, wenn Du es erst im 20sten oder 50sten Anlauf schaffst, und ich glaube, viele Rückfälle geschehen auch nur, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

ganz ehrlich Susanne, diese Behauptungen wage ich zu bezweifeln und sicher werden die Meinungen hier im Forum dazu weit auseinander gehen.


Ich hatte in meiner Gruppe leider auch 2 Menschen, die meinten, Jemandem "vorwerfen zu müssen", noch keine Rückfälle gehabt zu haben. Bevor allerdings ich den Mund aufmachen und sie fragen konnte, ob sie etwas Falsches geraucht hätten, taten es schon die anderen Gruppenfreunde ...
Leider gibt es immer wieder solche Knallköppe (der Begriff "Querdenker" ist ja nun schon anderweitig besetzt), die nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die den Ausstieg auf Anhieb schaffen und trotzdem in eine Gruppe gehen. Und andere brauchen mehrere Anläufe und gehen deshalb in eine Gruppe.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Britt am 26. April 2021, 09:18:38
Ich hab dann auch eine Meinung über Dich.
Und ?  Die wäre ?  Ich habe mehr Respekt vor Leuten, die mir ehrlich ihre Meinung sagen.
Ich habe heute leider keine Meinung für dich....

Gruß Britt
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 26. April 2021, 09:40:46
Meine Meinung über Dich ist die, das ich Dich demnächst auf meine Ignorier-Liste setze. Die Forensoftware und damit die Regeln hier geben das her.

Für Deine Verständnisprobleme bin ich wie gesagt nicht zuständig. Ob Du das verstehst, kann mir egal sein. Und was hätte ich konkret von Deinem Respekt?
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Britt am 26. April 2021, 11:13:41
Meine Meinung über Dich ist die, das ich Dich demnächst auf meine Ignorier-Liste setze. Die Forensoftware und damit die Regeln hier geben das her.
Für Deine Verständnisprobleme bin ich wie gesagt nicht zuständig. Ob Du das verstehst, kann mir egal sein. Und was hätte ich konkret von Deinem Respekt?
Die Frage kannst du dir nur selber beantworten.
Respekt ist das Gegenteil von Ignoranz und Arroganz.
Ich brauche ihn: Respektiert zu werden und auch anderen Respekt zu zollen, ist aus meiner Sicht ein menschliches Grundbedürfnis in der gesellschaftlichen Interaktion.

Schade Susanne, ich habe immer gern mit dir „disputiert".

LG Britt
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 26. April 2021, 11:26:17
Übrigens....

Danke, Greenfox, dass Du meine Erfahrungen bestätigst.

Eins meiner Probleme als Kind war, dass meine Mutter nichts glauben konnte, was sie nicht selbst erlebt hatte. Alles was ich erzählt habe, wurde in Zweifel gezogen oder oft auch als blanke Lüge bezeichnet. Bis es dann sowieso egal war, was ich erzählt habe, sie hat ja eh nichts geglaubt. Was sie nicht kannte oder was nicht sein durfte, konnte einfach nicht sein. Meine Wahrnehmung musste schon da von anderen bestätigt werden, sonst hätte sie mich für verrückt erklärt. Für mich gabs kaum was Schlimmeres.

Das ist auch ein Punkt, jemanden nicht ernst zu nehmen, einfach nichts glauben. Oder sich nicht die Mühe machen, auch mal sich selbst zu hinterfragen, ob man was falsch verstanden haben könnte.

Nachträglich alles Gute zum Geburtstag.

Und ich glaube, ich habe heute vor 20 Jahren mein letztes Bier getrunken, und den letzten Schnaps. Aber das Datum und die Anfänge weiss ich schon gar nicht  mehr so genau. Ich weiss auch nicht mehr, wie ich die ersten Tage verbracht habe.

@britt

ignorant und arrogant habe ich es empfunden, wie Du die Frage nach der Impfung einfach auf Impfneid herunterreduziert hattest. Und da war bei Dir Ende der Fahnenstange, Du hattest Deine Meinung und damit kam an Dich nichts mehr ran.

Wie geschrieben, so wie es in Deinem Post da stand. Ich weiss nicht, wie es mit Deiner Gesprächspartnerin war, was da für Untertöne waren. Da war nämlich ich nicht dabei. Aber das hatte ich auch so erwähnt.
Ich lese bei Dir aber schon öfter heraus, dass Du aus dem, was Du zu hören glaubst, Vorwürfe konstruierst, für die sich Deine Gesprächspartner vor Dir rechtfertigen müssen. Und Du verlangst das dann ziemlich penetrant. Da ist Respekt bei Dir eine ziemlich theoretische Angelegenheit, und wie Du beim Neid selbst erwähnt hast, fällt das wohl oft Leuten auf, die selbst keinen haben.

Ich habe ich noch mich nie mit meinem Respekt vor anderen gebrüstet, ich muss diesen Anspruch nicht erfüllen. Ich darf blöd sein. Ich muss nur Regeln einhalten.

Und ich werds Dir nicht weiter erklären. Ich war jetzt ein paar Tage nicht hier, das hat mir gut getan, und ich rede schon lange genug davon, dass ich auch noch was Anderes vorhabe.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 26. April 2021, 12:18:07
Respekt

Wortbedeutung "Rückschau"

Jemanden berücksichtigen. Im positiven wie im negativen Sinn.

Aber auch..aufpassen, dass man nicht hinterücks überfallen wird. Deswegen guckt man nach hinten. Man berücksichtigt die Folgen. Etwas, was einem selbst oder einem Ereignis nachfolgt, das kommt ja auch von hinten, oder danach. Nach mir, nach jetzt.

Respekt hiess bei uns zu Hause in erster Linie, Angst vor Strafe zu haben. Respekt hatte man vor Leuten, die einem weh tun konnten.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Britt am 26. April 2021, 16:48:32
Ja, du hast Recht. Der Begriff Respekt leitet sich vom lateinischen respectio ab und bedeutet so viel wie „Rückschau“. Aber, stellt sich Respekt tatsächlich dann ein, wenn ich zurückschaue? Wenn ich darauf achte, was mein eigenes Leben bisher an Höhen und Tiefen durchgemacht hat? Wenn ich beachte, was andere Menschen in ihrem Leben zu dem gemacht hat, was sie sind? Alle tragen ihre Geschichten mit sich, und die meisten davon sind schwer zu tragen. Sich das vor Augen zu halten bewirkt Respekt.
Als Jugendliche mochte ich den Begriff „Respekt“ auch nicht besonders. Er war mir irgendwie verdächtig, weil ich dabei an die sogenannten Respektspersonen dachte. Das waren Menschen, die es zu etwas gebracht hatten, und denen man deshalb Achtung schuldete wie z.Bsp.mein Vater, Opa oder Lehrer. Von meinem Vater hörte ich immer  - wie zur Erklärung - "Respekt muss man sich erst verdienen". Was ja nichts anderes bedeutete, als dass ich als junger Mensch nichts davon abbekommen sollte, weil ich ja noch nichts verdient hatte. Auf diese Weise verlor bei mir der Ausdruck Respekt seine Glaubwürdigkeit. Ich weiß gar nicht mehr wann das Diktum, dass ich mir Respekt erst verdienen müsse, bei mir Risse bekam.  Respekt ist keine Forderung von Autoritäten, sondern vielmehr eine grundlegende Haltung, mit der ich als Mensch anderen Menschen gegenüberstehe.
Manchmal hilft es , sich zu fragen, wann und wo ich gern selbst für das respektiert würde, was ich bin. Und das kann sogar gelingen – wenn nicht nur eine Seite glaubt, den Respekt für sich beanspruchen zu dürfen.
Respekt bedeutet für mich: Rücksicht zu nehmen. Ein Gefühl dafür zu haben, dass ich nicht allein auf der Welt bin.


Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 26. April 2021, 17:51:58
Manchmal hilft es , sich zu fragen, wann und wo ich gern selbst für das respektiert würde, was ich bin.

das läuft für mich unter "was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu".
Das ist aber auch etwas, was oft zu Frust führt, wenn ma nden Anspruch h
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 26. April 2021, 18:55:05
Der letzte Beitrag ist mir verunglückt.

Die Frage ist, wie viel Respekt brauche ich, um zu sein, wie ich bin? Muss mich dafür jemand respektieren, damit ich Ich sein kann, heute, in meinem Alter? Oder ist es nur die Angst vor dem Alleinsein, dass Du niemanden verprellen möchtest? Mich interessiert Souveränität weit mehr als Respekt. Wenn mich jemand damit unter Druck setzen will, dass er mich sonst nicht mehr mag, hat er meistens schon verloren.

Ich meine, diese ganzen Streitereien, die ich in den letzen 20 Jahren schon hatte, und bei denen ich ganz sicher nicht mit Samthandschuhen angefasst wurde, sondern wo andere schon versucht haben, mich wirklich schmerzhaft zu treffen, haben mich noch nie dazu gebracht, wieder mit dem Saufen anzufangen. Davon bin ich nicht abhängig.

Bei uns gibt es ein Sprichwort:
Was man an Achtung verliert, gewinnt man an Gesundheit.

Und...hör Dir mal die Pflegekräfte an, wie sie heute darüber denken, was sie von dem Klatschen auf den Balkonen unterm Strich hatten. Von diesem Respektgedusel. Kein Cent mehr, dafür noch mehr überlastet, von so einer Einmalzahlung mal abgesehen, viele denken ans aufhören. Denn das, was sie wirklich brauchen, ist nicht Respekt, sondern vernünftige Arbeitsbedingungen. Respekt gibts im Dutzend billiger, deswegen ist er so beliebt, vor allem bei denen, die ihn verteilen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Britt am 03. Mai 2021, 15:51:52
Mach's gut Susanne,

deine Kodderschnauze wird mir fehlen...ich habe aus deinen Beiträgen immer was für mich mitnehmen können...Danke dafür!

Bleib oder werde gesund!
Britt
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: proky am 03. Mai 2021, 16:27:29
Fachkompetenz, die hat(te) Susanne, hin oder her...

Tatsache ist, dass ihre Kodderschnauze uns leider auch einige Forumsteilnehmer schon gekostet hat...

Und wer austeilen kann - und Susanne hat(te) gern ausgeteilt - der kann auch einstecken! Aber gleich bei der ersten scharfen Kritik hat sie sich davon gemacht.

Soviel zu ihrem Charakter!  Und bei so einem Charakter krieg ich nen Hals...
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne69 am 03. Mai 2021, 16:35:30
@Proky

Du bist ein Volltrottel.

Als Moderator glänzt Du durch Abwesenheit, und ich hab schon lange angekündigt, hier raus zu wollen.

Glaubst Du, wegen Deinem Fliegenschiss bin ich tatsächlich gegangen?
Nein, die Gelegenheit war günstig.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Britt am 03. Mai 2021, 16:50:33
Hallo Proky,
Zitat
  Tatsache ist, dass ihre Kodderschnauze uns leider auch einige Forumsteilnehmer schon gekostet hat...
Das Ausscheiden von Forumsmitgliedern wird von jedem selbst verursacht. Doch das ist schwer zu akzeptieren – das Ausscheiden von Usern ist also deiner Meinung nach Susannes "Schuld"?   Das denke ich nicht. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich und muss somit auch mit den Konsequenzen leben. Womit wir wieder bei "Schuld" sind.... Der Mann denkt, seine Frau sei für sein Unglück verantwortlich, die Frau denkt, ihr Mann sei für ihr Unglück verantwortlich, die Kinder denken, die Eltern seien für ihr Unglück verantwortlich...
Gruß Britt
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: proky am 03. Mai 2021, 16:53:42
@Proky

Du bist ein Volltrottel.



Siehst Du Susanne, genau das meinte ich und andere Teilnehmer!

Es ist dieser unangebrachte, asoziale, unsachliche, in diesem Fall sogar beleidigender Ton von deiner Seite aus, der Menschen bzw Forenteilnehmer vor den Kopf stößt!

Und exakt dieses Verhalten von Dir ist unprofessionell, taktlos, unwürdig!

Und es zeugt von Feigheit! Austeilen kannst Du - aber einstecken kannst Du nicht! Und dein sog. angekündigter Rückzug - den erlebt man hier ja gerade. Feige aus dem Hinterhalt kämpfst Du, anstatt mit offenem Visier!

Dein Verhalten bestärkt mich nur in meiner o.g. Haltung und in meiner Entscheidung die Verwarnung gegen Dich auch nach deiner Abmeldung durchzusetzen!

Ich werde hier definitv nicht tatenlos zusehen wie du weitere Forumsteilnehmer mit deinen Beleidigungen und Brüskierungen vergrauelst!
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: proky am 03. Mai 2021, 17:07:45
Hallo Proky,
Zitat
  Tatsache ist, dass ihre Kodderschnauze uns leider auch einige Forumsteilnehmer schon gekostet hat...
Das Ausscheiden von Forumsmitgliedern wird von jedem selbst verursacht. Doch das ist schwer zu akzeptieren – das Ausscheiden von Usern ist also deiner Meinung nach Susannes "Schuld"?   Das denke ich nicht. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich und muss somit auch mit den Konsequenzen leben. Womit wir wieder bei "Schuld" sind.... Der Mann denkt, seine Frau sei für sein Unglück verantwortlich, die Frau denkt, ihr Mann sei für ihr Unglück verantwortlich, die Kinder denken, die Eltern seien für ihr Unglück verantwortlich...
Gruß Britt

Ja liebe Britt, ich stehe zu dem was ich da geschrieben habe! Ich habe Susanne´s Schreibstil schon länger beobachtet und er war mir auch schon seit langem ein Dorn im Auge!

Und deswegen mache ich Susanne wegen ihres ungebührenden Verhaltens für den Weggang einiger Teilnehmer verantwortlich!

Und nachdem ich zum Wiederholten Male ihre Entgleisungen bei "Erkenntis" gelesen habe, da war für mich das Maß voll!

Kritik ist die eine Sache - damit müssen Hilfesuchende die sich an uns wenden leben!

Aber Hohn, Spott oder wie in meinem Fall sogar Beleidigungen, da sind Grenzen des sozialen Miteinanders überschritten und zwar mehr als eindeutig!

Ich werde es nicht zulassen das sich hier mehr Teilnehmer frustriert abwenden in dem man sie ungerechtfertigt bzw mit unsachlicher Kritik vor den Kopf stößt!
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne70 am 03. Mai 2021, 18:13:20
@Proky

momentan bist Du beleidigender als ich.

Und statt dass Du froh bist, dass ich weg bin, wenns Dich schon so nervt, trittst Du nach und verlangst Rechtfertigungen, die ich Dir nicht schulde.
Du merkst ja nicht mal, wie idiotisch das ist.

Und mir fällt momentan wirklich niemand ein, der wegen Dir hier ist. Mit so Fremdwörten wie Professionalität, die Du gar nicht verstehst, solltest Du nicht um Dich werfen. Von dir gibts mehrere superwichtige Themen, bei denen bei Antworten "0" steht.

Du willst, dass ich mich Dir stelle? Bitte, kannst Du haben. Aber dann hast Du verloren. Denn dann bin ich hier, weil Du das willst, und dann schreiben ich erst recht, wie ich Lust habe. Und ich werde nichts tun, um Abmahnungen zu entgehen.

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: proky am 03. Mai 2021, 18:26:05
Ganz wie Du möchtest Susanne

Ich hab ein Auge auf Dich, verlass dich darauf!


...Und ich werde nichts tun, um Abmahnungen zu entgehen.

Greenfox und anderen Teilnehmern wird diese Aussage bestimmt nicht gefallen!



Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne70 am 03. Mai 2021, 18:32:45
Und das soll mich jetzt beeinfrucken?

Ich war ja schon weg und Du warst dagegen. Geh heulen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Elly am 03. Mai 2021, 18:42:42
Was man sich öfter mal fragen sollte ist:

HÄÄÄÄ???

Ja, gehts noch?  :o

Geh mal an die frische Luft, Susanne!

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne70 am 03. Mai 2021, 18:44:46
Kein Problem.

Ich wechsle den ganzen Nachmittag zwischen Liegestuhl und Rechner.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne70 am 03. Mai 2021, 19:22:00
Jo.

Und trotzdem war die Idee, mich hier abzumelden, die beste Idee des Nachmittags.
Seit Monaten bin ich immer mit einem Bein schon draussen, und nur um zu beweisen, dass ichs aushalte, hier zu bleiben, ist in bisschen wenig für mich.

Alles, was ich tun könnte, um mich hier zu halten, würde ja nur dazu führen, dass ich noch länger hier bleibe. Und das habe ich vor längerem schon beschlossen, das mache ich nicht.

In diesem Sinne, machts gut.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 03. Mai 2021, 20:21:03
Hallo in die Runde,
dann melde ich mich nun doch einmal zu Wort.

Mir gefiel der Ton und auch ein gewisser Umgang hier im Forum nicht und, da ich erkannte, dass mich das unnötig Kraft kostet, bin ich gegangen.
Ich hab mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber ich bin gegangen, weil ich mir von einem internen Disput keinerlei Besserung erwartet habe.
Mir war ziemlich klar, was passiert, wenn ich mich äußere, deshalb bin ich schließlich wortlos gegangen.

@Susanne, deine Beiträge sind mitunter ziemlich verletzend.
Auch wenn du mit deinen Provokationen den einen oder anderen erreicht haben magst, mich zumindest hat dein Umgangston häufig gestört und ich fühlte mich abgeschreckt. Mir war auch immer weniger danach, mich zu öffnen. Ich habe nicht wenig deiner bisweilen herablassenden Kommentare gelesen.

Ich hab das bislang nicht angesprochen, weil mir ziemlich klar war, was passiert, wenn ich es tue.
Ich hatte an diesem Kraftakt keinerlei Interesse, denn ich sah keinerlei Aussicht auf eine Verbesserung.

Warum tue ich es jetzt? - Ich bin zurückgekommen, weil ich etwas Gutes, Hoffnungsvolles berichten wollte. Ich bin zurückgekommen, weil es mir in letzter Zeit besser geht. Ich antworte Hilfesuchenden, weil ich etwas von meinem Wissen abgeben kann.
Und was muss ich erleben? - Es geht mal wieder so richtig ab und an wem entzündet sich das?

Nach meiner Beobachtung schadet diese Auseinandersetzung hier dem Forum und damit auch einigen Hilfesuchenden sehr. Vielleicht entscheidet sich nun, wie’s hier im Forum weitergeht.

Es ist ein besonderes Forum. Ich bin noch in einem anderen, aber dies hier hat eine besondere Qualität, die mich sehr anspricht.

Du Susanne hast dieses Forum zweifellos mit deinem Fachwissen bereichert, deine Provokationen aber tun diesem Forum meiner Beobachtung nach überhaupt nicht gut.

Mit freundlichen Grüßen
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Greenfox am 03. Mai 2021, 20:23:47
Greenfox und anderen Teilnehmern wird diese Aussage bestimmt nicht gefallen!

Unabhängig von Eurem Gefetze: Ich bitte darum, für mich selbst sprechen zu dürfen!

Susanne hat ihr Gehen schon lange angekündigt - ich war ganz froh, dass sie es nicht tat.
Und ihre direkte und ungeschminkte Art fand ich (meist) sehr erfrischend. Okay, vielleicht nicht jedermans Geschmack - aber man muss ja nicht Jedem Gefallen.
Und wenn Jemand frisch aus der Sucht aussteigt oder ausgestiegen ist, dann braucht derjenige Klartext. Und keine verklausilierten Halleluja-Eitideis.

Mach et jut, Susanne  wikende091

Greenfox
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Charlotte am 03. Mai 2021, 22:52:58
Ich werde dich vermissen hier.
Liebe Susanne, machs gut.
Viele Grüße C.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Rina am 03. Mai 2021, 23:12:41
Ja schade...Alles Gute für dich Susanne. Ich habe deine Beiträge sehr geschätzt und danke dir für all deinen Einsatz hier. Du gehörst doch zu jenen die viel und oft geschrieben haben, das wird eine Lücke hinterlassen...Vielleicht hören wir doch mal wieder von dir...irgendwann. Mich würde es freuen.

Mach‘s gut,
Rina
Titel: Nachtrag
Beitrag von: Susanne68 am 13. Mai 2021, 20:40:01
AmSee,

am Anfang warst Du so begeistert von mir, dass es mich genervt hat, wie Du mich mehrmals gelobt hast, und dass Du gerne anhänglich geworden wärst. Und ich hab Dir geschrieben, das ich mich zu meiner Hässlichkeit (also zu den harten Seiten an mir und auch zu denen, mit denen Du Schwierigkeiten hast) bekenne. Von daher gar nicht so schlecht, wenn Du das nun kritisch siehst. Jemanden gehen lassen ist an sich weder positiv noch negativ, manchmal ist es auch nötig, vielleicht verstehst Du, was ich meine.

Ich hab öfter geschrieben, dass ich hier nicht Alleinunterhalterin sein wollte und dass ich hier eigentlich nur aufgeschlagen war, nachdem mein Vater – am Alk -  gestorben war.

Dann hab ich hier irgendwann vor 2 oder 3 Jahren angefangen, zu antworten, weil ich mich mit der Materie wahrscheinlich verhältnismäßig gut auskenne und weil es hier ja auch gar nicht so viele Schreiber gibt, die sich die Mühe machen, zu antworten.
Und ich habe auch Forenerfahrung und Suchthilfeerfahring, spielte da sogar mehrere Jahre lang eine Hauptrolle, ich habe aber auch hier geschrieben, dass ich in diese Rolle nicht mehr kommen wollte. Das wollte ich tatsächlich vermeiden, ich konnte es aber nicht so recht vermeiden. Auch ich komme nur bedingt aus meiner Haut.

In den Foren, in denen ich war, war wesentlich mehr los als hier, und im Grund machte es immer die Mischung unterschiedlicher Charaktere. Es braucht ein paar Verständnisvolle, und es braucht ein paar Leute, die denen, die sich selbst was vormachen, den Kopf waschen. Keiner kann allen helfen. Und je mehr Leute eigentlich desto besser.

Ich bin aber auch der Meinung, man muss sich immer darüber im Klaren sein, dass man sich hier im Internet befindet und nicht in einem Therapie- oder Krankenzimmer, also man ist hier nicht in einem geschützten Raum und es liegt auch nicht jedem die therapeutische Sprache. Ich möchte schon ab und an so schreiben wie mir der Schnabel, äh, die Griffel gewachsen sind.

Mir wurde und wird zwar schon sehr viel Menschenkenntnis nachgesagt, aber ich habe auch ein absolut unsentimentales Verhältnis zur Sauferei und auch zum Alkoholismus. Ich bin halt einfach direkt. Das ist nur meine eigene Überlebensstrategie, denn so habe ich aufgehört und so habe ich mich auch von meinem Elternhaus gelöst. Und wenn ich lese, wie es Dir und anderen Ekas geht, möchte ich nicht tauschen. Ich bin auch froh, dass ich den Scheixx hinter mir habe, und da bin ich mir so dermaßen die Nächste, dass es mich nicht interessiert, ob das jemanden verletzt, wie ich darüber denke.

Ansonsten war ich schon, als ich erst 10 Jahre trocken war, der Ansicht, dass ich von den Neulingen innerlich schon zu weit weg bin, und jetzt, 20 Jahre davon entfernt, interessieren mich Themen, die vermutlich niemandem beim Aufhören helfen, und von daher war ich zunehmend genervt, dass es hier immer weniger Leute wurden und ich von daher im Verhältnis immer wichtiger wurde.

Ich hab schon länger den Absprung gesucht, und ich wollte in Dir keine Gesprächspartnerin, sondern jemanden, der den Job übernimmt, hier jedem zu antworten, oder so ähnlich. Das war auch der Grund, warum mich das genervt hat, dass Du verschwunden bist. Ob Du Dich öffenst oder nicht, musst Du wissen, das interessiert mich zu wenig. Dass Du wieder aufgetaucht bist und nun fleissig antwortest, das ist das, was mich interessiert hat. Und da Du ja auch näher dran bist als ich, finde ich das auch richtig. Also immer zu.

Nach diesem Nachtrag bin ich wieder weg.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 13. Mai 2021, 21:57:24
Hallo Susanne,
ich habe etwas Zeit gebraucht, um dich einzuschätzen zu können. Jemand wie du ist mir in meinem bisherigen Leben noch nicht begegnet.

Inzwischen weiß ich mehr über die Problematik von EKAs. Als ich hier ankam, wusste ich darüber herzlich wenig. Anfangs glaubte ich tatsächlich, dass du mir irgendwie ähnlich seist. Durch unseren Austausch wurde dann deutlich, wie sehr wir uns tatsächlich unterscheiden.

Ich denke, ich kann inzwischen tatsächlich nachvollziehen, was mit dir ist, warum du hier nicht „Alleinunterhalterin“ sein wolltest, warum du gehen wolltest bzw. was du meinst mit „jemanden gehen lassen“. - Ich schreibe „nachvollziehen“, weil ich nicht wirklich wissen kann, ob ich dich „verstehe“, denn dafür müsste ich ja eigentlich in deinen Kopf hineinsehen können. - Du hast hier aber sooooo viel von dir preisgegeben, dass ich, wenn vielleicht nicht „verstehen“, aber doch eben „nachvollziehen“ kann.

Ich habe deine Fachkompetenz, die hier in den verschiedenen Bereichen immer wieder deutlich wurde, stets geschätzt. Und ich wusste auch, dass du dich zu deiner „Hässlichkeit“ bekennst.
Umgehen konnte ich damit nicht wirklich. Mich jedenfalls kosteten Schlagabtausche mit dir häufig viel Energie, auch wenn wir nur sachlich diskutiert haben.

Ich musste gehen. Zu dem Zeitpunkt war das richtig und wichtig für mich und meine weitere Entwicklung. Inzwischen bin ich ein Stück weiter.

Ich wünsche dir alles Gute, Susanne. (Ich als EKA würde übrigens nicht mit dir tauschen wollen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 11. August 2021, 12:14:04
Hallo Susanne,
da du offenbar doch noch regelmäßig mitliest, möchte ich die Gelegenheit nutzen, dir „Danke“ zu sagen für das, was du für MICH getan hast.
Ich bin inzwischen 9 1/2 Monate trocken und ich bin sogar zufrieden abstinent. Dass es soweit gekommen ist, habe ich unter anderem DIR zu verdanken, weil du dich am Anfang mit mir und meinen Fragen abgegeben hast. Du hast mir von deiner Geschichte erzählt und ich konnte mich darin irgendwie wiedererkennen. Deine Geschichte machte mir so richtig deutlich, worauf ICH zusteuerte, und dass man nicht erst Alkoholiker war, wenn man so war wie mein Vater.
Inzwischen habe ich nicht wenige andere Alkoholiker kennengelernt (trocken und nass), kenne viele Geschichten, viele Herangehensweisen an das Thema. So, wie du mir damals geantwortet hast, hast du mir eine Brücke gebaut, anderswo wäre ich vielleicht nicht so gut aufgehoben gewesen, da ich damals noch nicht soweit war, mich als Alkoholikerin zu sehen und den Rest meines Lebens abstinent sein zu wollen. Deshalb: DANKE

Viele Grüße, ich hoffe, dass es dir gut geht.
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 16. August 2021, 10:23:46
Guten Morgen am See,

Deine Meldung hat mich ehrlich gefreut. Jemandem wirklich helfen zu können, ist das, was den Sinn hier macht.

Andererseits ist es ein Teil meines Problems. Denn wie an anderer Stelle erwähnt, war ich ein beschädigter Mensch. Manches, was mir passiert ist, läuft sicher auch unter Trauma, jedenfalls führte es dazu, dass ich mich hässlich, nutzlos und unbrauchbar fühlte und keine Lust zu leben hatte. Mag mich ja sowieso keiner, und den Alten gehe ich eh nur im Weg um und kann die Erwartungen nicht erfüllen. So in dem Stil. Ich bin ja auch damit aufgewachsen, dass ich irgendwie immer falsch war und von daher am liebsten in der Versenkung verschwunden wäre. Bis ich den Alk und die Drogen für mich entdeckt habe und mich stark fühlen konnte.

Es lief nicht so eindimensional und linear, aber schon in die Richtung. Und da fängt es heute schon an, dass ich das Gefühl habe, ich habe das schon so oft erzählt, dass es mir selbst schon zu den Ohren herauskommt.

Was ich auch schon oft erwähnt habe, dass ich schon jahrelang in der Selbsthilfe unterwegs war. Und dass ich mindestens 20 (sehr tiefgestapelt) Leute kenne, von dene ich ganz ähnliche Rückmeldungen bekommen habe wie von Dir. So von wegen, schon hart, aber das hat es gebraucht etc.
Mein Problem dabei ist (glaube ich, denn die tiefere Motivation kommt ja aus dem Unbewussten und ist gar nicht so so leicht zu ergründen, was ja Stand der Wissenschaft ist, man merkt nur, das einen etwas treibt, aber der innere Antreiber verbirgt sich - und deswegen erzähle ich es doch) , dass ich wegen meinen eigenen Dachschäden irgendwie schlecht loslassen kann, wenn ich irgendwo "wichtig" werde. Ich fühle mich da irgendwie verpflichtet und gebunden, weiterzumachen. Das füllt(e) auch das schwarze Loch in mir, was Du ja auch kennst. Und diese Bauchpinselei schlägt bei mir voll in die Kerbe, dass ich lernen musste, mich selbst zu mögen, und ich hab mich lange nicht nur nicht gemocht, sondern sogar gehasst. Passt wie Schlüssel zum Schloss.

