Alkoholforum - Für Betroffene, Angehörige und Interessierte

Infos => Selbsthilfe / Therapie => Thema gestartet von: Schnisskettchen am 11. Mai 2020, 13:31:27

Titel: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 11. Mai 2020, 13:31:27
Hallo an alle,

ich bin neu hier. Kurz etwas zu mir. Ich bin 33, Drogen und Alkoholabhängig und hatte bis vor drei Jahren eine Bulimie.

Mit 24 habe ich meine erste ambulante Therapie gemacht, bei der ich mein Drogen- und Alkoholproblem recht gut in den Griff bekommen hab. War dann auch ca. 2 Jahre Abstinent. Hatte nen größeren Rückfall mit Drogen und Alk. Habe dann die zweite ambulante Reha begonnen und auch Abstinent abgeschlossen. Das ganze hielt in etwa 1 Jahr. Nach und nach hatte sich wieder ein Alkoholkonsum eingeschlichen. Da war die Bulimie auch noch voll im Gange. Die Essstörung ist seit einem Rückfall mit Kokain weg. Überhaupt hat sich mein Konsum eher auf Alkohol verlagert. Drogen kommen für mich nicht mehr in Frage. Jetzt bin ich letztes Jahr im August in die dritte ambulante Therapie gestartet. Die ich jetzt aufgrund zu vieler Rückfalle beenden musste.

Ich bin mittlerweile etwas verzweifelt. Meine Therapeutin hat mir vorgeworfen, nicht Abstinent Leben zu wollen. Das hat mich sehr verunsichert. Ich will Abstinent sein, das steht für mich fest. Jetzt ist es so, dass diese Therapie mir auch nicht mehr die bahnbrechenden Erkenntnisse gebracht hat wie die erste und vielleicht noch die zweite.
Und sowieso kannte ich das ganze ja eh schon. Dreimal die gleiche Therapieeinrichtung, dreimal die gleiche Therapeutin. Ich frag mich halt was ich noch tun könnte. Geh jetzt ab dieser Woche zur Suchtberatung der Caritas. Selbsthilfe Gruppen hab ich auch schon ausprobiert.

Eigentlich bräuchte ich auch wieder nen Entzug, weils mir tierisch schwer fällt so wieder ne bremse rein zu bekommen. Vorallem frag ich mich ob es immer so sinnvoll ist, Patienten bei Rückfällen so hart zu sanktionieren und den Abstinenzwillen in Frage zu stellen

Ich finds schon fast peinlich wie oft ich Rückfällig wurde.
Wie geht ihr mit Rückfällen um? Hat es bei euch mit der Abstinenz auf Anhieb geklappt? Welche Therapieform hat euch geholfen?

Freu mich auf eure Antworten.

Liebe Grüße



Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Greenfox am 11. Mai 2020, 15:44:20
Hallo, Schnisskettchen (?), und HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum  :welcome:

Kurz zu mir: Ich bin m, 57, (nur) Alkoholiker und nach mehreren Anläufen nun seit 12 Jahren trocken.

Was meinst Du, warum sollten Rückfälle "nicht so hart sanktioniert " werden? Fändest Du es besser, wenn die Rückfälligen - möglichst noch mit Fahne - mit den Anderen, die durchhalten und an sich arbeiten, weiter zusammen in der Therapie sitzen und signalisiert bekommen: Kein Problem, wenn Du Deinen wöchentlichen Rückfall hast - die Kasse zahlt schon!?

Ich bin Privatpatient, weiß also, wie scheißeteuer so eine Therapie ist. Ich war nach meiner ersten Therapie auch knapp 2 Jahre trocken und hatte dann einen Rückfall. Und da meine Kasse keine zweite Therapie bezahlt, habe ich wie Münchhausen versucht, mich selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen - was natürlich nicht funktioniert hat.
Also habe ich um eine zweite Therapie gekämpft. Als es dann hieß, dass die Kasse ihre 30% zwar nicht zahlt, aber die Beihilfe würde zahlen, dachte ich "Egal - irgendwie treibe ich das Geld schon auf. Ich will nur raus aus der Sucht!" Denn die 30% wären immerhin immer noch in etwa 10-15.000 € - damit Du mal eine Vorstellung hast! Als ich dann in der Klinik war, hieß es dann, dass auch die Beihilfe NICHT zahlt. Also blieb es bei einer qualifizierten Entgiftung - die allerdings bis heute hält.

Im Übrigen fragst Du auch noch, was Du noch tun könntest. Vielleicht mal etwas ANDERS?!? Drei Mal die gleiche Therapieform, -Einrichtung, Therapeutin … Albert Einstein formulierte es einmal in etwa so: "Dummheit ist, immer wieder dasselbe tun und ein anderes Ergebnis erwarten."

Ich habe damals mit einer ambulanten Therapie gestartet. Als ich merkte, dass sie nicht das Richtige für mich ist, bin ich umgeschwenkt auf eine stationäre. 12 Wochen in einer Klinik, in einem geschützten Rahmen - zunächst fast unvorstellbar. Und doch habe ich nachher noch um weitere 4 Wochen verlängert. Freiwillig!!

Es ist gut, dass Du nicht aufgibst. Aber vielleicht solltest Du auch mal etwas Neues probieren - mal eine stationäre Therapie, eine andere SHG, ohne Streicheleinheiten. Und vielleicht nicht nur probieren, sondern studieren (also etwas länger durchhalten).

Gruß
Greenfox
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Gerchla am 11. Mai 2020, 17:02:53
Hallo Schnisskettchen,

herzlich Willkommen hier im Forum.

Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

Mich würde interessieren, wie Du selbst Dir Deine Rückfälle erklärst. Ich meine, Du wirst doch Gründe dafür haben, weshalb Du immer wieder zur Flasche greifst, oder? Es muss doch etwas geben, das Dir der Alkohol vermeintlich verspricht. So dass Du ihn trinkst obwohl Du ja selbst sagst, dass Du ganz sicher abstinent leben möchtest.

Da musst Du dann schon auch verstehen, dass man auf die Idee kommen kann, dass Du das eigentlich gar nicht (richtig) möchtest. Aber das will ich Dir gar nicht unterstellen. Also, warum trinkst Du Alkohol? Was geht in Dir vor wenn Du die Entscheidung triffst: ich will jetzt was trinken - und das dann auch tust obwohl Du ja abstinent leben möchtest?

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen: Ich musste meine Trinkgründe finden (was absolut nicht einfach war) und ich musste sie verstehen, ich musste sie akzeptieren und ich konnte dann Strategien dagegen entwickeln. Ich habe in etwa ein Jahr gebraucht bis ich mit dem Gröbsten durch war. Dieses Jahr war geprägt von ganz viel denken, denken, denken und lernen, lernen, lernen, Entscheidungen treffen, Entscheidungen treffen. Das hatte alles nichts mit einer klassischen Therapie zu tun.

Es war einfach nur wichtig, dass ich nicht mehr trank, also komplett klar in der Birne war und dass ich mir die Zeit nahm, mich mit mir selbst und mit meinem Leben zu beschäftigen. Und zwar ganz intensiv. Ich holte mir dazu auch Hilfe, ja. Aber nicht in Form einer klassischen Therapie sondern sozusagen punktuell. Ich hatte einen Psychlogen mit dem ich bestimmte Themen bearbeitete, ich hatte einen sehr guten Freund, mit dem ich ebenfalls einiges abarbeitete und ich hatte einen Mönch, der mir in der ganzen Geschichte den meisten und wichtigsten Input gab. Und oft habe ich auch alle drei zu bestimmten Themen "befragt" und mir dann daraus das gezogen, was mir geholfen hat.

Du merkst also: Es ging bei mir nicht darum, dass mir jemand sagt wie ich da jetzt weg komme. Es ging vielmehr darum, dass ich mir das selbst erarbeitet habe und mir dazu Hilfe genommen habe. Ich habe gemerkt, dass nur ich allein für mich und mein Leben verantwortlich bin. Kein Therapeut, nicht meine Frau, nicht meine Freunde, nur ich allein bin für mein Leben verantwortlich. Anfangs hatte ich auch eine SHG, die dann im Laufe der Zeit aber nicht mehr das richtige Format für mich war. Darüber habe ich aber nicht gehadert sondern ich habe überlegt: was wäre jetzt das richtige für mich? Denn ich habe mich ja weiter entwickelt und ich brauchte neuen Input für neue Frage, die sich in mir auftaten.

Am Ende war dann das Ergebnis, dass ich fast mein komplettes Leben umgestellt habe. Natürlich trank ich nicht mehr, aber das war "nur" die Grundvoraussetzung um mein Leben überhaupt wieder in den Griff zu bekommen. Aber es war keinesfalls die Garantie das zu schaffen, es war nur die Grundvoraussetzung. Alles andere war Arbeit an mir selbst und an meinen Lebensumständen. Und so folgte dann die Trennung von meiner Frau, das Aufgeben meines (fast) kompletten (privaten) Umfelds, auch eine räumliche Veränderung und noch einiges mehr. Als ich da durch war, hatte ich ein ganz neues Umfeld, mit neuen Menschen und ganz anderen Schwerpunkten für mein weiteres Leben. Mir blieb "nur" mein Job, also mein berufliches Umfeld. Denn das hatte ich, was meine  Trinkgründe und die Gründe für mein kaputtes Leben betraf, als nicht ausschlaggebend identifiziert. Hätte auch anders sein können, dann hätte ich sicher auch meinen Beruf aufgegeben. War bei mir nicht nötig. Aber ich habe all diese Entscheidungen getroffen. Niemand mir gesagt: tue dies, mache das - ich habe Meinungen bekommen, ich habe diese durchdacht und ich habe dann entschieden. Ich wollte nie mehr trinken, das stand bei mir ganz oben, das war sozusagen nicht verhandelbar. Und ich wusste irgendwann, dass ich dieses Ziel nur dann erreichen kann, wenn ich mein Leben selbstbestimmt verändere.

Und das alles braucht eben Zeit. Zeit, in der man nicht nur nicht trinkt, sondern in der man richtig an sich arbeitet. Das kann ganz schön weh tun, weil man sich sehr stark mit seinen Verletzungen, mit seinen Schwächen beschäftigen muss. Es kann aber auch sehr positiv sein, weil man nach und nach merkt, dass immer ein Stückchen weiter voran kommt.

Also, mehr kann ich Dir nicht sagen. Ich weiß nicht ob Du mich verstehst, schließlich hast Du ja schon einiges an Therapien durch und ich denke, man wird Dir schon einiges in diese Richtung erzählt haben. Aber ich wollte Dir einfach mal diesen Input da lassen.

Alles Gute für Deine Zukunft!

LG
gerchla
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 11. Mai 2020, 18:21:59
Hallo, Schnisskettchen (?), und HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum  :welcome:

Kurz zu mir: Ich bin m, 57, (nur) Alkoholiker und nach mehreren Anläufen nun seit 12 Jahren trocken.

Was meinst Du, warum sollten Rückfälle "nicht so hart sanktioniert " werden? Fändest Du es besser, wenn die Rückfälligen - möglichst noch mit Fahne - mit den Anderen, die durchhalten und an sich arbeiten, weiter zusammen in der Therapie sitzen und signalisiert bekommen: Kein Problem, wenn Du Deinen wöchentlichen Rückfall hast - die Kasse zahlt schon!?

Ich bin Privatpatient, weiß also, wie scheißeteuer so eine Therapie ist. Ich war nach meiner ersten Therapie auch knapp 2 Jahre trocken und hatte dann einen Rückfall. Und da meine Kasse keine zweite Therapie bezahlt, habe ich wie Münchhausen versucht, mich selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen - was natürlich nicht funktioniert hat.
Also habe ich um eine zweite Therapie gekämpft. Als es dann hieß, dass die Kasse ihre 30% zwar nicht zahlt, aber die Beihilfe würde zahlen, dachte ich "Egal - irgendwie treibe ich das Geld schon auf. Ich will nur raus aus der Sucht!" Denn die 30% wären immerhin immer noch in etwa 10-15.000 € - damit Du mal eine Vorstellung hast! Als ich dann in der Klinik war, hieß es dann, dass auch die Beihilfe NICHT zahlt. Also blieb es bei einer qualifizierten Entgiftung - die allerdings bis heute hält.

Im Übrigen fragst Du auch noch, was Du noch tun könntest. Vielleicht mal etwas ANDERS?!? Drei Mal die gleiche Therapieform, -Einrichtung, Therapeutin … Albert Einstein formulierte es einmal in etwa so: "Dummheit ist, immer wieder dasselbe tun und ein anderes Ergebnis erwarten."

Ich habe damals mit einer ambulanten Therapie gestartet. Als ich merkte, dass sie nicht das Richtige für mich ist, bin ich umgeschwenkt auf eine stationäre. 12 Wochen in einer Klinik, in einem geschützten Rahmen - zunächst fast unvorstellbar. Und doch habe ich nachher noch um weitere 4 Wochen verlängert. Freiwillig!!

Es ist gut, dass Du nicht aufgibst. Aber vielleicht solltest Du auch mal etwas Neues probieren - mal eine stationäre Therapie, eine andere SHG, ohne Streicheleinheiten. Und vielleicht nicht nur probieren, sondern studieren (also etwas länger durchhalten).

Gruß
Greenfox

Hallo Greenfox,

danke für dein Feedback.
Ich meine keinen Falls, dass Patienten regelmäßig, am Besten noch mit Fahne zur Gruppensitzung kommen sollten und das dann noch toleriert wird.
Ich bin der Meinung, dass Rückfälle immer kritisch betrachtet werden sollten.
Allerdings finde ich es Schade, dass nach einer gewissen Zahl von Rückfällen die Behandlung beendet ist. Im meinem Fall mit der Begründung, dass ich den Stationären Aufenthalt, der bei einem dritten Rückfall blüht, noch als Urlaub ansehen würde.
NUR weil ich mich nicht mit Händen und Füßen dagegen gewehrt habe, sonder sogar als Chance sah und mich letztendlich darauf freute.

Mir ist durchaus bewusst, auch wenn ich meine Reha nicht selbst bezahlt hab, wie scheiße teuer eine solche Behandlung ist.
Ich habe schon viel erreicht im Laufe meiner Therapien. Wenn man bedenkt wo ich her kam, und wo ich jetzt bin.
Aber vielleicht hast du recht. Vielleicht sollte ich echt mal etwas anderes Versuchen.
Die Therapieeinrichtung in der ich war, war bisher so das Einzige was ich kannte und vor allem wird man dort direkt aufgefangen ohne lange Wartezeiten.


Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Britt am 12. Mai 2020, 10:44:56
Hallo Schnisskettchen,
herzlich willkommen hier in diesem Forum.
Ich bin Britt, Mitte 50 und alkoholkrank. Zur Zeit bin ich in der 2. Ambulanten Suchttherapie. Auch bei mir hat es mit der Abstinenz nicht auf Anhieb geklappt.
Ein Rückfall ist nicht peinlich.
Also wenn ich ehrlich bin, hatte ich beim Lesen deiner Beiträge das Gefühl: irgendetwas stimmt da nicht....
Zitat
...Jetzt bin ich letztes Jahr im August in die dritte ambulante Therapie gestartet. Die ich jetzt aufgrund zu vieler Rückfalle beenden musste.…dass ich den Stationären Aufenthalt, der bei einem dritten Rückfall blüht, noch als Urlaub ansehen würde. Patienten bei Rückfällen so hart zu sanktionieren und den Abstinenzwillen in Frage zu stellen ….
Keiner kann dich zu etwas zwingen! Du bist frei bei jeder Entscheidung, die du triffst (wenn du mit den Konsequenzen leben kannst).
In meiner Gruppe gab es 2 Rückfälle. Rückfälle gehören zur Krankheit. Als ich damals die Anträge unterschrieb, unterschrieb ich auch, dass ich während der Therapiezeit nicht konsumiere. Kommt es aber während der Therapiezeit zu selbst gemeldeten Rückfällen, hat es sehr wohl Auswirkungen auf das weitere therapeutische Vorgehen. Eine "disziplinarische" Entlassung gibt es aber  in den wenigsten Fällen. Kenne ich jedenfalls nicht. Hauptziel eines guten Therapeuten sollte sein, den Patienten bei einer möglichst raschen Überwindung ihres Rückfalls zu helfen bzw. den Rückfall zu reflektieren:
•   ein Rückfall kann ein falsches therapeutisches Vorgehen bedeuten
•   ein Rückfall kann Ausdruck einer generellen Abstinenzunwilligkeit sein
•       ein Rückfall kann eine momentane Überforderung sein
•   ein Rückfall kann Bestandteil eines interaktionellen Konflikts zwischen Patient und Therapeut sein

Die 2 Rückfallpatienten in meiner Gruppe hatten übrigens behördliche Auflagen zum Antreten einer Therapie. Sie mussten also von Rechts wegen,
von eigenem Willen keine Spur. Ich empfand diese Patienten als sehr unangenehm.
Das Ziel einer guten Suchtberatung sollte m.E. sein,  dass der Therapeut zusammen mit dem Patienten die „richtige“  Behandlungsmöglichkeit findet. Ich frage mich, warum dir der Kostenträger (in deinem Fall wohl die Krankenkasse oder die RV) innerhalb von 9 Jahren 3 ambulante Therapien genehmigt hat ? Muss man nicht 4 Jahre warten? Ist dir (und deiner Therapeutin) noch nie in den Sinn gekommen, dass eine ambulante Therapie für dich offensichtlich keine Erfolgschancen hat? 
Warum hast du die Therapeutin nicht gewechselt, wenn du mit ihr nicht klar kommst?
Das wird in jeder guten Suchtberatung respektiert.
Bist du für andere Behandlungsmöglichkeiten offen? Hast du denn alle Informationen über Möglichkeiten einer Behandlung bekommen?
Ich denke, ein individuelles Therapiekonzept sollte im Laufe einer Behandlung regelmäßig überprüft und Ziele gegebenenfalls neu bewertet und angepasst werden.
Aber es liegt auch an dir, „mitzuarbeiten“. Du tust nicht, was du willst...

Gib nicht auf - finde Wege!
Bleib oder werde gesund!
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 12. Mai 2020, 12:22:19


Mich würde interessieren, wie Du selbst Dir Deine Rückfälle erklärst. Ich meine, Du wirst doch Gründe dafür haben, weshalb Du immer wieder zur Flasche greifst, oder? Es muss doch etwas geben, das Dir der Alkohol vermeintlich verspricht. So dass Du ihn trinkst obwohl Du ja selbst sagst, dass Du ganz sicher abstinent leben möchtest.

Da musst Du dann schon auch verstehen, dass man auf die Idee kommen kann, dass Du das eigentlich gar nicht (richtig) möchtest. Aber das will ich Dir gar nicht unterstellen. Also, warum trinkst Du Alkohol? Was geht in Dir vor wenn Du die Entscheidung triffst: ich will jetzt was trinken - und das dann auch tust obwohl Du ja abstinent leben möchtest?



Hallo Gerchla,

danke für dein Feedback und deine Offenheit. Deine Geschichte hat mich etwas nachdenklich gestimmt.
Erst mal zu meinen Rückfällen. Es war so, dass ich in meinem Job eine zu hohe Belastung hatte. Katastrophale Arbeitsbedingungen, schwere körperliche Arbeit, Personalverantwortung, lange Arbeitszeiten etc. Die Arbeit war für mich einfach unerträglich, dennoch war ich auch davon abhängig Geld zu verdienen. Ich war einfach zu lange unfähig mich abzugrenzen bzw. meine Konsequenzen aus dem ganzen zu ziehen. Nach langem zaudern und zwei Rückfällen habe ich nun gekündigt und ich will nie mehr in den Beruf zurück.
Nun bin ich Arbeitslos und versuche mich beruflich neu zu sortieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich nen Suchtkranken Partner hab, der recht wenig Krankheitseinsicht hat. Was mich oft wütend macht. Er konsumiert nicht täglich. Alle 3-4 Monate dann über eine Woche ganz extrem. In den Tagen in denen er konsumiert ist Ihm einfach alles egal. Er meldet sich nicht bei mir, geht nicht arbeiten, meldet sich auch nicht auf der Arbeit krank und er und seine Wohnung sind komplett am verwahrlosen.

Was mich an deiner Geschichte sehr nachdenklich gemacht hat ist, dass du dich so radikal von allem getrennt hast was schlecht für dich ist oder war.
So ählich, aber nicht ganz so radikal, lief das ganze bei mir auch ab. Habe mich von meinem Kompletten Freundeskreis getrennt. Hab keinen Kontakt mehr zu meiner Familie, weil sie mir nicht gut getan hat. Ich war auch viel mit mir allein und hab viel über mich nachgedacht. Hab mir Hobbys gesucht. Dinge die mir Spaß machen. Ziele auf die ich hin arbeite.

Du hast geschrieben, dass du dich von deiner Frau getrennt hast.
Das ist etwas was mir auch immer öfter durch den Kopf geht. Nicht falsch verstehen, mein Partner ist total lieb, nie bösartig, immer für mich da und ich liebe ihn.
Dennoch seh ich die Tatsache, dass wir beide Suchtkrank sind sehr kritisch.