So, wenn ich helfen kann, dann mag ich mich, dann bin ich zu was nütze, habe eine Aufgabe, fühle mich gleichzeitig aber nicht mehr frei und unabhängig. Weil ich eben nicht nur aus Hilfsbereitschaft helfe (die ich aber habe), sondern das auch für mein Selbstwertgefühl gebraucht habe, und das fühlt sich für mich falsch an. Es ist in der Form auch nicht mehr zeitgemäß, da ich selbst mich entwickelt habe. Ich bin gar nicht mehr da, wo Du mich vermutest, und das fühlt sich auch komisch an.
Musst Du nicht verstehen, es ist Selbstauskunft, wenn man vom 4-Ohren-Modell ausgeht. Das ist mein Innenleben.

Deswegen muss ich ab und an völlig "weg", damit ich selbst das Gefühl habe, das wirklich von "aussen" zu betrachten. Geht mir übrigens auch in anderen Gruppierungen so. Ich war aus technischen Gründen während des Lockdowns auch die zentrale Gestalt in zwei anderen Gruppierungn (andere Themen, nicht Sucht'), weil über mich die ganzen Videokonferenzen gelaufen sind, da musste ich auch irgendwann mal ganz raus. Wird mir einfach zu viel, ich brauche dann das Alleinsein.

Das war in Bezug auf Sucht und Alkohol alles kein wirkliches Problem, so lange ich selbst auch noch davon profitiert habe, wenn ich geschrieben habe. Heute habe ich aber das Gefühl, das ist bei mir oft nur noch ein leere Hülle, wenn ich mich zum Thema Alkohol äussere, weil das mit mir nichts mehr zu tun hat. Ich selbst entwickle mich dabei nicht mehr weiter, zumindest mal derzeit. Von meiner Seite her sind das alte Hüte, was ich erzähle, fühlt sich an, wie wenn meine Platte einen Sprung hat. Ich kann mein eigenes Geschwätz nicht mehr lesen, und wenn ich es nicht lassen kann, dann fühle ich mich "blöd".

Und in meinem Inneren gibt es mehrere Teile (Thun'sches "Innreres Team") , die sich gegenseitig so fremd sind, dass ich oft Schwierigkeiten habe, mich selbst zu verstehen. Das hat möglicherweise damit zu tun, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin und neben meiner auch in mehreren anderen Familien aus und ein gegangen bin (Vernachlässigung hat eventuell auch den Vorteil, das man machen kann, was man will) und von daher extrem unterschiedliche Eindrücke aufgnommen habe.
Als ich in meiner einzigen Psychotherapie war, war mein Therapeut auch der Ansicht, bei mir ist eigentlich ziemlich viel noch Ok, ich muss hauptsächlich meine unterschiedlichen Teile besser integrieren, weniger zerrisen werden. Das lief dann auch über  geführte Meditation, und so.

Ja, ich lese hier noch, aber momentan meist eher oberflächlich.
Es ist halt so, ich bin Informatikerin und sitze von daher von früh bis spät am Computer. Wir sind Dienstleister für den technischen Background größerer Internetportale. Wie das auf der Oberfläche aussieht, ist mir meistens relativ egal, Hauptsache funktioniert, fürs Aussehen sind die Grafiker und Designer zuständig. Meine Spezialität sind große Datenbanken. Aber ich bin sonst natürlich auch die Sorte "fragen Sie jemanden, der sich auskennt".

Einen Fernseher habe ich nicht, ich kann keinen Bildschirm mehr sehen, wenn ich Feierabend habe. So von wegen Tatort, das reicht mir nach drei Minuten, wenn ich wo zu Besuch bin, wo die Glotze läuft. Ich lese dann lieber.
Untertags scanne ich alles mögliche durch, wenn ich grade mal Ablenkung oder Pause von der Arbeit brauche. Zwei Tageszeitungen, zwei Wissenschaftszeitungen, zwei Alkforen (dieses und Du weisst schon), Facebook, mindestens. Ich bin ein Wissens- und Nachrichtenjunkie. Und absolut undiszipliniert, was Arbeit angeht. So lange es irgendwie läuft, und dsas tut es.

Es ersetzt mir auch den Kaffeeklatsch im Büro, denn wir sind hier nur zu zweit und arbeiten in verschiedenen Büros an verschiedenen Projekten. Ich hab sonst tagsüber keinen Menschen um mich herum. Das ist der eine Punkt, ich will mich irgendwo unterhalten. Aber zum Unterhalten ist es mir wiederum hier zu wenig und im Parallelforum merke ich, das würde es auch nicht bringen, wenn ich mich da anmelde, weil das Thema für mich nicht mehr passt. Ausserdem ist mir das da zu restriktiv und geregelt, aber das wäre mir vielleicht sogar egal, wenn ich es irgendwie brauchen würde. Ich gehe ja hier auch in keine Selbsthilfegruppe mehr, weil ich nicht weiss, was ich dort sollte.

In meinem eigenen Alltag ist Alkohol heute eines der uninteressantesten Themen überhaupt, und letztlich ist es auch nur das, was ich im Grund weitergeben kann. Man kann es komplett hinter sich lassen, selbst wenn man so eine Vorgeschichte wie ich hat. Wenn sogar ich das schaffe, warum schaffen es dann nicht alle, war lange meine zentrale Frage, die ich aber hinter mir gelassen habe.

Gestern aber erst wieder einen Artikel gelesen, dass schlechte Nachrichten auch irgendwie süchtig machen, wenns rund läuft, dann wird das schnell langweilig. Über menschliche Katastrophen gibts mehr zu reden, fesselt einen mehr, und das ist bei mir auch dabei. Das ist ja auch der Grund, warum Nachrichtensendungen voll davon sind (oder warum man Tatort guckt), an der Stelle bin ich leider genau so blöd wie alle. Sensation seeking. Es wäre besser, sich aufs Positive mehr zu fokussieren, und das versuche ich.

Und dann kommen noch die Themen dazu, bei denen ich heute denke, dass ich davon wirklich noch profitiere, und wo ich auch noch etwas tun will, und da muss ich ja auch recherchieren. Die haben mit Alk an sich nichts zu tun, aber ich profitiere trotzdem von dem, was ich da lange gemacht habe, weil ich in Bezug auf Leute durch die ganze Geschichte wesentlich realistischer geworden bin und mir besser vorstellen kann, was möglich ist, und was nicht. Ausserdem sind meine Sozialkompetenzen ganz andere geworden, weil ich schon vor ca. 17 oder 18 Jahren angefangen habe, deutschlandweite Treffen zu veranstalten (also das, was Du mir mal wegen Forentreff vorgeschlagen hast, habe ich schon mehrmals woanders gemacht) und das auch in das reingeflossen ist, dass ich mich auch in anderen Interessensgruppen "traue", was zu machen.

Ja langweilig, Ich bin jetzt auch irgenwie langweilig. Bei mir passieren keine großen Katastrophen mehr.
Jetzt war ich gerade mal eine Woche wandern in den Bergen, bisschen offline zur Abwechslung.
Erst ging es schwer, wegen meiner Behinderung und wg. Corona fehlendes Training, aber dann jeden Tag besser, bis ich gestern fast normal laufen konnte. Meine Behinderung ist natürlich auch täglich präsent, aber da  bin ich ja auch den Umständen entsprechend optimal eingestellt, da tut sich so gesehen auch nicht mehr viel und laufend drüber reden ist auch pillepalle. Ändert ja nichts dran.
Aber da ist mir auch erst jetzt aufgefallen, wie lange ich mich deswegen geschämt habe, dass ich einfach nicht mehr so konnte wie früher. An sich hat mich das schon in meinem Selbstverständnis erst mal schwer getroffen, dass ich nicht mehr so fit bin, wie ich früher war, aber anfahngs waren es mehr die Schmerzen und die Kämpfe, die ich deswegen ausgefochten habe, bis ich mich wieder bewegen konnte.
Dazu noch, früher war das eine der wenigen Sachen, die mich in meinem ganzen Chaos überhaupt über Wasser gehalten haben, dass ich raus konnte und auf den Berg gegangen bin, da sah die Welt für mich einfach anders aus. Und dass ich das nich mehr so konnte, da brach schon was weg.

Und  natürlich war die Behinderung anfangs ein schwerer Einbruch in meine zufriedene Trockenheit, obwohl ich nie auf die Idee gekommen bin, deswegen zu saufen. Es war mir immer vollkommen klar, dass es davon nur schlimmer werden könnte. Trotzdem war ich damals froh, dass ich schon mehrere Jahre trocken war und das anders bewältigen konnte, als wenn ich mich auch noch mit Sucht herumgeschlagen hätte. Aber seitdem kann ich irgendwie auch nicht mehr so einfach im Brustton der Überzeugung sagen, hör auf, dann wir alles besser. Es gibt eben trotzdem genügend Probleme, und oft habe ich aber gar keine Lust, das ausgiebig zu erklären, und ich denke manchmal sogar, das demotiviert wahrscheinlich manche, wenn man erzählt, was da trotzdem alles noch passieren kann. Grade am Anfang, wenn der Entschluss, aufzuhören, bei vielen noch auf wackeligen Füssen steht.

Nu ja, jedenfalls geht es mir momentan besser, wenn ich mich mehr mit andernen Themen beschäftige, die mehr mit meinem (heutigen) Leben und vor allem mehr mit meiner Zukunft (Stichwort Alter) und weniger mit meiner Vergangenheit zu tun haben. Und da gibt es noch eine Menge zu tun, und ich möchte ja mein Leben auch nicht verpassen.

So viel, obwohl ich einfach Dir auch mal Danke sagen wollte. Geht einfach nicht kurz, und mein heissgeliebter innerer Kritiker steht natürlich auch schon bereit, muss ich immer so eine Zumutung sein. Aber mir wars auch ein Bedürfnis, hier mal noch mal so was loszulasen.

Ja, und ich wünsche Dir auch alles Gute (ebenfalls im Übrigen Ichso und wer sich noch angesprochen fühlt). Und ich möchte Dir sagen, dass ich es wertschätze, dass Du mir diese Rückmeldung gegeben hast.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 16. August 2021, 16:08:13
Hallo Susanne,
ich habe gerade deine lange Antwort entdeckt und natürlich gelesen. Ich hab mich echt darüber gefreut und deine lange Nachricht gewiss nicht als Zumutung empfunden. Wir haben uns früher schon sehr lange Nachrichten geschrieben, Manches lässt sich eben nicht kurz erzählen oder wir können oder wollen es zumindest nicht. Und ich freue mich auch, dass mein „Danke“ an dich gut bei dir angekommen ist.

Ich freue mich auch zu lesen, dass es dir soweit gut geht.

Ich lese aus deiner Nachricht heraus, dass du das Bedürfnis hast, dich mir mitzuteilen und dich mir auch irgendwie zu erklären. Find ich voll ok und ich fühle mich dadurch irgendwie geehrt. - Hoffe, das kommt jetzt richtig an. ;-)

Es sind so viele interessante Anknüpfungspunkte in deiner Nachricht, aber ich schaffe es jetzt nicht, auf alles etwas zu antworten, auch wenn ich das gerne möchte. Formulieren, was in meinem Kopf ist, fällt mir nicht immer leicht. Deshalb schreibe ich nur, wenn‘s bzw. solange es „fließt“.

Was du mir geantwortet hast, bestätigt übrigens meinen Eindruck von dir und das war durchaus kein negativer Eindruck, auch wenn ich mit deiner Bärbeißigkeit und Bissigkeit mitunter meine Schwierigkeiten hatte. Es hat nun einmal seine Gründe, warum du so bist, wie du bist. Vieles hast du diesbezüglich ja auch von dir erzählt.
Es hat schließlich auch seine Gründe, warum ich so bin, wie ich bin.
In all unserer Verschiedenheit glaube ich recht gut nachvollziehen zu können, was mit dir ist. Gewisse Ähnlichkeiten sind eben aufgrund unserer Vergangenheit in einer alkoholkranken Familie vorhanden und vielleicht noch aus anderen Gründen.

Übrigens war es nicht deine „Härte“, die mich vor bald zehn Monaten zum Umdenken bewegt hat...
Sondern du hast dich auf meine Fragen und Gedanken eingelassen und mir mit deinen eigenen Erfahrungen geantwortet. Ich fühlte mich schließlich ernstgenommen und ich hab Teile von mir und meinem bisherigen Weg in dir und deinem Weg wiedererkannt und ich begriff an deinem Beispiel, wohin ich auf dem Weg war.
Nein, Härte hätte mich nicht erreicht, es war etwas anderes, das du ebenfalls an oder in dir hast....
Ich hab aber andere (wenige) Beispiele kennengelernt, bei denen eine klare Ansage, tatsächlich das ist, was sie bei all ihrer Empfindlichkeit brauchen. - Ist schon eine bunte Welt, diese Alkoholiker-Welt.  ;)



Du hattest mal geschrieben, welche Schwierigkeiten du mit Lob und Anerkennung von anderen hast. Ich hab das damals schon nachvollziehen können, nun hast du es noch deutlicher und noch besser nachvollziehbar erklärt. Danke. :)

Diese Sache mit dem Selbstwertgefühl, das aus einem selbst und dem eigenen Inneren kommt, und dem Gefühl, „nur“ etwas wert zu sein, wenn man für andere da ist, hat mich besonders in den vergangenen Monaten sehr beschäftigt.
Ein schwieriges Thema für eine EKA.

Wann tue ich etwas, weil ich das einfach gerne möchte, gerne mache, usw. und wann tue ich etwas, um (unbewusst?) von außen Wertschätzung zu erhalten?
Mitunter ist es für mich äußerst schwierig, das auseinanderzuhalten, manchmal empfinde ich es als eine Gratwanderung.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es die ganze Angelegenheit nicht gerade leichter macht, wenn man von der Wertschätzung anderer so getriggert wird, wie du das von dir beschreibst. Du schriebst mal vom Esel und der Möhre vor seiner Nase.

Ich hab bemerkt, dass du es nicht lassen konntest, hier viel zu antworten und dass und wie du damit irgendwie in eine Verantwortung geraten bist, die du eigentlich gar nicht wolltest. Es war auch nicht zu übersehen, was das mit dir gemacht hat.

Was spricht denn grundsätzlich dagegen, ab und an wegzugehen, um das Gefühl zu haben, das wirklich von „außen“ betrachten zu können?
Wie heilsam und förderlich das für die eigene Entwicklung sein kann, habe ich erfahren, als ich selbst „weg“ war.

Dass du inzwischen weit weg vom Thema „Alkohol“ bist, kann ich, obwohl ich demnächst erst 10 Monate trocken bin, durchaus schon nachvollziehen.
Wenn du dich damit nicht mehr gut fühlst, von deiner Geschichte zu erzählen, weil es sich anfühlt, als wenn deine Platte einen Sprung hat, dann klingt es logisch, das nicht länger zu tun.
Vielleicht gibt es ja andere Möglichkeiten für dich, dem Forum trotzdem irgendwie erhalten zu bleiben, ohne in eine Rolle zu fallen, die du gar nicht willst? - Wenn du das denn überhaupt möchtest.


Was du über die verschiedenen Inneren Anteile schreibst, die du irgendwie nicht zusammenbringen kannst, kann ich nachvollziehen.
Ich lerne meine verschiedenen Inneren Anteile in den letzten Monaten erst kennen bzw. identifiziere sie überhaupt erst. Spannend und mitunter gar nicht so leicht. Da sind definitiv mehr als nur ein „Inneres Kind“. Wie verletzt einige Anteile sind, erspüre ich so nach und nach. Manchmal macht mir das Angst, was ich finden könnte. Aufschlussreich war letztens eine Erfahrung, als ein deutlich jüngerer, äußerst verletzter Innerer Anteil von mir die „Führung“ übernommen hat, und ich das tatsächlich erkannt habe und den erwachsenen Inneren Anteil wieder die „Führung“ übernehmen lassen konnte.

Ich hab für mich inzwischen die Notwendigkeit erkannt und den Wunsch entwickelt, nochmals professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Deshalb lerne ich gerade eine Therapeutin kennen, die auch in Trauma-Therapie ausgebildet ist und beantrage die Genehmigung einer Psychotherapie.


Damit schließe ich erstmal.

Grüße
AmSee

P.S.: Das mit dem Wandern hört sich gut an. Ich war letztens im Urlaub auch ein paar Mal wandern. Schaffe inzwischen 6 mal so viel wie Anfang des Jahres, ohne gleich völlig hinüber zu sein. Hat mir Mut gemacht.

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 16. August 2021, 21:50:03
Traue mich kaum zu schreiben "Liebe Susanne" ;)

Versuche, kurz und knapp meine Gedanken "über" dich und für dich zu formulieren:

Vieles kann ich nachvollziehen: das gebraucht und geliebt werden wollen, Oberkante/Unterlippe bei Suchtthemen, gerne unangemessen und auch "asozial" referieren, grins...

Wie schon irgendwo geschrieben, "abhauen" ist für mich auch ein legitimes Werkzeug ;)

Aber du wirst tatsächlich gebraucht. Von mir sowieso. Meiner Tochter (die in einer toxischen Beziehung feststeckt, wenn auch über mehrere Länder) empfahl ich vor ein paar Wochen, hier mal zu lesen, wenn sie es von mir nicht hören will. Wer will auch schon was von der eigenen Mutter annehmen? ;) Zum Glück las sie einen Thread (Gehen oder bleiben) wo ich im Nachschauen sah, dass du da (wie so oft) klarste Ansagen gemacht hast.

Supi! Meine Tochter brauchte nur dies, um einen Kontinent zwischen sich und den Menschen zu legen. Plus natürlich ihre eigene Lebenserfahrung und das Genöle ihrer Mutter ;) DANKE also auch von mir dafür <3

Weiß schon, hörste nich gern. Macht abhängig.

2 Vorschläge:

Wir machen hier für die alten Hasen eine Rubrik auf. Da kommen dann zum Beispiel die Folgekrankheiten rein, Sex im Alter, wo gibt's die besten Stützstrümpfe, oder was ganz anderes. Fällt uns bestimmt was ein ;)

Und Zweitens: Du übernimmst die vakante Stelle von Henri hier (ich kann immer noch kein Bild einfügen). Nur wenn dir langweilig ist. Also nach Lust und Laune. Vermute mal, Geld gibt es für die Informadis hier eh' wenig bis nichts. Bin gespannt, ob ich dich verlocken kann...

Zauberhafte Liebesgrüße ;)

ichso - die auch manchmal angemessen sein will und kann. Und manchmal halt auch nich. ;) Denn ich glaube fest daran, das dieses Forum von seiner Vielfalt gut lebt.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Greenfox am 17. August 2021, 05:54:56
Zitat
Vermute mal, Geld gibt es für die Informadis hier eh' wenig bis nichts.

 Du vermutest richtig: Nichts. Alles freiwillig.  :)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: gerd48 am 17. August 2021, 06:38:44
Zitat
Wir machen hier für die alten Hasen eine Rubrik auf. Da kommen dann zum Beispiel die Folgekrankheiten rein, Sex im Alter, wo gibt's die besten Stützstrümpfe, oder was ganz anderes. Fällt uns bestimmt was ein ;)
Ich glaube eher, du brauchst Stützstrümpfe im Hirn. ;)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 17. August 2021, 07:51:20
Moin die Herren,

@greenfox: das hatte ich befürchtet... Umso dankenswerter, dass es hier kluge EhrenamtlerInnen (?) gibt, die das machen können und vor allem auch wollen. Danke also <3 Wieviele seid ihr denn zur Zeit im Hintergrund? Wie hoch ist der Zeitaufwand, dieses wichtige Forum am Laufen zu halten?

@gerd: bei dir antworte ich mal vorsichtig. Denn das letztemal, als hier war, hatte ich dich ziemlich missverstanden. Wo ich noch dachte, du schreibst was Humorvolles, da warst du wohl schon sauer. Ist das also ein Witz mit den Strümpfen für mein Gehirn, eine vorsichtige Wiederannäherung gar? ;) Wird mich freuen. Wenn du aber "hintenrum" zum Ausdruck bringen wolltest, dass ich bekloppt bin, gebe ich dir leicht verschnupft Recht. Aber wenigstens bekomme ich da Rente drauf. Ein kleiner Ausgleich für mein zartes Seelchen, grins...

Netten Gruß, ichso - die sich vorgenommen hat, bis vorerst Ende des Jahres hier auszuharren. Denn Zuverlässigkeit kann ich hier mal gut üben. Weil nicht nur "abhauen" ist ein adäquates Werkzeug. "Dableiben" ebenso. Fällt mir mit meinem ungestützten Gehirn jedoch ungleich schwerer. Aber Übung soll ja die Meisterin machen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 17. August 2021, 08:38:41
Hallo Gerd,
warum nicht in einem bestimmten Bereich über „Stützstrümpfe“ reden?
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 17. August 2021, 09:03:59
Zitat
Vermute mal, Geld gibt es für die Informadis hier eh' wenig bis nichts.

 Du vermutest richtig: Nichts. Alles freiwillig.  :)

Es geht sowieso nicht bei mir.
Ich habe auch mal gelernt, wie wichtig "Nein sagen" und Selbstfürsorge sind.

Ich bin neben meiner Rolle als Mit-Chefin unserer Firma ehrenamtliche Leiterin von zwei Arbeitsgruppen. Eine dritte Leitung habe ich neulich bereits abgegeben, weil es zu viel wird. Daneben gibt es noch Leute, die bei mir anrufen und sich erklärtermaßen lieber drei als nur eine Stunde mit mir unterhalten wollen.

Ich bin auf der einen Seite froh und dankbar, dass ich diese Möglichkeiten habe und dass mir verschiedentlich der rote Teppich ausgelegt wird, wenn ich etwas machen möchte. Auf der anderen Seite kenne ich aber auch Leute, die in einen Burnout gelaufen sind, weil sie gar so unentbehrlich waren. Und spätesens dann, wenn jemand nicht mehr kann, merkt man, dass niemand unersetzlich ist.

Ich hatte echt mal einen Super-Therapeuten. Und auch der hat mir gesagt, Leute, die es schaffen, rechtzeitig Pausen zu machen, halten länger durch. Mut zur Lücke ist eine existentiell wichtige Fähigkeit.

Bei den Sachen, auf die ich mich bereits eingelassen habe, muss ich auch was liefern. Es ist eine Herausforderung für mich selbst, was ich da mache. Dadurch lerne ich sehr viel, bleibe geistig beweglich, habe Kontakte und Freunde, aber es passiert eben nicht so im Vorbeigehen, sondern ich muss da echt was reinstecken. Dafür ist es dann aber auch befriedigend. Und das kann ich nicht eben nicht unbegrenzt, für meine eigenen Ressourcen muss genügend übrigbleiben.

Wenn man anderen empfiehlt, auf sich selbst aufzupassen, sollte man das für sich selbst ja besser auch tun. Und ich bin durchaus gewillt, das zu tun.

Ansonsten habt Ihr mich überzeugt, ich bleibe jetzt mal wieder dabei, schön dass es Euch gibt, @ichso viel Spaß mit dem Auto, und ich glaube, Ihr versteht, dass ich trotzdem ziemlich beschäftigt bin.

Gruß Susanne


Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: gerd48 am 17. August 2021, 09:32:16
Es geht nicht um Stützstrümpfe, es geht darum, dass MenschInnen in Schubladen gesteckt werden, die evtl. altersbedingte Leiden haben.
Seit einigen Jahren sehe ich eine absichtliche Spaltung in Jung gegen Alt, Radfahrer gegen SUV-Fahrer, Frauen gegen Männer, Querdenker gegen Stromliniendenker, usw.
Das ist eine ganz ungesunde Entwicklung und wer sich daran beteiligt, bekommt von mir heftigen Gegenwind. Teile und Herrsche wird natürlich in der Politik gerne gesehen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 17. August 2021, 09:42:28
Na, das ist doch mal ein Wort! <3 Manchmal habe ich jemanden in meinem Umfeld, der/die denkt, ich bin traurig u/o enttäuscht,wenn er/sie wenig Zeit hat. Das sind dann meist neue Menschen in meinem Leben. Ich erkläre dann, dass es aufgrund meiner fehlenden Stützstrümpfe ;) im Hirn (nehme ich jetzt mal als running gag) meist viel mehr Menschen und Gelegenheiten gibt, als ich noch "bedienen oder abarbeiten" kann, also im guten Sinn. Und immer auch mit einem lachenden und weinenden Auge...

So also lange Rede, kurzer Sinn: Schön, dass du auch bleibst <3 Versuche dann auch, bei dir kürzer zu antworten, lächel...

Und @AmSee: Danke dir :) Bei "ist der Ruf erst ruiniert" bin ich als Bipolare eher mal auf der Bremse. Zu meiner Veränderung werde ich mich freuen, wenn du mir unter Alter Falter deine Wahrnehmung schreiben magst. Ich empfinde ähnlich und antworte später gern in meinem Thread darauf. In meinem Kopf hat das wahrscheinlich ganz profan mit der kürzlich erlebten Verliebtheit/Körperlichkeit zu tun. Es bleibt also spannend! ;D Meine Tochter würde jetzt sagen: Besser als GZSZ, lach...

ichso - die jetzt aber erstmal die lila Klorollenhaube häkelt. Für Baby-Karl <3 ;)

PS: Jetzt kam gerade noch der Post von gerd. Ich stimme mit dir überein. Und tatsächlich hat dieses Denken, das auch meinem Empfinden nach immer stärker wird, aber auch schon ewig die Gesellschaft(en) spalten soll, mich wahrscheinlich mit ver-rückt gemacht.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 17. August 2021, 09:54:01
Es geht nicht um Stützstrümpfe, es geht darum, dass MenschInnen in Schubladen gesteckt werden, die evtl. altersbedingte Leiden haben.

Ok, offenbar triggert dich da etwas.
„Schubladen“ sehe ich an dieser Stelle nicht so. Ehrlich gesagt, das „Stecken in eine Schublade“ hätte ich persönlich eher in deinem Beitrag oben gesehen. Da sieht man mal wieder, wie wichtig der offene, gelassene Dialog ist und gegebenenfalls eine Rückfrage.

Was die „Stützstrümpfe“ betrifft, so war und ist das für mich zum Beispiel ein humorvolles Beispiel für Themen, die u.U. gerade bei uns anliegen. Krankheitsbedingt habe ich zum Beispiel eine Behinderung, die mich am „normalen“ Leben nicht mehr so teilnehmen lässt, wie früher. Warum nicht in einem gewissen Rahmen mit gewissen Menschen, die’s interessiert, sich mit etwas fröhlichem Humor über Hilfsmittel austauschen, die uns das Leben erleichtern? Auch das kann einem selbst die Sache mit seinem Handicap etwas erleichtern. Wem das dann „too much“ ist, kann das ja kundtun, auch das kann eine Diskussion oder Sichtweise bereichern.

Was die Spaltung in unserer Gesellschaft betrifft, so sehe ich das auch mit wachsendem Unwohlsein. Ich bitte nur zu bedenken: Es könnte sein, dass du mit deinem „Gegenwind“ Menschen triffst und verletzt, die in dieser Richtung gar nicht unterwegs waren. Daraus kann dann etwas entstehen, dass du gar nicht beabsichtigt hattest.

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 17. August 2021, 09:56:02
PPS: Nochmal kurz^^ wegen gerd. Du schriebst

"Es geht nicht um Stützstrümpfe, es geht darum, dass MenschInnen in Schubladen gesteckt werden, die evtl. altersbedingte Leiden haben."

Schubladen finde ich auch doof. Dachte eher, es darf auch hier im AlkoholikerInnenforum eine Rubrik für alte Hasen (lang Entzogene, geschlechtsneutral) geben, deren Fokus sich im Laufe der Jahre/Jahrzehnte nicht mehr in erster Priorität auf Sucht liegt.

Und schon wieder war eine/r schneller mit antworten, lächel... Bin dann mal raus, bis später :)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 17. August 2021, 10:33:56
@amSee,

es war nie nur meine Härte. Das ist mir durchaus bewusst.
Ich vergleiche das gelegentlich mit einem Zahnarzt. Wenn der Angst vor dem Bohren hat, dann ist er kein guter Zahnarzt, trotzdem muss er natürlich auch einfühlsam sein und wissen, was er macht.
Man darf in diesem Job keine Angst davor haben, auch mal ins Klo zu langen, weil es ist nun mal eine hässliche Krankheit.

Wobei ich mit dem Klo ausdrücklich nicht Dich meine, aber so rund läuft es ja in den seltensten Fällen. Das ist ja auch so ein Púnkt, nur weil das bei manchen auch für mich so gut läuft, bin ich ja längst keine Wunderheilerin. Trotzdem möchte ich mir den Blick dafür bewahren, dass es auch klappen kann, nicht nur die Schwierigkeiten sehen. Dafür sind solche Rückmeldungen wie von Dir auch wichtig.

Noch was zu dem Selbstwertgefühl. Ich hatte zum Teil in betrunkenen Zustand ein sehr aufgeblasenes Ego. Und grade, weil ich einerseits Minderwertigkeitskomplexe hatte und anderseits aber immer ein Talent, mir einen Fanclub heranzuziehen, hatte ich aber auch Angst vor meinem eigenen Größenwahn, vor meiner Hybris, vor meiner Guru-Seite. Ich muss mir bewusst machen, dass ich trotzdem nur mit Wasser koche, wie alle Anderen auch.

Ich könnte mich jetzt durchaus noch länger mit Dir unterhalten, ja das wäre sicher interessant, aber hier pressierts gerade.
Deswegen muss ich mich jetzt am Schopfe packen und mich in die Arbeit stürzen.

Gruß Susanne


Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 17. August 2021, 11:50:42
Hallo Susanne,
kann dir gut folgen. Ja, ein Austausch könnte für uns beide durchaus interessant sein.

Aufgeblasenes Ego kenne ich selbst nicht so von mir, auch nicht im alkoholisierten Zustand, ein Guru-Typ war ich (leider  ;)) nie. Ich war immer zu anders und aufgrund meiner Angst vor weiteren Verletzungen zurückhaltend und auf Anpassung bedacht. Möglichst nicht auffallen, dann bemerkt dich keiner und dir tut auch keiner weh.
Ich hab auf das, was mir widerfahren ist, anders reagiert als du, ich kam aber mit meiner Art und aufgrund meines Familienhintergrundes in keiner der neuen Klassen, in die ich aufgrund mehrerer Umzüge meiner Eltern geriet, an. In der dritten Klasse hatte das zum Beispiel damit zu tun, dass wir in einer ziemlich katholischen Gegend wohnten, meine Eltern aber unter der falschen Formel geheiratet hatten und wir demzufolge „Bastarde“ waren, mit denen, wie ich Jahre später erfuhr, mindestens ein Vater, Diakon in jener Gemeinde !, den Umgang verboten. An der weiterführenden Schule wurde ich von Mitschülern häufiger schikaniert, kommt leider in nicht so gut geführten Klassen vor.
Ich hab deshalb die Einsamkeit gesucht, hab viel gelesen, war viel alleine spazierend und Rad fahrend in jener Gegend unterwegs.


Ja, Alkoholismus ist eine hässliche Krankheit, das sehe ich wie du. „Härte“ und ggf. Provokation liegt mir trotzdem nicht und ich nehme auch wahr, dass sie nicht immer das rechte Mittel sind. Das bedeutet nicht, dass keine klaren Ansagen gemacht werden dürfen. In jenem - Du weißt schon - Forum werden klare Ansagen gemacht, mit angetrunkenen Nutzern wird nicht diskutiert, wer Alkoholiker ist, sich aber nicht dazu bekennt und beabsichtigt, den Rest seines Lebens abstinent sein zu wollen, wird nicht für den offenen Bereich freigeschaltet. Ich kann nachvollziehen, welchen Hintergrund das hat, und ich stehe grundsätzlich auch dahinter. Allerdings hätte ich selbst vor zehn Monaten keine Chance in jenem Forum gehabt.
Hier in diesem Forum läuft das anders ab und ich finde das ok so. Beide Foren haben ihren ganz eigenen Reiz.

Was das Wahrnehmen von Schwierigkeiten betrifft, so hat sich da bei mir irgendwie etwas verändert. Natürlich nehme ich Schwierigkeiten und mögliche Schwierigkeiten noch immer ziemlich gut wahr, aber mein Blick hat sich sehr viel mehr für Möglichkeiten, Chancen und Allgemein eine positive Betrachtungsweise geändert, weil ich mich stets bemühe, das Positive, was mir in meinem Leben oder auch im Leben von anderen begegnet, bewusst wahrzunehmen.
Die große Welt da draußen finde ich mitunter zum Koxxen, was da zum Teil abgeht, macht mich traurig und fertig, deshalb schütze ich mich davor, lasse es nicht zu nah an mich herankommen und gehe auf notwendige Distanz. Informiert bin ich dennoch, denn auf dem einen oder anderen Weg bekommt man trotzdem noch ziemlich gut mit, was so abgeht.
Für mich ist der bekannte Gelassenheitsspruch immer wichtiger geworden und, da ich (evangelisch) gläubig bin - nach einer kurzen atheistischen Phase - , bitte ich regelmäßig um diese Gelassenheit, diesen Mut und diese Weisheit.

Keine Angst zu haben „ins Klo zu langen“ habe ich inzwischen anderweitig bei einem anderen privaten Thema gelernt. Nicht, dass ich da „hart“ wäre oder provokativ, nein, ich nutze mein Wissen, meine Erfahrungen, knallharte Fakten und meine Formulierungskompetenz und setze diese gegen ein ganz bestimmtes Arxxxxoch ein, um mich gegen ihn zu wehren und den Druck, den er macht, zurückzugeben. Früher hätte ich das nicht gekonnt, aber positiv durfte ich in den vergangenen Monaten bemerken, dass mein Kopf viel klarer und strukturierter ist, als noch zu Zeiten, als ich regelmäßig Alkohol getrunken habe. Früher musste ich Alkohol trinken, um das, was in meinem Kopf ist, überhaupt rausbringen zu können. Nicht, weil ich körperlich abhängig war, sondern weil das Chaos in meinem Kopf und das Hin und Her meiner Gedanken so überwältigend war, dass Alkohol da etwas Ruhe und Gelassenheit reinbrachte. Eine fürchterliche Zeit!
Die Möglichkeiten, die ich heute im völlig nüchternen Zustand habe, sind einfach fantastisch. Und ich kann hinter allem stehen, was ich schreibe. Sehr angenehmes Gefühl!

Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 17. August 2021, 17:38:24
Ich hab auf das, was mir widerfahren ist, anders reagiert als du, ich kam aber mit meiner Art und aufgrund meines Familienhintergrundes in keiner der neuen Klassen, in die ich aufgrund mehrerer Umzüge meiner Eltern geriet, an. In der dritten Klasse hatte das zum Beispiel damit zu tun, dass wir in einer ziemlich katholischen Gegend wohnten, meine Eltern aber unter der falschen Formel geheiratet hatten und wir demzufolge „Bastarde“ waren, mit denen, wie ich Jahre später erfuhr, mindestens ein Vater, Diakon in jener Gemeinde !, den Umgang verboten. An der weiterführenden Schule wurde ich von Mitschülern häufiger schikaniert, kommt leider in nicht so gut geführten Klassen vor.
Ich hab deshalb die Einsamkeit gesucht, hab viel gelesen, war viel alleine spazierend und Rad fahrend in jener Gegend unterwegs.

ich kenne dieses katholen-evangelen-Spielchen aus der Familie meines Partners, aber meine Eltern gingen nie in die Kirche, ich bin von daher eher religionsfern aufwachsen. Ich bin zwar konfirmiert etc, aber das blieb mir immer eher fremd.

Ansonsten ist mir vermutlich auch gar nicht das gleiche passiert wie Dir. Erstens bin ich Einzelkind, und zweitens war mein Vater die Sorte Trinker, die trotz Konsum immer standen wie eine Eins. Er war bis zur Pensionierung in leitender Position bei einem Maschinenbau-Weltmarkführer und nach seinem Tod habe ich ein Abschiedsbüchlein gefunden, das ihm seine Kollegen/Untergebenen zur Pensionierung geschrieben hatten. Die standen da wegen seinem Können Spalier und hatten gleichzeitig fürchterliche Angst vor seinen cholerischen Anfällen.
Und so habe ich ihn auch lange erlebt, mächtig und beängstigend. Er hatte ausser in seinen letzten Jahren nichts Hilfsbedürftiges an sich.

Und meine Mutter ist bis heute als harte Frau bekannt und wie mein Vater senkte sie lange gnadenlos den Daumen, wenn etwas nicht so lief wie sie das wollte. Bis klar war, dass sie mich so verliert, ich hab sie vor die Wahl gestellt wie ihn übrigens auch.
Es war absolut schwierig, sich da Anerkennung zu verdienen, denn das lief nach dem Motto, wenn Du das nicht schaffst, dann hast Du es auch nicht anders verdient. Mir wurde gesagt, dass meine Ausbildung finanziert wird, aber wenn ich nicht klar komme, dann habe ich eben Pech gehabt. Sie haben keine Zeit, sich drum zu kümmern, aber wehe die Noten passen nicht. Damit wusste ich aber auch, ich muss selbst "draussen", bei Lehrern etc. argumentieren.

Ich nehme an, mein Vater hat seine vielleicht durchschnittlich 8 bis 10 Bier genauso irgendwo bis kurz vor Schluss einfach weggesteckt wie ich später meine Unmengen. Und natürlich waren alle Anderen standardmässig sowieso Arschlöcher, auf die man runterguckte, Respekt vor anderen stand da kaum auf dem Programm, den musste man sich verdienen. Ich hatte wahnsinnig zu kämpfen, um da überhaupt als Mensch wahrgenommen zu werden. Kinderkram war nichts für meinen Vater, für meine Mutter schon eher, aber es wurde strikt darauf geachtet, dass ich nicht verwöhnt werde.

Von daher bin ich vieleicht auch (zu) früh erwachsen geworden, aber eher, weil ich auf mich allein gestellt war und weniger, weil ich die Verantwortung für meine Eltern übernommen hätte. Das wäre gar nicht gegangen.

Auf der anderen Seite kann ich mich auch nicht verstecken. Mir sagen heute Leute, dass ich bis jetzt in jeder Menschenmenge sofort auf 300 Meter erkennbar bin. In jeder fremden Stadt werde ich von wildfremden Leuten angespochen, die annehmen, dass ich mich auskenne.
Bei mir war das nach so einem Umzug als 5-Jährige mal so, draussen war eine Straßengang , 30 Kids von 5 bis 8, und ich wurde rausgeschickt und durfte die nächsten 5 Stunden nicht rein. Guck selbst, wie Du da klar kommst. Nach 5 Minuten war Schlägerei.

Und ich war wahnsinnig schnell. Auf mich ging viel später mal ein Drogenhändler wegen Geld los, der war einen Kopf größer und sicher doppelt so breit wie ich. So schnell konnte der gar nicht gucken, bis er keine Luft mehr kriegte. Danach ist mir nie wieder was passiert.
Und ausserdem habe ich die angenehme Eigenschaft, eher nach oben zu treten und die Schwächeren zu schonen oder sogar mit einzubeziehen.

Besonders lustig oder peinlich war es mal, als ich einen sehr statusbewussten Chef hatte, dem dann der Kunde sagte "Ihre Chefin hat gesagt..."
Ich kann da nichts dafür, ich wirke so. Ob ich will oder nicht.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 17. August 2021, 18:29:37
In der Tat hast du einen anderen Werdegang gehabt als ich, meine Eltern waren tatsächlich anders als deine.

Durchkämpfen musste ich mich trotzdem immer alleine und irgendwie war das auch selbstverständlich für mich, hab auch nicht um Hilfe gebeten. Keine Ahnung, warum. Weil ich keine bekommen hätte? Weil überdeutlich war, dass meine Eltern zu sehr mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt waren? Weil ich so rücksichtsvoll war, meine Eltern nicht noch zusätzlich mit meinen „Problemchen“ zu belasten?

Geschlagen hab ich mich nie. Hat man mir frühzeitig abgewöhnt. „Sowas macht ein Mädchen nicht.“ „Denk daran, dass du stärker bist als deine kleine Schwester, du darfst sie nicht schlagen.“ Ich hab sie nie geschlagen, aber sie hat trotzdem geschrien, als wenn ich es hätte, und ich hab immer Ärger bekommen. Durchschaut hat meine Mutter das Spielchen meiner Schwester erst, als diese Jahre später vor meiner Mutter zu schreien anfing, obwohl meine Mutter ihr nichts getan hatte. Da war ich aber schon längst aus dem Haus.
Wenn ich gewollt hätte, hatte ich mich prügeln können, stark genug wäre ich dafür gewesen, aber ich sah das nicht als Weg oder Möglichkeit für mich. Ich war jahrelang eine der Größten in jener Klasse und hab auch bei meinem Vater auf dem Bau mitgearbeitet, aber mich mit jemandem zu schlagen, hätte meine Situation in jener Schule auch nicht besser gemacht. Stattdessen bin ich anderen aus dem Weg gegangen und hab geschwiegen.

Da du von sich nicht verstecken sprichst. Ich hab‘s echt versucht, aber irgendwie fiel ich immer auf. Sei es wegen meiner Körpergröße, sei es, wie ich redete. Ich wirkte ja so erwachsen....

In jeder fremden Stadt werde ich von wildfremden Leuten angespochen, die annehmen, dass ich mich auskenne.

Kommt mir ziiieemlich bekannt vor.  ;)
Ich muss außerdem noch so ein Schild auf der Stirn kleben haben: „Mir können Sie Ihre Probleme anvertrauen.“  oder „Brauchen Sie Hilfe?“ Ich muss da irgendwas an mir haben.

In der Zeit, in der es mir richtig schlecht ging, hatte ich allerdings Ruhe. Zum einen, weil ich das Haus nicht verließ oder Menschenansammlungen und die Stadt allgemein mied, zum anderen, weil ich nur noch auf den Boden starrte, weil ich es anders nicht mehr ertragen konnte.

In der Klinik sagte mir jemand, dem ich erzählte, dass ich gar nicht gesehen werden möchte: „Du fällst aber auf!“
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 17. August 2021, 19:20:11
Geschlagen hab ich mich nie. Hat man mir frühzeitig abgewöhnt

mir nicht.

Mir fallen eigentlich folgende Merksätze ein

a) Du kannst Dich auf niemanden verlassen (meine Mutter)
b) Du darfst Dir nie von Jemand Anderem etwas vorschreiben lassen (Mein Vater. War spannend, als ich das bei ihnen angewendet habe)
c) Du musst Dich wehren können (ich wurde sogar mal in Karate gesteckt)
d) Du hast eine gute Seele (meine Großmutter mütterlicherseits)
e) nur Leistung zählt.

Ich bin meistens zuerst angegriffen worden. Es bekamen auch immer die Anderen Hausverbot, wenn in der Kneipe was war. Bis auf ein Mal, aber da war es ein blöder Scherz, der mit Gewalt nichts zu tun hatte.

Es war eigentlich im Rückblick schon interessant. Sie haben mir zwar x-mal gepredigt, wie oft ich ihnen auf den Sack oder Geldbeutel oder die Nerven gehe, aber sie haben auch frühzeitig und gezielt daran gearbeitet, dass ich dann gehen konnte.

Und mein Vater war nicht nur bei mir so. Ein Arbeitskollege von ihm kam mal mit seinen Kindern, die hat mein Vater so in die Schuhe getan, dass er nie wieder kam. Da wurde mir das erste Mal klar, da gibts ein grundsätzliches Problem, nicht nur mit mir. Denn das war ja bei mir eines der Probleme, dass ich diese ganzen Vorwürfe mangels Vergleichsmöglichkeit sehr persönlich genommen habe. Und dann die Wechsel, mal war ich die tollste und dann wieder die Blödeste, die man sich vorstellen konnte. Als Kind hab ich das nicht überrisen, da hab ich geglaubt, ich bin tatsächlich so, wenn die das sagen.

Lass uns das so machen, wie wir gerade mal Zeit haben. Jetzt muss ich schon wieder weg.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 17. August 2021, 20:08:17
Übrigens verstecken...ich hab mich tatsächlich mal völlig ausgekoppelt. Alle Beziehungen gekappt, alleine gelebt und die Wohnung nur zum Einkaufen oder in den Wald verlassen. War die Zeit, als ich mit den Drogen aufgehört habe, da wollte ich von anderen Leuten nichts wissen. Da war ich nicht "öffentlich".

Und in der Zeit, als wir aus der Millionenstadt aufs Dorf gezogen sind, konnte ich den anonymen großstädtischen Lebensstil auch noch längere Zeit aufrechterhalten, da auf dem Dorf wussten sie, das sie micht eben nicht kennen. Da wars einfach, zurückgezogen zu bleiben.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 18. August 2021, 07:08:31
Mir ist da heut Morgen noch was eingefallen, zu früher.

Mein Vater konnte ein sehr netter Mann sein, wenn er gute Laune hatte. Leider hatte er aber lange schlechte Laune, und dann war er furchbar.
Meine Mutter erklärte mir das damit, dass er zu viel arbeitete. Ich klar, Arbeit ist scheixxe, ich sah ja das Ergebnis.

Und mein Vater war, wenn er schlecht drauf war, richtig brutal. Der trat so zu, dass ich ins Eck flog. Das spielte da auch keine Rolle, dass ich nur halb so groß war wie er. Aus seinem Blick sprach der pure Hass. Zumindest habe ich das so wahrgenommen, er war dann niemand, auf den man zugehen konnte.

Und neulich habe ich erstmals seit Corona meine Mutter und ihren heutigen Mann für ein paar Tage besucht. Da ist mir auch aufgefallen, wenn man ihr etwas erzählt, z.B. über meine Schwiegereltern, dann kommt bei ihr sofort, wie aus der Pistole geschossen "da muss sie halt", "da ist er selbst schuld", und das war bei mir früher genau so. In drei Sekunden warst Du an allen Deinen Problemen selbst schuld, sie wusste ja die Lösung und damit hattest Du für sie keine Probleme. Du hättest ja nur machen müssen, was sie für richtig befand, dann wäre alles in Butter.

Und das zweite, was mir aufgefallen ist, was aber auch andere Besucher mir sagen, ist, das sie und ihr Mann sich von Morgens bis abends streiten. Bei denen hört sich jeder Dialog nach spätestens dem zweiten Satz wie ein Streit an, die giften sich in einer Tour an. Dabei würden sie nach aussen hin aber nichts aufeinander kommen lassen, also das ist nichts die  Beziehung bedrohendes, das ist einfach deren Gsprächsstil. Leider habe ich das teilweise übernommen. Und früher fühlte ich mich permanent angegriffen, so wie er (mein Stiefvater) jetzt auch. Und mein Vater früher ebenfalls. Sie drehte es immer so hin, dass sie recht hatte. Auf ihre Art auch furchtbar.

Und genau das, die Kombination dieser beiden Giftzwerge, führte bei mir eben nie zu einer "heimeligen" Atmosphäre, sondern Nach Hause kommen war irgendwie fast immer das Betreten feindlichen Territoriums. Erst "willst Du auch einen Schnaps" war eigentlich das Friedensangebot, da wusste man nun ist momentan erst mal gut, bis.... Eigentlich fand das (gefühlte) Mobbing bei mir zu Hause statt.

Und schon da - da musste ich auch schon mal völlig heraustreten, meine Mitgliedschaft in dieser Famillie völlig kündigen, um das Gefühl zu haben, das mich das auch mal loslässt und ich das wirklich von aussen betrachten kann. Und dann habe ich erst gesehen, die können einfach nicht aus ihrer Haut, das ganze Gekappel und die ganzen Vorwürfe, das sind selbst wiederum auch beschädigte Leute, und die geben das weiter.
Als Kind, als ich das nicht gecheckt habe, war das für mich eine permanente Bedrohung, ich hatte x mal Angst, nach Hause zu kommen. Und real wars ja auch gefährlich, ich konnte jederzeit Schläge bekommen.

Und Alkohol war immer die Lösung. Der Spruch meines Vaters, das Leben ist nur im Suff zu ertragen. Prost Leber, jetzt kommt ein Platschregen..Schnaps aus dem Wasserglas. Wie wenns nix anders gäbe.

Und es ist bis heute so, dass meine Mutter in den Film verfällt, dass früher ich an allem schuld war, bis ihr ihr mal um die Ohren haue, dass die Eltern für die Kinder verantwortlich waren und nicht umgekehrt. Und sie kennt mich und weiss, dass ich auch nicht nachgebe. Da lenkt sie dann inzwischen ein, aber bis das mal so weit war, mein Partner war mal fassungslos, wie sie drauf war. Ein Glück, das wir die Kurve noch gekriegt haben, bevor es zu spät ist und man darüber nie mehr reden kann.

Und ich verfalle auch in den Film, das bis zum Ende durchzuerzählen, wenn ich mal damit angefangen habe. Aber die Fassungen werden langsam kürzer.
Aber Und das ist Geschichte, ich kanns ja aussprechen, aber es hat mich geprägt. Schon allein, dass ich fast immer das Wort "aber" statt "und" benutze, vollautomatisch...da ist die Gegenrede ja schon vorprogrammiert.
Heute erste Krankengymnastik seit zweitem Lockdown, das wird erst mal hart.

Gruß Susanne.

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 18. August 2021, 08:18:21
Oh Mann... Ich schicke dir mal eine Umarmung. So von einem Kaktus zum Anderen.

Ich dachte als junge Frau, wenn der (mein Erzeuger) mal stirbt, trampel ich auf dem seinem Grab rum. So eine brutale S au war das. Habs dann doch nicht gemacht. Meine Mutter klebt immer noch in ihrer Opferrolle fest, obwohl sie uns mit allem was sie in die Finger bekam (Kochlöffel, Teppichklopfer und so) auch oft grün und blau geschlagen hat. Ich war früher auch oft die letzte, die vom Spielplatz heim ist. Alles war besser als dahin zu müssen.

Am Anfang meiner Therapie habe ich irgendwann versucht zu begreifen, dass die auch krank waren. Hab es erst geschafft, als ich zwischen der erwachsenen und der kleinen ichso unterscheiden lernte. Für die erwachsene ichso waren die krank. Für die kleine ichso sind das kranke A rschlöcher geblieben. Er ist schon lange tot, zu ihr habe ich schon Jahre keinen Kontakt mehr.

Und ich selbst als Mutter? Nicht diese schlimmen Sachen gemacht oder zugelassen. Aber Worte können auch Schläge sein. Hab dann in der ersten manischen Phase (wo ich noch ger nicht wusste, was das ist) das Jugendamt mit ins Boot geholt und die waren das Beste, was meinen Kindern in dieser Zeit passieren konnte. Denn die Verwandschaft stand lange nur drumrum und hat blöd geglotzt...

Und als Oma? War ich mit meiner damals vierjährigen Enkelin beim Jugendamt, weil ihre Mutter (getrennt lebend von meinem Sohn) obdachlos wurde. Ich wusste, ich werde sie lange nicht sehen (wie kannst du so etwas nur tun????). Einmal zwischendurch, als sie 11 Jahre war, durfte ich sie ein paarmal besuchen (sie verbrachte den Rest ihrer Kindheit bei meinem Sohn und seiner neuen Frau, die auch nicht wirklich gern Stiefmutter werden wollte). Jetzt mit 18 ist sie ausgezogen in meine örtliche Nähe und wollte "wissen". Sie sagte neulich: Du warst die einzige, die mir geholfen hat. Und jetzt sitze ich hier und flenne grad bissi. Weil dieser Suchtkreislauf so unfassbar schwer zu durchbrechen ist. Wenn überhaupt.

Sorry für den langen Text.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 18. August 2021, 09:12:51
Guten Morgen, Susanne,
ich lass dir mal ein paar Gedanken da. Gerne können wir’s übrigens so machen, wie wir gerade Zeit haben. Definitiv kein Druck bzw. Erwartung einer umgehenden Antwort.

Was du über dich erzählt hast, ist sehr aufschlussreich für mich.
Anders als ich bist du zwar in einem „stabilen“ Elternhaus aufgewachsen, mit ganz klaren Regeln, aber letztlich in einer Umgebung, die für die gesunde Entwicklung eines Kindes ziemlich feindlich war.
Diese Umgebung hat dich immens geprägt und innerlich nicht gerade wenig verletzt.

Sie erklärt deine „Härte“.
Sie erklärt mir nicht gänzlich, warum du immer wieder in eine Rolle der Verantwortung gerätst, die du eigentlich gar nicht willst.
Hier im Forum zum Beispiel bist du eine der ersten, die antwortet, und du antwortest viel. Zweifellos offenbarst du in deinen Antworten eine große Fachkompetenz.
Doch, wie du schriebst, fühlt es sich bei dir teilweise so an, als hätte deine Platte einen Sprung. Ich frage mich, was dich antreibt, dennoch immer wieder „deine Platte“ spielen. - Ist es der Spruch deiner Großmutter und was dahinter steht, der dich irgendwie antreibt?


Ich frage mich, welches Bedürfnis bei dir dahinter steht, das (nochmals? - du hast da so eine Erwähnung gemacht) aufzuschreiben und zu teilen.
Möchtest du, dass wir (ich?) dich besser verstehen können, besser nachvollziehen können, warum du so bist, wie du bist?

Ich frage mich auch, was es nun mit dir macht, es nochmals zu erzählen. Hat die Platte für dich auch hier einen Sprung?

Möchtest du dich weiter über dieses Thema austauschen oder hast du eher Lust auf andere Themen, die dich derzeit interessieren?


Viele Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 18. August 2021, 12:48:15
@ichso

ich hatte mal irgendwann die Selbsterkenntnis, dass ich gewisse Eigenschaften meiner Eltern geerbt habe, ich trage das, was ich ihnen vorgeworfen habe, teilweise in mir. Ich reagiere unter Druck genau so schwierig oder jedenfalls ganz ähnlich. Was das Saufen und die Drogen angeht, habe ich sie übertroffen(Kinder wollen ja immer besser sein als ihre Eltern) - erst in der Menge, was die können, kann ich schon lange. So ne gewisse distanzierte selbstironische Selbstsicht hatte ich immer. Und ich dachte tatsächlich, muss ich mich meinen Kindern eigentlich antun? Und ich habe mich gefragt, wollten meine Eltern eigentlich wirklich Kinder oder haben sie mich nur gekriegt, weil das damals üblich war?
Meine Mutter hat mich so vollgejammert, wie sie unter mir leidet, dass ich sie gefragt habe, warum sie mich nicht abgetrieben hat. Wäre doch einfacher gewesen. Sie haben nie den Eindruck gemacht, als ob sie als Eltern glücklich gewesen wären, also ich vielleicht auch nicht? Ich denke bei Kindern ja auch als erstes an die Plagen. Mein Bedürfnis danach war kaum vorhanden. Katzen mag ich lieber.

Heute bin ich froh, das ichs gelassen habe, denn ich hätte schlimmere Schuldgefühle als Gerchla (war ja auch noch katastrophiger) und unterm Klimawandel oder sonstigen Horrorvorstellungen werden sie auch nicht leiden. Und ansonsten ist es rum ums Eck.

@AmSee

Gar nicht so leicht zu beantworten, was Du mich fragst. Und grade deswegen versuche ich es zu beantworten. Deswegen bin ich ja auch, auch beruflich, so eine Problemlöserin. Schwierigkeiten sind dazu da, aus dem Weg geräumt zu werden. Das dürfte schon ein Teil der Antwort sein.

Erstens erinnert mich das Nachfragen an die Verhöre meiner Mutter "Was ist eigentlich mit Dir los", als sie dann endlich merkte (nach der ersten Hausdurchsuchung wegen Drogen), dass irgendwas schief läuft. Bis dahin dachte sie wohl, passt schon. Und sie bohrte und sie bohrte und es kam einfach kein Öl. Sie hat mich trotzdem nie verstanden, sie konnte irgendwann nicht mehr tun, als mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Ich kann mich nicht allgemeinverständlich erklären, zu fast allem was ich mache, gibts auch noch ganz andere Seiten. Deswegen tue ich mir selbst auch sehr schwer zu sagen, ich bin so und so, ich kann mich auch nur akzeptieren, die Gründe, mei.. Aber meine Mutter verlangte Antworten...man muss das doch wissen. Ich sage, Unbewusstes, ich lasse mich da teilweise auch einfach leiten, es führt dann schon irgendwie da hin, wo ich hin will. So, Stand heute, gehts mir ja nicht so schlecht, also wusste mein innerer Kompass ja vielleicht wo es langgeht. Wo anders sagen sie Kismet oder der Mensch denkt und Gott lenkt...der Selbsterkennisfähigkeit sind jedenfalls Grenzen gesetzt (frag Psychologen, die wissen das) und dem bin ich auch unterworfen.

Ich kann mich oft nur anhand meiner eigenen Handlungen selbst beobachten, analysieren und feststellen, das war so, und ja nach Betrachtungswinkel sieht es anders aus, aber warum......aber ein Versuch kann trotzdem erhellend sein.
Der Punkt ist ja auch, ich bin ja nicht nur das Produkt sämtlicher Eindrücke und der dazugehörigen Reflektion und Selbstreflektion, sondern ich bin ja auch schon mit Eigenschaften auf die Welt gekommen und jedes Baby ist schon unterschiedlich, das wissen sie in jeder kinderreichen Familie. Also da gibts mit Sicherheit eine Menge, was ich gar nicht wissen kann.

Also der erste Impuls, nix wie weg da. Aber vielleicht sieht in meiner Schreibe ja auch mal jemand was, wofür ich ein blinden Fleck habe, oder ich merke das selbst beim Aufschreiben, was los ist - ist schon vorgekommen - also ich sehe darin auch eine Möglichkeit der Selbsterkenntnis und von daher, kneifen is nich. Ausser es geht irgendwann zu weit aber da sind wir noch nicht.

Zweitens erlebe ich das im Aufschreiben praktisch live noch mal, wie einen Flashback bei einem Trauma, deswegen muss ich es auch zu Ende führen, wenn ich mal angefangen habe.

Drittens fällt es mir oft extrem leicht, zu antworten. Das passiert ohne jede bewusste Mühe. Höchstens wenn ich das den ganzen Tag mache, merke ich es hinterher und denke, eigentlich wolltest du doch heute auch noch was Anderes tun. Ich hab da so ein Klassenbestensyndrom, Frau Lehrerin ich weiss was, früher in der Grundschule musste man aufspringen, wenn man die Lösung hatte, aber die Klappe halten, und ich war immer die erste. Neulich eine getroffen, die fragte mich, ob ich noch weiss, dass sie immer in Mathe gegen mich antreten musste und immer verloren hat. Und, logisch, fühlt sich gut an, zu gewinnen. Ich hab dann auch das Gefühl, was Sinnvolles getan zu haben, wenn mein Geschreibe passt. Nur wenn das dann so im luftleeren Raum hängen bleibt und diejenigen es nicht mal nötig haben, danke zu sagen, frage ich mich wirklich, wozu ich das mache. Oder wenn ich ihnen helfen will und sie das völlig als Angriff missverstehen, sei es wegen ihnen, sei es wegen meiner Art, dann war das auch ein Satz mit x, da werde ich unzufrieden.