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 12. Mai 2020, 12:48:31
Hallo Schnisskettchen,
herzlich willkommen hier in diesem Forum.
Ich bin Britt, Mitte 50 und alkoholkrank. Zur Zeit bin ich in der 2. Ambulanten Suchttherapie. Auch bei mir hat es mit der Abstinenz nicht auf Anhieb geklappt.
Ein Rückfall ist nicht peinlich.
Also wenn ich ehrlich bin, hatte ich beim Lesen deiner Beiträge das Gefühl: irgendetwas stimmt da nicht....
Zitat
...Jetzt bin ich letztes Jahr im August in die dritte ambulante Therapie gestartet. Die ich jetzt aufgrund zu vieler Rückfalle beenden musste.…dass ich den Stationären Aufenthalt, der bei einem dritten Rückfall blüht, noch als Urlaub ansehen würde. Patienten bei Rückfällen so hart zu sanktionieren und den Abstinenzwillen in Frage zu stellen ….
Keiner kann dich zu etwas zwingen! Du bist frei bei jeder Entscheidung, die du triffst (wenn du mit den Konsequenzen leben kannst).
In meiner Gruppe gab es 2 Rückfälle. Rückfälle gehören zur Krankheit. Als ich damals die Anträge unterschrieb, unterschrieb ich auch, dass ich während der Therapiezeit nicht konsumiere. Kommt es aber während der Therapiezeit zu selbst gemeldeten Rückfällen, hat es sehr wohl Auswirkungen auf das weitere therapeutische Vorgehen. Eine "disziplinarische" Entlassung gibt es aber  in den wenigsten Fällen. Kenne ich jedenfalls nicht. Hauptziel eines guten Therapeuten sollte sein, den Patienten bei einer möglichst raschen Überwindung ihres Rückfalls zu helfen bzw. den Rückfall zu reflektieren:
•   ein Rückfall kann ein falsches therapeutisches Vorgehen bedeuten
•   ein Rückfall kann Ausdruck einer generellen Abstinenzunwilligkeit sein
•       ein Rückfall kann eine momentane Überforderung sein
•   ein Rückfall kann Bestandteil eines interaktionellen Konflikts zwischen Patient und Therapeut sein

Die 2 Rückfallpatienten in meiner Gruppe hatten übrigens behördliche Auflagen zum Antreten einer Therapie. Sie mussten also von Rechts wegen,
von eigenem Willen keine Spur. Ich empfand diese Patienten als sehr unangenehm.
Das Ziel einer guten Suchtberatung sollte m.E. sein,  dass der Therapeut zusammen mit dem Patienten die „richtige“  Behandlungsmöglichkeit findet. Ich frage mich, warum dir der Kostenträger (in deinem Fall wohl die Krankenkasse oder die RV) innerhalb von 9 Jahren 3 ambulante Therapien genehmigt hat ? Muss man nicht 4 Jahre warten? Ist dir (und deiner Therapeutin) noch nie in den Sinn gekommen, dass eine ambulante Therapie für dich offensichtlich keine Erfolgschancen hat? 
Warum hast du die Therapeutin nicht gewechselt, wenn du mit ihr nicht klar kommst?
Das wird in jeder guten Suchtberatung respektiert.
Bist du für andere Behandlungsmöglichkeiten offen? Hast du denn alle Informationen über Möglichkeiten einer Behandlung bekommen?
Ich denke, ein individuelles Therapiekonzept sollte im Laufe einer Behandlung regelmäßig überprüft und Ziele gegebenenfalls neu bewertet und angepasst werden.
Aber es liegt auch an dir, „mitzuarbeiten“. Du tust nicht, was du willst...

Gib nicht auf - finde Wege!
Bleib oder werde gesund!

Hallo Britt,

ja die Rentenversicherung hat mir in 9 Jahren 3 Therapien bezahlt. Von einer Regelung, dass man 4 Jahre warten muss hab ich noch nie was gehört.
Mit meiner Therapeutin bin ich eigentlich immer sehr gut ausgekommen. Vielleicht ist das in meinem ersten TXT etwas falsch rüber gekommen. Fand es eigentlich auch immer sehr gut, dass sie mich schon über so viele Jahre kannte.

Zu meiner Therapiegruppe muss ich sagen, dass ich Sie von Anfang an schwierig fand. Meine erste Sitzung startete direkt mit einem Rückfall von einem anderen Patient. So ging das die Komplette behandlung. Rückfälle, Abbrüche, auch Patienten die auf Beschluss da waren und unehrlich waren und mit den Scrennings betrogen.
Insgesamt war die Drogenproblematik sehr stark vertreten und der Altersdurchschnitt sehr jung. Hab mich da oftmals in mein altes Drogenmilleu zurück katapultiert gefühlt.

Im meinen anderen Therapiegruppen war ich meist die Einzige mit Drogenproblem und eigentlich immer die jüngste. Meine Mitpatienten waren alle so um die 50 und reine Alkoholiker oder Tablettenabhängig. Das waren alles sehr liebe Menschen die Ihre Sucht sehr ernst nahmen  mitten im Leben standen. Ich hatte sehr von Ihnen und Ihrer Lebenserfahrung profitiert.
So etwas würde ich mir für meine Behandlung auch wieder wünschen
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Greenfox am 12. Mai 2020, 13:36:59
Hallo, Schnisskettchen!

Btw: Hat der Name etwas zu bedeuten? Und wenn ja - was?  nixweiss0 Sorry. Hat mich nur die ganze Zeit beschäftigt …

Im Übrigen musst Du nicht immer den kompletten Beitrag des Vorschreibers kopieren - wenn, dann genügt der Ausschnitt, auf den Du Dich explizit beziehen willst.


Erschwerend kommt hinzu, dass ich nen Suchtkranken Partner hab, der recht wenig Krankheitseinsicht hat. Was mich oft wütend macht. Er konsumiert nicht täglich. Alle 3-4 Monate dann über eine Woche ganz extrem. In den Tagen in denen er konsumiert ist Ihm einfach alles egal. Er meldet sich nicht bei mir, geht nicht arbeiten, meldet sich auch nicht auf der Arbeit krank und er und seine Wohnung sind komplett am verwahrlosen.


Du hast geschrieben, dass du dich von deiner Frau getrennt hast.
Das ist etwas was mir auch immer öfter durch den Kopf geht. Nicht falsch verstehen, mein Partner ist total lieb, nie bösartig, immer für mich da und ich liebe ihn.
Dennoch seh ich die Tatsache, dass wir beide Suchtkrank sind sehr kritisch.


Soso - Dein Partner ist immer für Dich da.
Außer, wenn er nur für sich ist und DIR überhaupt nicht gut tut. Nicht umsonst heisst es, dass Beziehungen zwischen Suchtkranken selten gut ausgehen und meist im Sumpf enden.
Wobei die Betonung auf "selten" liegt! Ich kenne nur EIN Pärchen, die sich in einer Therapie kennen- und lieben gelernt haben und nun schon seit über 20 Jahren nicht nur zusammen, sondern auch trocken und clean sind. Wie heisst es bei Toyota: NICHTS ist unmöglich!

Aber das sind nach meiner Erfahrung eben leider die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Du solltest nur auf Dich selbst achten müssen und nicht auch noch auf Deinen Partner.

Nur mal so als Denkanstoß.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Gerchla am 12. Mai 2020, 15:33:02
Hallo Schnisskettchen,

es freut mich, dass Dich meine Zeilen zum Nachdenken gebracht haben. Ich versuche hier möglichst immer nur von mir und aus meinen eigenen Erfahrungen zu berichten. Und für mich war es eben entscheidend meine Trinkgründe zu finden und dann entsprechend daran zu arbeiten bzw. die richtigen Maßnahmen einzuleiten. Heute, also viele Jahre nach dem letzten Tropfen Alkohol, kann ich da recht sachlich und strukturiert zurück blicken. Damals, als ich mich sozusagen in diesem Prozess befand, war das natürlich ganz anders. Heute weiß ich, dass vieles von dem was ich gemacht habe genau richtig war und dass es wahrscheinlich schief gegangen wäre, hätte ich an der ein oder anderen Stelle nicht so konsequent gehandelt.

Damals war ich mir diesbezüglich gar nicht  immer so sicher. Wie schon geschrieben: Ich habe mich ausgetauscht, ich habe nachgedacht, ich habe abgewogen, immer und immer wieder.

Ich musste lernen zu wissen, was ich eigentlich will. Nicht oberflächlich im Sinne von "ich will nicht mehr trinken". Nein viel tiefer. Was will ich mit meinem Leben? Wer will ich sein? Was erwarte ich noch von meinem Leben und wie kann ich meine Ziele erreichen? Es war ein langer Prozess. Nicht mehr zu trinken war im Grunde nicht mehr als die Grundvoraussetzung um überhaupt wieder ein lebenswertes Leben führen zu können. Mit Alkohol wäre es unmöglich gewesen aber auch ohne gab es keine Garantie, dass es ein zufriedenes oder gar glückliches Leben werden wird. Dafür musste ich schon selbst Sorge tragen.

Was meine Trennung betrifft (das beschäftigt Dich ja offenbar). Ich trank 10 Jahre heimlich. Meine Frau musste leiden, meine Kinder mussten leiden und sie wussten nicht genau warum. Ich führte die letzten Jahre ein Doppelleben vom Feinsten. Ich log, ich betrog was das Zeug gehalten hat. Meine Frau konnte nichts dafür, dass ich mein Leben so an die Wand gefahren habe. Sie war einfach nur ein Opfer und ich war der Täter. Sie war (ist) ein guter Mensch, der ganz sicher etwas anderes verdient hätte. Trotzdem war ich es dann, der sich getrennt hat. Erst habe ich ihre ganze Welt, all ihre Zukunftspläne pulverisiert, an dem Abend an dem ich mich outete und kurz darauf bin ich dann ausgezogen und habe mich getrennt. Sie hätte gerne an unserer Beziehung fest gehalten, wäre den Weg aus der Sucht gerne mit mir gegangen.

Warum hat er sich getrennt? Vielleicht stellst Du Dir diese Frage jetzt. Weil ich mir darüber klar wurde, dass ich nicht dauerhaft ohne Alkohol leben können werde, wenn ich in dieser Beziehung bleibe. Glaube mir, das war die schwerste Entscheidung meines Lebens. Weil ich damit auch meine von mir über alles geliebten Kinder "verlor". Von meiner Frau hatte ich mich im Laufe der vielen Alkoholikerjahre schon entfernt, auch wenn sie das so gar nicht einordnen konnte. Aber meine Kinder waren immer mein ein und alles.

Aber ich hatte mir eines geschworen: Ich werde all mein Handeln, alles was ich tue meiner Abstinenz unter ordnen. Und das schlimmste wäre gewesen, wenn ich in dieser Beziehung geblieben wäre und hätte wieder getrunken. Denn ich war mir darüber im Klaren, dass ich mich dann wahrscheinlich tot gesoffen hätte. Und das wäre auch für meine Kinder die noch schlimmere Alternative gewesen. Somit musste ich diese Entscheidung so treffen wie ich sie getroffen habe.

Und dann noch einige andere, die ich immer mit der Vorgabe "meine Abstinenz ist nicht verhandelbar" getroffen habe.

Und da stehe ich noch heute dazu. Und bin auch heute mehr denn je davon überzeugt, dass ich für mich richtig gehandelt habe.

Ich habe heute ein sehr gutes Verhältnis zu meiner ersten Frau, ein super Verhältnis zu meinen Kindern. Ich bin wieder verheiratet und wurde nochmal Papa. Und bin heute ein sehr glücklicher Mensch. Ich bin mir sicher, dass das alles so niemals hätte passieren können, wenn ich inkonsequent vor mich hingelebt hätte. Es war entscheidend, dass ich mich in den Fokus meines Lebens gerückt habe. Was überhaupt nichts mit Egoismus im klassischen Sinne zu tun hat. Ich kann heute ganz viel geben, ich kann ganz viel Unterstützen und ich tue das auch gerne. Auch z. B. meine erste Frau und damit meine ich nicht nur Geld überweisen. Und ich mache das wirklich gerne und weil es für mich ein wichtiger Baustein meines neuen Lebens ist. Für andere da sein, anderen helfen ohne dabei etwas für mich selbst zu erwarten. Aber ich kann das nur deshalb, weil ich mit mir selbst im Reinen bin. Dafür bin ich unendlich dankbar und ich habe das alles auch erst lernen müssen.

Ich musste lernen, wie wichtig es ist, dass ich mich so akzeptiere wie ich war um mich so entwickeln zu können wie ich eigentlich wollte. Ich musste auch lernen, dass meine Schuld ein Teil meines Lebens ist und dass ich sie weder verdrängen noch ungeschehen machen kann und das auch nicht will. Aber das ich aus ihr lernen kann und dass ich durch diese Erfahrung zu demjenigen werden kann, der ich gerne sein möchte.

Also, das ist alles ein langer Prozess. Der ist für mich auch nicht abgeschlossen, auch wenn es heute keine akuten (alkoholbedingten) Baustellen für mich mehr gibt. Trotzdem habe ich immer wieder Herausforderungen, muss immer mal wieder Einschläge verkraften, muss mich immer wieder mal fragen, ob das alles gut und richtig ist, was ich so treibe. Und ob ich das so will, ob ich so sein will oder ob ich da nicht mal wieder korrigieren möchte.

Also, es ist nicht einfach zu beschreiben was ich Dir sagen möchte. Vielleicht kannst Du ja was damit anfangen.

LG
gerchla
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 12. Mai 2020, 15:53:25
Hey Greenfox!

Ja das mit dem zitierten Text muss ich noch üben. Bin das erste Mal in nem Forum unterwegs und muss mich erst mal durch wursteln  ;D

Und ja, der Name Schnisskettchen hat eine Bedeutung.
Schnisskettchen kommt aus dem Saarländischen Dialekt und bedeutet so viel wie Quasselstrippe oder Plaudertasche. Wobei meist Frauen als Schnisskett bezeichnet werden.
Schniss=Mund, Kett oder Kettchen= Frau.
Kenn den Begriff noch von meiner Oma. Heut zu Tage verwendet man ihn wohl eher nicht mehr.

Im Bezug auf meine Beziehung geb ich dir recht. Ich hab bisher noch keine guten Erfahrungen mit Beziehungen mit Suchtkranken gemacht. Egal ob freundschaftliche Beziehungen oder Liebesbeziehungen. Auch wenns oftmals ne lange Zeit gut geht, bekommt sowas gerne mal ne scheiß dynamik und man schaukelt sich gegenseit hoch.
Bei meiner Beziehung ist das diesmal nicht so extrem. Wir favorisieren beide andere Suchtmittel und haben auch ein komplett anderes Konsumverhalten.
Mein Freund hat eigentlich nie Suchtdruck und kann ohne Probleme über einen langen Zeitraum nix konsumieren. Selbst wenn er mal ein paar Bier trinkt (was er wegen mir nicht macht) muss er den nächsten Tag nicht weiter trinken. Bis er dann irgendwann ne Woche extrem mit THC und Alk durchstartet.
Mein Konsum hat sich eigentlich komplett auf Alk verlagert. Es sind auch lang nicht mehr die Mengen die es mal waren. Ich trink nur Abends wenn ich alle Verpflichtungen erledigt hab. Ich fahr auch kein Auto wenn ich was getrunken hab (hatte den Lappen schon mal 5 Jahre weg).
Mir gehts beim Konsum oftmals auch nicht drum mich komplett abzuschießen. Mir reichts wenn der Alk mich dösig macht und ich schlafen kann.

Also was ich damit sagen will, in Sachen Konsum finden wir nicht zusammen und schaukeln uns auch nicht gegenseitig hoch. Damit red ich  mir das wahrscheinlich auch schön.
Wollte mich eigentlich auch von Ihm trennen und habe lange und viel mit Ihm darüber gesprochen. Ich denk mir halt auch, er ist krank, und mich deswegen von ihm zu trennen scheint mir net fair. Er hat mich auch noch nie fallen gelassen.

Es ist einfach alles so kompliziert und schwierig...
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Greenfox am 12. Mai 2020, 18:10:23
Siehste wohl - wieder einen dialektischen Begriff  ;) gelernt. Ich liebe Dialekte. Schaue auch gerne z.Bsp. mal auf HR das Hessen-Quiz - also was da bei Mundart so gefragt wird  :o da komme ich als Berliner manchmal nicht mit.

Aber egal, ist ja hier nicht das Thema  :)


Also was ich damit sagen will, in Sachen Konsum finden wir nicht zusammen und schaukeln uns auch nicht gegenseitig hoch. Damit red ich  mir das wahrscheinlich auch schön.


Na, wenn der Eine immer nur mit Nitroglyzerin spielt und der Andere mit weissem Phosphor - dann kann ja nix passieren ...  schwitz.

Schätzelein, m.E. kann so eine Beziehung, solange auch nur ein Partner konsumiert UND nicht den Willen hat, davon wegzukommen - solange KANN diese Beziehung nur mächtig gewaltig in die Hose gehen. Entweder knallt es kräftig - oder im Endeffekt hängen BEIDE an der Nadel/Flasche/wat auch immer.

Ich denk mir halt auch, er ist krank, und mich deswegen von ihm zu trennen scheint mir net fair.

Ist es etwa fair(er), wenn Du mit ihm "untergehst"?

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Gerchla am 13. Mai 2020, 11:29:09
Hallo Schnisskettchen,

Zitat
Ich denk mir halt auch, er ist krank, und mich deswegen von ihm zu trennen scheint mir net fair. Er hat mich auch noch nie fallen gelassen.

Mit der Aussage das er krank ist hast Du sicher recht. Das Problem dabei ist nur, dass Du auch krank bist. Und ich gehe jetzt mal noch ein Stück weiter: Ihr seid beide psychisch krank. Denn Suchterkrankungen haben in  der Regel immer psychische Ursachen.

D. h. dann also mal frei übersetzt: Hier will der eine psychisch Kranke den anderen psychisch Kranken nicht  fallen lassen. Und umgekehrt.

Dabei wird wahrscheinlich nichts Gutes heraus kommen, kann es eigentlich auch gar nicht. Auch wenn es sicher gut gemeint ist und ein Stück weit ja sogar nachvollziehbar. Es fühlt sich einfach nicht gut an, den anderen "einfach so" fallen zu lassen und sich um sich selbst zu kümmern. Es könnte aber ja auch sein, dass genau das Euch beiden helfen würde. Auch ihm, wenn er auf sich allein gestellt ist und sich ganz allein um sich selbst kümmern muss. Wie gesagt, alles Theorie und im Grunde ist es einfach nur so, dass Du für DEIN Leben verantwortlich bist.

Und nur DEIN Leben hast Du in der Hand. Er ist für das seinige verantwortlich und muss für sich entscheiden wie er leben möchte. Auch ihm steht es offen etwas gegen seine Sucht zu unternehmen, sofern er das möchte.

Ich möchte Dir nochmal eines sagen, nochmal wirklich aus meiner eigenen Erfahrung heraus: Man kann erst (effektiv) für andere da sein, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Das war für mich eine ganz wichtige Erkenntnis und ich hatte das weder vor meiner Trinkerzeit noch zu den Zeiten als ich trank auf dem Schirm. Ich dachte ich müsste dieses und ich müsste jenes, etc. Und als ich trank hat schon mein schlechtes Gewissen dafür gesorgt, dass ich getan und gemacht habe. Vor allem auch zuhause, gegenüber meiner Frau. Und ich dachte damit könnte ich ihr helfen, könnte mein Fehlverhalten, welches ich aufgrund meiner Sucht immer wieder an den Tage legte, etwas egalisieren.

Ich selbst, meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse blieben dabei dann natürlich auf der Strecke Und meine meine Sauferei tat ihr übriges dazu. Und irgendwann war dann der Akku halt komplett leer. Es ging gar nichts mehr. Nur noch trinken und irgendwie funktionieren.

Ich glaube also, dass Du aufgrund Deiner eigenen Sucht, aufgrund Deiner eigenen Probleme, gar nicht in der Lage bist ihm zu helfen. Oder aber, dass Du dabei selbst immer mehr auf der Strecke bleibst, bis halt irgendwann mal nichts mehr geht. Denn Du hast nichts womit Du Deinen Akku wieder auffüllen könntest. Das verhindern Deine Sucht und die damit einhergehenden Probleme. Temporär hast Du durch Deine Therapien und die "Auszeiten" wieder ein wenig Energie gewonnen und diese dann sofort wieder investiert. Aber nicht in Dich und Dein weiteres Leben.

Was Du also bräuchtest (aus meiner Sicht und geprägt von meinen Erfahrungen) wäre ein Neustart. Und zwar einer ohne Alkohol natürlich und einer, wo Du DICH und Deine Wünsche, Deine Ziele, Deinen künftigen Lebensplan in den Fokus nimmst. Für mich war es damals wichtig, ein Ziel und eine Perspektive für mein Leben zu haben. Und nicht, wie in meiner Trinkerzeit, einfach vor mich hin zu leben und damit beschäftigt zu sein, all die Probleme (von denen ich die meisten ohne Trinkerei natürlich gar nicht gehabt hätte) irgendwie wegzusaufen.