Und bei manchen gehts mir auch tatsächlich nach, da hab ich das Gefühl, die sehen einfach nicht, was sie machen können, aber ich sehe es, oder es fehlt ihnen ganz einfach Information, die ich aufgrund meiner Erfahrung habe und sie nicht. Und gute Seele, ja, auch bei rationaler Überlegung ist christliche Nächstenliebe ja nicht unbedingt dumm. Es geht auch ein bisschen um die Welt, in der ich leben will.

Viertens wurde ich, als meine Mutter mich erfolgreich rausgeekelt bzw. auch regelmässig abends richtig  rausgeschmissen hatte, in meiner Heimatstadt zu einer Person des öffentlichen Lebens, denn irgendwo musste ich ja hin. Mit 15 Vorstand eines 250-Leute-Vereins, und da gings auch schon mal drum, Jugendlichen zu helfen. Natürlich auch mir selbst, und da hatte ich eine Art Heimat. Und ich war natürlich schon da wer, mit dem kaputten Selbstbewusstsein durchaus ein Lichtblick. Leider bin ich über die Ecke auch an die Drogen gekommen. War aber alles ungeplant und auch jugendlicher Leichtsinn, passierte bei zielloser Suche. Zur Suchtentwicklung gehört auch die Gelegenheit und Verfügbarkeit, ist sogar ein zentraler Teil neben der Disposition und psychischen Faktoren.

Fünftens ist es Teil meines Problems, dass ich gar nicht mehr so recht weiss, was ich hier mache.
AABER...ich lese auch Bücher zur Glücksforschung und zu so Themen, was man an seinem Lebenesende am meisten bereut, dazu gibts Interviews. Und da lese ich immer, dass es ausserordentlich befriedigt, wenn die sozialen Beziehungen erfreulich laufen und wenn man sich gegenseitig helfen kann. Ich hab mir sogar sehr bewusst etwas gesucht, wo ich hier auch etwas Soziales mache, anderes Thema, und da bin ich auch schon wieder eine Person des öffentlichen Lebens, deswegen nicht hier im offenen Bereich. Ein zweites Thema ist naturwissenschaftlich, da habe ich was davon und andere auch, lässt sich nicht trennen.
Auch viele andere Dinge, die z.B hier in der Stadt das Leben schöner machen, laufen ehrenamtlich. Wenns keiner mehr macht, kann ich auch nirgendwo mehr hingehen. Also mache ich es teilweise einfach selbst.

Also das ist tatsächlich auch so was wie gezielte Selbsttherapie. Ich folge wissenschaftlichen Erkenntnissen dazu, wie man glücklicher wird, jetzt nicht nach Schema F, aber ich versuche auch nicht, das Gegenteil zu tun, also mich wieder einzugraben wie ich es früher getan habe. Und es funktioniert. Auch als hier hier weg war, war ich unter Leuten, und dass das läuft ist auch Übung. Und selbst meine heutige schlechte Laune, wenn ich sie habe, ist besser als meine frühere.

Sechstens ist es ein Heraustreten aus der Opferrolle, selbst die Kontrolle übernehmen und das Leben gestalten, nicht nur jammern und drunter leiden. Und ich habe, sieht man ja auch an Dir, Erfolgserlebnisse. Frust natürlich auch, aber gibts das seine ohne das andere überhaupt? Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Und achtens weiss ich, was ich mir erhofft habe, als ich selbst zuallererst Hilfe bzw. Info in so einem Forum gesucht habe, und das war garantiert nicht, dass mir erst nach zwei Tagen jemand antwortet und dann als erstes nur seinen eigenen Weg als Möglichkeit überstülpt. Sondern ein offenes Eigehen auf meine Fragen. Und wenn ich nen guten Tag habe, dann mache ich das auch.

Abgesehen davon müsste ich Dir das nicht erklären, wenn ich nicht verstanden werden wollte. Aber ich habe auch schon sehr viel davon profitiert, dass mich Andere verstehen wollten und ich mich zu verstehen gegeben habe.

Ich merke das ganz genau, dass ich mich in meinem ganzen Leben noch nicht an sehr viele Regeln wirklich halten musste, so lange es Leute gibt, die mich wohlwollend betrachten. Ich hab auf jeden Fall schon vieles gemacht, was eigentlich nicht geht, weil Leute mir das zugestanden haben.

Ja, was machte es mit mir, das noch mal zu erzählen. Erst war ich voll im Film, und dann kam der Punkt da machts pling und ich merke, jetzt reichts wieder, jetzt nehme ich meine heutige Umgebung wieder wahr. In letzter Zeit fällt mir relativ schnell auf, dass es Vergangenheit ist und dass ich erst mit meinem Vater und dann mit meiner Mutter tatsächlich Frieden geschlossen habe. Es fühlt sich teilweise sogar ungerecht an, das wieder auf den Tisch zu bringen, also ich bleibe nicht mehr drin hängen, sondern es geht auch wieder raus. Ich merke da also tatsächlich eine Entwicklung.

Und meine heutigen Themen...ich bin schon wieder eine stadtbekannte Person des öffentlichen Lebens und schon von daher möchte ich das hier nicht so sehr ausbreiten. Ausserdem sind diese Themen in erster Linie mal Arbeit, also wenn ich da dran bin, kann ich nicht gleichzeitig hier schreiben. Und weder der Personenkreis, bei dem es bei dem einen Thema geht (nur ältere Personen ohne Angehörige), noch die naturwissenschaftliche Expertise, die beim anderen Thema gefragt ist, sind hier nach meiner Einschätzung vertreten. Also hier drüber zu reden wäre wohl der falsche Ort.

Noch zu dem Thema Verantwortung...die wurde mir auch zugeschoben. Von daher ein Abwehrthema, psychoanalytisch betrachtet. Erstens mal diese ganzen Schuldzuweisungen meiner Mutter, und dann haben sie mich ja tatsächlich noch gefragt, ob sie sich scheiden lassen sollen. Diese Antwort habe ich verweigert, ich hab die Ehe ja auch nicht geschlossen. Und dann war ich ja auch immer Streitobjekt, je nach dem wie es lief war ich die Tochter des einen oder der anderen, sie wollten mich entweder auf die eigene Seite ziehen oder mich auf die andere loswerden oder mir auch den Kontakt zum anderen verbieten, da gabs so ziemlich alles. Papakind, Mamakind, ich war alles. Und wenn sie sich gestritten haben, waren das Schimpfwörter. Deine Tochter hat mal wieder, züchtige sie.
Und ja, ich wollte meinen Eltern anfangs helfen, als ich sie als kleines Kind mal völlig unglücklich erlebt habe, aber die Zurückweisung war relativ brutal und ich war plötzlich die Schuldige, wegen der sie sich gestritten haben, ich musste gefälligst abhauen und sie in Ruhe lassen, denn ich war ja das Problem, und möglicherweise kämpfe ich ja unbewusst immer noch dagegen an.

Und gerade weil ich ja manchmal Erfolg habe, obwohl ich selbst sage (auch ein hübsches Paradox), ich kann die Leute nicht ändern, scheinen das manche dann aber auch von mir zu erwarten. So dass ich mich tatsächlich dagegen verwahren muss, denn ohne das passende Gegenüber (Du) geht da nichts..Du hast ja was mitgebracht, an dem ich Dich packen konnte. Ausser ich lasse es ganz bleiben, dann habe ich auch meine Ruhe. Aber dann ist wieder, macht das dann glücklich, oder nur leer?

Und wie Du siehst, gibts da keine einfache Antwort. Ich mache keine Aussagen darüber, was ich nächsten Monat will, denn das weiss ich heute noch nicht. Der Kopf ist bekanntlich rund, damit die Gedanken die Richtung wechseln können.

Schreib einfach, das was Du willst. Wenn Dir dazu was einfällt, gerne, aber Du musst jetzt nicht ein bestimmtes Thema mit mir bearbeiten oder mir gar die Hilfstherapeutin spielen. Irgendein Feedback ist zwar meistens besser als gar keins. Aber wenn Dir nichts dazu einfällt, dann ist das eben auch so. Ich meine, ich lebe ja, ich muss jetzt nichts lösen. Wenns gut läuft, ist es ein Gewinn, aber ohne bringts mich auch nicht um.

Gruß Susanne



Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 18. August 2021, 18:34:50
... mir gar die Hilfstherapeutin spielen.

„Hilfstherapeutin“, lächel, nee echt nicht.  ;) Gehört sowieso nicht hierher, kein Auftrag, keine entsprechende Ausbildung meinerseits und im Übrigen will ich das auch gar nicht. 

Ich werd dir noch antworten, aber nicht mehr heute. Hatte echt schönen Besuch, bin danach aber nur noch kaputt und müde, da „fließt“ nicht mehr viel.

Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 08:55:58
Guten Morgen, Susanne,
da bin ich wieder.

Ich hab den Eindruck, ich muss da mal was klarstellen. Ich antworte dir nicht, weil ich mich als eine Art „Hilfstherapeutin“ sehe - dazu hab ich gestern Abend schon etwas geschrieben - oder gar um ein Thema mit dir zu bearbeiten, sondern ich biete mich sozusagen als Gesprächspartnerin an, weil es mich interessiert, mich mit dir auszutauschen. Die Gespräche mit dir sind mitunter ziemlich interessant und anspruchsvoll, das reizt mich einfach.
Manchmal wird es mir zu viel, wenn ich das Gefühl habe, in einen Schlagabtausch oder eine Verteidigungsposition zu geraten, weil ich eine andere Sprache zu sprechen scheine als mein Gegenüber, bei dem eventuell irgendwelche Verletzungen oder Prägung vorhanden sind, die ich nicht erwartet habe und irgendwie auch nicht verstehe.

Ja, ich möchte dich gerne etwas besser verstehen, weil es mich reizt, mich mit dir zu unterhalten.

Verstehe ich das richtig, dass mein Nachfragen dich an die „Verhöre“ deiner Mutter erinnert?
Wenn ich bei etwas nachfrage, dann weil es mich interessiert, weil ich besser zu verstehen oder zumindest nachzuvollziehen versuche. Für mich gehört das in einen Dialog dazu, wenn ich nicht verstehe oder nachvollziehen kann, wie soll das Gespräch denn dann weiterlaufen? - „Problemlöserin“, ja das bin ich irgendwie auch und zwar schon gewesen, seit ich denken kann. Mich interessiert nicht das Problem an sich, sondern die Lösungen, die sich anbieten.  Ich wage von mir zu behaupten, dass ich lösungsorientiert bin. Gute, machbare Lösungen zu finden, setzt bei mir positive Energien frei.

Wenn du auf eine meiner Nachfragen keine Antwort weißt oder nicht antworten möchtest, musst du darauf gar nicht antworten.

In manchen deiner Antworten auf meine Frage finde ich mich übrigens selbst wieder.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 19. August 2021, 09:02:12
Moin :)

Ja, Katzen mag ich auch <3 Zu meinem Bedauern hatten wir früher alle möglichen Tiere (Hunde, Meerschweinchen, Mäuse) aber keine Katze/n. Und mit meinem heutigen Wissen scheue ich mittlerweile sogar die Verantwortung für Pflanzen - habe nur einen von mir selbstgemachten Kaktus in Herzform aus Pappmaché in einem selbstbedruckten Blumentopf von meiner Tochter (soviel zu Stehrumscheiss, grins).

Ja, hätte, hätte, Fahradkette. Ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Kindern habe ich tatsächlich nur noch geringfügig. Natürlich war mein Lebensweg und damit auch gezwungenermaßen eine Zeit lang der meiner Kinder bei weitem kein Ponyhof, aber da ziehe ich doch den Vergleich zu meiner Kindheit. Also im Sinne von: Schlimmer geht immer. Liest sich jetzt so entspannt, war aber natürlich ein tiefes, tiefes Trauertal, durch das wir durchmussten...

Und zu den Genen meiner Eltern: Bäääh... Nee... Die will ich nich, die leugne ich bis auf's Messer ;) It's just me <3

Schönen Tag uns allen wünscht ichso - die immer noch gerne Kinder hat, trotz Sch...-Klimawandel und allem. Das tut mir megaleid, was wir Alten da hinterlassen. Aber ich sehe auch die große Lebensfreude, die sich hin- und wieder mal zeigt bei Kindern und EnkelInnen <3

PS: Das hat sich jetzt überschnitten mit AmSee. Huhu, dir auch einen tollen Tag :)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 09:12:36
Huhu, ichso,
dir auch einen tollen Tag.  :blumen2:

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 19. August 2021, 09:20:41
Jetzt will ich doch noch mal kurz ;)

@AmSee: Das las sich gerade spannend, dein letzter Post. Von aussen draufgeguckt hatte ich auch ein wenig den Eindruck der Hilfstherapeutin. Mein Großer sagte mal: Mama, wenn nur eine/r was sagt, kann man das gern mal ignorieren, wenn es aber zwei oder mehr sagen, lohnt es sich vielleicht, genauer hinzuschauen.

Also ich ersetze jetzt mal "Hilfstherapeutin" mit "Helfersyndrom", tatsächlich bei mir auch großes Thema, obwohl ich das jüngste Kind war, und nicht wie üblich davon befallen meist das älteste Kind. Das jüngste ist ja meist der Clown, der bin ich definitiv gewesen. Jetzt im Alter aber ohne rote Pappnase, lächel...

Und das bringt mich zum letzten Teil deines Postings: Ich habe meinen jüngeren Anteilen am Anfang der Erkenntnis auch oft sachlich die Jahreszahl hingehalten. Schnell habe ich es wieder gelassen. Angemessen ist ja nicht so mein Ding. Und ich fühle mich auch viel lebendiger, wenn ich z.B. mit den Hausaufgabenkindern (mal kurz) laut quitsche: OMG! Wie süss ist das denn?? ;)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 09:33:19
Zum Thema „Beratung“ bzw. „psychologische Beratung“:

Ich habe das beruflich tatsächlich eine Weile gemacht und hab diesbezüglich auch eine Ausbildung genossen, aber das war keine Ausbildung zur „Therapeutin“.
Hier im Forum aber mache ich keine „Beratung“ im eigentlichen Sinne. Das ist hier nicht der Ort und das Setting für solche „Beratung“, denn es ist ein Laienforum, in dem Betroffene anderen Betroffenen mit ihren eigenen Erfahrungen und ihren Kenntnissen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben versuchen. Es ist auch nicht meine Aufgabe und meine Rolle hier, solche „Beratung“ anzubieten, wie ich das gelernt habe.

Ich habe im Laufe meiner Ausbildung ganz gut gelernt, Rollen zu trennen. Hier bin ich als selbst Betroffene unterwegs und antworte anderen Betroffenen völlig anders, als ich das als „Beraterin“ täte. Das in der Ausbildung erworbene Wissen nutze ich natürlich für mich selbst und es fließt gewiss auch hier und da mal in meine Antworten mit ein, aber „Beratung“ ist das nicht und auch keine „Hilftstherapie“.



Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 09:46:29
Hallo ichso,
mit dem sogenannten „Helfersyndrom“ beschäftige ich mich auch schon eine Weile. Früher hatte ich das tatsächlich mal, heute treibt mich das eigentlich nicht mehr an.

Was ist eigentlich ein „Helfersyndrom“ und aus welchem Bedürfnis handelt jemand, der ein solches befriedigen muss? - Früher nahm ich Menschen in Not wahr und MUSSTE ihnen einfach „helfen“. Ich fühlte mich für alles und jedes verantwortlich.

Das ist inzwischen vorbei. Ich wende mich Menschen inzwischen nicht mehr zu, weil ich es MUSS, sondern weil‘s mich gerade interessiert, weil ich gerade Zeit habe, weil mir gerade eine Antwort einfällt.
Wenn’s ihnen hilft, gut, dann freue ich mich natürlich für sie, wenn sie nichts mit dem anfangen können, was ich ihnen antworte, auch gut. Das berührt mich nicht mehr besonders, es sei denn ich werde irgendwie angegriffen. Keine Antwort kümmert mich auch nicht mehr so.

Meine Perspektive hat sich geändert. Ich bin tatsächlich endlich auf dem Weg, Selbstwert und Selbstliebe ganz aus mir allein zu schöpfen und nicht mehr aus der Bestätigung und Wertschätzung von Außen. Bis dahin war es ein langer Weg und ich bin da auch längst nicht am Ende. Doch es fühlt sich schon jetzt ziemlich gut an.

Auf dem anderen Weg habe ich versucht, ein Loch zu füllen, was sich nicht füllen lässt. Inzwischen - das habe ich auch Orangina13 so geantwortet, versuche ich nicht mehr, dieses Loch zu füllen. Es ist da, es ist ein Teil von mir und ich bemühe mich, diesen Teil als Teil von mir anzunehmen und entsprechend damit umzugehen.


Liebe Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 09:56:45
Und das bringt mich zum letzten Teil deines Postings: Ich habe meinen jüngeren Anteilen am Anfang der Erkenntnis auch oft sachlich die Jahreszahl hingehalten. Schnell habe ich es wieder gelassen. Angemessen ist ja nicht so mein Ding. Und ich fühle mich auch viel lebendiger, wenn ich z.B. mit den Hausaufgabenkindern (mal kurz) laut quitsche: OMG! Wie süss ist das denn?? ;)

Das mit den Jahreszahlen ist bei mir ganz neu, ich mache seit wenigen Wochen erst meine Erfahrungen damit und es sind bislang recht positive Erfahrungen. Überhaupt ist mir ja erst neu, mit meinen Inneren Anteilen in Dialog zu treten, ja, sie überhaupt erst zu identifizieren und kennenzulernen.

Die „Kleine“, der ich letztens begegnet bin, hatte das ganze Drama erst noch vor sich, fühlte aber aufgrund entsprechender Erfahrungen schon ziemliche Angst und Überforderung. In der geführten Meditation hieß es, ich solle sie mit nach oben nehmen. Zunächst war ich skeptisch, ob das überhaupt richtig ist. Ich hab mich dann darauf eingelassen, wissend, dass ich jederzeit die Kontrolle habe. Und es war eine gute Erfahrung. Die „Kleine“ erfuhr so zwar, dass ihre Ängste berechtigt waren und es sogar noch schlimmer kam, als sie befürchtet hatte, aber das Wissen und der Trost, den sie von meinem „Erwachsenen Ich“ bekam, half ihr und tat ihr irgendwie gut. Sie ist jetzt bei mir und tatsächlich hilft ihr das und damit auch mir.

Viele Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 19. August 2021, 10:03:22
Guten Morgen, Susanne,
da bin ich wieder.

Ich hab den Eindruck, ich muss da mal was klarstellen. Ich antworte dir nicht, weil ich mich als eine Art „Hilfstherapeutin“ sehe - dazu hab ich gestern Abend schon etwas geschrieben - oder gar um ein Thema mit dir zu bearbeiten, sondern ich biete mich sozusagen als Gesprächspartnerin an, weil es mich interessiert, mich mit dir auszutauschen. Die Gespräche mit dir sind mitunter ziemlich interessant und anspruchsvoll, das reizt mich einfach.
Manchmal wird es mir zu viel, wenn ich das Gefühl habe, in einen Schlagabtausch oder eine Verteidigungsposition zu geraten, weil ich eine andere Sprache zu sprechen scheine als mein Gegenüber, bei dem eventuell irgendwelche Verletzungen oder Prägung vorhanden sind, die ich nicht erwartet habe und irgendwie auch nicht verstehe.

Ja, ich möchte dich gerne etwas besser verstehen, weil es mich reizt, mich mit dir zu unterhalten.


ja, man muss die gegenseitigen Erwartungen abklären, sonst gehts nicht. Das war schon immer eine Schwierigkeit bei mir, wenns um Beziehungen geht.
Ich hab nen hochsensiblen Freund (nicht mein Partner), der eine gemeinsame Gesprächsgruppe verlassen hat, weil er sich zu sehr untergebuttert fühlte, und dann suchte er ganz gezielt den Kontakt zu mir. Ich hab ich gefragt, wie er als Hochsensibler mit so einem Brecheisen wie mir klar kommt, aber geht, sogar sehr gut. Weil, sagt er, man das mit mir offen klären kann...und weil er (hochsensibel) merkt, dass ich ihn bei allem Gelaber wahrnehme.

Und dann ist noch die Seite, dass ich das Gefühl habe, Leute müssen auch meine schwierigen Seiten kennen, sonst weiss ich nicht, ob die nicht sowieso gleich die Flucht ergreifen.

Ich bin auch so ein Mensch, ich bin "zu viel", das verbindet mich mit ichso und vielleicht auch mit Dir.

Wenn Du das verstehen willst, dann interessiert es Dich vielleicht auch, dass ich ein absolutes Wunschkind war, aber über das, was ich werden sollte, haben sie sich schon gestritten, da gabs mich noch gar nicht - wir haben dann auch geredet, mein Vater und ich, nachdem ich mit dem Saufen aufgehört hatte. Und die Härte hatte auch etwas alttestamentarisches, wer seine Kinder liebt, der schlägt sie, und dann gabs da noch so Erziehungsratgeber die aus dem dritten Reich stammten.

Abgesehen von ihren eigenen Schwierigkeiten und Baustellen auch im wörtlichen Sinn kam dann da so ein Monster, eine richtige Intelligenzbestie. Als es an den Übergang von Grundschule zur weiterführenden ging, also in diesem Jahr, geschahen mehrere Dinge.
Mein Vater erklärte mir, das er meine Erziehung beendet, weil er mir nicht gewachsen war. Er hatte Angst vor mir, und das will was heissen. Aber irgendwas muss ja auch noch gewesen sein, sonst hätte er mir am Ende nicht definitiv die Entscheidung über sein Leben überlassen.
Meine Mutter erklärte mir, dass sie mir nicht helfen kann, weil sie meinen geistigen Höhenflügen nicht mehr folgen konnte.
Meine Klassenlehrerin erklärte meiner Mutter, dass ich die inteligenteste Schülerin der ganzen Schule sei und dass man mir von daher unbedingt dieb Möglichkeit verschaffen musste, an eine Universität zu gelangen. Mein Vater war Handwerksmeister, da war das damals nicht selbstverständlich.
Diese Intelligenzeinschätzung blieb mir, Du kannst Dir nicht vorstellen, oder vielleicht doch, wie oft ich das schon gehört habe, und wie oft man mir das sogar schon zum Vorwurf gemacht hat. Ich wollte mich schon mal blöd saufen, damit das aufhört.

Ich bin nämlich nach dieser Erklärung, dass ich mich wegen meiner gar so wahnwitzigen Inteligenz nur selbst erziehen kann, in eine absolute Überforderungssituation hineingelaufen. Ich war nämlich nicht in der Lage, mich in reinen Lernfächern hinzusetzen und zu büffeln, während mir in Verständnisfächern das Ganze nur so zuflog. Lach...Ingenieurphysik, das Aussiebfach, ich morgens ein Joint, und dann hingeschrieben, das ich nicht gelernt hatte. Aber wenn ichs wüsste, dan würde ich den und den Lösungsweg gehen. Passt, 1.

Und so Manipulationsversuche, von denen Britt alpträumt, verfingen bei mir einfach nicht. Die Art und Weise, wie ich das  Abi gemacht habe, gingen bis ins Kultusministerium unseres Bundeslandes, denn ich habe einfach gemacht, was ich wollte. Mich konnte niemand bremsen. Die armen Lehrer, kann nich nur sagen. Aber auch da war es so, weil ich eben so eine geistige Überfliegerin war, gab es da welche, die dafür gekämpft haben, das mir niemand den Weg verbaut..und die mir unter der Hand die Tipps ggaben, wie ich das machen kann.

Tja, und in den Wirrren des Erwachsenwerdens war ich auch überfordert und hilflos. Grade so Beziehungsanbahnung, vor mir hatten ja gleich alle Angst. Als da in mir so Gefühle aufstiegen, da wusste ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen sollte. Da hilft nämlich die Genialität nix, da bräuchte man Instinkte. Aber jeder dachte ja, ich bin so intelligent, das muss ich doch wissen. Wie ja überhaupt immer ich alles wissen musste. Dabei wusste aber niemand so genau wie ich, das ich eben doch nicht alles weiss.

Ich muss mich heute definitiv kurz fassen...es ist nämlich genau das Problem, dass ich mich nicht einfach laufen lassen kann, sondern die Leitplanken selbst einziehen muss, die mir sonst niemand eingezogen hat. Ich will aber auch an anderer Stelle sehen, das ich was geschafft habe.

Bis dann, Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Britt am 19. August 2021, 10:11:20
Moin Susanne,
Zitat
Und so Manipulationsversuche, von denen Britt alpträumt, verfingen bei mir einfach nicht.

Diesen Satz verstehe ich nicht, wie meinst du das?

LG Britt

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 19. August 2021, 10:18:31
@AmSee: Liest sich, als ob du das nicht nur schreibst, sondern tatsächlich auch lebst :) Dann habe ich mich wohl geirrt. Mit dem "helfen müssen" bin ich gottseidank auch durch, aber ich mache es immer noch gern innerhalb meiner krankheisbedingten Grenzen, da allem voran mein notoperiertes Herz. Meine Psyche kann ich immer noch bissi beschwatzen, aber mein Herz gibt ganz klare Ansagen in Form von Atemnot, schweren Beinen und so.

Und auch die Dunkelheit in mir, die ich nicht zu füllen vermochte, ist mir eine vertraute Gefährtin geworden... Huhu, Orangina, lieben Gruß an dieser Stelle an dich :)

ichso - die jetzt wieder über die halbfertige Klorollenhaube herfällt, damit sie auch fertig ist, wenn ich Karlchen holen darf, lächel...

PS: Und wieder schnellere Postings ;) An Susanne: Ist mir auch megawichtig, dass werauchimmer erstmal meine A rschlochseite aushalten kann, sonst ist die ganze Beziehung in welcher Form auch immer in meinem Kopf sinnfrei. Und bin gerade leicht neidisch auf deine Klugheit, obwohl dir das auch manchmal eine Last war... Und für AmSee: Bestimmt wird dein Leben bunter mit Klein und Groß <3 War für mich eine absolut erfreuliche Bereicherung :) Und last but not least: Freundliches Huhu an britt :)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 19. August 2021, 10:34:52
Moin Britt, ich hab immer sofort dahintergeguckt (doch instinktiv), wenn es um Machtverhältnisse ging und wenn mir nicht wegen mir selbst geholfen werden sollte, sondern darum mich an irgendwas anzupassen, was den Interessen Anderer diente. Oder wenn mir jemand was verkaufen wolte, was ich nicht wollte etc. Lehrer, die einfach  nur wegen der Durchsetzung ihrer Autorität was wollten, aber mich nicht überzeugen konnten, keine Chance bei mir. Und diese ganzen Manipulationsdiskussionen habe ich eben da in den Verhören meiner Mutter und auch dann in diesem Jugendverein bereits geführt, und da war immer ich die, die vorn dran war.

Das führte aber auch dazu, das meine Einsamkeit immer größer wurde,  denn es bleibt ja niemand überig, wenn Du jede Diskussion so lange führst, bis Du gewinnst. Dann hast Du doch verloren.
Und bei mir fingen die Überlegungen, dass ich auf Leute mehr zugehen muss (und die Manipulierbarkeit, also auch meine eigene als grundsätzliche Eigenschaft des sozialen Wesens Mensch akzeptieren muss) und es den Leuten nicht so übelnehmen sollte, wenn sich mich zu etwas bewegen wollten (krankhafter Individualismus meinerseits) eigentlich grade aus der gegensätzlichen Ecke an wie bei Dir. Aber grade mangels Übung - ich hab darauf ja nie Rücksicht genommen, denn wenn keiner mehr da war, Schnaps gabs immer - war ich da sehr verunsichert, und mit meinem nüchtern erst gespürten Bedarf an Menschen musste ich auch erst umgehen lernen.
(Informatik, da war mein erklärter Wunsch noch, dass ich den Rest meines Lebens nur noch mit Computern reden muss, Leute waren mir zu kompliziert. Geistig asozial, der Computer beschwert sich nicht)

Aber jetzt ist bei mir für heute hier endgültig Schluss. Bei mir ist immer auch, man muss das Eisen schmieden, so lange es heiss ist, und Kundenerwartungen gehen heute auch in Richtung "sofort oder am Besten, heute beauftragt, vorgestern schon fertig", ich bin das überhaupt nicht gewöhnt, dass man in der Kommunikation auch mal was liegen lassen kann. Und über nichts wird so gemosert, wie wenn nicht gleich die Antwort kommt.
Doch manipuliert, vorauseilender Gehorsam. Aus Angst, die alten Fehler zu wiederholen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Britt am 19. August 2021, 10:55:15
Zitat
....und die Manipulierbarkeit, also auch meine eigene als grundsätzliche Eigenschaft des sozialen Wesens Mensch akzeptieren muss und es den Leuten nicht so übelnehmen sollte, wenn sich mich zu etwas bewegen wollten..

Jo, mit diesem Satz hat du den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich behaupte mal, kein Mensche tut etwas ohne Berechnung und ohne Motiv.
Aber ist das alles Manipulation? (Ich merke gerade, dass ich mit dieser einfachen Frage manipuliere...)

Viel Erfolg beim Eisen schmieden!
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 19. August 2021, 11:09:26
Das ist inzwischen vorbei. Ich wende mich Menschen inzwischen nicht mehr zu, weil ich es MUSS, sondern weil‘s mich gerade interessiert, weil ich gerade Zeit habe, weil mir gerade eine Antwort einfällt.
Wenn’s ihnen hilft, gut, dann freue ich mich natürlich für sie, wenn sie nichts mit dem anfangen können, was ich ihnen antworte, auch gut. Das berührt mich nicht mehr besonders, es sei denn ich werde irgendwie angegriffen. Keine Antwort kümmert mich auch nicht mehr so.

ach doch noch übrigens, Lach.
diesen Satz hast Du bei mir abgeschrieben, ich habe ihn vor ca. 15 Jahren geschrieben. Da war ich mir selbst gegenüber noch nicht so sensibel. Heute weiss ich, ich brauch Leute, sonst gehts mir nicht gut. Und ich suche mir gezielt Leute, von denen auch was zurückkommt.

Und ich wende ihn jetzt auf Dich an.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 11:29:37
Na, hier ist ja wieder was los. Grins.
@ichso , Danke für deine Einschätzung. Ja, so fühlt es sich bei mir auch an. Tatsächlich „ich“ zu sein, bei mir zu sein, authentisch ist zu sein, ist mir sehr, sehr wichtig. Anders würde ich‘s nicht haben wollen und auch nicht aushalten. Wenn ich nicht hinter dem stehen würde, was ich schreibe, könnte ich nicht schreiben. Ich muss etwas erst rational und emotional begriffen haben, bevor ich mich äußere.

@Susanne
Und wieder ist’s interessant, dich zu lesen. Hab bei nicht wenig, was du geschrieben hast, zustimmend genickt, nach dem Motto, kenne ich oder sehe ich auch so.
Im Gegensatz zu dir habe ich viel Zeit, die ich füllen darf, wie’s mir gerade beliebt.
Interessante Gespräche reizen mich eigentlich immer, es sei denn... naja, muss ich nicht näher ausführen.

Eine solche Intelligenz-Bestie wie du war ich als Schülerin nicht oder zumindest trat ich nicht als solche in Erscheinung. Intelligent zweifellos, vielfältig begabt, viel zu „erwachsen“ für mein Alter, aber in der Schule eher still und bemüht darum, nicht aufzufallen.

Ein Lehrer meinte mal sinngemäß zu mir, „Aus dir wird mal was ganz Großes.“ Hat mich lange Zeit beschäftigt, was ich denn werden sollte, um solchen Ansprüchen zu genügen. Hab sogar mal mit einer Klassenkameradin darüber diskutiert, was ich denn tun könnte, um einem solchen Anspruch zu genügen.
Hat mich letztlich belastet, diese Anerkennung meines Lehrers, und auch überfordert. Hätte ich Botschafterin für die Bundesrepublik Deutschland werden sollen?

Leichter gemacht hat es mir gewiss keiner meiner Lehrer. Obwohl sie teilweise wussten, was bei mir zuhause abging - dass z.B. mein Vater gestorben ist und ich danach nicht mehr zuhause wohnte und noch ein paar Mal umzog, haben sie gewiss mitgekriegt, es waren ja sogar Mitschüler und ein Lehrer von mir bei der Beerdigung - hat mich bis auf meinen alten Lateinlehrer niemals irgendjemand angesprochen, niemand mir Hilfe oder Unterstützung angeboten. Und ich wiederum bin auch nicht auf die Idee gekommen, mal jemand in meiner Schule anzusprechen.

Ich musste dann nach der Schule einen anderen Weg gehen und habe ein Studium gewählt, um meine eigenen Fragen zu beantworten und um einer „Lehre“, die man mir in den Kopf gepflanzt hatte, von der ich aber das Gefühl hatte, dass daran etwas wesentlich und existentiell falsch ist, etwas entgegenzusetzen. Aus diesem Studium ergab sich dann ein Beruf, der gewiss nicht verkehrt war und den ich auch richtig gut gemacht habe, der mir aber erstens nicht die Berühmtheit verschaffte, die dem entsprach, was mein Lehrer mal über mich gesagt hatte, und der letztlich so gestaltet war, dass ich mit meinen Ansprüchen an mich selbst und meinen Prägungen, ausbrennen und kaputt gehen musste.


Ich gehöre auch zu den sogenannten hochsensiblen Menschen, war mir dessen aber, bis ich schließlich richtig krank wurde, nicht bewusst, und ich bin auch so ein „zu viel“. Ich bin bunt, ziemlich bunt. Das ist mitunter eine ziemliche Herausforderung, doch inzwischen akzeptiere ich das und lerne beständig hinzu, damit besser umzugehen. Es zu wissen, hilft mir, wenn ich nicht so bunten oder aber ebenso bunten Menschen begegne. Es zu wissen, hilft mir, besser auf mich und meine Bedürfnisse und Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Ich verzweifle nicht mehr, wenn das „Fass“ mal wieder zu voll geworden ist, zwinge mich nicht mehr zu irgendetwas, wenn das „Fass“ gerade voll ist, bemühe mich grundsätzlich darum, das dass „Fass“ nicht mehr so voll wird und überläuft.

Tja, und in den Wirrren des Erwachsenwerdens war ich auch überfordert und hilflos. Grade so Beziehungsanbahnung, vor mir hatten ja gleich alle Angst. Als da in mir so Gefühle aufstiegen, da wusste ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen sollte. Da hilft nämlich die Genialität nix, da bräuchte man Instinkte. Aber jeder dachte ja, ich bin so intelligent, das muss ich doch wissen. Wie ja überhaupt immer ich alles wissen musste. Dabei wusste aber niemand so genau wie ich, das ich eben doch nicht alles weiss.

Oh ja, kommt mir ziiiieeemlich bekannt vor. Eine Frau, bei der ich kurze Zeit wohnte, verlangte da von mir mal eine Antwort, als ich zum ersten Mal in meinem Leben verliebt war. Mann, was war ich da überfordert! Was und wie hätte ich darauf antworten sollen? Dummerweise hatte ich mich auch noch in jemand verliebt, der 17 Jahre älter war als ich und er sich merkwürdigerweise auch. Ich war 15 Jahre alt damals....
Ich konnte doch grundsätzlich nicht mit Gefühlen umgehen, Gefühle waren gefährlich, Gefühle wurden verdrängt, allein im Verstand suchte ich meinen Halt. Und dann verliebe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben und dann auch nicht in einen Gleichaltrigen, sondern einen erwachsenen Mann. Ich wusste doch gar nicht, wie mir geschah, geschweige denn, wie ich damit umgehen sollte.
Ich blieb damals allein mit meinem Problem. Da war niemand, mit dem ich darüber reden konnte. Der Jugend-Therapeut, zu dem man mich damals zwang, hinzugehen, sagte nur: „Dieser Mann ist zu alt für dich, such dir gleichaltrige Freunde.“ - Na toll, Danke für diesen Hinweis. Wusste ich damals schon, dass ein Mann, der 17 Jahre älter ist als ich, eigentlich zu alt für mich ist und in seiner Entwicklung und Lebenserfahrung mir weit voraus. Händchen halten war für mich das höchste, zu dem ich in der Lage war, und er träumte schon von Sex.... Hilfe! - Es ist auch nie dazu gekommen. Als ich ins Heim umzog, lernte ich endlich wirklich Gleichaltrige kennen und die nahmen mich unter ihre Fittiche. Von ihnen habe ich unendlich viel gelernt, für das ich ihnen noch heute dankbar bin, allerdings auch den ungesunden Umgang mit Alkohol.

Mir war eigentlich immer bewusst, dass ich nicht alles weiß. Sokrates‘ Spruch „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ begleitet mich schon mein ganzes Leben.


Viele Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 11:33:05
Moin Britt, ich hab immer sofort dahintergeguckt (doch instinktiv), wenn es um Machtverhältnisse ging und wenn mir nicht wegen mir selbst geholfen werden sollte, sondern darum mich an irgendwas anzupassen, was den Interessen Anderer diente. Oder wenn mir jemand was verkaufen wolte, was ich nicht wollte etc. Lehrer, die einfach  nur wegen der Durchsetzung ihrer Autorität was wollten, aber mich nicht überzeugen konnten, keine Chance bei mir. Und diese ganzen Manipulationsdiskussionen habe ich eben da in den Verhören meiner Mutter und auch dann in diesem Jugendverein bereits geführt, und da war immer ich die, die vorn dran war.

Auch da kommt mir was bekannt vor....
Wenn ich von etwas nicht überzeugt war oder überzeugt werden konnte, hatte das auch bei mir keine Chance.

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 11:35:07
ach doch noch übrigens, Lach.
diesen Satz hast Du bei mir abgeschrieben, ich habe ihn vor ca. 15 Jahren geschrieben.

Lach, nicht dass ich wüsste...
Weiß gar nicht, ob ich deine Beiträge von vor ca. 15 Jahren überhaupt gelesen habe...
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 11:41:39
... ich bin das überhaupt nicht gewöhnt, dass man in der Kommunikation auch mal was liegen lassen kann. Und über nichts wird so gemosert, wie wenn nicht gleich die Antwort kommt.

Das sollte hier aber anders sein.
Auch, wenn ich zum Beispiel ziemlich schnell antworte, erwarte ich überhaupt nicht, dass mein Gegenüber gleich antwortet. Es sei denn, ich kenne das so von ihm oder ihr, dann kommt es vor, dass ich mal nachfrage, weil ich verstehen möchte.

Mach also ganz so, wie es dir grad passt. Hier läuft nix weg...
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 19. August 2021, 19:11:53
Bei Neulingen sollte man glaube nicht so lange warten. Ich weiss noch, in der Suchtberatung hatte sie wohl aus Erfahrung die Sorge, das so ein Entschluss nicht lange hält, wenn man nicht sofort reagiert. "Halten Sie denn bis morgen durch?" - dann kanns oft schon vorbei sein.
Ob dieses Forum hier überhaupt diesen Zweck erfüllen kann und sollte, stelle ich als Frage einfach mal so in den Raum, da ist das Andere vielleicht geeigneter, und ich sollte natürlich drüber schlafen können, klar. Das Problem ist, wenn man die Verantwortung völlig beim Andernen lässt, dann kann der ja auch in den Wald gehen, dazu sucht man sich im Normalfall ja keine Hilfe. Also das reine "Dein Problem" ist es nie. Man sagt ja den Leuten, dass sie Hilfe suchen sollen, und wenn sie schon wo fragen, so auf dem Zahnfleisch, dann wollen - und können -  sie ja nicht erst ne Odysee machen.

Kennst Du eigentlich das Sponsorentum bei AA? Das ist so eine Art Beelterung, wenn ich mir überlege, wie sich das Bild bei mir anfühlt. Ab nem gewissen Alter ist die Verantwortung ja auch als Entwicklungsstufe völlig normal. Vielleicht auch ab ner gewissen Trockenzeit oder Reifegrad, das war ja auch noch mal eine Art Emanzipation, ein Ablösungsprozess, eine Art zweites Erwachsenwerden.

Ich bin immer noch mit ca. 30 Langzeittrockenen aus meinem früheren Werdegang bei FB befreundet. Die seh ich täglich. Und da gabs tatsächlich welche, die mich drum gebeten haben, diese Rolle zu übernehmen. Ich hab sie auch übernommen, ich darf mich Trockenpatentante nennen, und damit hab ich sogar ne Art Enkel, die nicht als EKAs aufwachsen. Ich hab da Spuren hinterlassen, das weiss ich.
Bilder sind mächtig, Museum...

Das ist auch eine Selbsterkenntnis. Die ich dieser Diskussion hier zu verdanken habe.
Bei mir fühlt sich das stimmig an, wenn ich es auf mich wirken lasse. Oder hört sich das arg schräg an?
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 19. August 2021, 20:22:21
Jetzt haste inzwischen den letzten Post gelöscht, wo ich gerade schreiben wollte: Frage für einen Freund ist einer meiner Lieblingswitze, grins...

Und was genau hört sich evtl. schräg an?

Zu Patenschaft kann ich berichten: Ich habe es nicht geschafft. Hatte über die Suchthilfe einen Einsatz bei einer jungen drogenabhängigen Mutter, das Kind war sieben. Beim ersten Treffen hatte ich drei Bilder als Kollage mit: Ich abgemagert in Rockerklamotten (THC), total verfettet (94 kg bei knapp 1,60m Alk) und mein 10Jahre-Suchtfrei-Bild vom Fotograf. Ich finde, Bilder sagen manchmal mehr als Worte. Sowieso hatte die zuständige Sozialarbeiterin nur eine halbe Stunde Zeit, das Kind war während des Gespräches im Spielzimmer der Suchthilfe. Ich packe also die Kollage auf den Tisch, denn ich wollte der Mutter zeigen, dass ich kein Theoretiker bin. Da sagte die Sozialarbeiterin: Aber es geht doch hier überhaupt nicht um Sucht! Hä??? Die wollten auf Pampers-Art einen Fuß in die Tür stellen wegen dem Kind. Ich habe das dann paar Wochen gemacht wegen dem Kind. Die Kleine war übersexualisiert und zeigte das mir gegenüber deutlich. Was wiederum mich triggerte. Zumal ich auch nicht der Typ Mensch bin, der gut süchtige Elternteile pampern kann - ich finde klare Worte effizienter.

Freue mich deshalb sehr, dass dir das gut gelungen ist :) Schlag dir bitte ab und zu auch mal auf die Schulter, danke <3
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 19. August 2021, 20:41:27
Zitat
....und die Manipulierbarkeit, also auch meine eigene als grundsätzliche Eigenschaft des sozialen Wesens Mensch akzeptieren muss und es den Leuten nicht so übelnehmen sollte, wenn sich mich zu etwas bewegen wollten..

Jo, mit diesem Satz hat du den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich behaupte mal, kein Mensche tut etwas ohne Berechnung und ohne Motiv.
Aber ist das alles Manipulation? (Ich merke gerade, dass ich mit dieser einfachen Frage manipuliere...)

Viel Erfolg beim Eisen schmieden!

Watzlawik,"man kann nicht nicht kommunizieren." Ich muss nur über die Straße laufen, an jedem Zebrastreifen halten die Autos automatisch an. Wirkung. Und Absicht, aber keine Manipulation in den Sinn. Ich denke..so mein Verständnis, dass zu Manipulation versteckte Absichten gehören, die einer für sich behalten möchte. Oder "das Wort in den Mund legen" (oder verdrehen), damit der andere gar nicht erst nachdenkt oder am Ende nicht mehr weiss, was er meinte. Und ich glaube, manipulatives Verhalten kann ein erlernter Stil sein, der im Laufenden, also während der aktion, gar nicht bewusst werden musss, keine böseabicht, sondern automatisiertes Verhalten.

Wenn ich mich selbst beobachte, ich denke im lebendigen Gespräch definitiv nicht über jeden Satz nach, und auch meine Motivationen sind mir nicht immer bewusst. Da gibts sogar umfangreiche Untersuchungen, dass das Gehirn oft erst Handlungen ausführt, die sich das Bewusstsein anschliesend zu erklären versucht. Und das die sogenannte Wirklichkeit ein Konstrukt das Gehirns ist, aber die Handlungen oft sogar vor dem Bewusstwerden ausgeführt werden.

Da ist ja auch das Ding, erst tief durchatmen, bevor man das Telefon abnimmt, um bewusst anwesend zu sein. Da ist man weniger manipulierbar. Aber natürlich trotzdem, wir hatten neulich ein Opfer einer Abart des Enkeltricks, das war schon überaus perfide gemacht. Und das ist natürlich Manipulation.

Das ist jetzt mein Diskussionsbeitrag.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 19. August 2021, 20:47:47
Jetzt haste inzwischen den letzten Post gelöscht, wo ich gerade schreiben wollte: Frage für einen Freund ist einer meiner Lieblingswitze, grins...

ich dachte, jetzt wirds vielleicht doch zu unterirdisch. Habe statt dessen bei FB die Möglichkeit genutzt, einen billigen Witz für einen schnellen Lacher zu produzieren. Ansonsten...Hose wechseln.
 

Und was genau hört sich evtl. schräg an?

die Frage von mir, ob dieses Bild nachvollziehbar ist oder ob das meine spezielle Einbildung (ist ja ne Einbildung, ein inneres Bild) ist, die ich nicht zur Verständigung nutzen kann.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 19. August 2021, 20:55:44
Ich konnte es nachvollziehen.

Aber unterirdisch und Hose wechseln hat mich schwer getroffen ;)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 19. August 2021, 21:02:30
Aber unterirdisch und Hose wechseln hat mich schwer getroffen ;)

was hast Du für Probleme, wenn ich Regenwurm spiele?
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 19. August 2021, 21:15:54
Jetzt stehe ich auf dem Schlauch. Dachte, es geht um schlechte Witze machen, die ich lustig finde. Also mehr so'n kurzes Rumgeplänkel in harmloser Form.

Das Regenwurmspiel ist mir unbekannt. Sind wir noch beim Witze machen oder geht es um etwas ganz anderes?
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 19. August 2021, 21:22:52

Oder hört sich das arg schräg an?

Nur kurz (kann heute Abend nicht mehr. Heute wäre meine Mutter 75 Jahre alt geworden, es ging mir nicht gut heute, hab meinen besten Freund besucht, das hat mir gut getan, aber ich bin nun auch geschafft für heute.):

Nein, hört sich für mich überhaupt nicht schräg an.
Freut mich, dass das „Museum“ auch bei dir gut angekommen ist.

LG AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 19. August 2021, 21:26:50
Jetzt stehe ich auf dem Schlauch. Dachte, es geht um schlechte Witze machen, die ich lustig finde. Also mehr so'n kurzes Rumgeplänkel in harmloser Form.

Das Regenwurmspiel ist mir unbekannt. Sind wir noch beim Witze machen oder geht es um etwas ganz anderes?

waren schon Witze, aber manchmal weiss ich nicht, ab wanns den anderen verletzt. Jeder hat da andere Grenzen. Dann schon lieber unwitzig, bevors falsch abbiegt..das Gepräch als Ganzes.

Ansonsten, gute Nacht allerseits.

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 20. August 2021, 07:27:46

Oder hört sich das arg schräg an?

Nur kurz (kann heute Abend nicht mehr. Heute wäre meine Mutter 75 Jahre alt geworden, es ging mir nicht gut heute, hab meinen besten Freund besucht, das hat mir gut getan, aber ich bin nun auch geschafft für heute.):

Guten Morgen AmSee,

gestern war ich schon am runterfahren, aber ich möchte Dir wenigstens mitteilen dass ich es wahrgenommen habe.

Ich glaube aber, ich gehe völlig anders als Du damit um, der schmerzhafte Verlust war viel früher. Was mich an seinem Verlust getroffen hatte, fand schon sehr viele Jahre früher statt. Um seinen Tod herum war das Friedensgefühl, Liebe, dass wir uns noch mal näherkamen, das stärkste Gefühl, runtergezogen hat mich da ausser dem Stress mit dem Drumherum von der ganzen Organisation eigentlich nichts (mehr), runterziehen im Sinn von echten Schmerzen war schon lange vorbei. Hätte er wohl auch nicht wollen, aufgelöste Angehörige an seinem Grab. Sterben, irgendwie ein stocknüchterner Vorgang für mich, Verluste eigentlich nur bei Leuten oder Lebewesen die in meinen täglichen Alltag integriert sind. Auch Trauer um ein Stück von meinem Leben, das jetzt unwiderruflich vorbei ist. Aber das wars ja schon lange...sicher denk ich über ihn nach, aber auf anderer Ebene. Wie es bei meiner Mutter wird, vermutlich ähnlich.

Da war bei mir das Loslassen in Liebe gar kein Problem, fällt mir grade auf, weil wir das Thema erst hatten.

Ich hab mir das tatsächlich, weil ichs gestern noch im Augenwinkel gesehen hatte, durch den Kopf gehen lassen, wie es mir ging und wie ich da auf Dich zugehen kann. Ich kenn bei mir in der Familie tatsächlich niemanden, den ich schon mal so wirklich in Trauer gesehen habe, wenn ich mir das grade mal vor Augen rufe. Also muss ich in vorauseilendem Gehorsam schon mal um Verzeihung bitten, wenn ich jetzt ein Trampel war, ich hab keine Ahnung wie bei Dir damit umgehen. Denn bei mir ist das emotional ein ganz normaler Tag, fast, bisschen stille Andacht.

Hast Du noch ungelöste Probleme mit ihr, offene Rechnungen, Schuldgefühle, hätt ich doch?
Führst Du innere Dialoge oder Streitgespäche mit ihr? Stellst Du Dir vor, wo sie jetzt ist?  Körperlich, seelisch?
Brauchst Du ne virtuelle Umärmelung, ist es übergriffig, und schon sind wir wieder bei  ich weiss, dass ich nichts weiss.

Könnte man an dem Tag mit Dir Witze reissen? Bei mir wäre das nämlich gar kein Problem, war eigentlich ein total passender Zufall wie das gestern abend hier am Schluss lief.

Du gibst mit Deinen Fragen dem Gegenüber Gelegenheit zum reden, ohne Druck, wie ich das sinngemäss verstanden habe, dann weisst Du, wie das hier gemeint ist.
Da würde ich Dich auch besser kennenlernen.

Gruß Susanne

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 20. August 2021, 08:15:16
Guten Morgen Susanne
Auch wenn diese Nachricht von dir an AmSee ging ,so möchte ich etwas dazu sagen.
Deine Zeilen zum Thema Verlust ,Trauer und dem Stress "Drumherum"...haben mich angesprochen.
Deine Einstellung und dein Umgang dazu leuchtet mir ein.
Mein Vater hatte vor mehreren Jahren eine Sepsis, es folgten Koma und weitere unzählige Krankenhausaufenthalte,weitere Operationen.
Seitdem ist er gehbehindert, hat weitere Krankheiten,die ihn pflegebedürftig machten.
Ich war damals bereit ,ihn gehen zu lassen und hatte eine innere Ruhe diesbezüglich, als er im Koma lag.
Meine Mutter ,mein Bruder und auch die anderen Verwandten waren im Dauerdrama und hatten Panik,dass er stirbt. Ich kam mir damals kalt vor ,aber ich merkte auch ,wie gut es mir tat ,dazu eine gewisse Distanz aber auch Annahme oder Akzeptanz gespürt zu haben.
Ich äußerte mich damals nie zu meinen Gedanken ,aus Angst alle anderen vor den Kopf zu stoßen.

Aktuell gibt es wieder Krankheitsgeschichten in der Familie ,diese drehen sich neben meinem Vater um meinen Bruder.
Gestern Abend rief meine Mutter wieder sehr aufgelöst an.
Was mich derart mürbe macht ,ist das "drumherum" von dem du berichtest, dieses permanente in Beschuss sein ,das Organisieren und was dazu gehört.

Meine Mutter erlebe ich immer in Sorge ,immer aufgelöst.
Ich wandle mich in diesen Augenblicken zu ihrer starken Beraterin,die ich dann auch tatsächlich bin ,obwohl es mir nicht gut tut und ich parallel dazu eine massive Wut wahrnehme auf meine Familienstruktur,die sehr verschoben ist.
Ich fühle mich gefangen in diesem Netz der Krankheitsgeschichten und fühle mich dem oft nicht gewachsen.
Das drumherum ist für mich eine Belastung.
Das ist eine große Herausforderung für mich ,zu dem ,was mir selbst gerade widerfährt und ich eh das Gefühl habe ,mit sehr vielen Fragen mich betreffend umgehen zu lernen und zu müssen.

Dennoch fand ich gestern einen guten Ausstieg aus diesem unguten Familiensystem.
Ich atmete und konzentrierte mich darauf und schickte mir liebende Güte.
Auch Ihnen hab ich es geschickt...und denjenigen,die es brauchen können...
Möge xy frei von Ängsten sein...
Möge ich ruhig werden...

Klingt verrückt,aber es hat funktioniert und ich konnte gut schlafen ,was für mich in solchen Drumherumsituationen meist nicht funktioniert.

Gruß Orangina13
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 20. August 2021, 08:20:58
Hallo Orangina,

das ist schon mal gut, denn ich nehme Dich hier auch durchaus wahr, hab jetzt aber oft nicht direkt was dazu zu sagen. Ehrlich gesagt will ich mich auch nicht in jedem Thema verzetteln, ich gucke grad schon wieder kritisch drauf, wie lange ich noch in dem Stil weiter machen kann. Aber Du hast mir ja mal geschrieben, dass Du das auch liest.

Schön, dass Du da bist und etwas Positives gefunden hast.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 20. August 2021, 08:21:28
Und eigentlich ist es eher meine Mutter ,die mich mit ihrer Art stresst. Sie ist immer die Zentrale ,um die sich alles dreht.
Ist jemand in der Klinik, dann geht es eigentlich eher nur um ihren Stress den sie hat ,um ihre Sorgen ,um ihre Ängste ,in denen sie nach ihren Kindern (vorwiegend mich ) greift und ich erlebe sie aufgelöst am Telefon.
Das ist einerseits verständlich, aber in diesen Situationen rollt sich meine ganze Erinnerung auf ,die ich damals in meiner Herkunftsfamilie hatte...dieses ewige Dauerdrama, in dem ich nie Luft hatte und nie Platz hatte für mich und mein Eigenes.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 20. August 2021, 08:26:12
Hallo Susanne.
Das mit dem Verzetteln...
Ich selbst muss auch darauf achten ,dass es nicht zu viel wird.
Aktuell tut es mir gut,hier zu sein und zu lesen.
Ich weiß aber ,dass auch irgendwann der Punkt kommt, um wieder auszusteigen.
Orangina13

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 20. August 2021, 08:41:08
Ich atmete und konzentrierte mich darauf und schickte mir liebende Güte.
Auch Ihnen hab ich es geschickt...und denjenigen,die es brauchen können...
Möge xy frei von Ängsten sein...
Möge ich ruhig werden...

ooh ja. So was ähnliches hab ich mir überlegt, hier auch zu erzählen, weil genau das, natürlich jedem sein inneres Bild...danke, das Du mir die Arbeit abgenommen hast.
Ich hab meinen Vater seiner letzten großen Liebe überlassen, die 15 Jahre vor ihm gestorben war, die ich nicht kannte, weil er strikt auf Trennung geachtet hatte (nie drüber gesprochen, aber ich tippe, er hatte Angst, dass es meine Mutter mitkriegt)..aber ich habe ihre Liebesbriefe und Bilder gefunden, sie darf ihn haben.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 20. August 2021, 08:58:26
Moin.

Als mein Vater damals starb (ich war 28) haben wir das nur mitbekommen, weil das dortige Amtsgericht seine Erben suchte. Sein Saufkumpan hatte den Stuhl, Tisch und kleinen Fernseher ausgeschlagen, weil er total verschuldet war. Eine Kopie des handgeschriebenen Testaments hatte ich ein paar Jahre bei mir abgeheftet, dann gab ich es meiner Schwester.

Das "Drama machen" kenne ich auch von meiner Mutter. Das hat mich so geprägt, dass ich alles allein regel, und wenn die Kinder Hilfe anbieten, sage ich immer: Da bin ich noch zu jung für. Sowieso will ich ins Heim, wenn es nicht mehr allein geht. Ich wollte schon mit 13 ins Heim, durfte natürlich nicht (Was sollen denn die Leute denken???). Will niemanden zur Last fallen. Und durch die Kontakte mit anderen Behinderten weiß ich, dass das auch was Gutes sein kann, mit anderen älteren Behinderten in einem Haus zu wohnen.

Naja, laberrhabarber... Ich merke auch, daß ich wieder deutlich länger hier auf dem Handy rumdrücke, weil es so gut tut, eure Beiträge zu lesen. Aber ich will mich nicht mehr abmelden. Ich kann Flugmodus, grins...

Fühlt euch lieb geärmelt <3

ichso - der gestern beim Schultüten basteln wieder eingefallen ist, was sie gottseidank schon alles hinter sich hat, lächel...
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 09:02:45
Guten Morgen, Susanne,
ich bin sehr gerührt von deiner Antwort und ich danke dir, dass du dir darüber Gedanken gemacht hast und sie mir mitteilst. Und wieder bietet sich ein interessantes Gespräch an. Lächel.

Du gibst mit Deinen Fragen dem Gegenüber Gelegenheit zum reden, ohne Druck, wie ich das sinngemäss verstanden habe, dann weisst Du, wie das hier gemeint ist.

So habe ich das gemeint, ja. Und ich denke zu wissen, wie deine Antwort gemeint ist, und nehme den Dialog gerne auf.

Zitat
Könnte man an dem Tag mit Dir Witze reissen?

Ja, klar, auch wenn ich traurig bin, geht das Leben doch irgendwie weiter, warum also nicht auch über einer guten Witz lachen?