Dieser "Sinn des Lebens" (welcher ganz sicher individuell höchst unterschiedlich sein kann) ist für mich von ganz zentraler Bedeutung gewesen. Denn als ich den für mich identifiziert hatte und mich dann auf den Weg machte ihn auch Stück für Stück für mich zu realisieren, erlebte ich etwas, was ich während meiner gesamten Trinkerzeit nicht mehr erlebt oder gefühlt hatte,  nämlich ZUFRIEDENHEIT.

Mir ging es nach und nach besser (ich schrieb bereits, dass das ein Prozess war und ich nach einem Jahr mit dem Gröbsten durch war), ich wurde nach und nach zufriedener mit mir (also meinem ich) und mit meinem Leben. Ich konnte mich wieder leiden.  Und damit entzog ich auch dem Alkohol immer mehr seine Existenzberechtigung. Denn ich setzte den Alkohol ja ausschließlich wegen seiner Wirkung ein. Eben genau deshalb, weil ich nicht im Reinen mit mir war, weil ich nicht zufrieden war, weil ich etwas verdrängen wollte, weil ich entspannen wollte, jemand anderer sein wollte und ohne nicht konnte, etc. Du wirst das ja sicher alles kennen.

Aber wenn Du mit Dir und dem was Du tust und wie Du lebst im Reinen bist, dann brauchst Du keinen Alkohol mehr. Wozu sollte er dann noch nützlich sein? Klar habe auch ich nicht wenige positive Erinnerungen an das Zeug, welche alle ausschließlich aus den Anfangszeiten meiner Sucht (oder sogar noch davor) stammen, als es noch nicht so schlimm war. Lustige Geschichten, intensive Gespräche, etc. Was man halt alles so erlebt, wenn man mal ein wenig zu viel getrunken hat. Und was ja auch für all jene die nicht gefährdet sind kein Problem darstellt. Aber auch diese positiven Gedanken ließen mich nie wanken. Denn ich lernte mit der Zeit, dass ich all diese schönen Gefühle (bis hin zum Genießen eines Sonnenuntergangs am Meer OHNE ein Glas / Flasche Rotwein) komplett ohne Alkohol fühlen und erleben konnte. Teilweise, das meine ich ganz ehrlich, noch viel intensiver als es mit Alkohol der Fall war.

Also, zusammengefasst war es für mich einfach ganz wichtig meinem Leben einen Sinn zu geben. Zu wissen, wer ich bin und wer ich sein möchte. Und dabei war immer klar, dass ich das alles nur ohne Alkohol erreichen kann und dass ich zunächst auch erst mal mein ganzes altes oder bisheriges Leben hinter mir lassen muss. Dass ich, in meinem Fall, große Veränderungen und Entscheidungen treffen muss.

Aber ich kann für mich nur sagen: Ich bin so dankbar, dass ich diese Chance erhalten habe und auch nutzen konnte. Ich bin so dankbar für mein jetziges Leben.

Und ich denke auch Du hast es in der Hand. Ob Du in alten Mustern kleben bleibst und Dich immer wieder im Kreis drehst oder ob Du wirkliche Veränderungen in Deinem Leben vornimmst. Letzteres verlangt sicher auch Mut, denn es bedeutet Veränderung.

LG
gerchla
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 13. Mai 2020, 15:45:56
Hallo,

also ich möchte als erstes mal los werden, dass ich das ganz süß finde wie viel Mühe ihr euch mit den Antworten gibt. Ich bekomme hier tollen Input. Ich hab öfter mal in verschiedenen Foren mit gelesen, hab mich aber nie getraut mal selbst was zu verfassen bzw. hätte ich nicht gedacht, dass es hilfreich sein könnte.


Dabei wird wahrscheinlich nichts Gutes heraus kommen, kann es eigentlich auch gar nicht. Auch wenn es sicher gut gemeint ist und ein Stück weit ja sogar nachvollziehbar. Es fühlt sich einfach nicht gut an, den anderen "einfach so" fallen zu lassen und sich um sich selbst zu kümmern. Es könnte aber ja auch sein, dass genau das Euch beiden helfen würde. Auch ihm, wenn er auf sich allein gestellt ist und sich ganz allein um sich selbst kümmern muss. Wie gesagt, alles Theorie und im Grunde ist es einfach nur so, dass Du für DEIN Leben verantwortlich bist.


Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, auch dank deiner Texte, dass ne ganz gravierende Änderung her muss. Ich denke ich werd mich auch um eine statinöre Therapie bemühen.
Im Rahmen meiner Ambulanten Therapie wäre ich auch dazu bereit gewesen. Jetzt nach dem Rauswurf hab ich mich gegen Stationär etwas gestreubt. Bei mir schwingt die Angst mit nach einem stationären Aufenthalt nicht mehr genug Zeit  zu haben einen Job zu finden bzw. mein Anspruch auf ALG 1 nach einem Jahr entfällt und ich ins Hartz 4 rutsche.
Aber das lässt sich ja alles irgendwie regeln. Meine Betreuerin vom Arbeitsamt hat gesagt, ich soll doch erst mal schauen, dass ich gesund werde und mich krankschreiben lassen. Damit ruht der Anspruch auf ALG und ich bekomm erst mal Krankengeld. Und wenn ich gesund bin bestände auch die Möglichkeit eine Umschulung finaziert zu bekommen.

Und ich glaube das ist auch der richtige Weg. Alles andere würde kein Sinn machen. Wenn ich mich so wie es jetzt ist, in eine Umschulung stürtze, wird es früher oder später eh in die Hose gehen. Ich hab einen neuen Beruf immer als Zentrales Thema bei mir gesehen bzw. war mir immer ganz klar, dass wenn ich in dieser Branche bleibe  niemals gesund werde.

Aber das ganze ist doch etwas komplexer. Wie du deinen Weg beschreibst, mit den ganzen Veränderungen, bringt mich echt zum nachdenken.
Hatte ja schon mal kurz angeschnitten, dass es bei mir auch viele gravierende Änderungen gab.
Aber ich glaube mittlerweile, dass neue Veränderungen her müssen.
Ich finde mich oft in alten Suchtmustern wieder ohne bemerkt zu haben wie ich da reinschlittere. Weil ich oft nicht konsequent genug bin. Oder zu bequem. Ich mache zwei Schritte vor und ohne es bemerkt zu haben drei Schritte zurück.

Dabei weiß ich glaub ich ziemlich genau wer ich sein will. Wo ich hin will. Ich habe Ziele und Träume. Wo wir wieder bei meinem Freund sind. Er hat keine Ziele im Leben oder Dinge für die er brennt oder etwas worauf er hin arbeitet. Außer Heiraten und Kinder bekommen. Kinder kommen für mich nicht in Frage aber es war für uns noch kein Trennungsgrund. Ich glaube heimlich hoffen wir beide, dass sich die Meinung des anderen im laufe der Zeit nochmal ändert.
Für ihn ist es einfach das non plus ultra wenn er bei mir sein kann. Er braucht dann nichts anderes. Er hat keine Freunde, keine Hobbys, keine Familie (außer ne Mutter die in der Psychiatrie ist) und sieht auch keine Notwendigkeit das zu ändern oder den zusammenhang mit seiner Sucht. Für ihn ist das mit Sicherheit auch alles nicht leicht aber ich komm auf diesen Ansichten einfach nicht klar.

Gestern Abend hat er doch tatsächlich wieder gesagt, dass er kein Alkoholiker ist. Ich seh das völlig anders. Er deffinitiv ein massives Alkoholproblem. Ihm mag Alkohol alleine nix geben aber in Verbindung mit Cannabis (was sich gegenseitig verstärkt) kippt er unmengen in sich hinnein. Bis vor vier Jahren hat er das täglich betrieben. Er hat zwei mal seine Arbeit deswegen verloren. Er hat es mittlerweile soweit im Griff, dass es nur alle paar Monate mal soweit kommt. Quasi wie ein Quartalstrinker.
Mich macht das Wahnsinnig ständig Diskussionen darüber zu führen. Eine Krankheitseinsicht liegt Null vor.

Für mich hatte er eine ambulante Therapie begonnen. Was er bestreitet. Er sagt er hat es für sich gemacht aber ich denke er wollte mich nicht verlieren.
Während der Therapie gab es dauernd endlose Diskussionen um alles. Er hat ständig alles in Frage gestellt was dort gepredigt wurde, sich nicht an Regeln gehalten, rum gebockt...
Ich hatte immer die Hoffung, dass im Rahmen der Therapie eine emotinale Krankheitseinsicht eintritt. Aber der Zug ist jetzt abgefahren. Er hat die Therapie abgebrochen und wird auch alternativ nichts für sich tun. Seine Therapie war für mich immer eine Bedingung die Beziehung aufrecht zu erhalten. Dennoch fällt es mir jetzt schwer mich zu trennen. An Gefühlen mangelt es bei uns nicht. Er ist mein aller bester Freund und ich kann mit Ihm über alles reden. Er war immer für mich da und wir hatten eine schöne Zeit. Eine Trennung aus rationalen Gründen hatte ich bisher noch nicht und ich weiß nicht ob ich das hinbekomm.

Auf jeden Fall denk ich, dass ein stationärer Aufenthalt mir dabei helfen könnte. Erst mal Abstand, Handy aus und nur ich mit mir allein.



Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Gerchla am 14. Mai 2020, 10:50:11
Guten Morgen Schnisskettchen,

Zitat
Dennoch fällt es mir jetzt schwer mich zu trennen. An Gefühlen mangelt es bei uns nicht. Er ist mein aller bester Freund und ich kann mit Ihm über alles reden. Er war immer für mich da und wir hatten eine schöne Zeit. Eine Trennung aus rationalen Gründen hatte ich bisher noch nicht und ich weiß nicht ob ich das hinbekomm.

Es geht ja nicht darum, dass Du jetzt irgendwas übers Knie brichst. Aber mein Gefühl ist, wenn ich so lese wie Du über Deine Beziehung schreibst, dass Du da in einer Abhängigkeitsbeziehung steckst. Damit meine ich jetzt nicht Eure beiderseitige Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen. Sondern die emotionale Beziehung zwischen Euch beiden. Aber ich bin ja kein Psychologe und kann Dir hier nur meine Gedanken mitteilen, die natürlich auch falsch sein können.

Aber genau diese Dinge sind es doch, die Du auch angehen solltest. Wenn Du also jetzt eine stationäre Therapie machst, dann bringe all diese Dinge, all das worüber Du nachdenkst und was Dich beschäftigt und letztlich ja belastet, zur Sprache. Ich habe das ja nicht anders gemacht. Ich habe genau das getan. Alles was mich beschäftigt hat immer wieder mit unterschiedlichen Leuten besprochen. Mit einem Freund, mit einem Psychologen, in der SHG, mit meinem Mönch. Immer und immer wieder und natürlich veränderten sich dann die Themen im Laufe der Zeit.

Ich war mir am Anfang keinesfalls sicher, ob ich da alles richtig mache. Trennung von meiner Frau, das konnte ich mir lange absolut gar nicht vorstellen. Weil ich ja wusste, dass ich damit auch meine Kinder verliere und sie zutiefst verletzen werde. Ich war lange der Meinung, dass ich das nicht überleben würde. Letztlich bin ich dann aber doch diesen Schritt gegangen. Nach vielen Überlegungen und vielen Gesprächen. Klar, die letzte, die endgültige Entscheidung lag dann bei mir. Aber da war ich dann auch klar, da wusste ich dann, dass ich genau das tun muss und auch tun will. Verstehst Du?

Und nach dieser Entscheidung kamen dann andere große Herausforderungen auf mich zu. Erst mal Zweifel, ob ich wirklich richtig gehandelt habe. Dann große Schuldgefühle, weil ich ja die Folgen meiner Entscheidung quasi täglich erlebte und spürte. Das war bei mir z. B. eine meiner größten Herausforderungen. Und hätte ich da nicht die richtige Hilfe an meiner Seite gehabt und das alles wirklich intensiv aufgearbeitet und verarbeitet, ich bin mir sicher, ich hätte unter dieser Last wieder zu trinken begonnen. Es ist ein Weg, der besonders am Anfang viele Berge hat, viele steinige Abschnitte, der aber im Laufe der Zeit im ebener wird. Immer vorausgesetzt Du trinkst nicht wieder und gehst diesen Weg konsequent voran.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besonders am Anfang sehr gut tun kann, wenn man die Dinge auch einfach mal auf sich zukommen lässt. Nach dem Motto: Über diese Brücke gehe ich erst wenn ich vor ihr stehe.

Von Tag zu Tag denken, nicht die ganzen vermeintlich riesigen Probleme und Konsequenzen vor sich hinwälzen. Und dabei habe ich dann auch erfahren, dass ganz Vieles ganz anders eingetreten ist als ich es eigentlich erwartet hatte. Und vieles, wirklich vieles, sich sozusagen fast in Luft aufgelöst hat. Einfach weil ich meine Verhaltens- und Denkweise mehr und mehr verändert habe. Plötzlich waren ehemals Riesenprobleme relativ einfach lösbar. Plötzlich taten sich Wege auf die ich vorher gar nicht gesehen habe, vielleicht auch einfach nicht sehen konnte.

Und wenn Du diesen Weg jetzt wirklich richtig und konsequent gehen willst, dann bin ich sicher, dass sich auch bei Dir einiges verändern wird. Wenn Du die Dinge die Dich belasten, die Dir Angst machen z. B. im Rahmen einer Therapie (oder auch über ganz andere Formate -siehe den Mönch bei mir) besprichst und durchdenkst, dann werden sich Perspektiven für Dich öffnen. Und dann wirst Du auch erkennen wie der richtige Umgang mit Deiner jetzigen Beziehung  für Dich sein muss. Es wird sich klären. Aber nur wenn Du bereit dazu bist, wenn Du Dich öffnest und wenn Du keine Scheren im Kopf hast.

Ich empfinde Dich, so wie Du schreibst, schon als relativ offen. Allerdings hast Du noch viele Zweifel, was ja auch völlig in Ordnung und auch normal ist. Ich hatte diese auch. Und sie veränderten sich. Waren die einen Zweifel weg, kamen andere, neue hinzu.

Entscheidend ist, dass Du diesen Weg in Dein neues Leben unbeirrt und konsequent voran gehst. Schritt für Schritt in Deinem Tempo. Das ist kein Sprint, das ist ein längerer Weg. Wichtig ist nur, dass Du nicht im Kreis drehst und nicht rückwärts läufst sondern immer nach vorne, immer ein Stückchen weiter. Was Du bisher getan hast war genau das Gegenteil.

Du hast Therapie gemacht, bist noch vorne gesprintet und anschließend langsam wieder zurück zum Start gelaufen. Um dann erneut los zu sprinten um dann wieder zurück zu laufen. Lieber langsam, aber immer vorwärts und immer konsequent.

Ich bin sicher Du kannst das schaffen. Viel reden, viel austauschen, offen sein, helfen lassen, Deine Gedanken in eine positive Richtung trainieren (ist ein anderes Thema aber das geht wirklich) und dann wirst Du ein neues Leben erhalten. Es lohnt sich wirklich.

LG
gerchla

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Susanne68 am 29. Juni 2020, 09:58:16
Guten Morgen Schnisskettchen,

irgendwie war mir Dein Thema bislang entgangen, aber da ich Dich regelmässig eingeloggt sehe habe ich mal geguckt wer das eigentlich ist.

Ich beziehe mich mal auf Deinen Vorstellungsbeitrag, dass Dir Therapien nicht Neues mehr bringen und das Du aber eigentlich nen Enzug bräuchtest weil Du Dich selbst nicht bremsen kannst.

Wie gehts Dir momentan?

Kurz zu mir, ich habe bis zu meinem 24. Lebensjahr an Drogen so ziemlich alles genommen, was es damals gab, also erst mal zu Hause bei meinen Eltern schon mit dem Trinken angefangen, und weil das alleine ja irgendwie langweilig war und nicht genügend Kick brachte, ausserdem nicht revoluzzermässig genug war, und ich ausserdem ein bisschen Bewusstseinserweiterung wollte, dann ein paar Jahre auf der Szene verbracht mit sehr hohen Höhen und sehr tiefen Tiefen, bis ichs mal fast nicht überlebt hätte. Absolut Polytox, von Einzeldrogen war ich dabei gar nicht so abhängig. Dann hat es mir aber von selbst gereicht, ohne Therapie. Ich wollte mir auch von keinem ins Hirn gucken lassen, also freiwillig hätte ich damals nie Therapie gemacht.

Alkohol, bis dahin Beikonsum, und Cannabis, für mich nach meiner Auffassung eher harmlos, habe ich weiterhin konsumiert, aber eher gemässigt. Geraucht habe ich ebenfalls, wie ein Schlot, damit hatte ich mich abgefunden.

Irgendwann mit 40, 41 war ich mit der Sauferei nach mehreren Jahren von schlimmer werdenden Abstürzen und jahrelangen Versuchen, durch Trinkpausen zu einem kontrollierbaren Konsum zu kommen, was auf Dauer nicht klappte, dann so weit, dass ich vom Saufen absolut die Schnauze voll hatte. Die Kifferei, die ich bis dahin ebenfalls noch betrieben hatte, hinderte mich daran, mit dem Rauchen aufzuhören, also hab ich das da auch gleich gelassen. Und ein Jahr später war ich dann auch noch so weit, das Rauchen auch noch an den Nagel zu hängen.

Ich hab das tatsächlich dann alles (jeweils, hintereinander) gleich beim ersten Versuch bleiben lassen können. Kiffen war eh einfach, das erwähne ich deswegen kaum. Beim Alkohol und beim Rauchen war es so, das ich mich erst mal derartig dafür gehasst habe, dass ich das nicht besser kontrollieren oder auch  - beim Rauchen - überhaupt ganz bleiben lassen konnte, und dieser Hass hat mich ein Stück weit auch durch den Entzug getrieben. War saufen kann, kann auch fürs Aufhören leiden, und wenn so ein Glimmstengel derartige Macht über mich hat, dann hab ichs wohl nicht anders verdient.

Versteh mich nicht falsch, ich kratze nicht an diesen ganzen Konzepten von Krankheit und Therapie, aber dieser Selbsthass hat mich in die Lage versetzt, mich ein Stück weit von mir und meinem Verhalten zu distanzieren und meinem inneren Schweinhund quasi zu befehlen, dass er da jetzt durch muss, weil ich ihn - und damit mich -  nämlich sonst noch mehr hasse. Die sanfteren Teile kamen dann viel später erst, das musste ich mir ja erst mal leisten können. Es war wirklich die Wut auf mich selbst, und die ganz konkreten Probleme, die ich vom Saufen hatte, Kotzen, Schweissausbrüche, Streitereien für die ich mich auch gehasst habe, wegen der ich das angegangen bin und wegen der ich das dann wohl auch geschafft habe. Und natürlich wusste ich dabei auch, dass es besser für mich ist, war ein bisschen tricky, das innerlich zusammen zu bringen.

Vielleicht schreibst Du ja mal wie es Dir jetzt geht.

Gruß Susanne
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Greenfox am 29. Juni 2020, 10:45:22
Zitat

Wie gehts Dir momentan? ... Vielleicht schreibst Du ja mal wie es Dir jetzt geht.


Dem kann ich mich nur anschließen - lange nix mehr von Dir gehört. Gesehen hab ich Dich wohl ...

Alles gut? Oder eben nicht?
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Susanne68 am 29. Juni 2020, 11:29:19
Im Übrigen noch was zu dem Abstinenzwillen.

Ich hatte den bis zu dem Tag, an dem es bei mir geschnackelt hat, nicht. Noch am Abend davor hatte ich mit meinem Partner, mit dem ich schon  halb in Trennung war, der eigentlich nur noch drauf wartete eine andere Wohnung zu finden, eine Diskussion, dass ich zwar nach wie vor versuche, mich irgendwie zu beherrschen, aber ganz aufhören kam für mich bis dahin nie in Frage. Nur Pausen, damit der Körper nicht gleich zusammenklappt und ich noch etwas länger trinken kann und im sonstigen Leben noch ein bisschen fuktioniere.
Saufen selbst stand für mich bis dahin nie zur Diskussion, ich hab nur mit den Kontrollverlusten gekämpft und mich dafür gehasst. Und auch da störte es mich weniger, wie besoffen ich war, sondern wie mein Körper darauf und wie ich dann auf Andere reagiert habe.

Mir gings halt mitten in der Nacht auf, was ich da eigentlich mache, wie es mir tatsächlich geht (und nicht, was ich mir vormache, nämlich, dass Saufen das Leben schöner macht, was eine absolute Selbstlüge war), und wie sich das weiterentwickeln wird (sehr wahrscheinlich jedenfalls)und da konnte ich mir überhaupt mal vorstellen, dass es "ganz ohne" möglicherweise viel einfacher wäre.