Bei mir war das mit der Familie anders, als du das bei dir erlebt hast. Ich erzähle mal ein bisschen von mir. Ich hatte ja nach dem Tod meines Vaters meine Familie verlassen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich dort nicht überleben würde. So wohnte ich erst bei einer anderen Frau und bin schließlich in ein Heim für Jugendliche umgezogen, die nicht mehr in ihrer Familie wohnen konnten. In der Zeit hatte ich so gut wie keinen Kontakt nach Hause.
Zum Abitur hin und erst recht zu Beginn meines Studiums näherten wir uns wieder einander an und es wurde ein recht gutes Verhältnis. Etwas schwieriger wurde es wieder, als meine Mutter an Depressionen erkrankte. Ich übernahm da teilweise auch wieder die Rolle der Verantwortung, sorgte dafür, dass sie in eine Klinik ging, informierte mich über mögliche Medikamente und so weiter. Lernte aber irgendwann, meine Mutter einfach machen zu lassen. Wir haben viele, viele gute Gespräche geführt und sie war, wann immer ich sie brauchte, für mich da.
Als ich dann selbst an Depressionen erkrankte und damit diese Krankheit von Innen kennenlernte, verstand ich mit einem Mal, was mit meiner Mutter war. Das hat unser Verhältnis zueinander noch weiter verändert. Mit einem Mal verstanden wir einander, da musste nichts mehr erklärt werden.
Sie war schließlich ganz in die Nähe meiner Schwester gezogen, um ihren Enkeln nahe zu sein. Wenn’s wieder schlimm wurde mit ihrer Depression, kümmerte sich meine Schwester auf ihre Weise.
Und dann kam nach einer Bypass-Operation in der Reha der Schlaganfall, der sie linksseitig völlig lähmte und zum Pflegefall machte. Weder meine Schwester noch ich hätten sie bei sich zuhause aufnehmen und pflegen können, so blieb meiner Mutter und auch uns nichts anderes übrig, als sie im Heim unterzubringen. Meine Schwester und meine Mutter entschieden, dass es ein Heim ganz in der Nähe meiner Schwester sein sollte.
Der Zustand meiner Mutter war nicht gut, sie war voll bei Verstand und litt ganz fürchterlich unter ihrem neuen Zustand. Oft hat sie mich angefleht, ich solle sie doch mit zu mir nach Hause mitnehmen. Doch das ging nicht und ich hätte meiner Schwester, auch wenn die oft genug klagte, meine Mutter nicht wegnehmen können und dürfen.
Lange Zeit litt ich darunter, weil ich glaubte, mehr für meine Mutter tun zu können und zu müssen. Eine Weile habe ich versucht, auch aus meinen 220 Kilometer Entfernung irgendwie für sie da zu sein, doch das ließ sich nicht aufrechterhalten und überforderte mich auch. Irgendwann akzeptierte ich, dass meine Mutter und meine Schwester so entschieden hatten, wie es war, und ich damit aus der Verantwortung tatsächlich raus war.
Die Besuche bei meiner Mutter im Altenheim waren trotzdem sehr schwer für mich. Ich kämpfte trotz allem immer innerlich mit den Gefühlen von Scham, Hilflosigkeit und Ohnmacht und mit einer Form von Wut. Es hätte mehr für meine Mutter getan werden können.
Ich habe sie sehr geliebt und ich hab sie in den letzten Jahren endlich verstehen können.
Als ihre Zeit gekommen war, war ich darauf vorbereitet und ich bin zu ihr gefahren, um bei ihr zu sein und ihr den endgültigen Abschied zu erleichtern. Sie sollte in Frieden gehen können. Ich versicherte ihr, dass alles in Ordnung, alles geklärt ist und versicherte sie meiner Liebe. Sie schlief ein und entschlief im Laufe des nächsten Morgens.

Ungelöste Probleme oder offene Rechnungen gibt es zwischen uns nicht mehr. Was wir klären konnten, haben wir geklärt.
Ich rede tatsächlich manchmal mit ihr, aber es sind keine Streitgespräche, sondern ich erzähle ihr, was mir so durch den Kopf geht. Gestern habe ich mich mit dem letzten Bild von ihr, auf dem sie mich anstrahlt, es ist an ihrem letzten Geburtstag entstanden, vor eine Kerze gesetzt und mit ihr geredet. Hab ihr erzählt, wie es mir geht und so weiter. Das hat mir tatsächlich gut getan und es war irgendwie feierlich und würdig.

Virtuelle Umarmungen empfinde ich nicht als übergriffig. Ich fühle, was dahinter steht, und nehme es dankbar an.

Im September, genau einen Monat vor meinem Geburtstag, jährt sich ihr erster Todestag.
Ich traure mit allem Drum und Dran, mit körperlichen Empfindungen, mit Tränen. Ich vermisse sie sehr und weiß zugleich, dass ihre Zeit einfach gekommen war und ich gehen lassen musste und auch konnte.
Ich hoffe tatsächlich, dass wir uns eines Tages nach meinem Tod wiederbegegnen.

Wenn solche Anlässe wie Tod und Beerdigung geschehen, sind wir in meiner kleinen Familie tatsächlich mal wirklich füreinander da. Emotional stocknüchtern geht’s da nicht ab, sondern ziemlich offen, ehrlich und auch emphatisch.  Ansonsten ist das Verhältnis zwischen meiner Schwester und mir kein besonders gutes. Sie hat mich irgendwie aus ihrem Leben ausgeschlossen, erwartet unausgesprochen aber, dass ich mich ab und zu, nach ihr und ihrer Familie erkundige. Nach mir fragt sie nie und will da, so mein Eindruck, auch gar nichts von mir hören. Statusmeldungen bei WA guckt sie sich an, schreibt aber nie etwas dazu.

Emotional war das für mich also gestern kein normaler Tag. Ich wusste vorher nicht, wie es mir gehen würde, war aber darauf vorbereitet, dass es mir nicht so gut gehen könnte. Ich wollte ihren Geburtstag irgendwie feierlich begehen, hatte zunächst aber keine zündende Idee. Meine Schwester hätte ich besucht, aber die hatte keine Zeit. Mein Mann ist gerade mit Motorrad und Zelt in Deutschland unterwegs - hab ihn selbst dazu ermutigt, weil ihm das richtig gut tut. Was also tun?
Gestern stellte sich dann heraus, dass ich meine Gedanken und Gefühle mit jemandem teilen möchte, der sie kannte und mich versteht. Glücklicherweise hatte mein bester Freund, der mich vor einem Jahr auch zu meiner Mutter begleitet hat, weil ich die Fahrt dorthin alleine nicht mehr bewältigen konnte, Zeit für mich. Wir haben über alles Mögliche geredet u.a. auch über meine Mutter und meine Gefühle für sie. Es war gut für mich, dass er Zeit für mich hatte und ich nicht allein war. Die Zeit verging wie im Fluge und mir war leicht ums Herz, als ich wieder abfuhr.

Das war jetzt ziemlich viel, aber vielleicht lernst du mich dadurch tatsächlich, wie gewünscht, etwas besser kennen.

Liebe Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 09:11:29
Danke dir, @ichso.  :)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 20. August 2021, 09:16:09
Hilfreich für mich sind Bilder.
So wie AmSee es mal mit dem Museum beschrieben hat.
Oder diese Sätze der Liebenden Güte,die ja jeder selbst für sich so anpassen kann,wie er sie braucht.
Hilfreich für mich ist immer ,die Dinge von oben zu betrachten und in die Sachlichkeit reinziehen,was mir oft nicht gelingt.
Sobald ich als hochemotionaler Mensch ins Emotionale rutsche und drin stecken bleibe ,wird es sehr schlimm für mich.
Ich brauche also sehr häufig Strategien.
Sätze wie "ich bin nur die Tochter " (die ich im inneren ablaufen lasse) ,wenn ich mal wieder in den Sog des Dramas meiner Mutter komme und wir telefonieren, hilft mir enorm zu sortieren.
Das nimmt sofort einen gewissen Druck heraus.
Das,was @ Susanne anwendet, indem du deinen Vater frei gibst...klingt ganz ähnlich.
Ich hatte eine Zeit lang mal Interesse für Familienaufstellungen gehabt.
Das Schicksal in die Hände anderer geben  und dadurch die Verantwortung abzugeben ,anstatt sie sich aufzuladen sind für mich auch Gedankenspiele mit starker Wirkung.
Ich muss sie nur aufschreiben, damit ich in der Not draufschauen kann und sie anwenden kann.

Mir tut das sehr gut ,zu lesen ,was ihr hier schreibt.
Es gibt mir nochmal eine unterstützende Denkweise für den Umgang mit mir und wie ich ihn verbessern kann.

Orangina 13
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 09:36:44
Guten Morgen, @Orangina13 ,
freue mich, dass du in den Dialog hier einsteigst. Schön, von dir zu lesen.  :)

Kann mit dem, was du schreibst, auch gut etwas für mich anfangen.
In die rationale Distanz zu kommen, wenn ich emotional mal wieder in etwas drin stecke, tut auch mir gut. Nicht, dass dann der Verstand wieder so übernimmt wie früher, der Verstand, der keinen Zugang zu meinen Gefühlen hat, sondern ich meine die Perspektive, das mal nach Außen treten und von Außen betrachten. DAS empfinde ich mitunter als sehr hilfreich.
Nicht, „Ich bin klein, traurig und mit Allem überfordert.“, sondern „Ich bzw. ein Teil von mir empfindet, dass er traurig, klein und mit Allem überfordert ist.“ Allein diese Formulierung lässt mich mitunter den notwendigen Abstand gewinnen, um mich nicht in meinen Emotionen zu verlieren.

Liebe Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 20. August 2021, 09:41:06
vielleicht lernst du mich dadurch tatsächlich, wie gewünscht, etwas besser kennen

ich denke, schon. (Was so ein Komma in der Bedeutung für Unterschiede macht...)..ich kann Dir absolut folgen, glaube ich.
Und ich habe ein ganz angenehmes Bild vor mir. Danke.

Angenehmes Bild von mir? Lach--grade noch gesehen. Von Dir natürlich. Aber Und ;D das Andere bleibt auch stehen.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 20. August 2021, 09:44:17
Hallo Orangina :)

an eine Familienaufstellung habe ich mich erst getraut, seit ich 2014 meine jetzige Thera (weltbeste) fand. Für mich war das sehr reinigend und befreiend, aber auch hartes Brot. Habe es dadurch geschafft, Teile meiner Familie endgültig hinter mir zu lassen. Und das Wichtigste für mich dabei: Ohne schlechtes Gewissen.

Seitdem lebe ich nach der Maxime: Friends are gods apologize for family.

Und das ist eine gute Überleitung zu deinem "in andere Hände geben". Seit meinem Alkoholentzug bin ich ja auch mit Jesus (bitte englisch lesen, lächel...) befreundet. Der hat mir in meinem Kopf ja schon mehrfach den Hintern gerettet. Und wenn ich manchmal (wird immer seltener) so im Grübel- und/oder Angstmodus stecke, bitte ich den, dass er das mal für den Moment regelt. Vor allem, wenn ich mir Sorgen um die Kinder mache. Sehr entlastend. Denn diese Ängste teile ich meinen Kindern auch nur spärlich mit. Meine Mutter hat das "Ich mache mir solche Sorgen um dich"-Instrument ewig als Kontroll-Instrument benutzt. Alter Falter, dass war richtig Mist!
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 20. August 2021, 10:27:30
@AmSee ja ich habe mich jetzt eingeschaltet,weil ich jetzt durch das Thema angesprochen fühlte. Vor allem von dem Loslassen der Familienangehörigen, ausgelöst durch das ,was du geschrieben hast, ausgelöst von dem ,was Susanne darauf geantwortet hat und so kam ein Stein des ganzen Steinhaufens bei mir ins Rollen ,wohl auch ,weil gestern der Anruf meiner Mutter war. Das "nur ein Teil von mir " ist überfordert, anstatt "ich bin überfordert " ist auch wichtig für mich. Danke für den Impuls. Ich werde heute einiges wieder aufschreiben (müssen) oder dürfen... das erweitert meinen Notfall-Koffer wieder mal. @ichso: das mit den Aufstellungen ist wirklich nicht ganz easy gewesen. Das sag ich jetzt so salopp...auch wenn ich es nicht so meine. Da kamen Bilder hoch ,die mir noch heute vor Augen sind. Es gibt eine große Todessehnsucht in meinem Bruder und auch in meiner Mutter und das wollte und konnte ich nicht wirklich annehmen. Auch heute knapse ich immer wieder an dem Bild und bin auch vorsichtig im Umgang damit. Real nehme ich es nicht wahr ,aber ein Mechanismus in mir springt wohl immer an ,wenn ich an meinen Bruder und an meine Mutter denke. Beide ziehen mich mein Leben lang runter. Mein Vater ,trotz der vielen Krankheiten löst das nicht in mir aus. Ich hab zu ihm auch kein wirklich nahes Verhältnis, aber zumindest gibt es da etwas  das sich wie Frieden anfühlt. Meine Mutter belastet mich enorm. Auch mein Bruder. Von dem her ist auch das Aufstellungsbild mit deren Todessehnsucht schon schlüssig.  Du hast das gut auf den Punkt gebracht : dieses Drama der Mütter kann einen ganz schön gefangen halten Kontrolle und nicht loslassen können, auch Manipulation ihrerseits machen mich noch heute manchmal wahnsinnig.
Orangina13
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 20. August 2021, 10:31:15
Ich mach mir doch solche Sorgen um dich -Text von meiner Mutter hat bewirkt, dass ich ihr nie etwas von mir erzählt habe. Also konnte sich nie etwas wie Vertrauen entwickeln. Ich schottete mich ab ,auch weil ihre Drama-Reaktionen mich zusätzlich belasteten,so dass ich mich weiter zurückzog und :
Es drehte sich immer nur um ihre Befindlichkeiten, nie um meine.
Sie war auch nicht in der Lage ,sich mir zuzuwenden.

Es ist auch schlüssig ,warum ich so ein Problem mit Bedürfnis erkennen und umsetzen habe.

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 20. August 2021, 10:33:15
Ja,es stimmt.Es ist auch ein Kontrolle Mechanismus.
Kontrolle über andere haben

Das ist sehr stark bei ihr ausgeprägt. Sie ist darin sehr gut und es bleibt kaum Luft zum Atmen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 11:02:20
Nun hierzu auch noch meine Gedanken...

Bei Neulingen sollte man glaube nicht so lange warten. Ich weiss noch, in der Suchtberatung hatte sie wohl aus Erfahrung die Sorge, das so ein Entschluss nicht lange hält, wenn man nicht sofort reagiert. "Halten Sie denn bis morgen durch?" - dann kanns oft schon vorbei sein.
Ob dieses Forum hier überhaupt diesen Zweck erfüllen kann und sollte, stelle ich als Frage einfach mal so in den Raum, da ist das Andere vielleicht geeigneter, und ich sollte natürlich drüber schlafen können, klar. Das Problem ist, wenn man die Verantwortung völlig beim Andernen lässt, dann kann der ja auch in den Wald gehen, dazu sucht man sich im Normalfall ja keine Hilfe. Also das reine "Dein Problem" ist es nie. Man sagt ja den Leuten, dass sie Hilfe suchen sollen, und wenn sie schon wo fragen, so auf dem Zahnfleisch, dann wollen - und können -  sie ja nicht erst ne Odysee machen.

Ein Freund von mir sagt zu gewissen Dingen oder Angelegenheiten immer mal wieder, „Nice to have“, er meint damit, schön und gut, wenn es vorhanden ist, aber nicht unbedingt notwendig.
Natürlich ist es gut und wünschenswert, dass ein Neuling hier zügig eine Antwort erhält, doch stellen sich dabei auch die Fragen, was machbar ist und welche Optionen ihm sonst noch offen stehen.

Dieses Forum hier ist ein kleines, aber feines Forum. Es hat zwar viele Mitglieder, aber letztlich nur wenige sogenannte Aktivisten. Wenn du für dich das Gefühl hast, in eine Verantwortungsposition zu geraten, die du nicht füllen willst oder füllen kannst, dann läuft da etwas verkehrt.

Dieses Forum ist eine Online-Selbsthilfegruppe und in dieser sollte es auch und gerade um dich gehen. Du solltest meines Erachtens hier finden, was DU für DICH brauchst, Selbsthilfe, und es sollte nicht dahin kommen, dass DU erfüllst und bedienst, was andere brauchen.

Gewiss mag das Zeitfenster für einen Neuling ein kleines sein, aber grundsätzlich stehen ihm noch andere Möglichkeiten offen, wenn es ihm ernst ist. Das hier ist ein ziemlich niederschwelliges Angebot, weil es online und anonym ist, doch es gibt auch noch andere Online-Angebote und somit steht DU letztlich nicht wirklich in der Verantwortung in den anderen.

In jenem anderen Forum zum Beispiel wird von den Alkoholikern für den offenen Bereich nur jemand freigeschaltet, der einen (möglichst ärztlich begleiteten) Entzug hinter sich hat, nüchtern ist und den Vorsatz hat, den Rest seines Lebens abstinent zu bleiben. Über kalten Entzug und kontrolliertes Trinken wird dort nicht diskutiert. Das hat dort gute Gründe und ich kann das Prinzip, das dahinter steht, gut nachvollziehen und auch mittragen. Es geht dort um Fordern und Fördern.

Vom Prinzip kann jeder „in den Wald gehen“, das ist richtig, bis er das aber tatsächlich tut, geschieht eine ganze Menge und am Ende ist es eine Entscheidung, die er allein für sich trifft und die er sich dann auch nicht nehmen lassen will. - Ich habe mich mit diesem Thema, weil es mich selbst eine Weile beschäftigt hat - sehr viel auseinandergesetzt.

Was Selbsthilfe bei Alkoholikern betrifft, hast du gewiss und definitiv mehr Erfahrung als ich, aber ich sehe das Ganze aus einer etwas anderen Perspektive und da spielen meine berufliche Ausbildung und Erfahrung, meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen im Umgang mit meinen eigenen Krankheiten und denen in meiner Familie und schließlich meine Erfahrungen und Beobachtungen in diesem und dem anderen Forum eine Rolle.

Wem‘s wirklich ernst ist, der ist grundsätzlich in der Lage, sich hier UND anderswo Hilfe zu holen und es geschieht ja auch. Natürlich tut das gut, wenn man hier zügig eine Antwort erhält, aber das hier ist keine solche Suchtberatung, wie sie ja durchaus vor Ort aufgesucht werden kann und wo tatsächlich jemand mit entsprechender Ausbildung stundenweise vor Ort ist. Ich sehe die Verantwortung daher nicht bei mir und erfülle sie deshalb auch nicht, sondern ich antworte, wenn ich dazu gerade Zeit habe, mich angesprochen fühle, mir etwas dazu einfällt und ich mich grundsätzlich dazu in der Lage fühle.


Zitat
Kennst Du eigentlich das Sponsorentum bei AA? Das ist so eine Art Beelterung, wenn ich mir überlege, wie sich das Bild bei mir anfühlt. Ab nem gewissen Alter ist die Verantwortung ja auch als Entwicklungsstufe völlig normal. Vielleicht auch ab ner gewissen Trockenzeit oder Reifegrad, das war ja auch noch mal eine Art Emanzipation, ein Ablösungsprozess, eine Art zweites Erwachsenwerden.

Ich habe davon gehört, ja, aber keine eigenen Erfahrungen damit gemacht. Das Prinzip scheint grundsätzlich interessant und hilfreich zu sein, ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass das mitunter auch überfordert. Nächtliche Anrufe meines Schützlings und so weiter wären für mich jedenfalls definitiv nichts.

Was dir die Begleitung anderer auf ihrem Weg bedeutet und die positiven Spuren, die du hinterlassen hast, kann ich ganz gut nachvollziehen.

Soweit erstmal meine Gedanken.

Liebe Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 11:03:59
vielleicht lernst du mich dadurch tatsächlich, wie gewünscht, etwas besser kennen

ich denke, schon. (Was so ein Komma in der Bedeutung für Unterschiede macht...)..ich kann Dir absolut folgen, glaube ich.
Und ich habe ein ganz angenehmes Bild vor mir. Danke.

Angenehmes Bild von mir? Lach--grade noch gesehen. Von Dir natürlich. Aber Und ;D das Andere bleibt auch stehen.

Gruß Susanne

Grins. Passt!
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 11:05:36
Hallo Orangina :)

an eine Familienaufstellung habe ich mich erst getraut, seit ich 2014 meine jetzige Thera (weltbeste) fand. Für mich war das sehr reinigend und befreiend, aber auch hartes Brot. Habe es dadurch geschafft, Teile meiner Familie endgültig hinter mir zu lassen. Und das Wichtigste für mich dabei: Ohne schlechtes Gewissen.

Seitdem lebe ich nach der Maxime: Friends are gods apologize for family.

Und das ist eine gute Überleitung zu deinem "in andere Hände geben". Seit meinem Alkoholentzug bin ich ja auch mit Jesus (bitte englisch lesen, lächel...) befreundet. Der hat mir in meinem Kopf ja schon mehrfach den Hintern gerettet. Und wenn ich manchmal (wird immer seltener) so im Grübel- und/oder Angstmodus stecke, bitte ich den, dass er das mal für den Moment regelt. Vor allem, wenn ich mir Sorgen um die Kinder mache. Sehr entlastend. Denn diese Ängste teile ich meinen Kindern auch nur spärlich mit. Meine Mutter hat das "Ich mache mir solche Sorgen um dich"-Instrument ewig als Kontroll-Instrument benutzt. Alter Falter, dass war richtig Mist!

Gefällt mir.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 11:23:31
Ich mach mir doch solche Sorgen um dich -Text von meiner Mutter hat bewirkt, dass ich ihr nie etwas von mir erzählt habe. Also konnte sich nie etwas wie Vertrauen entwickeln. Ich schottete mich ab ,auch weil ihre Drama-Reaktionen mich zusätzlich belasteten,so dass ich mich weiter zurückzog und :
Es drehte sich immer nur um ihre Befindlichkeiten, nie um meine.
Sie war auch nicht in der Lage ,sich mir zuzuwenden.

Es ist auch schlüssig ,warum ich so ein Problem mit Bedürfnis erkennen und umsetzen habe.

Wow, echt starke Themen hier! Find ich gut, interessant und hilfreich, den Austausch darüber.

Wenn deine Mutter und dein Bruder eine solche Todessehnsucht in sich tragen, ist es ja auch kaum möglich, sich denen auch noch mit den eigenen Sorgen und Problemen anzuvertrauen.

Für einen außenstehenden Angehörigen, aber auch Freunde ist so etwas schwer zu ertragen. Natürlich schwingt dann im Umgang miteinander immer eine gewisse Angst mit. Und man gerät auch in die Rolle des ständigen Beobachtens, wie der andere heute gerade drauf sein mag. Und man fühlt sich zugleich so hilflos und in einer Art Ohnmacht gefangen. Ein ziemlich ungesunder Zustand.

Wie soll man denn damit umgehen, wenn der andere so eine Todessehnsucht hat? - Ein schwieriges Thema und definitiv eine große Herausforderung!

Wichtig ist, denke ich, dass man aus dem Gefühl der Verantwortung herauskommt, die Verantwortung abgibt und zugleich lernt, bei sich zu sein.
Möglichkeiten und Perspektiven tun sich da, da weiß ich aus eigener Erfahrung, durchaus einige auf.

Was deine Mutter betrifft, so hast du da, denke ich, instinktiv die richtige Entscheidung getroffen. Die Frage ist, wie du jetzt, da du es weißt, und da dir eigentlich etwas fehlt, für dich sorgen kannst.
Sich mit Menschen auszutauschen, die dich verstehen können oder zumindest nachvollziehen können, was mit dir ist, halte ich da durchaus für hilfreich.

Liebe Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 20. August 2021, 14:13:17
Ich kann Flugmodus, grins...

da flattern ja die Hühner, ebenfalls grins...oder wars Drachensteigen? Sch..-Steilvorlagen ;D 8)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 14:29:43
Ich kann Flugmodus, grins...

da flattern ja die Hühner, ebenfalls grins...oder wars Drachensteigen? Sch..-Steilvorlagen ;D 8)

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 20. August 2021, 14:29:54
Wem‘s wirklich ernst ist, der ist grundsätzlich in der Lage, sich hier UND anderswo Hilfe zu holen und es geschieht ja auch. Natürlich tut das gut, wenn man hier zügig eine Antwort erhält, aber das hier ist keine solche Suchtberatung, wie sie ja durchaus vor Ort aufgesucht werden kann und wo tatsächlich jemand mit entsprechender Ausbildung stundenweise vor Ort ist. Ich sehe die Verantwortung daher nicht bei mir und erfülle sie deshalb auch nicht, sondern ich antworte, wenn ich dazu gerade Zeit habe, mich angesprochen fühle, mir etwas dazu einfällt und ich mich grundsätzlich dazu in der Lage fühle.

Wovon ich rede, war auch ein Forum, ähnlich ambitioniert wie das "Andere". Wenn ich mich nicht ganz täusche, dann war der spätere Gründer des Anderen sogar anfangs da, aber da war er noch zu selbstmitleidig. Das blieb ihm irgendwie auch. Aber ich bin mir nicht sicher, da gabs Ähnlichkeiten. Und Werbung rundherum. Und Leute, die sich über Abzocke bei uns aufgeregt haben. Daher bin ich dem kritisch gegenüber gestanden, hat sich auch etwas geändert dort.

In dem Ganz-Anderen waren sehr viele Leute, da wurde Tag und Nacht geschrieben, und bei mir gabs nicht mal private Nachrichten, da habe ich mich nie darauf eingelassen. Und mit Einzelpersonen  konnte ich die Zeiten regeln. Ich hatte schon ein Gespür dafür, bei was ich selbst auf dem Zahnfleisch gehen würde, ich wusste immer, wer zusammenbricht, hilft niemandem mehr, und sich selbst schon gar nicht. Aber ich bin deutlich näher an meine Grenzen gegangen, ich musste auch wissen, was ich nüchtern noch aushalte, was ich einstecken konnte...auch Selbsthilfe.

Heute würde ich  das eh nicht mehr machen, danke der Nachfrage. Ich habe bereits mitgenommen, was es für mich mitzunehmen gab, jedenfalls "dort". Hier, mal gucken, muss ich nicht heute entscheiden. Gibt genug "Nachwachsende", denen darf ich die positive Erfahrung ja auch gönnen. Wenn das hier so ist, dann ist das so, und schön, dass Du das auch so siehst. Auf der anderen Seite , hätten wir dann diesen Spaß heute? Na ja, das, was ich gerade mache, ist wohl auch so eine Art "In Liebe loslassen"

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 14:39:49
Auf der anderen Seite , hätten wir dann diesen Spaß heute?

Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Hat ja auch ne Weile gebraucht, bis wir da hin gekommen sind.

Zitat
Na ja, das, was ich gerade mache, ist wohl auch so eine Art "In Liebe loslassen"

Wenn’s dafür die Zeit ist, dann ist das so. Und ich meine, es ist dann auch ok so.
Hauptsache, es fühlt sich irgendwie gut und stimmig an.

Nein, entscheiden musst du heute gar nichts. Es wird sich gewiss etwas ergeben, so oder so, und das passt dann hoffentlich auch.
Der Spruch „Alles hat seine Zeit.“ hat sich in meinem Leben immer wieder bewahrheitet und ich habe schon vor einer Weile angefangen, einfach darauf zu vertrauen.

Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 20. August 2021, 15:52:27
Hat ja auch ne Weile gebraucht, bis wir da hin gekommen sind.

Hähä, meine Ratgeber-Alpträume, wenn mich im realen Leben mal jemand fragt (es haben mich schon welche gefragt, wenn ich so drauf war. Und es gab auch schon Leute, bei denen war das "Trockenlegen" mühelos, plötzlich kam eine Meldung (mehrere) "Jetzt lese ich ein halbes Jahr Deine Beiträge, und das hat mich so umgehauen, dass ich jetzt" Textbaustein, in die Entgiftung gehe, ein Jahr trocken bin, Drop-Down-Box zum auswählen..., um die musste ich mich sonst gar nicht weiter kümmern, das waren die Energieriegel...aber ich kenne schon auch die zähe Arbeit mit Leuten, die 100 Entgiftungen machen. Und ich bin eine böse Spötterin, aber manche Leute wissen, wohers kommt, die anderen können auch machen, was sie wollen, gibt eben auch andere Möglichkeiten, sollen sie den Arsch bewegen, und mich entlastet der Humor), wie man dermassen gut drauf kommen kann, dass ich den Eindrucke erwecke, als ob mich Gott geküsst hätte. Das gibts natürlich nur selten, aber kommt vor.

Mein Ratgeber-Alptraum:
also erst mal so ca. 150 Filmrisse
Viele Stunden Kotzen
Todesängste vom Feinsten und am Besten noch eine Nahtod-Erfahrung, das brennt die Depressionen raus.
viel streiten, bis Du damit durch bist
usw usf,

ich glaube, Du kannst Dir vorstellen, auf was das rausläuft. Ohne meine Vorgeschichte wäre ich ja nicht da, wo ich jetzt bin. Und ich bin mehrmals nur durch Zufall dem Tod entkommen, das kannst Du wirklich niemandem als Vorbild empfehlen. Du musst andere Möglichkeiten kennen, auch wenn Du sie selbst nicht angewendet hast. Ich hab mal fast ne Doktorarbeit für mich selbst geschrieben, völlig unleserlich wie jede Doktorarbeit, um das ganze Zeug, was mir begennet war und was ich in meinen langen Texten zum Teil rüberzubringen versucht hatte, für mich selbst greifbar zu machen. Viel zu viel für ein Forum. Aber da kommt diese sogenannte Fachkenntnis her, mit praktischen Erfahrungen gewürzt, was man da sonst noch machen kann. Und einfach, man kann nicht immer von sich auf Andere schliessen und muss im Auge behalten, der eigene Weg passt nicht für alle.

So wie ich selbst aufgehört habe, hätte ich in dem Anderen Forum auch keine Chance gehabt, die hätten so eine eigensinnige Person wohl nicht reingelassen. Und ich bin das Risiko des kalten Enzugs bewusst eingegangen, ich habs mir ausgerechnet, wie die Wahrscheinlichkeiten sind, da Restrisiko habe ich ausgesessen.
Ich hatte auch einen absoluten Aber gegen Gruppen, kam überhaupt nicht für mich in Frage. Reizte mich zum Widerspruch, meiner zentralen Eigenschaft damals, Letztlich bin ich durch Streiterei nach einer Einzelfrage (von mir) hängen geblieben, aber erst nach ca. eine Jahr Trockenheit, vorher war ich im eigenen Saft, wusste dann aber schon, das ich ohne Hilfe nicht gleich umkippe, erzähl mir keien Blödsinn, durch meine Rechthaberei, und dann kamen auch schon die ersten "das hat mir geholfen"...hatte ich gar nicht auf dem Schirm, ich war platt.