Einen absoluten Abstinentwillen hatte ich da auch nicht, aber ich war wenigstens mal dazu bereit, mich auf einen längerandauernden Versuch einzulassen, wie das denn wäre, und hab mir dann erst mal eine Frist gesetzt, wie lange ich das unbedingt schaffen wollte und dann zur Wiedervorlage. Aber schon mit dem Hintergedanken, dass es wohl tatsächlich besser wäre, ganz aufzuhören, aber wie sich das anfühlen würde, wusste ich da halt noch nicht. Meine Pausen bis dahin waren jahrelang immer drei Tage nüchtern zu 4 Tagen trinken, dann auch ein paar Wochen, als es schlimmer wurde, und dann hab ich halt mal mit einem Jahr angefangen, aber nicht mehr mit dem Hintergedanken dann wieder anzufangen sondern einfach mal nur um zu gucken wie es mir dann geht, und meine Angst vor einem Leben ganz ohne Alkohol im Griff zu behalten. Ich kauf ja nicht die Katze im Sack :), war ja unbekanntes Terrrain für mich.
Dann hat mich das aber so überzeugt, das ich gar nicht mehr anfangen wollte. Ausser in der Anfangsphase, durch die ich durch musste, hab ich mich dann gar nicht dazu gezwungen, abstinent zu bleiben, ich hatte dann gar keine Lust mehr zu trinken und ich brauchte es auch nicht mehr. Und es kam auch relativ schnell der Punkt , wo ich nicht mehr zurück und das wieder aufgeben wollte, mein Abstinenzwille hat sich da erst entwickelt.

Vielleicht hast Du ja da irgendwo einen Denkfehler, dass Du aufhören "musst", da das ja eher eine freiwillige Angelegenheit ist, sogar eine Angelegenheit der Selbstbestimmung und der freien Entscheidung, die man macht weil es so wie mans bisher gemacht hat irgendwie unerträglich geworden ist.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 01. Juli 2020, 19:05:37
Hallo liebe Susanne,

schön, dass du nachfragst wie es mir geht. Du hast recht, ich bin ziemlich oft eingeloggt und lese mit. Ich muss sagen, das hilft mir sehr.

Zu deiner Geschichte muss ich sagen, dass ich aller höchsten Respekt vor Menschen habe, die es ganz alleine aus der Sucht schaffen, vorallem wenn Drogen mit im Spiel sind. Ei bisschen ähnlich ging mir das 24 auch.
Ich hatte quasi alles verloren, meinen Verstand mit eingeschlossen. Ich war hochgradig psychotisch, hab meine Arbeit verloren, meinen Führerschein, wurde aus meiner Wohnung geschmissen und habe aufgrund der Psychose das Vertrauen in mich und in absolut jeden in meinem Umfeld verloren. Ich war am Boden und hab mich dafür gehasst. Und ich habe den scheiß Stoff gehasst. Alkohol mit eingeschlossen.

Damals war Abstinenz für mich kompromisslos. Obwohl ich in der ersten Therapie auch einen Rückfall hatte. Aber das sollte auch der einzige bleiben.
Ich wollte alles so schnell wie möglich wieder ins reine bringen.
Von der Psychose runter kommen, MPU gemacht, Schulden bezahlt, Wohnung gesucht, neues Umfeld gesucht... Ich hab mich beruflich gemausert obwohl ich vorher nur eine Ausbildung gemacht hatte. Plötzlich hatte ich Personalverantwortung und führte einen Laden ganz allein. Ich hab viel Geld verdient und eigentlich ging es mir gut. Bis auf die Essstörung. Die war präsenter denn je. Wurde von Zeit zu Zeit aber immer besser.

Irgendwann dann doch wieder Rückfälle. Therapie. SHG. Rückfälle. Psychotherapie. Rückfälle. Therapie.... Und so weiter. War wohl doch nicht alles so gut wie ich dachte.

Naja, und zu deiner Frage. Mir geht es soweit gut. Bewilligung für stationäre Reha ist durch. Ich habe am 20.07. den Aufnahmetermin. Ich gehe im Moment noch zur Suchtberatung. Versuche mich vor dem 20.07. selbst irgendwie trocken zu legen. Sollte es nicht funktionieren, werde ich es stationär machen. Ich habe mich von meinem Freund getrennt und versuche mich so gut es geht den Tag über zu beschäftigen. Die Arbeitslosigkeit hängt mir langsam ein bisschen zum Hals raus. Aber da muss ich mich eben noch ein bisschen gedulden.

Alles in allem freue ich mich auf die Reha. Endlich aus dem Alltagstrott raus.
Für mich wird es ein kompletter Neubeginn.

Geht's du in eine SHG oder machst du sonst irgendetwas zur Unterstützung deiner Abstinenz?

Liebe Grüße

Schnisskettchen
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 01. Juli 2020, 20:34:32
Vielleicht hast Du ja da irgendwo einen Denkfehler, dass Du aufhören "musst", da das ja eher eine freiwillige Angelegenheit ist, sogar eine Angelegenheit der Selbstbestimmung und der freien Entscheidung, die man macht weil es so wie mans bisher gemacht hat irgendwie unerträglich geworden ist.

Einen Denkfehler wage ich zu bezweifeln. Ich habe sicherlich nicht mehr den enormen Leidensdruck, wie ich ihn mit 24 vor meiner ersten Therapie hatte. Ich trinke auch lange nicht mehr die Mengen wie damals, Drogen sind raus und mit dem Essen klappts eigentlich auch. Ich trinke "nur" am Abend. Funktioniere de nächsten Tag trotzdem ganz gut, auch wenn vielleicht mal etwas mehr war. Ich habe meine Arbeit immer sehr gut gemacht und das auch kommuniziert bekommen. Ich hatte keine peinlichen Erlebnisse mehr im Suff, wie früher, weil ich eh immer nur alleine getrunken hab. Ich konnte das alles immer sehr gut verheimlichen. Im Prinzip wusste niemand was ich so alleine daheim treibe. Das einzige was immer bissl Grenzwertig war, dass ich immer morgens um 5 Uhr mit Restalkohl zur Arbeit gedüst bin. Klar ging es mir auch die Nerven morgens net ganz so fit zu sein. "Malle in der Birne" wie ich es nenne. Auch wenn meine Mitarbeiter nix davon wussten, kam ich mir oft wien Heuchler vor. Habe ich in dieser Zeit doch viele Mitarbeitergespräche mit Alkohol- oder Drogenkonsumierenden Mitarbeiter geführt. Und mache wurden auch gekündigt, von einem Alki.

Ich denke ich MUSS aufhören weil ich es auch WILL.
Vielleicht fehlt mir der extreme Leidensdruck.

Nichts desto trotz finde ich, habe ich bisher viel geschafft. Von Drogen, Alk und Essstörung bleibt noch der Alk. Das ist jetzt der Endgegner.
Vielleicht war bisher aber einfach auch das Problem dass ich bisher zu keiner Therapie wirklich Abstinent war. Die Essstörung war ja immer präsent (außer in der letzten Therapie) Und die funktioniert ja ähnlich wie Alk oder Drogen. Ich bezwecke damit ja mehr als nur Gewichtsregulation. Man kann damit auch herrlich an seinen Gefühlen rum manipulieren.

Die letzte Therapie war die erste in der ich komplett Abstinent von allem war (auch Bulimie) Eine ganz neue Erfahrung, auf der ich wohl nicht so klar gekommen bin. Ich denke den Willen hab ich und ich weiß auch dass ich abstinent sein muss. Ich brauch einfach nur mal Ben anderen Ansatz, wie ich glaube.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Susanne68 am 01. Juli 2020, 21:38:45
Hallo Schnisskettchen,

schön, dass Du geantwortet hast. Ich wünsche Dir, dass das alles so klappt wie Du das möchtest. Sieht ja ganz gut aus, so wie Du das schreibst.

Zitat
Geht's du in eine SHG oder machst du sonst irgendetwas zur Unterstützung deiner Abstinenz?

Meine Abstinenz läuft schon lange ziemlich von selbst, ich musste wenig damit kämpfen, nachdem es geschnackelt hatte. Von daher mache ich eher nichts dafür. Meine ganz normales Leben ist halt giftfrei, und ich halte mich bei Laune.
Ab und zu bin ich halt in Situationen, wo ich mehr drüber nachdenke, oder ich helfe Anderen und denke da auch drüber nach. Und ich beschäftige mich mit ein bisschen Fachwissen, weil es mich auch selbst interessiert.

Das ist, wenn ichs mir recht überlege, auch das was ich eigentlich rüberbringen will, dass man ganz normal, und ohne sich besonders einzuschränken, leben kann, auch wenn man das mal "hatte". Ich wünsche es jedem, dass er das nicht als Verzicht erlebt und sich damit nicht plagen muss, sondern sich einfach befreit fühlt.

Gruß Susanne
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 15:07:28
Hallo Schnisskettchen,

Ich muss dich wirklich bewundern dafür,dass du noch nicht den Kopf in den Sand gesteckt hast.
Woher nimmst du den Mut und Hoffnung dass das doch nochwas werden kann? Ich denke damit kannst du auch anderen helfen.

Ich habe eine Therapie hinter mir,leider erfolglos.
Du hast ja schon mehrere Therapien wenn ich das richtig verstanden habe??
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 18:17:35
Hallo Hadi,

naja, bewundernswert bin ich nicht gerade würde ich sagen.

Ich finde aufgeben ist einfach keine Option. Es lohnt sich sich ja auch weiter zu machen. Von Tag zu Tag und von Therapie zu Therapie wird es ja auch besser. Ich hab aus jeder Therapie was mit genommen. Auch wenn man das nicht vermuten würde. Ich hatte auch schon längere Abstinenzphasen von ca. 2-3 Jahren. Ganz genau weiß ich das nicht mehr. Und in meinen abstinenten Jahren, ging es mir auf jeden Fall physisch und auch psychisch deutlich besser als wenn ich konsumiert habe.

Wenn ich mir mal eine Alkohol Pro und Kontraliste machen würde, würden auf der Proseite vielleicht ein Paar Dinge stehen. Die Kontraliste wäre ewig lang...
Es gibt für mich einfach nicht viele Dinge die FÜR den Alkohol sprechen.

Heute ist mein 4ter Tag an dem ich nix trinke. Mir fällt es mega schwer Abstinent zu bleiben im Moment. Eben hatte ich schon wieder drüber nach gedacht zur Tanke zu fahren. Aber Nein, heute nicht!

Also ich starte jetzt in meine vierte Therapie. Dass die erste bei dir jetzt nicht gefruchtet hat, ist natürlich ärgerlich und frustrierend. Du solltest dich davon allerdings nicht entmutigen lassen. Es klappt halt nicht bei jedem auf Anhieb.
Hast du eine Erklärung dafür, warum du wieder Rückfallig geworden bist?

Liebe Grüße

Schnisskettchen
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 18:29:18
Naja, der Rückfall kam einfach irgendwie. Könnte dem Druck nicht mehr stand halten und dachte dann nur ein Bier...und zack find es wieder an.

Ich kann mir eben nicht vorstellen dass man als Suchtkranker ein schönes Leben haben kann.die sucht wird uns ja leider auf ewig begleiten. Immer im Kopf dabei. Diese Erkenntnis macht mich irgendwie fertig.

Ständig Therapie und erneute Anläufe. Ich bewundere dich, weil deine Geschichte ja schon Jahre dauert und du noch immer den Wille hast eine Therapie zu machen.

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 18:38:43
Hinzu kommt, dass ich mir nicht vorstellen kann auf feste oder feiern zu gehen ohne z trinken. Damit fühle ich mich gesellschaftlich ausgegrenzt.

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 19:59:02
Irgendwie kommt ein Rückfall in den seltensten Fällen. Da gibt es immer Vorboten meiner Erfahrung nach. Situationen, Gedanken, Stress...

Ja die Sucht wird uns immer begleiten, aber je länger du Abstinent bist desto weniger ist das ganze in deinem Kopf präsent. Irgendwann denkst du da gar nicht mehr daran oder nur noch ganz selten.

Das Thema mit den Festen und Feiern hat mich anfangs auch sehr beschäftigt. Am Anfang bin ich gar nicht mehr weg gegangen. Konnte mir das auch nicht vorstellen. Irgendwann war ich ein paar Mal auf größeren Festen ohne zu trinken. Fand ich unerträglich. Und bei genauerem hinsehen wirst du auch feststellen, dass solche Veranstaltungen einfach nur ein kollektives Besäufniss sind. Ich finds mittlerweile ekelhaft nüchtern zu solchen Festen zu gehen. Zu sehen wie der Pegel steigt und die Menschen sich zu nehmend mehr daneben benehmen.

Auf privaten Feiern bin ich in der Regel der erste der geht. Natürlich weil es mich auch ein bisschen triggert wenn andere trinken, aber vor allem auch weil ich es ätzend finde wie sich die Leute verändern wenn sie zunehmend betrunkener werden.

Gesellschaftlich ausgegrenzt ist man deswegen aber nicht. Vielleicht solltest du deinen Freunden und Bekanntenkreis mal überprüfen? Ich hab mittlerweile ein Umfeld in dem es ganz normal ist NIX zu trinken. Häufig ist es ja Umgehrt.

Wie möchtest du jetzt weiter machen? Weiter trinken? Therapie?
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 20:03:39
Ich war auch schon auf Festen oder mit Leuten unterwegs, die es absolut nicht verstehen konnten dass ich nicht trinken wollte. Die haben tausend mal gefragt, ob ich nicht doch was trinken wollen. Irgendwann haben sie sich angefangen darüber lustig zu machen. Und je besoffener die wurden, desto penetranter wurden die.

Mittlerweile schau ich genau, mit wem ich wo hin gehe. Und wenn irgendwas geplant ist wo ich mir unsicher bin ob ichs aushalte, schaue ich dass evtl jemand dabei ist der über mein problem bescheid weiß und mich da unterstützt. Ansonsten bleib ich daheim.

Es gibt tausend andere tolle dinge die man unternehmen kann wo Alkohol keine Rolle spielt!
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 20:37:13
Wie es weiter gehen soll weiß ich absolut nicht. Ich versinke ein bisschen in meiner Hilflosigkeit und der Gedanke daran trockener Alkoholiker zu sein zeigt mir nur all die Einschränkungen die mich erwarten.

Ich lese hier die erfolgsgeschichten von Menschen die es geschafft haben und glücklich sind. Aber ich kann es für nicht vorstellen das es bei mir auch so sein wird.

Der Alkohol hat sicherlich viele Schattenseiten,dennoch muss ich zugeben, das ich auch gerne trinke. Ich weiß ich habe das Problem aber es ist auch ein Verlust. Die pro und Contra Liste habe ich auch schon erstellt.

Und JA die feste....natürlich trinken alle und haben Spaß. Manche trinken auch nichts,aber denen macht das sicherlich nicht so großen kummer. Ich bin sehr gesellig und solche Veranstaltungen zu vermeiden wie du es machs würde mir auch ein Stück meiner Freizeit nehmen
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 20:42:59
Genau hinschauen wann man wo mit wem hingeht...Das ist ja auch kein leben wenn alles erstmal durchleutet werden muss.

Bitte versteh mich nicht falsch. Das sind einfach meine Gedanken
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 20:57:52
Wie lange warst du im Zuge deiner Therapie denn abstinent?

Versuch dir doch vielleicht mal eher die Einschränkungen die du durch den Konsum hast vor Augen zu halten?
Ich denke nass bist du eingeschränkter als trocken?

Ja und ich trinke auch gerne, wenn ich dann mal dran bin.
Aber spätestens den nächsten Tag Ärger ich mich wieder darüber.

Was ist eigentlich deine Motivation mit dem trinken aufzuhören? Hast du Auflagen oder eine Familie im Nacken die Druck macht?

Dich beraubt ja niemand deiner Freiheit. Und das soll sich auch nicht so anfühlen. Du solltest es aus eigenen Stücken wollen. Und dann wird es sich auch sicherlich nicht mehr als Verzicht anfühlen.


Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 21:10:32
Genau hinschauen wann man wo mit wem hingeht...Das ist ja auch kein leben wenn alles erstmal durchleutet werden muss.

Bitte versteh mich nicht falsch. Das sind einfach meine Gedanken

Hört sich schlimmer an als es ist  ;)
Also auf Veranstaltungen, in Discos, auf Konzerte oder ähnliches wo viel Alkohol im Spiel ist, geh ich grundsätzlich nur mit jemand vertrautes hin, der über meine Problematik bescheid weiß. Das sind in der Regel meine drei engsten Freunde. Da komm ich garnicht erst auf dumme Gedanken und mir zu liebe trinken die dann auch nichts. Ansonsten würde ich mir das nicht zutrauen.

Und komplett auf Großveranstaltungen verzichte ich auch nicht. An Fasching geh ich auch Umzüge anschauen, beteilige mich aber nicht mehr an dem besäufniss danach.
Oder ich schlender halt über ne Kirmes, Straßenfest etc. schau mir alles an, ess was und geh dann heim. Ist ja nicht so dass ich mich daheim einsperr.

Im Dezember war ich das erste Mal nüchtern auf nem Hip Hop Konzert.
Ich muss zugeben, das hat mich nicht so vom Hocker gehaut wie auf Alkohol.
Aber so is das eben mit Musik, die wirkt mit Alkohol einfach anders.

Du musst für dich halt wissen was dir wichtiger ist.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 21:13:11
Ich war leider nur 8 Monate trocken. Meine Motivation besteht darin dass ich weiß dass ich ein Problem habe und dagegen angehen muss. Drück habe ich keinen Ich bekomme auch noch alles so hin.
Ich bin im Moment weder Fisch noch Fleisch. Und du hast recht, der Konsum hat auch nachteile. Ich muss an mir arbeiten um das nicht als Verlust anzusehen. Wie schaffst du es denn nichts zu trinken?

Hinzu kommt bei mir auch noch die Kombi mit dem Glücksspiel. Das baut irgendwoe alles aufeinander auf.

Naja ich denke ich habe noch einen langen Weg vor mir.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 21:31:04
Ich war leider nur 8 Monate trocken. Meine Motivation besteht darin dass ich weiß dass ich ein Problem habe und dagegen angehen muss. Drück habe ich keinen Ich bekomme auch noch alles so hin.

OK, das verstehe ich. War bei mir die letzte Zeit ja ähnlich. Hab mein Leben auch gut auf die Reihe bekommen, deswegen mein Alkoholproblem vielleicht oftmals nicht so ernst genommen. Aber mir ist ziemlich klar, dass wenn ich nichts unternehme es nicht so bleiben wird.

Im Moment schaff ich es nicht besonders gut nichts zu trinken. Heute vierter Tag ohne Alk und quäl mich mehr oder weniger da durch. Letzte Woche hatte ich auch vier Tage geschafft aber dann wieder getrunken. Dauerhaft wird das bei mir auch nur mit einer Therapie funktionieren.

OK Glücksspiel is echt mies. Automaten oder Online?
Also ich denke wenn du vom Alkohol weg kommen willst, solltest du auf jeden Fall auch mit dem Zocken aufhören. Ansonsten fixt das eine Suchtmittel immer wieder das andere an. Wurde die Spielsucht zusammen mit dem Alkohol behandelt?
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 21:43:43
 Ich bekomme alles hin und weiß ich muss was andern. Vielleicht ist das kein richtiger Wille abstinent zu sein?? Ich weiß es nicht. Klar will ich nicht alkoholkrank sein aber nie mehr was trinekn??? Das will ich eigentlich auch nicht. Das ist für so ne Einbahnstraße die sich scheisse anfühlt.

Na wenigstens quälst du dich zumindest und gehst nicht direkt was besorgen. Ich bin da viel wackeliger.

Beides wurde in der Therapie behandelt. Wenn das eine wieder anfängt ist die Gefahr groß dass das andere auch wieder unwiderstehlich wird....

Ich bin Ende 20 und gehe gerne zu Freunden etc.. Ich bereue es abhängig geworden zu ssei. Ich beneide die Leute die einen normalen Umgang damit haben können
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 22:04:28
Du willst nicht Alkoholkrank sein? Aber das bist du nunmal.
Ich denk auch oft: Boah, ich bin 33 und dann nie mehr was trinken?
Und bei den Gedanken geht es nicht einmal darum, dass ich es vermissen werde mich täglich weg zu hauen. Ich denk dann eher an, wie eben erwähnt, Konzerte, abends aufm Balkon mal ein Weinchen (ich weiß, man soll es nicht verniedlichen), Silvester etc.
Aber das sind, wenn ich ehrlich bin nur romantische Vorstellungen, denn bei einem Weinchen wird es nicht bleiben. Und nach dem Konzert wird es nicht aufhören.
Ich würde mir auch wünschen normal trinken zu können. Aber das geht eben nicht. Und warum etwas nachtrauern was eh nicht ist.

Hab mich nach dem Rausschmiss aus der letzten Therapie mal über kontrolliertes trinken informiert. Dabei wären genau solche Dinge möglich. Mal aufm Konzert was trinken. Oder Silvester. Oder wann auch immer. Habe lange mit einem Psychologen telefoniert der Workshops für kontrolliertes trinken anbietet und mich genau informiert.
Nach kurzem Überlegen hab ich für mich rausgefunden, dass dieses Konzept für mich nichts ist. Es erfordert viel Arbeit, Planung und, wie ich finde, ein hohes Maß an Disziplin.
Dann finde ich es tausendmal einfacher einfach garnichts zu trinken.

Bist du im Moment vom spielen abstinent?
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 22:17:20
Ja diese normalen Dinge eben...man kann nichts daran ändern.
Wie du merkst kann ich mich noch nicht so ganz mit meiner Situation abfinden das fällt mir unheimlich schwer. Klar nachtrauern was eh nicht ist...scheisse dass es so gekommen ist.
Wenn ich all diese Menschen sehr die es geschafft haben...für mich ein Wunder! Ich glaube auch wenn Ich deine Antworten lese und andere Themen dass Ich noch nicht so weit gekommen bin wie ihr.

Ich spiele aktuell nicht,darüber bin ich froh. Das ist auch eine finanzielle Katastrophe.

Bist du zuversichtlich für die nächste Therapie? Du hast ja wie ich auch diverse baustellen.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 22:27:35
Was meinst du damit dass es nichtnso so bleiben wird?
Bei mir ist es bis jetzt noch nie so ausgeartet, dass ich meinen Job vernachlässigt habe oder sonst meine Verpflichtungen nicht wahrgenommen habe. Ich weiß bloß,das mein trinkverhakten krankhaft ist.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 22:33:15
Hab auch eher den Eindruck, dass du noch nicht so recht los lassen kannst. Aus welchen Gründen auch immer. Aber du siehst ja zumindest schon mal ein, dass du ein Problem hast.
Es gibt Stellen wie die Suchtberatung der Caritas oder Selbsthilfegruppen wie die AA (glaube ich) bei denen keine Abstinenz vorausgesetzt wird um daran teilzunehmen. Natürlich solltest du nicht alkoholisiert zum Meeting kommen. Aber vielleicht wären das ganz gute Anlaufstellen für dich. Vielleicht macht es dann ja mal irgendwann klick.

Gut dass du zumindest nicht spielst. Aber da spielst du auch mit dem Feuer wenn du weiter trinkst...

Und ja, ich bin sehr zuversichtlich für meine Therapie. Ich freu mich total darauf und bin hochmotiviert. Ich hab das Gefühl, dass die Therapie, jetzt in diesem Moment genau das richtige für mich ist.



Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 22:44:28
Was meinst du damit dass es nichtnso so bleiben wird?
Bei mir ist es bis jetzt noch nie so ausgeartet, dass ich meinen Job vernachlässigt habe oder sonst meine Verpflichtungen nicht wahrgenommen habe. Ich weiß bloß,das mein trinkverhakten krankhaft ist.

Damit meine ich, dass wenn ich weiter trinke, es tendenziell ja nicht besser wird. Die Mengen werden ja stetig mehr. Im Moment in meiner Arbeitslosigkeit ist es noch gefährlicher als sonst. Vor paar Wochen hatte ich ne kurze Phase wo ich Mittags um 12 schon angefangen hab zu trinken. Das mach ich normalerweise nicht wenn ich arbeiten gehe.
Ich habe meine Verpflichtungen auch nie vernachlässigt (außer in meiner Drogenzeit) aber wenn ich ganz ehrlich bin, lass ich wenn ich trinke das ein oder andere was nicht so wichtig ist mal liegen.

Ich fahre manchmal morgens mit Restalkohol Auto. Ich hatte den Lappen schon mal weg deswegen. Das bedeutet 0,0 Promillegrenze. Wenn ich so mal angehalten werde ist das Ding gerade nochmal weg. Und den bekomme ich sicher net mehr so schnell zurück.

Was bedeutet dein trinkverhalten ist krankhaft? Wieviel trinkst du so? Und wie oft?

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 22:47:37
Das sind auf jeden Fall gute Voraussetzungen.

Ich denke in muss da auch meinen Weg erst finden. Vielleicht freue ich mich dann auch irgendwann mal darauf eine Therapie zu machen.

Erst muss ich mal verdauen, dass die letzte Therapie mehr oder weniger nutzlos war
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 22:51:22

Erst muss ich mal verdauen, dass die letzte Therapie mehr oder weniger nutzlos war

Ob ne Therapie was nützt oder nicht liegt ja in deiner Hand. Auch wenn das angestrebte Ergebnis jetzt ausgeblieben ist, hast du doch sicher einiges mitgenommen und gelernt?
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 22:55:15
Ich trinke 3-4 Dosen Bier in unregelmäßigen Abständen.
Manchmal trinke ich auch Wein aber nie bis zur besinnungslosigkeit.
Ich trinke ungefähr an 2-4 von 7 Tagen in der woche. Meistens zusammen mit Freunden zum Feierabend. Selten alleine

Das !mache ich seit ca. 2 Jahren.
Ich kann nicht sagen, dass sich die Mengen bei mir stetig steigern.

Mittags trinke ich nie. Nur am abend.

Mein Problem ist wohl nicht sp  massiv aber dennoch vorhanden.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 22:58:37
Das stimmt. Aber das Ziel war den Alkohol wegzulassen.
Klar habe ich was mitgenommen, aber das hätte ich jetzt auch nicht zwangsläufig gebraucht.

Mir war wichtig zu akzeptieren was ist und zu akzeptieren dass das Leben danach ein anderes sein wird. Meine Sicht auf die Dinge (verzicht, soziale ausgrenzung, kein Feierabend bier, etc.) Hat sich aber nicht verändert und es ist ein kampf. Ich fühle mich einfach extrem eingeschrankt
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 23:14:09
Ah OK, jetzt versteh ich das ganze auch etwas besser, glaube ich.
Also wenn ich auf die Zeit zurück Blicke, in der ich ähnlich konsumiert hatte, war mir zu dieser Zeit wohl auch klar, dass mein Trinkverhalten nicht ganz normal ist, aber wirklich ernst genommen hatte ich das damals nicht.
Ich sag jetzt mal, ohne das zu verharmlosen, das sind ja noch humane und gesellschaftlich anerkannte Mengen und Gelegenheiten zu denen du da trinkst.
Zwischendrin paar Tage ohne. Glaub da is es echt schwierig sich das einzugestehen bzw. eine Notwendigkeit zu sehen das zu ändern.
So würde es mir aufjeden Fall gehen.




Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 05. Juli 2020, 23:17:36
Wie war das denn bei dir? Welche Mengen trinkst du aktuell?
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 05. Juli 2020, 23:28:24
Bei mir fing das mit nem ähnlichen Konsum wie bei dir an.
Erst Bier, dann Sekt, Wein,  irgendwann Spirituosen... Hat sich dann immer weiter gesteigert bis ich irgendwann bei 5 Flaschen Wein am Tag war in Verbindung mit Drogen. Oder auch mal ne Flasche Wodka. Im Prinzip hab ich zu Schluss alles in mich reingeschüttet. Hauptsache Umdrehungen. Das war vor 9 Jahren.

Mitllerweile trinke ich immer noch alles. Kommt drauf an worauf ich Lust hab. Aber meistens bewegen sich die Mengen so zwischen 2-3 Flaschen Sekt täglich, nur am Abend.

Also wie gesagt, bei mir fing es auch eher harmlos an. Wie bei jedem hier wahrscheinlich. Irgendwann schwappte es halt über.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 06. Juli 2020, 11:47:11
Ja, ich denke dass ist schon etwas dramatischer als bei mir...

Ich werde ein kritisches Auge behalten und vielleicht wie du sagst ne Selbsthilfegruppe aufsuchen...wenn ich so den Vergleich ziehe, habe ich den Eindruck noch nicht ganz da angekommen zu sein dass man sagen dass ich kein "normales" Verhältnis zum Alkohol haben kann.

Klasse dass du das so hinbekommst und immer wieder abstinent bist. Und Hut an vor deinem Mut und deiner Zuversicht. Alles gute für dich!
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Susanne68 am 06. Juli 2020, 12:18:11
Hallo Hadi,

die Ängste, die Du vor dem Aufhören hast, hatte ich auch alle. Und es ist sicher sehr löblich, das Du dir Gedanken darüber machst. Ich glaube aber, jeder, der noch nicht wirklich spürt, wie schlecht es ihm geht, hat Schwierigkeiten, das durchzuhalten.

Wenn es bei mir bei so einer, sorry für meine Ausdrucksweise, Hobby-Sauferei gebieben wäre, wie Du das hast, hätte ich keinerlei Anstrengung unternommen, damit aufzühören. Das, was du trinkst, galt für mich als "praktisch noch nüchtern".

Aber falls Du mal dahin kommen solltest, so wie ich ja auch: ich hatte dann schon sehr gute Gründe, damit aufzuhören.
Und: ich habe mir, wie viele trockene Alkoholiker, das nüchterne Leben dann schon so eingerichtet, dass ich heute sicherlich eher mehr Spaß am Leben habe als damals. Mir geht es heute besser als den meisten "Normalos". Natürlich ist es nicht immer Zuckerschlecken, aber das ist es bei Dir ja wohl auch nicht, obwohl Du trinkst.

Also die Angst, das ewig als Verzicht zu erleben, das habe ich schon sehr lange nicht mehr. Ich habe mit nüchtern so viel Neues gechaffen, was mir Spaß macht, dass ich froh bin, das ich nicht mehr saufen muss. Geht alles, wenn man das will. Aber alles zu seiner Zeit.

Ich konnte mir das früher auch nicht vorstellen. Und so lange du so viel Spaß am Trinken hast, kann ichs Dir auch nicht erklären. Ich meine, nur falls Du jemals von Dir aus aufhören willst, so schlimm wie Du glaubst muss das nicht sein.

Gruß Susanne
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 07. Juli 2020, 21:39:32
Für mich ist es denke ich gut zu wissen, dass es bei euch ähnlich angefangen hat.
Eure Geschichten haben mich sozusagen abgeschreckt und ich werde in jedem Fall ein Auge auf meinen Konsum haben um schlimmeres zu vermeiden.

Seit meinem letzten Text habe ich nichts mehr angerührt und werde das jetzt 4 Wochen durchziehen.

Danke für die Antworten. Das hat mir in jedem Fall Klarheit verschaffen mich einzuordnen
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 08. Juli 2020, 11:37:00
Ich denke es muss ja nicht zwangsläufig bei jedem immer zum Äußersten kommen, bevor es Klick macht.
Ich hab im Zuge meiner Therapien, bei Rückfälligen oder Abbrechern, oft gehört: Der hat seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht... Oder: Der muss noch Tiefer fallen, noch mehr verlieren...
Ich denke das ist Bullshit. Sicher trifft das auf einen Teil der Süchtigen zu. Aber das geht sicherlich auch anders.

Du bist ja zumindest mal soweit, dass du deinen Konsum kritisch hinterfragst. Du hast dich schon auf eine Therapie eingelassen und suchst hier im Forum nach Hilfe und Rat.
Ich denke das ist schon mal ein guter Ansatz.

Und wer weiß was nach dem Monat Abstinenz passiert. Vielleicht hängst du ja noch nen Monat dran ;)



Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Rekonvaleszent am 08. Juli 2020, 15:37:39
Ich denke es muss ja nicht zwangsläufig bei jedem immer zum Äußersten kommen, bevor es Klick macht.
Ich hab im Zuge meiner Therapien, bei Rückfälligen oder Abbrechern, oft gehört: Der hat seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht... Oder: Der muss noch Tiefer fallen, noch mehr verlieren...
Ich denke das ist Bullshit. Sicher trifft das auf einen Teil der Süchtigen zu. Aber das geht sicherlich auch anders.
/quote]

Das sehe ich ganz genau so. Ein Teil der Leute wird halt erst aktiv, wenn sie in der Gosse liegen, der Job gekündigt , der Führerschein weg ist, sie mehr tot als lebendig in einer Klinik aufschlagen oder die Familie die Flucht ergriffen hat.

Zum Glück ist jedoch nicht jeder so gestrickt, sondern erkennt wesentlich früher die persönliche Misere, die ein zeitnahes Gegensteuern unabdingbar macht. Und von dieser Sorte habe ich in meiner ambulanten Therapie und später in einer "analogen" SHG einige Herrschaften kennen gelernt. Ich behaupte, es war klar die Mehrheit.

Gruß
Rekonvaleszent
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 09. Juli 2020, 15:47:59
Ja,das denke ich auch.

Ich danke euch für die Texte und wünsche euch alles gute weiterhin und drücke die daumen dass jeder den Kampf gegen den Alkohol gewinnt.

einmal Alkoholiker immer Alkoholiker....Das muss ja nicht so sein!
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Britt am 10. Juli 2020, 08:56:32
Ich hab im Zuge meiner Therapien, bei Rückfälligen oder Abbrechern, oft gehört: Der hat seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht... Oder: Der muss noch Tiefer fallen, noch mehr verlieren...
Ich denke das ist Bullshit. Sicher trifft das auf einen Teil der Süchtigen zu. Aber das geht sicherlich auch anders.

Guten Morgen,
wie könnte es denn deiner Meinung nach anders gehen?
In meiner Gruppe hatte JEDER seinen ganz persönlichen Tiefpunkt.
Als ich an meinem angekommen bin, ging es mir so schlecht, dass es nur zwei Möglichkeiten gab:
Wollte ich so weiter leben oder wollte ich sterben?
Ich lag in meiner ganz persönlichen Gosse und dieses Leben wollte ich nicht mehr.
Der Weg zum Tiefpunkt ist m.E. von Kranken zu Kranken sehr unterschiedlich. Dem einen reicht der Jobverlust oder ein Schicksalsschlag.Der andere trinkt bis zur Obdachlosigkeit oder es ist einfach nur der schale Geschmack im Mund oder das Herzrasen, wenn man morgens aufwacht.
Und warum sollte ein „Trinker“ überhaupt aufhören, wenn man mit sich im Reinen ist? 
Ich frage mich gerade, ob es was nützt, das jetzt hier abzuschicken, wenn jemand anscheinend noch nicht an seinemTiefpunkt angekommen ist,
aber auf dem besten Weg dorthin ist.
LG Britt
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Gerchla am 10. Juli 2020, 09:31:18
Guten Morgen,

Zitat
einmal Alkoholiker immer Alkoholiker....Das muss ja nicht so sein!

Doch, es ist so. Einmal Alkoholiker immer Alkoholiker. Das ist so. Was aber nicht bedeutet, dass man immer ein aktiver, also ein trinkender, Alkoholiker sein muss.Oder, um es mal ganz banal zu formulieren: Man muss nicht immer ein nasser Alkoholiker sein, man kann es auch schaffen ein dauerhaft trockener Alkoholiker zu werden.

Ich schreibe das aus meiner Erfahrung heraus. Seit einigen Jahren habe ich relativ viel Kontakt, auf unterschiedliche Art und Weise, mit Alkoholikern. Darunter ganzu viele, die schon lange nicht mehr trinken aber eben auch jene, die gerade am Anfang stehen und das Trinken aufgeben möchten. Bei all den lange trockenen Alkoholikern die ich kenne gibt es keinen, der von sich sagen würde "ich war Alkoholiker und bin es jetzt nicht mehr". Alle sagen von sich, dass sie Alkoholiker sind, jedoch keinen Alkohol  mehr trinken.

Ich glaube darin liegt auch ein Schlüssel für ein dauherhaftes Leben ohne Alkohol. Also nicht darin das zu sagen sondern es auch so zu empfinden. Ich habe auch mit einigen gesprochen (und von einigen gelesen), die nach vielen Jahren, teils mehr als 20 Jahren, rückfällig geworden sind. Und dann tatsächliche teilweise wieder jahrelang tranken.

Die meisten berichteten davon, dass sie es quasi "wissen wollten". Das sie zweifelten "richtige" Alkoholiker zu sein, dass sie ja vielleicht nur Missbrauch betrieben haben könnten. Einige davon erzählten mir auch, dass sie es tatsächlch geschafft haben eine nicht mal so kurze Zeit "normal" zu trinken. Wobei sie  sich im nachhinein dann doch eingestehen mussten, dass sie sich etwas vorgemacht haben und es mit zunehmender Dauer immer schwieriger wurde die Menge "klein" zu halten. Früher oder später sind sie dann aber alle abgestürzt.

Weil: Einmal Alkoholiker immer Alkoholiker

Und was den persönlichen Tiefpunkt betrifft: Hier kann ich Britt nur zustimmen. Mag sein das Menschen vom Alkohol weg kommen bevor sie diesen erreicht haben. Da stelle ich jetzt aber mal die These auf, dass diese dann noch keine Alkoholiker waren sondern "einfach nur" Missbrauch betrieben und die Kurve noch rechtzeitig erwischt haben.

Ich selbst hatte viele Tiefpunkte aus denen heraus ich dann versuchte aufzuhören. Es wurden immer nur Trinkpausen daraus. Erst ganz am Ende, als ich meinen persönlichen erreicht hatte, konnte ich aufhören. Und meiner war kein akutes Ereignis (wie z. B. Führerschein weg, von der Familie verlassen, etc.). Bei mir war es einfach ein langer Weg nach unten. Und ganz am Ende fehlte mir einfach die Kraft und der Wille mich erneut aus einer heiklen Situation heraus zu lügen. Ich wollte einfach nicht mehr. Ich wusste, jetzt bist Du an den Punkt wo Du Schluss machen musst. Mit allen Konsequenzen die sich daraus ergeben.

Man kann das einerseits als das berühmte "Klick"-Erlebnis bezeichnen aber andererseit bin ich auch davon überzeugt das dieser Klick ausgeblieben wäre, wenn ich meinen Tiefpunkt nicht erreicht hätte.

Wie gesagt, eine sehr individuelle Angelegenheit. Aber ich denke das ein "echter" Alkoholiker (also süchtig und nicht "nur" Missbrauch betreibend) einen solchen Punkt erreichen muss. Denn warum sollte er denn aufhören, wenn es mit Alkohol noch ganz gut geht? Das verhindert die Sucht. Und auch wenn es eigentlich schon nicht mehr so gut geht, wenn es eigentlich schon ziemlich schlecht geht, verhindert die Sucht immernoch den Ausstieg. So lange bis der Alkoholiker quasi nicht mehr anders kann und erkennt, dass ein Leben ohne Alkohol wohl besser ist als eines das weiter mit statt findet.

Und, das will ich auch noch sagen: Die meisten erreichen diesen Punkt nie und leben (und sterben) mit (an)  Alkohol und ihrer Sucht.

LG
gerchla

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Elly am 10. Juli 2020, 17:48:42
Hallo Schmisskettchen,

nachdem ich hier mitgelesen habe, habe ich mal so einiges zusammengetragen...

Du hast ja im Grunde mehrere "Baustellen"... Ehemals Bulimie, Drogen und dann noch Alkohol dazu.

Somit ist Deine Behandlung sicherlich nicht so einfach.

Im Grunde solltest Du Dir klar machen, dass da mehreres in Dir schlummert und nur Du etwas
ändern kannst!
 
Dauerhaft wird das bei mir auch nur mit einer Therapie funktionieren.

Dauerhaft kannst Du nur selbst trocken bleiben! Du hast ja schon Therapien hinter Dir,
ich z.B. nicht eine einzige. Ich habe allerdings "nur" Alkohol zu mir genommen. Es ist
notwendig, dass man sich klar macht, dass es einem ohne Alkohol besser geht! Da können
Dich noch so viele Menschen an die Hand nehmen. Helfen kannst Du nur Dir selbst!!!

Mitllerweile trinke ich immer noch alles. Kommt drauf an worauf ich Lust hab. Aber meistens bewegen sich die Mengen so zwischen 2-3 Flaschen Sekt täglich, nur am Abend.

Das ist eine ganz schön grosse Menge an Alkohol, die Du da in Dich reingekippst...

Mir geht es soweit gut. Bewilligung für stationäre Reha ist durch. Ich habe am 20.07. den Aufnahmetermin. Ich gehe im Moment noch zur Suchtberatung. Versuche mich vor dem 20.07. selbst irgendwie trocken zu legen. Sollte es nicht funktionieren, werde ich es stationär machen. Ich habe mich von meinem Freund getrennt und versuche mich so gut es geht den Tag über zu beschäftigen. Die Arbeitslosigkeit hängt mir langsam ein bisschen zum Hals raus. Aber da muss ich mich eben noch ein bisschen gedulden.

Alles in allem freue ich mich auf die Reha. Endlich aus dem Alltagstrott raus.
Für mich wird es ein kompletter Neubeginn.

Ich finde es gut, dass Du diesen Weg nun gehst, aber mache Dir klar, dass Du nur Anregungen
und Anreize bekommst, Du selbst musst es ernsthaft wollen.

Danach bist Du wieder auf Dich allein gestellt. Niemand setzt Dir das Glas an den Mund, nur Du selbst!

Doch so reflektiert, wie Du hier rüber kommst, ist Dir schon bewusst, dass dies Deine Chance ist
Nimm sie wahr! Auch Du kannst ein Leben ohne Alkohol schaffen! Es lohnt sich!!!

LG Elly


Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 10. Juli 2020, 19:48:46

wie könnte es denn deiner Meinung nach anders gehen?


In meinen Therapien sind regelmäßig Leute aufgeschlagen, die aufgrund ihrer erhöhten Leberwerte, eine Therapie vom Hausarzt empfohlen bekommen haben. Ganz ohne ihr komplettes Leben mit Alkohol verwüstet zu haben. Die waren Anfangs oft skeptisch, haben ihr Problem dann aber irgendwann eingesehen. Manche auch nicht.