Und Du musst natürlich wissen, dass ich auch weiss, wie das bei mir war, und es bei dem ganzen Wissen zuallererst um meine eigene Rückfallprävention ging. Sonst wäre mir das schon lange schnuppe gewesen.

Und ich bin da, wo ich bin. Ohne jede Reue.

Gruß Susanne

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 16:04:58
Ich meinte damit eigentlich, dass wir alle, die wir uns hier in diesem Faden derzeit miteinander austauschen, uns im Laufe der letzten Monate verändert haben.
Wir sind nach meinem Eindruck entspannter, gelassener, offener (?)

.....und vielleicht auch ein kleines Bisschen weiser geworden.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 20. August 2021, 16:19:26
.....und vielleicht auch ein kleines Bisschen weiser geworden.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 16:28:11
Kann ich total nachvollziehen, was du schreibst.

Kenne diese Aufs und Abs selbst ganz gut, auch wenn die sich bei mir etwas anders äußern als bei dir.
Und ich weiß auch, dass Manches Jahre dauert....

Brauchst also mir gegenüber kein „Sorry“, ich denke, ich weiß, was du meinst...

Ist doch angenehm, dass es im Moment so ist, wie es grad ist. Genießen wir das einfach und gut iss...
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 20. August 2021, 17:02:13
Brauchst also mir gegenüber kein „Sorry“, ich denke, ich weiß, was du meinst...

Ist doch angenehm, dass es im Moment so ist, wie es grad ist. Genießen wir das einfach und gut iss...

ich will sicher gehen, dass ich Dir und uns nicht den Tag verderbe. Und meine nächsten 20 Jahre aus Leichtsinn auch nicht, ist ja grad alles so schön bunt hier, tralala.

Aber/und dass ich das Andere irgendwo im Hinterkopf habe, führte zu 20 + x Jahren Trockenheit. Und aber auch die Tatsache, ja das ist natürlich so, dass ich da im Normalfall nicht drüber nachdenken muss, weil es viel zu schön ist, es ist absolut abwesend, aber der Teufel ist ein Eichhörnchen, sagt man hier. Ich weiss z.B, wenn ich mit meinem Partner schon Streits hatte, die bis zum Anschlag gingen, und wir kamen da nicht raus, wenn ich mich also total in die Enge gedrängt fühle und keinen Ausweg sehe, dann kommt ein extremer Fluchtimpuls, und gelernt ist gelernt, der Gedanke an Alk ist da völlig unvermeidlich (oder der Sprung aus dem Fenster), auch wenn ich dann sofort weiss, das bringts dann erst recht nicht und ihn sofort wieder verwerfe.
Oder auch, wenn ich vor lauter Euphorie nicht mehr runterkomme. Klar, ich bin Profi in Bezug auf mich selbst, ich weiss was ich mache, aber auch Profis retten nicht alle.

Dass ich da nicht wirklich Angst davor habe, liegt dran, dass ich bis jetzt keinen einzigen Rückfall hatte, aber ich weiss, das ich tief drinnen Grund dazu habe, es nie soweit kommen zu laassen.

Bei mir, Therapeut meiner sagte, kann sein, dass ich womöglich schon mal Borderliner oder auch ansatzweise bipolar war, nie behandelt hatte ja die Drogen, wo ist Henne wo ist Ei, jedenfalls auch schwere Deprischübe und Euphorie, auch wenn nicht ganz so verrückt und realitätsverlustig wie ich es schon gesehen habe, aber ziemlich, jedenfalls gibts da schon noch Spuren, dass ich mal voll drauf war, auch wenn ich heute die meiste Zeit wie der normalste Mensch der Welt rumlaufe. Und entschlossen bin, auch so weiterzumachen, denn auf diese Weise habe ich ja auch gelebt, ich hab schon auch das Gefühl, das Leben absolut voll ausgekostet zu haben, in alle Richtungen.

Ich weiss genau, wenn ich jetzt hier erst mal kein temporäres Ende finde, dann wird es umschlagen. Deswegen gehe ich jetzt Drachensteigen..nö. Berge. Bergebesteigender Drache? Was Anderes sehen. In dem Punkt auch locker werden.

Und es ist mein erklärter Wunsch, dass jetzt nicht 20 machs gut oder bis bald kämen, denn ich brauch das Gefühl, hier mal wieder völlig weg zu sein und auch die Beziehungen zu verlassen. Denn ehrlich gesagt, letzte Woche, bevor ich hier wieder eingestiegen bin, hab ich mich innerlich freier gefühlt, und irgendwie will ich das irgendwann zusammenbringen.

Gruß Susanne


Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 20. August 2021, 22:17:29
Ich weiss genau, wenn ich jetzt hier erst mal kein temporäres Ende finde, dann wird es umschlagen. Deswegen gehe ich jetzt Drachensteigen..nö. Berge. Bergebesteigender Drache? Was Anderes sehen. In dem Punkt auch locker werden.

Darauf kommt es doch an, dass du das für dich klar hast und entsprechend für dich sorgst.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 20. August 2021, 22:41:18
Finde ich auch richtig wichtig.

Wir können ja auch mal eine Weile ohne Susanne hier fachsimpeln, höhöhö ;)

Ich bin morgen auch wieder etwas dabei, hatte heute einiges erledigt wegen Karlchen, meiner Tochter einen Brief nach Brasilien geschickt, Wohnung klingelfein, so Sachen.

Netten Gruß, ichso - das alte Drachenhuhn lol
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 21. August 2021, 09:38:28
Moin.

Drachenhuhn? Ach nee, doch nich. Weder Drache noch Huhn. Bei mir ist ist auch gerade etwas die Luft raus. Wollte erst gern noch was zu den Kontrollsätzen schreiben, die als "Emphatie" verkleidet sind. Seltsam, dass meine Mutter erst damit begann als ich erwachsen war, vorher hatte ich fast täglich zu hören bekommen, ich bin ein "Sargnagel" oder ein unnützer Fresser und so Sachen. Ach nee, das ist mir jetzt auch zu hartes Brot.

Im Hier und Jetzt werde ich wohl Montag oder Dienstag mein neues Winzauto abholen dürfen, hatte ich schon erwähnt, dass er Karlchen heißt? Grins... Und Mittwoch kommen zwei neue Möbelstücke, für die ich ziemlich umräumen will. Sozusagen statt Umzug. Bin 26 mal umgezogen, jetzt im Alter besser "nur" mal Möbel umstellen. Ist billiger und gelenkschonender ;)

Den "Stützstrümpfe-Thread" habe ich wieder gelöscht. Merkte schon beim erstellen, dass ich mich nicht so entblößen mag. Da ist wohl auch eine Wandlung passiert über die Jahre: Seelischer Striptease scheint mir gut zu tun. Über körperliche Gebrechen zu schreiben macht mich traurig und ist mir auch eher peinlich.

Naja, whatever... Hatte gestern in der Stadt noch einen Teilnehmer aus meiner alten Suchthilfegruppe getroffen und schon mal meine Besuche angekündigt, wenn Karlchen bereit ist, mich zu fahren <3 Da freue ich mich drauf :)

Werde aber auf jeden Fall hier weiterlesen und -schreiben. Manchmal mehr, manchmal weniger.

Lieben Gruß, ichso
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 21. August 2021, 10:14:19
Bei mir ist ist auch gerade etwas die Luft raus.

Moin ichso,
wie ich Susanne schon geschrieben hatte, ich vertraue inzwischen darauf, dass einfach Alles irgendwie seine Zeit hat.
Ich denke nicht, dass hier (und je nach den Umständen auch anderswo) auf Biegen und Brechen etwas unternommen oder aufrechterhalten werden muss, wenn’s gerade nicht passt, nicht „fließt“.

Ich schreibe inzwischen eigentlich nur noch, wenn’s gerade „fließt“, wenn bei mir sozusagen die Worte einfach da sind und mir danach ist. Alles andere habe ich als Krampf kennengelernt, der mir überhaupt nicht gut getan hat. Da bei mir mit Druck auf mich selbst nichts mehr zu erreichen ist und ich, wenn ich es doch versuche, in eine Art innere Verkrampfung und Erstarrung verfalle, versuche ich tunlichst solchen „Druck“ zu vermeiden. Und siehe da, es „fließt“ öfter mal ganz von selbst.

Mein Auto hat übrigens auch einen Namen. Grins. Viel Vergnügen mit dem neuen Auto und beim Umräumen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 21. August 2021, 13:20:09
Hallo miteinander.
Es freut mich ,von euch zu lesen.
Susanne ist jetzt raus ,wie ich lese.
Ich kann das gut nachvollziehen, was Ihre Beweggründe waren ,wieder einen Stop zu machen.
Was mich betrifft : ich weiß, dass es mir schwer fällt,Maßzu halten.
Ich möchte nicht dauernd am PC hängen und Nachrichten verfolgen und doch schau ich regelmäßig hier rein.
Bei mir verwischen schnell Grenzen und dann kippt das Ganze und ich muss aufhören.
Das war auch ein Grund von zwei weiteren ,dass ich hier aufgehört habe zu schreiben (im Februar). Das war der richtige Schritt zu dieser Zeit und mir ging es gut damit ,mit dem Cut.
Mal sehen ,wie lang ich dran bleibe.
Das wird sich entwickeln,jedenfalls fand ich die letzten Diskussionen und auch unsere Themen hier in den letzten 2 Wochen sehr bewegend und sie haben mir gut getan.
Ich lese gern von euch.
Orangina13
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 21. August 2021, 13:22:33
P.s. über meine körperlichen Veränderungen mag ich lieber nicht so gern schreiben...
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 04. Oktober 2021, 18:40:54
Kleines Update

Erst mal @ichso
Mein Partner hatte auch eine Thrombose, vor ca. 15 Jahren, in der Beinvene. Er wurde zwei Wochen auf der Intensivstation flachgelegt, bis sich das Gerinnsel mit Blutverdünner und Enzymen von selbst aufgelöst hatte. Wir haben die möglichen Horrorstories aber zu hören bekommen.
Vom Lebensstil her allerdings völlig unklar, woher, kaum Übergewicht und auch kein Bewegungsmangel. eigentlich kein Thrombosetyp, aber trotzdem.
Sicher total übel. Mein Mitgefühl.

Ich habe selbst auch ein Thema.

Neulich war ich wegen eines manischen Schubs drei Wochen in der Psychiatrie. Hab mich selbst eingeliefert.
Das ging mit meinen Restless Legs und den spastischen Krämpfen los, dass ich mehrere Wochen nicht geschlafen habe.
Schlafentzug ist ein bewährte Foltermethode, ich kenne das und habe Übung darin, aber diesmal ging es wohl etwas über meine Kräfte und erst mal wollte ich einen Krisentermin. Darauf hätte ich aber zwei Wochen warten müssen und dann hab ich mitten in der Nacht den Rettungsdienst rund gemacht, bis sie mir endlich nen Arzt geschickt haben.

Dafür musste ich aber erst mal mit Anzeige drohen. Weil ich mich noch zu klar ausdrücken konnte und auch keine Wahnvorstellungen hatte (das ist mir jetzt immerhin attestiert), haben sie mich erst nicht ernst genommen. Kann ja noch nicht so schlimm sein, wenn ich noch so reden kann, sagten sie. Erst ein paar gezielte Drohungen und Beleidigungen führten zum Erfolg, dann waren sie ausreichend sauer, um ihre Hintern zu bewegen. Dann hatte ich plötzlich zwei Notärzte, THW und Polizei im Haus. Und weil ich ja dann drei Wochen in der Klinik war, gabs auch keine Zweifel dass ich nicht simuliert habe. Es gab keine Anzeige, und ich habs natürlich auch nicht bereut, es führte schliesslich zum Ziel. Und gebraucht hab ichs.

Der Schlafentzug führte dazu, dass ich irgendwann völlig am Rad gedreht habe, aber die Sch..Krämpfe gehen immer dann los, wenn ich gerade einschlafen könnte, das wird dann schon ein bisschen heftig, und der Schlafmangel führte in einen psychischen Ausnahmezustand. In der ersten Woche im Krankenhaus hab ich immer noch nicht geschlafen, erst nach einem Medikamentenwechsel bin ich dann langsam wieder runter gekommen. Und morgens um 4 regelmässig in einem Zustand, den hätte ich auch mit 4 Promille haben können. Ich bin dann im Innenhof nachtgewandelt. Gezeichnet, kreative Schübe gehabt. Aber tagsüber war ich trotzdem fit.
Es war auch sonst interessant, durfte u. A. Bogenschiessen.

Es war der erste Psychiatrieaufenthalt meines Lebens, und da ich nur nachts zur Beobachtung dort war und den ganzen Tag raus durfte, war es nicht sehr schlimm für mich. Ich war den ganzen Tag unterwegs. Es war ja Badewetter und in der Gegend gibt es einige Seen. Wochenlang keine Emails gelesen, den ganzen Stress ausgeblendet.
Das nächste Mal kennen sie mich, wenns wieder mal brenzlig wird, da wird das dann wohl einfacher gehen. Jetzt habe ich die notwendigen Kontakte. Ich hab ja auch keine Ahnung, wie das die nächsten Jahre weiter geht. Normalerweise wird das mit dem Alter eher schlimmer. Da ist mir die Aussicht auf solche möglichen Auszeiten ganz willkommen.

Jetzt hab ich also die bislang nur vermutete (bislang ehemalige) bipolare Störung attestiert. Zu meinen anderen beiden Dauer-Erkrankungen. Nur Sucht wurde mir schon lange nicht mehr attestiert. Der Rest reicht mir aber auch schon.
Das Gute dran ist, das ich wegen meiner Schwerbehinderung zwei Jahre früher in Rente gehen darf. Das wäre in knapp drei Jahren. Ich hab aber als Unternehmerin freiwillige Arbeitslosenversicherung gezahlt und Anspruch auf 24 Monate ALG1. Den Rest überbrücke ich mit Krankmeldungen. Momentan bin ich gesund, aber ich darf mich nicht überanstrengen. Ein Attest gibt es jetzt jederzeit, wenn nötig.

Als Unternehmerin darf ich arbeiten, so lange ich will und muss selbst entscheiden, wann ich in Rente gehe. Und der Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Ich werde mich noch ein paar Jahre den Dingen widmen, auf die ich wirklich Lust habe.

Da gabs übrigens auch einige aber eher schon austherapierte Alkoholiker, die aus dem betreuten Wohnen kamen. War nicht ganz klar, ob da überhaupt einer wirklich trocken war. Ich hab nicht danach gefragt, und bei manchen war es auch bekannt noch akut. Und sonst einige Geschichten aus diesem Umfeld. Damit konnte ich aufgrund meiner Erfahrungen aber auch gut umgehen, und therapieren musste ich da ja niemanden. Ich konnte also das locker sehen. Kein Helfersyndrom.

Ich war dann schon auch froh, das ich wenigstens das Suchtproblem nicht hatte, denn in dem Zustand auch noch saufen hätte leicht katastrophal enden können. Alkohol war mir zum Glück aber völlig egal. Nach längerem Aussenaufenthalt lassen sie einen auch gerne mal blasen. Ich hab übrigens nicht den Eindsruck, das da bei 0,00 jemand auf Eine runtersieht (zu dem Gedicht). Das läuft dann unter Vorteile der Abstinenz ;D.

Gruß Susanne

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 05. Oktober 2021, 08:51:02
Moinsen Susanne,

Schlafentzug macht frischgebackene Mütter nur nicht wahnsinnig, weil sie in den ersten Lebensmonaten des Kindes ein Hormon ausschütten, dass sie etwas schützt. Hab vergessen, wie es heißt. Ansonsten ist das tatsächlich ja eine beliebte Foltermethode.

Bipolar ist meine damalige "Hauptkrankheit", die zur Erwerbsunfähigkeitsrente führte vor einigen Jahren. Und schlechter Schlaf ist bei mir auch immer das erste Alarmzeichen für eine Manie :(

Habe ich das richtig verstanden, dass du jetzt dein Arbeitsleben so peu à peu einstellst? Und dann nur noch machst, was du willst? ;)

Danke für dein Mitfühlen. Ich schreibe bei mir gleich noch etwas dazu.

Sehr netten Gruß, ichso - die bei Arztbriefen immer noch die Suchtdiagnosen drinstehen hat. Da denke ich aber wie Greenfox, kann nicht schaden, wenn die Ärzte Bescheid wissen wegen Medis und so.

PS: In der Psychiatrie ist ein geretteter Säufer w/m/d ganz klar ein Plus - nur die "Normalen" (am meisten wohl die, die auch am Rutschen sind) schauen auf uns Trockene herab ;)
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 05. Oktober 2021, 09:50:41
Habe ich das richtig verstanden, dass du jetzt dein Arbeitsleben so peu à peu einstellst? Und dann nur noch machst, was du willst? ;)

Ja. Ich mach noch ein paar Restarbeiten. Und schreib noch ein paar Rechnungen. Die Steuern muss ich abschliessend auch noch regeln.

Ich hab ein paar Pläne, die ich bisher geschoben habe, bis ich mal aufhöre. Vor allem will ich noch einige längere Wanderungen machen, so lange ich noch laufen kann. Und mit Leuten nur so viel, wie mir gut tut. Da wird es mit Sicherheit Zeiten geben, wo mir alle den Buckel runter rutschen können und ich weit weg bin.
Dafür war der Psych-Aufenthalt übrigens gut, ich bin jeden Tag mehrere Stunden gelaufen. Das hat meiner geistigen Verfassung wie meiner Fitness gut getan. Eigentlich wars wie betreuter Urlaub.
Berührungsängste habe ich wegen meinen anderen Dauerbaustellen zum Glück keine, also ich bin auch in der Lage, mir die Hilfe zu holen, wenn ich sie brauche. Ich lasse das dann darin einfliessen, das mich niemand mehr in einen Job stecken kann, denn das Risiko bestünde bei meiner Qualifikation. Für mich gäbe es gleich Jobs, aber das will ich verhindern.

Und jetzt hab ich überschlagen, dass das Geld reicht und ich nicht mehr arbeiten muss. Ich war eigentlich schon immer der Meinung, dass man sich mit Arbeit das ganze Leben versauen kann, und jetzt mache ich ernst.

Soweit zumindest mal der Plan, wenn nichts dazwischen kommt.

Ja, Sucht spielt in meinen Diagnosen schon lange keine Rolle mehr, weil ich damit auch nie zu kämpfen habe. Egal wie es läuft, saufen oder Drogen machen mich einfach nie an. Gilt schon lange als bewältigt.

Zu der Komapatientin, da fällt mir nur ein, das bei mir in der Patientnenverfügung drin steht, dass ich nicht künstlich am Leben gehalten werden will. Natürlich erst, wenn keine Aussicht auf Besserung mehr besteht. An sich bin ich, was mich angeht, in so einem Fall für Sterbehilfe. Sinnloses Leiden.

Gruß Susanne

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 05. Oktober 2021, 09:59:59
Moin Susanne,
schon ne ziemlich heftige Geschichte, die du da zu erzählen hast... Klingt aber, als wenn du da halbwegs gut rausgekommen bist....

Mit restless legs habe ich auch so meine Erfahrungen machen dürfen, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Seit ich ein bestimmtes Medikament nehme, geht’s ganz gut.

Manische Phasen habe ich zu meinem Glück nur eine bestimmte Zeit lang erlebt. Hab sie fürchten gelernt ....

Schlafentzug als Methode kenne ich auch, allerdings hab ich die nur bei meinen heftigsten depressiven Phasen ausprobiert. Hat teilweise geholfen, teilweise hat der Schlafentzug dazu geführt, dass ich innerlich noch mehr unter Strom stand und Medikamente nehmen musste, um endlich schlafen zu können.

Drei Wochen auf Station mit mehr oder minder nassen Alkoholikern stelle ich mir auch gerade einfach vor...Gut, dass du diesbezüglich gefestigt bist...

Verstehe ich das richtig: Du wirst mit sofortiger Wirkung in deinem Unternehmen aufhören?
Wie geht’s dir damit?

Wünsche dir, dass du weiterhin gesund bleibst und dich nicht mehr überanstrengst/ überanstrengen musst.

Viele Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 05. Oktober 2021, 10:30:08
Moin amSee,

der Schlafentzug ist bei mir ja an sich nicht beabsichtigt, sondern er ergibt sich aus den Restless Legs und der Spastik infolge meiner Teilquerschnittslähmung. Und mit Schlafmitteln und anderen Medis bin ich aufgrund meiner Vorgeschichte äusserst vorsichtig und zurückhaltend, ich ziehe es da normalerweise sogar vor, lieber etwas mehr zu leiden.
 
Die Medis, die ich nehmen muss, sind an sich echte Hämmer, deswegen bleibe ich da auch grundsätzlich sogar unter der angegebenen Minimaldosierung. Nur wenn der Schlafmangel selbst dann schon zum gesundheitsbeeinträchtigenden Problem wird, lasse ich da mit mir reden. Aber der Schlafmangel könnte mich auch einige Lebensjahre kosten, da ist das Risiko auch eine Sache der Abwägung, was ist mir da wichtiger. Bisschen Suchtrisiko gehe ich dann eben ein. Aber ich schlucke mich nicht in die Kompfortzone, um alle Symptome loszuwerden, müsste ich wesentlich höher dosieren und dann wirds von daher wieder riskant. Behalte ich mir für meine letzten Lebensjahre vor.

Ich stelle fest, ich plane mit meinen Krankheiten...

Bis jetzt war ich da immer hart im Nehmen, deswegen kann ich nur vermuten, das sich schon mal schwer depressiv und auch schon manisch war, denn ich bin deswegen ja nie zum Arzt. Ich hab das immer mit mir selbst ausgemacht. Früher wars mir auch egal, ob ich das überlebe. Heute hätte ich gerne halt noch ein paar Jahre mehr.
Und ich bin auch immer noch leicht manisch, ich hab gesagt, das Glas darf gerne etwas mehr als halb voll sein, es darf nur nicht überlaufen. Runterziehen tun mich meine Baustellen irgendwann wieder von ganz alleine. Das muss jetzt gar nicht medikamentös runtergeregelt werden.

Aus der Firma raus (mein Partner macht noch weiter, seine Projekte laufen noch) ist für mich psychisch kein Problem. Für mich war Arbeit immer nur Mittel zum Zweck. Ich hab mich damit nie identifiziert, mir gings bei der Selbstständigkeit vor allem drum, meinen Lebenunterhalt mit möglichst wenig Aufwand zu verdienen. Den Computer dazu nutzen, wofür er eigentlich erfunden wurde, nämlich Prozesse zu automatisieren und selbst weniger zu tun.
Und mein letztes Projekt wirft dank Corona und China-Lieferengpässen fast nichts mehr ab, ich hätte was Neues entwickeln müssen und bis das was abwerfen würde, würde ja auch dauern. Kommt mir so gerade recht. Ich mach noch die Hintergund-IT, die internen Netzwerke etc, ganz raus bin ich eh nicht, aber ich muss nicht mehr.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 05. Oktober 2021, 10:45:27
Ganz raus kann ich mir bei dir auch nur bedingt vorstellen ;)

Warst du denn auf einer Entzugsstation, oder hat AmSee das missverstanden?

Mit den Medis mache ich es auch wie du. Lieber was aushalten, dann sagt einem der Körper schon Bescheid, in welche Richtung er es gerade besser aushalten kann.

Leider hatte die Freundin meiner Tochter mit 37 Jahren keine Patientenverfügung. Und auch da denke ich wie du, inklusive Sterbehilfe. Auch wenn das gerade Megasch... ist, wasder jungen Frau passiert. Oder gerade weil...

Dir wünsche ich auf jeden Fall noch gute "Renntnerinnenjahre" <3 Ich lebe im Gegensatz zu früher auch wieder gern.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 05. Oktober 2021, 11:03:48
Drei Wochen auf Station mit mehr oder minder nassen Alkoholikern stelle ich mir auch gerade einfach vor...Gut, dass du diesbezüglich gefestigt bist...

übrigens das... das war ziemlich einfach.
Grob gesagt gabs zwei Fraktionen.

Die einen waren praktisch auf Bewährung da, ob sie noch mal ne längere Therapie kriegen, und dazu mussten sie trotz Ausgang nüchtern bleiben können.

Andere mussten, weil sie ihr Leben draussen gar nicht mehr bewältigen können und sie auch schon negativ aufgefallen waren, mit Zwangseinweisung. Die hatten keinen Ausgang. Und es war sicher für die meisten auch weniger entspannt als für mich.
Aber ich kann da ziemlich leicht einfach zuhören und ich sag dann vielleicht auch mal was, aber es nimmt mich nicht mit. Die wollen ja auch nichts von mir.

Ausserdem hatte ich bislang nicht auf dem Schirm, dass es wohl viele Alkoholiker gibt, die z.B ihre Psychosen damit erträglich trinken. Also eine noch mal andere Klientel, als ich sie aus Foren oder Gruppen kenne.

Es war sogar so, dass welche dann mit mir als Begleitung raus und zum Einkaufen durften, aber dabei war klar, das ich nicht für sie verantwortlich bin. Nur als Stabilsator.
Mich fanden sowieso mehrere Leute eine netten Menschen, ich kann manche Sachen so im Vorbeigehen, dass es mich gar nicht anstrengt.

@ichso, das war allgemeine Psychiatrie, wo alle reinkamen, bei denen was unklar war und die dann z.B auf die Sucht- oder die Depressionsstationen verteilt werden sollten. Aber auch Drehtürpatienen, die während meines Aufenthalts gingen und schon wieder da waren, bis ich gegangen bin, bis hin zu Leuten, die seit 30 Jahren praktisch in der Psychiatrie leben. Aber wohl nicht nur Süchtige.
Bei mir hats offensichtlich gereicht, das ich irgendwann mal schlafen konnte, weitere Behandlung ausser meinen beantragten Beschäftigungen  hatte ich nicht.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 05. Oktober 2021, 11:22:11
Moin Susanne,
dann tickst du vom Prinzip eigentlich wie ich. Ich schlucke auch nur, wenn’s unbedingt nötig ist. Medis haben ja immer irgendwelche Nebenwirkungen und deshalb wäge ich da gut ab, ob‘s so noch geht oder eben doch nicht mehr.

Was Schlafmittel betrifft, bin ich äußerst vorsichtig. Da macht mir einfach das, was meiner Mutter als jungem Menschen geschehen ist, weshalb davon abhängig geworden ist und später nach ihrem Klinikaufenthalt stets alles in die Richtung abgelehnt hat, zu schaffen. Und nun, da ich auch noch alkoholabhängig geworden bin, erst recht.

In der Klinik damals war ich schließlich bereit, eine Vierteltablette Mirtazapin zu nehmen. Das Bisschen hat bei mir damals tatsächlich gereicht, dass ich endlich wieder schlafen konnte. Monate später wurd‘s wegen Verdacht auf Restless Legs wieder abgesetzt.

Schlafmittel hab ich nur drei Tage lang akzeptiert, als ich nach der zweiten heftigen Kortison-Stoß-Therapie wegen eines MS-Schubs überhaupt nicht mehr schlafen konnte.

Nee, ich nehme andere Medikamente, bei denen eben kein Abhängigkeitspotential besteht und ich die Nebenwirkungen in Kauf nehmen kann. Lange Zeit wollte ich überhaupt keine Medikamente zu mir nehmen außer Aspirin und was bei Magen und Darm.

Ich nehme morgens und abends ein AD, morgens einen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, abends einen Melatonin-Agonisten. Die Abend-Tablette halbiere ich sogar, weil mir der „Überhang“ am nächsten Tag zu viel war. Und wegen Restless legs nehme ich ein Medikament, das ursprünglich für Parkinson Patienten erfunden worden ist. Und noch ein Eisenpräparat, da bei Menschen, die Restless Legs haben, der Eisenspeicher voller als normal sein sollte.

Find ich gut, dass du noch ein paar Jahre mehr haben möchtest.  ;) Kommt mir irgendwie bekannt vor, was du diesbezüglich schreibst. Es hat bei mir nicht wenig Zeiten gegeben, das hab ich gehofft, nicht mehr wieder aufzuwachen, nun dürfen‘s gerne noch ein paar Jahre mehr sein....

Bezüglich Schlafentzug hab ich dich wohl missverstanden. Das klang zunächst so, als ob du diese Methode absichtlich bei dir angewandt hättest.

Wegen Arbeit und Beruf: Ja, so etwas hast du öfter mal geschrieben. Andererseits ist solche Arbeit aber doch auch das, was deinen Grips fordert und keine Langeweile aufkommen lässt. Deswegen hab ich gefragt, wie‘s dir damit geht.

Natürlich bin ich ziemlich erleichtert, nicht mehr in meinem Beruf oder einem anderen arbeiten zu müssen und ich kann meine Zeit gut füllen, aber andererseits fehlt mir mein Beruf irgendwie auch.
Ich selbst bin viel zu schnell und überraschend rauskatapultiert worden, als ich gerade mit viel Mühe versucht hatte, wieder reinzukommen. Nicht mehr zu können, fühlt sich nicht so dolle an...