Oder: Ich wohne an einem großen Stahlstandort mit viel Automobilindustrie und einer hohen Suchtproblematik in den Fabriken. Viele meiner Mitpatienten arbeiteten in den Stahlwerken oder bei Automobilzulieferern und sind irgendwann mal durch irgendwas aufgefallen und dann von den Unternehmen auf Therapie geschickt worden. Manch einer hats eingesehen, andere eben nicht.

Also, ich denke schon, dass es auch funktioniert ohne einen persönlichen Tiefpunkt.
Es ist vielleicht nicht immer jedem klar, dass sein Trinkverhalten krankhaft ist, aber ich glaube, dass viele, wenn man sie damit konfrontiert, ihren Konsum kritisch hinterfragen und bereit sind was zu ändern.




Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 10. Juli 2020, 20:45:53

Du hast ja im Grunde mehrere "Baustellen"... Ehemals Bulimie, Drogen und dann noch Alkohol dazu.

Somit ist Deine Behandlung sicherlich nicht so einfach.

Im Grunde solltest Du Dir klar machen, dass da mehreres in Dir schlummert und nur Du etwas
ändern kannst!
 

Ja, ich habe viele Baustellen, aber wie heißt es so schön, man wächst mit seinen Aufgaben. Ehemals Bulimie ist auch nicht ganz richtig. Ist ähnlich wie mit dem Alk, einmal Bulimiker immer Bulimiker. Ich muss mit dem Essen immer aufpassen, mit meiner Kaloriezufuhr (dabei is der Alkohol net sonderlich hilfreich), Ernährungstagebuch, muss mich oft zum essen zwingen, weil ich tendenziell zu wenig esse, gleichzeitig aber aufpassen, dass ich net zu viel esse und möglicherweise auf die Idee komm zu erbrechen. Die Körperbildstörung ist zwar weg, was bedeutet, dass ich mich nicht mehr unsäglich Fett fühle aber trotzdem kann das alles wieder zurück kommen.

Zusätzlich habe ich eine diagnostizierte Borderlinestörung, was das ganze nicht unbedingt einfacher macht. Aber die Symptome werden von Jahr zu Jahr weniger und ich kann mittlerweile sehr gut damit umgehen.

Ich weiß, dass ich allein in der Hand habe, was zu ändern.
Aber im Moment, in der aktuellen Situation in der ich jetzt bin, gibt es quasi keine andere Alternative als eine Therapie. Auch wenn ich schon mehrere Therapien durchlaufen habe. Und ich bewundere Menschen, wie dich, die es ohne schaffen.

Mein erster Rückfall in der letzten Therapie war ganz furchtbar für mich. Ich hatte nen mittelschweren Nervenzusammenbruch, weil ich komplett an mir selbst gezweifelt hatte. Wie kann das sein, dass die meisten nur eine Therapie benötigen, und ich schon wieder im Begriff war meine dritte zu versemmeln?

Ich konnte mich über Stunden nicht beruhigen. Hab dann irgendwann meinen besten Freund angerufen, der mich noch aus meiner Drogenzeit kennt, der aber selbst auch abstinent lebt. Der hat mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.
Der meinte, ja schnisskettchen, ich kenn dich noch von früher, und wenn ich überlege wie hart wir uns verballert haben, bist du ein besonders schwerer Fall. Ich solle mich nicht mit normalen Alkoholikern vergleichen, und überhaupt schaffen es wenige von unserem Kaliber überhaupt mal in ne Therapie. Und da hat er recht. Ich komme von ganz unten. Hatte nie sowas wie ein normales Leben.

Hab mit 12 angefangen Alkohol zu trinken (immer mit total abschüssen), mit 13 Drogen und dann nahm das Drama seinen Lauf. Auf was will ich auch aufbauen? Ich hab ab diesem Moment nicht mehr in der normalen Gesellschaft existiert. Ich war ein Kind, zu bis unters Dach mit allem was ich in die Finger bekommen habe. Hab mit schwer Kriminellen verkehrt und startete selbst eine Karriere als Kleinkriminelle. Und diese kriminellen drogenabhängigen Leute waren meine Familie. Und in gewisser Weise sind sie das heute noch.

Ich glaube eine stationäre Reha ist genau das was ich brauche. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass ich mich mittlerweile mehr spüre. Meine Bedürfnisse wahr nehme und sie auch ernst nehme. Ich glaube Gespräche bringen mich nicht mehr weiter. Meine Psyche und meine Lebensgeschichte wurde tausendmal analysiert und durchgekaut. In dem Punkt werde ich nix neues mehr lernen. Ich kenn mich ziemlich genau, weiß warum ich bin wie ich bin, warum ich tue was ich tue.

Ich setzte große Hoffnungen auf Körperbezogene Therapien, Entspannungstherapie (bin ein absolut unentspannter, getriebener Mensch), Ruhe und zu mir selbst finden. Abseits vom Alltag. Habe mir eine Klinik 500 Km von hier entfernt ausgesucht, die reine Alkoholproblematik behandelt. Ich habe keine Lust mehr mich mit Drogenabhängigen auseinander zu setzten oder überhaupt nur damit konfrontiert zu werden.

Und weiß der Geier, vielleicht bleibe ich ja im schönen Bremen  ;)
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 10. Juli 2020, 21:17:00
Hallo Schnisskettchen,

Echt krass deine Story. Meine Ex-Freundin hätte auch Bulimie und hat endlos viele Therapien durchlaufen müssen bis sie es einigermaßen im Griff hatte. Nach der Trennung ging das dann auch wieder los.
Durch die Persönlickeitsstörung hatte sie auch einen extremen Hang zu Alkohol und Drogen. Noch dazu kam, dass sie ständig beruflich neue Ideen hatte, und nie zufrieden war mit dem was sie hatte. Immer getrieben und nervös was ich echt anstrengend fand. Sie hat leider nie eine konstante gehabt die ihr halt gegeben hat und war noch dazu (was ich im Nachhinein herausgefunden habe) sehr intrigant und falsch.
Ich denke wenn so was noch eine Rolle spielt, dann ist es noch viel schwerer von der sucht loszukommen weil die ja auch durch die personlichkeitsstörung gefördert wird.

Wie hast du es geschafft deine Bulimie zu überwinden?

Meine ex-Freundin ist in meinem Kopf und ich liebe sie immer noch sehr. Ich glaube nur manchmal dass diese Borderline Störung es unmöglich macht eine Beziehung mit ihr zu führen und bisher dachte ich auch dass das nicht heilbar ist...was du geschrieben hast gibt mir einen Funken Hoffnung dass man das loswerden kann.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Rieke66 am 10. Juli 2020, 21:47:16
Hallo Schnisskettchen,

ich bin weiblich, 54 Jahre alt und jetzt seit fast 3 Monaten nüchtern.

@ Einmal Bulimiker, immer Bulimiker

Ich glaube, das muß nicht stimmen. Ich hatte Bulimie, die dann, als ich Anfang zwanzig war, allmählich von der Alkoholsucht abgelöst wurde und seitdem nicht wiedergekommen ist. D.h., ich habe mich seit fast 30 Jahren nicht mehr übergeben und muß dennoch nicht aufpassen, was ich esse.
Damals habe ich erfahren, daß man, wenn man sich übergibt, längst nicht alle Kalorien wieder los wird, sondern hauptsächlich Mineralien und Spurenelemente. Inwieweit das stimmt, kann ich nicht sagen, aber Tatsache ist, daß sich alles, einschließlich meines Körpergefühls und -gewichts, normalisiert hat, nachdem ich diese Baustelle los war. Ich denke schon sehr lange nicht mehr darüber nach, was ich esse.

Ich hoffe, das hilft Dir...

LG Rieke
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 10. Juli 2020, 22:06:22
Hey Hadi,

Ich hatte, glaube ich, verdammt viel Glück mit meiner Bulimie. Silvester vor 2 1/2 Jahren hatte das ganze sein Ende. Davor sind alle Therapien kläglich gescheitert, was die Bulimie betraf. Ich war abstinent von allem, nur nicht vom kotzen. Essstörungen sind die am schlechtesten zu behandelnden Suchterkrankungen überhaupt. Du kannst das Suchtmittel ja nicht einfach weglassen. Das ist, als würdest du von bem alki verlangen, kontrolliert zu trinken. Man kann nicht einfach aufhören zu essen und da ein gesundes Maß zu finden ist extrem schwierig.

Ich hatte, Silvester vor mehr als 2 Jahren, einen Rückfall mit Kokain. Und seit diesem Tag ist meine Essstörung weg. Bevor ich zur Party bin, hatte ich noch erbrochen. Und den nächsten Tag, der begleitet von Depressionen und Vorwürfen war, war das Verlagen zu kotzen und auch die körperbildstörung weg. Ich glaube, dass ich mir mit meinem Kokarausch, genau die hirnareale zerstört habe die für den Fress-Brech-Mechanismus zuständig waren. Eine andere Erklärung gibt's dafür nicht.

Ja, und Borderline ist so vielfältig wie die Personen die es haben. Die einen hassen sie, die anderen lieben sie. Die Störung ist nicht heilbar, jedoch flachen die Symptome mit den Jahren ab, sofern eine Behandlung erfolgt. Ich habe mich viel über meine Krankheit informiert, Bücher gewälzt, Therapeuten befragt, mich selbst analysiert...
Wenn ich heute Borderlinespeziefische "special effects" an mir bemerke, kann ich sie ganz genau einordnen. Gebe nicht mehr jedem Impuls nach. Kann Zustände auch mal aussitzen und Gefühle ertragen.

Ich dachte auch, dass meine BPS eine Beziehung unmöglich macht. Habe eine lange Odyssee von verkorksten Beziehungen hinter mir. Bin deswegen Liebesbeziehungen immer ausgewichen. Aber heute kann ich sagen, dass ich trotz dieser Störung, beziehungsfähig bin. Und dabei auch sehr glücklich. Ich hab ein anderes Bedürfnis von Nähe und Distanz als meine Partner, bin ebenfalls sehr getrieben, ob beruflich oder privat, aber da kann man Kompromisse finden. Es ist wichtig, Dinge die mich belasten anzusprechen und nicht auszuhalten (wozu bordis gerne neigen).
Man muss halt lernen damit umzugehen.

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 10. Juli 2020, 22:47:18
Das ist krass. Aber wohl kein guter Rat es auch so zu versuchen. So hat sich das vielleicht auch verlagert und du trinkst vielleicht deswegen wieder alkohol wie bei rieke66?

Meine ex ist so weit davon entfernt sich ansatzweise im Griff zu haben...am Anfang der Beziehung war das nicht so schlimm. Vielleicht hat sie sich da zusammengerissen??
Ihre stimmungsschwankungen mir gegenüber würden immer extremer und waren für mich nicht mehr auszuhalten. Die Beziehung war so nicht tragbar. Alles was Ich zu Borderline gelesen habe, trifft auf die zu. Das ist ne bittere pille. Ich habe zwar extreme schuldgefühle  weil sie jetzt wieder voll in ihrer Bulimie steckt, Aber Ich kann mich damit auch nicht belasten. Am Ende ist Das halt auch ihre Sache und nicht meine schuld. Da hat mir Das Forum auch sehr geholfen die Verantwortung bei ihr zu sehen und nicht bei mir.
Das war auch ein grund,dass ich gerne mal einen getrunken habe um zu entspannen.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 10. Juli 2020, 23:10:00
Ja klar, also das verschwinden meiner Bulimie hat aufjeden Fall mit meinem vermehrten Alkoholkonsum zu tun. Ich habe das eine Suchtmittel auf das andere verlagert. Aber was dabei bemerkenswert ist, ist dass die Körperbildstörung verschwunden ist. Das passiert bei einer normalen Verlagerung eigentlich nicht.

Also im Bezug auf deine Ex, sicher kann man sich mit BPS eine zeitlang zusammenreißen. Bzw. möchte ich das jetzt auch nicht als zusammenreißen bezeichnen. Menschen mit BPS lieben nicht, sie vergöttern! Und ich denke dass deine Ex, die dir entgegen gebrachten Gefühle ernst gemeint hat. Leider ist es tatsächlich so, dass man als Bordie extremen Stimmungsschwankunen unterliegt. Denen kann man nachgeben, oder eben auch nicht. Aber das gegen Steuern muss man auch erst mal lernen.

Und du solltest dir keinerlei Vorwürfe machen. Deine Ex ist chronisch, unheilbar krank. Und oftmals macht es auch die Partner krank. Was du ja auch beschreibst, indem du deinen Frust "ertränkt" hast.
Für nen Otto-normal-Bürger wie dich, übersteigt so eine Diagnose sicher deine Kompetenzen.
Auch wenns schmerzt und ihr schöne Zeiten hattet, tust du weder dir, noch ihr nen gefallen.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Hadi am 11. Juli 2020, 09:31:25
Meine Kompetenzen...Ich bin nicht ihr Therapeut und ich hab kein Bock selbst vor die Hunde zu gehen und mich manipulieren zu lassen. Sie ist echt schwierig und anstrengend.
Ich denke sie ist zumindest aktuell nicht fähig eine Beziehung zu führen. Weder zu mir noch zu freundinnen. Was ich so gelesen habe ist das auch typisch für borderline...

Danke für deine Aufklärung,das bestätig für mich auch die trennung.

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 11. Juli 2020, 10:55:04
Ja, das hört sich schon klassisch nach BPS an.
In Verbindung mit Alkohol und Drogen sicher nochmal ne Nummer krasser. Die Kombi befördert dann den kompletten Wahnsinn ans Tageslicht. So war es zumindest bei mir. Gut, dass du dich da abgrenzen kannst und den Fehler nicht bei dir suchst.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 11. Juli 2020, 11:17:23

@ Einmal Bulimiker, immer Bulimiker

Ich glaube, das muß nicht stimmen. Ich hatte Bulimie, die dann, als ich Anfang zwanzig war, allmählich von der Alkoholsucht abgelöst wurde und seitdem nicht wiedergekommen ist. D.h., ich habe mich seit fast 30 Jahren nicht mehr übergeben und muß dennoch nicht aufpassen, was ich esse.
Damals habe ich erfahren, daß man, wenn man sich übergibt, längst nicht alle Kalorien wieder los wird, sondern hauptsächlich Mineralien und Spurenelemente. Inwieweit das stimmt, kann ich nicht sagen, aber Tatsache ist, daß sich alles, einschließlich meines Körpergefühls und -gewichts, normalisiert hat, nachdem ich diese Baustelle los war. Ich denke schon sehr lange nicht mehr darüber nach, was ich esse.

Ich hoffe, das hilft Dir...

LG Rieke


Hallo Rieke,

mir wurde das so von meiner Therapeutin (trockene Alkoholiker und ehemals Anorexie) erklärt, dass man trotzdem immer Aufpassen muss. Das machte für mich auch Sinn und zumindest im Moment merke ich selbst, dass es noch nicht so ganz klappt, weil ich einfach zu wenig esse. Nicht weil ich abnehmen will, ich hab einfach weniger Hunger und kann keine so großen Mengen zu mir nehmen. Vielleicht ist das bei mir auch noch alles zu frisch.

Würde mir wünschen, dass es bei mir auch irgendwann, so wie bei dir, wieder normal ist.

Liebe Grüße

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Elisabet am 11. August 2020, 19:08:00
Hallo Schnisskettchen,

Mein Name ist Elisabeth und schreibe dich hier an weil mich deine Geschichte sehr interessiert.
Ich bin 40 Jahre alt, alkoholkrank und habe auch eine Drogenvergangenheit. Die Essstörung (Bulimie ohne falsche Selbstwahrnehnung)war lange Zeit weg flammt allerdings wieder auf. Das einzige was ich nicht habe,ist die Borderline Diagnose.

Ich schreibe dich an, weil ich an Therapie schon so viele Dinge versucht habe, aber immer und wieder der Rückfall kam. Ich habe deinen Texte gelesen und wollte wissen, ob dir die Therapie bewilligt wurde und wenn ja wie es dir dann (aktuell?) in der therapieeinrichtung ergeht.

Ich habe auch einen Freund gehabt der süchtig ist aber habe mich mittlerweile getrennt. Das erschwert alles zusätzlich aber es bringt sonst nix. Ich habe gelesen, dass du auch einen abhängigen Freund hast?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass so viele psychische Probleme / Krankheiten schwierig zu behandeln sind und die Wahrscheinlichkeit dass man jemals völlig gesund wird eher gering. Ich bin verzweifelt und Suche nach neuen Möglichkeiten daher würde ich gerne deine Erfahrungen wissen.

Danke!
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Elisabet am 11. August 2020, 20:45:20
Könnten die Ärzte die eine Prognose stellen? Also wird es denn trotz der diversen chronischen Baustellen möglich sein ein normales Leben zu führen?
Meine Therapeutin war da bei meinem letzten Zusammenbruch sehr schroff was das angeht. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt...daher die Frage nach deiner Erfahrung.

Ich würde mich natürlich auch über andere Erfahrungsberichte freuen.

Liebe Grüße
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 17. August 2020, 12:39:14
Hallo Elisabeth,

ich hatte gerade einen ewig langen Text verfasst, der jetzt leider weg ist.
Hab jetzt leider keine Zeit ihn erneut zu tippen.
Schreibe dir heute Abend nochmal.

Liebe Grüße
Schnisskettchen
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Greenfox am 17. August 2020, 16:49:32
Elisabeth hat sich - ebenso wie Hadi - hier wieder abgemeldet.
Wieso, weshalb, warum  nixweiss0 Ich habe keinen Anlass und auch keine Nachricht, die Aufschluss gibt, finden können ...
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 17. August 2020, 20:11:14
Danke für die Info!
Dann muss ich mir nicht nochmal die Mühe machen den kompletten Text zu tippen.
Falls Elisabeth doch nochmal auftaucht, antworte ich natürlich trotzdem gerne.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Greenfox am 18. August 2020, 10:08:16
Dass sich jemand abgemeldet hat erkennt man daran, dass der Nickname schwarz erscheint (Trauer?) und darunter "Gast" steht ...
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Elisabet am 21. August 2020, 21:24:25
Hallo zusammen,

Es tut mir leid,dass mein Beitrag und das löschen von dem Account zu so einer Verwirrung geführt hat. Ich habe mich wieder abgemeldet weil ich den Austausch als schleppend empfunden habe bzw nicht mehr mit einer Antwort gerechnet habe.
Da schnisskettchen  aber doch noch hier aktiv ist, würde ich mich über eine Antwort freuen.

Grüße
Elisanbeth
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Greenfox am 22. August 2020, 12:44:15
Hallo, Elisabet!

Es tut mir leid, dass Du den Austausch als schleppend empfindest - aber ein Onlineforum ist nunmal keine Echtzeit-Selbsthilfegruppe. Es dauert hier nun oft ein wenig länger als ein paar Minuten, bis eine Antwort eintrifft. Das Problem ist nur - wann loggt sich der Angesprochene wieder ein?
Aber schön, dass Du trotzdem noch mitgelesen und wieder angemeldet hast. Ich habe mal Deine Beiträge wieder zu Deinem Account zusammengeführt.

Gruß
Greenfox
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 24. August 2020, 16:43:22
Hallo Elisabet,

schön, dass du den Weg zurück gefunden hast.
Zu deinen Fragen: Ja, die Therapie wurde mir bewilligt, habe sie aber vor zwei Wochen nach der dritten Woche abgebrochen. Ich fand das Konzept, für mich, nicht zielführend.
Auch wenn ich nach so kurzer Zeit abgebrochen habe, wurde mir durch die Therapie trotzdem einiges klar.

Warum ich abgebrochen habe?! Mal abgesehen davon, dass ich das ganze Suchtthema inhaltlich schon kannte, fand ich die Therapien an sich sehr oberflächlich. Mir bringt es nichts, wenn meine Lebensgeschichte zum 10ten mal durch gekaut und meine Psyche zum Xten mal analysiert wird. Neue Erkenntnisse werde ich dadurch nicht mehr bekommen. Und in die Tiefe gingen die Sitzungen sowieso nicht. Wenn ein Patient über ein, für ihn unangenehmes, Thema nicht reden wollte, war das für die Therapeuten in ordnung. Das kenn ich ein wenig anders...
Die anderen Therapien wie: Vorbereitung auf das Erwebsleben (Bewerbungen scheiben 18 Stunden lang), Schulung Ernährung (Ernsthaft?), Schulung Bewegung (Echt? Sport ist gesund?), Ergotherapie (Basteln), Haushaltsführung (Zimmerkontrolle) und Schulung Rauchen (Rauchen ist tödlich!) fand ich lächerlich. Mag für den ein oder anderen wichtig und richtig sein, für mich war das allerdings alles nichts neues und wirklich intensiv sind die Themen auch nicht behandelt worden. Das fand alles eher so auf Grundschulniveau statt.
Meine Bewerbungsunterlagen sind auf dem neusten Stand, ich ernähre mich gesund, treibe Sport, geh spazieren, unternehme viel, bemale Steine und mit meinem Haushalt hatte ich auch noch nie Probleme.
Besonders ulkig war, dass ca. 70% der Patienten auf teilweise süchtig machenden Medikamenten waren, die in der Klinik verordnet wurden. Tilidin, Tramadol, Haldol, Diazepam, Antidepressiva in allen Formen und Farben. Und das ohne, dass dort Diagnostik statt fand.
Niemanden interessierte es ob ich dort esse, was ich esse und ob ich es möglicherweise erbrech.

Das alles hat mir gezeigt, dass ich doch schon ziemlich weit bin. Mir Dinge geschaffen hab die mir Freude machen. Ich kenne meine Schwächen und kenne meine Stärken. Und vor allem weiß ich, was gut für mich ist. Und die Klinik und auch die Therapie davor waren es nicht.
Genauso war mein Ex Gift für mich, auch wenn ich für diese Erkenntnis etwas länger gebraucht hab. Ich habe die letzten beiden Therapien angefangen, weil man das halt so macht wenn man rückfällig ist. Das war zumindest der Standpunkt der Therapieeinrichtung der 3 ersten Therapien. Aber kann man einen Rückfall nicht einfach mal nen Rückfall sein lassen?
Die Fehlerquelle ausloten, Fehler beheben und weiter machen. Warum wieder eine komplette Therapie?! Ich hab mir zu viel von anderen rein quatschen lassen. Dabei wusste ich doch die ganze Zeit, dass mein Job das Problem war.

Jetzt bin ich seit zwei Wochen wieder hier. Besuche zur unterstützung eine SHG und kümmere mich um die für mich wichtigen Themen. Unabhängig davon was irgendein anderer für richtig hält. Ich weiß doch am aller besten was gut für mich ist!

Ich denke auch, dass trotz sämtlicher Störungen ein "normales" Leben möglich ist. Man muss nur seinen eigenen Weg finden. Was für den einen richtig ist, ist nicht gleich auch für einen anderen richtig.

Ich habe an Therapien und Hilfsangeboten alles durch. Suchtberatung AWO, Suchtberatung Caritas, ambulante Therapie, sämtliche SHG im Umkreis von 70 Km, Psychotherapie, stationäre Therapie und jetzt wieder SHG und Caritas. Und irgendwann muss es ja auch mal gut sein. Ich will die SHG jetzt wirklich mal durchziehen und ansonsten mal die Dinge angehen die ich für mich wichtig finde. Unabhängig davon was jemand anderes darüber denkt. Wenn jemand sagt, das ist unmöglich, sind das doch nur die Grenzen des anderen, es bedeutet nicht, das es für mich unmöglich ist.

Was machst du im Moment an Therapie? Was würdest du sagen sind deine Baustellen?
Wie geht es dir und wie läuft es mit dem Alkohol und der Bulimie?

Muss mich leider etwas kurz fassen, die SHG startet gleich.

Liebe Grüße

Schnisskettchen
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Elisabet am 25. August 2020, 21:57:40
Hallo Schnisskettchen,

Vielen Dank für deine ausführliches feedback.Ich

Ich trinke aktuell 1Flasche wein, manchmal auch nicht komplett. Die Trennung hat mir zugesetzt aber generell habe ich ein Problem damit mit stressigen Situation sei es auch nur der normale Alltag umzugehen. Ich trinke wie wahrscheinlich viele um mich zu entlasten. Die Bulimie ist sehr present und der ich denke der Alkohol wird sich auch weiter steigern wenn ich nicht einlenke. Ich gehe auch zu einer shg  bin mir aber ziemlich sicher dass da nochmal eine Therapie sein muss. Ein Rückfall gehört wohl dazu das stimmt aber ich denke trotzdem dass ich was tun muss. Nur was weiß ich nicht...
Ich arbeite noch regulär und finde das auch wichtig. Meine Baustelle war die Beziehung, der Stress auf der Arbeit und was sonst noch Drumherum war. Ich unterstütze meine Eltern was manchmal anstrengend ist, ich aber gerne mache. Umso schlimmer dass ich nicht die Stabilität habe trotz 2 Therapien diese alltäglichen Dinge oder die Hürden die das Leben bringt trocken und nicht essgestört zu überstehen.

Tut mir leid zu hören,dass du keinen Erfolg mit der Therapie hattest. Ich hatte aus deinen anderen Beiträgen herausgelesen dass du sehr große Hoffnung in den Entzug gesetzt hast. Es ist schön dass du rausfinden könntest was die gut tut. Konntest du nun auch den Alkohol abschreiben wo du zu Hause bist? Gehst du jetzt einfach weiter regulär arbeiten wo die Arbeit dir auch eine Baustelle war?

Grüße
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 26. August 2020, 21:58:30
Hallo Elisabeth,

du hattest geschrieben, dass die Bulimie mal weg war. Wie hast du das denn geschafft?
Eine Esstörung weg zu bekommen ist normalerweise super schwer. Dass du das schon einmal geschafft hast, beweist ja, dass es möglich ist.
In welchen Situationen hast du erbrochen? Gibt es bestimmte Lebensmittel die du besonders gerne erbrichst? Hast du richtige Fressanfälle?
Ich hatte vor einer Woche auch einen Rückfall mit dem Kotzen.
Ich arbeite nebenbei in einem Restaurant. Nach Feierabend hatte ich mir ein Stück Sachertorte mit nach Hause genommen und zuhause gegessen. Ich hatte das Stück noch nicht ganz aufgegessen, schon hatte ich eine Stimme im Kopf die gesagt hat: Das sind zu viele Kcal, das muss wieder raus! Und so geschah es dann auch.
Das war seit langer Zeit wieder das erste Mal dass ich gekotzt habe aber auch seit dem das letzte mal.
Ich glaube, das hing damit zusammen, weil ich früher bei meinen Fressanfällen überwiegen Süßes und Dinge die leicht zu erbrechen sind gegessen hab.
Mittlerweile ess ich kaum noch süß und versuche auch nur so viel zu essen dass ich kein Völlegefühl im Bauch hab. Ansonsten ernähre ich mich gesund und versuch den ganzen Schrott, den ich früher erbrechen hab, weg zu lassen.

Was meinen Job angeht, den habe ich Anfang des Jahres gekündigt. Ich bin arbeitslos, jobbe nebenbei aber ein wenig. Ich werde in diesen Beruf auch nicht zurück gehen. Der Job war nach der ersten Therapie der Grund dafür, dass ich nach ca. 2 Jahren rückfällig wurde. Damals noch bei einem anderen Unternehmen. Den hatte ich dann auf anraten von meinem behandelnden Psychiater gekündigt, ne neue Therapie gemacht und war ca. 2 Jahre abstinent. Ich wollte auch nie mehr in die Branche zurück. Lief dann aber doch alles nicht so wie ich wollte. Habe aus der Not heraus eine andere Stelle in der gleichen Branche angenommen und war nach kurzer Zeit dann doch wieder in meiner früheren Position nur eben bei einem anderen Unternehmen. Der Abfuck war der gleiche, habe aber recht viel Geld verdient, was mich daran gehindert hat zu kündigen. So hat sich der Alkohol wieder eingeschlichen und ist wieder 5 Jahre geblieben.

Ich seh eine neue berufliche Perspektive als ganz zentrales Thema für mich und meine Abstinenz. Deswegen möchte ich gerne eine Umschulung machen. Was leider auch nicht so einfach ist.

Mit der Abstinenz klappt es so semi. Keine 10 Minuten nachdem ich von der Klinik weg gefahren war, hatte ich einen kleinen Nervenzusammenbruch. Es war einfach ein scheiß Gefühl wieder "versagt" zu haben. Konnte mich auf der 6 sündigen Fahrt zwar etwas beruhigen, habe in meinem Kopf aber schon klar gemacht, dass ich trinken werde wenn ich zuhause ankommen bin. Der Rückfall ging vier Tage. War dann wieder 10 Tage abstinent. Die letzten zwei Abende hatte ich wieder getrunken. Heute aber nicht mehr.
Ich habe jeden Tag Suchtdruck obwohl ich viel mache den Tag über. Ich mache Sport um mich auszupowern. Ich gehe jeden Tag in den Tierpark, geh spazieren, wandern, treff mich mit Freunden und mach Dinge die mir Spaß machen. Trotzdem habe ich jeden Abend Suchtdruck. Ist halt alles nicht so einfach. Die Arbeitslosigkeit tut mir einfach nicht gut aber es dauert wohl noch ein bisschen bis ich wieder regulär arbeiten gehen kann. Bis dahin muss ich irgendwie durchhalten.

Was waren das denn für Therapien die du da gemacht hast? Was rät dir denn deine Therapeutin?


Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Susanne68 am 27. August 2020, 15:56:37
Mit der Abstinenz klappt es so semi. Keine 10 Minuten nachdem ich von der Klinik weg gefahren war, hatte ich einen kleinen Nervenzusammenbruch. Es war einfach ein scheiß Gefühl wieder "versagt" zu haben. Konnte mich auf der 6 sündigen Fahrt zwar etwas beruhigen, habe in meinem Kopf aber schon klar gemacht, dass ich trinken werde wenn ich zuhause ankommen bin. Der Rückfall ging vier Tage. War dann wieder 10 Tage abstinent. Die letzten zwei Abende hatte ich wieder getrunken. Heute aber nicht mehr.

Du eierst ganz schön rum, Schnisskettchen. Du machst bestenfalls mal (kurze) Trinkpausen. Du weisst zwar, dass Du ein Problem hast, und kannst auch ganz nett drüber schreiben, aber von einer Lösung des Problems oder wenigstens einer konsequenten Herangehensweise bist Du nach meinem Dafürhalten Lichtjahre entfernt.

Deine ganzen Erklärungen, warum Du das machst, kannst Du in die Tonne treten, denn sie bringen Dich nicht weiter. Ich bin versucht, Wetten darüber abzuschliessen, dass eine Umschulung in Deinem Verhalten nichts ändern wird.

Da hast Du halt Saufdruck. Hilfts Dir irgendwie weiter, wenn Du dann deswegen trinkst? Wird er davon weniger - und wie lange? Macht Dich das irgendwie glücklicher, dann zu trinken? Du schreibst zwar irgendwie, das ist doch nicht so schlimm, dann hast Du halt Rückfälle, und das musst Du natürlich mit Dir selbst ausmachen, aber ich denke, so wird das eine unendliche Geschichte bleiben. Da musst Du vor mir nicht rechtfertigen, aber ist das wirklich das, was Du willst? Jedenfalls TUST Du es ja. Du greifst zum Glas, denn das "passiert" ja nicht, ohne das Du etwas machst.

Du bist doch mitten im Hamsterrad. Trinkst Du, leidest Du, trinkst Du nicht, leidest Du auch, aber wie es da rausgeht, hast Du noch absolut nicht begriffen. Mach Dir nichts vor, das kann noch 20 Jahre so weitergehen und dann bist Du genau da, wo Du nicht hinwillst. Von wegen, bei Dir ist es nicht so schlimm. Es ist definitv so schlimm, dass Du bislang nicht aufhören kannst. Du bist so abhängig wie nur irgendwer. Und Dein ganzes Denken ist davon durchdrungen. Auf Entgiftungsstationen hängen auch immer Leute herum, die können Dir bis ins letzte Detail erklären, warum das so und so ist und was sie alles tun müssten und werden, aber aufhören können sie deswegen nicht. Zwei Wochen später sind sie wieder da. Ich war zwar selber nie Patient da, aber ich habs mir angeguckt.
Und wo bist Du denn weiter als vor ein paar Jahren? Gestern stand ich am Abgrund, heute bin ich einen Schritt weiter? Du steckst doch noch mittendrin und es geht weiter abwärts. Bei jedem Rückfall hast Du zu tun, dass Du wieder rauskommst, und Du wärst ja nun so ziemlich die erste, bei der das nicht mit der Zeit schwieriger wird.

Du schaffst Dinge, die andere nicht schaffen? Na dann mach mal. Bis jetzt schaffst Du sie jedenfalls nicht. Ich glaube, Du möchtest das zwar gerne glauben, aber das würde dann schon anders aussehen.

Aufhören muss man halt machen, das erledigt Reden nicht oder Schreiben nicht. Es ist ganz simpel, man muss nur erst das Glas stehen lassen, und das unter wirklich allen Umständen. Es gibt keine Ausreden und keine wirklichen Gründe, um zu trinken. Auch wenn die Welt um einen herum untergeht, das habe ich mir damals geschworen, das ist mir schnuppe. Egal was kommt, es ist alles nüchtern aushaltbar. Alles andere ist Rumeiern. Es liegt nur an mir - oder Dir - ob das klappt.
Und "es ist schwer" ist kein Argument, wenn man sich mal anguckt wie nasse Alkoholiker oft enden. Damit möchte ich auf gar keinen Fall tauschen, aber Du ja vielleicht. Bis jetzt benimmst Du Dich ja so, wie wenn das nur ein Spielchen wäre...ja, aber eins mit dem Leben. Mit DEINEM Leben. DAS ist schwer und es wird noch viel schwerer, dagegen ist Aufhören eine der leichtesten Übungen.

Triff mal die richtige Entscheidung, und zwar dann wenn es schwer fällt. Bislang gibst Du dem Druck doch einfach nach. Und wenn du dann mal ein, zwei, fünf Jahre trocken bist, dann kannst Du drüber nachdenken und mal gucken was im Rückblick von Deinen ganzen Erklärungen überhaupt stimmt und was Du Dir nur vorgemacht hast, Damit Du Dir damit die Erlaubnis zum Weitertrinken selbst erteilen konntest.

Mich gehts eigentlich gar nichts an, aber ich glaube das nasse Geschwätz von Dir muss hier auch nicht unkommentiert bleiben. Wenn wir uns auf solche "Begründungen" einlassen würden, wie Du sie bringst, wäre hier niemand trocken geworden.

Versteh mich nicht ganz falsch, ich wünsche Dir wirklich, dass es mal "klick" macht. Momentan siehts für mich einfach nicht danach aus. Aber so was kann sich ja ändern.

Gruß Susanne
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Gerchla am 28. August 2020, 09:30:25
Hallo Schnisskettchen,

der sehr dirkte Beitrag von Susanne animiert mich jetzt tatsächlich dazu Dir auch mal ein paar Zeilen zu schreiben. Ansich "ticken" Susanne und ich ziemlich unterschiedlich. Inhaltlich, wenn es also um die Sache an sich geht, bin aber der Meinung das wir uns komplett einig ist und ich respektiere ihre Meinung. Es ist der Weg heraus aus der Sucht und auch der Weg den wir nach dem erfolgreichen Ausstieg gegangen sind und noch gehen, der sehr unterschiedlich ist.

Ich habe mittlerweile gelernt, dass es hier keine allgemeingültige Wahrheit gibt. Nicht mein Weg ist der einzig Richtige und auch nicht ihrer oder der von sonst irgend jemanden der es geschafft hat. Wenn man von dem Zeug weg will, dann besteht die Aufgabe eben genau darin einen eigenen Weg für sich selbst zu finden. Und ich denke, Du hast den Deinigen noch nicht gefunden.

Deshalb denke ich, dass Du vielleicht auch mal ein umdenken, ein Ändern Deiner Vorgehensweise in Betracht ziehen solltest.

Wenn ich das hier z. B. lese:

Zitat
Ich habe jeden Tag Suchtdruck obwohl ich viel mache den Tag über. Ich mache Sport um mich auszupowern. Ich gehe jeden Tag in den Tierpark, geh spazieren, wandern, treff mich mit Freunden und mach Dinge die mir Spaß machen. Trotzdem habe ich jeden Abend Suchtdruck.

Warum tust Du das dann? Wenn es doch nicht zu dem führt was Du eigentlich möchtest? Ich kann immer nur von mir sprechen und deshalb möchte ich Dir sagen was ich damals gemacht habe.

Ich bin die ersten Monate jeden Tag spazieren gegangen, mit ganz wenigen Ausnahmen. Oft alleine, ab und an mit Begleitung. Alleine ging ich bewusst um die Zeit für mich zu haben und um dabei über MICH, meine Sucht, mein Leben und das was ich eigentlich möchte, nachzudenken. Nur deshalb habe das gemacht, ich nahm mir diese Zeit bewusst genau dafür weil ich im normalen Alltag, den ich ja auch noch hatte (Arbeit, etc.) keine Gelegenheit dazu hatte. Wenn ich Begleitung hatte bei diesen Spaziergängen, dann habe ich mit diesen Menschen immer über mich, meine Sucht, mein Leben und alles was mich diesbezüglich eben bewegt hat, gesprochen. Es waren immer Menschen die Bescheid wussten, die eingweiht waren und dich ich als Hilfe betrachtete.

Was ich von Dir lese klingt für mich nach Ablenkung.Es klingt nach Ablenkung um eben nicht über diese Dinge nachdenken zu müssen. Man könnte auch verdrängen dazu sagen. Tatsächlich habe ich damals auch mit diesen Gedanken gespielt. Ich dachte auch darüber nach mir "Gutes zu tun" um mich abzulenken. Ich dachte vor allem auch darüber nach, mich wieder beim Sport auszupowern, weil ich aus meiner Vergangenheit wusste, wie gut mir das getan hatte und wie viel Energie ich daraus ziehen konnte. Ich tat es bewusst nicht, ich ließ es bewusst bleiben. Denn es wäre für mich nur eine Verdrängung meiner akuten Probleme gewesen und das hätte mir beim Lösen der selbigen nicht geholfen.

So, mehr will ich gar nicht schreiben.

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du weiter kommst und die Sucht hinter Dir lassen kannst!

LG
gerchla
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Greenfox am 28. August 2020, 11:20:18
Ein Rückfall gehört wohl dazu das stimmt aber ich denke trotzdem dass ich was tun muss.

Das ist der größte Bullshit und der größte Selbstbetrug aller Zeiten! Damit kann man sich schön bequem zurücklehnen und sagen: "Was wollt Ihr denn? Ich MUSSTE doch einen Rückfall haben - der gehört doch dazu!"

Natürlich gehören Rückfälle zum Krankheitsbild - aber nicht zwangsläufig! Es gibt sehr viele Menschen, die haben es auch OHNE Rückfälle geschafft.
Ich gehöre leider nicht zu diesen Menschen. Aber ich habe immer mein Möglichstes getan, dass es NICHT zu einem Rückfall kommt.

Also ruht Euch nicht darauf aus!
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Elly am 28. August 2020, 12:19:55
Ich habe an Therapien und Hilfsangeboten alles durch. Suchtberatung AWO, Suchtberatung Caritas, ambulante Therapie, sämtliche SHG im Umkreis von 70 Km, Psychotherapie, stationäre Therapie und jetzt wieder SHG und Caritas. Und irgendwann muss es ja auch mal gut sein. Ich will die SHG jetzt wirklich mal durchziehen und ansonsten mal die Dinge angehen die ich für mich wichtig finde. Unabhängig davon was jemand anderes darüber denkt. Wenn jemand sagt, das ist unmöglich, sind das doch nur die Grenzen des anderen, es bedeutet nicht, das es für mich unmöglich ist.

Hallo Schnisskettchen,

leider schliesse ich mich den Vorschreibern an! Du eierst rum & beschönigst Deine Sauferei!

Dann setze doch das um, was Du schon alles erfahren und erlebt hast. Niemand führt Dir
das Glas zum Mund, nur Du selbst!

Ich wünsche Dir, dass Du es mit Hilfe der SHG es schaffst, trocken zu werden und zu bleiben.
(Aber willst Du das auch wirklich?)

Setze das um, was Du gelernt hast und nimm es ernst!

Elly

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Elisabet am 28. August 2020, 16:54:29
Hallo Schnisskettchen und Hallo an die anderen

Die Essstörung habe ich nur wegbekommen mit einem 6 monatigen Aufenthalt in einer speziell hierfür ausgerichteten Klinik. In meinem Augen ist das von alleine nicht in den Griff zu bekommen. Ich habe es alleine versucht, müsste dann aber wie du viele Lebensmittel meiden und obwohl ich nicht erbrochen habe, hat sich mein Alltag trotzdem nur ums Essen gedreht. Einkaufen, kochen, Essen war immer begleitet von kcal Gedanken etc.. ich bin genau wie du eine vermeidumgsstrategie gefahren. Exzessiv Sport getrieben was auch nicht gesunt war. Das bin ich durch die Therapie losgeworden und habe einen gesunden Umgang mit dem theamngelernt.
Ist es bei dir nun wieder Presenter oder ist es bei dem einen mal geblieben?

Ich habe mich mitlerweile dafür entschieden eine weitere Therapie zu machen.
Ich habe auch schon viel gelernt, allerdings kann ich es nicht umsetzen wenn es drauf ankommt. Die Trennung,Stress im Job oder im privaten Umfeld wird mir immer wieder begenen, davor kann ich mich nicht schützen. Ich muss endlich lernen auch in solchen Situationen klar zu kommen und nicht direkt zu trinken. So viele andere Menschen schaffen ihr Leben mit allen Schwierigkeiten ohne alkohol. Das will ich auch. Äußere Dinge gibt es leider immer. Die Fragen nicht, ob wir die gerade gebrauchen können und ob das gerade passt.

Seit der Entschluss feststeht trinke ich keinen Alkohol mehr. In meinem Kopf ist etwas Ruhe eingekehrt sodass es mir bis jetzt recht gut gelingt.

Wie klappt das bei dir? Wieviel trinkst du aktuell? Wäre ein erneuter therapieversuch für dich denkbar?