Viele Grüße
AmSee


Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 05. Oktober 2021, 11:31:24
Hallo ichso,
nee, ich hab da nicht an eine Entzugsstation gedacht, sondern eher an so eine Art Auffangbecken...Susanne hatte nur erzählt, wie viele da mit Alkoholproblem rumliefen...

Aber ich kann da ziemlich leicht einfach zuhören und ich sag dann vielleicht auch mal was, aber es nimmt mich nicht mit. Die wollen ja auch nichts von mir.

Gut, dass du das kannst! Hattest ja mal erzählt, dass du diese „Gabe“ hast.
Ich erinnere mich mit Grausen, wie‘s mir ging, als ich drei Monate auf der Depressions-Station war, denn ich hatte deine „Gabe“ nicht. Heute wäre das vielleicht anders, weil ich gelernt habe, mich zu schützen und rauszuziehen.

Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 05. Oktober 2021, 14:11:16
Wegen Arbeit und Beruf: Ja, so etwas hast du öfter mal geschrieben. Andererseits ist solche Arbeit aber doch auch das, was deinen Grips fordert und keine Langeweile aufkommen lässt. Deswegen hab ich gefragt, wie‘s dir damit geht.

Natürlich bin ich ziemlich erleichtert, nicht mehr in meinem Beruf oder einem anderen arbeiten zu müssen und ich kann meine Zeit gut füllen, aber andererseits fehlt mir mein Beruf irgendwie auch.
Ich selbst bin viel zu schnell und überraschend rauskatapultiert worden, als ich gerade mit viel Mühe versucht hatte, wieder reinzukommen. Nicht mehr zu können, fühlt sich nicht so dolle an...

Mein Grips wird trotzdem noch gefördert. Ich bin noch in einer Arbeitsgruppe an der Uni und ich hab immer noch woanders einen Expertenstatus und schreibe Artikel. Wenn ich mich beschäftigen will, gibts genügend ehenamtliche Tätigkeiten, aber selbst das habe ich ja bereits etwas zurück gefahren, schon bevor dieser Schub jetzt war.

Ansonsten spielt wahrscheinlich auch das Alter eine Rolle. Mit 60 plus denken viele über Vorruhestand nach.

Und ich bin ja auch nicht rauskatapultiert worden, niemand würde mich dran hindern, weiter zu machen...wenn ich unbedingt wollte, ich will nur nicht.

Medis...so ein Parkinsonmedikament ist bei mir auch dabei, ging allerdings schon mal nach hinten los. Ich hatte dann Augmentation (da machts das Medi selbst noch schlimmer) deswegen bin ich auch da vorsichtig. Ausserem noch drei Andere. Und ich bin tagsüber grundsätzlich ganz ohne Medis, nur vor dem schlafengehen.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 06. Oktober 2021, 07:40:57
Guten Morgen, Susanne,
Mein Grips wird trotzdem noch gefördert. Ich bin noch in einer Arbeitsgruppe an der Uni und ich hab immer noch woanders einen Expertenstatus und schreibe Artikel. Wenn ich mich beschäftigen will, gibts genügend ehenamtliche Tätigkeiten, aber selbst das habe ich ja bereits etwas zurück gefahren, schon bevor dieser Schub jetzt war.

Das hört sich gut an. Möglichkeiten bleiben dir somit weiterhin offen.

Zitat
Ansonsten spielt wahrscheinlich auch das Alter eine Rolle. Mit 60 plus denken viele über Vorruhestand nach.

Und ich bin ja auch nicht rauskatapultiert worden, niemand würde mich dran hindern, weiter zu machen...wenn ich unbedingt wollte, ich will nur nicht.

Gewiss ist das alles ein entscheidender Unterschied.
Die Hauptsache ist jedenfalls, wie es dir damit geht, und wenn du tatsächlich nicht mehr willst und auch nicht mehr musst, dann passt es ja offenbar für dich, obwohl du gewiss auf diesen Krankheits-Mist auch gerne verzichtet hättest.

Zitat
Medis...so ein Parkinsonmedikament ist bei mir auch dabei, ging allerdings schon mal nach hinten los. Ich hatte dann Augmentation (da machts das Medi selbst noch schlimmer) deswegen bin ich auch da vorsichtig. Ausserem noch drei Andere.

Darf ich einen bösen Scherz machen? - Offenbar hast du, als der ganze Krankheits-Mist vergeben worden ist, noch lauter geschrieen als ich....  ;-)

Musste erstmal googeln, was „Augmentation“ bedeutet, kannte dieses Phänomen bislang noch nicht.
Verständlich, dass du bei den Medis noch vorsichtiger bist als ich.

Wünsche dir jedenfalls, dass sich bei dir Besserung einstellt.

Viele Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: ichso am 06. Oktober 2021, 08:27:34
Moinsen,

gerade eben im Radio. Billy Joel mit I go to extremes. Plus die Erklärung, dass er bipolar ist. Evtl. schon lange bekannt (altes Lied, ich kapiere es erst immer auf deutsch, weil mein Englisch ungenügend ist).

---
I GO TO EXTREMES LYRICS ÜBERSETZUNG

Nenn mich Witzbold, nenn mich Narr,
genau jetzt bin ich völlig entspannt,
klar wie Kristall, scharf wie ein Messer.
Ich fühle mich auf dem Höhepunkt meines Lebens
Manchmal denke ich, ich gehe zu weit
ich weiß nicht, wie lange diese Gefühl andauern wird
vielleicht nur noch heute Nacht.

Chorus 1:
Liebling ich weiß nicht, was mich zu den Extremen treibt
zu hoch oder zu tief, es gibt kein dazwischen
Und ob ich stehe oder falle
es ist immer alles oder nichts.
Liebling, ich weiß nicht, was mich zu den Extremen treibt.


Manchmal bin ich träge, manchmal wie erschossen.
Manchmal weiß ich nicht, was noch alles in mir steckt,
vielleicht bin ich schon über den Gipfel hinaus,
vielleicht bin ich schon für den Abschuss bereit.
Sag mir, wieviel du noch aushalten kannst
bis dein Herz zerbricht.
Manchmal denke ich, es ist soweit.

Chorus 2:
Liebling, ich weiß nicht, was mich zu den Extremen treibt,
zu hoch oder zu tief, es gibt kein dazwischen
du kannst dir sicher sein, wenn ich weg bin,
werde ich nicht lange fort sein.
Liebling, ich weiß nicht, was mich zu den Extremen treibt.

Raus aus dem Dunkeln, rein ins Licht,
den Ort des Verbrechens schnell zu verlassen,
entweder liege ich verkehrt oder genau richtig,
manchmal liege ich wach Nacht für Nacht
bis alles aus den Fugen gerät,
manchmal möchte ich gefallen, manchmal suche ich Streit,
warum gehe ich bis zum Extrem?

Und wenn ich stehe oder falle,
es ist immer alles oder nichts.
---

So hat es sich früher oft angefühlt. Und gerade bin ich traurig, dass ich alt und ängstlich geworden bin. So ängstlich, dass das wilde Nachbarsmädchen mir gestern abend im Wortsinn Herzschmerzen bereitete. Wo ich doch früher selbst eins war.

Naja, laberrhabarber. Warum ich das schreibe? Weil ich wissen will, ob Susanne das bipolare auch so ähnlich erlebt/e? Und weil ich mich gerade mit virtuellen Maßnahmen davor drücke, an die Realität zu denken. Die heute u.a. bedeutet, ca. 300 km zu fahren. Alter Falter! Wo ich mich seit Jahren in einem Umkreis von gefühlt 1 km bewegte. Mist! Tausche Rente gegen gesunde Psyche ;)

ichso - die froh ist, dass Susanne wieder mal schreibt. Horridoh, macht Blödsinn! ;)

Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 06. Oktober 2021, 08:37:19
Hallo ichso,
ich mag dir mal schnell antworten.

Interessant, welchen Hintergrund das Lied hat und den Text mal genauer zu lesen!
Finde mich darin irgendwie wieder, da kommt mir was bekannt vor,  obwohl ich nicht bipolar bin.

Ich kann gut nachvollziehen, dass dir die Realität heute gerade Angst bereitet und du am liebsten davor fliehen möchtest. Ist ja gerade auch alles n bisschen too much!

Siehst du dich in der Lage, dich deinem Angstgefühl und deiner Traurigkeit zu stellen? Sie wahrzunehmen, anzuschauen, als das zu sehen, was sie sind und sie anzunehmen?

Die Angst warnt dich letztlich vor möglicher oder tatsächlich vorhandener Überforderung. Eigentlich möchte sie dich davor beschützen... Und auch die Trauer ist derzeit berechtigt....

Herzliche Grüße, ich schick dir mal eine virtuelle Umarmung!

AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 06. Oktober 2021, 08:51:51
Hallo ichso,
noch so ein Gedanke für deine heutige Fahrt:

Höre gerade das Lied und es klingt für mich auch sehr powerful und weckt bei mir positive Emotionen.

Wie wäre es, wenn du dir für dich passende Musik für die Fahrt zusammenstellst? Etwas, was dich stark macht und zugleich zu deinen derzeitigen Emotionen passt....
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 06. Oktober 2021, 12:33:23
Moin ichso,

Du fragst, ob ich das genau so erlebe oder erlebt habe wie Billy Joel das beschreibt.

Äh, nein.
Wie ich jetzt gelernt habe, gibt es Bipolar Typ 1 und Typ 2.
Was ich bisher unter bipolar kannte, war wohl alles Typ 1, von einem Extrem ins Andere. Das hatte ich in meinem engeren Freundeskreis, war wirklich schlimm, wurde mir jetzt aber von jemandem bestätigt, dass es bei mir anders ist.

Das hab ich zwar ein bisschen, aber nicht so extrem. Da ich einen normalen Lebensweg aber schon immer als langweilig empfinde, ist mir das auch ein bisschen Banane, so normal will ich gar nicht sein. Ich hab nichts gegen eine Extrawurst. Bei mir haben sie Typ 2 diagnostiziert, und ich hatte ein bisschen den Eindruck, dass das so eine Art Sammeldiagnose ist, wenn sie nicht genau wissen, was Sache ist. Typ 2 hatte irgendwann mal Depris und bekommt dann irgendwann mindestens einen manischen Schub. Den ich ja jetzt hatte.

Die depressive Phase endete bei mir ziemlich genau vor 37 Jahren mit einem Selbstmordversuch. Eigentlich waren das die 10 Jahre harte Drogen. Seitdem bin ich nicht mehr depressiv.
Die Scheissegalität beim Saufen genau so wie meine zwischenzeitlichen, auch noch immer vorkommenden Ansätze schlechter Laune empfinde ich nicht als depressiv im eigentlichen Sinn, ich war bzw. bin da weder antriebslos noch fehlt mir die Lebensfreude, ich bin dann nur ein bisschen mehr aggro und stinkstiefelig unterwegs als normalerweise. Vielleicht merk ich es ja auch nur nicht, aber ich finde, schlechte Laune kann auch ganz brauchbar sein, das will ich oft gar nicht ändern.
Und was mich beim Saufen runtergezogen hatte, endete mit der Trockenheit. Die Unzufriedenheit, die ich dann irgendwann hatte, war dann nicht passiv, sondern trieb mich dazu, was an meinem Leben zu  ändern, war von daher durchaus produktiv und im Ergebnis positiv. Wut empfinde ich als nützliche Emotion.

Meistens bin ich, seit dem ich mit dem Saufen und dem Rauchen aufgehört habe, eher in gehobener Stimmung. Schon lange nicht wirklich depri. Ausserdem hab ich wohl keine psychotischen Züge und keinen Realitätsverlust. Mich haben sie ja bei der freiwiligen Einlieferung bis morgens um 3 auseinandergenommen und mit Fragen bombardiert. Ich hab das schriftlich, dass ich zwar wie voll auf Speed, aber jederzeit voll orientiert war.
Mich plagen auch keine übertriebenen Ängste. Ich würde, wenn ich nicht aufpasse, wahrscheinlich eher zur Tollkühnheit neigen, zu sehr ins Risiko gehen.

Das hört sich schon wieder so abwiegelig an. Im Währenden war es nicht lustig, aber trotzdem ging es ja relaiv schnell auch wieder vorbei, als ich dann schlafen konnte. Von daher nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber auch keine Katastrofe. Es ist nichts dauerhaft kaputt gegangen. Aber es ist ja auch so, das ich mich für meine Verhältnisse momentan auch wieder völlig normal fühle. Ein bisschen anders war ich schon immer, das bin ich ja auch ganz gern.
Und ein bisschen extrem erlebe ich durchaus so, wie wenn ich mein Leben in alle Richtungen ausgekostet habe. An sich sind mir die wirklichen Katastrophen ja immer erspart geblieben, immer kurz vor knapp noch die Kurve gekriegt.

@AmSee, dazu noch. Vielleicht hab ich ein bisschen lauter bei den Krankheiten geschrien. Trotzdem erlebe ich es eigentlich so, dass ich im Normalfall etwas zufriedener und weniger jammerlappig unterwegs bin als viele sogenante Normalos. Und faktisch sehe ich ziemlich viele Leute, mit denen ich nicht tauschen möchte. Und zwar schietegal ob das nun Alkis sind, die nicht aufhören können, oder auch Leute, deren ganzer Sinn im Leben aus Leistungsfetischismus und Karrieredenken besteht. Die wirken auf mich meistens nicht zufriedener als ich mich selbst fühle.

Von daher, ja ich hab mein Päckchen zu tragen, aber trotzdem gehts im Großen und Ganzen. Mir scheint das Päckchen nicht so sehr viel größer als das von Anderen. So wie das jetzt aussieht, werde ich mein Leben nicht bereuen.

BTW...trotz diesem ganzen Krempel hab ich am Wochennde eine Wanderung gemacht, da wurde mir dann geagt, dass das die meisten Dreißigjährigen nicht schaffen.
Und heute morgen in der Krankengymnastik Trampolinspringen. Ich mache wegen diesem Zeugs Sachen, die ich sonst vielleicht nie gemacht hatte. Die Seite gibt es ja auch noch.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: AmSee13 am 07. Oktober 2021, 08:42:06
Guten Morgen, Susanne,
um genau diese Lebenseinstellung, die in deiner Antwort an mich steckt, bemühe ich mich auch stets.
„Nützt ja nix.“ sagt man bei uns in der Gegend. Und so sehe ich das für mich auch.
Mein Leben ist nun einmal, wie es ist, und ich kann für mich ja nur das Beste daraus machen.

Jammern sollte man zwischendurch auch mal dürfen, damit wird man sich selbst und seinem Kummer ja durchaus auch mal gerecht. Dauerjammern bringt nix und gar nicht jammern bringt auch nix. So jedenfalls meine Erfahrung.

Prima, dass du trotz all dem Krempel am Wochenende eine Wanderung machen konntest, die manche Dreißigjährige nicht schaffen! Das macht irgendwie auch Mut und gibt Anlass zur Hoffnung, nicht wahr?

Viele Grüße
AmSee
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 07. Oktober 2021, 09:05:58
Moin AmSee,

ich mach das so, dass ich reale Probleme, die ich habe, ernst nehme, und entsprechend handle. Ich finde es z.B. uneingeschränkt gut, dass ich diesen Aufstand gemacht habe (und es war wirklich ein Aufstand), um in die Klinik zu kommen. Oder dass ich die entsprechenden Ärzte habe, Krankengymnastik mache, alles was notwendig ist. Mich um eine gute Versorgung der Dinge kümmere, die ich alleine nicht kann.

Auf der anderen Seite...war schon die zweite Wanderung seit meiner Entlassung aus der Klinik, die lief wie zuletzt vor mindestens 5 Jahren.
Ausserdem konnte ich seit drei Jahren nicht mehr Radfahren, konnte nicht mehr absteigen, wegen der Lähmung. Hab mir während meines Klinikaufenthaltes ein Ebike zugelget. Jetzt gehts wieder. Auch ein Spassfaktor. Ich bin ein Bewegungsmensch...

Aber ich will nicht lügen, ganz so spurlos ist das nicht an mir vorüber gegangen, es hat mir zumindest zu denken gegeben, dass ich mit Unvorhersehbarkeiten rechnen muss. Dass ich quasi in Frührente gehe, ist ja auch ein Eingeständnis, vielleicht doch kränker, als ich dachte. War halt doch noch mal was Neues. Und sowas macht mir auch immer deutlich, dass die Zeit läuft. Wenn ich noch was unternehmen will, muss ich damit anfangen.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 08. Oktober 2021, 14:00:51
Hallo Susanne.

Ich bin doch ziemlich betroffen, als ich gelesen habe ,was dir widerfahren ist und welche Diagnose du erhalten hast.
Ich habe mich gefragt, wie das sein kann ,dass erst jetzt so spät ,dieses Krankheitsbild herauskam.
Hat sich das erst jetzt entwickelt?
Oder hast du tief in dir drin eine gewisse Ahnung davon gehabt, dass bei dir etwas in der Art schlummert?
Ich will dir nicht zu nahe treten mit meinen direkten Fragen.
Wenn dir das zu viel ist ,dann bitte einfach ignorieren.
Orangina13
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 08. Oktober 2021, 17:39:39
Hallo Orangina,

danke der Nachfrage.

Die Behinderung, die Restless Legs und die Schlafprobleme habe ich schon lange.
Und schon allein der Schlafmangel kann zu manischen Schüben führen, das ist z.B von Schichtarbeitern bekannt.
Also würde der Schlafmangel als Erklärung schon völlig ausreichen. Und so lief es ja auch, als ich wieder schlafen konnte, wurde ich gesund (relativ)

Mein früherer Therapeut hat ja mal so was vermutet, dass ich Borderliner oder bipolar gewesen sein könnte. Unbehandelt, mit Alkohol und Drogen selbst therapiert. Klar könnte ich mich fragen, ob das was damit zu tun hatte, nicht unwahrscheinlich, aber nun auch schon ein paar Jahre vorbei. Sicher war bei mir manches "anders"...aber da gibts noch mehr Punkte. Von Alkikind bis Hochbegabung, ich kann mit verschiedenem dienen. Aber offensichtlich lebe ich ja trotzdem und meistens nicht schlecht, so what?

Ob das deswegen noch mal wieder kommt, oder ob das bei früherer Behandlung schon vorher gestoppt werden kann, muss ich sowieso abwarten. Jetzt hats mich ja vor allem genervt, dass ich erst niemanden erreicht habe und auf den Krisentermin normalerweise hätte zwei Wochen warten müssen. Das war mir zu lange. Wenn das in Zukunft einfacher geht, passiert ja vielleicht gar nicht viel.

Ja, vielleicht komisch, für mich war das in erster Linie eine weitere Lebenserfahrung. Brauch ich nicht öfter, aber trotzdem ist es ja auch wieder vorbei.
Ganz nebenbei, bei nichts, was ich habe, wäre Alkohol gut.

Gruß Susanne
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 08. Oktober 2021, 19:16:40
Hallo Susanne
Danke für deine Antwort.
Insgesamt ergibt sich aus deiner Beschreibung ein etwas schlüssigeres Bild für mich und trotzdem bleiben viele Fragen offen.  Die Psyche ist schon ein komplexes Thema.
Zudem frage ich mich ,wie sich manche Erkrankungen unbehandelt entwickeln.
Das bleibt mir ein Rätsel..
Dass Schlafentzug die Psyche desreguliert klingt logisch.
Ich wünsche dir ,dass du in Zukunft nicht mehr solche Erfahrungen machen musst und wünsche dir in jeglicher Hinsicht eine gute Stabilität.
Orangina
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 12. Oktober 2021, 18:46:26
Hallo Orangina,

bei der Psyche bleibt auch noch lange vieles unklar. Vieles wird auch immer noch nur nach Erfahrungswerten behandelt, nicht, weil man genau wüsste, warum etwas so ist oder hilft.

Ich wünsche dir ,dass du in Zukunft nicht mehr solche Erfahrungen machen musst und wünsche dir in jeglicher Hinsicht eine gute Stabilität.

Danke für die guten Wünsche.
Dieser Schlafmangel, der kommt und geht, seit über 20 Jahren. Differentialdiagnostiziert seit 15. Da ist auch mit Entspannungsübungen oder Meditation nichts zu machen, das geht da gar nicht mehr.
Dazu der Wirbelsäulenschaden.
Diese Baustellen werden mir schon bleiben. Ich brauch mir da auch nichts vorzumachen, den Zahn haben sie mir längst gezogen.

In Normalfall muss man damit rechnen, dass das wiederkommt. Einfach, weil der Schlafmangel ja auch wiederkommen wird. Also da helfen nur Strategien, das frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Hoffnung ist zu wenig. Wenn nichts passiert, um so besser. Das ist jetzt schon seit vielen Jahren im Sommer am Schlimmsten.
Ich sehe zu, dass ich mich ambulant anbinden lasse, damit das im Rahmen bleibt.

Der Schrecken, was da passiert, der hat sich schon mit der Wirbelsäulengeschichte erledigt. Das hat mich wirklich ein Jahr lang runtergezogen, dagegen ist das jetzt ja harmlos. Auch wenn es gar nicht so harmlos ist. Seitdem ich diesen Schock überwunden habe, mit dem ich ja auch die Hoffnung begraben habe, dass trocken alles möglich ist, sehe ich das realistisch. Das ist jetzt eigentlich nur so ein i-Tüpfelchen drauf. Und mir ist auch zunehmend bewusst, dass Älterwerden auch für Trockene mit Veränderungen einher geht, auf die man eventuell nicht so viel Lust hat. Du musst Dich gar nicht beeilen, ein alter Hase zu werden ;). Ich muss später auf dem Friedhof ja auch nicht die Gesündeste sein ;D.

Das ist jetzt einfach so wie es ist.

Gruß Susanne

PS: da fällt mir noch ein, dass ich gelegentlich lese, dass Leute, die sich mit Unabänderlichem abfinden können, zufriedener sind als solche, die immer damit hadern. Das gilt wohl für Sucht, aber auch bei solchen Themen.
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 13. Oktober 2021, 21:19:05
Hallo Susanne...
Du hast geschrieben:
"Das ist jetzt einfach so wie es ist "
Und ein paar Zeilen weiter,dass Menschen zufriedener sind,wenn sie sich mit unabänderlichem abfinden können.

Das ist die Königsdisziplin, die Dinge so anzunehmen wie sie sind ,auch wenn sie einem nicht gefallen.
Körperliche Gebrechen oder Krankheiten allgemein sind besonders große Herausforderungen.
Aber auch andere Lebensunstände, psychische Schwierigkeiten...
Manchmal weiß ich nicht ,wie die Vorgehensweise die richtige ist,die Dinge so anzunehmen...
Oftmals stellt sich bei mir ein Gefühl ein ,meist ein sehr trauriges oder verzweifeltes und aus diesem Gefühl heraus fällt es schwer ,Annahme zu lernen.
Über den Verstand kann man die "guten" Gedanken steuern.
Und genau das fällt mir manchmal schwer ,die Brücke von Gefühl zu Verstand zu schlagen.

Trocken zu sein heißt nicht ,frei von Leid zu sein.
Das hab ich nun auch erfahren.
Aber es ist um einiges leichter ,mit den Schwierigkeiten umgehen zu lernen.
Wie gut ,dass ich keinen benebelten Kopf mehr habe und keinen Kater am nächsten Morgen .

Eine alte Häsin will ich nur werden ,was die Abstinenz betrifft;-) ,aber vielleicht ist es auch gut, sich mit dem älter werden gut zu stellen und auch in diesem Bereich Annahme zu lernen.
Ich gebe zu ,es fällt mir sehr schwer.

Orangina
Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Susanne68 am 21. Oktober 2021, 17:24:35
Ja, mir ist das auch nicht so leicht gefallen, mich damit abzufinden. Also so vor 15 Jahren, als es das erste mal hiess, dass ich jetzt deutlich kürzer treten muss. Und das, als ich grade dabei war, meine permanente Unzufriedenheit zu überwinden.
Das kam auch nicht so von selbst, sondern es war erst mal die rationale Überlegung, dass ich deswegen ja nun nicht den ganzen Rest meines Lebens Trübsal blasen und im Selbstmitleid versinken will. Sondern, dass ich trotzdem vom Leben so viel haben will, wie mir möglich ist. Das hängt natürlich auch immer mit den eigenen Vorlieben zusammen.

So bei diesem Krankenhausaufenthalt denke ich ja auch, das muss ich im Auge behalten, das hat mich schon selbst auch ein bisschen geschockt. Aber deswegen geht das Leben ja trotzdem auch weiter. Realistisch habe ich die Möglichkeit, mich davon runterziehen zu lassen, oder ich baue es in mein Leben so ein, dass es trotzdem geht. Wenn weinen nicht hilft, lache ich lieber.

Das läuft bei mir auf eine Art von zwei Ebenen. Die eine Ebene steckt mitten in den Schwierigkeiten und hat oft überhaupt keine Lust dazu und kann auch nicht damit umgehen. Die zweite Ebene liegt irgendwie drüber und versucht, das ganze Problem sportlich zu betrachten, da muss ich nun durch. Ich betrachte mich selbst ein Stück weit von aussen. Und die Erfahrung ist die, dass es irgendwann besser wird. Das kann dauern, aber ich bin auch stur und zäh. Und irgendwo in mir habe ich immer einen Rest grundsätzlichen Optimismus, dass ich aus meinen Schwierigkeiten auch wieder herauskomme.

Momenten gehts mir beim Laufen (also Wandern) regelmässig so, das ich am Anfang oft denke, heute komme ich keine hundert Meter weit. Am Anfang macht mich das richtiggehend wütend, wenn es so schlecht läuft. Aber ich gebe auch so gut wie nie nach, wenn ich mir vorgenommen habe, zu laufen. Und so erlebe ich regelmässig nach einer halben Stunde ca., dass es dann eben doch gut läuft. Also bleibe ich auch dabei, und das tut mir gut. Ein andermal bleibe ich dafür im Liegestuhl, aber das macht mir auch nur Spass, wenn ich weiss, dass ich genug für die Gesundheit getan habe. Aber ich achte schon auch drauf, dass für Faulheit genügend Raum bleibt, soll ja auch Spass machen.

Ansonsten geht es mir wieder zunehmend gut. Ich hab in dieser schlaflosen Phase hier ziemlich viel für mich selbst geschrieben und das habe ich nun noch mal nachbearbeitet. Ausserdem noch was zu den manischen Zuständen insgesamt gelesen, da wurde mir zum Glück auch deutlich, dass es wohl tatsächlich nur die Schlaflosigkeit und ein sogenannter hypomanischer Zustand war. So schlimme Entgleisungen, die man hinterher bereut (das ganze Geld ausgeben, Schulden machen und sonstige originelle Kapriolen) hatte ich nicht. Trotzdem war ich ziemlich überdreht und hab auch meine Anstrengungen, von selbst runterzukommen, umfangreich dokumentiert. Dabei fiel mir auch wieder deutlich ein, wie es mir ging, als ich sämtliche erlernten Methoden angewandt habe und da trotzdem nichts half. Und das war gar nicht so ohne, denn vieles hatte ich schon wieder vergessen. Es war halt insgesamt total speedig, absolut überdreht, zu viel auf einmal, totale Reizüberflutung. Und wirklich nicht angenehm.
Aber ich hab mir auch an meiner eigenen Schreibe durchgelesen, wie das anfing, damit ich das beim nächsten Mal vielleicht eher erkenne. Meinem Partner musste ich auch etwas die Sorgen nehmen. Und ansonsten kann ich nicht hellsehen und lasse das nun erst mal so. Meine sozialen Beziehungen haben zum Glück nicht sehr gelitten, läuft alles schon wieder.

Gruß Susanne


Titel: Re: Sich selbst den Weg frei machen
Beitrag von: Orangina13 am 24. Oktober 2021, 08:23:21
Hallo Susanne
Deinen Beitrag hab ich gerade noch mal gelesen.
Es ist schon interessant, wie manche Geschehnisse im Nachhinein bewertet werden.
Du hattest etwas in dir,das sich angebahnt hatte ,das du im Nachhinein nun besser verstehst.
Deine Phase hat sich angekündigt ,die du zu der Zeit twar als veränderten Zustand wahrgenommen hast ,aber noch nicht wirklich ahnen konntest, was mit dir passiert.
So zumindest deute ich deine Entwicklung.
Ich kann mir vorstellen, dass du Respekt vor einer Wiederholung hast und auch die Vorboten nun genauer unter die Lupe nimmst und dich wahrscheinlich selbst besser beobachten lernst.

Aus deinen Zeilen ziehe ich jedenfalls auch etwas fpr mich persönlich heraus.
Manchmal agiere ich im Alltag ,so wie ich eigentlich gar nicht will.
Erst Tage später merke ich ,dass mein Verstand zu dem Zeitpunkt etwas ausgesetzt hat und die Emotionen Überhand nahmen.
Das macht mir persönlich auch etwas Sorge und Angst , weil ich es manchmal nicht einordnen kann.

Ich führe es auf eine große Überforderung zurück, in der ich aktuell stecke.
Seit ich keinen Alkohol mehr trinke, spüre ich meine eigentlichen Probleme deutlicher.
Ich bin dabei ,einen Umgang damit zu lernen.

Es ist gut ,dass ich das nun deutlicher erkennen kann

Trotzdem machen mir manchmal meine eigenen Verhaltensweisen und Empfindungen etwas Kopfzerbrechen.
Ich fühle mich zur Zeit sehr schnell am Limit und überreizt.

Erst am Wochenende komm ich wieder halbwegs zu mir, wenn ich Zeit für mich habe ,Zeit ,mich stundenlang im Wald aufhalten zu können,mich bewegen zu können ,wie ich will.

Orangina