Was den Job angeht das ist selbstverständlich wichtig. Keine Perspektive und eine Aufgabe zu haben. Ich für meinem Teil muss mich jetzt erst um meine Baustellen kümmern und das würde ich dir auch raten. Ich kann aus Erfahrung sagen, das ein neuer Job dich nicht gesund macht und das der Job nicht schuld daran ist rückfällig zu sein. Der Grund ist wie ich das bei mir sehe die sucht...Ich habe mir auch oft ausreden und Rechtfertigung gesucht warum ich wieder getrunken habe. Damit habe ich mich aber selbst betrogen zu denken  "die trennung, der jon, die Eltern kein Wunder das Ich wieder trinke". Das war sozusagen der freifahrtschein...

Alles Erkenntnisse der letzten Tage...der Weg ist lange und schwer aber das muss jetzt nochmal sein.

Ich hatte den Aufenthalt in der Klinik und Psychotherapie in Langzeit was ich für mich auch richtig und gut finde.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 28. August 2020, 17:02:27
Hallo Zusammen,

den Beitrag von Susanne möchte ich gar nicht kommentieren, da ich ihn rotzfrech finde. Auch wenn Susanne es für nötig hält, mein "nasses Geschwätz" zu kommentieren. Soweit ich weiß, ist dieses Forum nicht nur für trockene Alkoholiker, sondern ein Ort, an dem sich vor allem nasse Alkoholiker Hilfe suchen. Da finde ich so eine herablassend Art von langjährig Trockenen total daneben und wenig hilfreich.

Elisabet hat sich für meine Geschichte interessiert und ich habe ihr versucht ehrlich von meinen Erfahrungen zu berichten. Ich find es tatsächlich super, dass viele hier im Forum schon so lange trocken sind und das auch teilweise auf Anhieb geschafft haben. Nur ist das eben nicht die Regel und umso schwieriger, wenn man mehrfach abhängig ist und/oder noch andere Diagnosen mit sich rumschleppt. Was ja auch ein Problem von Elisabet ist.

Und Gerchla, warum ich das alles tue? Ganz einfach, damit ich was zu tun habe und bekanntlich soll sowas ja auch gegen Suchtdruck helfen. Wäre es besser wenn ich den ganzen Tag auf der Couch liegen würde? Wie gesagt, ich bin arbeitslos und bevor mir Zuhause die Decke auf den Kopf fällt, mach ich was. Natürlich ist das manchmal auch Ablenkung. Aber was spricht gegen Ablenkung? Ich bin seit Anfang des Jahres arbeitslos. Am Anfang war das auch echt nice nicht arbeiten zu müssen aber auf Dauer macht das nicht glücklich. Im Gegenteil.
Deswegen kuck ich, dass ich meinen Tag mit anderen Dingen Fülle. Mit Verdrängung hat das nichts zu tun. Ich mach mir mehr als genug Gedanken um mich und meine Probleme, und rede auch mit meinen Freunden darüber.

Und Elly, ja das versuch ich und ich werde das auch schaffen, unabhängig davon was irgendjemand hier denkt.

Liebe Grüße




Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Gerchla am 28. August 2020, 17:24:26
Hallo Schnisskettchen,

weißt Du, aus meiner Sicht spricht gar nichts gegen Ablenkung. Wenn sie Dir hilft Deine Sucht zu überwinden. Was Du jedoch schreibst hört sich so an, als wäre es zwar Deine Hoffnung sie würde Dir helfen, jedoch tut sie das nicht. Was anderes kann ich da nicht raus lesen.

Und ja, wenn es Dir helfen würde den ganzen Tag auf der Couch zu liegen und über Dich und Dein Leben und Deine Ziele nachzudenken um so vielleicht Deinen Weg zur Überwindung Deiner Sucht zu finden, dann wäre das tatsächlich eine gute Idee.

Ich kenne Menschen die gelernt haben, ganz bewusst gelernt haben mit sich und ihren Gedanken und Gefühlen alleine zu sein. Über einen längeren Zeitraum. Um überhaupt in die Lage versetzt zu werden ihr Leben zu verstehen und zu ordnen. Diese Menschen waren alle in einer Lebenskrise, hatten psychische Probleme. Ihnen hat es geholfen und zu einer habe ich noch Kontakt. Sie nimmt sich immer noch jedes Jahr mehrere Wochen für sich obwohl sie längst gefestigt im Leben steht.

Die Couch könnte also durchaus ein Anfang sein. Aber am Ende kannst nur Du selbst herausfinden was Dir hilft. Ich hätte auch nie gedacht, dass ausgerechnet ein Mönch mich damals völlig ungläubigen Menschen wieder zurück ins Leben führt. Das wenn mir jemand gesagt hätte als ich noch trank hätte wahrscheinlich einfach nur „Amen und prost“ gesagt und mir gedacht der hat sie nicht mehr alle.

Offen sein für neue Wege kann hilfreich sein, vor allem dann wenn die bereits gegangenen Wege sich als nicht zielführend erwiesen haben.

Mehr wollte ich mit meinem Post eigentlich gar nicht sagen.

Alles Gute

LG
Gerchla
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 28. August 2020, 17:52:03
Hallo Elisabet,

was du da beschreibst kenn ich nur zu gut. So sah das bei mir früher auch aus wenn ich versucht habe die Bulimie in den Griff zu bekommen. Alles drehte sich um Ernährung, einkaufen, Kalorien. Ich hatte nichts anderes im Kopf. Ich habe verschiedene Ernährungsformen ausprobiert. War Veganer, Vegetarier und was es sonst noch so alles gibt. Exzessiv Sport habe ich auch getrieben.
Wirklich lange abstinent vom kotzen war ich dadurch aber nicht. Immer nur ein paar Tage und dann gings wieder los.
Mittlerweile ess ich eigentlich alles. Auch Lebensmittel die früher "verboten" waren, wie Sahne, Zucker, Butter, Brot... Ich denke auch nicht mehr großartig über kcal nach. Ich ess einfach was mir schmeckt. Natürlich habe ich dadurch auch zugenommen, aber ich mag mich trotzdem. Mein Selbstwert hängt nicht mehr an meinem Gewicht. Dadurch habe ich ein riesen großes Stück Lebensqualität gewonnen.
Bei dem einem Mal kotzen ist es geblieben.

Schön dass du dich für eine Therapie entschieden hast und seit dem auch nichts mehr getrunken hast. Weißt du schon was es für eine Therapie sein soll?
Ich hatte zuletzt vor ein paar Tagen ca 1 1/2 Flaschen Wein getrunken.

Du magst wohl recht haben, dass mich ein anderer Job nicht gesund macht aber Fakt ist, dass mich mein alter Job krank macht. 60 Stunden die Woche zu buckeln, phasenweise waren das auch schon 80 Stunden, aber nur 37,5 bezahlt zu bekommen. Keine Pausen, unrealistische Zeitvorgaben, Personalmangel und und und.
Da muss man nicht mal sonderlich labil um das nicht auszuhalten. Ich hatte das ganze 1,5 Jahre abstinent durchgehalten, dann aber angefangen zu trinken weil ich mir morgens am Bahnhof ernsthaft überlegt hatte: Steig ich in den Zug ein oder stürzt ich mich davor. Der Alkohol hatte die Arbeit für mich wieder erträglich gemacht. Die naheliegendste Lösung wäre gewesen zu kündigen aber das habe ich mich zu dem Zeitpunkt nicht getraut. Mitarbeiter werden in dieser Branche Systematisch verheizt und dafür ist sie auch bekannt.

Mir ist klar dass ich in anderen Berufen auch mit Problemen konfrontiert aber nicht in einem solchen Maße.

Eine Therapie kommt für mich nicht mehr in Frage. Zumindest im Moment.

Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Britt am 28. August 2020, 20:09:28
Hallo Schnisskettchen,
danke, dass du so ehrlich geschrieben hast. Es ist der vollkommen falsche Weg, deine Rückfälle tot zu schweigen. Leider hast du mit dem Alkoholismus und der Bulimie gleich zwei Rückfallkrankheiten. Ich ebenso, neben dem Alkoholismus habe ich den scheiß Krebs. Die Angst vor einem Rezidiv sitzt mir ständig im Nacken. Alle chronischen Krankheiten haben unterschiedliche Rückfallwahrscheinlichkeiten und bei praktisch allen Suchterkrankungen gehört die Möglichkeit eines Rückfalls zum spezifischen Krankheitsbild. Mir hat dieses Wissen sehr geholfen. Es ist quasi der „Stachel“ , der mich jeden Tag dazu antreibt, noch effektiver in meiner Trockenarbeit zu werden. Ich bleibe wachsam.
Ich wünsche dir, dass du in der SHG mehr Hilfe erfährst. Berichte doch mal.
LG Britt
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Schnisskettchen am 28. August 2020, 21:51:14
Hallo Gerchla, Hallo Britt,

also tatsächlich hat mir die ganze Beschäftigung vor gar nicht all zu langer Zeit noch sehr geholfen. Ich bin ja eigentlich erst seit Mai wieder so regelmäßig am trinken. Davor war ich ja mehr oder weniger Abstinent. In der Zeit hatte ich in diesen ganzen Beschäftigungen die ultimative Entspannung gefunden. Beim Malen konnte ich so richtig abschalten und habe total die Zeit vergessen. Mich beim Sport ordentlich auszupowern hat mich so schön sediert wie eine Flasche Wein.
Und spazieren gehen und all die anderen Aktivitäten haben mich einfach zufrieden gemacht. Da kamen keine Gedanken an Alkohol. Suchtdruck hatte ich seit der Kündigung nur noch selten. Das war tatsächlich eine Zeit, von der ich behaupten würde, dass es die beste abstinente Zeit ever war.

Das hätte ich gerne zurück. Und was vor ein paar Monaten noch richtig war, kann doch jetzt nicht so verkehrt sein. Sicher, seit dem ist viel passiert, aber ich denke, dass das alles wieder kommt. Ich mache die ganzen Sachen einfach weiter, ich hab ja auch die Zeit dazu. Leider verschwindet der Suchtdruck nicht. Die Trennung von meinem Freund macht mir jetzt nach 2 Monaten doch irgendwie zu schaffen. Konnte das ganze anfangs gut bei Seite schieben, aber ich merke, dass mich das jetzt langsam einholt. Ich vermisse Ihn und mich macht das ganze traurig. Aber was soll ich tun? Wieder zu ihm zurück?! Auf keinen Fall.

Ja und der Rückfall am Montag war nach der SHG. Ich hatte während der SHG schon extremen Suchtdruck. Ich sitz dann in der Gruppe und während jemand anderes von seiner Kokainsucht erzählt, Schweife ich gedanklich ab und denke über Kokain nach "ja, so ein bisschen Koka wäre jetzt nett". Das gleiche während jemand über Gras berichtet. Nach der Gruppe hatte ich dann kurzerhand entschieden ins Nachbarland zu fahren und mir CBD Gras kaufen zu gehen. Ist ne legale Variante von normalen Marijuana, was quasi keine Wirkung hat. Aber ich hab gedacht, vielleicht hilft es mir gegen den Suchtdruck. War nicht so, und im Anschluss habe ich dann doch getrunken.
Ich hatte mir während der Selbsthilfegruppe auch viel Raum verschafft und viel über mich erzählt. Dennoch hatte ich Suchtdruck. Ich finde es einfach extrem mühselig diesem enormen Verlangen ständig zu widerstehen. Jeden Tag. Und es wird einfach nicht besser. Und in einem schwachen Moment geb ich dem Verlangen einfach nach.

Tatsächlich wollte ich euch hier auch nicht mein Leid klagen, sondern einfach nur Elisabet auf ihre Frage antworten. Nett, dass ihr euch die Zeit nimmt und mir Feedback gebt. Aber ich weiß was ich tun muss. Es geht nicht von heute auf morgen aber ich bleib am Ball. Auch wenn dem ein oder anderen das hier so vorkommt, möchte ich meine Rückfälle auf keinen Fall schön reden, aber soll ich deswegen jetzt komplett in Panik verfallen? Das hilft mir auch nicht weiter.

Ich habe mir zwei SHG raus gesucht. Fühle mich in beiden sehr wohl und in beiden Gruppen sind ehemalige Mitpatienten aus früheren Therapien. Das schafft direkt etwas Vertrauen. Was mir wirklich sehr aus der stationären Therapie fehlt sind meine Mitpatienten. Da konnte ich immer ich selbst sein und musste nie aufpassen was ich sage. Jeder wusste von was ich rede und ich musste mich nicht lange erklären. Das ist hier daheim etwas anderes. Ich habe zwar auch sehr gute Freunde mit denen ich über alles reden kann, trotzdem finde ich es oft mühselig über mache Dinge zu reden, weil ich zu viel erklären muss. Das ist mit Leidensgenossen was anderes. Deshalb bin ich froh die SHG gefunden zu haben.

Ich weiß, dass ich das alles schaffen werde!

Liebe Grüße
Schnisskettchen
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Susanne68 am 29. August 2020, 11:11:15
Davor war ich ja mehr oder weniger Abstinent

das erscheint Dir vieleicht rotzfrech, was ich schreibe, aber wegen genau solche Sätzen bin nach wie vor überzeugt, dass es nach wie vor im wesentlichen hinkommt, was ich Dir geschrieben habe. Vielleicht nicht jedes Detail, aber das Prinzip schon.

Dein Suchtdruck kann gar nicht weniger werden, so lange Du das so inkonsequent (mehr oder weniger) angehst. Der lebt davon, dass Du ihn fütterst.

Und wie gesagt, Du musst das vor mir nicht rechtfertigen und Du darfst gerne glauben, dass Du das schaffst. Ich glaubs trotzdem nicht, wenn Du so weitermachst wie bisher, aber ich wünsche Dir nach wie vor ernsthaft, dass es bei Dir mal schnackelt.

Und ich muss ja auch nicht mit den Konsequenten Deinens Handels leben. Kann mir im Grunde also auch egal sein. Du solltest nur nicht glauben, das Langzeittrockene keine Ahnung haben. Ich hab schon ne ganze Menge gesehen und auch gemacht, meine Meinung kommt nicht ganz von ungefähr. Trotzdem hast Du jede Freiheit, es anders zu machen. Du musst mit dem leben, was Du machst.

Gruß Susanne
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Susanne68 am 29. August 2020, 12:32:50
Ein letztes noch.

Du könntest das als freundlichen Hinweis lesen, nicht nur als schräge Anmache.

Mich haben eigentlich immer eher die Hinweise weitergebracht, die mir aufgezeigt haben, wo ich aufpassen muss. Denn mein eigenes Denken war offensichtilch insofern falsch, das ich mich damit in den Schlamassel gebracht habe und auch nicht mehr rauskam. Also brauchte ich Input, denn so schlau wie ich dachte (und wie Du von Dir offensichtlich auch denkst) war ich ja irgendwie nicht ganz, sonst hätte ich keine Hilfe gebraucht. Und Verständnis für meine Situation und Selbstmitleid  (ich arme Sau, alles so schwer), hatte ich selbst genug, das brachte mich nicht weiter.

Was vormachen konnte ich mir auch selbst. Dafür brauchte ich ebenfalls niemanden. Ich wollte mich nicht mit "Ja-Sagern" umgeben, um nur eine Bestätigung für meine eigene Denke zu erhalten, sondern es sollte ja anders werden. Dafür brachte ich klare Ansagen, jemanden der Tacheles redet.

Und ich vermute mal, Deine Überschrift soll ja in 10 Jahren auch nicht mehr "Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle" heissen. Also bei allem Verständnis, das Du erwartest, solls ja wohl trotzdem nicht so bleiben. Verständnis für Nasse würde für mich heissen, da kannst Du an die Kneipentheke gehen, da kriegst Du das Verständnis. Dafür bin ich nicht hier.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Greenfox am 29. August 2020, 13:33:42
Hallo Zusammen,

den Beitrag von Susanne möchte ich gar nicht kommentieren, da ich ihn rotzfrech finde. Auch wenn Susanne es für nötig hält, mein "nasses Geschwätz" zu kommentieren. Soweit ich weiß, ist dieses Forum nicht nur für trockene Alkoholiker, sondern ein Ort, an dem sich vor allem nasse Alkoholiker Hilfe suchen. Da finde ich so eine herablassend Art von langjährig Trockenen total daneben und wenig hilfreich.

Weißt Du, als ich noch getrunken habe, habe ich ALLES - jeden kleinsten und noch so lieb gemeinten Hinweis auf mein Trinkverhalten und bzw auch gerade in Bezug auf meine "Argumentationen", warum ich denn trinke, obwohl ich weiß, dass es nicht gut für mich und meine Familie ist und blablabla - als persönlichen Angriff gewertet!
Was haben sich diese eigentlich arroganten Armleuchter eingebildet, mir unter die Nase reiben zu müssen?!?

Es war die WAHRHEIT! Sie haben mir einfach versucht, die Wahrheit zu sagen! Erst haben sie es auf "diplomatischem" Wege versucht, durch die Blume - eigentlich durch so viele Blumen, dass man gar nicht mehr sehen konnte, was die eigentliche  Botschaft war.

Aber das Einzige, was zählt und wichtig ist, ist die Wahrheit, die UNGESCHMINKTE Wahrheit. Und dass die bei Dir - bzw. jedem Betroffenen - nunmal nicht gleich als "wunderschön" empfunden wird ... Tel Aviv, wie die Franzosen sagen.

Mit dem Werfen von Wattebäuschen gewinnt man nunmal keinen Boxkampf. Also stell Dich der Wahrheit! Hör auf, Dir alles schön zu reden!

Kennst Du die Geschichte von der Maus, der Kuh und der Katze?
Und genau so, wie nicht jeder, der Dich bescheisst, Dein Feind ist, so ist auch hier nicht jeder, der Dir die Wahrheit sagt, Dein Feind!
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Daun 2020 am 26. Dezember 2020, 17:47:44
Hallo Schmisskettchen
Ich habe mir deinen Thed mal durchgelesen,und Komme zu dem Schluss wie einige andere auch,das du bei dir anfangen mußt und sagen,jetzt ist Schluss mit lustig.
Warum hast du die letzte Therapie geschmissen?
Es wäre doch eine Neue Option gewesen,um dort wieder neu anzufangen,neue Erfahrungen zu Sammeln zu suchen bei sich selber wo sind denn nun meine Fehler?
Einfach hinschmeissen ist zu einfach,und sich dann einen hinter die Binde Kippen ist doch auch nicht die Lösung.
Die Probleme Bleiben.
Du Schreibst du wartest auf eine Umschulung,aber denkst du selbst wenn du diese machst wird es einfacher?
Nein da werden auch Probleme auftauchen,die du Heute Vielleicht noch gar nicht Kennst.
Mach doch mal eine Zwichenrechnung?
Dein Freund der dich runtergezogen hat ist nicht mehr da,ist ja schon mal Positiv finde ich zumindest,das du dem Nachtrauerst kann ich verstehen,muss es aber nicht nixweiss0
Warum.... Ich muss Heute nicht mehr alles Verstehen,und wenn es mir nicht gut tut schon gar nicht.
Du schreibst,das du mit den Leuten wo du schon mal in Therapie warst dich gut austauschen Kannst,warum hast du dann die Therapie abgebrochen ?
Mir hat die Therapie geholfen und ich Arbeite daran einem Rückfall vorzubeugen bevor es erst dazu Kommen Kann.
Das was du Schreibst kennen viele hier zwar nicht Bullemie aber Alkohol schon.
Sucht ist Sucht schwitz.
Oder Nicht?
Bei der Bullemie vielleicht anders,aber Sucht ist Sucht.
Stimmt ja Essen muss man sonst geht man elend zu Grunde Verhungern....
Beim Alkohol ist das schon einfacher,Alkohol braucht man niclkoholprobleme hat,und sich damit auseinandersetzt hat bei sich festgestellt,das wenn er wieder anfängt das Suchtgedächniss direkt wieder Aktiv ist.
Deswegen kann ich dir nur Raten,mache einen Katt und Stopp,so schwer es auch fällt.
Selbst jetzt über die Tage gibt es Hilfe,wie ich gelesen habe bei dir hilft dir Reden,dann mach das doch zur Not gibt es Deutschlandweit den Suchtnotruf,der 24 STD besetzt ist,selbst über die Feiertage.
Das wäre mal was was du testen Könntest,und diese Leute sind mit dem Thema vertraut.
ABER DU MUSST DAS MACHEN;UND KEIN ANDERER KANN DIR DABEI HELFEN
Ich wünsche dir das du das doch noch Schaffst.
Titel: Re: Rückfälle, Rückfälle, Rückfälle
Beitrag von: Daun 2020 am 28. Dezember 2020, 09:46:10
Alternative Alkohol und Drogentherapie
Unter Selbsthilfe und Therapie

Ich habe nicht nur für dich mal das hier Hereingestellt vielleicht kannst du ja für dich was damit anfangen.
Alle die dir hier geschrieben haben wollen dir bestimmt nichts Böses,aber bei der Sucht ist es nun mal so es gibt Kein einziges Mittel,viele Wege führen nach Rom und das ist das Fatale bei der Sucht.
Wenn man allerdings gewillt ist,und das ist die Voraussetzung dann sollte man auch alle Wege Probieren,wenn man sie dann zu Nutzen weis.